Lombard Odier – Topbankerin tritt ab

Sesselwechsel Die Genfer Privatbank Lombard Odier verliert mit Carolina Minio-Paluello eine wichtige Führungskraft im Asset Management.

Die Genfer Privatbank Lombard Odier (LO) erlebt turbulente Zeiten. Erst vor wenigen Wochen haben die sieben Teilhaber den Nachfolger von Senior Managing Partner Patrick Odier bestimmt, der im nächsten Jahr das Pensionsalter erreicht. Doch statt Odiers Nachfolger Hubert Keller sofort zum Primus inter Pares zu machen, wird Odier erst Ende 2022 das Zepter übergeben. Zu umstritten ist Keller bankintern, als dass die Partner dem Ex-Investment-Banker unverzüglich die Geschicke der ältesten Genfer Privatbank in die Hände legen möchten.

Aus London heraus geleitet

Kellers Ernennung wirft im Topmanagement indes bereits Schatten voraus. Wie Recherchen zeigen, hat LO-Spitzenfrau Carolina Minio-Paluello per Ende Juli die Vermögensbank verlassen. Sie war sechs Jahre für die Genfer tätig. Der Abgang der ehemaligen Goldman-Sachs-Frau stellt für Lombard Odier Investment Managers (LOIM) – das institutionelle Anlagegeschäft der Bank – einen Paukenschlag dar. Galt Minio-Paluello doch als «Schatten-CEO» bei LOIM, das der designierte Senior Managing Partner Hubert Keller seit einigen Jahren aus London heraus leitet.

Steine aus dem Weg räumen

Offiziell trug die Italo-Bankerin, die in Brüssel und London studierte, den Titel Global Head of Sales and Solutions und war zuständig für den Verkauf und Vertrieb der Finanzprodukte. Allerdings war Minio-Paluello, die ein Multimillionen-Salär erhielt, mehr als das: Sie galt lange Zeit als enge Vertraute und rechte Hand von Hubert Keller, die sich um praktisch alle operationellen Belange des Asset-Management-Arms zu kümmern hatte. «Carolina räumte Keller die Steine aus dem Weg und entwickelte das Geschäft weiter», sagt ein Weggefährte.

Minio-Paluello engagierte sich beispielsweise stark im Bereich nachhaltige Anlagen, der als strategischer Eckpfeiler der Genfer Bank gilt. Im Netz finden sich zahlreiche Interviews und Auftritte, bei denen Minio-Paluello die «sustainability revolution» proklamiert und Lombard Odier als grünen Leader positioniert: Nachhaltiges Investieren sei eine Realität, die niemand mehr ignorieren könne, liess Minio-Paluello die «Finanz und Wirtschaft» kürzlich wissen.

Die Spitzenbankerin, die zuvor über zehn Jahre für Goldman Sachs gearbeitet hatte, war es auch, die für LOIM die passiven ETF-Produkte massgeblich mitaufbaute und das Asien-Geschäft weiterentwickelte. Zusammen mit dem damaligen Head of Asia, Vincent Duhamel.

Job wird bei Lombard Odier nicht ersetzt

Die Bank bestätigt den Rücktritt von Carolina Minio-Paluello: «Wir danken Carolina für ihren Beitrag für die Gruppe und wünschen ihr viel Erfolg für die Zukunft», schreibt Lombard Odier.

Offenbar nimmt Minio-Paluello eine neue Herausforderung bei einem anderen Finanzdienstleister an. Sie soll dort die Quant-Strategien leiten. Der Rücktritt stehe nicht in Zusammenhang mit Kellers Ernennung als Senior Managing Partner, heisst es aus dem Umfeld der Bank.

Die Funktion als Global Head of Sales and Solutions wird es bei Lombard Odier Investment Managers so nicht mehr geben. «Frau Minio-Paluello wird nicht ersetzt. Der Vertrieb wird weiterhin von Jonathan Clenshaw als Leiter Institutional Sales und Martin Thommen als Leiter Third Party Distribution geführt», schreibt die Bank.

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