Schmierige Nummer

Petrobras-Skandal Ein Bericht der Bundesanwaltschaft zeigt, wie ein Kader des Ölkonzerns Gelder über Nummernkonten bei CS, Julius Bär und UBP erhielt.

Nestor Ceveró residierte an Rios berühmter Strandpromenande, der Ipanema, in einem Luxusapartment. Bis den Ex-Petrobras-Direktor im letzten Winter die Vergangenheit einholte. Nun sitzt Ceveró für die nächsten fünf Jahre, zusammen mit 350 anderen Insassen, in einem Gefängnis im brasilianischen Bundesstaat Paraná. Die Haftstrafe wegen Geldwäscherei wurde im Mai ausgesprochen. Der Ölmanager hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Dem Prozess waren intensive Ermittlungen vorausgegangen. Involviert war auch die Schweizerische Bundesanwaltschaft (BA). Denn Ceverós Schmiergeldbezüge in der Höhe von etwa 30 Millionen Dollar flossen auch über mehrere Schweizer Banken, darunter die Credit Suisse, Julius Bär und die Genfer UBP. Dies geht aus einem Brief der Bundesanwaltschaft an die brasilianischen Justizbehörden hervor, welcher der „Handelszeitung“ vorliegt.

Ceveró war als Direktor beim brasilianischen Ölkonzern Petrobras fürs internationale Geschäft zuständig. In seiner Funktion hielt er dem koreanischen Industriekonglomerat Samsung mehrere Aufträge für Öl-Bohrequipment zu. Für seine Dienste bekam der Petrobras-Manager Schmiergelder, die über diverse Mittelsmänner und Offshore-Konti geschleust wurden. „Mehrheitlich auf Nummernkonten in der Schweiz“, heisst es im Brief der BA. Namentlich nennt der für den Fall zuständige Bundesstaatsanwalt Stefan Lenz ein Nummernkonto der Three Lions Energy Inc., das die Credit Suisse führte. Über dieses Konto floss beispielsweise eine Zahlung in der Höhe von 75 000 Dollar an eine panamesische Gesellschaft namens Russel Advisors SA, deren Endbegünstiger Nestor Ceveró war.

Banque Heritage im Fokus

Der erstinstanzlich verurteilte Geldwäscher betrieb weitere Offshore-Firmen. So auch die belizianische Forbal Investments, welche ein Konto bei der Banque Heritage besass. Die noble Genfer Privatbank wird vom Ex-Clariden-Leu-Chef Bernard Stalder präsidiert und führt unter anderem eine Niederlassung in Montevideo, Uruguay.

Die Analyse der BA ergab, dass Ceveró über Jahre auf sein Banque-Heritage-Konto Schmiergeldzahlungen in Höhe von mehreren Hunderttausend Dollar erhielt. Die Buchungen erfolgten unter anderem von Konten bei der Bank Julius Bär, der österreichischen Meinl Bank sowie der Banque Heritage. Eine zentrale Rolle spielt dabei eineuruguayische Firma namens Interbaltic Sociedad de Bolsa. Die Firma sei als „Geldwechsler“ bereits in anderen Ermittlungsverfahren des Petrobras-Falls in Erscheinung getreten, schreibt die BA.

Auf Ceverós Konto bei der Genfer Banque Heritage flossen bis im März 2014 Schmiergelder. Als der Petrobras-Direktor schliesslich von der Anklage gegen ihn Wind bekam, zog er noch in diesem Januar ungehindert 200 000 Dollar ab. Die Heritage-Gelder landeten bei einem Mittelsmann, der bei einem Londoner Institut ein Konto besass. Wie solche Transfers zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch möglich waren, bleibt offen. Alle betroffenen Banken äussern sich nicht zum Fall. Natalie Guth von der Bundesanwaltschaft kommentiert die Petrobras-Affäre nur summarisch: „Die Bundesanwaltschaft untersucht im Rahmen der Petrobas-Affäre alle möglichen strafbaren Handlungen in der Schweiz und insofern auch das Verhalten von Banken und deren Mitarbeitern.“ Die Bundesanwaltschaft arbeite eng mit den brasilianischen Behörden zusammen und unterstütze diese. Dabei werde in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Justiz auch geprüft, ob und wenn ja wo sich eine Abtretung der in der Schweiz eröffneten Strafverfolgung von brasilianischen Staatsangehörigen an die brasilianische Justiz aufdränge, erklärt Natalie Guth. Auch die Finanzmarktaufsicht kläre im Petrobras-Fall bei verschiedenen Banken „die konkreten Sachverhalte“ ab, meint hierzu ein Finma-Sprecher auf Anfrage.