High Noon auf Hainan

UBS Die Grossbank ist dick im Geschäft mit der chinesischen HNA Group. Doch das Konglomerat gilt als intransparent und ist hoch verschuldet. Während sich Wall-Street-Banken bei HNA zurückziehen, vertieft die UBS ihre Beziehungen.

Es ist eine Stippvisite mit Symbolcharakter. Anfang August treffen sich Adam Tan, Chef des chinesischen Mega-Konglomerats HNA Group, und UBS-Chef Sergio Ermotti zu einem persönlichen Gespräch in Italien. Es gehe um eine «systematische Vertiefung der strategischen Partnerschaft» mit der Schweizer Grossbank, lässt HNA mehr als einen Monat später über den Kurznachrichten-Dienst Twitter verbreiten.

Das Timing von Tan und Ermottis Treffen hat es in sich. Seit einigen Monaten brauen sich nämlich dunkle Wolken über dem HNA-Imperium mit Sitz auf der chinesischen Insel Hainan zusammen. Die globale Shoppingtour mit so prominenten Akquisitionen wie Gategroup oder einem Anteil an der Hilton-Hotelkette lastet inzwischen schwer auf der Bilanz: Ende 2016 hat HNA 73 Milliarden Dollar an ausstehenden Verbindlichkeiten.

Dieser Schuldenberg macht den Regulator in der Volksrepublik nervös. Er lässt im Sommer die HNA-Gruppe auf Offshore-Kredite durchleuchten. Auch die undurchsichtige Eigentümerschaft sorgt für Misstrauen. Mitte September platzt der Schweizer Übernahmekommission der Kragen. Sie setzt HNA ein Ultimatum, endlich Klarheit über ihre Eigentümer zu schaffen. Hintergrund ist der Kauf der Ex-Swissair-Tochter Gategroup durch HNA. Bei der 1,5-Milliarden-Dollar-Transaktion fungiert die UBS als «financial advisor» der Südchinesen.

Chips vom Spieltisch genommen

Hoch gehebelt und intransparent. Diese Mischung der HNA Group macht die Wall-Street-Banken vorsichtig. Wenige Tage bevor UBS-Ermotti und HNA-Tan ihre strategische Partnerschaft bekräftigen, zieht die Bank of America Merrill Lynch die Reissleine: Man stemme keine Transaktionen mehr mit der HNA-Gruppe. Auch Citigroup und Morgan Stanley sollen sich mittlerweile in Zurückhaltung üben. Und jüngst hat nun auch die prestigeträchtige Investmentbank Goldman Sachs ihre Chips vom Spieltisch genommen. Eine geplante Finanzierungsrunde mit einer HNA-Tochter wurde abgeblasen. Die Einheit des chinesischen Riesen habe die «Due Diligence»-Standards der «Goldies» nicht erfüllt.

Während die Angelsachsen ihre Schäfchen ins Trockene bringen, gibt die UBS Gas. Erst im Frühjahr dieses Jahres hat die Grossbank mitgeholfen, dass die HNA Group einen 9,9-Prozent-Anteil an der Deutschen Bank finanzieren konnte. Der Deal lief über den österreichischen Asset-Manager C-Quadrat, zu dem übrigens auch die Genfer BCM & Partners gehört. Der Aktienanteil an der Deutschen Bank kostete die Chinesen 3,3 Milliarden Euro, wovon 2,6 Milliarden fremd- beziehungsweise mit Derivaten finanziert wurden. Die UBS gewährte zusammen mit der Staatsbank ICBC fast eine halbe Milliarde Kredit.

Die restlichen 2,1 Milliarden gewährte die UBS alleine. Die gigantische Summe ist allerdings über eine derivative «collar transaction» abgesichert. Das Optionen-Geschäft schützt HNA, sollte die Deutsche-Bank-Aktie unter einen gewissen Preis sinken, und lässt die UBS am Gewinn partizipieren, wenn der Finanztitel über eine gewisse Schwelle steigt. Im Moment liegt der Basiswert unter dem Put-Preis von 15 Euro. Die Optionen werden ab nächstem Februar fällig.

Der Deutsche-Bank-Deal ist nur eine von vielen Transaktionen, welche die UBS mit HNA in den letzten Jahren gestemmt hat. Die Grossbank habe seit 2015 die HNA-Gruppe bei Akquisitionen in der Höhe von 15 Milliarden Dollar beraten, schätzt Bloomberg.
Darunter sind mehrere Deals im Airline-Geschäft wie die Übernahme der Leasing-Gesellschaft Avolon oder der Kauf von Anteilen an der brasilianischen Airline Azul oder an Virgin Australia.

Ebenfalls mit dabei war die UBS, als HNA sich 2015 bei der Hotelgruppe NH Hotel einkaufte. Auf Anfrage äussert sich die UBS nicht «zu einzelnen Kundenbeziehungen». In einem Interview mit Bloomberg gibt sich Chef Sergio Ermotti, angesprochen auf HNA, tiefenentspannt: Man habe breite Erfahrung in Asien und «checks and balances», wann und wie gerechtfertigte Geschäfte gemacht würden. Falls etwas nicht stimme, würde man sofort Schadensbegrenzung betreiben.

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