Credit Suisse – Khan-Affäre hinterlässt Spuren

Credit Suisse Es war der erste Zahlenkranz von CS-Chef Tidjane Thiam nach der blamablen Spionageaffäre um seinen ehemaligen Vermögensverwaltungsleiter Iqbal Khan. Und was der ivorische Grossbanker im dritten Quartal an Finanzkennzahlen zu präsentiert hatte, ist durchzogen. So offen bis heute ist, wer in der Khan-Affäre wirklich Täter und wer Opfer war, so uneindeutig fällt auch die Bewertung aus, wie sich das zweitgrösste Schweizer Finanzhaus in den letzten Monaten geschäftlich geschlagen hat.

Missglückte Überwachtung

Thiams Mantra an der Quartalspräsentation jedenfalls, wonach der Spionagekrimi vom Paradeplatz keinen Einfluss hatte, wird bereits durch die bankeigene Powerpoint-Präsentation auf Seite 46 in Zweifel gezogen. Dort ist zu lesen, dass im Schweizer Universalbankengeschäft mit Privatkunden zwischen Juli und September 600 Millionen Franken abflossen. Wohlgemerkt: Die Affäre Khan eskalierte erst am 20. September mit dem Bekanntwerden der missglückten Überwachung. Weitere böse Überraschungen sind also nicht ausgeschlossen.

Die Spionagepanne dürfte der Grund dafür sein, dass Schweiz-Chef Thomas Gottstein kürzlich in der Zürcher «Kronenhalle» die Contenance verlor und Khans Spin-Doctor zusammenstauchte. Auch sonst hat der CS-Schweiz-Banker wenig zu lachen: Das Zinsgeschäft ist unter Druck, die Nettomarge leicht rückläufig – und rechnet man den Einmaleffekt durch den Verkauf der Fondsplattform Investlab raus, dann geht auch der Vorsteuergewinn mit Schweizer Firmenkunden und institutionellen Anlegern etwas zurück.

Erfolgreiche Vermögensverwaltung

Besser als in der Heimat läuft es der Credit Suisse international mit vermögenden Privatkunden. Auch ohne Investlab-Boost stimmen die Zahlen: mehr Neugeld, bessere Nettomargen und steigende Vorsteuergewinne. Die Bank zeigt hier seit mehreren Quartalen einen Aufwärtstrend im Private Banking, das agiler und aggressiver wirkt als jenes der Konkurrentin UBS. Wie «sticky» die Anlagegelder sind, wenn die Börsenparty einmal vorbei ist, wird sich allerdings erst weisen müssen. Dennoch: Es ist das Verdienst von Thiam, Khan und Co., aus der CS in Wachstumsmärkten wie Asien einen respektablen Vermögensverwalter geformt zu haben.

Credit Suisse und die risikoreiche Investment Bank

Die CS ist aber auch die grösste nicht amerikanische Investment Bank. Und nach goldenen Jahren manifestiert sich hier erneut ein Strukturproblem: Das Kapitalmarktgeschäft ist ein volatiles People’s Business. Stockt die Pipeline oder verliert man gewichtige Pitches, dann bleibt die Bank auf einem gigantischen Kostenblock an teuren Investmentbankern sitzen. Die zentrale Frage für die CS-Führung muss deshalb lauten: Ist die Investment-Banking-Wette das Risiko wert?

CS-Affäre um Iqbal Khan – Söldnertum ruiniert die Banken

Iqbal Khan Was genau sich zwischen den Privatermittlern, welche die Credit Suisse angeheuert hat, und Iqbal Khan in der Zürcher Altstadt zugetragen hat, bleibt im Dunkeln. Spindoktoren auf beiden Seiten servieren jeweils ihr brandheisses Süppchen. Cum grano salis, gilt es da zu mahnen.

Viel bedeutsamer als die Finessen zur Finanzschmonzette am Paradeplatz ist der Umstand, dass ein Bankkonzern den abgetretenen Chef der internationalen Vermögensverwaltung beschatten lässt. Und zwar in der vollen Absicht, herauszufinden, ob Khan seine ehemaligen CS-Gefährten angeht, um sie zur UBS – seiner neuen Arbeitgeberin – zu lotsen.

Die grosse Macht der Kundenberater

Solche Menschenfängerei zu unterstellen, offenbart eine strukturelle Misere. Es ist den Finanzhäusern bis heute nicht gelungen, die schicksalhafte Beziehung zwischen vermögenden Kunden und deren persönlichen Beratern aufzubrechen. Die erfolgreichsten «Relationship Manager» in den grossen Geldhäusern vereinen bis zu 1 Milliarde Franken an Kundengeldern auf sich. 

Der überzogene Personenkult um «Starbanker» Iqbal Khan

Solche gewichtigen Portfolios zu verwalten, verleihen den Kundenberatern eine grosse Macht in der Organisation. Entsprechend achten diese Grossverwalter peinlichst genau darauf, dass sie stets die alleinige Hoheit über die Kundenpflege haben. Dieses People’s business auf Testosteron erinnert an die Exzesse im Spitzensport: ein überzogener Personenkult, mit absurd hohen Vergütungen gepaart, welche weiterhin nur kurzfristiges Denken belohnen.

Wer wie mit dem Staubsauger Abermillionen an Kundengeldern hereinholt, steigt rasch zum Starbanker in der Organisation auf. Ob der Kunde über längere Frist hält, was er verspricht, und ob die gehebelten Assets die nächste Börsenbaisse überstehen werden, ist dabei sekundär. Bis zur Probe aufs Exempel hat der bonusbelohnte Banking-Söldner nämlich längst beim nächsten Finanzhaus angeheuert.

Swiss Banking als Schmierentheater

Diese strukturellen Probleme sind sattsam bekannt: McKinsey konstatiert in ihrer jüngst veröffentlichten Studie zum lamentablen Zustand der europäischen Wealth-Manager-Industrie: «Das Servicemodell ist weitgehend unverändert geblieben. Anstatt institutionelle Fähigkeiten und Prozesse aufzubauen, verlässt man sich übermässig auf die Fähigkeiten der jeweiligen Privatbanker.»

Darin offenbart sich der Zielkonflikt zwischen den Interessen des Bankers und jenen der Bank. Für die Organisation wäre es längst angezeigt, Starkult und Söldnertum zu Grabe zu tragen. Und stattdessen den Kundenkontakt neu zu gestalten: offener, durchlässiger, transparenter und digitaler – und damit wohl auch kosteneffektiver. Doch läuft genau ein solch modernes Relationship Management den Partikularinteressen der Spitzenbanker zuwider, die an Starkult und Söldnertum fürstlich verdienen.

Die Frage ist, wie lange sich Swiss Banking dieses Schmierentheater noch leisten kann angesichts Margendruck und Gewinnrückgang.

Open Banking – Schweizer Kunden werden diskriminiert

PSD2 UBS, CS & Co öffnen in der EU den Zugriff auf Kontodaten. Doch Schweizer Privatkunden können davon nicht profitieren.

Das Foto zeigt eine Fluggastbrücke. Auf der Seite prangt das Logo der UBS. Die Bildsprache suggeriert: Bei uns lässt sich prima andocken. Die Aufnahme stammt von einem Entwicklerportal der Schweizer Grossbank. Es stellt alle nötigen Informationen dazu bereit, wie Drittanbieter in der EU auf Kontoinformationen europäischer UBS- Kunden zugreifen können.

Vorausgesetzt natürlich, die Bankkunden erlauben dies. Denkbar sind damit Services wie Finanzcockpits, mit denen Kunden auf einen Blick alle Konti bei verschiedenen Instituten in Echtzeit überwachen können. Auch automatisierte Zahlungs­vorgänge im Kundenauftrag sind dann möglich.

Alle Banken sind verpflichtet

Solche Open-Banking-Dienste können Drittanbieter wie Fintechs nur bieten, wenn sie offene, standardisierte Schnittstellen zu kontoführenden Banken haben. Im Rahmen der zweiten Zahlungsdienstrichtlinie (PSD2) sind ab September alle in der EU tätigen Banken verpflichtet, solche Schnittstellen diskriminierungsfrei anzubieten. Mit dabei sind zahlreiche Schweizer Banken mit Geschäft in der Europäischen Union wie UBS, Credit Suisse oder Julius Bär. Aufgrund der zwingenden EU-Regulierung sind die Schweizer Institute in Europa fit fürs Open Banking. Auf dem Heimmarkt ist von der neuen Offenheit, zumindest für Privatkunden, jedoch wenig zu spüren: «Ein regulatorischer Zwang wäre ein un­nötiger Eingriff in den funktionierenden Markt und würde zu einer Wett­be­werbs­verzerrung zu Ungunsten der Banken führen», lautet die Haltung der Bankiervereinigung.

Bei der Credit Suisse betont man, dass im Firmenkunden-Bereich die Schnitt­stellen geöffnet seien, die Bank Partnerschaften mit Fintechs laufend ausbaue und dass man ein «Corporate Ecosystem» anstrebe. «Im Bereich Privatkunden sammeln wir derzeit erste Erfahrungen im europäischen Raum und evaluieren Anwendungsmöglichkeiten für unsere Kunden in der Schweiz», so die CS.

Zugriff nur auf Geschäftskonti

Auch Konkurrentin UBS fokussiert in der Schweiz bisher ausschliesslich auf Geschäftskunden: Man biete bereits heute sichere Schnittstellen, dort wo Kundenbedürfnisse bestünden. «Einen klaren Kundennutzen stiften dabei auch mo­derne Softwarelösungen für KMU- und Unternehmenskunden», so die UBS. Des Weiteren gebe man externen Vermögensverwaltern schon heute Zugriff auf die Konti der jeweiligen Privatbank-Kunden. Da prüfe man einen weiteren Ausbau des Angebots.

Das Daten-Reduit der Banken hierzulande hat Konsequenzen: Fintechs wie Qontis und Contovista mussten ihr Ge­schäfts­modell umbauen. Denn die Voraussetzungen für Finanzcockpits für Privatkunden, sogenannte Personal ­Finance Manager, sind nicht gegeben. So fehlen Standards wie in der EU, was die Anbindung einzelner Finanzinstitute zur kostspieligen Sisyphusarbeit macht.

Zumal einzelne Institute beim Anbindungsversuch mit Klagen drohten. «Die grosse Angst war, dass mit einem Finanz­cockpit dereinst auch ein Performance-Check in der Vermögensverwaltung möglich würde», erinnert sich ein Involvierter. Solche Transparenz scheuen gewisse Geldverwalter bis heute: Die «Handelszeitung» kennt ein Schweizer Fintech, das bei der UBS für offene Schnittstellen anklopfte, welche die Grossbank nun europäischen Drittanbietern gewähren muss. Die UBS blieb dem Startup eine Antwort schuldig.

Zeit zum Experimentieren im Open Banking

Noch herrsche gerade bei den grösseren Banken die Vorstellung, dass die Kunden alles bei einem Institut zu tätigen hätten, sagt Richard Dratva vom Banking-Entwickler Crealogix: «Open Banking ist aber keine Einbahnstrasse. Statt alles selber machen zu wollen, könnten Banken aktiv dieses Ökosystem orchestrieren und da­raus neue Geschäftsmodelle entwickeln.» Gerade für die Schweizer Banken böten sich jetzt gute Chancen, so Dratva: «Weil die hiesigen Player nicht PSD2-reguliert sind, besteht noch kein unmittelbarer Anpassungsdruck und somit Zeit zum Experimentieren und Positionieren.»

Als nächster Meilenstein hierzulande gilt die vom Infrastrukturbetreiber SIX Group angeführte Corporate API, die auf Initiative von Credit Suisse, Raiffeisen, UBS, Valiant und ZKB zustande kam. Es handelt sich dabei um eine zentrale Schnittstellen-Infrastruktur, die Banken, Drittanbieter und Geschäftskunden kurzschliessen soll. Der Start des Schweizer Schnittstellen-­Hubs soll demnächst erfolgen.

Credit Suisse – Bundesanwalt hilft Mosambik

Tuna Bonds Die Schweizer Strafverfolger leisten Rechtshilfe im Verfahren um Milliardenkredite der Credit Suisse.

Anfang März hat Mosambik die Schweizer Grossbank Credit Suisse in London vor dem High Court verklagt. Es geht um Darlehen und Staatsgarantien in der Höhe von 1,2 Milliarden Dollar für Militärboote, Werften und eine Thunfischflotte. Jene Kredite waren hinter dem Rücken des Internationalen Währungsfonds (IWF) geschnürt worden und wurden zweckentfremdet, worauf der IWF dem ostafrikanischen Land den Geldhahn zudrehte. Zudem sollen drei ehemalige Banker der Credit Suisse und weitere Involvierte gemäss Anklage der US-Justiz rund 200 Millionen Dollar für sich abgezweigt haben.

Kreditvergabe lief über London

Das Verfahren um die Milliardenkredite in Mosambik treibt auch die Schweizer Behörden um. «Die Bundesanwaltschaft steht in Kontakt mit den zuständigen Behörden aus Mosambik, welche die BA im Januar 2018 um Rechtshilfe ersucht haben. Dieses Rechtshilfeersuchen wird gegenwärtig durch die BA vollzogen», sagt eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft und fügt an, dass sich aus dem Rechtshilfeersuchen aus Mosambik gegenwärtig kein hinreichender Tatverdacht ergebe. «Die BA führt zurzeit kein nationales Strafverfahren.» Allerdings sind nicht nur die Ermittler des Bundes im Mosambik-Fall der Credit Suisse aktiv. Auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) unterstützt ihre britischen Kollegen von der Financial Conduct Authority in den Ermittlungen. Denn die Kreditvergabe lief über die Londoner Investmentbank der CS. Man begleite den Fall, sagte Finma-Chef Mark Branson jüngst vor den Medien. Die Finma sehe sich an, ob auf Gruppenebene der Credit Suisse «alles richtig gemacht» worden sei.

Derweil setzt sich der involvierte Schiffsbauer Privinvest vor einem Schweizer Schiedsgericht gegen die staatlichen mosambikanischen Auftraggeber zur Wehr. Privinvest fordert mindestens 200 Millionen Dollar Schadenersatz wegen Vertragsbruch. Zuvor hatte die US-Justiz einen Privinvest-Verkäufer in New York in Untersuchungshaft genommen.

Der Squeeze-out-Plan bei Alpiq

Stromkonzern Financier Martin Ebner fordert mehr Geld für die Publikumsaktionäre der Alpiq. Doch der zwangsweise Ausschluss der Minderheitseigner ist schon ausgeheckt.

Hoch über dem Zürichsee thront Martin Ebners BZ Bank. Doch der Financier und seine Fondskunden mussten in den vergangenen Jahren untendurch. Ihre Aktienwette auf Alpiq entpuppte sich als Verlustgeschäft. Im Berichtsjahr 2010 bestand der BZ Infra Fund zu über einem Viertel aus Papieren des Lausanner Stromkonzerns. Damaliger Jahresendkurs: 360 Franken. Heute wird das Papier für gut einen Fünftel des Werts gehandelt.

Zu wenig für einen Erfolgsinvestor wie Ebner. Sein 3-Prozent-Paket an Alpiq, das er seit 2015 besass, hat der Financier bereits im letzten Frühjahr abgebaut und so die privaten Verluste begrenzt. Aber Ebner kämpft weiter für seine Kunden und Investoren. In der «Sonntagszeitung» liess er verlauten: «Ein Kurs von 140 Franken wäre eigentlich dem Wert entsprechend und damit auch eine Entschädigung der Aktionäre in derselben Höhe angemessen.»

Über den Tisch gezogen

Ebners Preisforderung ist dem Exit der EDF geschuldet. Der französische Stromriese hat jüngst für 70 Franken pro Aktie seinen Alpiq-Anteil verkauft. Ein Preis, der für Minderheitsvertreter Ebner nicht infrage kommt: «Wenn es tatsächlich so ist, dass man den Publikumsaktionären nur 70 Franken zahlen will, dann werden die über den Tisch gezogen.» Was Ebner moniert, genügte dem französischen Ankeraktionär: Die EDF veräusserte ihren 25-Prozent-Anteil für 500 Millionen Franken an den Infrastrukturfonds der Credit Suisse, der mit Schweizer Pensionskassengeldern geäufnet ist. Der CS-Fonds kontrolliert nun zusammen mit einer West- und einer Deutschschweizer Konsortialgruppe den Stromkonzern zu 88 Prozent. Die restlichen 12 Prozent werden frei gehandelt. Doch mit der neuen Eigentümerstruktur soll Alpiq auch von der Börse genommen werden.

Die Dekotierungspläne dürften Ebner und Co. gar nicht goutieren. Denn der Stromkonzern hat in seinen Statuten ein Opting-out stipuliert. Die Mehrheitseigner sind demnach nicht zu einem öffentlichen Kaufangebot verpflichtet. Es gilt auch keine Mindestpreisregel. Mit anderen Worten: Die neuen Herrscher über den Hydrokonzern könnten Alpiq von der Börse nehmen und so weitermachen wie bisher. Die Publikumsaktionäre hätten fortan illiquide, nichtkotierte Titel im Portfolio. Oder aber die neuen Eigner werden ihre Publikumsaktionäre über einen Squeeze-out ganz los. Und das ist genau der Plan, wie die «Handelszeitung» erfahren hat.

Das Drehbuch zu einem solchen zwangsweisen Ausschluss steht. Die Schlüsselrolle kommt dabei einer Hybridanleihe über 367 Millionen Franken zu, welche die Deutsch- und Westschweizer Ankeraktionäre der Alpiq 2013 zeichneten, nachdem eine Kapitalerhöhung am Widerstand der EDF gescheitert war.

Hybridanleihe der Alpiq mit Schlüsselrolle

Nun soll jene Hybridanleihe an die Ankeraktionäre nicht bar zurückbezahlt werden, sondern in Form neuer Aktien. Der dazu nötige Entscheid des Alpiq-Verwaltungsrats gilt als Formsache. Indem die Mehrheitseigner frische Alpiq-Titel erhalten, erhöht sich deren Anteil am Stromkonzern entsprechend. Nimmt man den Verkaufspreis von 70 Franken pro Aktie als Massstab, kämen die Konsortialaktionäre – bestehend aus der Westschweizer EOS, dem CS-Anlagefonds und der Deutschschweizer Gruppe um Primeo Energie – nach Wandlung der Hybridanleihe auf einen Anteil von 89,8 Prozent.

Das ist knapp unter der magischen Schwelle von 90 Prozent. Denn ab diesem Anteilswert ist ein fusionsrechtlicher Squeeze-out möglich. Die Konsortialaktionäre könnten dann die verbleibenden Minderheitseigner zwangsweise aus der Gesellschaft ausschliessen. Den Publikumsaktionären bliebe eine Barabfindung, wahrscheinlich in der Höhe des von der EDF erzielten Verkaufspreises von 70 Franken. Dominik Bollier, Managing Partner beim CS-Infrastrukturfonds, betont: «Wir wollen die Publikumsaktionäre fair behandeln.» Was nichts anderes bedeutet als gleich wie die EDF. Einen Aufschlag wird es nicht geben.

Kriegskasse der Pensionskassen

Nun sind 89,8 Prozent keine 90 Prozent. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Konsortialaktionäre die Squeeze-out-Schwelle erreichen, ist hoch. Denn im Streuaktionariat befinden sich zahlreiche ausländische Assetmanager wie Vanguard, Odey oder Charles Schwab. Solche Institutionellen dürfen gemäss ihren Anlagekriterien häufig keine nichtkotierten Titel halten. Geht Alpiq von der Börse, müssen sie verkaufen. Und das spielt den Konsortialaktionären in die Hände. Noch diskutieren EOS, Primeo und der CS-Energie-Fonds, wer den Squeeze-out letztlich finanziert. Der Wert des Free Float entspricht beim aktuellen Kurs etwa 240 Millionen Franken. Der CS- Fonds könnte den Betrag locker aus Finanzzusagen seiner 135 Pensionskassen stemmen. Nach dem Kauf des EDF-Pakets sind noch 250 Millionen Franken in der Kriegskasse übrig.

Es droht ein kalter Entzug

Verbriefte Kredite Die Zahlen machen schwindelig. Alleine in den USA sind hochgehebelte Unternehmenskredite, sogenannte Leveraged Loans, in der Grössenordnung von etwa 1 Billion Dollar ausstehend. Es handelt sich um Darlehen auf Ramschniveau. Oder etwas sophistizierter ausgedrückt: Non-Investment-Grade-Kredite. An sich ist dies noch kein Grund zur Sorge, denn den Dienst am eigenen Schuldenberg kann eine Firma locker bestreiten, solange die Wirtschaft brummt, die Gläubiger vor Optimismus strotzen und an den Finanzmärkten Champagnerlaune herrscht.

Wurstfabrik läuft wieder auf Hochtouren

Inzwischen aber hat die Sorglosigkeit, zumindest in den Vereinigten Staaten, überhandgenommen. Im Mutterland des Finanzcasinos filetiert die Wall Street in bester Subprime-Tradition Ramschkredite zu sogenannten Collateralized Loan Obligations (CLO) und verkauft die Kredittranchen an Investoren, die nach langen Tiefzins-Jahren um jedes Prozent Überrendite buhlen und dabei alle Vorsicht fahren lassen. Strenge Kreditklauseln für schlechte Schuldner sind ebenso passé wie die regulatorische Pflicht der Emittenten, einen Mindestanteil selbst zu zeichnen, was der «Nach mir die Sintflut»-Mentalität natürlich Vorschub leistet. Oder um es mit dem Bonmot von Ex-Bankier Konrad Hummler zu sagen: Die Wurstfabrik läuft auf Hochtouren. Und was für Zutaten im Brät sind, ist egal. Die Lebensmittelaufsicht soll besser nicht zu genau hinschauen.

Was hat uns 2008 gelehrt? Dass die nächste Krise bestimmt kommt. Nach der langen Party mit billigem Geld droht diesmal ein kalter Entzug.

Wurst of Wall Street

Verbriefte Kredite Das Geschäft mit Collateralized Loan Obligations boomt. Der Risikoappetit wächst, die Risiken selbst ebenfalls. Beim Verbriefen hochgehebelter Firmenkredite ist die Credit Suisse ganz vorn dabei.

Den ersten Deal des Jahres hatten die Assetmanager der Credit Suisse schon Ende Januar in der Tasche: «Cadogan Square CLO XIII DAC» lautet der sperrige Name des 400 Millionen Euro schweren Finanzvehikels, dessen Darlehensportfolio die Grossbank geschnürt hat. Beim «Cadogan Square» handelt es sich um ein strukturiertes Kreditprodukt, um eine sogenannte Collateralized Loan Obligation CLO.

Dazu trägt das vierzigköpfige CLO-Team der CS in London mannigfaltige Unternehmenskredite zusammen, bündelt sie und strukturiert das Darlehensbündel nach Risikoklassen. So portioniert begibt die Bank die Kredittranchen anschliessend als CLO an professionelle Investoren wie Pensionskassen, Investmentfunds oder Family Offices. Je nach Risikoappetit winken relativ hohe Renditen. Im Beispiel des «Cadogan Square» hat der prognostizierte Coupon einen Zinsaufschlag von bis zu 7,9 Prozent auf dem Referenzsatz für Termingeld (Euribor). Noch mehr Rendite versprechen jene knapp 37 Millionen Euro an nachrangigen Darlehen. Solche hochspekulativen Tranchen können bei den CLO über die gesamte Laufzeit bis zu 20 Prozent Jahresrendite abwerfen.

Volumen seit 2008 stark gestiegen

Angesichts solch potenzieller Profite verwundert es nicht, dass Family Offices, Pensionskassen und andere Institutionelle sich um die Kreditbündel reissen. Das Emissionsvolumen an CLO ist seit der Finanzkrise 2008 wieder stark angestiegen. Haupttreiber hierfür ist das Tiefzinsumfeld, das trotz schrittweiser Anhebung der Leitzinsen in den USA das Vorkrisenniveau nicht wieder erreicht hat. Ganz zu schweigen von der Situation in Europa, wo die Zentralbanken die Leitzinsen bei null halten oder gar in den negativen Bereich drücken.

Der strukturelle Renditenotstand auf relativ sicheren Anlageklassen wie Staatsanleihen hält also an und vergrössert zwangsläufig den Risikoappetit der Investoren. Gleichzeitig verleitet die Zentralbankenpolitik des billigen Geldes Unternehmen zum Schuldenmachen. Gemäss Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) haben sich die Volumen gehebelter Unternehmenskredite und hochverzinslicher Anleihen seit 2008 mehr als verdoppelt.

Dabei erfreuen sich vor allem Kredite bereits stark verschuldeter Unternehmen in den vergangenen Jahren grosser Nachfrage. In den USA sind mittlerweile 1 Billion Dollar an «leverage loans» ausstehend. Diese haben im Gegensatz zu hochverzinslichen Anleihen keinen fixen Zinscoupon, sondern eine Risikoprämie auf Interbankensätze wie den Libor. Selbst wenn die US-Notenbank oder die EZB an der Zinsschraube drehen sollte, bleibt aus Sicht der Investoren die Renditedifferenz erhalten.

Möglicher Kreditausfall

Allerdings hat sich die Überrendite auf Unternehmenskredite in den USA seit 2010 praktisch halbiert. Oder anders ausgedrückt: Für Schuldner mit schlechter Bonität ist es billiger geworden, sich weiter zu verschulden. Gleichzeitig werden die Gläubiger nachlässiger, wenn es darum geht, ihr Kapital vor einem möglichen Kreditausfall zu schützen. So hat der Anteil von «covenant-lite»-Krediten den höchsten Wert seit der Finanzkrise erreicht. Das sind Darlehen ohne Kreditklauseln und Solvenz-Checks, die einen kompletten Zahlungsausfall verhindern sollen.

Der beschriebene Boom bei «leverage loans» ist, nebst dem billigen Zentralbanken-Geld, auch auf die Verbriefung der Kredite zurückzuführen. «Die darlehensgebenden Banken finden es einfacher, diese Kredite zu verbriefen und zu verkaufen», schreibt BIZ-Ökonom Tirupam Goel. Vor der Finanzkrise hielten die Banken nämlich einen Grossteil der verbrieften Kredite in eigenen ausserbilanziellen Special Purpose Vehicles, deren Hochrisikopositionen erst beim Crash von Herbst 2008 ruchbar wurden. Heute dagegen reichen die Bankhäuser ihre Kredite über strukturierte Collateralized Loan Obligations an Finanzinvestoren weiter. Da wichtige Käufer von CLO Investmentfonds sind, könnte es im Falle einer Kreditkrise zu Notverkäufen der Fonds kommen, wodurch die Preise weiter unter Druck kämen. «Diese Dynamik kann sich nicht nur auf Investoren, die diese Kredite halten, auswirken, sondern auch auf die gesamte Wirtschaft», schreibt Ökonom Goel.

Gehacktes aus Filets und Abfall

Dabei spielt die Verbriefung eine zentrale Rolle, indem sie das Risiko zwar grossflächig streut, aber im Falle einer Krise auch das Misstrauen unter den Marktteilnehmern grösstmöglich schürt. Ex-Bankier Konrad Hummler prägte dabei das Bild der Wurstfabrik: «Während früher reale Einzelstücke – Hypotheken oder Geschäftskredite als Filets oder Haxen sozusagen – integral platziert wurden, wurden diese schönen Stücke mit der Zeit immer mehr zerhackt, vermengt, gewürzt und verpackt.» Mit einer CLO-Cervelat, um bei Hummlers Metapher zu bleiben, schwindet bei den Emittenten nämlich das Verantwortungsgefühl für deren Zutaten. Die Kreditrisiken tragen ja nun diverse Dritte.Post-

Subprime-Regel aufgehoben

Um diesem «Nach mir die Sintflut»- Phänomen zu begegnen, haben die Aufsichtsbehörden nach der Subprime-Krise einen Risikoeinbehalt eingeführt, der seit 2010 in der EU gilt und seit 2016 in den USA. Demzufolge müssen CLOEmittenten jeweils 5 Prozent ihres Kreditvehikels selber zeichnen. Die Idee dahinter ist, dass auch der Herausgeber des verbrieften Kredits seine eigene Haut mit im Spiel hat. Doch gerade diese «Skin in the game»-Regel wurde in den USA im letzten Frühjahr durch einen Gerichtsbeschluss für nichtig erklärt. Damit sinken kapitalseitig die Eintrittshürden für neue Marktteilnehmer. Gleichzeitig haben sich bisherige CLO-Emittenten daran gemacht, ihre Zwangsanteile zu veräussern. Zu den Verkäufern der «risk retention»-Anteile gehörte gemäss Bloomberg auch die CS.

Angemessenes Risikoprofil

Die Grossbank ist seit langem im CLO-Markt aktiv und in den USA einer der grössten Marktteilnehmer (siehe Tabelle). Zum einen mit der Investment Bank als Emittent. Zum anderen im Assetmanagement beim Verwalten der Kreditportfolios. Die CS betont, man habe das CLO-Geschäft über verschiedene Kreditzyklen hinweg erfolgreich gelenkt und verwaltet: «Die Bank besitzt im CLO-Bereich ein angemessenes Risikoprofil und steuert das Engagement aktiv.» Oder wie John Popp, CLO-Topmanager bei der CS, es vor einigen Monaten formulierte: «Sie haben nur dann Probleme, wenn ein Manager überproportional in Kredite investiert, die ausfallen und Verluste haben.»

UBS – Geschäftsmodell im Stresstest

Wealth Management Die UBS ist heute vor allem und in erster Linie eine Vermögensverwalterin. Daran muss sich die grösste Bank der Schweiz messen lassen. Schliesslich stammte in den letzten Jahren mehr als die Hälfte der Vorsteuergewinne aus dem Wealth Management. Der Rest verteilte sich zu etwa gleichen Teilen auf das solide Heimgeschäft und eine Investmentbank, die operativ mal mehr, mal weniger zu überzeugen vermochte, aber immerhin ihren Kapitalhunger drastisch reduziert hat.

Abfluss im vierten Quartal

Im Kerngeschäft dagegen, der Vermögensverwaltung, gibt es Grund zur Besorgnis. Nach Jahren, in denen die UBS wie ein Staubsauger Milliarden an Neugeld einfuhr, ist die Asset-Maschine ins Stocken geraten. Gegenüber den Vorjahren haben sich die Neugelder 2018 praktisch halbiert. Im vierten Quartal resultierte gar ein Abfluss. Mit 1 Prozent liegt das «Net New Money» unter den Zielwerten von 2 bis 4 Prozent bis 2021.

Auch der Bestand, also die verwalteten Vermögen, ist 2018 um 6 Prozent gesunken. Dies ist den schwächelnden Finanzmärkten geschuldet, die rund um den Globus das Anlagejahr mit einem satten Minus beendet haben. Fürs UBS-Geschäftsmodell bedeutet dies in der Paradedisziplin – nach den Jahren der Börsenhausse – einen ersten, grossen Stresstest. Die Wealth-Managment-Chefs, Martin Blessing und Tom Naratil, müssen den Beweis erbringen, dass ihr Business auch in einem Bärenmarkt solide Ergebnisbeiträge liefern kann. Schliesslich war dies ja der strategische Claim von Sergio Ermotti, als er die Investmentbank zurechtstutzte und voll auf die Karte Vermögensverwaltung setzte.

Zweifel an Wetterfestigkeit des UBS Wealth Managements

Die jüngsten Zahlen lassen Zweifel an der Wetterfestigkeit des Wealth Managements aufkommen. Die Bremsspuren an den Börsen schlagen sich in der Erfolgsrechnung nieder: Wenn die Anleger verunsichert sind, vergeht ihnen die Lust am Wertschriftenhandel. Die Einnahmen aus dem Transaktionsgeschäft sanken entsprechend im Vergleich zum Vorjahresquartal um 16 Prozent. Zwar stiegen die Einnahmen aus wiederkehrenden Gebühren um 3 Prozent, weil die UBS mehr Vermögensverwaltungsmandate absetzen konnte. Deren Anteil liegt nun bei etwa einem Drittel, Tendenz steigend. Das ist positiv, weil die Erträge sich darauf weniger erratisch entwickeln als im Transaktionsgeschäft. Aber wenn wegen der schlechten Märkte die Asset-Basis schrumpft, dann leidet auch das Geschäft mit den Gebühren. Schliesslich bemessen sich die Fees am investierten Vermögensvolumen.

Boomjahre gehen zu Ende

In einer Baisse kommen die Einnahmen bei gleich bleibenden Kosten unter Druck. Entsprechend lag das Ertrag-Aufwand-Verhältnis im letzten Jahr bei 78 Prozent. Weit entfernt von jenen 70 Prozent, die die UBS bis 2021 erreichen will. Und dies in einem sich eintrübenden Umfeld und Finanzmärkten, denen nach Boomjahren langsam die Puste ausgeht. Die Investoren scheinen dies bereits einzupreisen. Die UBS-Aktie büsste im Jahresvergleich 30 Prozent ihres Werts ein und schnitt damit fast so schlecht ab wie die Credit Suisse. Es bleibt viel zu tun am Paradeplatz.

Credit Suisse – Richtungslose Kurspflege

Credit Suisse Die Bank will Investoren mit Aktienrückkäufen bei Laune halten. Doch die Kurspflege vermag die finanziellen Wunden kaum zu lindern.

Der Investorentag lässt einen etwas ratlos zurück: Die Credit Suisse versucht zwar, ihre Aktionäre mit einem Rückkaufprogramm von bis zu 3 Milliarden Franken bei Laune zu halten. Doch die Kurspflege vermag die finanziellen Wunden der CS-Investoren kaum zu lindern. Die Kursrichtung zeigt weiter talwärts: Seit Thiams Antritt Mitte 2015 resultiert ein sattes Minus von gegen 60 Prozent.

Das Börsenurteil über die Performance des CS-Chefs mag harsch sein, denn der Manager hatte einen Turnaround zu meistern. Nämlich jene Legacy abzuarbeiten, die ihm Präsident Urs Rohner und CEO Brady Dougan eingebrockt hatten. Nach einer dreijährigen Rosskur wäre es nun aber an der Zeit, dass das Topmanagement den Rotstift einpackt und Wachstumspläne schmiedet.

Problem: Ertragsschwäche

Hier liefert der Investorentag jedoch wenig erbauliche Insights. Vielmehr offenbart die Grossbank, dass ihr eigentliches «Issue» kein Kostenproblem, sondern eine Ertragsschwäche ist. Die Erträge erodieren rascher, als dass die CS-Kapitäne mit den Kosten nachfahren könnten.

Ein Beispiel ist Asien. Die von Thiam explizit auserkorene Wachstumsregion schwächelt. Die Umsätze in der APAC-Region dürften aufs Jahr gesehen um bis zu 10 Prozent einbrechen. Und auch die internationale Vermögenssparte IWM, die vom Shooting Star Iqbal Khan geleitet wird, weist zwar über die letzten Turnaround-Jahre ein stolzes Wachstum aus. Die Frage ist nur, zu welchen Risiken. Khans Kreditvolumen wächst und besteht fast zu zwei Dritteln aus Lombardkrediten. Der nächste Crash wird weisen, wie solide das Vermögensgeschäft der CS ist.

Mahnfinger für Manager

Abstimmungsverhalten US-Grossanleger wie Vanguard, Blackrock und State Street strafen Schweizer Konzerne wegen nebulöser Vergütungspläne und mangelnder Diversität ab.

Die Führung der Grossbank Credit Suisse brachte im letzten Jahr selbst Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann auf die Palme: Als «eine Rücksichtslosigkeit, die sich früher oder später bei den sozialpartnerschaftlichen Auseinandersetzungen rächen wird,» bezeichnete der Freisinnige Schneider-Ammann die Pläne von CS-Präsident Urs Rohner und dem Board, die Löhne der Geschäftsleitung um Chef Tidjane Thiam von 64 Millionen auf 82 Millionen Franken zu erhöhen, obwohl die Grossbank Jahr für Jahr Milliardenverluste auftürmte. Schliesslich lenkte der Credit-Suisse-Verwaltungsrat kurz vor der Generalversammlung ein und verkleinerte den Honigtopf für Thiam: «Verzicht auf 40 Prozent des Bonus», lautete nun die frugale Botschaft der Grossbank.

Hohe Chefbonus

Was sich nun zeigt: Dem Verzicht auf Thiams Turbobonus ging ein erbittertes Seilziehen im Hintergrund voraus, bei dem die grossen US-Investmenthäuser eine gewichtige Rolle spielten. So schreibt State Street Global Advisor in ihrem jüngsten «Asset Stewardship»-Bericht: «Wir trafen uns mit dem Vorsitzenden des Vergütungsausschusses der Credit Suisse, um unsere Vorbehalte gegen die variable Vergütung der Geschäftsleitung auszudrücken.» Der drittgrösste Assetmanager der Welt mit 2,8 Billionen Dollar Anlagevermögen kritisierte gegenüber dem damaligen CS-Vergütungschef Jean Lanier insbesondere den Bonus von Tidjane Thiam, der «hoch erscheint angesichts der substanziellen Verluste und der fallenden Umsätze der Unternehmung».

Schliesslich schlug State Street dem Vergütungsausschuss vor, mehr «operative und Profitabilitäts-Metriken» in den Incentivierungsplan der Bankoberen einzubauen. Nachdem State Street und andere institutionelle Anleger am Paradeplatz ihren Standpunkt klargemacht hatten, lenkte der CS-VR um Rohner, Lanier und Co. schliesslich ein und reduzierte den «total compensation payout» an den operativen Chef. Worauf State Street an der Generalversammlung der Grossbank mit den Vorschlägen des Verwaltungsrates mitstimmte.

Gewicht geltend gemacht

Das Beispiel zeigt, wie die grossen Anlagehäuser, die Vermögen von zig Billionen verwalten, im Vorfeld und an den Generalversammlungen ihr Gewicht geltend machen und wichtige Änderungen erzwingen können. Dies führt dazu, dass selbst Schwergewichte wie der Nahrungsmittelmulti Nestlé mittlerweile in die Gänge kommen, wenn die Asset-Riesen rufen. So trabten der Nestlé-Präsident und sein operativer Chef im letzten Jahr zum One-to-one-Meeting in London an, um dem angelsächsischen Vermögensriesen den Umgang des Konzerns mit der Ressource Wasser darzulegen.

Solcherlei Austausch mit gewichtigen Investoren ist mittlerweile Alltag bei hiesigen Grosskonzernen. Sie seien es gewohnt, im Vorfeld einer Generalversammlung die Meinung von globalen, institutionellen Investoren einzuholen, sagt Robert Walker, der bei State Street Global fürs Abstimmungsverhalten in der Region EMEA zuständig ist: «Dies hilft, heikle Themen vor der Abstimmung bereits auszudiskutieren.» Im Gegensatz zu den grosskapitalisierten Konzernen sieht Walker bei Schweizer Small Caps und Mid Caps noch Nachholbedarf: «Es fällt auf, dass kleinere und mittlere Unternehmen zuweilen Mühe bekunden, den Investoren transparent zu machen, nach welchen Kriterien sich die leistungsorientierte Vergütung bemisst», sagt Walker im Interview (siehe rechts).

Nicht langfristig orientierte Vergütung

Walkers Aussagen decken sich mit Auswertungen der «Handelszeitung» zum Abstimmungsverhalten der drei weltgrössten Anlagemanager – Blackrock, Vanguard und State Street Global – hierzulande. Die drei Asset-Riesen vereinen fast 15 Billionen Dollar Anlagevermögen und sind im Kundenauftrag entweder passiv oder aktiv in praktisch allen börsenkotierten Titeln weltweit investiert. Auch in der Schweiz, wo die Investmenthäuser gewichtige Positionen in Einzelwerten halten und ihr Stimmrecht an den Generalversammlungen aktiv ausüben.

Alle drei Assetmanager müssen dabei ihre spezifischen GV-Voten bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichen, wodurch ein transparentes Bild übers helvetische «proxy voting» entsteht: Es zeigt sich, dass die Grossanleger dabei vor allem Schweizer Small Caps und Mid Caps mit Ablehnung abstrafen (siehe Box). Insbesondere der Vergütungsbericht sowie die Mitglieder des Vergütungsausschusses sind beliebte Ziele. Mit diesem «against» geht es vor allem darum, dass die Vergütungsmodelle entweder zu wenig klar und transparent dargelegt werden oder dass die Incentivierung sich nicht mit den Interessen langfristig orientierter Investoren deckt. Das ist entscheidend, wie es State-Street-Chef Cyrus Taraporevala in einem Meinungsstück jüngst formuliert hat: «Unsere Indexfonds können nicht wählen, in wen sie investiert sind. Weil wir also nicht verkaufen können, müssen wir das Management zur Veränderung drängen – im Sinne einer langfristigen Perspektive für unsere Kunden.»

Das bedeutet etwa eine Best Practice in Sachen gute Unternehmensführung: Börsenkotierte Schweizer Firmen, die zuweilen Züge eines Familienunternehmens tragen, goutieren die angelsächsischen Anlageprofis nicht. Prominente Beispiele sind Swatch, Schindler oder der Schoggi-Konzern Lindt & Sprüngli mit seinem Beinahe-Patron Ernst Tanner.

Anderes Profil gesucht

Aber auch die Diversität in Verwaltungsrat und Geschäftsleitung brennt den grossen USHäusern unter den Nägeln, und zwar stets unter der Optik einer längerfristig besseren Performance von gemischten Boards und Geschäftsleitungen.

«Der Schweizer Markt hinkt in Sachen Diversität anderen europäischen Märkten hinterher», schreibt Blackrock. Dabei hebt der weltgrösste Assetmanager nicht nur den Mahnfinger oder straft Männergremien an der Generalversammlung ab. Blackrock interveniert auch in der Schweiz, wenn es darum geht, mehr Frauen auf die Teppichetage zu bringen.

Nachdem der US-Anlagegigant sich mit dem Verwaltungsrat der Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site über Diversität ausgetauscht hatte, schlug der VR der SPS-Generalversammlung im Frühjahr die Industriemanagerin Barbara Frei-Spreiter zur Wahl vor. Eine Managerin «mit einem anderen Profil als die bisherigen Board-Mitglieder und mit relevanter Expertise», schreibt Blackrock zum SPS-Neuzugang stolz.