Lauber muss jetzt liefern

Bundesanwaltschaft Fifa, Petrobras, Islamischer Staat oder der Fall Behring – der glänzend wiedergewählte Bundesanwalt Michael „Mike“ Lauber kann sich über einen Mangel an breitenwirksamen Ermittlungsverfahren nicht beklagen. Der Pfarrerssohn suchte zuletzt gezielt das Scheinwerferlicht. Wie im Fifa-Fall, als jüngst die Weltpresse im Berner Bundesmedienzentrum an Laubers Lippen hing. Mit jedem weiteren publikumsträchtigen Verfahren, das sich Laubers Staatsanwälte aufhalsen, steigt indes die Fallhöhe für ihren Chef. Lauber muss jetzt liefern. Der Bundesanwalt kann es sich schlicht nicht leisten, dass seine Strafverfolger in den globalen Grossverfahren am Ende mit leeren Händen dastehen. Ansonsten droht dem smarten Berner dasselbe Schicksal wie seinen pitoyablen Vorgängern Beyeler und Roschacher, die vorzeitig ihren Posten räumen mussten. In deren Amtsjahren machte die Bundesanwaltschaft vor allem mit Pleiten, Pech und Pannen von sich reden. Die Ermittlungen gegen die Hells Angels verliefen im Sand. Das Verfahren gegen die Tinners geriet zur Staatsaffäre. Und der Prozess gegen den Privatbankier Holenweger erwies sich als haltlos und rufschädigend. Lauber ist also vorgewarnt. Dass der karrierebewusste 50-Jährige nun bei voller Fahrt die Reifen wechselt und fast jeden fünften Staatsanwalt austauschen lässt, mutet da geradezu waghalsig an.

Die Angst, etwas zu verpassen

Start-up-Hype Der Hype ist mit den Händen zu greifen. Wie Pilze schiessen derzeit Startup-Brutkästen, Fintech-Labors, Innovationsparks und Gründer-WGs aus dem Boden. Ob Swisscom, Swiss Life, SBB, UBS oder die Schweizerische Post – kein Schweizer Konzern will abseits stehen, wenn technologieaffine Jungspunde am Geschäft der Zukunft basteln. Schliesslich könnte die konzerneigene Ertragsbasis disruptiert werden. So umschwärmen Big Corporates derzeit findige Startup-Unternehmer, die „etwas mit Internet machen“, wie Popstars. Das Wagniskapital sprudelt nur so. Und obendrein winken gratis Büroraum und ein direkter Draht in die Teppichetage. Denn in den Konzernzentralen grassiert die nackte Angst, etwas zu verpassen. Deshalb hofieren die Baby-Boomer an den Schalthebeln der Macht die Generationen Y und Z als Internet-Heilsbringer. Dies führt in der Schweiz zur absurden Situation, dass mittlerweile mehr digitale Brutkästen existieren als innovative Startup-Zöglinge vorhanden wären. Die Situation erinnert frappant an die aufgeheizte Jahrtausendwende. Der „Neue Markt“ produzierte damals einen Internet-Glücksritter nach dem anderen. Was sie vereinte, waren hochtrabende Businesspläne ohne wirkliches Geschäftsmodell. Oder wer erinnert sich noch an börsenkotierte Schweizer Firmen wie Fantastic, Miracle oder Think Tools? Eben. Die Konzerne sind gewarnt.

Silenen liegt nicht im Silicon Valley

Innovation Die Spitzen von Schweizer Politik und Wirtschaft reisten kürzlich ins Silicon Valley, um sich in der „Kunst der Innovation“ zu üben. Angeführt von Wirtschaftsminister Schneider-Ammann, reiste die Delegation durch die „Bay Area“, besuchte Startups, traf Vertreter grosser Technologiekonzerne und dinierte mit Risikokapitalisten. Was als Bildungsreise angedacht war, entpuppte sich als Entzauberung eidgenössischer Erfolgsmodelle. Zwar belegt die Schweiz regelmässig die vordersten Plätze, wenn es um Innovationskraft oder Wettbewerbsfähigkeit geht. Unsere Pro-Kopf-Patentquote ist weltweit unerreicht. Doch die statistische Signifikanz bildet die Lebenswirklichkeit nicht ab. Jene Innovationen, die unseren Alltag prägen und prägen werden, stammen eben nicht aus Silenen, sondern aus dem Silicon Valley. Schuld daran ist nicht die mangelnde Innovationsförderung oder das fehlende „seed money“. Es hilft auch nicht, die sogenannten Rahmenbedingungen zu verbessern oder Innovationsparks zu dekretieren. Kein staatlicher Interventionismus kann die Mentalität wandeln. Solange in der Schweiz berufliches Scheitern als schwere Erbsünde gilt und nicht als Chance zum Neuanfang, scheuen Unternehmer das Risiko wie der Teufel das Weihwasser. Gepaart mit einem ingenieursgetriebenen Hang zur Perfektion, führt dies zu viel Solidität, aber wenig Grossem und Bahnbrechendem. Daran ändert auch keine Bildungsreise etwas.

Die adjustierte Welt des Boris C.

Julius Bär Bilanzen sind wie Bikinis. Das Wesentliche verhüllen sie. Die anzügliche Finanzweisheit gilt auch für die jüngst publizierten Zahlen der Privatbank Julius Bär. Elfmal kommt in der Präsentation des Halbjahresergebnisses das Wort „adjustiert“ vor. Da ist die adjustierte Rede vom Aufwand-Ertrags-Verhältnis, vom Geschäfts- und Sachaufwand wie vom Gewinn vor Steuern und dem Reingewinn. Gemäss Duden stammt das Wort „adjustieren“ aus dem Französischen. Handwerker verwenden das Verb, wenn sie Werkstücke zurichten, also passend machen. Unsere österreichischen Nachbarn sagen „adjustieren“, wenn sie etwas richten oder in Ordnung bringen wollen. Beide Bedeutungen treffen bestens auf die Bank Bär zu. So weist eine Fussnote darauf hin, dass die „adjustierten Ergebnisse“ zwar auf den gültigen IFRS-Regeln basieren. Aber: „Exklusive Integrations- und Restrukturierungskosten, Abschreibungen auf immateriellen Vermögenswerten im Zusammenhang mit Akquisitionen oder Veräusserungen“. Mit anderen Worten: Bär-Chef Boris Collardi klammert die finanzielle Mühsal seiner zahlreichen Zukäufe – von Merrill Lynch Wealth Management bis Leumi Private Bank – aus. Was nicht in die Erfolgsrechnung passt, wird passend gemacht. Das „adjustierte Aufwand-Ertrags-Verhältnis“, das sich zum Vorjahr substanziell verbesserte, ist deshalb nur bedingt aussagekräftig. Für derlei Finessen bleibt im News- und Analystengeschäft aber keine Zeit: Rasch sind die Schlagzeilen gemacht, die Einschätzungen geschrieben. Was zählt, ist die Wahrnehmung, wen kümmert schon die Realität.