Die Kanzlei für alle Fälle

Raiffeisen Ob Strafverfahren, Gutachten oder Forderung – das Mandat der Kanzlei Prager Dreifuss hat Konfliktpotenzial.

Im mondänen Zürcher Seefeld, gleich hinter dem Opernhaus, hat die Wirtschaftskanzlei Prager Dreifuss ihre Büros. Sie ist die Hauskanzlei der Raiffeisen Schweiz. Das langjährige Mandat sorgt für Konfliktpotenzial: Einst Rechtsbeistand in der Ära Pierin Vincenz, klagt die Kanzlei nun im Namen der Bank gegen den ehemaligen Raiffeisen-Chef.

Anlaufstelle für Gläubigerforderung

Doch der Reihe nach. Als die Bank 2007 ihr Auto-Leasing-Geschäft von der Raiffeisen-Leasing in eine Gesellschaft namens Raiffeisen Finanzierungs AG überführt, begleitet Prager Dreifuss die Abspaltung. Der heutige Prager-Partner Urs Feller fungiert als Anlaufstelle für Gläubigerforderungen. In der Raiffeisen Finanzierungs AG sass damals Patrik Gisel als Verwaltungsrat und später Beat Stocker, der Geschäftspartner von Pierin Vincenz. Prager-Partner Feller und der heutige Raiffeisen-Chef kennen sich also. Die Genossenschaftsbank bestätigt das Leasing-Mandat, betont aber: «Von 2009 bis 2016 hat Prager Dreifuss keine anderen Mandate bei Raiffeisen wahrgenommen.»

Später wird aus der Raiffeisen Finanzierungs AG die Aduno-Tochter Cashgate. Die übertragende Gesellschaft namens Raiffeisen-Leasing heisst ab 2010 KMU Capital und wird so zum Finanzierungsvehikel von Raiffeisen bei der KMU-Beteiligungsgesellschaft Investnet. Diese Raiffeisen-Tochter steht im Fokus der Strafermittlungen gegen Pierin Vincenz, Beat Stocker und weitere Personen.

Corporate-Governance-Gutachten

Ende Februar tritt Raiffeisen als Privatklägerin dem Strafverfahren gegen ihren Ex-Chef bei. «Raiffeisen arbeitet dabei mit der Kanzlei Prager Dreifuss zusammen», bestätigt die Bank Recherchen der «Handelszeitung». Die Mandatierung sei durch den Verwaltungsrat erfolgt, so eine Sprecherin. «Ausschlaggebend war das detaillierte Know-how, das Prager Dreifuss aufgrund der internen Untersuchung in den Themenkomplex einbringen kann.» In ihren Eingaben an die Staatsanwaltschaft referiert die Kanzlei offenbar auf das von ihr selber für Raiffeisen erstellte interne Corporate-Governance-Gutachten. Dieses Gutachten beleuchtet das Raiffeisen-Beteiligungsvehikel Investnet. In Auftrag gegeben hat es die Raiffeisen-Geschäftsleitung um Patrik Gisel im Dezember 2016. Wohlgemerkt: Gisel selbst präsidierte Investnet von 2012 bis 2016.

Gemäss «Bilanz» soll das Prager-Dreifuss-Gutachten zu den Investnet-Geschäften vor allem den damaligen Finanzchef Marcel Zoller und den Raiffeisen-Präsidenten Johannes Rüegg-Stürm belasten, «jedoch nicht Auftraggeber Gisel». Angesprochen auf Konflikte im Rahmen der verschiedenen Mandate der Wirtschaftskanzlei Prager Dreifuss, erklärt Raiffeisen-Sprecherin Cécile Bachmann: «Es gibt und gab hier keinen Interessenkonflikt in irgendeiner Weise.»