VW – Das Auto ist kaputt

Volkswagen Der Slogan war pures Selbstbewusstsein: «Volkswagen. Das Auto.» In der Ära von Chef Martin Winterkorn verstand sich VW als automobiles Nonplusultra. Die Hybris der Wolfsburger gipfelte in kapitalem Betrug. Statt «Vorsprung durch Technik» zu erzielen, wie es Tochter Audi für sich in Anspruch nimmt, manipulierte der weltgrösste Autobauer an seiner Software herum, um schärferen Dieselnormen zu genügen.

Keine Tat isolierter Ingenieure, wie die Staatsanwaltschaft Braunschweig nun auf 692 Seiten ausführt, sondern von der damaligen VW-Spitze stillschweigend gebilligt. Die Anklage gegen Winterkorn und Co. lautet auf schweren Betrug. Auch der jetzige VW-Chef, Herbert Diess, soll früh von den Machenschaften gewusst haben.

Volkswagen vom Wandel überholt

Der Dieselskandal stellt für das einstige deutsche Vorzeigeunternehmen eine existenzielle Hypothek dar. Der Abgasbetrug in der Vergangenheit hat Volkswagen die Sicht auf die automobile Zukunft vernebelt. VW erinnert frappant an den finnischen Handy-Primus Nokia, als Apple 2007 sein erstes Smartphone veröffentlichte.

Während sich der Ingenieursstolz in Wolfsburg weiter an Pferdestärken und Hubraum bemisst, entwickeln die Konkurrenten in Shenzhen oder Palo Alto fahrende Tablets – autonom, vernetzt und elektrifiziert. Die ganze Dramatik hat jüngst der «Spiegel» recherchiert. So fehlen Volkswagen schlicht die Entwickler, um die Software des Massenmodells Golf und des ersten Elektromobils I. D. auf die Erfolgsstrasse zu bringen. Die digitalen Pendenzen türmen sich beim Autobauer. Volkswagen wird vom Wandel überholt.

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