Pierins Put-Optionen

Raiffeisen Recherchen zeigen, dass Ex-Chef Pierin Vincenz weitere mögliche Interessenkonflikte bei der Bank-Tochter Investnet hat.

Die Affäre um die Raiffeisen-Tochter Investnet ist um ein Kapitel reicher. Ex-Bankchef Pierin Vincenz hält privat nicht nur 15 Prozent an der Raiffeisen-Tochter Investnet, die im Fokus eines Finma-Verfahrens gegen Bank und Ex-Chef steht. Investnet-Aktionär Vincenz hat am KMU-Vehikel der Genossenschaftsbank auch Put-Optionen, wie Recherchen zeigen.

Diese Put-Optionen berechtigen den Bündner Banker, seine Aktien an der Investnet Holding in rund zweieinhalb Jahren der Mehrheitsaktionärin Raiffeisen Schweiz wieder anzudienen, und zwar zu einer vorab definierten Bewertungsmethodik. Die Parameter der Put-Optionen wurden zu einem Zeitpunkt definiert, als Vincenz noch Raiffeisen-Chef war. Sie stellen einen weiteren möglichen Interessenkonflikt im Investnet-Investment dar, das die Finma derzeit eingehend untersucht.

Nebst Ex-Bankchef Vincenz können auch die beiden Investnet-Gründer Peter Wüst und Andreas Etter von dieser Verkaufsmöglichkeit gegenüber der Mehrheitsaktionärin Raiffeisen Schweiz Gebrauch machen. Die Put-Optionen auf die Investment Holding sind Teil eines Aktionärsbindungsvertrages zwischen der Raiffeisen Bank Schweiz und den Minderheitseignern des KMU-Finanzierers. Darunter befindet sich Ex-Chef Pierin Vincenz, der bei seinem Abgang im Oktober 2015 der Bank einen 15-Prozent-Anteil an Investnet abkaufte.

Externes Gutachten

Fest steht: Die Bewertungsmethodik der Put-Optionen auf die Investnet-Anteile wurde bereits definiert, als Pierin Vincenz noch Chef der Raiffeisen-Gruppe war. Aus dem Umfeld des Bündner Bankers ist zu hören, dass Vincenz an dieser «Formel» nicht «aktiv und direkt» mitgewirkt habe. Vielmehr soll die Bewertungsfrage zwischen den Finanzexperten der Raiffeisen Bank und den beiden Investnet-Gründern Wüst und Etter gelöst worden sein.

Offenbar gibt es dazu auch ein externes Gutachten einer grossen Prüfgesellschaft, welches dokumentiert, dass Vertrag wie Formel nach «arms length»-Prinzip aushandelt wurden. Genau solche Governance-Fragen soll nun das Enforcement-Verfahren der Finanzmarktaufsicht final klären. Allerdings hatte Vincenz dem Vernehmen nach selbst noch keine Akteneinsicht ins Finma-Enforcement.

Das Verfahren befasst sich gemäss einer Raiffeisen-Sprecherin insbesondere «mit der Ausgestaltung von Prozessen und Verträgen bei der Beteiligung Investnet». Im Verwaltungsrat dieser Raiffeisen-Tochter sitzt neben Präsident Vincenz auch der langjährige Raiffeisen-Finanzchef Marcel Zoller, und zwar seit Gründung der Investnet Holding im Sommer 2015. Zahlenmensch Zoller hat vor kurzem seinen Rücktritt als CFO der Genossenschaftsbank auf Ende April angekündigt.

Das Placet für Vincenz’ private Beteiligung an der noch zu gründenden Investnet-Holding erhielt der Bündner Banker bereits im Frühjahr 2015 vom Verwaltungsrat der Raiffeisen-Gruppe unter der Leitung des HSG-Professors Johannes Rüegg-Stürm. Gemäss «Sonntagszeitung» tritt Bankpräsident Rüegg an der nächsten Sitzung vom 1. Dezember zu allen Aspekten rund um das Finma-Enforcement in den Ausstand.

Neuer Independent Lead Director

Gleichzeitig will das oberste Raiffeisen-Gremium den Neo-Verwaltungsrat Pascal Gantenbein als Independent Lead Director einsetzen. Gantenbein ist Professor für Finanzmanagement an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und Dozent an der Universität St. Gallen. Er ist erst seit Juni im Verwaltungsrat der Raiffeisen und damit nicht in die Investnet-Affäre involviert.

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