Nur keine Schnappatmung

China Es ist ein Fakt: China kauft sich die Welt – und damit auch die Schweiz mit ihren attraktiven Unternehmen. Und ja, die Volksrepublik ist keine Marktwirtschaft nach westlichem Vorbild, sondern verfolgt einen Staatskapitalismus mit planwirtschaftlichen Methoden.

Dass die Führung in Peking mit harter Industriepolitik auf Shopping-Tour ins Ausland geht, mag ordoliberale Geister bis ins Mark erschüttern. Umgekehrt ist auch die Schweiz keine Musterschülerin: Ob Banken, Telekom oder Stromwirtschaft, weite Teile der Wirtschaft werden vom Staat kontrolliert. Und wer nicht in den Händen von Bund und Kantonen liegt, hat ausländische Staaten wie Katar oder Singapur als Ankeraktionär. Ja, selbst der grösste Bürokomplex der CS gehört Norwegen.

Die Politiker in Bundesbern sollten sich also mit protektionistischen Parolen vor der «roten Gefahr» zurückhalten. Billiger Nationalismus ist schlicht fehl am Platz. Die Schweiz muss als Kleinstaat weiterhin einen gesunden Opportunismus pflegen. Mag die Bürokratie in Brüssel ihre Sträusse mit der Partei in Peking ausfechten. Unser Land darf seinen liberalen Kompass nicht verlieren.

Will heissen: Offene Märkte, freier Kapitalfluss und kein verschärftes Regime für ausländische Investoren. Denn die Früchte dieser freiheitlichen Politik kann die Schweiz mit China bereits ernten: Das Freihandelsabkommen ist ein aussenwirtschaftlicher Trumpf.

Raus aus dem Reduit

Bankgeheimnis Jahrzehntelang hat der Schweizer Finanzplatz dank dem Bankgeheimnis gut gelebt. Die Prämie für unversteuerte Vermögen im In- und Ausland bedeuteten Sonderertrag ohne Extraeffort. Doch nach dem Dammbruch im Offshore-Geschäft heisst es auch für das Bankgeheimnis im Inland: alles oder nichts.

Die Initiative von SVP-Nationalrat Thomas Matter will das steuerliche Bankgeheimnis in der Verfassung zementieren und damit die Restanzen des alten Geschäftsmodells in der Schweiz retten. Bei einem Nein wird der Ruf nach Steuertransparenz laut, die über kurz oder lang in einem automatischen Informationsaustausch für Inländer münden dürfte. Schliesslich schlummern in den Schubladen der Bundesverwaltung fertige Vorlagen zur Verschärfung des Steuerstrafrechts beziehungsweise zu einer Reform der Verrechnungssteuer, die auch automatische Meldungen an den Fiskus beinhalten könnte.

Während in Bundesbern derzeit über die Gestalt des zukünftigen Schweizer Finanzplatzes hitzig debattiert wird, üben sich Spitzenbanker – allen voran Bankierpräsident Herbert Scheidt – in wohlfeilem Schulterzucken: Die Matter-Initiative sei eine „Angelegenheit der Politik“, so Scheidt.

Doch statt sich ins staatspolitische Rhetorik-Reduit zu flüchten, sollten die Banken dem Volk endlich erklären, weshalb die Branche die Matter-Initiative will oder mehr Steuertransparenz bevorzugt. Die Passivität der Finanzbranche führt direkt ins Verderben. Das unsägliche Rückzugsgefecht um das Ausland-Bankgeheimnis hat dies exemplarisch gezeigt. Wer nicht agiert, wird regiert.

Der passive Riese erwacht

Larry Fink hat es nicht erfunden. Aber der Blackrock-Mitgründer und Chef des weltgrössten Assetmanagers hat es perfektioniert, das passive Investieren. Die Idee ist so simpel wie genial: Statt hochbezahlte Fondsmanager auf die Jagd nach Renditeperlen zu schicken, um hernach trotzdem keine Überperformance einzufahren, bilden passive Anlagen den jeweiligen (Börsen-)Index ab. Mit solch passiven Vehikeln „schlägt“ man zwar nicht den Markt, aber wenigstens fressen einem die relativ tiefen Gebühren passiver Investments die möglicherweise magere Kapitalmarkt-Performance nicht vollends auf.

Auch grosse institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Lebensversicherer haben die Vorzüge indexbasierter Investments entdeckt. Ihre Vorsorgegelder, also unser Vermögen, befeuerten Blackrock über die letzten Jahre, machten das Unternehmen zum Assetmanager-Primus mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 5,5 Billionen Dollar.

Der Verwaltungsrat wird auf Herz und Nieren geprüft

Die Sache mit dem passiven Investieren hat allerdings einen Haken. Bis vor wenigen Jahren verstand sich Blackrock – wie übrigens seine Branchen-Peers Vanguard, State Street & Co. ebenfalls – nicht nur als passiv im Anlageprozess, sondern auch in der Ausübung seiner treuhänderisch verwalteten Stimmrechte an den Generalversammlungen. Mit der Folge, dass sich Konzernlenker so sicher sein konnten, wiedergewählt zu werden, wie Kim Jong-un am Parteikongress in Pjöngjang.

Das ist zum Glück vorbei. Blackrock, der passive Riese, ist erwacht und übt sich auch hierzulande in Aktionärsdemokratie: Statt der Teppichetage Jahr für Jahr den Blankocheck auszustellen, wird der Verwaltungsrat nun auf Herz und Nieren geprüft: Passt die Mischung der Mitglieder in puncto Alter, Erfahrung und Geschlecht? Ergänzen sich die Talente und Fähigkeiten der einzelnen Mitglieder? Stimmt Governance und Nachfolgeregelung im Konzern? Diese nüchterne, kriterienbasierte Einschätzung ist richtig und wichtig. Und führt dazu, dass sich Blackrock nicht scheut, auch bekannten Schweizer Wirtschaftsgrössen – von den Hayeks bis zum Lift-Patron Alfred Schindler – an der Generalversammlung die rote Karte zu zeigen.

Gerade im Bereich der Managersaläre zeigt sich das Geldhaus aus den USA unerbittlich und stimmt ziemlich konsequent gegen den Vergütungsbericht und die Mitglieder des Kompensations-Komitees im Verwaltungsrat. Dabei bemängelt Blackrock insbesondere die fehlende Transparenz jener Kriterien, an denen der längerfristige Bonus-Segen der Manager hängt.

Blackrock muss sein Stimmverhalten noch genauer begründen
Doch wer bei den Konzernen schonungslos Transparenz einfordert, der sollte sich selbst daran messen lassen. Dass Blackrock informiert abstimmt, ist löblich. Doch deren Investoren haben ein Recht, zu erfahren, worauf dieses Votum auf Stufe Einzelunternehmen basiert. Da reicht es nicht, „im Interesse der Investoren“ abzustimmen. Dafür ist Blackrock schlicht ein zu wichtiger Player.

Jammern gehört zum Geschäft

Banken Was die Bauern seit Jahrzehnten in Bundesbern praktizieren, hat die Finanzbranche seit der Krise von 2008 perfektioniert. Seither stimmen die Banker nämlich unentwegt einen Schwanengesang an, während die vermeintlichen «bad news» nicht abreissen wollen.

Zuerst wird das margenträchtige Bankgeheimnis vom Ausland geschleift. Dann bricht eine Flut an Finanzmarktregulierungen über die Institute herein. Vom Kundenschutz bis hin zur Eigenmittelausstattung strafft die Politik das large Regulierungsregime der Vor-Krisen-Ära merklich. Was zu ausufernder Bürokratie und kostspieligen Compliance-Abteilungen führt, deren Krisenfestigkeit sich erst noch wird weisen müssen.

Die Halbjahreszahlen zeigen, wie gut das Geschäft floriert
Und schliesslich versetzen die Währungshüter um Nationalbank-Präsident Thomas Jordan mit der Aufhebung des Franken-Mindestkurses und der Einführung von Negativzinsen den Geschäftsbankern einen Schlag in die Magengrube. Manch ein Vermögensverwalter oder Retailbanker sieht seine Kommissions- und Zinserträge wegschmelzen wie ein Glace an der Sommersonne. All dies geschieht zu einer Zeit, in der das Geschäft ohnehin schon strukturell leidet. Stichwort: Fintech und andere bankfremde Wettbewerber wie Pensionskassen oder Versicherer, die ebenfalls Teile der Wertschöpfung für sich beanspruchen.

Entsprechend verdutzt reibt sich die Augen, wer die jüngsten Halbjahreszahlen der Geldinstitute sieht: Die Neugelder sprudeln, die Erträge über alle Geschäftsbereich spriessen. Kurzum, das Bankgeschäft brummt. Alleine bei den beiden Finanzriesen UBS und CS legt der Reingewinn zweistellig zu.

Aber nicht nur die Global Player glänzen. Auch Inlandsbanken, die sich aufs klassische Zinsdifferenzgeschäft verstehen, sind in Champagnerlaune. Ob diverse Kantonalbanken, vom Waadtland bis nach St. Gallen, oder die Raiffeisen Gruppe: Sie alle verzeichnen Gewinnsprünge und heben zum Teil ihre Prognosen fürs Gesamtjahr an. Es scheint: La crise n’existe pas.

Die starke Regulierung erweist sich als ideale Eintrittshürde

Denn dem Wehklagen zum Trotz ist es den Bankchefs gelungen, den Spiess elegant umzudrehen. Die ausufernde Regulierung im Nachgang zur Finanzkrise erweist sich als ideale Eintrittshürde für branchenfremde Wettbewerber. Gleichzeitig haben sich die Banker perfekt auf die Tief- und Negativzins-Welt eingestellt. Manche bewirtschaften den zugeteilten Freibetrag dermassen geschickt, dass gar ein kleiner Gewinn resultiert.

Zwar hat noch kein Institut es gewagt, sein Passivgeschäft aufzubessern, indem die Negativzinsen – expressis verbis – den Kleinsparern weitergereicht werden. Aber implizit ist dies längst geschehen, indem die Banken ihr Kommissionsgeschäft ausgeweitet und ihre Gebühren erhöht haben. Davon kann der Bankenombudsmann ein Lied singen: Die Zahl seiner «Gebührenfälle» ist zweistellig gewachsen.

Eine Wette auf die Richter

Insiderhandel Seit bald dreissig Jahren werden Insider-Börsendelikte strafrechtlich geahndet. Doch die ersten 25 Jahre, bis 2013, kann man getrost ad acta legen. Schlappe 16 Strafen wurden in dieser Zeit gegen Schweizer Frontrunner ausgesprochen. Kein Zufall: Das ursprüngliche Insiderhandelsverbot war zahm und zahnlos, sodass sich ruchlose „old boys“ praktisch gefahrlos darüber hinwegsetzen konnten. Mehr noch: Das Ausnutzen vertraulicher Informationen galt als Kavaliersdelikt.

Tempi passati. Inzwischen sind nebst ethischen Bedenken auch die ökonomischen Folgekosten des Marktversagens bewiesen. Parallel dazu hat die Revision von 2013 die Wende gebracht: Täterkreis wie Tathandlungen wurden ausgedehnt. Aber noch wichtiger ist die neue Aufgabenverteilung. Waren zuvor kantonale Staatsanwälte für Insiderfälle zuständig, liegt die Kompetenz nun beim Bund.

Finanzmarktaufsicht wie Bundesanwaltschaft haben mittlerweile Börsenspezialisten an Bord, die jede Zuckung an den Märkten registrieren. Flankiert von cleveren Informatiksystemen. Die Datenspur, um Insider dingfest zu machen, wird immer feiner.
Allerdings bleibt die Beweisführung – vom Trade zur Tat – schwierig. Kausalität und Absicht herzuleiten, bedeutet Knochenarbeit für die Strafermittler.

Im Kampf um einen sauberen Börsenplatz wird es nun an den Richtern liegen, das revidierte Insiderverbot in der Praxis zu etablieren.

Ein Ende mit Schrecken

UBS Die Statistik lässt aufhorchen. Im letzten Jahr musste die Eidgenössische Steuerverwaltung über 66 000 Amtshilfegesuche aus dem Ausland bearbeiten. Ein Plus von 2500 Prozent. In Bern stapeln sich die Gesuche aus EU-Staaten wie Frankreich, Polen und Österreich. Viele weitere Länder wie Tschechien oder Dänemark dürften folgen.

All die Steuervögte eint: Sie haben Blut geleckt, nachdem ihnen der Finanzminister Nordrhein-Westfalens, Norbert Walter-Borjans, den Köder ausgelegt hatte. Im April 2016 schickte Borjans an mehr als zwanzig Staaten die Kontodaten von UBS-Kunden der jeweiligen Nationalität. Es geht um Vermögen von insgesamt 100 Milliarden Franken. Die Daten stammen aus einer Hausdurchsuchung vier Jahre zuvor am UBS-Sitz in Frankfurt am Main. Dort lagerte die Grossbank Kundendaten aus mehr als zwanzig Nationen.

Die Praxis der grenzüberschreitenden Datenhaltung könnte sich für die UBS bitter rächen. Zwar zielen all die Amtshilfegesuche aus dem EU-Raum ausschliesslich auf Kunden der Grossbank, die möglicherweise Steuern hinterzogen haben. Nimmt man aber das Drehbuch im US-Steuerstreit als Vorlage, dann droht der UBS ein paneuropäisches Ende mit Schrecken.

Mit der Amtshilfe aus Bern werden die EU-Länder zunächst ihre steuerflüchtigen Bürger zur Ader lassen, um hernach die UBS aufs Korn zu nehmen. Der NRW-Säckelmeister Borjans hat genau dieses Szenario im Sinn, wenn er verlauten lässt: Seine europäischen Kollegen könnten bei ihm „Vertriebsinformationen einer Grossbank“ abrufen, die ihnen „Hinweise auf eine mögliche Beihilfe zur Steuerhinterziehung“ geben sollen.

Saures Fallobst

Apple Zugegeben. Ich schreibe diese Zeilen auf einem i Mac von Apple. Doch Freude kommt mit der Apfel-Kiste keine mehr auf. Das waren noch Zeiten: Das erste iPhone, das erste i Pad, der erste Download auf i Tunes. Jene Aura, die Hard- und Software aus Kalifornien umgab, war magisch. Wenn Apple-Prophet Steve Jobs aufs „one more thing“ einschwörte, bliesen Techno-Nerds wie Design-Fetischisten zum Halali. Sie bekamen einmalige Produkte – ästhetisch wie funktional.

Inzwischen sind Apple-Präsentationen so unterhaltsam wie ein Parteikongress in Pjöngjang. Da tritt eine Truppe saturierter Althippies um Konzernlenker Tim Cook in Überlänge auf. Die Einladung verspricht grosses Kino, geboten wird Laientheater. Statt Innovation offeriert Apple überteuerte Duplikation. Jüngstes Beispiel ist der Homepod, ein mässig intelligenter Streaming-Lautsprecher. Ähnliche Produkte hat die Konkurrenz, von Amazon bis Sonos, längst im Sortiment. Dennoch verspricht die Apfel-Truppe vollmundig die Neuerfindung des Lautsprechers.

In Tat und Wahrheit variiert Cooks Küche in Cupertino seit Jahren jene Rezepte, die der geniale Steve Jobs hinterliess. Die Technologieführerschaft hat Apple längst verloren. Der teuerste Konzern der Welt kocht Einheitsbrei. Und das mit einer Selbstgefälligkeit, die an die schlimmsten Zeiten von Microsoft erinnert. Wie sagte schon der weise Salomon: Hochmut kommt vor dem Fall.

Der Regenmacher wittert Morgenluft

Er dürfte tief durchgeatmet haben, als der CS-Verwaltungsrat jüngst den Teil-Börsengang seiner Schweiz-Bank abgeblasen hat. Die Rede ist von Thomas Gottstein, der seit zwei Jahren die wichtigste CS-Sparte leitet. Mehr als die Hälfte des Vorsteuergewinns der globalen Grossbank stammt mittlerweile aus seinem Schweiz-Geschäft. Die Cash-Cow mit Minderheitsaktionären teilen zu müssen, bleibt Gottstein erspart.

Statt einem Teil-IPO werden die CS-Aktionäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung über eine Kapitalerhöhung zu befinden haben. Die angepeilten 4 Milliarden Franken sind am oberen Ende dessen, was einst ein Teil-Börsengang der Schweiz-Tochter hätte einspielen sollen. Die Geldspritze über Bezugsrechte verbessert nicht nur das Eigenkapitalpolster der CS, sondern erhöht auch deren strategische Flexibilität. Gerade im so wichtigen Schweiz-Geschäft.

Die CS Schweiz ist ohne Minderheitsaktionäre flexibler bei Übernahmen

Denn was in der allgemeinen Empörung über sesselklebende Präsidenten, überrissene Boni und Milliardenverluste der Konzernmutter beinahe vergessen ging: Der Teil-IPO war von CS-Chef Tidjane Thiam auch dazu gedacht, an flüssige Mittel zu kommen, um hiesige Vermögensverwalter aufsaugen zu können. Man wolle die Konsolidierung der Schweizer Privatbankszene aktiv mitgestalten, sagte der Ex-Mc-Kinsey-Mann Thiam im Herbst 2015 bei der Präsentation seiner Bankstrategie.

Doch der Teufel liegt im Detail, wie man CS-intern feststellen musste. Das komplexe Setup mit einer teilkotierten Schweiz-Tochter wäre nämlich kaum in der Lage gewesen, hiesige Vermögensinstitute zu schlucken. Geschweige denn mit vernünftigem Aufwand zu verdauen. Denn die meisten Privatbanken hierzulande verwalten auch ausländische Assets, welche die Schweiz-Tochter an die Konzernmutter hätte weiterreichen müssen. Gottstein & Co. drohten bei Übernahmen hitzige Diskussionen mit Minderheitseignern über den Wert der eingekauften Assets. Diese Zwänge sind nun vom Tisch.

Der Ex-Investment-Banker Gottstein, der einst den Börsenggang von Glencore stemmte, wittert deshalb M&A-Morgenluft. Nicht zuletzt, weil die Vorgaben für seine Schweizer Einheit sehr sportlich sind. Im nächsten Jahr soll der Vorsteuergewinn 2,3 Milliarden Franken betragen. Rund einen Drittel mehr als 2016. Ohne eingekauftes Wachstum dürften die Ziele kaum zu erreichen sein.

Statt eines transformativen Deals winkt eine Staubsaugerstrategie
Für einen transformativen Deal à la Julius Bär oder Vontobel fehlt der CS auf dem Heimmarkt sowohl ein Verkäufer wie das nötige Kleingeld, trotz Kapitalschnitt. Machbar hingegen ist eine Staubsaugerstrategie. Hierzulande tummeln sich immer noch über 200 Privatbanken mit weniger als 15 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen. Sie kämpfen mit dem Strukturwandel. Die Margen schrumpfen, die Kosten gehen durch die Decke. Hier will die CS ansetzen: entweder als Dienstleister für Kleine oder als deren Käufer.

Die Brüsseler Revolution

Banken Das Muster ist immer dasselbe. Digitale Plattformen legen sich auf die Schnittstelle zum Kunden und drängen angestammte Akteure ins zweite Glied. Mehr noch, sie definieren deren Aufgaben neu. Einstige Branchenführer werden zu Handlangern, denen – wenn überhaupt – die Brosamen des Geschäfts bleiben.

Wer die Schnittstelle zum Kunden preisgibt, hat schon verloren
So geschehen im Taxibusiness, wo Uber aus den Taxizentralen und Chauffeuren Zudiener gemacht hat. So geschehen in der Medienbranche, wo Facebook und Co. mit ihrem Milliardenpublikum längst das publizistische Zepter schwingen. Journalismus wird in der Social-Media-Sphäre bis zur Unkenntlichkeit konfektioniert. In dieser Filterblase sind Medienmarken austauschbare Inhaltsproduzenten geworden. So geschehen in der Musikindustrie, wo Streaming-Dienste wie Spotify die Künstler zu Stimmungslieferanten machten. Eine Playlist für den Sonntag, eine für den Fitness-Workout. Wer den Soundtrack fürs Leben schreibt, ist irrelevant geworden.

Die Beispiele zeigen, wie die Digitalwirtschaft tickt und wie sie traditionelle Branchen umpflügt. Die Banker sollten auf der Hut sein. Wer die Schnittstelle zum Kunden preisgibt, hat schon verloren. Doch genau dieser Vorgang könnte die Finanzindustrie in Kürze ereilen. So sind die Bürokraten in Brüssel daran, die Bankkonti zu knacken. Die Abkürzung zum Datentresor lautet PSD2. Mit dieser EU-Direktive müssen die Finanzhäuser Kontoinformationen mit Drittanbietern teilen, wenn dies die Bankkunden wünschen.

Was harmlos tönt, dürfte massive Konsequenzen haben. Denn mit PSD2 können Branchenfremde das Banking neu definieren, während den Finanzinstituten die Rolle als „dumb pipe“ bleibt, als austauschbare Zahlungsabwickler. Ein Schreckensszenario, das die Bankmanager bislang vor allem in Schockstarre versetzt hat. Doch Leugnen und Kleinreden hat weder Mobilitäts- noch Musik- oder Medienbosse vor der digitalen Disruption bewahrt. Vielmehr sollten die hochbezahlten Finanzkapitäne ihre Ärmel hochkrempeln und PSD2-taugliche Geschäftsmodelle entwickeln, bevor es andere für sie tun. Denn dann ist es definitiv zu spät. Kodak, Nokia oder Brockhaus können ein Lied davon singen.

Daten und Vertrauen sind die beiden Schlüsselelemente

Dabei kommt der simplen Transaktion eine Schlüsselfunktion zu. Banken sitzen in ihrer ureigensten Payment-Funktion auf einem enormen Datenschatz: Die Geldflüsse ihrer Kunden sind in unserer datenanalytischen Epoche das neue Gold. Den Banken muss es gelingen, aus diesem riesigen „money trail“ einen tatsächlichen Mehrwert für ihre Kunden zu generieren.

Womit wir beim zweiten Element wären: Vertrauen. Nur wenn ich als Kunde sicher bin, dass mein Geld sicher ist und meine finanzielle Privatsphäre geschützt bleibt, lasse ich mir solche digitalen Geschäftsmodelle gefallen. Und da sind die Banken in einer starken Position. Die Vertrauenswürdigkeit der Branche ist hoch. Darauf lässt sich aufbauen.

Powerplay einer Grossbank

UBS Asche aufs Haupt streuen und das Scheckbuch zücken. Nach diesem Muster bewältigte die UBS die ersten Rechtshändel im Nachgang der Finanzkrise 2008. Zu schwer wogen die Staatsrettung und der fatale Hochmut der alten Führung. Zu angeschlagen war die Bank operativ und reputationsmässig, als dass sich die Chefetage auf ein öffentliches Kräftemessen mit Justiz und Regulatoren hätte einlassen können.

Das erstarkte Selbstbewusstsein zeigt sich im Umgang mit den Rechtsfällen
Inzwischen ist die Lage eine völlig andere. Der 2011 von Sergio Ermotti eingeleitete Turnaround ist geglückt. Die Grossbank hat Risikopositionen abgebaut, ihr Kernkapital aufgebessert und das operative Geschäft flottgemacht. Die wichtigsten Ertragspfeiler bilden ein hochprofitables Schweiz-Geschäft und eine weltweit führende Vermögensverwaltung.
Aus der geschäftlichen Potenz heraus können Ermotti und Co. sich nun wieder stärker exponieren. Der kleinlaute Krisenslogan „Wir werden nicht ruhen“ hat einem forschen „Wir werden nicht klein beigeben“ Platz gemacht. Das neue Selbstbewusstsein der Grossbank zeigt sich exemplarisch an den beiden grossen, noch hängigen Rechtsfällen. Namentlich: der Steuerstreit in Frankreich und die Schrotthypotheken-Klage in den USA.
Was in der ärgsten Krise zügig wegverglichen worden wäre, lässt die UBS-Rechtsabteilung um Chefjurist Markus Diethelm im Frankreich-Fall vor Gericht ausfechten. Die Vergleichsverhandlungen mit den französischen Justizbehörden sind jüngst geplatzt. Zu weit lagen Vorstellungen über eine angemesse Busse auseinder.
Einem Prozess in Paris kann die UBS jedoch gelassen entgegensehen. Zum einen hat die Steuerflucht-Thematik mit der Einführung des automatischen Informationsaustauschs an öffentlichem Empörungspotenzial eingebüsst. Zum anderen wird der UBS-Fall erst nach der Präsidentenwahl in Frankreich verhandelt. Nach der „élection présidentielle“ werden die Sozialisten aber aller Voraussicht nach den Elysée-Palast räumen. Umgekehrt hat mit Emmanuel Macron ein ehemaliger Rothschild-Banker die besten Chancen aufs höchste Amt. Die Vorzeichen für einen apolitischen Prozess stehen also gut.

Vom Finanzfrühling im Weissen Haus will auch die UBS profitieren
Auch jenseits des Atlantiks hat der Wind gedreht. Unter US-Präsident Trump regiert ein Kabinett aus Ex-Wall-Street-Grössen und „Regenmachern“ der Hochfinanz. Eine illustre Truppe, die nur zu gern das Rad der Finanzmarktregulierung zurückdrehen würde. Vom präsidentiellen Finanzfrühling dürfte auch die UBS zu profitieren suchen. So denkt die Grossbank inoffiziell darüber nach, einen Milliardenvergleich über verbriefte Hypotheken mit dem US-Justizdepartement platzen zu lassen – wie es Barclays bereits getan hat. Da es sich bei den Hypo-Fällen nicht um Strafverfahren, sondern um Zivilklagen handelt, wäre das Institut vor Gericht nicht existenziell bedroht.
Solche delikaten Planspiele hätte die UBS-Führung vor wenigen Jahren nicht zu denken gewagt.