Die Beharrliche

Kathryn Shih Die Asien-Chefin ist ein UBS-Urgestein. Nun richtet sie die Bank voll auf Chinas Öffnung aus.

Golf braucht viel Geduld. Ein Sport wie geschaffen für Kathryn Shih, die Asien/Pazifik-Chefin der Grossbank UBS. Die bald sechzigjährige Britin mit Handicap 19 ist häufig in Hongkong, wo sie wohnt, auf dem Golfplatz. Auch abseits des Greens zeigt die Bankerin Stehvermögen. Seit über dreissig Jahren ist Shih der UBS beziehungsweise dem damaligen Bankverein treu. Seit zwei Jahren gehört Shih als Asien/Pazifik-Chefin der Konzernleitung an und managt – von Indien bis Australien – 13 Ländergesellschaften in siebeneinhalb Zeitzonen.

Die Industrieveteranin hat den Aufstieg Asiens zum Eldorado der Vermögensverwaltung hautnah miterlebt. Die Region steuert mit ihren mehr als 8000 Mitarbeitern beziehungsweise über 1000 Kundenberatern mittlerweile gut einen Fünftel zum Konzernergebnis der UBS bei. Tendenz steigend. Und nun schickt sich Shih an, ein neues Kapitel für die Bank zu schreiben. «Wir sind in einer sehr guten Position, wenn sich Chinas Finanzmärkte öffnen», sagt die studierte Chemikerin in sanftem Ton. Denn in der roten Volksrepublik, die jeden dritten Tag einen Milliardär hervorbringt, wartet möglicherweise der grosse Jackpot auf die Schweizer Grossbank. Es winken dereinst Abermilliarden an Assets vermögender Chinesen, die investiert sein wollen.

Bereits heute ist die UBS die Nummer eins im asiatischen Wealth Management mit 345 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen. «Nimmt man Bankgesellschaft und Bankverein zusammen, haben sich die Assets under Management praktisch verhundertfacht, seit ich 1987 als Kundenberaterin eingestiegen bin», sagt Shih. Damals, Ende der achtziger Jahre, arbeitet sie in der Kreditabteilung der amerikanischen Citi und will wechseln. Ihr Vater, ein Unternehmer, unterhält bereits eine Geschäftsbeziehung zu den Schweizern. Ein Glücksfall, wie sich zeigt. Denn der Kontakt verhilft der gelernten Bankerin Shih schliesslich als Kundenkind zu einem Job beim Bankverein.

Die Endzwanzigerin ist damals eine der wenigen Relationship Manager in der Bankverein-Dependance in Hongkong, die bloss ein Dutzend Mitarbeiter hat. Heute zählt die UBS in der britischen Ex-Kolonie 2400 Angestellte. Bei Shihs Einstieg ins Vermögensgeschäft sind Dinge wie IT, Prozessautomatisierung oder Robo-Advising noch ferne Zukunftsmusik. Das Business läuft im wahrsten Sinne des Wortes hands-on ab. «Riefen uns Kunden an und wollten Optionen handeln, dann suchten wir einfach in der Börsenzeitung nach dem letztgehandelten Kurs», erinnert sie sich.

Knallharte Konkurrenz

Die frischgebackene Kundenberaterin enttäuscht ihre Schweizer Vorgesetzten nicht. Beharrlich erklimmt sie die Karriereleiter, leitet ab 2002 die regionale Vermögensverwaltungssparte für die UBS. Eine wichtige Zeit. Um die Jahrtausendwende sei nämlich auch am Zürcher Paradeplatz die Erkenntnis gereift, dass Asien verheissungsvolles Wachstum im Wealth Management verspricht. «Wir haben nach Ressourcen verlangt und haben sie erhalten», sagt Shih knapp.

Dieses Wachstum der Region generiert in den folgenden Jahren enorme Reichtümer. Asien habe sich so seinen «historischen Platz in der Welt» zurückerobert, meint Shih. Die Region zählt mittlerweile mehr Milliardäre als die USA. Bereits in vier Jahren werden diese Asian Billionaires mehr auf dem Konto haben als ihre amerikanischen Pendants.

Doch so verlockend der gigantische Kapitalstock, so knallhart ist mittlerweile die Konkurrenz im dortigen Wealth Management. «Unsere Margen sind deutlich tiefer als beispielsweise im Schweizer Geschäft», sagt die Asien/Pazifik-Chefin. Verdiente die UBS im letzten Jahr in Asien 72 Basispunkte auf die verwalteten Vermögen, waren es in der Schweiz 86 und in anderen Schwellenmärkten wie Russland oder Lateinamerika gar 96. Shih kennt den Margen- und Performancedruck ihrer anspruchsvollen Klientel und sagt diplomatisch: «Eine gesunde Beziehung zum Kunden gibt es nur, wenn er beim Investieren auch Geld verdient.»

Offshore-Vermögen der Chinesen

Weil mittlerweile aber viele Privatbanken im asiatisch-pazifischen Vermögenspool fischen, versucht Shih das Terrain nun um Festlandchina zu erweitern. Zwar stammt bereits heute rund ein Fünftel der von der UBS in Asien verwalteten 345 Milliarden Franken von vermögenden Chinesen. Doch handelt es sich praktisch ausschliesslich um Offshore-Vermögen.

Also jene Vermögen, die von chinesischen Unternehmern im Ausland erwirtschaftet und auch dort investiert und verwaltet werden. Sei es in Finanzportfolios, Industrieunternehmen oder Châteaux in Südfrankreich. «Die Offshore-Vermögen bilden jedoch nur die Spitze des Eisbergs und machen weniger als 10 Prozent der chinesischen Gesamtvermögen aus», sagt Shih, die seit 2016 von 600 auf über 1000 Mitarbeiter in Festlandchina aufgestockt hat.

Der wahre Reichtum verbleibt also vorerst im Reich der Mitte. Denn die Führung in Peking kontrolliert Kapitalverkehr und Wechselkurs. Chinesische Unternehmer, die zu Hause ihr Geld gemacht haben und nun ihren Reichtum im Ausland anlegen möchten, sind stark limitiert.

Jener Trumpf der globalen Vermögensdiversifikation, den Schweizer Banken, allen voran die UBS, jeweils zu spielen suchen, sticht also in China noch nicht. Geduld ist gefragt. Die Finanzmarktregulierung ist ein komplizierter Flickenteppich regionaler Prägung. Gleichzeitig liberalisiert die Parteinomenklatur den Kapitalmarkt nur zaghaft und scheibchenweise. Dennoch will die UBS am Buffet stehen, wenn die Party wirklich losgeht. «Wir bemühen uns um eine Retail-Banklizenz in Schanghai und streben eine Mehrheit an unserer Wertschriften-Tochter an», sagt Shih.

Diese UBS Securities gehört nur zu 24,99 Prozent der Grossbank. Ein weiterer, wichtiger Aktionär ist die Provinzregierung von Peking. Und bereits schmiedet die UBS neue, staatliche Allianzen: In einem Joint Venture mit der Provinz Qianhai, wo alle grossen Tech-Firmen sitzen, will die Grossbank eine nationale Plattform für digitale Fonds-Investments lancieren. Zielgruppe: Jene Millionen an chinesischen Millionären. Das Joint Venture starte bald, noch fehle die «Lizenz» für den Fondsvertrieb, gibt sich Shih zugeknöpft. Denn die UBS-Bankerin weiss: China braucht eine grosse Portion Geduld.

Afrikanischer Patient

Lonrho Der Afrika-Konzern von Finanzmilliardär Rainer-Marc Frey kommt nicht auf Touren. Nun soll es Ex-Panalpina-Chef Bruno Sidler richten.

Das Aktionariat des Afrika-Konglomerats Lonrho liest sich wie ein Who is who der deutschsprachigen Wirtschaftsprominenz: Finanzguru Rainer-Marc Frey («RMF»), Zementkönig Thomas Schmidheiny, BMW-Erbin Susanne Klatten, Partners-Group-Milliardär Urs Wietlisbach und Kühne-Nagel- beziehungsweise DKSH-Präsident Jörg Wolle. Sie alle und noch einige mehr wetten auf ein prosperierendes Subsahara-Afrika und haben deshalb in das Firmenkonglomerat Lonrho investiert. Ein finanzieller Einsatz, der sich für die schwerreiche Investorengruppe bislang aber nicht ausbezahlt hat, wie ein Blick in den jüngsten Geschäftsabschluss zeigt.

Lonrho lahmt. Der Umsatz des Afrika-Konzerns hat sich seit dem Einstieg von RMF und Co. halbiert, von 260 Millionen Dollar 2014 auf noch 130 Millionen im letzten Jahr. In der gleichen Zeitperiode hat sich der Betriebsverlust mehr als verdoppelt auf zuletzt 37 Millionen Dollar. Drastisch verringert hat sich auch die Anzahl Lonrho-Angestellte von über 3800 auf noch 830 im letzten Jahr. Als geschäftliches Highlight wird gleich mehrfach im Bericht vermerkt, die «Machinery»-Dependance in Mosambik sei vom amerikanischen Traktorenbauer John Deere zum «Händler des Jahres» ausgezeichnet worden.

Auch Lonrhos Ausblick ist bescheiden geworden: Man wolle die Geschäftseinheiten im 2017 «cash neutral» betreiben, heisst es im Jahresbericht. Geplant war jedoch einst ein Milliardenkonzern, der gemäss Bankunterlagen ab 2015 mit dem Aufschwung in Afrika profitabel und nachhaltig wachsen sollte.

Afrika-Unternehmer Frey selbst wollte sich trotz mehrmaliger Anfrage zum hochdefizitären Lonrho-Business nicht äussern. Allerdings offenbart der «Annual Report» den Umfang des Gesundschrumpfens beim Subsahara-Konzern, der Mitte 2013 für umgerechnet 270 Millionen Franken in Schweizer Hände überging.

Atuabo eingedampft

Ein gewichtiges Beispiel für den Krebsgang ist der Freihafen Atuabo im westafrikanischen Ghana. 600 Millionen Dollar wollte Lonrho ins gigantische Hafenprojekt, über den Öl und Gas hätten exportiert werden sollen, investieren. Im Gegenzug für das ambitiöse Projekt gewährte die ghanaische Regierung dem Afrika-Konzern mit Sitz in London die exklusiven Betriebsrechte für 25 Jahre und einen Steuererlass. Doch das Vorhaben, das politisch umstritten war, kam nicht vom Fleck. Nun hat die Lonrho-Führung das Hafenprojekt sangund klanglos begraben, was in einem Abschreiber über 23 Millionen resultiert. Der Verwaltungsrat habe einen «klugen» («prudent») Entscheid getroffen, heisst es im Jahresbericht.

Eine bittere Erfahrung für die hochkarätige Investorentruppe um Rainer-Marc Frey. Im Geschäftsbericht 2014 gab man sich noch ungleich zuversichtlicher: «Atuabo schaffte signifikante Erfolge.» Auch in Ghana, dem einstigen Vorzeigeland Westafrikas, wachsen die Bäume nicht mehr in den Himmel. Notorische Misswirtschaft und die wachsende Abhängigkeit von Rohstoffexporten haben das Wachstum beim Pro-Kopf-Einkommen verlangsamt. Es ist auf den tiefsten Stand des vergangenen Jahrzehnts gefallen.

Noch heute bewirtschaftet Lonrho ein buntes Portfolio rund um den Globus. Im Geschäftsbericht sind hundert Beteiligungen ausgewiesen. Doch man ist im Eiltempo daran, Unrentables abzustossen. Von der Airline hat man sich längst getrennt, auch von einer Hotelkette. Grosse Hoffnungen setzt Lonrho auf die Division Market Expansion Services (MES), die Markenprodukte wie die genannten John-Deere-Traktoren an Afrikas Landwirte verkaufen will. Doch das Umfeld ist kein Free Lunch: Im Südsudan brach das Geschäft wegen Unruhen zusammen, in Mosambik wurde das Geschäft wegen Unruhen «hart» getroffen. 2017 werde, heisst es im Jahresbericht 2016, ein «herausforderndes Jahr» für MES.

Compliance-Problem in Angola

Zum schwierigen sozioökonomischen Umfeld und den tiefen Rohstoff- und Ölpreisen gesellen sich im ablaufenden Geschäftsjahr auch noch Compliance-Probleme, und zwar in Angola. Das westafrikanische Land führte strikte Kapitalkontrollen ein, um die Flucht aus der Landeswährung Kwanza zu verhindern. Der Markt für harte Dollars trocknete aus. Die dortige Tochter, Lon Agro, soll im Jahresverlauf einen lokalen Berater engagiert haben, um den Devisenverkehr bei der Bank of Angola zu beschleunigen. Dazu zahlte ihm Lon Agro eine Kommissionsgebühr von 375 000 Dollar.

Nach dem Devisendeal kamen den Lonrho-Verantwortlichen Zweifel, ob der externe Consultant sauber gearbeitet habe. Im Zuge dessen startete der Afrika-Konzern eine gross angelegte interne Untersuchung, die von einem unabhängigen Risikoprüfer und einer internationalen Anwaltskanzlei durchgeführt wurde. Detaillierte Dokumentationen wurden erstellt, es gab Face-to-face-Interviews mit den Verantwortlichen und vieles mehr. Die Untersuchung kam zwar zum Schluss, dass es keine Hinweise auf Unregelmässigkeiten gebe. Dennoch schliesst die Lonrho-Führung nicht ganz aus, dass es zu «inappropriate actions» gekommen sei.

Wie auch immer. Der Afrika-Konzern bleibt auch im Jahr vier nach der Übernahme für RMF und Co. eine Grossbaustelle, an der sich nun Ex-Panalpina-Chef und Ex-DKSH-COO Bruno Sidler versucht. Der Schweizer Spitzenmanager ist seit November Lonrho Group Chief Operations Officer. Er füllt nun teilweise jene Lücke, die der Ex-Nestlé-Manager Roland Decorvet hinterlassen hat. Decorvet war von Herbst 2015 bis Frühjahr 2016 Lonrho-CEO – seither gibt es keinen Chef mehr beim Afrika-Vehikel. Decorvet kassierte für seinen Kürzesteinsatz satte 1,3 Millionen Dollar – davon 600 000 Dollar als Kompensation für seinen Rauswurf.

Kampf der Kleinanleger

UBS Gegen die Bank wurde Strafanzeige wegen des Verdachts auf qualifizierte Geldwäscherei eingereicht. Es geht um die konkursite Pharmafirma Amvac.

Der 205-seitige Untersuchungsbericht zum Sammelstrafverfahren «Amvac» der Zuger Staatsanwaltschaft liest sich wie ein Wirtschaftskrimi: wüste Textnachrichten, wilde Preismanipulationen, klamme Firmenkassen, eine «Tulpenvilla» in Ungarn und ein Bentley der Amvac-Chefin, an den Ermittler einen GPS-Peilsender heften.

Der Bericht der Staatsanwaltschaft handelt von einem mutmasslichen Anlagebetrug mit rund tausend Geschädigten und einer Schadenssumme von gegen 70 Millionen Franken. Im Fokus: die konkursite Zuger Pharmafirma Amvac. Deren Führung hat über Aktienvermittler jahrelang inzwischen wertlose Amvac-Aktien an ahnungslose bis ignorante Kleinanleger verkauft.

In «industriellem Ausmass», wie die Finma im Bericht zitiert wird. Den potenziellen Investoren wurden von einem Stosstrupp an Telefonverkäufern hanebüchene «Equity Stories» aufgetischt: Amvac gehe bald an die Börse. Oder: Novartis zeige Interesse an einer Übernahme der Firma.

Die Millionenerlöse aus dem agressiven Aktienabverkauf investierten die Amvac-Verantwortlichen aber nur zu geringen Teilen ins Unternehmen, sondern sie wirtschafteten vor allem in die eigene Tasche beziehungsweise liessen satte Provisionen an ihre Aktienvermittler fliessen.

Mittendrin: die Grossbank UBS. So flossen über Jahre Zahlungen und Kickbacks in Millionenhöhe auf UBS-Konten, welche auf die Firma beziehungsweise auf die Amvac-Hauptverantwortlichen lauteten. Die IDC-Stiftung, welche die Interessen von 300 mutmasslich geschädigten Amvac-Aktionären vertritt, nimmt deshalb nun auch die Rolle der Grossbank im Anlagebetrugsfall ins Visier.

Hinreichender Tatverdacht

Die IDC-Stiftung hat Ende November bei der Zuger Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen die UBS und gegen Unbekannt eingereicht wegen des Verdachts auf qualifizierte Geldwäscherei, mangelnde Sorgfalt sowie wegen Verletzung der Meldepflicht. Die Staatsanwaltschaft Zug hat daraufhin eine Voruntersuchung eröffnet, womit aus heutiger Sicht ein hinreichender Tatverdacht besteht, und das Verfahren rubriziert.

Aus «verfahrensökonomischen Gründen» schlägt die Untersuchungsbehörde jedoch vor, die UBS-Klage zu sistieren, bis ein erstinstanzliches Urteil gegen die Amvac-Führung und Konsorten ergangen ist. Auf Anfrage will sich die UBS zur Strafanzeige und zum Amvac-Fall nicht äussern.

Aus den Ermittlungsakten erschliesst sich aber, dass Amvac und deren Führung schon lange auf die Dienste der UBS setzte. Bereits 2006 fliessen Investorengelder aus Amvac-Aktienverkäufen auf ein UBS-Privatkonto der Firmenleiterin. «Die Gelder wurden teils als private Darlehen an die Amvac weitergeleitet, teils privat für den Lebensunterhalt verbraucht», heisst es im Bericht.

Sieben Jahre später eröffnet die Finma ein Enforcementverfahren gegen die Amvac-Chefin und lässt sich Ende 2013 von der UBS die Kontounterlagen der Pharmafirma und ihrer Chefin geben. «Hätte die Bank eins und eins zusammengezählt, hätten viele Kleinanleger vor grossem Schaden bewahrt werden können», sagt IDC-Stiftung-Sprecher Raymond Jean Lacoste. So schreibt die Amvac-Chefin an einen Aktienvermittler Mitte 2014 folgende Textnachricht: «… ubs hat eh schon Probleme wegen der Höhe der Provisionen!!!! Und ich habe kein_e Lust darauf, dass sie mir das Konto kündigen! Keine andere Bank würde das so·mitmachen, darum!»

Noch im Frühjahr 2015 überweist Amvac über ihr UBS-Firmenkonto, auf Anweisung der Chefin, «ausstehende Boni» an die Präsidentin von gegen 200 000 Franken. Der Betrag fliesst ebenfalls auf ein Konto der Grossbank. Just zum Zeitpunkt, als Amvac-Revisorin KPMG ihr Mandat aus «Reputationsgründen» auf Empfehlung der Risikoabteilung niedergelegt.

Konten gekündigt

Im Juni 2015 schliesslich kündigt die UBS der Zuger Pharmafirma und ihrer Chefin die Konten. Die Amvac-Managerin verkauft gemäss eigenen Angaben im Untersuchungsbericht zwischen 2006 und 2015 über ihre Privatkonten bei der UBS mehrere Millionen Amvac-Aktien und erzielt so einen Erlös von 59 Millionen Franken.

Auf die privaten UBS-Konten der Pharmafirma-Präsidentin sollen gemäss eigenen Aussagen im Untersuchungsbericht Erlöse aus Amvac-Aktien in der Höhe von 14 Millionen Franken geflossen sein. Gegen beide Personen und sechs weitere Tatverdächtige läuft eine Strafuntersuchung wegen betrügerischen Aktienhandels. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Alpiqs Austernzüchter

Bastian Gerhard Der Ex-Zalando-Mann züchtet für den Stromkonzern im Oyster Lab neue Geschäftsperlen.

Vom E-Commerce-Olymp in die Untiefen der eidgenössischen Stromwirtschaft. Bastian Gerhard sucht stets die «grössten Challenges», egal ob in Tokio, Berlin oder Zürich. Zuletzt war der Wirtschaftsinformatiker Innovationschef beim deutschen Digital-Fashion-Giganten Zalando. «Als ich dort 2013 anfing, waren wir wenige hundert Mitarbeiter. Heute sind es mehr als 13 000», sagt Bastian Gerhard, dem Zalando mit der Zeit «zu konzernig» wurde.

Nun züchtet der Digital Native, der mehrere Jahre in Japan gearbeitet hat, für Alpiq neue Geschäftsperlen. Als ein Headhunter mit dem Schweizer Strom-Search anklopft, zündet bei Konzernmanager Gerhard wieder der Startup-Funke: «Wir geniessen Narrenfreiheit und haben die nötigen finanziellen Ressourcen. Was kann einem Besseres passieren.»

Schliesslich leistet sich der angeschlagene Schweizer Stromkonzern seit wenigen Monaten einen Cleantech-Brutkasten namens Oyster Lab auf dem Hürlimann-Areal in Zürich, einen Steinwurf von Google Schweiz entfernt. In den Büros, wo bis vor kurzem Jan Schoch und Leonteq ihre Finanz-Strukis zimmerten, herrscht nun elektrisierende Startup-Atmosphäre: Zwischen Fixie Bikes, bunten Zettelwänden und mit Codes übersäten Grossbildschirmen arbeiten Oyster-Lab-Chef Gerhard und sein bald 15-köpfiges Team daran, aus der Welt einen «greener place» zu machen.

Durchfinanzierter Brutkasten

So lautet zumindest das Mission Statement des Alpiq-Inkubators. Der ist direkt beim Digital & Commerce-Chef von Alpiq, Markus Brokhof, angehängt. Brokhof finanziert den Brutkasten auch komplett aus seinen Handelserträgen, hält sich ansonsten aber möglichst raus. Die Oyster-Leute seien frei zu machen, was sie wollen, sagt das GL-Mitglied des Stromkonzerns. «Wir wollten das Lab möglichst fernhalten von den Konzernstrukturen bei Alpiq, wo alles im Detail geprüft wird. Ausserdem haben wir Leute ausgesucht, die ganz bewusst nicht aus der Stromwirtschaft kommen.» Elektro-Know-how habe man schliesslich genug im Konzern.

Was der ehemaligen Monopolbranche mit ihrer starren Infrastrukturdenke fehlt, sind schlanke und schnelle Entwicklungsprozesse aus dem Tech-Umfeld. «Build, measure, learn, repeat», lautet Gerhards agiles Mantra. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt sollen denn auch nicht mehr als sechs Monate verstreichen. In jedem Quartal will das Oyster Lab ein neues Geschäftsmodell entwickeln. «Mit unseren Methoden können wir eine Auster knacken», ist der Ex-Zalando-Mann überzeugt. Ob eine Perlmuttkugel darin stecke, sei allerdings schwierig vorherzusagen. Dazu gehöre auch eine Portion Glück.

Was Gerhard und seiner Truppe bei ihrer Austernzucht hilft, sind zwei eiserne Regeln. Regel eins: Was nicht gemessen werden kann, existiert nicht. Regel zwei: Versetze dich stets in die Lage des Kunden. Diese Bottom-up-Kundenempirie exerziert das interdisziplinäre Oyster-Team an ihrem ersten Projekt rigoros durch. Statt eine Technologie zu entwickeln und diese hernach mit viel Marketing-Brimborium kommerzialisieren zu wollen, setzt das Team im Alpiq-Inkubator auf die knochenharte Grassroots-Methode.

«Wir sind in Süddeutschland von Haus zu Haus gezogen und haben bestimmt mit fünfzig Familien Kaffee getrunken und intensiv diskutiert», erklärt der Lab-Chef. Im Fokus: Einfamilienhausbesitzer mit eigener Photovoltaikanlage auf dem Dach. Die Ausgangsfrage: Wie lässt sich der Eigenverbauch ihrer Anlage erhöhen?

Rasch kristalisiert sich im Gespräch mit den Häusle-Besitzern für Gerhards Mannschaft ein «grosser Verbraucher» heraus, der «emotional und sexy» zugleich ist: ein Elektroauto für die schwäbische Mittelstandsfamilie. Allerdings klagen die Schwaben, dass ein eigenes elektrisches Gefährt teuer sei und kaum erprobt. Das Oyster Lab hat sodann seine erste Auster zu knacken: Wie lässt sich Elektromobilität für halbwegs ökobewusste Familien alltagstauglich und bezahlbar machen?

Spotify für Elektromobilität von Alpiq

Der Ansatz der Alpiq-Tochter ist so einfach wie bestechend: Ein Abomodell für E-Mobilität. Als Vorbild dienen Netflix, Uber, Spotify und Konsorten mit ihren monatlich abgerechneten Digital-Flat-Services. Wer also bei Oyster ein Elektroabo abschliesst, bekommt ein umfassendes Mobilitätspaket frei Haus: «Wir liefern das E-Mobil, die Ladestation, eine Tankkarte für die öffentliche Ladeinfrastruktur sowie eine Strom-Flatrate für 12 bis 15 000 Kilometer pro Jahr», sagt Gerhard.

Das E-Auto-Abo ist bereits prototypisch gebaut und wird nun im Feldtest geprüft. Man stehe in täglichem Kontakt mit mehreren Familien in Süddeutschland, welche das Mobilitätspaket erhalten haben. «Basierend auf ihrem Feedback optimieren wir unser Produkt kontinuierlich», erklärt der Tech-Manager, der höchstpersönlich alle möglichen E-Autos getestet und dabei auch die derzeitigen Limiten kennengelernt hat: Sechs Zapfsäulen habe er in Zürich angefahren, und sechs davon waren private Garagen.

Bereits im ersten Quartal nächsten Jahres soll das Elektroabo auf den Markt kommen. Wiederum in einem limitierten Roll-out mit einer eigenen Website für 50 bis 100 zahlende Kunden, die von Alpiq ein Onboarding erhalten. So tastet sich das Oyster Lab langsam mit stetem Kunden-Feedback ans Optimum heran.

Ob und wie aus dem Elektroabo ein lukratives Geschäft für den Stromkonzern werden soll, steht in den Sternen. Der Oyster-Mann spricht von einem «Mittel zum Zweck», um den Mobilitätsmarkt zu explorieren. Potenzielle künftige Ertragsquellen könnten der Stromabverkauf sein, aber auch das Management von Energieflexibität. Fest steht, die gebeutelte Alpiq will sich aus der Grosshandelsfessel befreien und den Privatverbraucher ins Visier nehmen. Für Gerhard gilt die Maxime: «Wir wollen den Zugang zum Haus, zum Endkunden, beyond the meter.»

Roter Teppich für Steuerhinterzieher

Bankgeheimnis Thomas Matter ist am Ziel. Der helvetische Banker und Zürcher SVP-Nationalrat zieht wohl bald seine Initiative «Ja zum Schutz der Privatsphäre» zurück, welche das Inland-Bankgeheimnis in der Verfassung hatte festschreiben wollen.

Denn Matters Drohkulisse hat verfangen. Angesichts der angestrebten Zementierung des Bankgeheimnisses in der Verfassung – mit entsprechenden Kollateralschäden, national wie international – sind Bundesrat und Parlament voll auf Matters Linie eingeschwenkt: Eine Reform der Verrechungssteuer nach Zahlstellenprinzip ist auf Eis gelegt. Nun haben die Parlamentarier auch die Verschärfung des Steuerstrafrechts versenkt. Mit ihm hätte der Fiskus bei konkretem Verdacht auf Steuerhinterziehung Zugriff auf Bankdaten erhalten sollen.

Die Eidgenossenschaft hält ihre Steuerschlupflöcher weit offen

Alles Makulatur. Eine Weissgeldstrategie für inländische Gelder wird es nicht geben. Es entsteht eine schizophrene Situation: International übt sich die offizielle Schweiz als Musterschülerin in Steuertransparenz und tauscht demnächst mit dem ausländischen Fiskus automatisch Informationen aus. Im Inland aber hält die Eidgenossenschaft ihre Steuerschlupflöcher schön weit offen.

Es ist wohl nirgends so einfach wie in der Schweiz, Vermögenswerte am Fiskus vorbeizuschleusen. Einmal ein Bankkonto nicht deklariert, schwupps ist das Geld schwarz. Nun, mit der Einführung des Ausland-AIA, haben hiesige Steuerhinterzieher auch alles Interesse, ihre Vermögenswerte auf ausländischen Konten ins Heimatland zurückzuführen. Die Schweiz wird so zum Safe Haven für heimisches Schwarzgeld. Eine Bananenrepublik für ihre Bürger.

Denn Matters politisches Powerplay rollt dieser Repatriierung den roten Teppich aus. Die Furcht, von den Steuervögten erwischt zu werden, ist verflogen. Ein Inland-AIA: nur noch ein alter, böser Traum. Vielmehr muss der Fiskus tatenlos zusehen, wie ihm Steuersubstrat durch die Lappen geht. Bezeichnenderweise hatten sich die Kantone ja vehement für ein verschärftes Steuerrecht ausgesprochen, um diesem undeklarierten Rückfluss aufgrund des Ausland-AIA etwas entgegenzusetzen.

Der Rückfluss an undeklarierten Vermögen ist Realität

Dass dieses Schwarzgeldszenario keine linke Verschwörungstheorie ist, sondern Realität, belegen Aussagen aus Liechtenstein. Das Ländle war seit jeher ein wichtiger Hub für undeklarierte Schweizer Gelder. Die Vorzüge: gleiche Währung, Rechtssicherheit und ein sophistizierter Finanzplatz.

Mit dem AIA hat der Wind gedreht. Der Chef der Vaduzer VP Bank hat jüngst ausgesprochen, was alle wissen. Schweizer ziehen ihr Geld aus dem Ländle ab. Wie viel, weiss niemand. Warum, jedoch schon. «Ein Schweizer Kunde, der unversteuertes Geld zurück in die Schweiz transferiere, könne ja weiterhin ‹schwarz› bleiben», sagt der VP-Chef frank und frei.

Offenbar gibt es genügend Schweizer Banken, welche das repatriierte Schwarzgeld dankend annehmen. Denn auch sie haben nichts zu befürchten.

Pierin ante portas

Pierin Vincenz Er baute Raiffeisen zum gewichtigen KMU-Investor auf. Einzelne Deals bergen mögliche Interessenkonflikte für die Bank.

Er habe schon länger «einen Fuss in der Tür bei Investnet», sagte Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz im Sommer 2015, als er zum Präsidenten der Banktochter gekürt wurde, an der er sich später auch privat mit 15 Prozent beteiligte.

In der Tat war die Bank seit 2012 im KMU-Vehikel investiert, das nun im Fokus eines Finma-Verfahrens gegen Vincenz und die Bank steht. Raiffeisen suchte erklärtermassen eine «Führungsrolle» im Markt für KMU-Nachfolgelösungen. Vincenz war in dieser Vorwärtsstrategie federführend und hat Investnet unterstützt, indem Raiffeisen «wesentliche Finanzmittel» für das KMU-Vehikel bereitstellte. «Plötzlich konnte Investnet auch grössere Investitionen tätigen – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten», sagte er vor zwei Jahren.

Nun zeigt sich: Die vermeintlich «kleine Investnet» («Basler Zeitung») ist alles andere als klein. Sie ist vielmehr ein gewichtiger KMU-Investor in der Schweiz. Und einzelne ihrer Portfoliogesellschaften haben eine heikle Nähe zu Raiffeisen als Investorin.

Investnet, die Bank-Tochter mit Sitz in Herisau, hat KMU zwischen etwa 5 und 35 Millionen Franken Umsatz im Übernahmefokus. Das gut 20-köpfige Investnet-Team verwaltet rund 300 Millionen Franken in etwa zwanzig kleineren und mittleren Unternehmen, die mit 1200 Mitarbeitern über 300 Millionen Umsatz machen. In diesen Firmen stecken gegen 200 Millionen Franken an Eigenkapital, grossmehrheitlich von Raiffeisen bereitgestellt.

Der Pool an Firmen, den die Genossenschaftsbank über ihre Investnet hält, ist zwar sektoriell breit aufgestellt. Einige Investnet-KMU unterhalten jedoch eine geschäftliche Nähe zur Raiffeisen-Bank. Das erstaunt. Im Gegensatz zu einer strategisch-operativen KMU-Übernahme durch einen Konzern handelt es sich bei einem Private-Equity-Investment um eine Finanzbeteiligung mit reinem Renditefokus. Solche Portfolio-Unternehmen sollten «möglichst unabhängig» vom Investor sein, sagen Beteiligungsmanager. Denn welcher Investor will bei einer Transaktion schon Eigenumsatz akquirieren?

Raiffeisen als Kunde und Investnet – Investor

Dennoch finden sich im Investnet-Universum mehrere KMU-Beteiligungen, die mehr oder minder gewichtige Geschäftsbeziehungen zu ihrer Investorin Raiffeisen unterhalten. Zum Beispiel die St. Galler Trendcommerce Group, die auf Transaktionsdruck, Direct Marketing und Telefonmarketing spezialisiert ist. Die Trendcommerce verarbeitet seit 2012 sämtliche Bankbelege für über 200 Raiffeisenbanken und Niederlassungen aus einem Hochsicherheitsdruckzentrum in St. Gallens Westen.

Die «Handelszeitung» weiss: Raiffeisen ist der wichtigste Kunde der Trendcommerce. Erst jüngst soll ein weiterer Ausschreibungsprozess stattgefunden haben, begleitet von einem grossen Wirtschaftsprüfer.
Als die Genossenschaftsbank 2012 ihren Druckbereich aus Kosten- und Flexibilitätsüberlegungen an Trendcommerce auslagert, übernimmt das KMU gleich auch noch 15 Raiffeisen-Mitarbeiter. Keine vier Jahre nach dieser Outsourcing-Übung für den Ostschweizer Grosskunden tritt Raiffeisen-Tochter Investnet auf den Plan, von Pierin Vincenz präsidiert, und kauft sich die Mehrheit an der Trendcommerce-Gruppe. Raiffeisen wie auch Pierin Vincenz wollen sich zum laufenden Finma-Enforcementverfahren wie auch zu den Geschäften rund um Investnet nicht äussern.

Bereits im Frühjahr 2015 steigt Investnet bei der Zürcher Intercard ein, einem «Partner für Plastikkarten». Die Transaktion mit dem Projektnamen Albatros wird zu 100 Prozent durch die Raiffeisen-Equity-Tochter KMU Capital finanziert. Auch bei Intercard ist Raiffeisen als Referenzkunde aufgeführt. Allerdings fällt das genossenschaftliche Auftragsvolumen, gemessen am Gesamtumsatz der Plastikkartenfirma, kaum ins Gewicht.

Bedeutsamer ist da die Geschäftsbeziehung zu JLS Digital – eine Investnet-Beteiligung seit Mitte 2013, die vor kurzem an die Anlagestiftung Renaissance verkauft wurde. Der Zürcher Spezialist für digitale Beschriftungen konzipiert und betreibt seit Jahren die Displays der Kundenzonen und Schaufenster in den Bankfilialen von rund 170 Raiffeisen-Genossenschaften. Man befinde sich damit in bester Gesellschaft, heisst es bankintern, denn auch viele andere Finanzinstitute seien JLS-Kunden. Doch keine andere Bank war Miteigner der Digital-Marketing-Firma.

Private Equity ohne Put-Optionen

Nicht nur die geschäftliche Nähe zur Raiffeisen-Gruppe gibt zu reden. Auch die schiere Grösse des KMU-Vehikels. Investnet sei mit 200 Millionen Franken Eigenkapital im Verhältnis zum «engen» KMU-Markt «stattlich dotiert», findet Beteiligungsexperte Roger Kollbrunner: «Der verhältnismässig grosse Kapitalstock führt zu einem steten Investitionsdruck.» Investnet sei deshalb «sehr dynamisch» am Markt unterwegs und zahle «relativ hohe Preise», sagt Kollbrunner, der als Partner bei der Industrieholding Artum arbeitet.

Dem KMU-Portfolio von Raiffeisen und Co. fehle der «klare Investitionsfokus», kritisieren mehrere Private-Equity-Leute, darunter auch ein Mitglied des 50-köpfigen Investnet-Vereins. Denn die Raiffeisen-Tochter investiere nicht nur breit über alle Branchen und Sektoren hinweg, sondern jeweils auch in unterschiedlichen Stadien: von der klassischen Nachfolgeregelung über die Wachstumsfinanzierung bis hin zum Buy and Build. Kritiker sprechen von einem «opportunistischen Anlageverhalten». Allerdings kann Investnet über VR und Vereinsmitglieder auf erfahrene Manager aus verschiedenen Industrien zurückgreifen. Dies ermöglicht ein diversifiziertes Portfolio.

Einer der Know-how-Träger ist Pierin Vincenz. Ex-Chef von Raiffeisen beziehungsweise Präsident von Investnet. Und er ist seit seinem Abgang bei der Bank auch mit 15 Prozent an der Investnet Holding beteiligt. Dies im Rahmen eines Aktionärsbindungsvertrages, der eine Exitklausel vorsieht.

Mittels Put-Optionen kann Vincenz seinen Investnet-Anteil ab Mitte 2020 an Raiffeisen zu einer definierten Bewertungsmethodik verkaufen. In der Beteiligungsszene zeigt man sich darob erstaunt. «Put-Optionen sind im Private-Equity-Umfeld unüblich», sagt Beteiligungsexperte Kollbrunner, denn damit würde man, je nach Put-Preis, die Down-Side-Risiken reduzieren. «Dies widerspricht dem Grundgedanken von Private Equity.» Aus dem Umfeld des Bünder Bankers ist dagegen zu hören, dass man Vincenz als «bedeutende Person und Netzwerker für Investnet» mit einem Exit-Recht ans KMU-Vehikel habe binden wollen.

Mitten in der Pubertät

HNA Group Launig, ungezogen und zuweilen unberechenbar. Teenager fahren auf einer Achterbahn der Gefühle und stossen ihr Umfeld immer wieder vor den Kopf. Was für Menschen gilt, lässt sich auch auf Unternehmen übertragen. So ist die HNA Group jetzt 17 Jahre alt. Das Sino-Konglomerat steckt mitten in der Pubertät. Und wie ein Heranwachsender hat HNA in den letzten Jahren einen Wachstumsschub erfahren, der den chinesischen Jungspund schlaksig und ungelenk macht.

Auch das Verhalten der weit verzweigten Industriegruppe ist auffällig, manchmal gar richtiggehend ungeschickt. Eben wie ein typischer Teenager. Entsprechend wird HNA nun gemassregelt und zurückgebunden. Die Erziehungsaufgabe kommt der schweizerischen Übernahmekommission beziehungsweise der chinesischen Aufsicht zu.

Das Portfolio des chinesischen Firmen-Teenagers wurde aggressiv finanziert
Doch der Reihe nach. Für mehr als 50 Milliarden Dollar hat sich HNA in den letzten Jahren rund um den Globus namhafte Assets einverleibt, und dies im Schnellzugstempo: Von den ehemaligen Swissair-Töchtern wie SR Technics und Gategroup über namhafte Beteiligungen an der Hilton-Hotelgruppe und der Deutschen Bank bis hin zu den Öltanks der Glencore Storage, Luxusimmobilien in den USA oder dem Flugzeug-Leasing-Konzern CIT.

Auch, weil das Portfolio des chinesischen Konzern-Teenagers äusserst aggressiv finanziert ist, unter anderem durch Kredite der Grossbank UBS. Die hoch gehebelte Holding legte bisweilen ein Flegelverhalten an den Tag, das sowohl Finanzgemeinde wie Regulatoren vergrätzt haben. So musste die Swissport-Tochter im Frühling einen technischen Zahlungsausfall vermelden, den das Management offenbar gar nicht bemerkt hatte.

Im Sommer liess die deutsche Finanzaufsicht Bafin den kreditfinanzierten HNA-Anteil an der Deutschen Bank untersuchen. Und im Frühherbst wollte die schweizerische Übernahmekommission wissen, wer denn nun die Swissair-Tochter Gategroup eigentlich übernommen habe. Vor wenigen Tagen kam die Kommission zum Schluss, dass die HNA-Eigner «unwahre beziehungsweise unvollständige» Angaben beim Angebot gemacht hatten. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Der Kopf des hochgeschossenen Firmenkörpers scheint diesen Grössenschub noch nicht verarbeitet zu haben.
HNA erweist chinesischen Investoren in der Schweiz einen Bärendienst

Die heranwachsende HNA macht deshalb nun den Kotau. Konzernchef Adam Tan verkündete jungst in Peking, er werde sein Bestes tun, um alle Investments abzustossen, die nicht mehr «erlaubt» seien. Der wilde Teenie gibt sich geläutert und gehorcht wieder Vater Staat. Als erste Massnahme gab Tan bekannt, dass HNA ihre Gategroup-Tochter wieder an die Schweizer Börse bringen will.

Nur ein Jahr nach deren Dekotierung und Übernahme für 1,4 Milliarden Franken. Angesichts der zweifelhaften Vorgeschichte scheint ein erneuter IPO ein äusserst gewagtes Unterfangen. Das Vertrauen in HNA ist dahin. Mehr noch: Die Industriegruppe erweist mit ihren Eskapaden allen chinesischen Investoren in der Schweiz einen Bärendienst.

Gangster, Gauner und Moneten

SRF-Film «Private Banking» rechnet mit der Finanzbranche ab. Die «Handelszeitung» machte mit einem Topbanker ein Preview.

Privatbanker kennen keine Schamgrenzen, wenn der Zaster lockt. Zumindest in der Fernsehwelt am Leutschenbach. «Versprichst du mir, dass du mein Geld beschützt, als wäre es dein eigenes?», raunt ein schwerreicher Däne dem Privatbanker Marco Antonelli ins Ohr, während Antonelli den volltrunkenen Schwarzgeld-Kunden zum Pissoir einer Paradeplatz-Bar schleppt und ihm bei der Notdurft zur Hand geht.

Das Urinal als Hort der Kaltakquise für heisse Vermögen. Die Szene stammt aus dem neuen SRF-Zweiteiler «Private Banking», der am 17. und 18. Dezember ausgestrahlt wird und ursprünglich als Serie geplant war. Im Fokus der beiden Neunzigminüter steht die traditionsreiche Zürcher Privatbank Weyer, die kein Fettnäpfchen in der jüngeren Geschichte des hiesigen Vermögensgeschäfts auslässt: Vom Schwarzgeld-Business über lasche Compliance bis hin zu Geldwäscherei und Offshore-Konstrukten.

Die «Handelszeitung» hat das fiktionale Finanzdrama mit Spitzenbanker Walter Berchtold angeschaut. Berchtold leitete bis vor kurzem die Zürcher Falcon Private Bank und führte früher das Private Banking der Grossbank Credit Suisse.

Grenzwertig überzeichnet

Auf die geschilderte Pissoir-Szene angesprochen, schüttelt der Banker den Kopf: Grenzwertig und völlig überzeichnet sei das. «Die Macher ziehen das alte Private Banking komplett durch den Kakao.» Potenziellen Kunden durch die ganze Stadt nachzusteigen, das sei pure Dramaturgie, meint Berchtold. Viel eher strömten Vermögende direkt zu ihnen in die Bankfiliale, «zum Teil mit Koffern voller Geld». Tempi passati, meint der Finanzmann. Im Zeitalter verschärfter Compliance und Finanzregulierungen seien solche schummrigen Cash-Transfers längst ein No-Go.

Dennoch arbeitet sich der SRFZweiteiler, der in einer nicht näher definierten Jetztzeit spielt, an allen gängigen Klischeefiguren des Vermögensgeschäfts ab: Bonusgeile Schweizer Banker, steuersäumige Europäer und geldwaschende Schwarzafrikaner bilden das illustre Personal des «Private Banking»-Plots.

Im Zentrum steht dabei Caroline Pfister, uneheliche Tochter des Bankdirektors und Finanzpatrons Leopold Weyer, der nach einem Herzinfarkt komatös im Spital liegt. Während Weyers intriganter Sohn die Privatbank sofort an ein Grossinstitut verschachern will, schickt sich Tochter Caroline an, das Familienerbe zu retten. Die Zeit drängt. Die Finanzmarktaufsicht Finma steht mit einem Auditor bereits auf der Matte. Die Regulierungswelle nach dem Ende des Bankgeheimnisses droht das Finanzhaus aus dem Vermögensmarkt zu spülen.

Die Exjunkiefrau und heutige Suchttherapeutin Caroline möchte deshalb den Private-Banking-Pfuhl ausräuchern und dem Geldgeschäft wieder Ethik und Moral einhauchen. Bei diesem «Going Clean» ist die einzige Compliance-Mitarbeiterin der Bank Weyer Carolines einzig loyale Mitstreiterin. Eine blutjunge Juristin namens Stephanie Pfenninger, die sich durch lückenhaft geführte Kundendossiers pflügt und eine Aktenleiche nach der anderen ausgräbt. Zum Entsetzen der Bankdirektorin Caroline, deren Asset-Basis im Zuge ihrer Weissgeldstrategie wegschmilzt wie Schoggi in der Sonne. Soweit die Ausgangslage im Fernsehfilm.

Was als glaubhafte Milieustudie daherkommen soll, hat allerdings handwerkliche Mängel. «Eine Compliance-Juristin für die angeblich 8 Milliarden an verwalteten Vermögen – das ist schlicht ein Witz», sagt der Privatbanker. Berchtold schätzt, dass die Bank Weyer mindestens das Zehnfache an Personal mit Compliance-Bezug bräuchte.

Dass Secondo-Kundenberater Marco Antonelli seinem trunkenen dänischen Schwarzgeldklienten gleich auch noch den steuermilden Wohnsitz in der Türkei baut, gehöre ins «Reich der Mythen», sagt Berchtold: «Solche Steuerstrukturen wurden in der Vergangeheit stets von den Bankern an spezialisierte Kanzleien und Wirtschaftsprüfer outgesourct.» Und auch jene dreissig Mitarbeiter der Privatbank Weyer seien «völlig unrealistisch», findet der Vermögensmanager. Als vollwertige Bank mit Back- und Frontoffice, Buchhaltung, IT, Compliance, Marktanalyse und Execution benötige man mindestens 120 Mitarbeitende.

Headhunter mit Zweitkarriere

Thomas Ritter ist einer der Co-Autoren des SRF-Zweiteilers «Private Banking». Der studierte Drehbuchautor war in seiner ersten Berufskarriere Headhunter für Financial Services und Legal. Ritter verteidigt die Compliance-Figur im Film. Pfenninger repräsentiere das schwierige Thema angemessen: «Compliance-Abteilungen in Banken führten lange Zeit ein Mauerblümchendasein, waren unterdotiert und genossen in der Hierarchie wenig Prestige und Einfluss.»

Überhaupt habe man die Story in engem Austausch mit Branchenleuten entwickelt und stets auf Plausibilität gecheckt, sagt der Co-Autor: «Sparringspartner waren häufig Bankjuristen aus dem eigenen Netzwerk, die in kleinen und grösseren Instituten arbeiteten, im Wealth Management und in der Compliance, als auch Leute an der Front.»

Auch der langjährige Privatbanken-Chef Berchtold hält dem neuen SRF-Film zugute, dass die zentralen Probleme seiner gebeutelten Branche allesamt thematisiert würden: Angefangen beim Transparenzdruck bis hin zur Schwierigkeit, Kunden von nachhaltigen Anlagen zu überzeugen. So vielschichtig die Themen, so holzschnittartig seien die Figuren, findet Berchtold: «Das SRF hat die schwärzesten Schafe von allen aus dem Banken-Stall geholt.» So tue man der seriösen Branche keinen Gefallen.

Angesprochen auf Figuren wie den Berater Antonelli und dessen agressive Akquisemethoden, sagt Ritter: Man habe sich bemüht, die Figuren nicht zu verurteilen. «Antonelli macht zwar krumme Deals, bleibt aber menschlich.» Dessen illegale Kundenanwerbung stelle eine klare Grenzverletzung dar, die entsprechend drastisch dargestellt werde. Anders gesagt: Private Pissoir Banking.

Pierins Put-Optionen

Raiffeisen Recherchen zeigen, dass Ex-Chef Pierin Vincenz weitere mögliche Interessenkonflikte bei der Bank-Tochter Investnet hat.

Die Affäre um die Raiffeisen-Tochter Investnet ist um ein Kapitel reicher. Ex-Bankchef Pierin Vincenz hält privat nicht nur 15 Prozent an der Raiffeisen-Tochter Investnet, die im Fokus eines Finma-Verfahrens gegen Bank und Ex-Chef steht. Investnet-Aktionär Vincenz hat am KMU-Vehikel der Genossenschaftsbank auch Put-Optionen, wie Recherchen zeigen.

Diese Put-Optionen berechtigen den Bündner Banker, seine Aktien an der Investnet Holding in rund zweieinhalb Jahren der Mehrheitsaktionärin Raiffeisen Schweiz wieder anzudienen, und zwar zu einer vorab definierten Bewertungsmethodik. Die Parameter der Put-Optionen wurden zu einem Zeitpunkt definiert, als Vincenz noch Raiffeisen-Chef war. Sie stellen einen weiteren möglichen Interessenkonflikt im Investnet-Investment dar, das die Finma derzeit eingehend untersucht.

Nebst Ex-Bankchef Vincenz können auch die beiden Investnet-Gründer Peter Wüst und Andreas Etter von dieser Verkaufsmöglichkeit gegenüber der Mehrheitsaktionärin Raiffeisen Schweiz Gebrauch machen. Die Put-Optionen auf die Investment Holding sind Teil eines Aktionärsbindungsvertrages zwischen der Raiffeisen Bank Schweiz und den Minderheitseignern des KMU-Finanzierers. Darunter befindet sich Ex-Chef Pierin Vincenz, der bei seinem Abgang im Oktober 2015 der Bank einen 15-Prozent-Anteil an Investnet abkaufte.

Externes Gutachten

Fest steht: Die Bewertungsmethodik der Put-Optionen auf die Investnet-Anteile wurde bereits definiert, als Pierin Vincenz noch Chef der Raiffeisen-Gruppe war. Aus dem Umfeld des Bündner Bankers ist zu hören, dass Vincenz an dieser «Formel» nicht «aktiv und direkt» mitgewirkt habe. Vielmehr soll die Bewertungsfrage zwischen den Finanzexperten der Raiffeisen Bank und den beiden Investnet-Gründern Wüst und Etter gelöst worden sein.

Offenbar gibt es dazu auch ein externes Gutachten einer grossen Prüfgesellschaft, welches dokumentiert, dass Vertrag wie Formel nach «arms length»-Prinzip aushandelt wurden. Genau solche Governance-Fragen soll nun das Enforcement-Verfahren der Finanzmarktaufsicht final klären. Allerdings hatte Vincenz dem Vernehmen nach selbst noch keine Akteneinsicht ins Finma-Enforcement.

Das Verfahren befasst sich gemäss einer Raiffeisen-Sprecherin insbesondere «mit der Ausgestaltung von Prozessen und Verträgen bei der Beteiligung Investnet». Im Verwaltungsrat dieser Raiffeisen-Tochter sitzt neben Präsident Vincenz auch der langjährige Raiffeisen-Finanzchef Marcel Zoller, und zwar seit Gründung der Investnet Holding im Sommer 2015. Zahlenmensch Zoller hat vor kurzem seinen Rücktritt als CFO der Genossenschaftsbank auf Ende April angekündigt.

Das Placet für Vincenz’ private Beteiligung an der noch zu gründenden Investnet-Holding erhielt der Bündner Banker bereits im Frühjahr 2015 vom Verwaltungsrat der Raiffeisen-Gruppe unter der Leitung des HSG-Professors Johannes Rüegg-Stürm. Gemäss «Sonntagszeitung» tritt Bankpräsident Rüegg an der nächsten Sitzung vom 1. Dezember zu allen Aspekten rund um das Finma-Enforcement in den Ausstand.

Neuer Independent Lead Director

Gleichzeitig will das oberste Raiffeisen-Gremium den Neo-Verwaltungsrat Pascal Gantenbein als Independent Lead Director einsetzen. Gantenbein ist Professor für Finanzmanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und Dozent an der Universität St. Gallen. Er ist erst seit Juni im Verwaltungsrat der Raiffeisen und damit nicht in die Investnet-Affäre involviert.

Saudischer Schock

Finanzplatz UBS und Co. verwalten fast 200 Milliarden Dollar an Offshore-Vermögen aus Saudi-Arabien. Nun gefährden die politischen Wirren das lukrative Geschäft.

Tatort war das «Ritz-Carlton» in der saudischen Kapitale Riad. Im Luxushotel liess König Salman beziehungsweise sein 32-jähriger Sohn und Thronfolger Mohammed bin Salman kürzlich Dutzende Widersacher festsetzen. Die Nacht-und-Nebel-Aktion im «Ritz-Carlton» war der Auftakt zu einer gross angelegten Antikorruptions-Kampagne in Saudi-Arabien. Gegen 800 Milliarden Dollar an «korrumpierten» Vermögenswerten im In- und Ausland will sich Salmans Machtapparat zurückholen.

Der Staatsstreich von oben hat bislang zu über 200 Verhaftungen hochrangiger Wirtschaftsführer und Staatsdiener geführt. Unter den Verhafteten befindet sich der Mövenpick-Miteigner und Multimilliardär Prinz Al-Waleed Bin Talal.

Die saudische Säuberung sendet Schockwellen in den Schweizer Finanzplatz. Welche Vermögen korrekt sind und welche plötzlich korrupt, bringen die Compliance-Abteilungen der Banken ans Limit. Es geht um viel: Die Schweiz ist der Offshore-Hub für Vermögen aus der Petro-Monarchie.

Gemäss einem kürzlich veröffentlichten «Working Paper» des Ökonomen Gabriel Zucman über Steueroasen lagen von 223 saudischen Offshore-Milliarden 193 Milliarden Dollar in der Schweiz. Fast 8 Prozent aller Offshore-Bankeinlagen hierzulande stammen aus dem ölreichen Königreich. Zucman-Berechnungen basieren allerdings auf Daten aus dem Jahr 2007.

Grossbanken stark exponiert

Was auf der arabischen Halbinsel geschieht, wird deshalb in Zürich und Genf mit Argusaugen verfolgt. Von einem «erhöhten Monitoring» spricht beispielsweise die Privatbank Julius Bär, die ihre saudische Kundschaft von Bahrein und Dubai aus bedient. Auch die Genfer Pictet beobachte die Situation in Saudi-Arabien «aufmerksam», sagt Sprecher Simon Roth.

Besonders exponiert sind die Grossbanken UBS und Credit Suisse, die Milliarden an saudischen Vermögen verwalten und Dependancen im Königreich unterhalten. Entsprechend sind nun Compliance-Teams in den Grossbanken fieberhaft daran, ihre Saudi-Kunden auf den aktuellen Status in der Nomenklatur zu checken.

Saudi-Arabien sei ein wichtiger Markt für die UBS, sagt ein Sprecher: «Mehr als sechzig Mitarbeiter arbeiten dediziert für saudische Kunden.» So war das Nettoengagement der Grossbank – bestehend aus Kredit- und Handelsgeschäften – in Saudi-Arabien mit über einer halben Milliarde Franken Ende 2016 das höchste «Exposure» der UBS im gesamten Nahen Osten und etwa vergleichbar mit Russland.
Auch im Offshore-Geschäft kann die grösste Schweizer Bank auftrumpfen.

So unterhält die UBS beste Kontakte zu saudischen Wirtschaftsführern wie dem 83-jährigen Multimilliardär Abdulaziz Al-Sulaiman, dessen Familie über die 1968 gegründete Rolaco Group herrscht. Das Konglomerat mit einem Ableger in Genf ist im Bauwesen, in der Automobilindustrie, der Landwirtschaft, der Telekommunikation und im Tourismus tätig.

Rolaco-Gründer Al-Sulaiman gehört unter anderem das «Crown Plaza» in Zürich, wo der saudische Scheich als Verwaltungsrat in einer Firma namens Coseco sitzt. Coseco bezweckt «die aktive Förderung der schweizerischen Wirtschaftsbeziehungen mit dem Mittleren Osten» und hat ihr Domizil am Hauptsitz der UBS an der Bahnhofstrasse 45 in Zürich.

Präsidiert wird Coleco von einem Genfer «Vice Chairman» der UBS-Vermögensverwaltung. Auf Tuchfühlung mit den Saudis ist auch Konkurrentin Credit Suisse. Zu deren grössten Aktionären mit knapp 5 Prozent gehört die saudische Olayan Group.

Noch im Sommer gab die CS die Wachstumsparole im wahabitischen Reich heraus. Ein «Schlüsselmarkt» sei Saudi-Arabien, liess man die Presse wissen. Das Institut wolle massiv mehr Private Banker einstellen – nachdem das Onshore-Geschäft der CS in Saudi-Arabien harzte. Nach kumulierten Verlusten von 60 Millionen Franken setzte die Schweizer Bank Anfang Jahr ihrer Saudi-Tochter eine Kapitalspritze von etwas mehr als 50 Millionen Franken – im Hinblick auf die angestrebte Onshore-Banklizenz. Gemäss Bloomberg soll die CS für die Expansion im Königreich insgesamt 600 Millionen Dollar bereitgestellt haben. Das Institut selbst wollte zum «sensitiven Thema» Saudi-Arabien keine Stellung nehmen.

Fest steht jedoch: Die politischen Wirren im Königreich bringen hiesige Banken in die Bredouille. Wer kürzlich noch als lukrativer Saudi-Kunde galt und dem Institut eine «Politically Exposed Person»-Prämie einbrachte, dessen Vermögenswerte werden nun im Zuge der königlichen Antikorruptions-Kampagne plötzlich zum akuten Geldwäschereirisiko fürs kontoführende Finanzinstitut.

Regimewechsel nicht zu managen

Was rechtens sei und was als korrupt gelte, könne sich in Saudi-Arabien derzeit ständig ändern, sagt der Berner Compliance-Anwalt Michael Kunz: «Regimewechsel sind für die Banken schlicht nicht zu managen.» Stets stünden die Institute im Rechtsrisiko, weil sie gemäss geltenden Geldwäschereinormen «die Verantwortung für die aktuelle Situation» trügen, so Kunz.

Deshalb informieren die Banken die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) über heikle Vermögenswerte lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Denn den Nachweis zu erbringen, dass die verwalteten Gelder aus sauberen, wirtschaftlichen Quellen stammen, ist gerade in einer intransparenten Autokratie wie Saudi-Arabien heikel. Zumal sich Kundenbeziehung und Vermögenssituation über die Zeit verändern.
Entsprechend sind die Meldezahlen bei der MROS in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt.

Zum aktuellen Fall, Saudi-Arabien, und zu dessen Implikationen hält sich die MROS bedeckt. Auch die Bundesanwaltschaft, die verdächtige Konten sperren müsste, erklärt auf Anfrage, sie befasse sich «zurzeit» mit dieser Thematik nicht.

Der Melde-Eifer der Banken ist Pragmatismus geschuldet: Die Verletzung des Bankgeheimnisses berge für die Bank weniger Risiken als die Verletzung der Meldepflichten, sagt Kunz: «Die Hürde für eine MROS-Meldung ist tief und kann bei falschem Alarm im Nachhinein gut begründet werden.»

Wenn ein Institut nicht melde, dann drohe der Bank im schlimmsten Fall eine Verurteilung wegen Beihilfe zur Geldwäscherei. Dagegen ist der Ärger mit Kunden wegen der Verletzung des Bankgeheimnisses ein kleiner. Kunz kommt deshalb zum Fazit: «Der Schutz des Bankgeheimnisses ist ziemlich schnell wertlos; der ‹Safe Haven› funktioniert nur, solange alles rund läuft.» Die abgesägte Elite Saudi-Arabiens dürfte dies bald zu spüren bekommen.