Bund rollt den roten Teppich aus

PSD2 Die EU-Richtlinie beeinflusst die Schweizer Regulierung. Die Finma soll Zahlungsvergleichsdienste bewilligen. Das ärgert die Banken.

Es ist eine Abkürzung, die Bankern in ganz Europa den Angstschweiss auf die Stirn treibt: PSD2. Die Payment Services Directive 2 gilt ab nächstem Jahr in allen EU-Ländern und soll das Euro-Banking rigoros umkrempeln. Mit PSD2 müssen europäische Banken ihre Kontoschnittstellen für Drittanbieter öffnen, wenn ihre Kunden dies wünschen. Die Finanzinstitute befürchten, mit PSD2 längerfristig die Datenhoheit und den Kundenkontakt an bankenfremde Technologieunternehmen zu verlieren.
Konkret geht es zum einen um Zahlungsauslöser. Es handelt sich um Anbieter, die künftig von Kontoinhabern ermächtigt werden können, bei ihrer Bank Geld abzubuchen. Zum anderen betrifft PSD2 jene Kontoaggregatoren, welche Informationen bei verschiedenen kontoführenden Banken einholen, um einen ganzheitlichen Blick auf die persönlichen Finanzen zu gewähren.
Bislang galt PSD2 als europäische Direktive ohne Einfluss auf die Schweiz. Doch nun könnte sich dies ändern. So erfasst das neue Fintech-Gesetz, das noch bis Anfang Mai in der Vernehmlassung sein wird, explizit die von PSD2 anvisierten Anbieter, nämlich Zahlungsauslösedienste und Zahlungsvergleichsdienste. „Sie sollen freiwillig eine Bewilligung beantragen können (…) Es wird am Bundesrat liegen, geeignete Kriterien für die Kompetenzausübung der Finma festzulegen“, heisst es in der Vernehmlassungsvorlage. Der Passus mit den Drittanbietern fällt ins Kapitel „Innovationsförderung“. Das federführende Staatssekretariat für internationale Finanzfragen SIF sieht nämlich in der freiwilligen Finma-Aufsicht ein „Qualitätslabel“ für solche bankenfremden Anbieter. Welche Kriterien die Zahlungsauslöser und Kontoaggregatoren dereinst zu erfüllen haben, müsse allerdings noch im Detail ausgearbeitet werden, heisst es beim SIF.

Ratlose Bankbranche
Dass die Behörden den Drittanbietern den regulatorischen Ritterschlag erteilen möchten, schwächt die Haltung der Finanzbranche. Die Schweizer Banken hätten bis anhin argumentiert, dass es keine zusätzliche Regulierung brauche, weil es sich bei PSD2 um eine europäische Direktive handle, sagt Bankenprofessor Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern und ergänzt: „Können sich Zahlungsauslösedienste oder Kontoaggregatoren in der Schweiz regulieren lassen, dann könnten diese sogenannten Drittanbieter auch hierzulande salonfähig werden.“ Thomas Puschmann vom Swiss Fintech Innovation Lab der Universität Zürich geht gar noch einen Schritt weiter: „Die angedachte, freiwillige Regulierung von Third-Party-Providern ist ein erster Schritt, PSD2 auch in der Schweiz einzuführen.“

Das ist ein rotes Tuch für die Finanzbranche. Gegen einen „gesetzlichen Zwang der Öffnung“ wehrt sich Daniela Lüpold von der Schweizerischen Bankiervereinigung SBVg, „da die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung zuungunsten der Finanzinstitute bestehen würde“. Die Schweizer Banken würden aber daran arbeiten, eine für die Schweiz passende Lösung zu finden, „die Kundenbedürfnisse optimal abdeckt“.
Auch aus dem Grossbankenumfeld ist zu hören, dass die EU-Gesetzgebung nicht „blind und mechanisch“ übernommen werden dürfe. Allerdings ist man sich der „Macht des Faktischen“ bewusst: Setze sich die PSD2 in der EU durch, könne sich die Schweiz der Direktive nicht entziehen. PSD2 biete auch Chancen, meint Bankenprofessor Dietrich: „Gerade für Grossbanken mit ihren ausgefeilten User-Interfaces könnte die Aggregation von Kundenkonten auch eine Chance darstellen.“ Ein Problem werde die Direktive eher für Banken ohne digitales Know-how und entsprechende Schnittstellen.

Auch PSD2-Experte Sascha Krüsi sieht kurzfristig vor allem Chancen bei Schweizer KMU. Bereits heute bietet zum Beispiel die Software Bexio eine direkte Schnittstelle zum E-Banking der UBS an, womit ein automatisierter Zahlungsabgleich möglich wird. Im Moment seien Anbieter auf den Goodwill der Banken angewiesen, wenn sie auf deren Kontoschnittstellen zugreifen möchten, sagt Krüsi: „Wenn Innovation entstehen soll, braucht es aber einen diskriminierungsfreien Zugang.“

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