Die adjustierte Welt des Boris C.

Julius Bär Bilanzen sind wie Bikinis. Das Wesentliche verhüllen sie. Die anzügliche Finanzweisheit gilt auch für die jüngst publizierten Zahlen der Privatbank Julius Bär. Elfmal kommt in der Präsentation des Halbjahresergebnisses das Wort „adjustiert“ vor. Da ist die adjustierte Rede vom Aufwand-Ertrags-Verhältnis, vom Geschäfts- und Sachaufwand wie vom Gewinn vor Steuern und dem Reingewinn. Gemäss Duden stammt das Wort „adjustieren“ aus dem Französischen. Handwerker verwenden das Verb, wenn sie Werkstücke zurichten, also passend machen. Unsere österreichischen Nachbarn sagen „adjustieren“, wenn sie etwas richten oder in Ordnung bringen wollen. Beide Bedeutungen treffen bestens auf die Bank Bär zu. So weist eine Fussnote darauf hin, dass die „adjustierten Ergebnisse“ zwar auf den gültigen IFRS-Regeln basieren. Aber: „Exklusive Integrations- und Restrukturierungskosten, Abschreibungen auf immateriellen Vermögenswerten im Zusammenhang mit Akquisitionen oder Veräusserungen“. Mit anderen Worten: Bär-Chef Boris Collardi klammert die finanzielle Mühsal seiner zahlreichen Zukäufe – von Merrill Lynch Wealth Management bis Leumi Private Bank – aus. Was nicht in die Erfolgsrechnung passt, wird passend gemacht. Das „adjustierte Aufwand-Ertrags-Verhältnis“, das sich zum Vorjahr substanziell verbesserte, ist deshalb nur bedingt aussagekräftig. Für derlei Finessen bleibt im News- und Analystengeschäft aber keine Zeit: Rasch sind die Schlagzeilen gemacht, die Einschätzungen geschrieben. Was zählt, ist die Wahrnehmung, wen kümmert schon die Realität.