Clash an der Côte d’Azur

Geldwäscherei Bernhard Burgeners Financier sitzt in Frankreich in U-Haft. Sein Anwalt bezeichnet ihn als Justizopfer.

Bloss ein geschmolzener Klumpen Metall. Das blieb vom schwarzen Ferrari Enzo übrig, nachdem der russische Oligarch Suleiman Kerimov die Herrschaft über den Sportwagen verloren hatte und an der Strandpromenade von Nizza in einen Baum gekracht war. Kerimov erlitt schwerste Verbrennungen. Der Multimilliardär aus Dagestan wurde mit der belgischen Luftwaffe in eine dortige Spezialklinik geflogen. Knapp 6000 Euro hat Kerimovs Krankentransport gekostet. Beglichen hat die Rechnung wenige Tage nach dem Unfall eine Luzerner Firma namens Swiru Holding, wie Dokumente zeigen. Das war 2006.

Zwölf Jahre später rückt jene Swiru Holding wieder in den Fokus. Erstens bei der Übernahme von Constantin Medien – einem deutschen Unterhaltungskonzern, um dessen Kontrolle der FC-Basel-Präsident Bernhard Burgener seit Jahren mit Haken und Ösen kämpft. Zweitens bei millionenschweren Villen-Deals an der Côte d’Azur, die ins Visier der französischen Justiz geraten sind wegen des Verdachts auf Steuerbetrug und Geldwäscherei im ganz grossen Stil. Es soll um bis zu 500 Millionen Euro gehen, behaupten die französischen Strafverfolger. Oligarch Kerimov kam deswegen kurzzeitig in Gewahrsam. Sein Luzerner Geschäftspartner, der Unternehmer Alexander Studhalter, sitzt seit Wochen in Südfrankreich in U-Haft.

Darlehen über 117 Millionen Franken

Studhalter ist in der Innerschweiz eine feste Grösse. Seine Familie gehört zu den Hilti-Erben, sein Bruder ist FC-Luzern-Präsident. Er hat die Übernahme von Constantin Medien durch Bernhard Burgener erst möglich gemacht. Die beiden Geschäftsleute kontrollieren seit wenigen Tagen die Mehrheit am Münchner Medienkonzern. Der Kontrollübernahme ist ein öffentliches Angebot vorausgegangen, in der wiederum die Swiru Holding eine Schlüsselrolle spielt.

Die Luzerner Holding hat nämlich zwei Darlehen über 117 Millionen Euro ausstehend. Es sind Darlehen, um sich an Burgeners Highlight-Imperium zu beteiligen beziehungsweise Constantin-Aktien zu erwerben. Praktisch zeitgleich mit Burgener und Studhalters Ankündigung eines Übernahmeangebots für Constantin verhaftet die Polizei Ende November am Flughafen in Nizza Suleiman Kerimov. Ohne Pass und gegen eine 40-Millionen-Euro-Kaution kommt der russische Oligarch und Senator Dagestans zwar wieder auf freien Fuss. Aber Anfang Jahr verhaften die Franzosen seinen Geschäftspartner Alexander Studhalter.

Eigentümer verschleiern

Es müsse garantiert werden, dass sich «Monsieur Studhalter» der französischen Justiz bereithalte, begründet Jean-Michel Prêtre, Staatsanwalt der Republik Nizza, die Zwangsmassnahme, um hernach summarisch auf die Gründe für Studhalters Verhaftung einzugehen. Im Zentrum steht abermals die Swiru Holding. Staatsanwalt Prêtre sagt: «Es gibt zahlreiche und übereinstimmende Fakten verschiedener Art, die beweisen, dass es sich um eine Gesellschaft handelt mit Zweck, den echten Eigentümer zu verschleiern und im Verborgenen zu halten.» Mit anderen Worten: Hinter der Swiru Holding steht gar nicht Studhalter, sondern sein Geschäftspartner Kerimov. Die französische Justiz sieht im Luzerner einen «homme de paille», einen Strohmann des Oligarchen.

Unbestritten ist: Die Swiru Holding besitzt mehrere Luxusvillen an der französischen Riviera. Studhalters Umfeld spricht von einer «Parahotellerie», die Kerimov als Mieter in Anspruch genommen habe. Die Strafverfolger dagegen sind überzeugt, Studhalter habe für Kerimov die Villen erstanden. Beispielsweise die palmengesäumte «Hier» am Cap d’Antibes. Offizieller Kaufpreis der Liegenschaft: 35 Millionen Euro. Doch unter dem Tisch sollen schwarz weitere 92 Millionen Euro geflossen sein, womit «Hier» insgesamt 127 Millionen Euro gekostet haben soll.

Ausgewiesener Verkaufspreis

Auf solche Weise und mit Unterhaltszahlungen für die Villen habe der russische Multimilliardär mehr als 500 Millionen Euro «gewaschen», sagte Staatsanwalt Prêtre kürzlich in der Online-Zeitschrift «Mediapart», gestützt auf «zahlreiche und bedeutsame Dokumente». Allerdings gibt es Zweifel an dieser Version. So gibt es zur Villa «Hier» eine offizielle Schätzung eines Appellationsgerichts in Aix-en-Provence, die den Wert der Liegenschaft kurz vor dem Verkauf an die Luzerner auf 31 Millionen beziffert. Also nahe dem ausgewiesenen Verkaufspreis und weit entfernt von der behaupteten Schwarzgeld-Summe.
Offizielle Steuerbestätigung

Nebst dieser gerichtlich angeordneten Schätzung konnte die «Handelszeitung» ein weiteres Dokumente einsehen, welches die These von Alexander Studhalter als Kerimovs Strohmann zu entkräften hilft. So haben die Steuerbehörden seiner Wohngemeinde Horw LU am 17. März 2017 eine Bestätigung ausgestellt, wonach Alexander Studhalter alleiniger Eigentümer und wirtschaftlich Berechtigter der Swiru Holding ist, und zwar seit deren Gründung 1996.

Kerimovs Cousin sass in SWIRU

Damals hiess die Gesellschaft noch Swiru Trustee. Ein möglicher Hinweis auf eine treuhänderische Funktion von Studhalters Firma, in der ab 2001 für vier Jahre auch der Obwaldner Politiker und Anwalt Hans Hess sass. Wie Recherchen zeigen, führte seinerzeit ein Mann namens Nariman Gadzhiev das Protokoll an den VR-Sitzungen der Swiru. Gadzhiev ist Kerimovs Neffe. Er soll Informationsminister Dagestans und für Kerimovs Nafta-Konzern aktiv gewesen sein. Es handelt sich um jene russische Ölhandelsfirma, die Oligarch Kerimov zur Jahrtausendwende schluckte und die auch in der Swiru Holding ihre Spuren hinterliess. So hiess eine Luxemburger Swiru-Tochter bis 2006 «Nafta Investments» und hielt eine Beteiligung an einem dortigen Nafta-Trader.

Wie auch immer. Studhalters Rechtsanwalt, Stefan Wehrenberg, sieht in seinem Mandanten «ein Opfer der französischen Justiz» und betont: «Der Zahlungsfluss von den Konti von Herrn Studhalter zu den Verkäufern der Villa ‹Hier› lassen sich lückenlos nachverfolgen.» Es habe keine zusätzlichen Zahlungen «unter dem Tisch» gegeben. Diese Tatsachen seien dem Gericht bekannt, sagt er und fügt hinzu, dass Studhalters steuerliche Situation «einwandfrei» sei: «Über zwanzig steuerliche Kontrollen wurden in Frankreich ohne Beanstandungen durchlaufen.» Er kämpft um den Ruf seines Mandanten und habe «rechtliche Mittel gegen die Art der Verfahrensführung beziehungsweise die laufend wiederholten falschen Anschuldigungen des französischen Untersuchungsrichters» ergriffen. Die Rekurse sollten im März behandelt werden.

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