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Finma-Bericht gegen Credit Suisse zugelassen

Strafverfahren Ein Bericht der Finma darf in einer laufenden Untersuchung gegen die Credit Suisse verwendet werden. Dies hat ein Genfer Gericht entschieden.

Der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa hat Ende Jahr einen Etappensieg gegen die Credit Suisse erzielt. Das Zwangsmassnahmengericht in der Calvinstadt entschied nämlich Mitte Dezember, dass ein Bericht der Finanzmarktaufsicht Finma zu Geldwäscherei-Mängeln bei der CS in eine laufende Strafuntersuchung gegen die Bank einfliessen darf. «Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass sie Zugang zu dem von Ihnen genannten Dokument erhalten hat», sagt ein Sprecher. Die Credit Suisse kann gegen den Gerichtsentscheid noch bis Ende Januar vor Bundesgericht rekurrieren: Man prüfe derzeit einen möglichen Weiterzug, so die CS.

Strafurteil gegen Credit Suisse Berater

Beim Finma-Bericht mit dem Codenamen «Dino» handelt es sich um das Enforcementverfahren zur Geschäftsbeziehung der Bank mit dem georgischen Milliardär und Ex-Regierungschef Bidzina Ivanishvili. Dieser war langjähriger Grosskunde der Credit Suisse und sieht sich durch einen ehemaligen CS-Berater im grossen Stil betrogen. Gegen die Bank läuft deshalb eine Strafuntersuchung wegen Organisationsmängeln.

Die Informationen aus dem Finma-Enforcmentbericht sind für die CS nicht nur für dieses laufende Verfahren kritisch. Sie bergen auch Finanz- und Reputationsrisiken für die Bank. Denn die Geschädigten des Ex-CS-Relationship-Managers P. L. machen seit geraumer Zeit öffentlich Druck. Eine Kampagne unter dem Titel «CS Victims» samt Zeitungsinseraten und einer eigenen Website soll die Bank in einen Vergleich zwingen.

Politisch exponierter Milliardär

Im nun entsiegelten Finma-Bericht sind Mängel der Credit Suisse bei der Einhaltung der Sorgfaltspflichten in der Geldwäschereibekämpfung detailliert dokumentiert. Die Geschäftsbeziehung mit dem politisch exponierten Milliardär sei «zu spät als solche mit erhöhten Risiken erfasst und entsprechend behandelt» worden, schrieb die Finma in einer späteren öffentlichen Mitteilung. Die Abklärungen und die Dokumentation seien mangelhaft gewesen. Erhöhte Risiken habe die Bank «bei gewissen Transaktionen» gefahren.Fakten für mögliche Mängel

Bereits im Februar 2018 wurde der ehemalige CS-Kundenberater von Ivanishvili, P. L., vom Genfer Strafgericht zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Der Bankberater habe das Vertrauen der Kunden, darunter Bidzina Ivanishvili und der russische Oligarch Vitaly Malkin, missbraucht und Millionen Franken ergaunert, hiess es in der Urteilseröffnung. L. habe insgesamt einen Schaden von 143 Millionen Franken verursacht und sich dabei selbst um 30 Millionen Franken bereichert.

In Berufung vor Bundesgericht

Der Ex-CS-Banker wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung erstinstanzlich schuldig gesprochen. Im letzten Sommer bestätigte das Appellationsgericht das Urteil. Mehrere Verfahrensparteien sind daraufhin in Berufung gegangen. Inzwischen liegt der Fall L. dem Bundesgericht zur Beurteilung vor.

Gesondert zum Strafverfahren gegen den mutmasslich fehlbaren CS-Kundenberater L. hat der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa bereits vor zweieinhalb Jahren eine eigene Strafuntersuchung gegen die Bank nach Artikel 102 Strafgesetzbuch eröffnet, also Unternehmenshaftung aufgrund von Organisationsmängeln. Dabei könnte der Bank eine Busse von bis zu maximal 5 Millionen Franken drohen. Die nötigen Fakten für solch möglicherweise strafbaren Organisationsmängel dürfte der Enforcementbericht liefern, den Bertossa im Herbst von der Aufsicht erhielt.

Vertrauliche Informationen über Credit Suisse

Doch seine Freude darüber währte nicht lange: Die CS-Anwälte von der Kanzlei Schellenberg und Wittmer sollen laut Nachrichtenagentur Bloomberg wenige Tage später eine Versiegelung veranlasst haben. Dabei hätten die Anwälte argumentiert, dass der Finma-Bericht vertrauliche Informationen über das Management der Bank enthalte, welche den bankeigenen Interessen im Strafverfahren zuwiderlaufen würden.

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André Krause – Morgenröte für den Schattenmann

André Krause Der neue Sunrise-Chef gilt als Urgestein im Telekomkonzern. Fachlich ist er unbestritten. Nun sind Führungsqualitäten gefragt.

Im Schnitt bleibt ein Schweizer CEO gut 6,9 Jahre im Amt. In der Zeitspanne hat der Telekomkonzern Sunrise mit Oliver Steil, Libor Voncina und Olaf Swantee gleich drei Chefs verschlissen. All die Personalrochaden hat einer stets überlebt: André Krause. Der deutsche Betriebswirt amtet als Finanzchef seit Herbst 2011 – für Sunrise-Verhältnisse eine gefühlte Ewigkeit. Geholt hat ihn der damalige Chef Oliver Steil. Die beiden Turbomanager kannten sich bereits aus gemeinsamen Zeiten beim Unternehmensberater McKinsey.

Seit Anfang Jahr darf Porsche-Fahrer Krause nun selber in den Driver’s Seat. Zu verdanken hat Krause das Konzernsteuer auch Sunrise-VR Christoph Vilanek, der ihn fürs operative Spitzenamt portierte. Der streitbare Tiroler vertritt die Interessen der Sunrise-Grossaktionärin Freenet. Für Vilanek ist Krause ein alter Bekannter: «Ich kenne und schätze André seit zwanzig Jahren.» Schliesslich arbeitete auch Vilanek einst als Berater bei McKinsey mit Krause zusammen. Später waren die beiden in Deutschland Konkurrenten: Krause wirkte bei O2/Telefónica, während Vilanek für Debitel weibelte.

Krause hat Fusionspläne mitgetragen

Dass Krause im letzten Jahr als Sunrise-Finanzchef die Milliardenübernahme des Kabelnetzbetreibers UPC mit aller Kraft vorantrieb, die Vilanek ebenso lautstark bekämpfte, sieht der Freenet-Vertreter nicht als Makel an: Klar habe Krause als Finanzchef die Fusionspläne mitgetragen, aber er habe im persönlichen Gespräch auch signalisiert, dass er sich «mit einer Strategie ohne Transaktion» wohlfühle, sagt Vilanek.

Dass Krause anpassungsfähig ist, hat er bei Sunrise immer wieder bewiesen. Als der gebürtige Ostwestfale unter CEO Steil bei der Telekomfirma anfing, gehörte sie noch zu 100 Prozent der Luxemburger Private-Equity-Gesellschaft CVC. Nachdem Steils Billigheimer-Strategie gescheitert war und er auf Druck von CVC gehen musste, konnte sich dessen engster Vertrauter Krause schadlos halten. Auch unter Steils Nachfolgern – Libor Voncina und Olaf Swantee – galt der Finanzfachmann als gesetzt.

Strategische Kniffe

Mehr noch: Die heutige Sunrise trägt massgeblich Krauses Handschrift. Er gilt einigen gar als langjähriger Schattenchef. Sei es die Auslagerung des Netzbetriebs an die chinesische Huawei oder der erfolgreiche Börsengang: Immer wieder wusste Krause Sunrise mit strategischen Kniffen finanziell zu optimieren. Als dessen Meisterstück in Sachen Financial Engineering gilt 2017 der Verkauf von 2200 Sunrise-Sendemasten an ein internationales Finanzkonsortium. Ein Novum im Schweizer Telekommarkt.

Mit dem ausgeklügelten «Sale and lease back»-Deal konnte Krauses Finanzteam die Schuldenlast der Sunrise reduzieren und zugleich deren Ausschüttung erhöhen. Diese Quadratur des Kreises liess die Aktionäre jubilieren. Bezeichnenderweise wird in Krauses Ankündigung als neuem CEO explizit erwähnt, dass die Dividende des Unternehmens seit dem Börsengang um fast 50 Prozent gesteigert werden konnte.

Personaltrainerin als Ehefrau

Als Kosten- und Prozessoptimierer geniesst der 49-Jährige, der mit seiner Frau – einer Personaltrainerin – und vier Kindern an der Zürcher Goldküste wohnt, reihum einen guten Ruf. Für Weggefährten stehen seine fachlichen Qualitäten ausser Zweifel: «Krause kennt das Telekombusiness aus dem Effeff», lautet der Tenor.

Dabei verkörpere Krause den Typus eines modernen Finanzchefs: kein penibler Erbsenzähler, sondern einer, der das Tagesgeschäft versteht und aktiv treibt. Auch zwischenmenschlich gilt der bekennende FC-Bayern-Fan als sozialkompatibel: Kein Selbstdarsteller, sondern nüchtern und «down-to-earth» beschreiben ihn Weggefährten. Dabei umgab sich Krause bislang vor allem mit einem eingeschworenen Team aus Finanzfachleuten. Dazu zählt auch Krauses Nachfolger als Finanzchef, Uwe Schiller – ebenfalls ein Sunrise-Urgestein.

Fleissiger Krause

Allerdings muss Krause in seiner neuen Rolle als CEO mehr können, als die Erfolgsrechnung konsequent zu optimieren. Während Vorgänger Olaf Swantee von der Vertriebs- und Produkteseite herkam und als glänzender Selbstvermarkter galt, muss Krause sein kommunikatives Profil gegen aussen erst noch schärfen: «Nach einem verlorenen Jahr wegen der UPC-Transaktion hängen die Mitarbeitenden in den Seilen», sagt ein Insider. Ob der fleissige Krause, der einst an der FH Bielefeld den Wirtschafts-Bachelor machte, auch den charismatischen Motivator geben kann, um die Mitarbeitenden auf den strategischen «Standalone»-Kurs einzuschwören, bleibt abzuwarten. Bisher war seine Präsenz eher bescheiden.

Kommerzchef geht

Eine erste, wichtige Weichenstellung hat der Neo-CEO jedoch bereits kurz nach Amtsantritt vorgenommen. So verlässt Privatkunden-Chef Bruno Duarte per sofort Sunrise. Duarte verantwortete seit Frühsommer 2017 die wichtigste Geschäftssparte und galt dabei als enger Weggefährte von Ex-CEO Swantee. Arbeiteten doch beide beim britischen Mobilfunkanbieter EE, einer Tochter der British Telecom: Swantee war dort operativer Chef bis 2016, während Duarte Operations und Strategie unter sich hatte. Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird Krause interimistisch den Privatkunden-Teil leiten.

In den vergangenen Monaten wuchs nämlich intern die Kritik an Kommerzchef Duarte wegen seiner Tarifpolitik. Insbesondere die Weiterentwicklung des TV-Geschäfts lahmte, auch aufgrund der antizipierten UPC-Übernahme. Die Kundenbasis wuchs deshalb eher bescheiden mit zuletzt 6000 zusätzlichen Kunden im dritten Quartal auf etwas mehr als eine Viertel Millionen Sunrise-TV-Abonnenten. Und auch der Umsatz pro Kunde entwickelte sich zuletzt rückläufig. Hier wird Krause gefordert sein, den Telekomkonzern «standalone» wieder neu auszurichten.

Neben der Suche nach einem Chief Commercial Officer dürfte Krause eine weitere Personalie die nächsten Monate umtreiben: jene seines Vorgesetzten. Nach Peter Kurers Rücktrittsankündigung sucht die Sunrise nämlich auf die Generalversammlung im April einen Präsidenten.

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Sunrise-Grossaktionär widerspricht UPC-Mutter

Sunrise Liberty Global bläst Geheimverhandlungen mit Freenet ab. Der Sunrise-Grossaktionär sagt aber, es habe nicht an Einigkeit mit Sunrise gemangelt.

Die Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC Schweiz durch den Telekomkonzern ist endgültig gescheitert: «Wir wünschen Sunrise alles Gute, aber wir ziehen weiter» , lässt sich Mike Fries, Chef der UPC-Mutter Liberty Global LGI in einem jüngst veröffentlichten Statement zitieren. 

Zwar kündigte die Firma bereits vor vier Wochen den bestehenden Transaktionsvertrag mit der amerikanischen UPC-Mutter LGI auf. Doch in den letzten vier Wochen liefen Geheimverhandlungen zwischen dem deutschen Grossaktionär Freenet und LGI, wie Freenet-Chef und Sunrise-VR Christoph Vilanek gegenüber der «Handelszeitung» bestätigt.

«Auf Initiative von LGI gab es in den letzten Wochen den nochmaligen Versuch, eine Einigung zur Übernahme der UPC Schweiz zu erzielen. Doch konnten wir uns bis zuletzt über eine Reihe von Punkten nicht einigen.» Zu den Knackpunkten der Verhandlungen will sich Vilanek nicht weiter äussern.

Sunrise und Freenet: Einigung «auf den besten Weg»

Gleichzeitig aber widerspricht Freenet-Chef Vilanek der Darstellung von LGI-Chef Fries, wonach der Verwaltungsrat und der grösste Aktionär des Telekomkonzerns sich untereinander nicht «auf den besten Weg» haben einigen können. Das sei natürlich Unsinn, meint Vilanek: Zwischen Freenet und dem Sunrise-Management gebe es keinerlei Differenzen.

Er habe Sunrise darüber informiert, dass man mit Liberty Global nochmals sprechen werde. Ansonsten sei der Telekom-Konzern um Chef Olaf Swantee derzeit mit Hochdruck daran, ihre «Standalone»-Strategie weiterzuverfolgen, was er als Vertreter des grössten Aktionärs begrüsse.

Stimmen-Mehrheit verfehlt

Enttäuscht zeigt sich Vilanek auch darüber, dass LGI den mehrwöchigen Verhandlungsversuch mit Freenet überhaupt publik gemacht hat. «Das war so nicht abgemacht» , erklärt der Freenet-Chef. Im Oktober sagte Sunrise, zwei Tage vor der ausserordentlichen Generalversammlung zur Milliardentransaktion, das Aktionärstreffen ab. Dies, weil sich abzeichnete, dass das Übernahmevorhaben keine Stimmen-Mehrheit finden würde.

Mitte November kündigte der Telekomkonzern dann den Übernahmevertrag mit der UPC-Mutter Liberty Global auf. Die gescheiterte Transaktion dürfte den Telekom-Konzern insgesamt rund 125 Millionen Franken kosten. Nicht miteingerechnet sind jene Opportunitätskosten aufgrund von aufgeschobenen Projekten wie der Weiterentwicklung des eigenen TV-Angebots oder weiterer Bundle-Produkten.

Keinerlei Differenzen

Gleichzeitig aber widerspricht Freenet-Chef Vilanek der Darstellung von LGI-Chef Fries, wonach der Sunrise-Verwaltungsrat und der grösste Aktionär des Telekomkonzerns sich untereinander nicht «auf den besten Weg» haben einigen können. Das sei natürlich Unsinn, meint Vilanek: Zwischen Freenet und dem Management gebe es keinerlei Differenzen.

Er habe Sunrise darüber informiert, dass man mit Liberty Global nochmals sprechen werde. Ansonsten sei der Telekom-Konzern um Chef Olaf Swantee derzeit mit Hochdruck daran, ihre «Standalone»-Strategie weiterzuverfolgen, was er als Vertreter des grössten Aktionärs begrüsse.

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«Russian Laundromat»: Was wusste Annika Falkengren ?

Lombard Odier Die Schwedische Bank SEB ist in einen riesigen Geldwäsche-Skandal verwickelt. Deren langjährige Chefin Annika Falkengren ist heute Partnerin bei der Genfer Privatbank Lombard Odier.

Zur besten Sendezeit strahlte jüngst das schwedische Fernsehen SVT eine aufwendige Dokumentation zur Geldwäsche bei der Skandinaviska Enskilda Banken, kurz SEB, aus. Das Fazit der Doku: Zwischen 2005 und 2017 wurden über SEB-Konten im Baltikum zweifelhafte Transaktionen im Umfang von umgerechnet rund 26 Milliarden Franken abgewickelt.

Offshore-Firmen in zweifelhaften Jurisdiktionen

Gemäss SVT-Doku soll die schwedische Bank mindestens 194 Hochrisiko-Kunden betreut haben, wovon die meisten dieser «Non-Resident Customers» Russen waren. Diese hätten über baltische SEB-Konten möglicherweise Geld gewaschen und weiter an Offshore-Firmen in zwielichtige Jurisdiktionen wie die Britischen Jungferninseln oder nach Panama verschoben. 

Mindestens zwei Drittel der von den SVT-Reportern untersuchten SEB-Konten hätten ein hohes Geldwäsche-Risiko aufgewiesen. Unter den Geldern, die via SEB verschoben wurden, finden sich auch bis 72 Millionen Dollar aus der sogenannten «Magnitsky Affäre», einem der bekanntesten Finanzskandale der jüngeren russischen Geschichte.

Keine Red Flags

Die Enthüllungen im schwedischen Fernsehen zeigten zusammenfassend, dass rund 150 SEB-Kunden Unternehmen waren, deren Sitz in Hochrisikoländern wie den British Virgin Islands, Belize und Panama registriert waren. Und dass 87 dieser Unternehmen Adressen aufweisen, die die aus früheren Geldwäsche-Skandalen bekannt gewesen sein mussten. Für 130 Unternehmen gilt gar die höchste Risikostufe für vermutete Geldwäsche. Über diese High-Risk-Unternehmen wurden rund 280 Millionen Dollar geschleust.

Obwohl  die SVT-Doku den Nachweis erbrachte, dass nebst Danske Bank und Swedbank auch die damalige SEB-Filliale in Estland mutmasslicherweise zum Waschen von russischen Geld benutzt wurde, verkündete der amtierende SEB-Chef Johann Torgeby noch im letzten Herbst: «Wir fühlen uns sehr wohl dabei, mit dem das, was wir von 2008 bis heute getan haben. Es gibt keine Red Flags, um die wir uns im Vergleich sorgen machen müssten.»

Annika Falkengren wechselte zu Lombard Odier

Just jene Periode, also zwischen der Zeitraum 2005 und 2017, in welche die Enthüllungen der SVT-Repo fallen, lagen in der obersten Verantwortung von Annika Falkengren. Die schwedische Bankmangerin ist heute Partnerin der Genfer Privatbank Lombard Odier ist. Sie war von Herbst 2005 bis 2017 Gruppenchefin der SEB.  

Wusste Falkengren von den Problemtransaktionen im Baltikum wusste? Inwiefern? War die Genfer Bank um Senior Partner Patrick Odier bei Falkengrens Einwechslung über die Geldwäsche-«Issues» informiert? Dazu wollte Banken-Sprecher Andreas Kessler keine Auskunft geben: «Wir kommentieren weder Fälle, die andere Unternehmen betreffen noch Personalfragen.»

Anmerkung: Jüngst teilte die schwedische Finanzaufsicht mit, dass bei SEB «Mängel und Schwächen» bei internen Geldwäschekontrollen in baltischen Geschäftsstellen gefunden worden. Der Bank drohen Strafzahlungen.

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Neue Strafuntersuchung im Fall Vincenz

Raiffeisen Die Zürcher Staatsanwaltschaft eröffnet im Fall Vincenz eine Strafuntersuchung gegen unbekannt wegen Bankgeheimnisverletzung.

Der Fall um den Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ist um ein Kapitel reicher. Die Zürcher Staatsanwaltschaft III eröffnet eine Strafuntersuchung gegen unbekannt wegen Bankgeheimnisverletzung. «Wir können die Eröffnung einer solchen Strafuntersuchung bestätigen», sagt Sprecher Erich Wenzinger nach Recherchen der «Handelszeitung».

Hintergrund der neuen Strafuntersuchung ist die Publikation von privaten Banktransaktionen im Jahr 2016. Damals veröffentlichte der Finanzblog «Inside Paradeplatz» detaillierte Informationen zu Transaktionen des Ex-Aduno-Chefs Beat Stocker von seinen Konti bei der Bank Julius Bär. Unter anderem flossen dabei Millionenbeträge an seinen Freund und Geschäftspartner Pierin Vincenz. Gegen beide, Vincenz und Stocker, läuft seit bald zwei Jahren eine Strafuntersuchung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Ex-Kadermann der Bank Julius Bär

Aufgeschreckt durch die wiederholten Indiskretionen und Finanzdetails gab die Bank Julius Bär im Herbst 2016  eine interne Untersuchung in Auftrag: Sie sollte herausfinden, wer im Finanzkonzern die mutmassliche  Bankgeheimnisverletzung begangen habe. Gemäss mehreren Quellen förderte die Untersuchung, die eine externe Anwaltskanzlei durchführte, damals drei Tatverdächtige zutage. Besonders brisant: Einer davon soll ein ehemaliger Kadermann der börsenkotierten Bank sein, sagen zwei Insider übereinstimmend. 

Strafbarkeit des Geheimnisverrats im Fall Vincenz

Die Verletzung des Bankgeheimnisses ist ein Offizialdelikt. Es droht eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren. Dies gilt für den, der ein Geheimnis offenbart, das ihm in seiner Eigenschaft als Organ, Angestellter, Beauftragter oder Liquidator einer Bank anvertraut worden ist. Gleichermassen macht sich aber auch strafbar, wer dieses Geheimnis weiteren Personen offenbart.

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Postfinance – Die Post-Finanzkrise

Postfinance Sinkende Erträge, schmelzende Zinsmarge – und Kunden ziehen Geld ab. Die Bank steht am Scheideweg. Vier Strategien, wie die Postfinance sich neu aufstellen könnte.

Jedes Quartal dasselbe Bild: Die Postfinance verdient weniger, Kunden ziehen Gelder ab, das Aufwands-Ertrags-Verhältnis steigt. Die Staatsbank steckt in einer Sackgasse. Noch immer hängt der Ertrag der Postfinance zu 60 Prozent am Zinsdifferenzgeschäft. Doch im Kerngeschäft fehlt der Bank ein Standbein: Sie darf keine Kredite vergeben, wodurch die Bank die Einlagen in Anleihen solider Schuldner anlegen muss. Nur: Im Tiefzinsumfeld werfen diese Qualitätsobligationen kaum mehr etwas ab. Die Postfinance steckt in der Zinsfalle.

Gleichzeitig stellt sich für die eidgenössische Bank die Sinnfrage: Die Existenzberechtigung der Postfinance bestehe in der Grundversorgung der Bevölkerung mit Zahlungsverkehrsdienstleistungen, sagt der emeritierte Bankenprofessor Urs Birchler. Dazu gehöre ein Netz von zu Fuss erreichbaren Filialen und eine Staatsgarantie für Postfinance-Gelder. Doch das Filialnetz spiele nur noch bei einem kleinen Teil der Bevölkerung eine Rolle. Ein Immigrant, der kein Deutsch spreche, oder eine Betagte, die nicht mehr gut sehe, seien am Postschalter meist besser aufgehoben als bei einer Geschäftsbank. «Alle andern zahlen heute mit Kreditkarte oder Handy; für die grosse Mehrheit ist die Postfinance ein Relikt.»

Aufschieben des Postfinance Problems

Und auch die Staatsgarantie sei kein Alleinstellungsmerkmal, so Birchler. Gelder bei Geschäftsbanken seien durch den Einlegerschutz bis 100 000 Franken abgedeckt. «Wer noch sicherer sein möchte, geht zu einer Kantonalbank», sagt der Bankenprofessor. Er zweifelt deshalb an der Raison d’être der Postfinance: «Eine Institution, die es nicht braucht, verschwindet langfristig letztlich von selbst.» Es gehe nur darum, welches die schmerzloseste Variante darstelle. Sie bestehe selten im Aufschieben des Problems.

Ganz so apodiktisch ist Andreas Dietrich, Bankenprofessor an der Hochschule Luzern, nicht. Er fordert aber eine klarere Positionierung: «Die Postfinance verkauft sich in ihrer neuen Werbung als cool und digital und macht so einen auf Revolut, will aber auf der anderen Seite eine normale Bank sein mit Negativzinsen und Kontoführungsgebühren. Das passt so nicht zusammen.»

Die Post-Tochter solle auf ihre 2,5 Millionen Kunden setzen, denn diese seien ihr Alleinstellungsmerkmal. «Bei so vielen Kunden muss man ein Ökosystem mit verschiedenen Dienstleistungen aufbauen.» Zwar habe die Postfinance durchaus viele Produkte lanciert, sagt Dietrich, «doch sie verkauft das viel zu schlecht, ich spüre sie nicht».

STRATEGIE 1 PAYMENT: Auf Kernkompetenz konzentrieren

Die Postfinance hat eine klare DNA: Zahlungsverkehr. Der Postcheckdienst wurde vor mehr als hundert Jahren gegründet (siehe Infobox), um dem «kleinen Mann» Geldüberweisungen zu ermöglichen. Später eröffneten Herr und Frau Schweizer ein Postcheckkonto, um Einzahlungsscheine verteilen zu können, im Ausland kostenlos Bargeld zu beziehen oder – ohne Jahresgebühr – mit der Postcard zu bezahlen. Das Zahlungssystem der Post sei «bis zum Ende des 20. Jahrhunderts von der Mehrheit der Bevölkerung genutzt» worden, hält das «Historische Lexikon der Schweiz» fest. Man beachte die Vergangenheitsform.

Diese Positionierung hat die Post aufgegeben. Längst bieten auch andere Banken einfache Werkzeuge für die täglichen Zahlungen an. Die Postfinance hat ihre Avantgarde-Positionierung aufgegeben und damit auch ihre Einzigartigkeit. Konto und Postfinance Card kosten gleich viel wie bei Banken, die Payment-App Twint wird heute vom SIX-Konsortium gesteuert und selbst die von der Postfinance ausgegebenen Kreditkarten werden von der UBS verwaltet. Payment-DNS? Fehlanzeige.

Zurück zu den Wurzeln zu kehren, bedeutet, sich kompromisslos auf Kernkompetenzen zu konzentrieren: auf den besten und einfachsten Zahlungsverkehr mit Überweisungen in Echtzeit, intuitiv zu bedienende Apps und Internetlösungen, Kreditkarten mit Transparenz und besseren Konditionen als bei den Banken, über offene Schnittstellen eingebundene Drittanbieter. Kurz gesagt: auf Services.

«Lässt sich damit Geld verdienen?», fragen Kritiker. «Hat das Zukunft?» Dass Neobanken und Quereinsteiger wie Revolut oder Apple mit Zahlprodukten auf Kundenfang gehen, müsste zumindest hellhörig machen. Einst tat das auch die Post.

STRATEGIE 2 DIVERSIFIKATION: Postfinance hin zum Vermögensverwalter

Zwar konnte die Postfinance ihre Abhängigkeit vom Zinsdifferenzgeschäft in den letzten Jahren etwas reduzieren. Zum Beispiel durch die Vermittlung von Hypotheken oder eine Erhöhung der Kontogebühren. Doch noch immer stammen rund 60 Prozent der Erträge aus dem Geschäft mit den Zinsen. Dies ist insofern problematisch, als die Postfinance per Gesetz «keine Kredite und Hypotheken an Dritte» vergeben darf. Sie muss die Kundengelder in sichere Obligationen mit entsprechend mageren Renditen anlegen. Zwar hat der Bundesrat im Herbst 2018 beschlossen, das Kreditvergabeverbot aufzuheben. Aber angesichts der starken Kantonalbank-Lobby im Ständerat dürfte dieses Vorhaben einen schweren Stand haben.

Eine Diversifikation der Ertragsströme – weg vom Zinsgeschäft – tut also not. Beispielsweise, indem die Postfinance ihre Einlagen viel stärker bewirtschaftet als bisher. Von gegenwärtig rund 120 Milliarden Franken an Kundenvermögen sind nur knapp 10 Prozent in Anlagelösungen wie Wertschriften oder Versicherungen investiert. Mehr Geld in Anlagen würde das Kommissionsgeschäft ankurbeln.

Doch der Schritt vom Zahlungsdienstleister für die breite Masse zum individualisierten Vermögensverwalter bereitet der Postfinance grosse Mühe. Die Staatsbank verfügt nicht über ein breites Filialnetz mit qualifizierten Bankberatern: Anlagelösungen am Postschalter zu verkaufen, hat bereits zur Jahrtausendwende mit dem Soleil-Fonds nicht funktioniert. Deshalb kündigte die Postfinance bereits im Herbst 2015 eine digitale Anlagelösung zusammen mit Swissquote als Partner an. Doch die Zusammenarbeit scheiterte. Nun soll im ersten Halbjahr 2020 ein eigens entwickelter Robo-Advisor lanciert werden. Man darf gespannt sein.

STRATEGIE 3 DIGITALE PLATTFORM: Orchestrator im offenen Ökosystem

Die grosse Stärke der Postfinance seien die 2,8 Millionen Kunden, findet der Luzerner Bankenprofessor Andreas Dietrich. Diese Vertriebskraft gelte es zu nutzen. Zwar hat das die Postfinance in der Vergangenheit durchaus getan. Oft aber blieb es beim Versuch oder der Ankündigung. Letztlich fehlt eine konsequente Umsetzung.

Wer sich als Zentrum eines Ökosystems versteht, muss vor allem Schnittstellen anbieten. Wirtschaftlich betrachtet heisst das, dass die Postfinance Dienstleistungen nicht selbst anbietet, sondern jene von Drittanbietern vermittelt – und sich dafür abgelten lässt. Das können Anlagelösungen oder Versicherungspolicen sein. Vielleicht aber auch Telekomverträge oder Flugreisen. Die Bank Cler versucht das mit ihrem Gratiskonto Zak. Dieses vermittelt unter anderem Policen der Baloise oder lässt die Bankkunden für Produkte sparen, die dann direkt beim Coop-Shop Microspot erworben werden können. Wirklich konsequent ist eine solche Strategie aber erst, wenn die Plattform offen ist und Konkurrenten gegeneinander ausgespielt werden können.

Technisch bedeutet die Strategie Ökosystem eine Öffnung von Datenschnittstellen. Postfinance-Kunden sollten nicht nur mit Twint bezahlen können, sondern auch Apple Pay, Samsung Pay und dereinst vielleicht auch Facebook und Revolut direkt an ihr Konto anbinden können. Firmenkunden sollten mit wenig Aufwand ihre Buchhaltungssysteme mit den Bankkonten abgleichen können. Die Schweizer Banken wehren sich noch immer gegen Open-Banking-Tendenzen, wie sie in der EU mittlerweile vorgeschrieben sind. Als Kartellbrecherin könnte die Postfinance all jene Kunden abholen, die sich an der Defensivstrategie ihrer Hausbanken stören. Und davon gibt es viele.

STRATEGIE 4 BACKOFFICE: Postfinance als Banken-Dienstleister

UBS-Chef Sergio Ermotti hat schon mehrfach öffentlich die Idee einer Schweizer «Superbank» in die Runde geworfen, über welche die hiesigen Institute gemeinsam ihre nicht differenzierenden Dienste, zum Beispiel im Zahlungsverkehr, abwickeln könnten. Ein gemeinsames Backoffice könnte zumindest auf dem Papier gewaltige Skaleneffekte generieren, was dem Finanzplatz als Ganzes zugutekäme. Allerdings wäre die Komplexität einer Super-IT-Plattform ebenfalls ausufernd, sodass die natürliche Partnerin für ein derartiges Infrastrukturvorhaben, die Börsenbetreiberin SIX, schon vor geraumer Zeit Ermottis Ansinnen eine Absage erteilt hat.

Nun könnte die Postfinance in die Bresche springen. Nicht zuletzt, weil ihr bisheriger Grundversorgungsauftrag, nämlich der Bevölkerung Zahlungsverkehrsdienstleistungen zu offerieren, durch Digitalisierung und Konvergenz zusehends obsolet wird. Das Staatsinstitut könnte dazu seine 2,8 Millionen Endkunden meistbietend an die Privatinstitute oder die parastaatlichen Kantonalbanken verkaufen und mit dem Erlös ein eidgenössisches Banken-Backbone aufbauen.

Mit dem Rückzug aus dem Retailbanking würde sich die Postfinance zudem auf ihre historischen Stärken als Zahlungs-Massenverarbeiter besinnen, Zudem hätte der Staatsdienstleister die Grösse und die finanziellen Mittel, um in Zukunftstechnologien wie industrielle Compliance-Checks oder eine automatisierte Hypothekenabwicklung zu investieren. Mit dieser B2B-Strategie würden sowohl die Kreditverbots- wie auch die Privatisierungsfrage hinfällig. Die Postfinance würde zum zentralen Infrastrukturpartner der privaten Geschäftsbanken, die sich auf ihre Endkunden konzentrieren könnten.

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Geldwäsche PDVSA – Die Banker der Sozialisten

PDVSA Milliarden aus Venezuelas Ölkonzern wurden veruntreut. Mittendrin: Schweizer Banken. Ihnen droht Ungemach.

Die Firma Telsey Managers residiert in Florida. An der Sunnyland Lane in Wellington nahe Boca Raton. Der Firmensitz ist eine palmengesäumte Villa samt Gestüt und Spa. Die US-Justiz beschlagnahmte die Residenz vor einem Jahr und fror die Vermögenswerte bei der Zürcher Bank EFG International ein. Telsey gehört Alejandro Andrade, der unter Hugo Chàvez venezolanischer Finanzminister war. Andrade, der auch ein Privatkonto bei der Tessiner BSI besass, sitzt inzwischen in den USA im Gefängnis. Verurteilt zu zehn Jahren wegen Geldwäscherei.

Der einstige Säckelmeister Venezuelas hat über 1 Milliarde Dollar Schmiergeld erhalten. Im Gegenzug gewährte Andrade den Boliburgos – der sozialistischen Wirtschaftselite – Zugang zum staatlichen Wechselkurs-Regime. Der Zugang ermöglichte aufgeblähte Devisengewinne in Milliardenhöhe. Dazu nahmen korrupte Manager der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA bei den Boliburgos Scheinkredite in Lokalwährung auf. Erstattet wurden die Darlehen zum staatlichen Vorzugskurs in US-Dollar. Die Erträge aus dem Geldwäsche-Schema gingen hernach über diverse Schachtelfirmen und Mittelsmänner auch auf Schweizer Bankkonten. Und von dort meist weiter in die USA, wo die Salonsozialisten unter der Sonne Floridas dem Kapitalismus frönten.

PDVSA Provisionen in Millionenhöhe erhalten

Auf Druck der Amerikaner sind nun Justizbehörden rund um den Globus dabei, diesen Raubzug am Volksvermögen zu ahnden. So auch in der Schweiz. «Beim Bundesamt für Justiz (BJ) sind im PDVSA-Verfahrenskomplex rund ein Dutzend Rechtshilfeersuchen eingegangen», sagt eine BJ-Sprecherin. Eines davon hat das US-Justizministerium im März 2018 gestellt. In einem Urteil des Bundesstrafgericht, heisst es dazu: «Mehr als 4,5 Milliarden Dollar wurden unterschlagen, hauptsächlich durch die Eröffnung von Konten in der Schweiz durch B. Er soll auch 22 Millionen Dollar durch Provisionen erhalten haben, von denen einige für den Kauf von Immobilien in den Vereinigten Staaten verwendet wurden.»

Es handelt sich dabei um den bislang grössten Fall im PDVSA-Komplex. Hinter B. verbirgt sich ein 43-jähriger Franzose, der zwischen 2011 und 2013 als Direktor für die Genfer Compagnie Bancaire Helvétique (CBH) arbeitete. B. war der Vertrauensbanker zweier Boliburgos. «Er hat dafür gesorgt, dass die veruntreuten Dollar von PDVSA-Konten auf CBH-Konten flossen. Dazu nutzte er zahlreiche Mantelgesellschaften, um keine Aufmerksamkeit zu erregen, indem ein einzelnes Unternehmen zu hohe Beträge erhielt», schreiben die US-Strafverfolger in einem Memo an die Schweizer Behörden, aus dem der «Miami Herald» jüngst zitierte. Das Schema belaufe sich auf 4,5 Milliarden Dollar, «wobei ein Grossteil dieses Betrags über CBH abgewickelt wurde». Ein Anwalt der Bank schreibt auf Anfrage, dass der Artikel «falsche und diffamierende Aussagen» enthalte: CBH ergreife dagegen «entsprechende Massnahmen». Doch nicht nur die US-Zeitung sieht die Genfer Bank im Venezuela-Sumpf: Gemäss dem Blog «Infodio» flossen 3,5 Milliarden Dollar über Konten der CBH, die restliche Milliarde über EFG. Die Zürcher Bank will sich nicht äussern.

Ein lukratives Geschäft mit PDVSA GeldernPè

Hinweise auf grössere Währungstransaktionen finden sich auch im CBH-Abschluss. Im Jahr 2012 stieg der Handelsgewinn der Genfer nämlich sprunghaft an, «was zum Teil auf einige Kunden zurückzuführen ist, die sehr aktiv in Währungstransaktion sind». Die Erträge aus dem Devisenhandel betrugen damals 26 Millionen Franken. Ein Plus von 240 Prozent.

Ab 2012 flossen PDVSA-Gelder von der Miami-Filiale der inzwischen liquidierten Banco Espirito Santo auf CBH- und EFG-Konten und von dort weiter. Dokumentiert ist beispielsweise ein Einzeltransfer über 367 Millionen Dollar von einem Schweizer Konto. Ein lukratives Geschäft: Der CBH-Banker verdiente gemäss «Miami Herald» 75 Basispunkte an jeder Ein- und Auszahlung und machte so mit den Boliburgos 22 Millionen Dollar an Provisionen, die er in Liegenschaften in Miami Beach und der Karibik investierte.

Panama-Firmen vor Bundesgericht

Jene 4,5 Milliarden an aufgeblähten Devisendeals sind allerdings nur ein Verfahrensstrang. Der PDVSA-Fall hat noch weitere. Einer wurde vor wenigen Wochen als US-Rechtshilfegesuch vor dem Bundesgericht in Lausanne verhandelt. Es geht um vier Panama-Gesellschaften mit Schweizer Bankkonten, die einem venezolanischen Geschäftsmann gehören. Der Mann hat sich im Frühsommer in Houston schuldig bekannt, den General Manager einer PDVSA-Einkaufsgesellschaft mit 650 000 Dollar bestochen zu haben, um Aufträge abzusichern. Das Schmiergeld floss in Tranchen von Schweizer Konten. Die edierten Bankunterlagen füllen gemäss Bundesgerichtsurteil «33 Bundesordner».

Um die Bestechungsgelder zu parken, setzte der PDVSA-Manager hernach auf die Dienste einer Zürcher Vermögensverwalterin. Die 52-jährige Schweizerin wurde im Juli in Italien aufgrund eines internationalen Haftbefehls der Amerikaner verhaftet. Die externe Vermögensverwalterin benötigte kontoführende Banken für ihre Lateinamerika-Kundschaft. Gemäss einer gut informierten Quelle arbeitete die Frau dabei unter anderem mit den External Asset Manager Desks der Credit Suisse und der Bank Julius Bär zusammen.

Sorgfaltspflichten verletzt

Gegen beide Banken hat die Finma ein Enforcement-Verfahren eröffnet, das auch deren Venezuela-Geschäft umfasst. Das Verfahren gegen die CS schloss die Aufsicht im September 2018 ab und stellte auch in Bezug auf PDVSA «Mängel bei der Einhaltung der Sorgfaltspflichten im Bereich der Geldwäschereibekämpfung» fest. Im selben Zeitraum weitete die Finma ihr Enforcement gegen Bär auf PDVSA aus. Gemäss NZZ soll die Zürcher Bank «700 heikle Venezuela-Konten» identifiziert haben. In Gerichtsunterlagen zu PDVSA-Fällen tauchen aber noch weitere Schweizer Banken auf wie etwa die Genfer HSBC Suisse oder das Tessiner Institut Zarattini.

Die Finma führe «verschiedene Enforcement-Verfahren», sagt ein Sprecher, «um konkreten Hinweisen auf Verstösse gegen die Geldwäschereibestimmungen mit Südamerika-Bezug nachzugehen». In einigen dieser Fälle werde auch das Verhalten im Zusammenhang mit PDVSA abgeklärt, so die Finma.

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Chef von Bexio: «Excel ist unser grösster Konkurrent»

Bexio Jeremias Meier hat eine Software, die Kleinfirmen die Administration erleichtert. Seine Firma wächst zwar rasant, doch viel Potenzial liegt noch brach.

Statusgehabe geht Jeremias Meier ab. In Jeans und Turnschuhen empfängt der Bexio-Chef und Mitgründer zum Gespräch. Dabei hätten Unternehmer Meier und seine Kollegen allen Grund, die finanzielle Bodenhaftung zu verlieren. Im Sommer vor einem Jahr konnten sie den KMU-Softwareentwickler aus Rapperswil-Jona an die Mobiliar verkaufen. Der Versicherungskonzern soll gemäss Schätzungen des Branchenblogs «Inside IT» rund 115 Millionen Franken fürs Administrativ-Tool in der Cloud (siehe Box) hingeblättert haben – für eine Softwarefirma, die gemäss Bilanz noch per Mitte 2018 einen Verlustvortrag von gut 15 Millionen Franken ausgewiesen hatte.

Bürokratiegeplagte Gewerbler

Der kolportierte Übernahmepreis, den Meier nicht kommentieren mag, scheint überrissen. Doch nur auf den ersten Blick. Denn Bexio schickt sich mit der Mobiliar-Vertriebspower im Rücken an, zum eidgenössischen One-Stop-Shop für bürokratiegeplagte Kleinunternehmer zu werden. Es wartet ein grosser Markt: In der Schweiz haben rund eine halbe Millionen Firmen weniger als zehn Mitarbeitende, 300 000 davon sind gar Ein-Frau- beziehungsweise Ein-Mann-Betriebe. Diese heterogene Klientel will Meier mit seiner Bexio-Lösung beglücken, wobei das Kundenwachstum bislang für sich spricht: «Als wir die Verkaufsgespräche mit der Mobiliar starteten, hatten wir 10 000 Kunden. Jetzt haben wir mehr als 25 000 – und in drei bis vier Jahren sollen es rund 100 000 werden.»

Damit das gelingt, ist viel Aufbau- und Aufklärungsarbeit nötig. «Es fehlt den Kleinstunternehmern häufig das Wissen darüber, wie viel effizienter eine durchdigitalisierte Administration wäre. Hier haben wir Anbieter auch noch Hausaufgaben zu machen», sagt Meier und macht ein Beispiel: Bexio arbeitet derzeit mit dem Versicherer Swiss Life an einem Lohnbuchhaltungs-Tool, mit dem die Mitarbeiter automatisch versichert sind. «Solche Personenversicherungen sind für Kleinunternehmer am aufwendigsten und kompliziertesten in der Administration.» Denn jede Änderung im Mitarbeiterstamm, sei es beim Zivilstand oder im Beschäftigungsverhältnis, muss gemeldet werden. Geht eine Mutation vergessen, sind unter Umständen Nachzahlungen fällig.

Chef von Bexio sieht fragmentierte KMU-Landschaft

Mit der geplanten Integration eines Assekuranz-Bündels – bestehend aus Beruflicher Vorsorge, Kollektiv-Krankentaggeldversicherung und obligatorischer Unfallversicherung – wird das mühsame Meldewesen hinfällig.

Diese Automation ist nur ein Beispiel dafür, wie sich Kleinunternehmer dank digitalen Tools bürokratischen Aufwand und Ärger sparen können, wodurch mehr Zeit fürs Kerngeschäft bleibt. Allerdings ist die digitale Durchdringung der Administrativprozesse bei kleinen Unternehmen verhältnismässig bescheiden. Gemäss der OECD-Studie «SME and Entrepreneurship Outlook 2019» investieren die Schweizer Firmen zwar viel in die IT, aber bei der Nutzung von cloudbasierten Software-Diensten hinken sie ihren angelsächsischen oder skandinavischen Konkurrenten klar hinterher.

Schweiz ist nur Mittelfeld

Der Bundesrat kommt denn auch in einer jüngst publizierten Stellungnahme zu einer parlamentarischen Interpellation zum ernüchternden Fazit: «Bei den verfügbaren Daten nimmt die Schweiz meist einen Platz im Mittelfeld ein.» Dabei geht es um Indikatoren wie die Benutzung des Cloud Computing oder Mobile Computing oder die Breitband-Durchdringung. Allerdings ist der Pauschalbefund der Mittelmässigkeit mit Vorsicht zu geniessen, wie auch der Bundesrat in seiner Antwort betont: «Die Schweizer KMU-Landschaft ist sehr heterogen, weshalb Aussagen über alle KMU hinweg nur mit Vorsicht gemacht werden können.»

Diese Einschätzung teilt auch Bexio-Chef Jeremias Meier: «Im Long Tail sind die Unternehmen super fragmentiert.» Da gebe es sehr IT-affine Kleinfirmen, beispielsweise im Consulting, Marketing, in den Medien oder im Startup-Bereich. Auf der anderen Seite des Spektrums gebe es Kleingewerbler und Dienstleister – vom Schreiner über den Gartenbauer bis zum Putzinstitut, die im Kerngeschäft mit Informatik nichts am Hut haben. «Excel ist da unser grösster Konkurrent. Also so, wie man es halt bislang immer gemacht hat», sagt Meier.

Bexio arbeitet mit Gewerbeverband zusammen

Um auf Neudeutsch die «Awareness» für eine Cloud-Administration zu schaffen, will Bexio deshalb künftig mit dem physischen Agenturvertrieb seiner Konzernmutter Mobiliar zusammenspannen: Man sei daran, mögliche Standorte im Agenturnetz zu evaluieren, so Meier. Denn um an technikferne Kleinunternehmen zu kommen, reichen Webinars und andere Online-Kundenbindungstools nicht. Gefragt ist die persönliche Einführung vor Ort.

Deshalb arbeitet Bexio mit dem Schweizerischen Gewerbeverband in Workshops zusammen, um an der Basis herauszubekommen, weshalb die digitale Adaptionsrate unter Kleinunternehmern immer noch relativ tief ist.

Schweiz ohne Open Banking

Nebst Aufklärungsarbeit bei den Kunden hat die KMU-Softwareplattform in der Schweiz auch mit Schnittstellenproblemen zu kämpfen. So ist einer der Bexio-Trümpfe eigentlich die direkte Anbindung der jeweiligen Bankbeziehung eines KMU ans Administrationstool. Der Unternehmer kann also direkt aus der Cloud-Lösung heraus Rechnungen bezahlen oder offene Forderungen automatisch mit Zahlungseingängen abgleichen.

Ein solch holistischer Blick auf die finanziellen Verhältnisse ist allerdings nur möglich, wenn die kontoführende Bank ihre Schnittstellen für Bexio öffnet. Während in der EU mit der Payment Service Directive 2 alle Banken ihre Kontozugänge für Drittanbieter öffnen müssen, herrscht hierzulande Willkür. Gerade am Anfang sei es schwierig gewesen, Banken zur Zusammenarbeit zu bewegen, erinnert sich Meier. «Mit der UBS, die als erste mitgemacht hat, ist es dann leichter geworden.» Inzwischen hat Bexio grosse Finanzhäuser wie die Credit Suisse, ZKB, Postfinance oder Raiffeisen angebunden. Doch der Bexio-Chef ist unzufrieden mit dem «Swiss Finish» der Finanzbranche: «Die fehlende Standardisierung der Schnittstellen bringt Schweizer KMU einen Wettbewerbsnachteil. Proprietäre Quasi-Standards und lokale Initiativen sind meines Erachtens fehlgeleiteter Protektionismus. Gefragt ist eine Corporate API nach europäischem Vorbild.» Bis es so weit ist, bindet Bexio jährlich jeweils eine Handvoll Banken ans eigene System an.

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Verrat an Vincenz & Co bleibt ohne Folgen

Fall Vincenz Mehrere Artikel machten vor drei Jahren private Banktransfers von Vincenz und Co. publik: ein Offizialdelikt. Doch die Staatsanwaltschaft bleibt untätig.

Die Affäre um den Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz tritt im Frühjahr 2016 der Finanzblog «Inside Paradeplatz» um den prämierten Zürcher Wirtschaftsjournalisten Lukas Hässig los: «Pierin Vincenz im Strudel wegen brisanter Zahlungen», lautet der erste einer Reihe von Artikeln, die sich um private Finanztransaktionen des Bündner Bankers und seiner Geschäftspartner drehen.

Der gleichlautende Vorwurf: Vincenz und Co. hätten in verschiedenen Übernahmedeals von Raiffeisen und Finanzdienstleister Aduno vorab verdeckt investiert und hernach beim offiziellen Kauf abkassiert. Seit bald zwei Jahren läuft dazu eine umfangreiche Strafuntersuchung der Zürcher Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte.

Um die happigen Vorwürfe zu untermauern, zitiert «Inside Paradeplatz» vor drei Jahren äusserst umfang- und kenntnisreich aus privaten Banktransaktionen zwischen den Beteiligten. Dreh- und Angelpunkt der kolportierten Indiskretionen ist dabei auffälligerweise stets die Kontenbeziehung von Beat Stocker bei der Zürcher Privatbank Julius Bär. Stocker war CEO von Aduno, die Vincenz lange Jahre präsidierte, und er gilt als enger Vertrauter des bekannten Bankmanagers.

Bereits im ersten Artikel vom Frühjahr 2016 ist von einer «Überweisung vom 3. Juli 2015 von Beat Stocker an Pierin Vincenz auf dessen privates Konto bei der Raiffeisen Lugano» die Rede. In Folgeartikeln doppelt der Finanzblog nach und summiert beispielsweise auf, wie viel Vincenz «in den letzten zehn Jahren auf Konti von Stocker bei der Zürcher Privatbank Julius Bär» zahlte. Der Zeitpunkt und die Beträge der Zahlungen würden den Verdacht wecken, dass Vincenz damit «Teil eines Konstrukts» sei, das zulasten der Genossenschafter der Raiffeisenbanken agiere.

Intime Transaktionsdetails

Was darauf folgt, sind weitere intime Transaktionsdetails: Mitte 2005 zahlt ein St. Galler Anwalt auf Stockers Bär-Konto 378 000 Franken ein. Knapp drei Monate später fliessen 375 000 Franken von jenem Konto an die Kartenfirma Commtrain. Im April 2007 werden 3,6 Millionen Franken von einem Raiffeisen-Konto in St. Gallen eingebucht. Am 27. April 2007 gehen 1,7 Millionen Franken von Stockers Bär-Konto an einen Ostschweizer Anwalt. Im Februar 2014 macht Pierin Vincenz zwei Einzahlungen über insgesamt eine halbe Million Franken auf das Konto des Ex-Aduno-Chefs. Und im Herbst 2014 schliesslich überweist ebendieser Beat Stocker 1 Million Franken an eine Luxemburger Firma namens Great Star. Kurzum: Auf «Inside Paradeplatz» ist ab Sommer 2016 Stockers Kontoaktivität – und damit indirekt auch Vincenz’ Finanzgebaren – für jedermann öffentlich einsehbar.

Bei der Bank Julius Bär schrillen die Alarmglocken ob der wiederholten Indiskretionen. Schliesslich kann solche Finanzflüsse nur kennen, wer Zugriff auf die Kontoauszüge von Bär-Kunde Beat Stocker hatte. Dabei ist die mutmassliche Bankgeheimnisverletzung kein Kavaliersdelikt. Gemäss Artikel 47 im Bundesgesetz über die Banken und Sparkassen droht demjenigen eine Geldoder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren, der «ein Geheimnis offenbart, das ihm in seiner Eigenschaft als Organ, Angestellter, Beauftragter oder Liquidator einer Bank» anvertraut worden ist. Gleichermassen strafbar macht sich, wer dieses Geheimnis «weiteren offenbart».

Bär zeigt keine Krallen im Fall Vincenz

Die Spitzen von Bär, allen voran der damalige Risiko-Chef Bernhard Hodler, werden schliesslich aktiv. Im Herbst 2016 gibt die Bankleitung eine interne Untersuchung in Auftrag, die herausfinden soll, wer im Finanzkonzern die mögliche Bankgeheimnisverletzung begangen hat. Man vermutet das Leck zunächst in der Compliance-Abteilung.

Eine externe Anwaltskanzlei wird mandatiert. Gemäss mehreren Quellen fördert die Untersuchung schliesslich drei mögliche Tatverdächtige zutage. Besonders brisant: Einer davon soll ein ehemaliger Kadermann der börsenkotierten Bank sein, sagen zwei Insider übereinstimmend. Ein Julius-Bär-Sprecher will sich zum Sachverhalt nicht äussern: «Zu vermuteten oder tatsächlichen Kundenbeziehungen und möglichen internen Untersuchungen können wir keine Stellung nehmen.»

Da der Urheber aber nicht abschliessend und ohne Zwangsmassnahmen auszumachen ist und die Wogen sich zunächst rasch glätten, lässt es die Führung um den damaligen Bär-Chef Boris Collardi beim internen Bericht bewenden. Aus der Eigenlogik der Bank ist dieses Verhalten hinsichtlich des Reputationsschutzes durchaus verständlich: Nicht zuletzt, weil weder Bär-Kunde Beat Stocker noch Pierin Vincenz als Direktbetroffene damals eine Strafanzeige wegen Bankgeheimnisverletzung gestellt haben.

Stocker wolle nicht gegen die Bank vorgehen, sagt heute eine Person aus seinem Umfeld: Man müsse die «eigenen Ressourcen» auf das laufende Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung konzentrieren. Lorenz Erni, der Strafverteidiger von Pierin Vincenz, will sich zu den möglichen rechtlichen Schritten seines Mandanten nicht äussern.

Umfangreiche Ermittlungen

Nun spielt es aber gar keine Rolle, ob Beat Stocker oder Pierin Vincenz als Direktbetroffene rechtliche Schritte einleiten. Vielmehr handelt es sich bei der Bankgeheimnisverletzung um eine Anlasstat, die von Amtes wegen («ex officio») untersucht werden muss: Gemäss geltendem Recht sei eine Bankgeheimnisverletzung nach Artikel 47 BankG ein Offizialdelikt, schreibt Erich Wenzinger von der Medienstelle der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft auf Anfrage. Im Rahmen der umfangreichen Ermittlungen sei auch der «angesprochene Informationsfluss» ein «Thema»: «Da im vorliegenden Fall aber weder ein konkreter Tatverdacht zutage getreten ist und bislang auch keine Strafanzeige eingegangen ist, wurde keine Untersuchung eingeleitet.» Die Staatsanwaltschaft legt also die Hände in den Schoss, solange Vincenz und Co. nicht von sich aus aktiv werden.

Rechtsanwältin Monika Roth unterrichtet an der Hochschule Luzern Compliance Management und amtet als Vizepräsidentin des Strafgerichts im Kanton Baselland. Roth sieht in der Antwort der Zürcher Staatsanwaltschaft eine «reine Schutzbehauptung»: Mit der Publikation der detaillierten Finanztransaktionen liege ein konkreter, hinreichender Anfangsverdacht für ein Verfahren gegen Unbekannt vor. «Zumal die betroffene Bank ja den Sachverhalt einer möglichen Geheimnisverletzung selbst untersucht und offenbar mehrere Tatverdächtige ermittelt hat.» Im Gegensatz zum Finanzinstitut könnten die Zürcher Strafverfolger auf Zwangsmassnahmen wie Hausdurchsuchungen zurückgreifen. «Mir ist es ein Rätsel, weshalb die Staatsanwaltschaft die Umstände nicht abklärt.» Gut möglich also, dass die Indiskretionen am medialen Ursprung der Causa Vincenz noch zum Thema im laufenden Strafverfahren werden.

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Proxy Solicitors – Die Strippenzieher

Proxy Solicitors Sie helfen Verwaltungsräten, Aktivisten abzuwehren und Generalversammlungen zu gewinnen.

Diese Beratungsboutiquen kennt niemand ausserhalb der Finanzszene. Sie heissen DF King, Morrow Sodali oder Georgeson. Und ihr Geschäft nennt sich Proxy Solicitation. Im Kern geht es darum, Börsenkonzernen und ihren Verwaltungsräten zu helfen, die eigenen Traktanden an den Generalversammlungen möglichst friktionslos durchzubringen und allfällige Querschläger abzuwehren. Solche GV-Dienste schlagen gemäss einem Insider gut und gerne mit einem tiefen sechsstelligen Betrag zu Buche. Hinzu kommt eine Success Fee von 50 Prozent.

Dass sich der Erfolg einstellt, ist dabei keinesfalls garantiert. Seit einigen Jahren nehmen die Kämpfe zwischen engagierten Eignern und Verwaltungsräten zu. Gerade Shareholder-Aktivisten aus Übersee haben Schweizer Firmen als neues Tummelfeld entdeckt. So zofften sich jüngst die Spitzen des Solarzulieferers Meyer Burger und des Baukonzerns Implenia mit ihren jeweiligen Grossaktionären. Aktivist Cevian kanzelte die Führung des Logistikers Panalpina ab. Die deutsche Freenet lag monatelang über Kreuz mit dem Sunrise-Präsidenten Peter Kurer. Und kürzlich entzweiten sich beim Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach mit Liwet und Martin Haefner zwei Miteigner.

Schmerzpunkte analysieren

«Wir haben ganz schön zu tun», sagt Andrea Bischoff. Die Ex-Journalistin leitet das DACH-Team für Morrow Sodali. Sie berät Unternehmen im Vorfeld von Generalversammlungen, auf dass sie ihre Eigner besser kennen und verstehen. Proxy Solicitation bedeute, so Bischoff, Traktanden darauf abzuklopfen, wo es «Bauchschmerzen geben könnte und wie diese zu behandeln wären». Gängige Schmerzpunkte seien die Entschädigungspolitik oder die VR-Wahl: Sind die Mitglieder wirklich unabhängig? Vereinen sie zu viele Mandate auf sich? Ist die Vergütung angemessen? Gerade solche Governance-Themen sind Einfallspforten für Shareholder-Aktivisten, um den Sukkurs anderer Investoren zu gewinnen. Auch wenn die eigentlichen Absichten der Aktivisten vielfach andere sind. Im Grundsatz gilt: «Eine Zustimmungsrate von unter 80 Prozent ist für das Board erklärungsbedürftig», sagt Bischoff.

Bei der Anamnese heikler Traktanden bleibe es nicht, sagt Cas Sydorowitz, Chef des Proxy-Solicitors-Mitbewerbers Georgeson. Er zieht seit den neunziger Jahren in der Schweiz bei Aktionärs-Fights die Strippen: Wenn Sydorowitz für den VR einer kotierten Firma arbeite, lasse er sich zunächst das Aktienregister geben. Danach analysiert der Proxy Solicitor im Detail das bisherige Abstimmungsverhalten der gewichtigsten Investoren – bei der betroffenen Firma, aber auch in ähnlichen Fällen. Und erst dann greift Sydorowitz zum Hörer, um das persönliche Gespräch zu suchen.

Proxy Solicitors bewegen zur Registrierung

Stets im Blick hat er dabei die Wahlbeteiligung in der Vergangenheit: In der Schweiz darf an einer GV nur abstimmen, wer zuvor seine Aktien registriert hat. Gerade ausländische Investoren kennen das Prozedere nicht oder scheuen es, weil bei einem späteren Verkauf die Aktien wieder abgemeldet werden müssen. «Ausländer zur Registrierung zu bewegen, gehört deshalb auch zu unserem Pflichtenheft», sagt Sydorovitz. Gerade in Situationen, wo es für die Board-Traktanden eng werden könnte, zählt jede registrierte Stimme.

Solche Feuerwehrübungen können die Grundlagenarbeit allerdings nicht ersetzen. «Engagement ist die beste Verteidigung», sagt Andrea Bischoff. Es sei deshalb zentral für den Verwaltungsrat, einen «gepflegten und langjährigen Dialog» mit den 15 bis 20 Topinvestoren zu führen und diesen stetig den Puls zu fühlen. Frei nach dem Motto: Nach der GV ist vor der GV. Denn in der Regel kaufen sich Aktivisten mit lediglich ein paar Prozenten ein und sind bei ihren Forderungen stets auf den Sukkurs anderer Shareholder angewiesen. Hat der Verwaltungsrat in einer solchen Situation einen guten Draht zum übrigen Aktionariat, hat der Aktivist Mühe.

Kontakt zu Stimmrechtsberatern

Allerdings ist der Dialog mit den Investmentriesen kein Spaziergang. Reichte vor ein paar Jahren etwas Small Talk in netter Umgebung, trainieren die Solicitors heute eigens die Verwaltungsräte, damit sie ihre Standpunkte bestmöglich kommunizieren. Schliesslich haben die Anlageprofis mittlerweile Governance-Teams. Sie entwickeln eigene, informierte Meinungen, stützen ihr Urteil aber auch auf Stimmrechtsberater wie ISS oder Glass Lewis ab. Es sei deshalb wichtig zu wissen, wann die Investoren von den Stimmempfehlungen abweichen, so Sydorovitz. Auch der Kontakt zu diesen Stimmrechtsberatern will geübt sein: Es sei zum Teil schwierig, mit ihnen in Dialog zu treten, sagt Barbara Heller, Chefin des Governance-Spezialisten Swipra. Denn die Routine-Teams von ISS und Co.checken in erster Linie ab, ob die Governance ihren Richtlinien entspricht. Da bleibt wenig Diskussionsraum. Anders, wenn kontroverse M&A-Transaktionen an einer GV traktandiert sind. Dann übernehmen die finanzerprobten Special-Siutations-Teams. So geschehen bei Sunrise, als ISS den UPC-Kauf ablehnte und damit die Aktivisten um Freenet stützte.

Proxy Solicitors – Briefe ans Aktionariat

Solche Szenarien üben Sydorovitz und dessen Branchenkollegen mit ihren VR-Kunden in mehrstündigen «fire drills», wo der Solicitor den Aktivisten mimt. Dazu gehören Briefe ans Aktionariat, Websites mit harten Forderungen sowie mediale Indiskretionen. Das Aktivistentheater soll helfen, zu checken, ob der VR mit seiner Verteidigungsstrategie auf der Höhe ist.

Rückt die GV näher, werden die Solicitors für ihre Börsenfirmen zu Prognostikern. Zwei bis drei Monate vor dem Termin beginnen sie, kontinuierlich Hochrechnungen zu erstellen, basierend auf Gesprächsfeedbacks und eigenen, standardisierten Telefonumfragen bei Investoren. Auf dass der Verwaltungsrat an der GV keine böse Überraschung erlebt.