Strategische Kurzsichtigkeit

UBS Blackrock und Bank of America Merrill Lynch haben einen, Morgan Stanley auch. J.P. Morgan hat jüngst einen lanciert, während Vanguard bereits 140 Milliarden Dollar damit betreut. Die Rede ist von einem Robo-Advisor. Einem Anlage-Tool, das regelbasiert Geld anlegt und das meist passive Portfolio automatisiert neugewichtet.

Nun ist so ein Robo weder alleinseligmachender Heilsbringer noch ein technologischer Quantensprung à la Mondlandung. Doch das Angebot amerikanischer Finanzhäuser zeigt: Für Robo-Advising gibt es einen Markt. Er mag – Stand heute – im Vergleich zu den über 2 Billionen, welche die UBS als weltgrösste Vermögensverwalterin betreut, noch verschwindend klein und unprofitabel sein.

Syptomatische Managementkultur

Aber: Wenn die Digitalwirtschaft der letzten zwanzig Jahre uns etwas gelehrt hat, dann die Erkenntnis, dass aus Garagenfirmen rasch Giganten werden. Wer sich da nicht bewegt, wird bewegt. Insofern ist der Übungsabbruch der UBS bei ihrem Robo-Advisor namens Smartwealth mehr als bedauerlich. Er ist symptomatisch für eine Managementkultur, die lieber den Spatzen in der Hand hat als die Taube auf dem Dach.

Bezeichnend ist die Antwort von UBS-Finanzchef Kirt Gardner diesen Sommer an einer Investorenkonferenz auf die Frage, ob ein Smartwealth-Kunde, der den Mindestbetrag von 15 000 Pfund investiere, für die UBS profitabel sei. «Er kann es sein, aber nicht am Anfang.» Doch so lange wollten die Bankoberen um Blessing und Co. nicht warten. Nur eineinhalb Jahre nach Start zogen sie dem Robo den Stecker. Eine strategische Kurzsichtigkeit, die sich noch rächen könnte.

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