Mitten in der Pubertät

HNA Group Launig, ungezogen und zuweilen unberechenbar. Teenager fahren auf einer Achterbahn der Gefühle und stossen ihr Umfeld immer wieder vor den Kopf. Was für Menschen gilt, lässt sich auch auf Unternehmen übertragen. So ist die HNA Group jetzt 17 Jahre alt. Das Sino-Konglomerat steckt mitten in der Pubertät. Und wie ein Heranwachsender hat HNA in den letzten Jahren einen Wachstumsschub erfahren, der den chinesischen Jungspund schlaksig und ungelenk macht.

Auch das Verhalten der weit verzweigten Industriegruppe ist auffällig, manchmal gar richtiggehend ungeschickt. Eben wie ein typischer Teenager. Entsprechend wird HNA nun gemassregelt und zurückgebunden. Die Erziehungsaufgabe kommt der schweizerischen Übernahmekommission beziehungsweise der chinesischen Aufsicht zu.

Das Portfolio des chinesischen Firmen-Teenagers wurde aggressiv finanziert
Doch der Reihe nach. Für mehr als 50 Milliarden Dollar hat sich HNA in den letzten Jahren rund um den Globus namhafte Assets einverleibt, und dies im Schnellzugstempo: Von den ehemaligen Swissair-Töchtern wie SR Technics und Gategroup über namhafte Beteiligungen an der Hilton-Hotelgruppe und der Deutschen Bank bis hin zu den Öltanks der Glencore Storage, Luxusimmobilien in den USA oder dem Flugzeug-Leasing-Konzern CIT.

Auch, weil das Portfolio des chinesischen Konzern-Teenagers äusserst aggressiv finanziert ist, unter anderem durch Kredite der Grossbank UBS. Die hoch gehebelte Holding legte bisweilen ein Flegelverhalten an den Tag, das sowohl Finanzgemeinde wie Regulatoren vergrätzt haben. So musste die Swissport-Tochter im Frühling einen technischen Zahlungsausfall vermelden, den das Management offenbar gar nicht bemerkt hatte.

Im Sommer liess die deutsche Finanzaufsicht Bafin den kreditfinanzierten HNA-Anteil an der Deutschen Bank untersuchen. Und im Frühherbst wollte die schweizerische Übernahmekommission wissen, wer denn nun die Swissair-Tochter Gategroup eigentlich übernommen habe. Vor wenigen Tagen kam die Kommission zum Schluss, dass die HNA-Eigner «unwahre beziehungsweise unvollständige» Angaben beim Angebot gemacht hatten. Ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Der Kopf des hochgeschossenen Firmenkörpers scheint diesen Grössenschub noch nicht verarbeitet zu haben.
HNA erweist chinesischen Investoren in der Schweiz einen Bärendienst

Die heranwachsende HNA macht deshalb nun den Kotau. Konzernchef Adam Tan verkündete jungst in Peking, er werde sein Bestes tun, um alle Investments abzustossen, die nicht mehr «erlaubt» seien. Der wilde Teenie gibt sich geläutert und gehorcht wieder Vater Staat. Als erste Massnahme gab Tan bekannt, dass HNA ihre Gategroup-Tochter wieder an die Schweizer Börse bringen will.

Nur ein Jahr nach deren Dekotierung und Übernahme für 1,4 Milliarden Franken. Angesichts der zweifelhaften Vorgeschichte scheint ein erneuter IPO ein äusserst gewagtes Unterfangen. Das Vertrauen in HNA ist dahin. Mehr noch: Die Industriegruppe erweist mit ihren Eskapaden allen chinesischen Investoren in der Schweiz einen Bärendienst.

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