Befreiungsschlag in Freetown

Diethelm Keller Die Schweizer Unternehmensgruppe will nach Bürgerkrieg und Ebola-Epidemie in Sierra Leone durchstarten.

Leidgeprüft ist die Bevölkerung Sierra Leones. Nach blutigem Bürgerkrieg in den 1990er Jahren grassierte ab 2014 Ebola im westafrikanischen Land und forderte über 4000 Todesopfer. Nun will Sierra Leone die Schreckensjahre hinter sich lassen, sowohl politisch wie wirtschaftlich. Kürzlich wählte das rohstoffreiche Land Parlament und Präsident neu. Die Wahl wurde technisch unterstützt von einem Waadtländer Blockchain-Startup namens Agora.

Nicht das einzige Schweizer Unternehmen, das auf Sierra Leone setzt. «Das Land erholt sich», sagt Angelo van Tol, der sich selbst als Afrika-Liebhaber bezeichnet, und Chef der Diethelm Keller Holding (DKH) ist. Das weitverzweigte Firmenkonglomerat mit so klingenden Marken wie Koenig, Zyliss, Globetrotter oder dem Reinigungskonzern Wetrok hat für die Afrikapläne eigens eine neue Gesellschaft namens DK Africa mit Sitz in Zürich und einem Aktienkapital von einer halben Million Franken gegründet. In DK Africa bringt Diethelm Keller die in Sierra Leone verbliebenen Assets ein. Neue Vermögenswerte sollen bald dazukommen.

Eigentlich ist DKH bereits seit Mitte der 1950er Jahre in der ehemaligen britischen Kolonie präsent. Damals über eine Gesellschaft namens Freetown Cold Storage Company. Ein Gemischtwaren-betrieb, der Eis produzierte, einen Supermarkt samt Metzgerei führte und die Coca-Cola-Franchise für Sierra Leone besass. Mit der firmeneigenen Abfüllanlage versorgte die Diethelm-Keller-Gruppe den westafrikanischen Kleinstaat mit der braunen Zuckerbrause aus Amerika bis Mitte der neunziger Jahre. «Vor dem Bürgerkrieg verkauften wir die Fabrik an den Lizenzgeber», sagt Holding-Chef van Tol.

So besitzt die Diethelm-Keller-Gruppe bis heute einen Strassenzug in der Hauptstadt Freetown samt Kino, Supermarkt und Läden sowie eine Wohnanlage mit 18 Häusern für Expats. Auf diesem Immobilienportfolio will van Tol mit DK Africa nun aufbauen: «Wir wollen auf dem Kontinent Schritt für Schritt wieder Tritt fassen. Erst einmal klein, aber profitabel wirtschaften.» Man sei deshalb daran, die Wohnsiedlung zu renovieren. Denn Mieten und Grundstückpreise in Sierra Leone seien «extrem hoch». Dies gilt übrigens auch für Dienstleistungen. «Wir fliegen eigens einen Zürcher Architekten ein, um die Kosten vor Ort im Griff zu halten», sagt van Tol, der nebst dem Immobilien-Portfolio auch wieder ins Geschäft mit Getränken einsteigen möchte.

Recycling in Ghana

Im Moment läuft die Sorgfaltsprüfung für die Akquisition einer lokalen Abfüllanlage. Über ein Joint Venture will DKH erneut lokale Softdrinks herstellen. Über die lokale Getränkeproduktion soll ein afrikaerprobter deutscher Brauerei-Manager wachen, der zuvor in Ruanda, Togo und Äthiopien in der Branche tätig war und nun das «Business Development Africa» für DKH leitet.

Nebst Abfüllfabrik und Expat-Siedlung plant van Tol den nächsten Expansionsschritt in Ghana, wo DKH in einen Kunststoff-Recycler investieren möchte, der aus Plastikflaschen neue Basismaterialien – unter anderem für die Automobilindustrie – herstellt.

Aktiv involviert in die neuen Afrika-Pläne ist George Keller, auch ein Mitglied der Eignerfamilie Keller. Deren Diethelm Keller Holding ist übrigens auch am Subsahara-Afrika-Konzern Lonhro um Financier Rainer-Marc Frey und Zementkönig Thomas Schmidheiny beteiligt. Das sei im Moment eine «stille Beteiligung», so van Tol.