Die Brüsseler Revolution

Banken Das Muster ist immer dasselbe. Digitale Plattformen legen sich auf die Schnittstelle zum Kunden und drängen angestammte Akteure ins zweite Glied. Mehr noch, sie definieren deren Aufgaben neu. Einstige Branchenführer werden zu Handlangern, denen – wenn überhaupt – die Brosamen des Geschäfts bleiben.

Wer die Schnittstelle zum Kunden preisgibt, hat schon verloren
So geschehen im Taxibusiness, wo Uber aus den Taxizentralen und Chauffeuren Zudiener gemacht hat. So geschehen in der Medienbranche, wo Facebook und Co. mit ihrem Milliardenpublikum längst das publizistische Zepter schwingen. Journalismus wird in der Social-Media-Sphäre bis zur Unkenntlichkeit konfektioniert. In dieser Filterblase sind Medienmarken austauschbare Inhaltsproduzenten geworden. So geschehen in der Musikindustrie, wo Streaming-Dienste wie Spotify die Künstler zu Stimmungslieferanten machten. Eine Playlist für den Sonntag, eine für den Fitness-Workout. Wer den Soundtrack fürs Leben schreibt, ist irrelevant geworden.

Die Beispiele zeigen, wie die Digitalwirtschaft tickt und wie sie traditionelle Branchen umpflügt. Die Banker sollten auf der Hut sein. Wer die Schnittstelle zum Kunden preisgibt, hat schon verloren. Doch genau dieser Vorgang könnte die Finanzindustrie in Kürze ereilen. So sind die Bürokraten in Brüssel daran, die Bankkonti zu knacken. Die Abkürzung zum Datentresor lautet PSD2. Mit dieser EU-Direktive müssen die Finanzhäuser Kontoinformationen mit Drittanbietern teilen, wenn dies die Bankkunden wünschen.

Was harmlos tönt, dürfte massive Konsequenzen haben. Denn mit PSD2 können Branchenfremde das Banking neu definieren, während den Finanzinstituten die Rolle als „dumb pipe“ bleibt, als austauschbare Zahlungsabwickler. Ein Schreckensszenario, das die Bankmanager bislang vor allem in Schockstarre versetzt hat. Doch Leugnen und Kleinreden hat weder Mobilitäts- noch Musik- oder Medienbosse vor der digitalen Disruption bewahrt. Vielmehr sollten die hochbezahlten Finanzkapitäne ihre Ärmel hochkrempeln und PSD2-taugliche Geschäftsmodelle entwickeln, bevor es andere für sie tun. Denn dann ist es definitiv zu spät. Kodak, Nokia oder Brockhaus können ein Lied davon singen.

Daten und Vertrauen sind die beiden Schlüsselelemente

Dabei kommt der simplen Transaktion eine Schlüsselfunktion zu. Banken sitzen in ihrer ureigensten Payment-Funktion auf einem enormen Datenschatz: Die Geldflüsse ihrer Kunden sind in unserer datenanalytischen Epoche das neue Gold. Den Banken muss es gelingen, aus diesem riesigen „money trail“ einen tatsächlichen Mehrwert für ihre Kunden zu generieren.

Womit wir beim zweiten Element wären: Vertrauen. Nur wenn ich als Kunde sicher bin, dass mein Geld sicher ist und meine finanzielle Privatsphäre geschützt bleibt, lasse ich mir solche digitalen Geschäftsmodelle gefallen. Und da sind die Banken in einer starken Position. Die Vertrauenswürdigkeit der Branche ist hoch. Darauf lässt sich aufbauen.

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