Zürcher Goldmine

Glencore Der Rohstoffkonzern ist im Visier der US-Justiz. Es geht unter anderem um Deals mit Dan Gertler. Der Milliardär geschäftet auch in der Schweiz.

Die US-Justiz schickt die Kavallerie los. Und Glencores Aktienkurs schmilzt dahin wie Rohgold in der Raffinerie. So geschehen Anfang des Monats, als der Zuger Commodity-Konzern in einer knappen Meldung eine Zwangsmassnahme des Department of Justice (DOJ) kommuniziert. Daraufhin verliert die Firma kurzzeitig fast einen Fünftel ihres gehandelten Werts.

Die Börsenpanik hat folgende Bewandtnis: Glencore muss der US-Justiz Dokumente liefern zu Geschäften in Nigeria, Venezuela und der Demokratischen Republik Kongo (DRC), und zwar von 2007 bis heute. Es geht dem DOJ um die Sicherstellung amerikanischer Antigeldwäscherei- und extraterritorialer Antikorruptionsgesetze. Das Verfahren mit Washington wird den Rohstoffriesen wohl lange beschäftigen und möglicherweise teuer zu stehen kommen.

Der Fall Och-Ziff

Als Blaupause dient den US-Strafermittlern nämlich der Fall Och-Ziff. Der milliardenschwere Hedgefonds wurde nach einer fünfjährigen Untersuchung im Herbst 2016 zur Zahlung einer 400-Millionen-Dollar-Busse verurteilt. Mittlerweile ist auch Och-Ziffs früherer Europa-Chef wegen Betrugs angeklagt. Es geht unter anderem um dubiose Geschäfte im Kongo. Schlüsselfigur ist gemäss der US-Anklageschrift ein «DRC Partner» von Och-Ziff. Es handelt sich um den «Israeli businessman» Dan Gertler, der auch lange Jahre mit Glencore geschäftete und in Zürich eine Firma hat. Er soll gegen finanzielle Zuwendungen als Türöffner für Och-Ziff-Investments in DRC fungiert haben.

Gertler ist schon lange im Visier der US-Justiz. Bereits Ende 2012 stellte das DOJ Rechtshilfe in Bern wegen Zahlungsflüssen über Schweizer Banken, die in Zusammenhang mit seinem Och-Ziff-Deal standen. Gertlers Schweizer Anwalt, Marc Bonnant, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Seine Karriere startete der gewiefte Geschäftsmann als Diamantenhändler. In den Wirren des Ersten Kongokrieges reist er Ende der neunziger Jahre erstmals in die DR Kongo und freundet sich mit dem neuen Machthaber Laurent-Désiré Kabila und dessen Sohn und Nachfolger Joseph an. Dank diesem «special access» zu den unzimperlichen Potentaten in Kinshasa und dank viel persönlicher Zuwendung kann Gertler in den folgenden Jahrzehnten im ressourcenreichen Kongo ein gigantisches Rohstoffimperium aufbauen. Ob Kupfer, Diamanten, Gold, Öl oder Kobalt – an Dan Gertler kommt im Kongo niemand vorbei. Dies gilt auch für Glencore. Der Zuger Rohstoffkonzern kommt in den nuller Jahren mit Gertler ins Geschäft. Gemeinsam bewirtschaftet man grosse Kupfervorkommen, bevor Glencore Gertler im letzten Jahr für fast 1 Milliarde Dollar auskauft. Gemäss der Nichtregierungsorganisation Resource Matters schuldet Glencore Gertler in den nächsten zwei Jahren noch fast 200 Dollar an Konzessionsgebühren.

Beziehungspflege für Millionen

Die Liason mit dem israelischen Rohstoffkönig könnte für Glencore nun zum juristischen Fallstrick werden: Gemäss «Wall Street Journal» soll eine Glencore-Tochter 2013 die Gertler-Firma De Novo Congo mit einem Vertrag bedacht haben, der unter anderem die Beziehung zum kongolesischen Staat sicherstellen soll. Allerdings unter Einhaltung geltender Antikorruptionsregeln, wie es im Vertrag heisst.

Für die Beziehungspflege hat Glencore der Gertler-Firma jährlich 6 Millionen Dollar bezahlt. Brisant ist der besagte Kontrakt vor allem vor dem Hintergrund, dass das US-Finanzministerium Dan Gertler Ende Jahr sanktioniert hat. Seine US-Vermögenswerte sind blockiert. Und keine amerikanische Firma darf mehr mit ihm geschäften. Die finanziellen Lebenslinien des Kongo-Magnaten sind somit faktisch gekappt.

Gemäss US-Sanktionsentscheid soll Gertler Hunderte Millionen Dollar mit «korrupten Minen- und Öl-Deals» eingefahren haben. Dies dank seiner «engen Freundschaft zu Präsident Joseph Kabila». Alleine zwischen 2010 und 2012 seien dem kongolesischen Staat deswegen 1,3 Milliarden Dollar an Einnahmen entgangen. Happige Vorwürfe an die Adresse eines einstmals engen Glencore-Geschäftspartners.

Bannstrahl mit Folgen

Die Erschütterungen der US-Sanktionen sind jedenfalls bis nach Zürich-Wollishofen spürbar, wie Recherchen der «Handelszeitung» zeigen. Dort residiert eine Firma namens Moku Goldmines in den Büros der Treuhandgesellschaft ACT Audit & Tax. Die hiesige Aktiengesellschaft gehört seit 2011 zu 96,95 Prozent der Firmengruppe Fleurette um Dan Gertler und fällt nun ebenfalls unter die Sanktionen der Amerikaner. Mit Folgen: Die Zürcher Moku Goldmines wollte eigentlich im Nordosten des Kongo in der Gegend von Moku-Beverendi im grossen Stil das Edelmetall extrahieren. Dazu spannte Gertler mit der staatlichen Gesellschaft SMB und dem börsenkotierten Bergbaukonzern Randgold zusammen. Als Gertler jedoch der Bannstrahl des US-Finanzministers Steven Mnuchin trifft, kündigt Randgold-Chef Mark Bristow das Joint Venture wegen «force majeure» auf. Man sei daran, die Gerätschaft zur Goldexploration aus der Moku-Mine abzuziehen, heisst es bei Randgold.

Derweil kommt es im VR der Zürcher Moku Goldmines zur nächsten Rochade. Seit Juni wird Moku von einem Angestellten der Gertler-Firma De Novo Congo präsidiert. Jener Firma, mit der Glencore einen Vertrag zur Beziehungspflege in der DR Kongo hatte. Der andere Moku-Verwaltungsrat ist ein kongolesischer Anwalt, der jüngst die Geschäftsinteressen eines «Monsieur Pieter Deboutte» vertrat, wie Gerichtsunterlagen zeigen. Der gebürtige Belgier Deboutte ist Direktor der Fleurette Group für DRC, lebt seit zwanzig Jahren im Kongo und steht Gertlers dortiger gemeinnützigen Foundation vor. Auch Deboutte sass bis 2016 im Zürcher Moku-VR und dürfte am Glencore-Hauptsitz in Baar kein Unbekannter sein. Schliesslich unterzeichnete er gemäss WSJ den Beratungsvertrag mit dem Rohstoffkonzern. Deboutte wird ebenfalls von den Amerikanern sanktioniert.

Konten in der Schweiz

Die Schweiz ist indes nicht nur Heimstätte für Gertlers Goldfirma. Auch dessen Finanzströme liefen über Schweizer Banken, zumindest bei den Och-Ziff-Deals. So hält Gertlers Familie den Konzern über einen Trustee auf Gibraltar namens Line Trust Corporation. Gemäss Gerichtsunterlagen erhielt Line Trust eine Zahlung von 25 Millionen Dollar auf ein Zürcher Bankkonto. Auch hatte Gertler Konten bei der Privatbank Compagnie Bancaire Helvétique, wie Zahlungen an Och-Ziff zeigen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.