Silenen liegt nicht im Silicon Valley

Innovation Die Spitzen von Schweizer Politik und Wirtschaft reisten kürzlich ins Silicon Valley, um sich in der „Kunst der Innovation“ zu üben. Angeführt von Wirtschaftsminister Schneider-Ammann, reiste die Delegation durch die „Bay Area“, besuchte Startups, traf Vertreter grosser Technologiekonzerne und dinierte mit Risikokapitalisten. Was als Bildungsreise angedacht war, entpuppte sich als Entzauberung eidgenössischer Erfolgsmodelle. Zwar belegt die Schweiz regelmässig die vordersten Plätze, wenn es um Innovationskraft oder Wettbewerbsfähigkeit geht. Unsere Pro-Kopf-Patentquote ist weltweit unerreicht. Doch die statistische Signifikanz bildet die Lebenswirklichkeit nicht ab. Jene Innovationen, die unseren Alltag prägen und prägen werden, stammen eben nicht aus Silenen, sondern aus dem Silicon Valley. Schuld daran ist nicht die mangelnde Innovationsförderung oder das fehlende „seed money“. Es hilft auch nicht, die sogenannten Rahmenbedingungen zu verbessern oder Innovationsparks zu dekretieren. Kein staatlicher Interventionismus kann die Mentalität wandeln. Solange in der Schweiz berufliches Scheitern als schwere Erbsünde gilt und nicht als Chance zum Neuanfang, scheuen Unternehmer das Risiko wie der Teufel das Weihwasser. Gepaart mit einem ingenieursgetriebenen Hang zur Perfektion, führt dies zu viel Solidität, aber wenig Grossem und Bahnbrechendem. Daran ändert auch keine Bildungsreise etwas.

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