Credit Suisse – Khan-Affäre hinterlässt Spuren

Credit Suisse Es war der erste Zahlenkranz von CS-Chef Tidjane Thiam nach der blamablen Spionageaffäre um seinen ehemaligen Vermögensverwaltungsleiter Iqbal Khan. Und was der ivorische Grossbanker im dritten Quartal an Finanzkennzahlen zu präsentiert hatte, ist durchzogen. So offen bis heute ist, wer in der Khan-Affäre wirklich Täter und wer Opfer war, so uneindeutig fällt auch die Bewertung aus, wie sich das zweitgrösste Schweizer Finanzhaus in den letzten Monaten geschäftlich geschlagen hat.

Missglückte Überwachtung

Thiams Mantra an der Quartalspräsentation jedenfalls, wonach der Spionagekrimi vom Paradeplatz keinen Einfluss hatte, wird bereits durch die bankeigene Powerpoint-Präsentation auf Seite 46 in Zweifel gezogen. Dort ist zu lesen, dass im Schweizer Universalbankengeschäft mit Privatkunden zwischen Juli und September 600 Millionen Franken abflossen. Wohlgemerkt: Die Affäre Khan eskalierte erst am 20. September mit dem Bekanntwerden der missglückten Überwachung. Weitere böse Überraschungen sind also nicht ausgeschlossen.

Die Spionagepanne dürfte der Grund dafür sein, dass Schweiz-Chef Thomas Gottstein kürzlich in der Zürcher «Kronenhalle» die Contenance verlor und Khans Spin-Doctor zusammenstauchte. Auch sonst hat der CS-Schweiz-Banker wenig zu lachen: Das Zinsgeschäft ist unter Druck, die Nettomarge leicht rückläufig – und rechnet man den Einmaleffekt durch den Verkauf der Fondsplattform Investlab raus, dann geht auch der Vorsteuergewinn mit Schweizer Firmenkunden und institutionellen Anlegern etwas zurück.

Erfolgreiche Vermögensverwaltung

Besser als in der Heimat läuft es der Credit Suisse international mit vermögenden Privatkunden. Auch ohne Investlab-Boost stimmen die Zahlen: mehr Neugeld, bessere Nettomargen und steigende Vorsteuergewinne. Die Bank zeigt hier seit mehreren Quartalen einen Aufwärtstrend im Private Banking, das agiler und aggressiver wirkt als jenes der Konkurrentin UBS. Wie «sticky» die Anlagegelder sind, wenn die Börsenparty einmal vorbei ist, wird sich allerdings erst weisen müssen. Dennoch: Es ist das Verdienst von Thiam, Khan und Co., aus der CS in Wachstumsmärkten wie Asien einen respektablen Vermögensverwalter geformt zu haben.

Credit Suisse und die risikoreiche Investment Bank

Die CS ist aber auch die grösste nicht amerikanische Investment Bank. Und nach goldenen Jahren manifestiert sich hier erneut ein Strukturproblem: Das Kapitalmarktgeschäft ist ein volatiles People’s Business. Stockt die Pipeline oder verliert man gewichtige Pitches, dann bleibt die Bank auf einem gigantischen Kostenblock an teuren Investmentbankern sitzen. Die zentrale Frage für die CS-Führung muss deshalb lauten: Ist die Investment-Banking-Wette das Risiko wert?

CS-Affäre um Iqbal Khan – Söldnertum ruiniert die Banken

Iqbal Khan Was genau sich zwischen den Privatermittlern, welche die Credit Suisse angeheuert hat, und Iqbal Khan in der Zürcher Altstadt zugetragen hat, bleibt im Dunkeln. Spindoktoren auf beiden Seiten servieren jeweils ihr brandheisses Süppchen. Cum grano salis, gilt es da zu mahnen.

Viel bedeutsamer als die Finessen zur Finanzschmonzette am Paradeplatz ist der Umstand, dass ein Bankkonzern den abgetretenen Chef der internationalen Vermögensverwaltung beschatten lässt. Und zwar in der vollen Absicht, herauszufinden, ob Khan seine ehemaligen CS-Gefährten angeht, um sie zur UBS – seiner neuen Arbeitgeberin – zu lotsen.

Die grosse Macht der Kundenberater

Solche Menschenfängerei zu unterstellen, offenbart eine strukturelle Misere. Es ist den Finanzhäusern bis heute nicht gelungen, die schicksalhafte Beziehung zwischen vermögenden Kunden und deren persönlichen Beratern aufzubrechen. Die erfolgreichsten «Relationship Manager» in den grossen Geldhäusern vereinen bis zu 1 Milliarde Franken an Kundengeldern auf sich. 

Der überzogene Personenkult um «Starbanker» Iqbal Khan

Solche gewichtigen Portfolios zu verwalten, verleihen den Kundenberatern eine grosse Macht in der Organisation. Entsprechend achten diese Grossverwalter peinlichst genau darauf, dass sie stets die alleinige Hoheit über die Kundenpflege haben. Dieses People’s business auf Testosteron erinnert an die Exzesse im Spitzensport: ein überzogener Personenkult, mit absurd hohen Vergütungen gepaart, welche weiterhin nur kurzfristiges Denken belohnen.

Wer wie mit dem Staubsauger Abermillionen an Kundengeldern hereinholt, steigt rasch zum Starbanker in der Organisation auf. Ob der Kunde über längere Frist hält, was er verspricht, und ob die gehebelten Assets die nächste Börsenbaisse überstehen werden, ist dabei sekundär. Bis zur Probe aufs Exempel hat der bonusbelohnte Banking-Söldner nämlich längst beim nächsten Finanzhaus angeheuert.

Swiss Banking als Schmierentheater

Diese strukturellen Probleme sind sattsam bekannt: McKinsey konstatiert in ihrer jüngst veröffentlichten Studie zum lamentablen Zustand der europäischen Wealth-Manager-Industrie: «Das Servicemodell ist weitgehend unverändert geblieben. Anstatt institutionelle Fähigkeiten und Prozesse aufzubauen, verlässt man sich übermässig auf die Fähigkeiten der jeweiligen Privatbanker.»

Darin offenbart sich der Zielkonflikt zwischen den Interessen des Bankers und jenen der Bank. Für die Organisation wäre es längst angezeigt, Starkult und Söldnertum zu Grabe zu tragen. Und stattdessen den Kundenkontakt neu zu gestalten: offener, durchlässiger, transparenter und digitaler – und damit wohl auch kosteneffektiver. Doch läuft genau ein solch modernes Relationship Management den Partikularinteressen der Spitzenbanker zuwider, die an Starkult und Söldnertum fürstlich verdienen.

Die Frage ist, wie lange sich Swiss Banking dieses Schmierentheater noch leisten kann angesichts Margendruck und Gewinnrückgang.

Credit Suisse – Richtungslose Kurspflege

Credit Suisse Die Bank will Investoren mit Aktienrückkäufen bei Laune halten. Doch die Kurspflege vermag die finanziellen Wunden kaum zu lindern.

Der Investorentag lässt einen etwas ratlos zurück: Die Credit Suisse versucht zwar, ihre Aktionäre mit einem Rückkaufprogramm von bis zu 3 Milliarden Franken bei Laune zu halten. Doch die Kurspflege vermag die finanziellen Wunden der CS-Investoren kaum zu lindern. Die Kursrichtung zeigt weiter talwärts: Seit Thiams Antritt Mitte 2015 resultiert ein sattes Minus von gegen 60 Prozent.

Das Börsenurteil über die Performance des CS-Chefs mag harsch sein, denn der Manager hatte einen Turnaround zu meistern. Nämlich jene Legacy abzuarbeiten, die ihm Präsident Urs Rohner und CEO Brady Dougan eingebrockt hatten. Nach einer dreijährigen Rosskur wäre es nun aber an der Zeit, dass das Topmanagement den Rotstift einpackt und Wachstumspläne schmiedet.

Problem: Ertragsschwäche

Hier liefert der Investorentag jedoch wenig erbauliche Insights. Vielmehr offenbart die Grossbank, dass ihr eigentliches «Issue» kein Kostenproblem, sondern eine Ertragsschwäche ist. Die Erträge erodieren rascher, als dass die CS-Kapitäne mit den Kosten nachfahren könnten.

Ein Beispiel ist Asien. Die von Thiam explizit auserkorene Wachstumsregion schwächelt. Die Umsätze in der APAC-Region dürften aufs Jahr gesehen um bis zu 10 Prozent einbrechen. Und auch die internationale Vermögenssparte IWM, die vom Shooting Star Iqbal Khan geleitet wird, weist zwar über die letzten Turnaround-Jahre ein stolzes Wachstum aus. Die Frage ist nur, zu welchen Risiken. Khans Kreditvolumen wächst und besteht fast zu zwei Dritteln aus Lombardkrediten. Der nächste Crash wird weisen, wie solide das Vermögensgeschäft der CS ist.