Axpo – Zeitgeist für ein goldenes Ende

Klimawahl.ch Die Revolution verschlingt ihre eigenen Kinder. Diese bittere Erfahrung müssen gerade die klimabewegten Massen machen, die im Wahljahr von allen politischen Seiten zu Tode geherzt werden.

Zweiter Frühling für Axpo Atommeiler

Ob ökoabsente Gewerkschaften, grün gewaschene Liberale oder der staatliche Stromkonzern Axpo: Sie alle und viele mehr versuchen, aus der aufgeheizten Klimadebatte politisches Kapital zu schlagen. Im Falle der Axpo bedeutet dies, dass der Kantonskonzern seine angejahrten Atommeiler zu Klimakraftwerken umdeuten lässt. Auf die Midlife-Krise des Reaktors Beznau I, der sich auf Geheiss des Nuklearsicherheitsinspektorats eine Auszeit von drei Jahren nehmen musste, folgt nun ein zweiter Frühling für den Atommeiler, Jahrgang 1969. Gilt die Kernenergie doch gemäss Axpo-Doktrin als «Brückentechnologie», die der Umwelt zuliebe noch möglichst lange genutzt werden soll und beim Umsetzen der Energiestrategie 2050 hilft.

Wenig Ballast für Stilllegung und Entsorgung

Hinter der frohen Klimabotschaft aus Baden stehen handfeste ökonomische Interessen: Eine vorzeitige Abschaltung käme einem buchhalterischen Super-GAU mit Milliardenfolgen gleich. Jedes Jahr, in dem Beznau, Gösgen und Co. weiter produzieren, spült den Kantonseignern riesige Deckungsbeiträge in die Kassen. Wobei den Klimakraftwerken natürlich möglichst wenig Ballast für Stilllegung und Entsorgung aufgebürdet werden soll.

Es wäre ein Meisterstück kommunikativer Kampagnenarbeit, wenn es der Axpo gelänge, den Klimabewegten das goldene Ende der AKW als energiepolitische Grosstat zu verkaufen.

Axpo soll sich aufspalten

Stromkonzern Axpo Die Kantonseigner sollen die Gefahren von Auslandsaktivitäten und im Handel der Axpo vertieft prüfen. Dies fordern die Grünliberalen in mehreren Vorstössen.

Die Axpo dürfte in der Nordostschweiz bald für politische Spannungen sorgen. Die Grünliberalen reichen in den Kantonen Zürich, Schaffhausen, Thurgau, Glarus und Aargau parlamentarische Vorstösse ein, welche die «hohen Risiken» des Stromkonzerns ins Visier nehmen sollen, wie es in einem Postulat heisst, das der «Handelszeitung» vorliegt. Konkret bringt die GLP die Geschäfte der Axpo im Stromhandel und bei ihren Auslandsaktivitäten aufs politische Parkett. Die Kantonsregierungen seien aufgefordert, die damit verbundenen Risiken «vertieft zu prüfen» und zeitnah Bericht zu erstatten. Dabei führen die Grünliberalen ordnungspolitische, operative und betriebswirtschaftliche Gründe an. Die Rede ist von einer «Aufspaltung der Axpo Holding» in Produktionseinheit samt Netzen und eine «marktorientierte Einheit», die zu veräussern sei.

Wiederholte Kapitalerhöhungen bei Axpo Solutions

Ordnungspolitisch kritisiert die GLP die Tätigkeiten der Tochterfirma Solutions. Namentlich: den Eigenhandel mit Elektrizität, das Origination-Geschäft in Italien, Spanien, Osteuropa und den Vereinigten Staaten sowie die Entwicklung von Windparks im Ausland. Aus Sicht der GLP sind solche Geschäfte «keine Kernaufgaben eines Nordostschweizer Konkordats».

Betriebswirtschaftlich führt die Partei ins Feld, dass die Handelstochter Solutions in den letzten fünf Jahren kumuliert über eine Milliarde Franken Verlust geschrieben habe und erst im letzten Geschäftsjahr in die Gewinnzone zurückgekehrt sei. Trotz wiederholten Kapitalerhöhungen seit 2014 von insgesamt 1,4 Milliarden Franken und einem Verzicht auf Dividendenzahlungen an die Axpo-Mutter sei das Eigenkapital der Solutions seit 2013 nicht angestiegen. «Die Kapitalerhöhungen scheinen einfach ‹verpufft› zu sein», heisst es im GLP-Postulat.

Schlanke Axpo gefordert

Gleichzeitig sei die Bilanzsumme der Axpo Solutions «förmlich explodiert», von 6,7 auf 11 Milliarden Franken. «Dies bedeutet, dass primär die Schulden massiv zugenommen haben und die Risiken erhöht wurden», folgert die GLP und will wissen, ob «in Wirklichkeit im hochspekulativen und kapitalintensiven Handelsund Vertriebsgeschäft der Axpo in den vergangenen Jahren massiv Volksvermögen vernichtet wurde und (zu) grosse Risikopositionen aufgebaut werden». Bei der GLP ist man überzeugt, dass zwischen dem Handelsgeschäft und der Produktion «wenige Synergien» bestünden. Die Vermarktung der Axpo-Energie könne «über Ausschreibung» erfolgen. Die Rede ist von einer schlanken «Produktions- und Netzaxpo» ohne Ausland und Handel.

Axpo betont, dass die beiden Bereiche seit Jahren das zweite wichtige Standbein seien, das substanzielle Ergebnisbeiträge liefere: «Eine einseitige Fokussierung auf das strompreisabhängige Geschäft wäre gefährlich.» Für die Aktionäre wäre zudem eine Abspaltung des Handelsgeschäfts mit einem Wertverlust in dreistelliger Millionenhöhe verbunden. Auch das Auslandsgeschäft trage wesentlich zur soliden Bilanz bei. Überdies sei das Risikomanagement eine der Kernkompetenzen der Axpo».