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Lonrho – Kap der guten Hoffnung

Lonrho Rainer-Marc Freys Afrika-Konzern kommt langsam auf Touren – dank einem Ex-DKSH-Manager.

Wer im Supermarkt in Simbabwe eine Tafel Lindt-Schoggi kauft, erwirbt unwissentlich ein Stück Lonrho. Zum Afrika-Konzern von Finanzinvestor Rainer-Marc Frey, Zementkönig Thomas Schmidheiny und BMW-Milliardärin Susanne Klatten gehört nämlich seit kurzem die Brands Consumer Group (BCG). Und jene BCG vertreibt im südlichen Afrika namhafte Konsumgüter von Herstellern wie Lindt, Beiersdorf, Ferrero oder Duracell vom eigenen Lager in Südafrika aus.

Namhafte Konsumgüter

«BCG soll für uns zum DKSH in Subsahara-Afrika werden», sagt Bruno Sidler. Der Schweizer Manager leitet seit Ende 2017 die operativen Geschicke von Lonrho und weiss, wovon er spricht. Schliesslich war Sidler bis vor gut drei Jahren operativer Leiter des Handelskonzerns DKSH, der seinerzeit die asiatischen Märkte aufgerollt hat.

Eigentlich wollte Sidler nach seiner Zeit beim Zürcher Handelshaus in Pension gehen. Doch der Lockruf des damaligen DKSH-Grossaktionärs Rainer-Marc Frey sowie private Gründe bewogen Sidler, sich mit Lonrho nochmals in ein afrikanisches Abenteuer zu stürzen und nach Johannesburg zu dislozieren. Schon als Chef des Basler Logistikers Panalpina konnte Sidler viel Erfahrung in der Region sammeln.

Lonrho war bisher Fass ohne Boden

Mit dem Engagement bei Lonrho sah sich der gestandene Manager einer Herkulesaufgabe gegenüber: Seit Frey und Schmidheiny Lonrho im Sommer 2013 für umgerechnet 270 Millionen Franken übernahmen, erwies sich das Afrika-Konglomerat als Fass ohne Boden. Diverse Dienstleister, eine Airline, Hotels, ein Ölhafen und vieles mehr – zu breit war Lonrho aufgestellt, zu schwer wogen jene Altlasten, die mit schöner Regelmässigkeit ans Licht kamen.

Gleichzeitig hatte der Afrika-Konzern ein Führungsvakuum: Zwar forderten die Eigner gerne ein, aber ein Machertyp, der die grossen Pläne auf dem Schwarzen Kontinent «hands-on» umsetzen würde, fehlte. Mit finanziellen Folgen: Lonrho verbrannte über die Jahre Hunderte Millionen Dollar. Für die erfolgsverwöhnten Milliardäre ein Ärgernis.

Britischer Wasserkopf bei Lonrho

Dabei entpuppte sich auch die Idee eines Konglomerats mit einer starken Zentrale im fernen London zunehmend als unpassend. «Die Geschäfte waren zu unterschiedlich, als dass man sie hätte zentralisiert führen und daraus Synergien gewinnen können», sagt Sidler. Der Ex-DKSH-Mann pochte deshalb darauf, den britischen Wasserkopf abzuschneiden und die Kompetenzen wieder zurück nach Afrika zu verlagern. Heute arbeiten für Lonrho im Londoner Office bloss noch zwei Leute, zuständig für Rechtsund Compliance-Fragen. Sidlers Mannschaft mit gegen tausend Mitarbeitenden steuert der Schweizer nun von Johannesburg aus, und zwar im Sinne einer Investment Holding mit grossen Freiheiten für die lokalen Geschäftsleiter: Die meisten seien selbst am Erfolg beteiligt. Dieses «skin in the game» sporne an und schaffe Verpflichtung, so Sidler.

«Fokus auf Food und Getränke»

Nebst dem organisatorischen Umbau führte dieser auch die strategische Neuausrichtung an: «Unser jetziger Fokus liegt klar auf der Herstellung und der Verteilung von Food und Getränken», sagt Sidler und verspricht ein gutes 2019, nachdem Lonrho im abgelaufenen Geschäftsjahr noch einen Verlust von 27 Millionen Dollar schrieb (siehe Box).

Zum angestrebten Break-even soll nicht nur die Übernahme von BCG diesen Herbst für rund 10 Millionen Dollar beitragen. Lonrho hatte sich schon 2018 an einem Softdrinkfabrikanten namens Big Bottling Company in Nigeria beteiligt. Der Süssgetränkproduzent füllt die Marke Big Cola ab, ein Konkurrenzprodukt zu Pepsi und Coca. Nigeria soll jedoch nur der afrikanische Probemarkt sein, Lonrho besitzt nämlich die Big-Cola-Rechte für den gesamten Kontinent.

Targets auf dem Papier

Entlang der Wertschöpfungskette von Food and Beverage will der Konzern vor allem in Süd- und Ostafrika expandieren. Dabei sind Akquisitionen kein leichtes Unterfangen, wie Sidler schildert: «Häufig sehen Übernahme-Targets auf dem Papier gut aus, doch bei näherem Sondieren kommen fragwürdige Machenschaften ans Tageslicht.» Für den Afrika-Manager sind nebst diesen Compliance-Mängeln vor allem die marode Infrastruktur sowie das gemächliche Businesstempo die grössten Hürden. «Wer mit unserer Zack-Zack-Mentalität unterwegs ist, kommt in Subsahara-Afrika auf die Welt.»

Und so ziehen sich die angestrebten Devestitionen hin. Zum «Legacy»-Geschäft gehört beispielsweise ein IT-Business namens Complete Enterprise Solutions. Oder der Tiefseehafen in Äquatorialguinea, der am zyklischen Ölgeschäft hängt und in einem schwierigen Umfeld operiert. Bis Lonrho zu Afrikas DKSH wird, ist also noch viel zu tun.

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Befreiungsschlag in Freetown

Diethelm Keller Die Schweizer Unternehmensgruppe will nach Bürgerkrieg und Ebola-Epidemie in Sierra Leone durchstarten.

Leidgeprüft ist die Bevölkerung Sierra Leones. Nach blutigem Bürgerkrieg in den 1990er Jahren grassierte ab 2014 Ebola im westafrikanischen Land und forderte über 4000 Todesopfer. Nun will Sierra Leone die Schreckensjahre hinter sich lassen, sowohl politisch wie wirtschaftlich. Kürzlich wählte das rohstoffreiche Land Parlament und Präsident neu. Die Wahl wurde technisch unterstützt von einem Waadtländer Blockchain-Startup namens Agora.

Nicht das einzige Schweizer Unternehmen, das auf Sierra Leone setzt. «Das Land erholt sich», sagt Angelo van Tol, der sich selbst als Afrika-Liebhaber bezeichnet, und Chef der Diethelm Keller Holding (DKH) ist. Das weitverzweigte Firmenkonglomerat mit so klingenden Marken wie Koenig, Zyliss, Globetrotter oder dem Reinigungskonzern Wetrok hat für die Afrikapläne eigens eine neue Gesellschaft namens DK Africa mit Sitz in Zürich und einem Aktienkapital von einer halben Million Franken gegründet. In DK Africa bringt Diethelm Keller die in Sierra Leone verbliebenen Assets ein. Neue Vermögenswerte sollen bald dazukommen.

Eigentlich ist DKH bereits seit Mitte der 1950er Jahre in der ehemaligen britischen Kolonie präsent. Damals über eine Gesellschaft namens Freetown Cold Storage Company. Ein Gemischtwaren-betrieb, der Eis produzierte, einen Supermarkt samt Metzgerei führte und die Coca-Cola-Franchise für Sierra Leone besass. Mit der firmeneigenen Abfüllanlage versorgte die Diethelm-Keller-Gruppe den westafrikanischen Kleinstaat mit der braunen Zuckerbrause aus Amerika bis Mitte der neunziger Jahre. «Vor dem Bürgerkrieg verkauften wir die Fabrik an den Lizenzgeber», sagt Holding-Chef van Tol.

So besitzt die Diethelm-Keller-Gruppe bis heute einen Strassenzug in der Hauptstadt Freetown samt Kino, Supermarkt und Läden sowie eine Wohnanlage mit 18 Häusern für Expats. Auf diesem Immobilienportfolio will van Tol mit DK Africa nun aufbauen: «Wir wollen auf dem Kontinent Schritt für Schritt wieder Tritt fassen. Erst einmal klein, aber profitabel wirtschaften.» Man sei deshalb daran, die Wohnsiedlung zu renovieren. Denn Mieten und Grundstückpreise in Sierra Leone seien «extrem hoch». Dies gilt übrigens auch für Dienstleistungen. «Wir fliegen eigens einen Zürcher Architekten ein, um die Kosten vor Ort im Griff zu halten», sagt van Tol, der nebst dem Immobilien-Portfolio auch wieder ins Geschäft mit Getränken einsteigen möchte.

Recycling in Ghana

Im Moment läuft die Sorgfaltsprüfung für die Akquisition einer lokalen Abfüllanlage. Über ein Joint Venture will DKH erneut lokale Softdrinks herstellen. Über die lokale Getränkeproduktion soll ein afrikaerprobter deutscher Brauerei-Manager wachen, der zuvor in Ruanda, Togo und Äthiopien in der Branche tätig war und nun das «Business Development Africa» für DKH leitet.

Nebst Abfüllfabrik und Expat-Siedlung plant van Tol den nächsten Expansionsschritt in Ghana, wo DKH in einen Kunststoff-Recycler investieren möchte, der aus Plastikflaschen neue Basismaterialien – unter anderem für die Automobilindustrie – herstellt.

Aktiv involviert in die neuen Afrika-Pläne ist George Keller, auch ein Mitglied der Eignerfamilie Keller. Deren Diethelm Keller Holding ist übrigens auch am Subsahara-Afrika-Konzern Lonhro um Financier Rainer-Marc Frey und Zementkönig Thomas Schmidheiny beteiligt. Das sei im Moment eine «stille Beteiligung», so van Tol.