Es droht ein kalter Entzug

Verbriefte Kredite Die Zahlen machen schwindelig. Alleine in den USA sind hochgehebelte Unternehmenskredite, sogenannte Leveraged Loans, in der Grössenordnung von etwa 1 Billion Dollar ausstehend. Es handelt sich um Darlehen auf Ramschniveau. Oder etwas sophistizierter ausgedrückt: Non-Investment-Grade-Kredite. An sich ist dies noch kein Grund zur Sorge, denn den Dienst am eigenen Schuldenberg kann eine Firma locker bestreiten, solange die Wirtschaft brummt, die Gläubiger vor Optimismus strotzen und an den Finanzmärkten Champagnerlaune herrscht.

Wurstfabrik läuft wieder auf Hochtouren

Inzwischen aber hat die Sorglosigkeit, zumindest in den Vereinigten Staaten, überhandgenommen. Im Mutterland des Finanzcasinos filetiert die Wall Street in bester Subprime-Tradition Ramschkredite zu sogenannten Collateralized Loan Obligations (CLO) und verkauft die Kredittranchen an Investoren, die nach langen Tiefzins-Jahren um jedes Prozent Überrendite buhlen und dabei alle Vorsicht fahren lassen. Strenge Kreditklauseln für schlechte Schuldner sind ebenso passé wie die regulatorische Pflicht der Emittenten, einen Mindestanteil selbst zu zeichnen, was der «Nach mir die Sintflut»-Mentalität natürlich Vorschub leistet. Oder um es mit dem Bonmot von Ex-Bankier Konrad Hummler zu sagen: Die Wurstfabrik läuft auf Hochtouren. Und was für Zutaten im Brät sind, ist egal. Die Lebensmittelaufsicht soll besser nicht zu genau hinschauen.

Was hat uns 2008 gelehrt? Dass die nächste Krise bestimmt kommt. Nach der langen Party mit billigem Geld droht diesmal ein kalter Entzug.

Wurst of Wall Street

Verbriefte Kredite Das Geschäft mit Collateralized Loan Obligations boomt. Der Risikoappetit wächst, die Risiken selbst ebenfalls. Beim Verbriefen hochgehebelter Firmenkredite ist die Credit Suisse ganz vorn dabei.

Den ersten Deal des Jahres hatten die Assetmanager der Credit Suisse schon Ende Januar in der Tasche: «Cadogan Square CLO XIII DAC» lautet der sperrige Name des 400 Millionen Euro schweren Finanzvehikels, dessen Darlehensportfolio die Grossbank geschnürt hat. Beim «Cadogan Square» handelt es sich um ein strukturiertes Kreditprodukt, um eine sogenannte Collateralized Loan Obligation CLO.

Dazu trägt das vierzigköpfige CLOTeam der CS in London mannigfaltige Unternehmenskredite zusammen, bündelt sie und strukturiert das Darlehensbündel nach Risikoklassen. So portioniert begibt die Bank die Kredittranchen anschliessend als CLO an professionelle Investoren wie Pensionskassen, Investmentfunds oder Family Offices. Je nach Risikoappetit winken relativ hohe Renditen. Im Beispiel des «Cadogan Square» hat der prognostizierte Coupon einen Zinsaufschlag von bis zu 7,9 Prozent auf dem Referenzsatz für Termingeld (Euribor). Noch mehr Rendite versprechen jene knapp 37 Millionen Euro an nachrangigen Darlehen. Solche hochspekulativen Tranchen können bei den CLO über die gesamte Laufzeit bis zu 20 Prozent Jahresrendite abwerfen.

Volumen seit 2008 stark gestiegen

Angesichts solch potenzieller Profite verwundert es nicht, dass Family Offices, Pensionskassen und andere Institutionelle sich um die Kreditbündel reissen. Das Emissionsvolumen an CLO ist seit der Finanzkrise 2008 wieder stark angestiegen. Haupttreiber hierfür ist das Tiefzinsumfeld, das trotz schrittweiser Anhebung der Leitzinsen in den USA das Vorkrisenniveau nicht wieder erreicht hat. Ganz zu schweigen von der Situation in Europa, wo die Zentralbanken die Leitzinsen bei null halten oder gar in den negativen Bereich drücken.

Der strukturelle Renditenotstand auf relativ sicheren Anlageklassen wie Staatsanleihen hält also an und vergrössert zwangsläufig den Risikoappetit der Investoren. Gleichzeitig verleitet die Zentralbankenpolitik des billigen Geldes Unternehmen zum Schuldenmachen. Gemäss Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben sich die Volumen gehebelter Unternehmenskredite und hochverzinslicher Anleihen seit 2008 mehr als verdoppelt.

Dabei erfreuen sich vor allem Kredite bereits stark verschuldeter Unternehmen in den vergangenen Jahren grosser Nachfrage. In den USA sind mittlerweile 1 Billion Dollar an «leverage loans» ausstehend. Diese haben im Gegensatz zu hochverzinslichen Anleihen keinen fixen Zinscoupon, sondern eine Risikoprämie auf Interbankensätze wie den Libor. Selbst wenn die US-Notenbank oder die EZB an der Zinsschraube drehen sollte, bleibt aus Sicht der Investoren die Renditedifferenz erhalten.

Möglicher Kreditausfall

Allerdings hat sich die Überrendite auf Unternehmenskredite in den USA seit 2010 praktisch halbiert. Oder anders ausgedrückt: Für Schuldner mit schlechter Bonität ist es billiger geworden, sich weiter zu verschulden. Gleichzeitig werden die Gläubiger nachlässiger, wenn es darum geht, ihr Kapital vor einem möglichen Kreditausfall zu schützen. So hat der Anteil von «covenant-lite»-Krediten den höchsten Wert seit der Finanzkrise erreicht. Das sind Darlehen ohne Kreditklauseln und Solvenz-Checks, die einen kompletten Zahlungsausfall verhindern sollen.

Der beschriebene Boom bei «leverage loans» ist, nebst dem billigen Zentralbanken-Geld, auch auf die Verbriefung der Kredite zurückzuführen. «Die darlehensgebenden Banken finden es einfacher, diese Kredite zu verbriefen und zu verkaufen», schreibt BIZ-Ökonom Tirupam Goel. Vor der Finanzkrise hielten die Banken nämlich einen Grossteil der verbrieften Kredite in eigenen ausserbilanziellen Special Purpose Vehicles, deren Hochrisikopositionen erst beim Crash von Herbst 2008 ruchbar wurden. Heute dagegen reichen die Bankhäuser ihre Kredite über strukturierte Collateralized Loan Obligations an Finanzinvestoren weiter. Da wichtige Käufer von CLO Investmentfonds sind, könnte es im Falle einer Kreditkrise zu Notverkäufen der Fonds kommen, wodurch die Preise weiter unter Druck kämen. «Diese Dynamik kann sich nicht nur auf Investoren, die diese Kredite halten, auswirken, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft», schreibt Ökonom Goel.

Gehacktes aus Filets und Abfall

Dabei spielt die Verbriefung eine zentrale Rolle, indem sie das Risiko zwar grossflächig streut, aber im Falle einer Krise auch das Misstrauen unter den Marktteilnehmern grösstmöglich schürt. Ex-Bankier Konrad Hummler prägte dabei das Bild der Wurstfabrik: «Während früher reale Einzelstücke – Hypotheken oder Geschäftskredite als Filets oder Haxen sozusagen – integral platziert wurden, wurden diese schönen Stücke mit der Zeit immer mehr zerhackt, vermengt, gewürzt und verpackt.» Mit einer CLO-Cervelat, um bei Hummlers Metapher zu bleiben, schwindet bei den Emittenten nämlich das Verantwortungsgefühl für deren Zutaten. Die Kreditrisiken tragen ja nun diverse Dritte.Post-

Subprime-Regel aufgehoben

Um diesem «Nach mir die Sintflut»- Phänomen zu begegnen, haben die Aufsichtsbehörden nach der Subprime-Krise einen Risikoeinbehalt eingeführt, der seit 2010 in der EU gilt und seit 2016 in den USA. Demzufolge müssen CLOEmittenten jeweils 5 Prozent ihres Kreditvehikels selber zeichnen. Die Idee dahinter ist, dass auch der Herausgeber des verbrieften Kredits seine eigene Haut mit im Spiel hat. Doch gerade diese «Skin in the game»-Regel wurde in den USA im letzten Frühjahr durch einen Gerichtsbeschluss für nichtig erklärt. Damit sinken kapitalseitig die Eintrittshürden für neue Marktteilnehmer. Gleichzeitig haben sich bisherige CLO-Emittenten daran gemacht, ihre Zwangsanteile zu veräussern. Zu den Verkäufern der «risk retention»-Anteile gehörte gemäss Bloomberg auch die CS.

Angemessenes Risikoprofil

Die Grossbank ist seit langem im CLO-Markt aktiv und in den USA einer der grössten Marktteilnehmer (siehe Tabelle). Zum einen mit der Investment Bank als Emittent. Zum anderen im Assetmanagement beim Verwalten der Kreditportfolios. Die CS betont, man habe das CLO-Geschäft über verschiedene Kreditzyklen hinweg erfolgreich gelenkt und verwaltet: «Die Bank besitzt im CLO-Bereich ein angemessenes Risikoprofil und steuert das Engagement aktiv.» Oder wie John Popp, CLO-Topmanager bei der CS, es vor einigen Monaten formulierte: «Sie haben nur dann Probleme, wenn ein Manager überproportional in Kredite investiert, die ausfallen und Verluste haben.»

Die treibende Kraft

Falcon Bank Die Zürcher Bank wusch 1,8 Milliarden Dollar aus dem Malaysia-Staatsfonds 1MDB. Nun liegen neue Details zur Transaktion vor.

Eduardo Leemann ist gerade beim Trekken in Patagonien, hat selten Telefonempfang und keinen Kommentar zum Fall abzugeben, wie er per SMS mitteilt. Im Frühjahr 2013 dagegen befasste sich der damalige Chef der Zürcher Privatbank Falcon intensiv mit der Milliarde aus Malaysia, wie neue Gerichtsdokumente zeigen: Leemann telefonierte wiederholt mit Jho Low, dem flüchtigen Mastermind hinter dem Betrugsfall um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. So auch am 25. März 2013, als sich der Schweizer Banker am Telefon bei Low beklagte, dass die Dokumentation der transferierten Vermögenswerte schlichtweg ungenügend sei: «Wenn es sich jemand nur schon aus der Ferne ansieht, wird das zum Problem.»

Prophetische Worte Leemanns. Denn der 1MDB-Fall bescherte Falcon Jahre später eine Sanktion der Finanzmarktaufsicht. Und der Fall treibt weltweit die Behörden bis heute um. Zuletzt geriet Goldman Sachs ins Visier der Strafverfolger.

Zum Wohle des malaysischen Volkes

Trotz Leemanns Mahnung gab die Zürcher Bank Falcon 2013 schliesslich grünes Licht für die Buchungen eines malaysischen Geschäftsmannes, ohne Geldwäscherei-Meldung zu erstatten. So gingen zwischen 21. und 25. März 1,26 Milliarden Dollar auf Falcon-Konti ein, von denen 1,06 Milliarden gleich wieder abflossen. Bis im Herbst 2013 wurden rund 1,8 Milliarden Dollar über die Bank gewaschen. Zum Vergleich: Falcon verwaltete seinerzeit knapp 14 Milliarden Franken.

Was Jho Low beziehungsweise sein Strohmann Eric Tan bei Falcon durchschleusten, waren Vermögen des malaysischen Staatsfonds 1MDB. Jenes Staatsfonds zum Wohle des malaysischen Volkes, der bis 2013 6,5 Milliarden Dollar geäufnet hatte, von denen schliesslich mehr als 2,7 Milliarden Dollar veruntreut wurden. Mit dem Geld finanzierten Jho Low und Co. ihr Luxusleben und hielten Politiker und hohe Beamte in Malaysia und Abu Dhabi bei Laune.

Compliance der Falcon übersteuern

Der 1MDB-Fall ist ein Lehrstück in globaler Wirtschaftskriminalität. Aber nicht nur. Der Fall zeigt auch exemplarisch, wie die Teppichetage einer Bank die eigene Compliance übersteuern kann. «Aus verschiedenen Telefonaufzeichnungen ergibt sich, dass der damalige CEO Eduardo Leemann nach Wahrnehmung der Angestellten zumindest zeitweise Druck ausübte, damit die Transaktionen rasch genehmigt würden», heisst es in einem jüngst ergangenen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVG). Leemann sei «die treibende Kraft» gewesen, welche die Transaktion durchführen wollte. Auch der damalige Falcon-Präsident Mohamed Al-Husseiny habe Druck ausgeübt.

Die Bankspitze peitschte also den Milliardentransfer durch, obwohl es von Anbeginn an klare Verdachtsmomente für Geldwäsche gab: Im Winter 2012 eröffnete ein Mann namens Eric Tan bei der Falcon-Filiale in Singapur mehrere Konten für seine Offshore-Gesellschaften. Tan wurde der Bank als Person aus dem Umfeld des malaysischen Premiers eingeführt. Als erfolgreicher Geschäftsmann, der gemäss Knowyour-Customer-Dokumentation ein geschätztes Vermögen von 135 Millionen Dollar hatte. Bei Falcon rechnete man deshalb mit Vermögenszuflüssen von etwa 60 Millionen Dollar. Was Tan in einem Mail am 18. März 2013 an Falcon-Chef Leemann und seine Kundenberaterin in Zürich dann aber ankündigte, sprengte mit 1,2 Milliarden Dollar jeglichen Rahmen. Seine Gesellschaften auf den Britischen Jungferninseln würden «private Darlehensvereinbarungen» mit drei Offshore-Fonds eingehen, lautete die Plausibilisierung des Jho-Low-Strohmanns. In Tat und Wahrheit stammte der Milliardenbetrag jedoch aus einer Bond-Emission des Staatsfonds 1MDB.

Wichtige Dokumente fehlten

Bei der verantwortlichen Falcon-Filiale in Singapur läuteten die Alarmglocken. Noch am Tag der ersten Transaktion war der dortige Filialleiter der Ansicht, dass diverse wichtige Fragen offen seien und Dokumente ausstünden über Herkunft und Verwendung der Gelder und die Frage, weshalb die Transaktionen überhaupt über die Bank laufen müssten. Schliesslich sollte Tans Milliarde von der Schweizer BSI eingebucht werden: Weshalb also wickelte die Tessiner Bank die Darlehensvereinbarungen nicht selber ab? Zumal für Falcon bloss 120 000 Franken an Überweisungsgebühren winkten. «Die ganze Transaktion stinkt zum Himmel nach Geldwäscherei», sagte der damalige Singapur-Leiter gemäss Gesprächsprotokollen.

Doch das verbale Aufbäumen des Bankers nützte ihm später wenig. Er geriet trotzdem in die Mühlen der 1MDB-Ermittlungen. Die Monetary Authority of Singapore entzog im Frühjahr 2017 der Falcon-Filiale die lokale Lizenz. Ihr Leiter musste für 28 Wochen hinter Gitter und erhielt im Stadtstaat ein lebenslanges Berufsverbot. Dabei hatte der Singapur-Leiter Falcon-Chef Leemann direkt kontaktiert, als ein Teil des Geldes bereits eingebucht und weiter distribuiert worden war. Auch Leemann missfiel der Milliardentransfer sichtlich und er wandte sich mit drastischen Worten in einer Telefonkonferenz an seinen damaligen Präsidenten Mohamed Al-Husseiny: «Dies ist nicht professionell, unvorbereitet und amateurhaft. Die erhaltene Dokumentation ist ein Witz, Mohamed, ein Witz! (…) Entweder du sprichst jetzt mit Jho und sagst ihm, dass er eine Dokumentation liefern soll, mit der meine Compliance leben kann, oder wir haben ein grosses Problem.»

Heikle Punkte

Passiert ist nichts. Trotz klaren Verdachtsmomenten machte die Bank keine Meldung an die Geldwäscherei-Meldestelle MROS. Nicht zuletzt, weil Präsident Al-Husseiny die Geschäfte stets zu plausibilisieren suchte und für die Rechtmässigkeit der Transfers bürgte. Was die operative Falcon-Führung damals nicht wusste: 1MDB-Mastermind Jho Low hatte den Bankpräsidenten längst gekauft, indem er Al-Husseiny bereits 2012 verdeckt rund 66 Millionen Dollar überwiesen hatte.

Das Doppelspiel von Präsident Al-Husseiny fiel allerdings auf fruchtbaren Boden: Das BVG-Urteil hält fest, dass die damalige Geschäftsleitung um CEO Leemann und COO Tobias Unger «in Kenntnis der möglicherweise geldwäschereirechtlich heiklen Punkte» agierte und die Compliance «über weite Strecken keine Entscheidbefugnis hatte, sondern vielmehr als eine Art Stabsstelle» fungierte. Dennoch attestierte der damalige Revisor Ernst & Young Falcon noch Mitte 2015, die Geldwäscherei-Prävention sei «grundsätzlich angemessen».

DSKH – In die Wolle geraten

DKSH Beim börsenkotierten Handelskonzern hängt der Haussegen schief. Mehrere Verwaltungsräte und ein Grossaktionär stehen vor dem Rückzug.

Es war ein Donnerschlag, als Jörg Wolle letzten Herbst seinen Rücktritt als DKSH Präsident auf die Generalversammlung im März 2019 ankündigte. Der Abgang erfolgte nur knapp zwei Jahre nach Amtsantritt und überraschte umso mehr, als Wolle in seinen 15 Jahren zuvor als operativer Chef den Handelskonzern so fest im Griff gehabt hatte wie kein Zweiter. DKSH – das war Wolle.

Mögliche Abgänge

Der Widerhall auf den angekündigten Weggang war intern gewaltig und hält bis heute an, wie Recherchen der «Handelszeitung» zeigen. Der auf Asien fokussierte Handelskonzern steht personell am Scheideweg. Denn nebst Wolle sind offenbar drei weitere Verwaltungsräte, unter ihnen ein Grossaktionär, drauf und dran, sich von DKSH zu verabschieden. Genannt werden Theo Siegert, Vorsitzender des Strategieausschusses, David Kamenetzky, Chefstratege des Biergiganten Anheuser-Busch InBev, und Robert Peugeot, der im Vergütungs- und Nominationsausschuss sitzt. Die Firma will sich zu möglichen Abgängen nicht äussern.

Peugeot, Spross des französischen Autobauers, präsidiert gleichzeitig die Investmentholding FFP, die grossmehrheitlich der Peugeot-Familie gehört und 5,9 Prozent an DKSH hält. FFP ist hinter dem Diethelm-Keller-Familienpool – er hält 46 Prozent – der grösste Einzelaktionär des Handelskonzerns. Peugeots Abschied aus dem Verwaltungsrat könnte, so vermuten Insider, über kurz oder lang auch den finanziellen Ausstieg der Franzosen aus DKSH bedeuten. Deren Aktienpaket ist derzeit rund 285 Millionen Franken wert.

Neues Machtzentrum bei DKSH

Der mutmassliche Exodus aus dem Verwaltungsrat lässt aufhorchen. Offenbar ging dem Abgang von Wolle und Co. ein Richtungsstreit im Gremium voraus. Dass sich das Verhältnis zwischen dem Handelskonzern und seinem Präsidenten eintrüben würde, zeichnete sich letzten Frühsommer ab. Da machte Wolle, der gemäss «Bilanz» geschätzte 200 bis 250 Millionen Franken schwer ist, einen Grossteil seiner DKSH-Aktien zu Geld: genauer gesagt 342 000 Stück oder 90 Prozent der Anteile am Asien-Dienstleister, für die er 27,2 Millionen Franken löste.

Das präsidiale Cash-out war ein unverholenes Misstrauensvotum an die Adresse der neuen operativen Führung um Stefan Butz, der seit April 2017 als DKSH-Chef amtet. Sein Langzeitvorgänger Wolle hatte ihn zuvor für stolze 4,3 Millionen Franken Handgeld väterlich ins CEO-Amt eingeführt. Doch schon bald war klar, dass sich der Neo-Präsident und der Neo-Chef in die Wolle geraten würden. Der Präsident gebärdete sich weiter als Alleinherrscher, derweil der Konzernchef in seinem Schatten stand. Butz soll sich im Verwaltungsrat deshalb an die Familienaktionäre Andreas Keller und dessen Cousin Adrian Keller gehalten haben. Seine Forderung: Mehr Ellbogenfreiheit.

Die Machtfrage spitzte sich weiter zu, bis der Diethelm-Keller-Clan dem dominanten Wolle beschied, die Zukunft ohne ihn bewältigen zu wollen. Der Bruch zwischen den langjährigen Weggefährten war komplett. Der angesäuerte VR-Präsident blies zum Rückzug und stiess sein üppiges Aktienpaket ab. Der Kehraus freilich war nicht zur Freude der Altaktionäre, denn mit dem Losschlagen seines Pakets stürzte der DKSH-Kurs fast senkrecht ab und vernichtete 800 Millionen an Börsenwert. Denn auch der abtretende Verwaltungsrat und Financier Rainer-Marc Frey entledigte sich seiner DKSH-Anteile. Praktisch zeitgleich mit Wolle.

Blühende Landschaften

Die Trennung vom Alpha-Präsidenten fiel den Keller-Cousins indes nicht schwer, im Gegenteil. Intern waren längst Zweifel aufgekommen, ob Wolle wirklich das Geld wert war, das er in seiner langen Regentschaft anhäufen durfte. Denn der fürstlich vergütete Manager aus Sachsen hat im Unternehmen nicht nur blühende Landschaften hinterlassen. Die Profitabilität lässt jedenfalls zu wünschen übrig. Der Gewinn pro DKSH-Aktie stagniert seit Jahren. Auch Wolles Umsatz und Gewinn-Ziele für 2016, die er drei Jahre zuvor proklamiert hatte, wurden nicht annähernd erreicht. Und die Wachstumsfantasien in Asien trüben sich gerade rapide ein.

Der auf maximale Macht und Honorierung ausgerichtet Wolle musste jedenfalls zusehen, wie sich das Gefüge im obersten DKSH-Gremium zu seinen Ungunsten verschob. Sein Abschieds-Communiqué lud Wolle, der keine drei Monate zuvor fast sein gesamtes Aktienpakt abgestossen hatte, noch einmal richtig mit Pathos auf: «DKSH ist auf Kurs für eine erfolgreiche Zukunft.»

Auch Topmanagerin verabschiedet sich

Der frohgemute Gruss zum Abschied konnte freilich nicht kaschieren, dass der Haussegen schief hängt. Einen Monat nach Wolles Abgangsankündigung vermeldete der Handelskonzern, dass Kommerzchefin und Leiterin der Konsumgüter-Sparte Martina Ludescher DKSH ebenfalls verlassen würde. Eine pikante Personalie: Auch Ludescher ist mit 16 Konzernjahren ein Urgestein. Die heute 41-jährige Topmanagerin startete 2003 als Wolles Assistentin und galt seither als dessen Protegée, die rasch die Karriereleiter erklomm.

Aufgrund von «Differenzen in der strategischen Orientierung und in der Implementierung organisationaler Massnahmen», schrieb die Firma, habe sie DKSH verlassen. Im Klartext: Ludescher und Butz waren sich nicht grün. Mit dem Sukkurs des Verwaltungsrates konnte der Konzernchef Butz schliesslich durchgreifen und die Ära Wolle ausläuten. Doch noch ist das eindrückliche Kapitel Jörg Wolle in der Firmenchronik des Handelshauses nicht definitiv geschlossen. Die letzte Korrektur, so scheint es, steht im Verwaltungsrat kurz bevor.

UBS – Geschäftsmodell im Stresstest

Wealth Management Die UBS ist heute vor allem und in erster Linie eine Vermögensverwalterin. Daran muss sich die grösste Bank der Schweiz messen lassen. Schliesslich stammte in den letzten Jahren mehr als die Hälfte der Vorsteuergewinne aus dem Wealth Management. Der Rest verteilte sich zu etwa gleichen Teilen auf das solide Heimgeschäft und eine Investmentbank, die operativ mal mehr, mal weniger zu überzeugen vermochte, aber immerhin ihren Kapitalhunger drastisch reduziert hat.

Abfluss im vierten Quartal

Im Kerngeschäft dagegen, der Vermögensverwaltung, gibt es Grund zur Besorgnis. Nach Jahren, in denen die UBS wie ein Staubsauger Milliarden an Neugeld einfuhr, ist die Asset-Maschine ins Stocken geraten. Gegenüber den Vorjahren haben sich die Neugelder 2018 praktisch halbiert. Im vierten Quartal resultierte gar ein Abfluss. Mit 1 Prozent liegt das «Net New Money» unter den Zielwerten von 2 bis 4 Prozent bis 2021.

Auch der Bestand, also die verwalteten Vermögen, ist 2018 um 6 Prozent gesunken. Dies ist den schwächelnden Finanzmärkten geschuldet, die rund um den Globus das Anlagejahr mit einem satten Minus beendet haben. Fürs UBS-Geschäftsmodell bedeutet dies in der Paradedisziplin – nach den Jahren der Börsenhausse – einen ersten, grossen Stresstest. Die Wealth-Managment-Chefs, Martin Blessing und Tom Naratil, müssen den Beweis erbringen, dass ihr Business auch in einem Bärenmarkt solide Ergebnisbeiträge liefern kann. Schliesslich war dies ja der strategische Claim von Sergio Ermotti, als er die Investmentbank zurechtstutzte und voll auf die Karte Vermögensverwaltung setzte.

Zweifel an Wetterfestigkeit des UBS Wealth Managements

Die jüngsten Zahlen lassen Zweifel an der Wetterfestigkeit des Wealth Managements aufkommen. Die Bremsspuren an den Börsen schlagen sich in der Erfolgsrechnung nieder: Wenn die Anleger verunsichert sind, vergeht ihnen die Lust am Wertschriftenhandel. Die Einnahmen aus dem Transaktionsgeschäft sanken entsprechend im Vergleich zum Vorjahresquartal um 16 Prozent. Zwar stiegen die Einnahmen aus wiederkehrenden Gebühren um 3 Prozent, weil die UBS mehr Vermögensverwaltungsmandate absetzen konnte. Deren Anteil liegt nun bei etwa einem Drittel, Tendenz steigend. Das ist positiv, weil die Erträge sich darauf weniger erratisch entwickeln als im Transaktionsgeschäft. Aber wenn wegen der schlechten Märkte die Asset-Basis schrumpft, dann leidet auch das Geschäft mit den Gebühren. Schliesslich bemessen sich die Fees am investierten Vermögensvolumen.

Boomjahre gehen zu Ende

In einer Baisse kommen die Einnahmen bei gleich bleibenden Kosten unter Druck. Entsprechend lag das Ertrag-Aufwand-Verhältnis im letzten Jahr bei 78 Prozent. Weit entfernt von jenen 70 Prozent, die die UBS bis 2021 erreichen will. Und dies in einem sich eintrübenden Umfeld und Finanzmärkten, denen nach Boomjahren langsam die Puste ausgeht. Die Investoren scheinen dies bereits einzupreisen. Die UBS-Aktie büsste im Jahresvergleich 30 Prozent ihres Werts ein und schnitt damit fast so schlecht ab wie die Credit Suisse. Es bleibt viel zu tun am Paradeplatz.

Remo Stoffel – Milliarden angelegt, Milliarden verpfändet

Remo Stoffel ordnet sein Firmenimperium neu. Dies gewährt erstmals Einblick in seine Finanzen und wirft neue Fragen auf.

Mitte Dezember wurde die künftige Struktur von Remo Stoffels Firmenimperium besiegelt. In Chur unterzeichnen er und seine Gefolgsleute, unter ihnen Ex-Implenia-Spitzenmann Hans-Peter Domanig und Fulvio Micheletti, ein ehemaliger UBS-Manager, einen Fusionsvertrag, mit dem der Bündner Unternehmer seine Holding vereinfachen soll. «Es handelt sich um Sanierungsfusionen, um die Insolvenz der überschuldeten Einzelgesellschaften abzuwenden», sagt Marco Passardi, Accounting-­Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ.

Was auch immer die Beweggründe sind: Die Sanierungsfusionen gewähren erstmals einen Einblick in die Finanzen jenes Mannes, dessen unternehmerischer Aufstieg stets von Unkenrufen begleitet war. Der Financier aus Vals polarisiert, seit er 2005 die Immobiliengesellschaft Avireal aus dem Swissair-Nachlass erworben und sich dann mit seinem damaligen Geschäftspartner überworfen hat. Was folgte, war ein erbitterter Rechtsstreit.

Höchstes Gebäude Europa

Auch zehn Jahre später gehen die Wogen hoch, als Stoffel ankündigt, in seinem kleinen Bündner Heimatdorf einen 381 Meter hohen Turm bauen zu wollen. Der Wolkenkratzer namens «Femme de Vals» wäre das höchste Gebäude Europas. Gegner werfen ihm Gigantismus vor: Mit der «Femme» verschandle der Unternehmer die ­alpine Landschaft in der Surselva. Stoffel sagte damals, er wolle insgesamt 300 Millionen Franken in Vals investieren. Bezahlt würden die Investitionen aus eigenen Mitteln: «7132 AG hat das Projekt finanziert, unsere eigene Vermögensverwaltungsgesellschaft VV Value Vals, hat an ihrer letzten Verwaltungsratssitzung der 7132?AG die entsprechende Finanzierungszusage gemacht.»

Seit der spektakulären Ankündigung sind fast vier Jahre verstrichen. Der Turmbau zu Vals lässt weiter auf sich warten. Dafür liegen der «Handelszeitung» erstmals Zahlen zu jener Vermögensverwaltungsgesellschaft vor, welche seinerzeit die Finanzierungszusage gesprochen hatte.

Das Firmenimperium von Remo Stoffel

Am 30. Juni 2018, dem Stichtag der Sanierungsfusion, war die VV Value Vals mit 35,5 Millionen Franken buchmässig überschuldet. Dies bei einer Bilanzsumme von 1,8 Milliarden Franken. Die kurzfristigen Bankschulden der VV Value beliefen sich dabei auf 1,2 Milliarden Franken. Etwa zur Hälfte in Dollar denominiert. Die laufenden Bankschulden haben sich ­dabei zwischen Ende 2017 und Mitte 2018 praktisch verdoppelt.

Stoffels Vermögensverwaltungsfirma zahlte auf den ausstehenden Krediten in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 10 Millionen Franken Zinsen. Der durchschnittliche Satz betrug dabei 2,6 Prozent und war auf knapp vier Monate hinaus fixiert. Für den Milliardenkredit musste Stoffels Firma den Banken weitreichende ­Sicherheit gewähren: Per Ende Juni waren die Wertschriftendepots, sämtliche Aktien der VV Value sowie «weitere beim Kreditgeber deponierte ­Vermögensgegenstände» verpfändet.

Nebst diesen kurzfristigen Bankkrediten sind auch langfristige Dar­lehen bei der Konzernmutter XO (siehe Firmenstruktur oben) von 580 Millionen Franken ausstehend. Insgesamt wies die VV damit im Sommer 2018 Verbindlichkeiten in der Höhe von 1,84 Milliarden Franken auf.

Den Bankschulden und Konzerndarlehen steht ein riesiges Wertschriftenportfolio gegenüber, von dem nur wenige Aktien-Investments wie jenes in den texanischen Milchverarbeiter Dean Foods öffentlich bekannt sind.

Momentaufnahme: 400 Millionen Franken Cash

Zur Grössenordnung: Hätte Remo Stoffel Ende Juni auf einen Schlag sämtliche seiner Wertpapiere zum Kurswert verkauft, hätte der Bündner einen Erlös von 2,2 Milliarden Franken realisiert. Abzüglich sämtlicher interner und externer Verpflichtungen wären Stoffel knapp 400 Millionen Franken Cash geblieben. Dies ist jedoch eine Momentaufnahme. Und angesichts der Depotgrösse bestehen gewaltige Schwankungsdifferenzen.

Immerhin spricht Accounting-­Dozent Marco Passardi von einem «konservativen Bewertungsansatz» der VV. In den Büchern der Value Vals findet sich nämlich «bloss» ein Wert von 1,7 Milliarden. Die Wertschriften seien also zum Anschaffungswert und nicht zum Kurswert am Stichtag bilanziert worden, erklärt er. Sowieso greift der alleinige Fokus auf Stoffels VV Value Vals zu kurz, denn Stoffels Einzel- und Holdinggesellschaften sind über gegenseitige Darlehen und als Kreditsicherheiten für Dritte aufs Engste miteinander verzahnt, wie die Fusionsbilanzen zeigen.

«Grundsätzlich lässt sich mittels Einzelabschlüssen nach Obligationenrecht nicht auf die allgemeine wirtschaftliche Verfassung der Gruppe als Ganzes schliessen», betont denn auch Passardi. So erlaubt das Obligationenrecht beispielsweise die Bildung stiller Reserven. Das bedeutet: Der tatsächliche Marktwert ­einer Immobilie kann deutlich höher sein als der Wert der Liegenschaften in den Büchern der Gesellschaft.

Unvollständiges Bild

Insofern geben die Einzelabschlüsse nach OR die wirtschaftliche Realität also nur bedingt wieder. Auch der unabhängige Fusionsprüfer beurteile jeweils nur die Einzelabschlüsse der übertragenden beziehungsweise der übernehmenden Gesellschaft, erklärt Passardi: «Das birgt die Gefahr eines unvollständigen Bildes, weil die Konzernlage im Dunkeln bleibt.»

Fest steht, dass die Fusionen der Einzelgesellschaften in die Priora ­Suisse nur möglich waren, weil Gesellschaftsgläubiger im Umfang der Unterdeckung im Rang hinter andere Gläubiger zurückgetreten sind. Aus Stoffels Umfeld ist zu hören, man sei bloss daran, in der Schweiz «einfache, klare Strukturen» zu schaffen, um hernach international industriell zu wachsen. Remo Stoffel selbst will sich auf Anfrage zu den Finanzen seines Konzerns im Detail nicht äussern: Als privat gehaltene Firma müsse man die süssen Früchte des Unternehmenserfolges nicht mit der Öffentlichkeit teilen: «Entsprechend haben wir keine Veranlassung, uns zu einzelnen Unternehmen der Gruppe zu äussern.» Eine solche Gesellschaft, deren Fusionsbilanz nun vorliegt, ist die Priora Airport Immobilien AG (PAI). Darin enthalten ist das ehemalige Swissair-Verwaltungs­gebäude Balsberg in Kloten. Das siebengeschossige Geschäftsgebäude mit 45?000 Quadratmetern Nutzfläche gilt als eigentliches Flaggschiff der Gruppe und soll bald um drei Etagen erhöht werden.

Die «Anlageliegenschaften» der Priora Airport haben per Ende Juni einen ausgewiesenen Buchwert von 201 Millionen Franken. Daneben verfügt die PAI über Landreserven am Flughafen Kloten, die mit knapp 35 Millionen Franken in den Büchern stehen. Sie bilden als First District die planerische Entwicklungszelle einer möglichen Airport City Zürich.

Ausreichend stille Reserven

Auch diese Priora Airport Immobilien AG weist per Ende Juni 2018 eine auf Buchwerten ermittelte Überschuldung von 47 Millionen Franken aus. Bei einer Bilanzsumme von rund 600 Millionen Franken bestehen kurz- und langfristige Hypothekarkredite in der Höhe von 483 Millionen Franken. «Die PAI hat enorm hohe Bankschulden», sagt Accounting-Fachmann Passardi. Allerdings bleibt offen, wie hoch die stillen Reserven auf den Liegenschaften und unbebauten Flächen am Flughafen sind. Im Einzelabschluss ist nachzulesen, dass die Bilanz zwar eine Überschuldung ausweise, die Gesellschaft jedoch «über ausreichend stille Reserven verfügt, wodurch die Überschuldung nur buchmässig» bestehe.

Um die Hypokredite über 480 Millionen Franken zu decken, gehen die gewährten Sicherheiten allerdings über die Schuldbriefe, Mieterträge und Aktien der PAI ­hinaus. «Die Substanz der Firma reicht den Gläubigern offenbar nicht aus. Sie ­erachten die Ertragskraft offenbar als problematisch und bauen deshalb nicht auf möglicherweise vorhandene stille Reserven», sagt der Buchhaltungsexperte. Konkret ist «teilweise» auch das Wertschriftenportfolio der VV Value Vals verpfändet, die Aktien des Vermögensverwalters sowie «teilweise auch beim Kreditgeber deponierte Vermögensgegenstände» der VV.

Temporäre Mietminderungen

Einen Hinweis auf die Ertragskraft der PAI könnten die «temporären Mietminderungen» liefern, die sich in der Erfolgsrechnung finden: Sie beliefen sich 2017 auf knapp 4 Millionen Franken bei Mieterträgen von rund 46 Millionen Franken. Aus Stoffels Umfeld ist zu hören, dass diese in Zusammenhang mit der Aufstockung von Balsberg stünden und «logistische Ursachen» hätten.

Wie auch immer: Der Abschluss der Priora Airport Immobilien gewährt einen Einblick in eine weitere zentrale Stoffel-Gesellschaft namens 7132 AG. Die 100-Prozent-Tochter hält unter anderem das gleichnamige «Design und Wellness-Hotel» in Vals und gilt als Projektantin für den «Femme de Vals»-Turm. Die 7132 AG hatte Stand Juni 2018 einen Buchwert von 7,5 Millionen und grosse, konzerninterne Verpflichtungen. So schuldete die Valser Hotel-Tochter der Airport-Mutter zwei Darlehen über je rund 62 Millionen Franken. Eines davon mit Rangrücktritt, welches fast vollständig abgeschrieben wurde. «Dies lässt darauf schliessen, dass bei der 7132?AG ein buchmässiger Kapitalverlust oder eine buchmässige Überschuldung vorliegen muss», sagt Passardi. Den Turmbau zu Vals rückt so kurzfristig in ein schiefes Licht, weil sowohl Projektantin 7132 AG wie auch Finanziererin VV Value per Ende Juni buchmässig überschuldet waren.

Kaufmännische Vorsicht

Von den fusionierten Firmen hatte einzig die Priora Immobilien AG am Stichtag ein positives Eigenkapital. Doch auch bei ihr weist Passardi auf eine «sehr hohe Fremdverschuldung» hin, wenn man den Buchwert zum Massstab nimmt. So betrug der Eigenkapitalanteil 6,7 Prozent. «Nach Lehrbuch sollte der bereinigte EK-Anteil mindestens 20 Prozent betragen», erklärt der Accouting-Experte.

Der tiefe Wert könnte allerdings auch kaufmännischer Vorsicht geschuldet sein, wie Stoffels Umfeld betont. Es geht um den in den Vereinigten Arabischen Emiraten domizilierten Facility Manager Farnek Services, an dem Stoffel über Priora 49 Prozent hält. Die Firma beschäftigt 4000 Mitarbeitende in Dubai, Abu Dhabi und Ras Al Khaimah. Gemäss Geschäftsbericht erzielte Farnek 2016 einen Umsatz von 55 Millionen Franken. Erst im Herbst verkündete die Firma neue Aufträge über umgerechnet 30 Millionen Franken.

Der stipulierte Geschäftserfolg kontrastiert jedoch stark mit dem Buchwert von Farnek. Dieser beträgt Mitte 2018 nämlich noch 1?Franken, nachdem die Firma im Jahr ­zuvor um 15 Millionen Franken wertberichtigt wurde. «Ausserordentliche Wertberichtigungen sind nach OR rechtens», sagt Passardi. Von den Steuerämtern würden sie nur dann akzeptiert, wenn ein ­geschäftsmässig begründeter Aufwand geltend gemacht werden könne. Ob Farneks Firmenwert bloss eine Fata Morgana ist, bleibt offen.

Die Handy-Hypothek

Postfinance Die Staatsbank wird Ende Monat mit Valuu eine App für Hypotheken-Angebote lancieren. Der Kreditantrag lässt sich über das Mobiltelefon stellen.

Zehn Monate hat Postfinance mit zwanzig Leuten an der digitalen Hypotheken-Plattform gebaut. Ende Monat steht das Endergebnis namens Valuu zum Download für Android und Apple bereit. Thomas Jakob, Verantwortlicher fürs Plattformgeschäft bei Postfinance, verspricht mit der mobilen App, die Suche nach einer passenden Wohnfinanzierung zu erleichtern: «Wir wollen die Schwelle zum Abschluss einer digitalen Hypothek senken. Und als unabhängiger Vermittler die bestmöglichen Offerten bieten.»

Auf Basis der gewünschten Wohnobjekte und der persönlichen finanziellen Verhältnisse ermittelt Valuu mit einem Matching-Algorithmus das beste Angebot. Dies müsse nicht immer das günstigste sein, so Jakob: «Neben den Zinskosten können für Kreditnehmer auch die Konditionen der Amortisation oder die maximale Höhe der Finanzierung wichtige Kriterien sein.»

Hat der Valuu-Nutzer die passende Offerte, kann der User seinen Kreditantrag an die Bank gleich per App stellen. Man habe festgestellt, dass viele Dokumente für den Hypothekenantrag bei den Leuten zu Hause in Papierform vorhanden seien, erklärt der Postfinance-Verantwortliche die Bewandtnis hinter einer ausschliesslichen App-Lösung: «Da ist es wesentlich praktischer, die Unterlagen per Valuu-App abzufotografieren, anstatt sie am Desktop-PC einzuscannen.» Sind schliesslich alle Dokumente parat, stellt Valuu ein Dossier zusammen und reicht es bei der jeweiligen Bank ein.

Klassisches Vermittlungsgeschäft

Thomas Jakob betont, dass Postfinance mit Valuu eine «völlig unabhängige Vergleichsplattform» lanciere. Um dies zu unterstreichen, wird die gelbe Staatsbank auf der digitalen Plattform auch keine eigenen Hypothekarofferten machen. Auch gibt es eine Chinese Wall, auf dass keine Valuu-Informationen ins Produkte-Management von Postfinance fliessen.

Vielmehr versteht sich die Staatsbank mit der Hypo-App als Match-Makerin. Dazu hat sie mit Wohnfinanzierern Partnerschaftsverträge abgeschlossen. Wie viele Anbieter beim Start Ende Januar über Valuu offerieren, will Postfinance-Manager Jakob nicht sagen. Nur so viel: «Wir haben eine gute Mischung aus kleinen, mittleren und grossen Banken, Versicherungen und Pensionskassen.» Das Feedback der Institute sei positiv gewesen. Die Beweggründe, um auf Valuu zu offerieren, sind unterschiedlich: Gewisse Anbieter möchten mit der App ihr Verbreitungsgebiet erweitern, andere die Kosten für die Kundenakquise senken oder den digitalen Prozess beschleunigen.

Für Postfinance geht es mit Valuu darum, neue, zinsunabhängige Ertragsquellen zu erschliessen. Der Geschäftsansatz basiere auf einem klassischen Vermittlungsmodell, erklärt der Plattformverantwortliche Jakob: «Der Hypo-Kreditnehmer zahlt nichts für Valuu, der Kreditgeber entrichtet eine Gebühr an uns.» Sie bemesse sich nach der Laufzeit und Höhe der Hypothek.

Andreas Dietrich, Banking-Experte am Institut für Finanzdienstleistungen Zug und Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank, kennt das Geschäftsmodell der bestehenden Hypo-Vermittler bestens: In der Regel gebe der Kreditgeber im ersten Jahr der Hypothek etwa die Hälfte der Marge an den Vermittler ab. Und hier fängt für Dietrich auch schon das Problem an: «Alle Vermittler sagen, dass sie unabhängig seien, aber das stimmt nur bedingt, indem nämlich nur jene Anbieter im Vergleich erscheinen, die bereit sind, die Marge mit dem Vermittler zu teilen.» Gemäss eigenen Angaben sind dies bei den Valuu-Konkurrenten Moneypark rund hundert Finanzierungspartner, bei Hypoguide etwa dreissig und bei Hypoplus ist es gemäss Website «ein breites Netzwerk».

Persönlicher Kontakt gefragt

Angesichts der etablierten Konkurrenz zeigt sich Dietrich gegenüber dem neuen Postfinance-Angebot skeptisch: «Valuu ist Vermittler Nummer vier.» Zwar bestehe gegenüber den bisherigen Angeboten ein Differenzierungsmerkmal, indem Valuu komplett als mobile Applikation konzipiert sei ohne Beratung oder persönlichen Kontakt. Gerade dieses Alleinstellungsmerkmal erachtet Dietrich jedoch als Schwäche: «Der Markt für mobile Hypothekarangebote ist schwierig, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass die Kunden bei einer kapitalen Finanzentscheidung wie dem Aufnehmen einer Hypothek am Ende halt doch den persönlichen Kontakt suchen.» Sei dies in einer Filiale oder per Telefon. Zumal die Skepsis gegenüber Hypo-Vermittlern seitens der Kunden immer noch recht hoch sei, wie eine aktuelle, nicht repräsentative Umfrage in der Deutschschweiz gezeigt habe.

Postfinance-Manager Jakob sieht dagegen durchaus Potenzial für Vermittler: «Wir versprechen uns viel von zwei Kundensegmenten: jenen, die gerne Angebotsvergleiche machen. Und jenen, die Aufwand und Zeit für eine Finanzierung minimieren wollen.» Entsprechend substanziell seien die gesteckten Ziele: Man wolle mit Valuu Mehrwert und einen «bleibenden Eindruck am Markt» hinterlassen.

Neuer Manager für Investnet

Raiffeisen Die Bank lässt neu die Firmenbeteiligungen der ehemaligen Investnet durch die Firma von Industriekapitän und Ems-Chemie-Präsident Ulf Berg managen

Es ist das nächste Kapitel in der wechselvollen Geschichte von Investnet. War sie doch Gegenstand eines Finma-Enforcements und steht weiterhin im Zentrum der Strafuntersuchungen gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz und weitere Beschuldigte, darunter die beiden Investnet-Gründer. Investnet, dieses KMU-Beteiligungsvehikel, umfasst mehr als ein Dutzend Investments in mittelständische Firmen. Die Palette reicht vom Ostschweizer Digitaldrucker bis hin zum Trennwand-Fabrikanten aus dem Zürcher Oberland.Zuschlag erhalten

Schweizer Wirtschaftsgrösse

Jenen Beteiligungsanteil, welcher Raiffeisen Schweiz gehört, verwaltet allerdings nicht mehr Investnet selbst. Die Genossenschaftsbank hat ihr das Mandat entzogen. Seit Oktober ist vielmehr die Firma BLR & Partners darum besorgt. Ihr gehören Ems-Chemie-Präsident Ulf Berg und weitere Schweizer Wirtschaftsgrössen wie Sunrise-Präsident Peter Kurer oder Multi-VR Ulrich Jakob Looser an. «Wir haben uns um den Assetmanagement-Auftrag beworben und von Raiffeisen den Zuschlag erhalten», sagt BLR-Partner Ulf Berg. Er habe, um das Mandat der Genossenschaftsbank zu bewältigen, zusätzliche Mitarbeitende eingestellt. Weiter ist vorgesehen, dass Berg und Co. im Auftrag der Bank auch Einsitz nehmen in die Verwaltungsräte der einzelnen Portfoliogesellschaften. Bislang sassen in den Unternehmen Portfoliomanager von Investnet. Die Asset-Verwalterin mit Sitz in Herisau besass zu Spitzenzeiten über zwanzig Mitarbeiter, welche sich um die zahlreichen KMU-Anteile für alle Investnet-Aktionäre, auch Raiffeisen, kümmerten.

Der ganze Kuche

Ums Investment Advisory besorgt waren in der Geschäftsleitung auch die beiden Investnet-Gründer Peter Wüst und Andreas Etter. Sie hielten ab 2015 zusammen mit Raiffeisen-Ex-Chef Pierin Vincenz rund 40 Prozent an der Investnet Holding. Die restlichen 60 Prozent gehörten Raiffeisen.

Zur Investnet Holding heisst es im jüngsten Geschäftsbericht der Genossenschaftsbank: «Jeder Minderheitsaktionär ist ab dem 1. Juli 2020 berechtigt, seine Aktien an der Gesellschaft der Mehrheitsaktionärin Raiffeisen Schweiz zu einer definierten Bewertungsmethodik anzudienen (Put-Option)». Mit anderen Worten: Wüst, Etter und Vincenz könnten gemäss dieser Vereinbarung ihre Investnet-Anteile im nächsten Jahr zu einem vordefinierten Schlüssel an Raiffeisen veräussern. Die Rede ist von Millionenbeträgen, welche die Genossenschaftsbank nochmals zugunsten der Minderheitsaktionäre um Vincenz und Co. schütten müsste. Doch davon will Raiffeisen, nach heutigem Kenntnisstand, nichts mehr wissen und beansprucht vielmehr den ganzen Investnet-Kuchen für sich: Schliesslich sieht sich die Genossenschaftsbank getäuscht, weil ihr Ex-Chef Pierin Vincenz über einen Mittelsmann möglicherweise bereits verdeckt ins KMU-Vehikel investiert war, als er «offiziell» 2015 Aktionär der Investnet Holding wurde. Notabene dank einem Kredit von Raiffeisen.

Raiffeisen bestreitet Verträge

Die Aktienkaufverträge samt Put-Optionen sind für die Raiffeisen-Juristen inzwischen jedenfalls Makulatur. «Aufgrund dessen beansprucht Raiffeisen Schweiz heute 100 Prozent der früheren Investnet Holding AG», erklärte ein Banksprecher in der «Sonntagszeitung». Und der neue Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle doppelte in der «NZZ am Sonntag» nach: «Wir sind der Meinung, dass beim Kauf durch einen Aktientausch ein Willensmangel bestand. Denn im Wissen um alle heute bekannten Tatsachen hätte Raiffeisen die Gesellschaft Investnet damals nicht übernommen.» Für die Genossenschaftsbank steht finanziell viel auf dem Spiel. Schliesslich butterte Raiffeisen unter der Ägide von Ex-Chef Pierin Vincenz einen dreistelligen Millionenbetrag ins mittelständische Private-Equity-Geschäft.

Nun will die Raiffeisen-Zentrale in St. Gallen die Investnet-Deals ungeschehen machen, die beim Einstieg 2012 noch als Teil der «Langfriststrategie» den Genossenschaftern verkauft wurden. Es droht ein veritabler Showdown der Wirtschaftsrechtler. Entsprechende Zivilverfahren zwischen den Minderheitseignern von Investnet und Raiffeisen Bank laufen bereits. Die Interessen der Gründer des Ostschweizer KMU-Vehikels vertritt der renommierte St. Galler Jurist Peter Nobel, wie der Finanzblog «Inside Paradeplatz» zuerst berichtet. So dezidiert die neue Raiffeisen-Führung in der Causa Investnet auch auftritt. Ob die Genossenschaftsbank mit ihrem zivilrechtlichen Nichtigkeits-Ansinnen durchdringt, hängt vom Ausgang des Strafverfahrens wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gegen die Investnet-Miteigner Vincenz, Wüst und Etter ab. Lässt sich der Verdacht vor Gericht nicht erhärten, droht der Raiffeisen Bank bei Investnet ein teures Nachspiel.

Laubers Nähe zum Aufseher

Bundesanwaltschaft Die Aufsicht über die BA hat einen neuen Präsidenten. Er sass mit Michael Lauber in einer Stiftung.

Vor wenigen Tagen kürte die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (ABBA) aus ihrer Mitte den neuen Präsidenten, nachdem der bisherige Bundesrichter Niklaus Oberholzer – nach zwei Amtsperioden – zurückgetreten war. Die interne Wahl fiel auf Hanspeter Uster. Der «selbstständige Projektleiter im Justiz- und Polizeibereich» und Ethos-Stiftungsrat präsidiert nun jene Aufsichtsbehörde, welche über die Arbeit der Bundesanwaltschaft mit ihren 230 Mitarbeitenden wachen soll. Deren Chef und wichtigster Strafverfolger im Land heisst Michael Lauber.

Gemeinsam im Polizei-Institut

Für den Bundesanwalt rückt mit Aufsichtspräsident Uster jedoch ein alter Bekannter ins Amt als oberster «watchdog». Schliesslich sassen Lauber und Uster bis 2016 zusammen im Stiftungsrat des Schweizerischen Polizei-Instituts SPI mit Sitz in Neuenburg. Die privatrechtliche Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Grund- und Weiterbildung der Polizisten auf gesamtschweizerischer Ebene abzusichern.

Als Lauber 2012 im SPI-Rat Einsitz nahm, war Uster bereits deren Präsident und ist es bis heute. Knapp vier Jahre lang wachten die beiden über die Polizeiarbeit. Dann gab der Bundesanwalt seinen Rücktritt als SPI-Stiftungsrat «aus Kapazitätsgründen» bekannt.

Credit Suisse – Richtungslose Kurspflege

Credit Suisse Die Bank will Investoren mit Aktienrückkäufen bei Laune halten. Doch die Kurspflege vermag die finanziellen Wunden kaum zu lindern.

Der Investorentag lässt einen etwas ratlos zurück: Die Credit Suisse versucht zwar, ihre Aktionäre mit einem Rückkaufprogramm von bis zu 3 Milliarden Franken bei Laune zu halten. Doch die Kurspflege vermag die finanziellen Wunden der CS-Investoren kaum zu lindern. Die Kursrichtung zeigt weiter talwärts: Seit Thiams Antritt Mitte 2015 resultiert ein sattes Minus von gegen 60 Prozent.

Das Börsenurteil über die Performance des CS-Chefs mag harsch sein, denn der Manager hatte einen Turnaround zu meistern. Nämlich jene Legacy abzuarbeiten, die ihm Präsident Urs Rohner und CEO Brady Dougan eingebrockt hatten. Nach einer dreijährigen Rosskur wäre es nun aber an der Zeit, dass das Topmanagement den Rotstift einpackt und Wachstumspläne schmiedet.

Problem: Ertragsschwäche

Hier liefert der Investorentag jedoch wenig erbauliche Insights. Vielmehr offenbart die Grossbank, dass ihr eigentliches «Issue» kein Kostenproblem, sondern eine Ertragsschwäche ist. Die Erträge erodieren rascher, als dass die CS-Kapitäne mit den Kosten nachfahren könnten.

Ein Beispiel ist Asien. Die von Thiam explizit auserkorene Wachstumsregion schwächelt. Die Umsätze in der APAC-Region dürften aufs Jahr gesehen um bis zu 10 Prozent einbrechen. Und auch die internationale Vermögenssparte IWM, die vom Shooting Star Iqbal Khan geleitet wird, weist zwar über die letzten Turnaround-Jahre ein stolzes Wachstum aus. Die Frage ist nur, zu welchen Risiken. Khans Kreditvolumen wächst und besteht fast zu zwei Dritteln aus Lombardkrediten. Der nächste Crash wird weisen, wie solide das Vermögensgeschäft der CS ist.