Die Schweizer Steine der Lego-Erben

Lego Die Erben des Spielzeugherstellers bauen auf Renditeobjekte in der Deutschschweiz. Seit Jahren investiert die dänische Milliardärsfamilie hierzulande.

Das Viersternehaus «Valbella Inn» lässt der Spielfreude seiner kleinen Gäste freien Lauf. Der dedizierte Kinderbereich namens Kids Inn wartet auf 450 Quadratmetern mit dem vollen Lego-Sortiment auf: von den klobigen Duplos für Kleinkinder bis hin zu den sophistizierten Technic-Bausätzen für halbwüchsige Bastler.

Zweig der Spielzeugdynastie Lego

Dass Freunde der dänischen Plastikklötze in der Lenzerheide voll auf ihre Kosten kommen, ist kein Zufall: Das «Valbella Inn» samt Seminarvilla «Chesa Rustica» gehört nämlich einer Firmengruppe namens Kirkbi. Hinter der Wortschöpfung verbirgt sich das 16-Milliarden-Dollar schwere Family Office der Lego-Erben. Genauer gesagt eines Zweigs der Spielzeugdynastie um Kjeld Kirk Kristiansen. Der Multimilliardär ist der Enkel des Lego-Erfinders Ole Kirk Kristiansen, leitete bis 2004 operativ den Spielwarenkonzern und präsidiert heute den familieneigenen Vermögensverwalter Kirkbi, der 75 Prozent am Lego-Konzern hält.

Das dänische Family Office der Spielwarenerben betreibt nicht nur das Familienresort «Valbella Inn» in den Bündner Bergen. Kirkbi hat sich in den letzten Jahren still und leise ein stattliches Immobilienportfolio in der Schweiz zusammengekauft: Die Dänen verfügen hierzulande mittlerweile über Geschäftsflächen im Umfang von über 25 Fussballfeldern (siehe Tabelle). Erst im letzten Jahr haben sich die Lego-Erben an zentraler Lage im aargauischen Baden für einen zweistelligen Millionenbetrag eine Geschäftsliegenschaft gekauft, in der früher Grosstransformatoren montiert wurden.

Ehemalige Fabrikhallen der Lego

Insgesamt besitzt Kirkbi ein Immobilienportfolio mit zehn Standorten, die meisten davon in Baar. Dafür gibt es historische Gründe: Lego hatte von den späten sechziger Jahren bis zur Jahrtausendwende in der Zuger Gemeinde eine eigene Produktionsstätte, die zeitweise bis zu 30 Prozent der Weltproduktion an bunten Plastikteilen beisteuerte.

Als Lego die Produktion in der Schweiz aus Kostengründen stoppte, verblieb ein Teil der Immobilien im Besitz der Dänen und wurde von Fabrikstätten in Renditeliegenschaften umgewandelt. Dieses Portfolio bildet den Nukleus der heutigen Liegenschaftsverwalterin Kirkbi Real Estate mit Sitz in Baar. Auch das Family Office selbst hat dort eine Niederlassung, die sich unter anderem um langfristige Aktienbeteiligungen kümmert.

Es gebe eine historische Verbundenheit zur Schweiz, betont ein Kirkbi-Vertreter in Dänemark: «Unser Immobilienbestand reflektiert dies, aber es ist auch ein attraktives und sehr stabiles Portfolio.» Das zeigt sich auch bei einem Blick in den jüngsten Geschäftsbericht. So rechnen die Dänen am Standort in Baar mit einer Durchschnittsrendite von 4,25 bis 5 Prozent.

Zukünftige Liegenschaftinvestements

Insgesamt hält Kirkbi 25 Immobilien zum Marktwert von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Franken. Die Deutschschweiz zählt dabei neben Kopenhagen, London, München und Hamburg zu den fünf «strategic locations», an denen die Lego-Erben zukünftige Liegenschafteninvestments, vornehmlich für Geschäfts- und Bürohäuser, tätigen wollen.

Nebst dem Bewirtschaften eigener Immobilien ist Kirkbi in der Schweiz an ein börsenkotiertes Unternehmen investiert: Die Lego-Erben halten rund 15 Prozent am Energielösungskonzern Landis + Gyr. Das Family Office hat die Beteiligung über das letzte Jahr sukzessiv aufgebaut. Der Wert der Kirkbi-Beteiligung beträgt aktuell rund 280 Millionen Franken an Landis + Gyr. Der Zuger Energiemanagementspezialist passt dabei perfekt ins Beuteschema der Dänen, was langfristige Aktienbeteiligungen angeht. Neben guter Governance, finanzieller Disziplin und langfristiger Strategie setzen die Dänen vor allem auf Nachhaltigkeit. Landis + Gyr sei ein zentraler Player in der weltweiten Transformation hin zu einer grünen Wirtschaft, sagt der Kirkbi-Vertreter. «Wir sind davon überzeugt, dass die Firma ein gutes Beispiel dafür ist, dass verantwortliches Investieren und finanzielle Erträge Hand in Hand gehen.»

Aufspaltung in der Finanzkrise

Diesen Fokus auf nachhaltige, «grüne» Investments hatte Kirkbi nicht immer. Im Herbst 2008, mitten in der Finanzkrise, kam es in der Schweiz zur Aufspaltung der bisherigen Lego-Finanzaktivitäten im Umfang von rund 1,5 Milliarden Franken, wie Dokumente zeigen. Nebst einem Cash-Anteil von 500 Millionen Franken ist das Wertschriftenverzeichnis mit Obligationen, Aktien und kleineren Hedge-Fund-Positionen breit diversifiziert. Darunter befinden sich auch Titel von Rohstofffirmen wie International Minerals Corp oder Ölkonzernen wie Shell, BP oder OMV.

Die Aufspaltung der Finanzvermögen ging jedenfalls wie folgt vonstatten: Gut die Hälfte der 1,5 Milliarden Franken erhielt damals der Familienstrang um Lego-Enkel Kjeld Kirk Kristiansen, der die Finanz-Assets ins eigene Family Office Kirkbi einbrachte. Dessen Schwester Gunhild Kirk Johanson bekam den anderen Teil. Ihre Familie führte die Aktivitäten unter dem Label Kirk Kapital weiter. Auch in diesem Familienzweig gibt es übrigens nach wie vor Bezüge zur Schweiz. Johansons Sohn, also ein Vertreter der vierten Lego-Generation, ist Präsident von Kirk Kapital und zugleich an der Genfer Finanzgruppe Syz um den bekannten Banker Eric Syz beteiligt, wo er auch im Verwaltungsrat sitzt.

Auch bei den Kristiansens bahnt sich ein Generationenwechsel an. So tritt der 71-jährige Kjeld Kirk Kristiansen als Präsident des Spielwarenkonzerns Lego ab und wird damit einen Teil der Verantwortung an seine drei Kinder Agnete, Sofie und Thomas abtreten. Alle drei haben gemäss Bloomberg ein Vermögen von je 4,7 Milliarden Dollar.

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