Sunrise Grossaktionär geht aufs Ganze

Telekom Die Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC durch Sunrise steht auf der Kippe: Der grösste Aktionär, Freenet, sieht keine industrielle Logik mehr im Milliardendeal.

Die Zeit wird knapp. In wenigen Tagen entscheidet die Wettbewerbskommission (Weko), ob sie die Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC durch Sunrise genehmigen wird. Dann hat der Telekomkonzern dreissig Tage Zeit, um zur ausserordentlichen Generalversammlung zu laden, an der die Sunrise-Aktionäre über die Milliardentransaktion befinden werden.

Die geplante UPC-Übernahme ist bislang auf erbitterten und lautstarken Widerstand des grössten Einzelaktionärs gestossen. Die deutsche Freenet hält knapp einen Viertel aller Sunrise-Aktien. Deren Chef und Sunrise-Verwaltungsrat, Christoph Vilanek, kritisiert nicht nur den Übernahmepreis von 6,3 Milliarden Franken, sondern vor allem die bisherige Finanzierungsstruktur des Deals: eine massive Kapitalerhöhung in der Höhe von 4,1 Milliarden Franken. Würde diese doch bedeuten, dass Freenet mangels Finanzkraft nicht mitziehen kann und so in der Bedeutungslosigkeit versinken würde.

Der deutsche Telekom-Anbieter verlöre seinen Einfluss im Verwaltungsrat. Umgekehrt bekämen Sunrise-Präsident Peter Kurer und das Management um CEO Olaf Swantee vollen Zugriff auf die Geschicke der Gesellschaft ohne lästige Nebengeräusche. Dies dank einer möglicherweise atomisierten Eignerschaft, der ein industrieller Ankeraktionär fehlt.

Abgeänderte Kapitalstruktur durch Sunrise

Doch so weit ist es nicht. Der öffentliche Druck von Freenet und Co. zeigt Wirkung. Sunrise-Chef Olaf Swantee kündigte vor kurzem in der «Finanz und Wirtschaft» an, dass er nach Konsultation des Verwaltungsrates den Aktionären eine «abgeänderte Kapitalstruktur» vorschlagen werde: «Wir haben sondiert, wie viel mehr Schulden aufgenommen und wie stark die Kapitalerhöhung reduziert werden soll.» Gleichzeitig bekräftigte Swantee, dass «die bestehenden Aktionäre die industrielle Logik verstehen» und die Synergien sehen würden.

Zumindest Freenet kann Olaf Swantees Ansinnen auf einen nachgebesserten UPC-Deal nichts mehr abgewinnen. Christoph Vilanek sagt: «Wir sind enttäuscht über das zaghafte Vorgehen; das ist kein Bekenntnis zu einem fundamentalen Strategiewechsel, sondern bloss ein Feigenblatt. Das Vorgehen zeigt, wie nervös das Management im Hinblick auf die ausserordentliche Generalversammlung ist.»

Zwar entspreche ein höherer Verschuldungsgrad von bis zum vierfachen Ebitda der UPC-Sunrise, wie er unter institutionellen Investoren kolportiert werde, durchaus einer ursprünglichen Forderung von Freenet. Doch sei die Situation nicht mehr dieselbe wie beim formellen Verhandlungsabschluss Anfang Jahr, sagt Vilanek: «Die industrielle Logik für die UPC-Transaktion ist heute nicht mehr gegeben. 5G ist mittlerweile ein ernst zu nehmender Kabelnetzersatz.» Man habe damals schlicht das riesige Potenzial von schnellem Mobilfunk in der Indoor-Internetnutzung unterschätzt.

«Sunrise würde also bei einer Übernahme der UPC Schweiz in eine bereits veraltete Technologie investieren», ist Vilanek überzeugt. Insofern drohe bei einem Deal, dass zumindest ein Teil der bestehenden UPC-Festnetz-Kunden auf ein 5G-Mobilfunk-Abo wechseln würden. Damit reduziere sich die Payback-Zeit von geplanten zehn Jahren für das UPCNetz massiv. «Der Deal rentiert schlicht nicht mehr. Die Dissynergien sind enorm.»

Erst vor kurzem hat UPC Schweiz eine Bandbreitenoffensive angekündigt, mit welcher der Kabelnetzbetreiber die Leistungsfähigkeit seiner Infrastruktur unterstreicht. Bereits ab diesem Monat sollen Kunden flächendeckend mit Geschwindigkeiten von einem Gigabit versorgt werden können. Und mit einem Upgrade auf den neusten Kabelnetzstandard namens Docsis 3.1 soll der Internetspeed dereinst auf bis zu zehn Gigabit ansteigen.

Weko-Auflagen als Todesstoss für Sunrise UPC Deal

Doch den Sunrise-Grossaktionär Vilanek beeindruckt das wenig. Die Analyse der Entwicklung der Kabelnetze in Europa habe klar aufgezeigt, dass die Technologie ihren Zenit bereits überschritten habe, auch mit einem Upgrade auf Docsis 3.1. «Kabel ist Glasfaser klar unterlegen und spätestens im Haus ein Service, der von allen geteilt werden muss, was Bandbreite kostet.»

Trotz Widerstand des Grossaktionärs weibelt das Sunrise-Management auf Roadshows unermüdlich weiter für die UPC-Übernahme. Sekundiert wird der Telekomkonzern von diversen Investmentbanken wie CS, UBS und Deutsche Bank.

Für den Freenet-Chef ist klar, weshalb Sunrise an der UPC-Übernahme festhält: Die Führung des Telekomkonzerns könne sich öffentlich gar nicht mehr vom Deal distanzieren. «Ansonsten drohen Sunrise neben einer Break-up-Fee von 50 Millionen Franken auch mögliche Schadenersatzforderungen seitens der UPC-Mutter Liberty Global.» Das sei im Kaufvertrag so stipuliert worden; das Management müsse den Deal zu 100 Prozent unterstützen.

Technische Alternative für Kabelnetz

Abseits des öffentlichen Gezänks zwischen Befürwortern und Gegnern des Milliardendeals lastet auf der UPC-Übernahme das ausstehende Placet der Wettbewerbshüter, die spätestens bis zum 2. Oktober entscheiden müssen. Dann läuft nämlich die gesetzliche Frist für die vertiefte Übernahmeprüfung ab. Mindestens bezüglich Weko-Dossiers sind sich Sunrise-Chef Swantee und Freenet-CEO Vilanek einig: Beide beurteilen die Auflage der Wettbewebskommission als dealkritisch. «Sollte die Wettbewerbskommission die Öffnung des UPC-Netzes für Dritte erzwingen, wäre dies der endgültige Todesstoss für den Übernahmeversuch», sagt Vilanek. Die technischen und finanziellen Herausforderungen, das Kabelnetz für alternative Anbieter zu öffnen, seien gigantisch.

Lorenz Erni – Der Consigliere

Lorenz Erni Der Verteidiger von Pierin Vincenz beriet ihn schon vor zehn Jahren, als Zweifel an einem Privatdeal aufkamen. Heute ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Der Zürcher Strafverteidiger Lorenz Erni gilt als Mann für die Wirtschaftsfälle mit hohem Promi-Faktor: Fifa-Präsident Blatter, Swissair-Chef Bruggisser oder Bundesanwalt Lauber. Erni wird mandatiert, wenn die Fallhöhe besonders hoch ist.

So auch bei Pierin Vincenz. Gegen den Banker läuft seit Februar 2018 ein Verfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung. Die Zürcher Staatsanwaltschaft eröffnete es, gestützt auf eine Strafanzeige der Aduno. Beim Finanzdienstleister amtete der Ex-Raiffeisen-Chef bis im Sommer 2017 als Präsident. Nach seinem Rücktritt gab der Aduno-VR eine Untersuchung in Auftrag, die unter anderem Vinzenz’ Rolle beim Kauf der Commtrain Card Solutions (CCS) durchleuchtete. Die Verdachtsmomente führten zur Strafanzeige.

Pierin Vincenz wandte sich an Lorenz Erni

Aduno hatte 2007 für 7 Millionen Franken den Ostschweizer Zahlungsdienstleister CCS gekauft. Gut zwei Jahre später wandte sich ein Journalist an die Raiffeisen-Pressestelle und wollte mehr zur Rolle des damaligen Bankchefs Pierin Vincenz beim Kauf wissen. Schliesslich war Vincenz vorab verdeckt über ein Treuhandvehikel an der CCS beteiligt gewesen und hatte beim Verkauf seiner Anteile an Aduno 1,7 Millionen Franken verdient, ohne dass der Verwaltungsrat des Finanzdienstleisters davon Kenntnis hatte. Jedenfalls sorgte die Presseanfrage für emsiges Treiben hinter den Kulissen.

Gemäss zweier unabhängigen Quellen soll sich Raiffeisen-Chef Vincenz damals an seinen späteren Strafverteidiger Lorenz Erni gewandt haben. «Erni half mit bei der Auswahl der Experten für die Gutachten zur Commtrain-Übernahme», sagt ein Beteiligter. So liess Vincenz zwei Jahre nach dem Closing der CCS-Transaktion – mit dem Segen des damaligen Raiffeisen-Präsidenten Franz Marty – drei Privatgutachten zur Übernahme des Ostschweizer Zahlungsdienstleisters anfertigen.

Zu beweisen ist der finanzielle Schaden

Die Gutachten, welche die «Handelszeitung» einsehen konnte, sind hoch relevant fürs Strafverfahren, sanktionieren sie doch die Rechtmässigkeit der CCS-Transaktion und legitimieren damit Vincenz’ damaliges Handeln. Sie sind die professorale Antithese zum Hauptvorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Ein Vorwurf, der vor Gericht nur standhalten wird, wenn es Staatsanwalt Marc Jean-Richard- dit-Bressel gelingt, zu beweisen, dass Aduno aus dem CCS-Deal tatsächlich ein finanzieller Schaden entstanden ist.

Demgegenüber stehen drei Gutachten, die Strafverteidiger Lorenz Erni mitzuorchestrieren half. Ein Beteiligter spricht von einer «wohl portionierten Gutachter-Kaskade» mit einem «clever gewähltem Untersuchungsfokus»: Finanzprofessor Claudio Loderer von der Universität Bern klärte für Raiffeisen beziehungsweise ihren Chef ab, ob der Kaufpreis angemessen war. Er war es, und zwar «am unteren Ende der Bandbreite», wie Loderer im Frühjahr 2009 schreibt. Jenen Preis, den Vincenz zwei Jahre zuvor für seine verdeckte Privatbeteiligung bezahlt hatte, berücksichtigt das Gutachten nicht.

Peter Forstmoser prüfte Übernahme der Commtrain durch Aduno

Die Beratungsfirma Helbling wiederum schaute sich die Struktur und das Setup der Übernahmetransaktion an. Sie kommt zum Schluss, dass der Akquisitionsprozess «professionell» und der Kaufvertrag «inhaltlich angemessen» war.

Auf den beiden Gutachten aufbauend beugte sich im Herbst 2009 Professor Peter Forstmoser über die CCS-Transaktion. Und zwar, «um das Verhalten von Herrn Dr. Pierin Vincenz im Hinblick auf einen potenziellen Interessenkonflikt rechtlich zu überprüfen». Der renommierte Aktienrechtler kommt zum Schluss, dass «Herr Vincenz seine Interessenwahrungspflichten nicht verletzt hat». Und dass die Interessen der Aduno und der Raiffeisen Schweiz «durch die (indirekte) Investition von Herrn Vincenz in keiner Weise beeinträchtigt» wurden.

Bezahlt hat die Gutachten wie auch die Beratung Ernis übrigens Raiffeisen. Jene Raiffeisen, die heute als Nebenklägerin im Strafverfahren gegen Ex-Chef Pierin Vincenz und seinen Verteidiger antritt. Die Bank will sich zum Sachverhalt nicht äussern. Auch Anwalt Erni nicht: «Es gibt keinen Kommentar», schreibt er.

PDVSA – US-Justiz lässt Schweizer Bankerin verhaften

Geldwäscherei Der Skandal um Venezuelas Ölfirma PDVSA erreicht das Swiss Banking: Die US-Justiz liess Schweizer Bankerin am Comersee verhaften.

Es ist eine der feinsten Adressen am Comersee, das Fünf-Sterne-Hotel Villa d’Este in Cernobbio. Mitte Juli wurde die Nobelabsteige zum Schauplatz für einen internationalen Geldwäschereifall. Im Morgengrauen rückte eine Comer Polizeiequipe zur Renaissance-Residenz am Westufer des Sees aus, um eine 52-jährige Schweizer Bankerin D. F. (Name der Redaktion bekannt) abzuführen. Für die Zürcher Vermögensverwalterin, die vor ihrer Selbstständigkeit unter anderem für Aquila, Coutts und Rabo Bank gearbeitet hatte, bedeutete die Inhaftierung nicht nur das Ende ihrer Sommerferien. Ihr droht vielmehr die Auslieferung an die US-Justiz.

Büro in der Zürcher Altstadt

Die amerikanischen Strafverfolger schrieben D. F. nämlich bereits Mitte April per internationalen Haftbefehl zur Fahndung aus, wie Recherchen der «Handelszeitung» zeigen. Gemäss Gerichtsdokumenten wirft die US-Justiz der Schweizerin Finanzmanagerin mit Südsee-Wurzeln Geldwäscherei mit venezolanischen Petrodollars vor.

Die selbstständige Vermögensverwalterin, die mit ihrem Ehemann ein Nobelbüro in der Zürcher Altstadt unterhält, soll bis etwa 2013 geholfen haben, Bestechungsgelder der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA auf zahlreiche Schweizer Bankkonti zu schleusen.

Die Verhaftung einer Schweizer Bankerin und deren mögliche Auslieferung in die USA markiert einen Wendepunkt in den Ermittlungen der amerikanischen Justiz gegen die kriminellen Machenschaften bei Venezuelas Staatskonzern PDVSA. Fürs Swiss Banking könnte die anstehende Auslieferung der Branchenfrau den Auftakt für den nächsten, riesigen Geldwäscherei-Skandal bilden.

Der weit verzweigte und facettenreiche PDVSA-Komplex hat gigantische Ausmasse und stellt bisher selbst grosse Fälle mit Swiss-Banking-Beteiligung wie 1MDB oder Petrobras/Odebracht in den Schatten. Gemäss einem Bundesstrafgerichtsurteil von Anfang April zu einem Rechtshilfeersuchen der US-Justiz sollen korrupte venezolanische Beamte mit einem ausgeklügelten Devisentauschsystem massive Kapitalgewinne erzielt haben. Dazu schreibt das Bundesstrafgericht in seinem Urteil: «Berichten zufolge wurden mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar unterschlagen, hauptsächlich durch (…) in der Schweiz eröffnete Konten.»

Über 50 Millionen Dollar an Schmiergeldern der PDVSA verteilt

Im Vergleich dazu nehmen sich die mutmasslichen Schmiergeld-Summen, mit denen die Schweizer Vermögensverwalterin D.F. und ihre Zürcher Kreis-1-Firma operierte, eher bescheiden aus. Die Anklageschrift, die im April vor Gericht im texanischen Houston eingereicht wurde und bis vorkurzem unter Verschluss gehalten wurde, gewährt dazu detaillierten Einblick. Wie immer in solchen Fällen gilt die Unschuldsvermutung.

Der Reihe nach: Makroökonomischer Ausgangspunkt für das Schmiergeld-Schema mit Schweizer Beteiligung ist die grassierende Misswirtschaft in Venezuela, die sich ab 2010 drastisch verschärft. Die Einnahmen der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA reichen nicht mehr aus, die Löcher im Staatshaushalt zu stopfen. PDVSA selbst ist ebenfalls stark verschuldet, kämpft mit Liquiditätsengpässen.

Die nicht-beglichenen Rechnungen des Ölkonzerns türmen sich. Gleichzeitig soll die Petrolgesellschaft auf Druck des venezolanischen Regimes um Präsident Hugo Chávez, die Ölproduktion drastisch erhöhen. Etwa ab 2011 entwickeln mehrere Manager aus dem PDVSA-Umfeld ein Schmiergeld-System. Sie behandeln gewisse Zulieferer des Petrokonzerns bevorzugt bei der Auftragsvergabe und beim Bezahlen offenerer Rechnungen, wenn diese für den Vorzugsdienst Schmiergelder an sie zahlen.

Kontakt zu hochrangigem venezuelanischem Beamten

Vom Beuteschema profitieren alle Parteien: Die Manager des Staatskonzerns, weil sie Millionen Dollar an Schmiergelder einstrichen. Die petrochemischen Zulieferer, weil sie gesicherten Absatz und Erlöse aus Venezuela erhielten. Und natürlich die Schweizer Vermögensverwalterin, die für ihre Finanzdienste entlohnt wurde. Ab 2011 eröffnete die Frau die nötigen Schweizer Bankkonten für den Transfer der Schmiergeld-Zahlungen und half mit, plausible Dokumenten für die Zahlungen zu erfinden wie Service-Level-Agreements, Rechnungen oder Sublieferanten-Kontrakte.

Gemäss texanischer Anklageschrift sollen die Geschäftsleute aus dem Ölzuliefer-Umfeld so über 50 Millionen Dollar an Schmiergelder für die PDSVA-Männer auf vier hiesigen Konten verteilt haben. Einer der Öl-Industrie-Lieferanten machte die Schweizer Bankerin auch mit einem hochrangigen Beamten des Chávez-Regimes bekannt. Im Dezember 2011 schrieb D.F. an ihren Kontaktmann eine Mail: «Das Treffen betreffend dem Grauhaarigen verlief sehr positiv, offen und exzellent.» Ob es D.F. auch mit dem «senior Venezuelan government official» in Geschäfts kam, geht aus den Gerichtsakten nicht hervor.

UPC – Auffällige Bewegungen

UPC Die Anleihen der Telekom-Firma bewegten sich bereits, bevor die Übernahme durch Sunrise publik wurde. Waren Insider am Werk?

Die Indiskretion machte an einem Freitagabend nach Börsenschluss die Runde. «Sunrise in talks to buy Liberty’s Swiss cable arm» titelte die «Financial Times» auf ihrer Website am 1. Februar und machte damit jene Übernahmegespräche publik, die bereits seit Wochen im Geheimen liefen. Es geht um den Übernahmeversuch von UPC Switzerland, die zur amerikanischen Liberty Global gehört, durch Sunrise.

Die Ankündigung einer möglichen Elefantenhochzeit im Schweizer Telekom-Markt führte an den darauffolgenden Handelstagen zu Kursverlusten bei den Sunrise-Aktien. Schliesslich wäre die UPC-Transaktion mit einer massiven Kapitalerhöhung verbunden. Umgekehrt zogen die in Irland kotierten Schulden der UPC an, welche Sunrise im Rahmen der Transaktion übernehmen würde. Der Kursanstieg reflektiert die Aussicht auf einen besseren Schuldner. Denn der Schweizer Telekom-Konzern weist gegenüber der UPC-Mutter Liberty Global einen deutlich tieferen Nettoverschuldungsgrad auf.

Jahreszahlen erst im Februar

So weit, so nachvollziehbar. Nur: Einzelne Obligationen der Kabelnetzbetreiberin UPC reagierten schon rund einen Monat, bevor die «Financial Times» die Verhandlungen zwischen Sunrise und Liberty Global erstmals öffentlich machte. Beispielsweise stieg der Kurs einer besicherten Anleihe der UPC Holding von 600 Millionen Euro ab dem ersten Handelstag im Januar an. Und zwar ohne dass eine entsprechende Nachrichtenlage den Anstieg hätte plausibilisieren können. Das Mutterhaus Liberty Global rapportierte seine Jahreszahlen erst im Februar.

Die Bewegungen seien ihm auch aufgefallen und man sei entsprechend aktiv geworden, sagt Christoph Vilanek, CEO von Freenet, grösster Einzelaktionär von Sunrise und ein entschiedener Gegner der geplanten UPC-Transaktion: «Wir haben bei der europäischen Marktaufsichtsbehörde eine Prüfung angeregt.» Auch beim Stimmrechtsvertreter Ethos sei Freenet vorstellig geworden.

Die UPC-Obligationen sind an der irischen Börse kotiert. Als Aufsicht gegen Marktmissbrauch fungiert die dortige Zentralbank. Angesprochen auf die Kursbewegungen in den UPC-Bonds geben sich die Regulatoren auf der Insel zugeknöpft. Man äussere sich nicht zu spezifischen Aktivitäten, ob sie nun ausgeübt würden oder auch nicht. Gemäss einem anderen aktivistischen Sunrise-Investor sollen sich die Aufseher in der Schweiz und den Niederlanden den Insiderverdacht anschauen.

Anleihen UPC – Wohltätige Zweckgesellschaft

Die direkt betroffene UPC beziehungsweise ihre US-Mutter wollen sich zu den auffälligen Kursbewegungen nicht äussern: Man kommentiere den «öffentlichen Handel in eigenen Schuldtiteln» nicht. Die potenzielle Käuferin Sunrise betont auf Anfrage, dass der Kurswert der Obligationen keinen Einfluss auf die Schuldenübernahme habe. Man übernehme den Nominalwert sowie die dazugehörigen Coupons oder Zinszahlungen.

Mit anderen Worten: Ob mögliche Insider im Vorfeld der Ankündigung, Kasse gemacht haben, hat keinen Einfluss auf die Konditionen der Transaktion. Ansonsten nimmt der Telekomkonzern keine Stellung zum Trading-Verhalten der UPC-Obligationen, hält aber fest, «dass der Aktienkurs von Sunrise durch Spekulationen um diese Transaktion beeinflusst war».

Auffällig ist, dass nur ausgewählte Bonds des Kabelnetzbetreibers vorab reagiert haben. Es sind dies jene Obligationen, die über zwei Offshore-Gesellschaften auf den Cayman Islands emittiert wurden. Dabei handelt sich um Zweckgesellschaften, die gemäss Emissionsprospekt zu 100 Prozent einer «Wohltätigkeitsstiftung» gehören. Verwaltet werden sie von einem karibischen Treuhänder namens Maples FS Limited. Der einzige Zweck der Cayman-Islands-Gesellschaften besteht in der Ausgabe von Anleihen an Anleiheinvestoren und der Weitergabe der Finanzmittel an die UPC als ein Darlehensgeber. Käme die UPC-Transaktion zustande, würde Sunrise die beiden Zweckgesellschaften auf den Cayman Islands bestehen lassen.

Weko lädt zum Hearing nach Bern

Die Elefantenhochzeit im Schweizer Telekom-Markt ist allerdings erst im Status einer Anbahnung: Nebst dem lautstarken Widerstand des grössten Sunrise-Einzelaktionärs Freenet und anderer Grossaktionäre, steht auch das Placet durch die Wettbewerbshüter aus. Seit Juni prüft die Wettbewerbskommission den Zusammenschluss von Sunrise und UPC vertieft. Zuvor hatte die Weko einen umfangreichen Fragebogen an den Telekommunikationsmitbewerber geschickt.

Die vertiefte Prüfung muss bis spätestens Anfang Oktober abgeschlossen sein. Vor kurzem fanden in Bern nicht öffentliche Hearings zur geplanten UPC-Übernahme statt. Dabei befragten die Weko-Vertreter in Anwesenheit von Sunrise und Liberty Global verschiedene Stakeholder, vom Bundesamt bis zum kleinen Festnetz-Konkurrenten. Gemäss Teilnehmenden ist damit zu rechnen, dass die Weko den Deal nur unter Auflagen genehmigen wird.

Nach dem Entscheid der Wettbewerbskommission hat Sunrise dreissig Tage Zeit, eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen. Bereits hat die Luxemburger Fondsgesellschaft Axxion den Antrag eingereicht, Präsident Peter Kurer und VR-Mitglied Jesper Ovesen an der ausserordentlichen GV abwählen zu lassen. Axxion hält weniger als 3 Prozent an der Schweizer Telekom-Gesellschaft.

Volkswagen & Co – Fahrt ins Blaue

Automobilindustrie In wenigen Tagen beginnt in Frankfurt die Internationale Automobilausstellung. Für Europas Fahrzeugbauer wie Volkswagen gilt die IAA weiterhin als wichtige Leistungsschau, wenngleich die Digitalisierung dem Messewesen zusetzt. In diesem Jahr steht die grösste Autoshow auf dem alten Kontinent unter einem besonderen Stern: Der Fokus liegt diesmal nicht auf Pferdestärken, sondern auf Kilowattstunden. So markiert die IAA den Auftakt zur Elektroauto-Offensive der deutschen Fabrikate, deren Batteriefahrzeuge ab nächstem Jahr massenweise zu den Händlern surren sollen.

Der stete Verweis auf den Erfolg von Tesla hinkt gewaltig

Von Elon Musks Stromstössen mit seinen Tesla-Sportwagen gepiesackt, holen Daimler, BMW und der Volkswagen-Konzern mit einer Reihe neuer E-Modelle zum elektrischen Gegenschlag aus. Insbesondere VW hat nach dem Dieselbetrug das Lenkrad herumgerissen. Abermilliarden wurden in die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte investiert. Das erste zählbare Resultat der Wolfsburger gibt es in den Frankfurter Messehallen zu bestaunen: Den VW ID.3. Das Kompaktfahrzeug im Golf-Format soll zu Mittelklassepreisen zum Käfer des Elektrozeitalters avancieren. Zumindest sehen dies die kühnen Pläne der VW-Manager so vor. Doch ob der ID.3 das Zeug zum «Volkswagen» hat, ist alles andere als gewiss. Dabei hinkt der Verweis auf den Überraschungserfolg von Tesla gewaltig. Denn der Unterschied zwischen einem Elektroflitzer für Gutbetuchte und einem batteriebetriebenen Massenfahrzeug ist etwa so gross wie der zwischen einer Millionärsjacht und einem Kreuzfahrtschiff. Insofern dürfte die Resonanz auf den ID.3 zum ersten Plebiszit über die Elektromobilität werden.

Es ist kein Zufall, dass Autokäufer bislang auf hybride Fahrzeuge setzen

Noch sind einige Schlaglöcher auf dem Weg in die verbrennerfreie Zukunft zu meistern. Stichwort Preis: Batteriebetriebene Autos sind im Vergleich zu fossil betriebenen Fahrzeugen deutlich teurer. Und daran wird sich angesichts der bescheidenen Stückzahlen und der kostspieligen, weil ressourcenintensiven Zellproduktion so schnell nichts ändern.

Stichwort Infrastruktur: Zwar legen Herr und Frau Schweizer motorisiert bloss etwa 25 Kilometer pro Tag zurück, was jedes heutige Batterieauto locker schafft. Aber die Reichweitenangst mangels ausreichender und vor allem standardisierter Elektroladeinfrastruktur sitzt nach wie vor tief. Insbesondere, wenn man es sich vom Diesel her gewohnt ist, mit einer Tankfüllung 1000 Kilometer und mehr zurückzulegen. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich hiesige Autokäufer bislang vor allem für hybride Fahrzeuge entschieden haben. Zwei Antriebe – Batterie und Verbrenner – in einem Auto zu verbauen, vermag bestenfalls als «Brückentechnologie» zu überzeugen.

Zäsur für Volkswagen & Co

Insofern gleicht die beherzte Elektrostrategie von Volkswagen und Co. einer Fahrt ins Blaue: Weder ist klar, ob sich die Batterie durchsetzen wird oder vielleicht doch Alternativen wie die Brennstoffzelle. Gleichzeitig stellen Big Tech wie Google oder Mobilitätsdienstleister wie Uber das Fahrzeugbusiness per se infrage. Die diesjährige IAA könnte somit eine Zäsur für Europas Autobauer markieren. Das muss auch unsere Schweizer Zulieferer kümmern.

Gemeinden – Auf Pump Geld scheffeln

Öffentliche Finanzen Städte und Gemeinden erzielen dank Negativzins Erträge beim Schulden machen. Dies entlastet den Haushalt.

Martin Pöhland hat ein Luxusproblem. Der Finanzbuchhalter von Winterthur schwimmt im Geld. «Für kurzfristige Kredite erhalten wir mittlerweile Geld von den Gläubigern», sagt Pöhland. Der marktübliche Referenzsatz liegt bei –0,75 Prozent und die Eulachstadt weist ein solides AA-Finanz-Rating auf. Damit resultiert ein Risikoaufschlag von etwa 15 Basispunkten. Winterthur «zahlt» also gegenwärtig –0,6 Prozent Zins. Mit anderen Worten: Nimmt die Stadt für ein Jahr einen festen Vorschuss von 80 Millionen Franken auf, erhält sie knapp eine halbe Millionen Franken aufs Konto gutgeschrieben.

Auf Pump Geld scheffeln, damit befindet sich Winterthur in bester Gesellschaft. Die unabhängige Rating-Agentur Fedafin hat 98 Prozent der Schweizer Gemeinden auf ihre Haushaltslage hin geprüft. Von den untersuchten 2226 Kommunen haben knapp 2000 mindestens ein A-Rating. Sie dürften auf ihren kurzfristigen Schulden bis zu einem Jahr Zinsüberschüsse erzielen können. Und auch darüber hinaus.

Gratis-Geldsegen für Gemeinden

Inzwischen sind die Swap-Sätze für mehrjährige Kredite ebenfalls negativ. «Es gibt durchaus finanzstarke Gemeinden, die mehrjährige Festzinsdarlehen aufnehmen können, auf denen sie Zins bekommen, statt zu bezahlen», sagt Christoph Lengwiler von der Hochschule Luzern (HSLU). Er forscht zur Finanzierung von Gemeinden und hat festgestellt: «Kurzfristige Kredite haben im gesamten Finanzierungsmix der Kommunen zugenommen.» So hat sich der Anteil kurzfristiger Schulden in den Gemeinden zwischen 2009 und 2016 nahezu verdoppelt. Allerdings beträgt dieser Kurzfristanteil nur etwa 10 Prozent der Gesamtschuld. Die Zinsänderungsrisiken sind demnach moderat. Dennoch zeigt der deutliche Anstieg, dass sich die Gemeinden in ihrem Laufzeitenmix aufs negative Zinsumfeld einstellen, um auch von kurzfristigen Zuschüssen zu profitieren.

So beispielsweise die Stadt Bern, die praktisch seit der Einführung der Negativzinsen Ende 2014 Zinserträge auf kurzfristigen Vorschüssen schreibt. Momentan stünden bis Anfang 2020 rund 175 Millionen Franken zu Sätzen von –0,64 bis –0,79 Prozent aus. «Die Zinszuschüsse daraus dienen auch der Haushaltsentlastung», sagt Daniel Schaffner. Auf den Gratis-Geldsegen zu verlassen mag sich der Finanzverwalter der Stadt Bern aber nicht: «Nur kurzfristig zu finanzieren, ist für uns aus Risikoüberlegungen kein Thema. Unsere Finanzierungsstrategie schreibt deshalb auch Mindestrestlaufzeiten vor.» Dies garantiere eine gewisse Stabilität bei Zinsänderungen.

Netter Nebeneffekt

Schaffners Aussagen decken sich mit jenen von Daniel Rupli, Leiter Aktien- und Obligationen-Research bei der Credit Suisse. «Klar wäre es attraktiv, gratis Schulden aufzunehmen, und es würde die Erfolgsrechnung entlasten. Aber wir sehen nicht, dass Kantone und Kommunen die aussergewöhnliche Lage strategisch ausnutzen würden, um gezielt Schulden zu machen beziehungsweise Überschüsse dank Negativzinsen zu erzielen.» Vielmehr spricht er von einem «netten Nebeneffekt».

Und ein weiterer Banker fügt an: Die Budgetdisziplin sei intakt und vielerorts wirkten die Schuldenbremsen disziplinierend. «Die öffentliche Hand nimmt nicht einfach fremdes Geld auf Vorrat.» Zumal der Finanzierungsbedarf im jetzigen Ertragsumfeld bescheiden sei, wo die Kantone dank sprudelnden Steuereinnahmen ihre Investitionen aus eigener Kraft stemmen können. So betrug der Selbstfinanzierungsgrad gemäss Fachgruppe für kantonale Finanzfragen im letzten Jahr über alle 26 Kantone gesehen stolze 137 Prozent. Budgetiert waren übrigens 64 Prozent.

Bescheidene Emmissionstätigkeit

Und auch fürs Budget 2019 malen Säckelmeister erneut schwarz: Mit prognostizierten 74,2 Prozent würden die Kantone nicht alle anstehenden Investitionen aus eigenen Steuer- und Gebühreneinnahmen decken können. «Dieses Vorsichtsprinzip der Finanzdirektoren soll wohl vor allem die Begehrlichkeiten der Politik zügeln», meint der Banker. Er macht zudem seit längerem eine «eher bescheidene Emissionstätigkeit» für öffentliche Anleihen aus.

Nicht zuletzt, weil viele Städte und Kantone über die Jahre aus dem Vorsichtsprinzip hohe Cash-Bestände hielten. «In Zeiten von Strafzinsen auf Überschussliquidität werden zunächst die betriebsnotwendigen Mittel reduziert, was den Kreditbedarf zusätzlich vermindert hat.» Doch auch bei einer allfälligen Fremdmittelaufnahme zeigen sich die Säckelmeister von ihrer konservativen Seite. Die öffentliche Hand setzt nämlich vermehrt auf sehr langfristige Finanzierungen. «Wir beobachten am Kapitalmarkt, dass die durchschnittliche Laufzeit in den letzten Jahren stark angestiegen ist», sagt CS-Kreditexperte Rupli. Nicht zuletzt institutionelle Anleger wie Versicherungen würden aufgrund ihrer Bilanzstruktur solche «Langläufer» gerne nachfragen.

Günstiger als Privatplatzierungen

Jüngst hat der Kanton Genf beispielsweise eine vierzigjährige Anleihe zu einem Nullzins-Coupon erfolgreich emittiert. Und auch die Stadt Lausanne muss 35 Jahre lang bloss einen Zins von 0,05 Prozent auf ihren Schulden am Kapitalmarkt entrichten. Andere öffentliche Körperschaften folgen dem Beispiel. «Aufgrund des hohen anstehenden Investitionsvolumens überlegen wir uns, ob wir zu gegebener Zeit auch einen solchen Langläufer platzieren wollen», sagt beispielsweise der Berner Finanzverwalter Schaffner. Auch seien Anleihen günstiger als Privatplatzierungen.

Zusätzlich zum attraktiven Zinsumfeld helfen neue, digitale Finanzierungsplattformen wie Loanboox oder Cosmofunding, den Zinsaufwand für Städte und Gemeinden zu reduzieren. Dies, indem sie kostengünstig den Finanzbedarf der Kommunen mit der Nachfrage institutioneller Anleger abgleichen. Die Plattformen hätten sich positiv bewährt, sagt Martin Pöhland von der Stadt Winterthur: «Wir können transparent einen grösseren Kreis von potenziellen Investoren adressieren. Dank der erhöhten Nachfrage sinkt der Zinsaufwand und zugleich können wir grössere Volumen finanzieren.» Auch die Stadt Bern schreibt alle kurzund langfristigen Finanzierungen zusätzlich zu den herkömmlichen Kanälen über die digitalen Vermittler aus.

Plattformen heizen Wettbewerb für Gemeinden an

Entsprechend florieren die Schuldnerbörsen. Allein über Loanboox wurden in den letzten drei Jahren Kredite im Umfang von 11 Milliarden Franken abgeschlossen. Das durchschnittliche Volumen pro Anfrage betrug 14 Millionen Franken. Auch die Zürcher Bank Vontobel hat mit Cosmofunding im Oktober 2018 eine Vermittlungsplattform lanciert, die bereits 1,1 Milliarden Franken platzieren konnte. «Die Emittenten kommen überwiegend aus den Segmenten Gemeinde, Kantone, Städte», sagt Sprecher Urs Fehr. Die Mehrheit der Deals verfügt über eine Laufzeit von bis zu einem Jahr und wurde zu negativen Zinssätzen abgeschlossen. Zugelassen seien nur institutionelle Investoren, welche mehrheitlich aus dem Bankenund Pensionskassensektor stammen.

Die öffentlichen Schulden sind jedenfalls heiss begehrt. «Es herrscht ein scharfer Wettbewerb zwischen institutionellen Anlegern (Pensionskassen, Versicherungen) und den Banken um die Schulden von Gemeinden, Städten und Kantonen», sagt HSLU-Forscher Lengwiler. Denn die Banken müssen bei der Nationalbank für Liquidität, die einen definierten Freibetrag übersteigt, 0,75 Prozent Negativzinsen bezahlen. Sie geben diese den institutionellen Anlegern weiter, denen für Überschussliquidität Negativzinsen belastet werden, die durchaus bis zu 1,25 Prozent erreichen können. Insofern sei es für Banken wie Institutionelle ein «lohnenswertes Geschäft», so Lengwiler, selbst wenn sie feste Vorschüsse oder Darlehen den öffentlichen Körperschaften zu Negativzinsen vergeben müssten. Der Anlagenotstand bei sicheren Assets beschert den Gemeinden also goldene Zeiten.

Digitalisierung – Wer die Digitalwelt kennt, fürchtet sie

Transformation Eine Umfrage der SNB zeigt: Die Schweizer Banker glauben an die Digitalisierung – bis sie tatsächlich kommt.

Die Nationalbank hat 34 Schweizer Banken, die rund 80 Prozent aller Aktiven halten, befragt. Der Rücklauf (100 Prozent) ist erstmal erfreulich, die Antworten sind es weniger. Denn in den Teppichetagen der Finanzhäuser herrscht Zukunftsangst.

Filetierte Wertschöpfungskette

Das am meisten genannte Basisszenario gilt nämlich einer «fragmentierten Bank». Danach werden die Kunden nicht mehr eine dauerhafte Beziehung mit einer Bank unterhalten, sondern sich von branchenfremden Mitbewerbern gleichermassen bedienen lassen. Knapp die Hälfte der befragten Finanzmanager erwarten dies. Sie befürchten, dass insbesondere Google, Facebook & Konsorten sowie Neobanken à la N26 oder Revolut ihre Wertschöpfungskette filetieren werden.

Nur gut ein Drittel der Bankleiter glaubt an eine «bessere Bank», die dank effizienteren Prozess gestählt aus der Digitalisierung hervorgehen wird. 

«Substantielle Lücke» in der Digitalisierung

Zwar beurteilen die Banker die Digitalisierung in ihrer abstrakten Form ungebrochen als positiv: Bei fast drei Vierteln der Befragten überwiegen die Chancen der Digitalisierung. Die euphorische Haltung könnte aber damit zusammenhängen, dass die eigentliche IT-Welle noch gar nicht über die Geldhäuser gebrochen ist.

Denn auch dies zeigt die Erhebung der SNB anschaulich: In Sachen Digitalisierung sind die Banken bislang vor allem Ankündigungs-Weltmeister. So konstatieren die Währungshüter, dass zwischen dem aktuellen und dem angestrebten Digitalisierungsgrad eine «substantielle Lücke» bestehe.

Bigtech als neue Konkurrenz

Die Umfrageergebnisse lassen vermuten: Digitalisierung wird erst als Bedrohung fürs eigene Geschäft erkannt, wenn man seinen eigenen Geschäftsprozess einigermassen digitalisiert hat.

So zählt der Zahlungsverkehr zu jenen Bereichen, in denen die hiesigen Banken bei der Transformation am weitesten fortgeschritten sind. Gleichzeitig ist der Zahlungsverkehr jener Bereich, wo die Geldinstitute am meisten mit Bigtech und Neobanken als neuer Konkurrenz rechnen. 

Mit anderen Worten: Digitalisierung finden die Banker solange fancy, bis sie tatsächlich eintritt. 
 

Goldman Sachs – Die Goldmänner kommen

Goldman Sachs Die US-Bank will in Europa die Vermögensverwaltung pushen. Die Schweiz spielt eine zentrale Rolle.

Die Kampfansage erfolgte vor laufenden Fernsehkameras. «Wir sehen Opportunitäten, unser Vermögensverwaltungsgeschäft in Europa erheblich auszubauen», sagte Stephen Scherr, Finanzchef von Goldman Sachs, im Sommer auf Bloomberg TV. Man habe in einem grossen und vielfältigen Markt derzeit einen tiefen, einstelligen Anteil. Im gleichen Atemzug wirft der Goldman-CFO die verbale Angelrute für Zukäufe aus. «Wenn es ein Asset gäbe, das unser europäisches Wealth-Management-Geschäft beschleunigen könnte, würden wir uns das sicher anschauen.»

Mit der Digitalisierung diversifizieren

Goldman Sachs, das war gemeinhin eine klassische Investmentbank: weltweit führend bei Fusionen, Übernahmen und Börsengängen. Nicht minder erfolgreich bei Handelsfinanzierungen, institutionellem Anlage- und Privatmarktgeschäft. Doch die «Goldies» diversifizieren massiv, spätestens seit David Solomon im Herbst das Amt des CEO übernommen hat. Solomon, der in seiner Freizeit als DJ auflegt, nutzt den Schwung der Digitalisierung, um sich neue Geschäftsfelder zu erschliessen, sei es bei der Vergabe von Retail-Hypotheken oder mit Online-Kleinsparern (siehe Box). Aber auch in der klassischen Vermögensverwaltung versucht die US-Grossbank, ihre Einkünfte zu verbreitern. Denn Wealth-Management verspricht relativ stabile Gebührenerträge bei geringem Kapitaleinsatz. Im Heimmarkt hat Goldman deswegen vor wenigen Monaten für 750 Millionen Dollar den Finanzberater United Capital geschluckt. Nebst den Schwervermögenden sollen über den Investmentmanager künftig auch «gewöhnliche» Multimillionäre von Goldman bedient werden.

Ganz anders schaut die Strategie auf dem alten Kontinent aus: Dort will Goldman Sachs verstärkt mit den Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI) ins Geschäft kommen, jenen Superreichen also, die mindestens 30 Millionen Dollar an investierbaren Vermögen haben.

Karriere als Derivate-Händler

Dabei gibt es im europäischen Wealth-Management-Markt viel Luft nach oben. Von den 7 Billionen Dollar an investierbaren Vermögen, welche Schwerreiche in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA) auf sich vereinen, verwaltete Goldman Sachs gerade mal etwa 70 Milliarden Dollar. Dies entspricht einem Marktanteil von etwa 1 Prozent. Zum Vergleich: Branchenprimus UBS verwaltete im Global-Wealth-Management per Ende 2018 rund 500 Milliarden Dollar in der EMEA-Region und 200 Milliarden in der Schweiz.

Diese Grössenverhältnisse zugunsten von Goldman Sachs zu verschieben – das ist die neue Aufgabe von Stefan Bollinger, der seit Frühjahr das Private-Wealth-Management für die EMEA-Region leitet. Bollinger, der im Londoner Trendquartier Notting Hill lebt, stammt ursprünglich aus Winterthur. Er startete seine Karriere als Derivate-Händler bei der ZKB und arbeitet seit 15 Jahren für Goldman Sachs. 2010 wurde er zum Partner ernannt.

Bollingers Devise: «Wir wollen unser Schweizer Vermögensgeschäft auf das nächste Level bringen.» Man habe die Ambition, hierzulande «über dem Markt» zu wachsen. Schliesslich ist die Schweiz der wichtigste globale Offshore-Vermögenshub und damit auch für Goldman Sachs in Europa zentral.

Goldman Sachs mit Privatmärkte-Anlage

Finanzmanager Bollinger will denn auch an beiden Standorten, Zürich und Genf, zulegen. In der Romandie soll die Zahl der «Goldie»-Banker in den nächsten drei Jahren von heute 5 auf bis zu 25 anwachsen. In Zürich, wo die US-Bank seit 1974 einen Ableger unterhält, arbeiten derzeit um die hundert Finanzleute. Auch hier ist hinter vorgehaltener Hand von einem «substanziellen Ausbau» die Rede, wobei die Vermögensverwaltung das personalintensivste Geschäft darstellt.

Zu verantworten hat dieses Dominique Wohnlich, der ab nächstem Monat das Wealth-Management für Goldman Sachs in der Schweiz leitet. Wohnlich, der bestens vernetzt ist in der UHNWI-Klientel, war zuvor Zürich-Chef bei Lombard Odier und brachte die Genfer in der Limmatstadt zurück auf die Landkarte. Nun gelten die Schwerreichen, weder in Genf noch in Zürich, als «underbanked».

Von der lokalen Konkurrenz unterscheiden

Doch Goldman-Partner Bollinger hat klare Vorstellungen, wie er sich von der lokalen Konkurrenz unterscheiden möchte: Zu den Dienstleistungen, die vermögende Kunden nachfragen würden, gehöre neben klassischer Vermögensverwaltung eben auch Investment-Banking. «Wir geben unseren Kunden beispielsweise Zugang zu Private-Markets-Anlagen, wo sie zusammen mit Goldman Sachs investieren können.» Genau da unterscheidet man sich oft gegenüber anderen Privatbanken.

Der erfahrene Banker weiss auch, dass über organisches Wachstum in gesättigten Märkten die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Man setze sich keinem Akquise-Druck aus, sondern wolle mit Bedacht wachsen, betont Bollinger. Aber: «Natürlich schauen wir uns in Europa und auch in der Schweiz Übernahmeziele an – das gehört zu jeder seriösen Wachstumsstrategie. Das können Assets, Teams oder Banken sein.» Da seien auch Opportunitäten darunter, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Man darf also gespannt sein, wen sich Goldman Sachs einverleibt.

Goldman Sachs – Von der Wall-Street- zur Main-Street-Bank

Online Die klassische Investmentbank Goldman Sachs drängt über digitale Kanäle ins Geschäft mit Retail- und Kleinkunden: mit der Online-Plattform Marcus – benannt nach dem Firmengründer –, die seit 2016 in den USA relativ hoch verzinste Sparkonten und Kleinkredite anbietet. Das digitale Angebot gibt es mittlerweile auch in Grossbritannien, wo innert acht Monaten über 250 000 Kunden rund 8 Milliarden Pfund an Sparguthaben einlegten. Weitere Länder sollen folgen, darunter auch Deutschland, wo der Start kürzlich verschoben wurde.

Hypotheken Seit 2015 bietet Goldman Sachs in den Niederlanden Retail-Hypotheken an. Damit tritt die US-Bank in Konkurrenz zu den lokalen Mitbewerbern. Die Hypothekendarlehen würden an zahlungskräftige Kunden vergeben, betont die Bank. Dementsprechend zahlen nach vier Jahren über 99,9 Prozent der gut 3000 Kreditnehmer ihre Raten pünktlich. Es sei nicht ausgeschlossen, dass man künftig in anderen europäischen Ländern vergleichbare Programme auflege, so eine Goldman-Sachs-Sprecherin. Die Schweiz war auch schon im Gespräch.

Wenn Google den Gastroführer ersetzt

Reisen Digital Es schallt von jedem Diskussionspanel, es flimmert auf jedem Schirm, Studien dazu füllen ganze Datenbanken: Die Digitalisierung krempelt unser Leben derzeit gehörig um. Aber so richtig bewusst nimmt man den fundamentalen Wandel sämtlicher Lebensbereiche im hektischen Alltag kaum einmal wahr.

Im Urlaub am Strand liegend aber schlägt die Stunde der Kontemplation: Und ja, selbst die Ferien sind heutzutage komplett durchdigitalisiert. Kein Vergleich zum persönlichen Nutzerverhalten von vor nur zehn Jahren.

Bei unseren kulinarischen Streifzügen leitete uns diesmal die «Crowd»

Damals verbrachten wir die Sommerferien in Rumänien: Ein Aktivurlaub in den Karpaten und Siebenbürgen. Zur Vorbereitung kaufte ich mir einen Reiseführer biblischen Ausmasses in der Buchhandlung meines Vertrauens. Schliesslich gingen wir ins lokale Reisebüro, liessen uns nach persönlicher Massgabe eine entsprechende Tour zusammenstellen inklusive Flug und Mietwagen.

Da mitten in der Hochsaison, war auch das Vorausbuchen der meisten Unterkünfte angezeigt. Die beschränkte Auswahl gab der bunt bebilderte Reisekatalog vor. Und kurz vorm Abflug liess ich mir dann noch bei meiner Hausbank ein grosses Bündel rumänischer Lei am Schalter aushändigen. Los ging der Trip in den Wilden Osten, den wir damals noch im automobilen Tandem erkundeten: Der eine steuerte den rumpligen Kleinwagen, die andere versuchte mittels Strassenkarte die Route zu antizipieren. Navigation auf Sichtweite mit prekärem Informationsgehalt. Das sind Tempi passati.

Diesen Sommer stand Südfrankreich auf dem Familienferien-Programm und bereits die Vorbereitung wurde befeuert durch Tech und Fintech. Statt Bankschalter, Buchhandlung und Reisebüro zu frequentieren, griff ich zu heimischem Laptop und Smartphone. Vom Sofa aus buchte ich die Unterkünfte entlang der Reiseroute auf Airbnb und Booking.

Und statt Bargeld zu horten, munitionierte ich per E-Banking-Überweisung mein Revolut-Konto in Euro auf, sodass ich spesen- und kommissionsfrei die Grande Nation mittels Plastikgeld bereisen konnte. Und selbst den Reiseführer meines Vertrauens lud ich mir diesmal als E-Paper-Ausgabe aufs Smartphone. Wischen statt Blättern inklusive.

Die digitalen Reisehelfer sind vor allem eines: verdammt praktisch

Überhaupt erwies sich das Handy als wohl wichtigstes Reiseaccessoire nebst Badehose und Sonnencreme. Denn was früher Bauchgefühl, Reiseführer und Strassenkarte waren, erledigt heute Google Maps samt Echtzeit-Staumelder.

Und nicht nur das: Bei unseren kulinarischen Streifzügen à la française leiteten uns diesmal nicht der schiere Hunger oder der Augenschein vor Ort. Nein, wir gaben uns ganz der Weisheit der «Crowd» hin. Die Messlatte lautet: Je mehr positive Bewertungen, desto besser. Und auch dies klappte hervorragend: Mountain View schlug Michelin sozusagen.

Die Beispiele mögen anekdotischer Natur sein, aber sie zeigen, wie stark sich in wenigen Jahren die User Experience gewandelt hat. Ob die Entwicklung nun gut oder schlecht ist, sei den Kulturpessimisten und Bedenkenträgern überlassen. Aus Sicht eines einfachen Ferienreisenden sind die digitalen Reisehelfer vor allem eines: verdammt praktisch.

Bank Cler – Zak und weg

Basler Kantonalbank Präsident Adrian Bult macht die Tochterfirma Cler zur reinen Vertriebsbank. Nun tritt die Geschäftsleitung um Sandra Lienhart geschlossen ab.

Es ist ein einmaliger Vorgang in der jüngeren Swiss-Banking-Geschichte, dass eine Geschäftsleitung in corpore das Handtuch wirft. So geschehen jüngst bei der Bank Cler, einer 100-Prozent-Tochter der Basler Kantonalbank BKB. Auf einen Schlag geben Cler-Chefin Sandra Lienhart, Finanz- und Risikochef René Saluz sowie Vertriebsleiter Peter Schnellmann ihre Kaderposten «auf eigenen Wunsch» per Mitte September ab, wie es in einer Mitteilung der Bank heisst.

Den Exodus der lang gedienten Cler-Manager provozierte der Mann an der Spitze des staatlichen Mutterhauses: Adrian Bult, seit Frühjahr 2017 Präsident des BKB-Bankrates. Der branchenfremde Bult gilt als treibende Kraft am Rheinknie, nachdem BKB-CEO Guy Lachappelle im letzten Jahr überraschend als Präsident zur Raiffeisen-Gruppe nach St. Gallen wechselte. Seither drücken der «professionelle Verwaltungsrat» Bult und seine Bankratsmitstreiter wie Domenico Scala (Ex-Fifa und Nobel Biocare) der Staatsbank ihren Stempel auf, samt umstrittenen Personalentscheiden. Bult will sich zum Cler-Exodus nicht äussern und verweist an die Pressestelle der Banktochter.

Massive Investitionen in die Digitalisierung

Erst vor gut zwei Jahren trat Sandra Lienhart als Cler-Chefin an. Die sportbegeisterte Winterthurerin amtete zuvor als langjährige Vertriebsleiterin der Bank Coop, die ihr Vorgänger Hanspeter Ackermann – ein ehemaliger Grossbanker – in opulenter Weise zu Cler umfirmieren lässt. Die Basler stecken in das nationale Rebranding eine zweistellige Millionensumme. Schliesslich will die Kantonalbank mit ihrer Tochter Cler aus dem Nordwestschweizer Gebietskorsett ausbrechen. Nicht zuletzt, um die massiven Investitionen in die Digitalisierung des Bankgeschäfts besser skalieren und damit rentabilisieren zu können.

Als schweizweiter Türöffner soll dabei eine App-Eigenentwicklung namens Zak dienen. Mit der modularen Vollsortimentsanwendung wollen sich die Nordwestschweizer zum nationalen Neobanken-Player aufschwingen. Zak wird im Frühjahr 2018 lanciert und zählt rund 18 000 User, davon 90 Prozent Neukunden. «Wir sind mit der Entwicklung zufrieden», sagt eine Cler-Sprecherin.

Der damalige BKB-Chef Lachappelle gab zur Lancierung allerdings eine ungleich ambitioniertere Order aus: Bis 2021 seien zusätzliche 200 000 Kunden «über alle digitalen Kanäle» (inklusive Zak) zu holen. Im Gegenzug zum sportlichen Ziel gewährte Lachappelle der Cler-Chefin Lienhard viele Freiheiten. «Die BKB lässt uns eigenständig arbeiten. Sie ist in Basel und wir sind national tätig», sagte sie in einem Interview mit «Finanz und Wirtschaft» nach dem Amtsantritt. Im selben Gespräch erteilt Lienhard auch einer Dekotierung der Bank Cler eine Abfuhr, obwohl die Kantonalbank schon damals über drei Viertel der Cler-Aktien hielt («Das ist im Moment kein Thema»).

Powerplay nach Lachappelle-Exit

Beide Aussagen Lienhards sollten sich als Fehlannahmen erweisen. So nehmen die Basler 2018 Cler von der Börse und die Banktochter stärker zur Brust. Ab Sommer geht es Schlag auf Schlag: Während BKB-Chef Guy Lachappelle mit Headhunter Guido Schilling zarte Bande fürs Raiffeisen-Präsidium knüpft, beschliesst der Bankrat um Präsident Bult, die Publikumsaktionäre von Cler auszukaufen. Als schliesslich im Frühherbst klar ist, dass Lachappelle seine Karriere in St. Gallen fortsetzen wird, setzt BKB-Präsident Bult zum Powerplay an. Er lässt die interimistisch ernannte BKB-CEO Simone Westerfeld zappeln. Die fachlich weitherum geschätzte Westerfeld, die unter Lachappelle bereits als Vize amtete, heuert schliesslich entnervt bei der UBS im Grosskundengeschäft an. Als neuen CEO wählt der Bankrat Ende Februar schliesslich Basil Heeb. Einen ehemaligen Wegelin/Notenstein-Privatbanker ohne Bezug zum Retailgeschäft und ohne Hausmacht.

Bis zu vierzig Jobs betroffen bei Bank Cler

Doch nicht nur im Mutterhaus an der Basler Schifflände setzt Präsident Bult, ein ehemaliger Swisscom-Manager, neue Akzente. Nach der Dekotierung, die im Frühjahr abgeschlossen ist, erfolgt der Durchgriff auf die Tochter Cler: Mit Lienhards Freiheiten ist es vorüber. Finanzen, Rechtsabteilung, Compliance, Human Resource, Asset Management, Informatik – sozusagen die inneren Organe der Bank – werden in die Mutter transplantiert. Cler bleibt Vertrieb, Marketing, das Kreditgeschäft und die Unternehmensentwicklung. Der Umbau in der Gruppe betrifft 150 Mitarbeitende. Bis zu vierzig Jobs könnten wegfallen.

Auch Lienhart und die Cler-Spitze drohten zum Strukturopfer zu werden: Aus dem Job als Vollbanken-CEO wäre eine Stelle als Vertriebschefin erwachsen. Lienhart und Co. zogen die Reissleine. Nun wird Mariateresa Vacalli neue Chefin dieser Rumpf-Cler. Wie BKB-Präsident Bult ist sie eine Ex-Managerin aus der Telekommunikation (Sunrise, UPC).