Gangster, Gauner und Moneten

SRF-Film «Private Banking» rechnet mit der Finanzbranche ab. Die «Handelszeitung» machte mit einem Topbanker ein Preview.

Privatbanker kennen keine Schamgrenzen, wenn der Zaster lockt. Zumindest in der Fernsehwelt am Leutschenbach. «Versprichst du mir, dass du mein Geld beschützt, als wäre es dein eigenes?», raunt ein schwerreicher Däne dem Privatbanker Marco Antonelli ins Ohr, während Antonelli den volltrunkenen Schwarzgeld-Kunden zum Pissoir einer Paradeplatz-Bar schleppt und ihm bei der Notdurft zur Hand geht.

Das Urinal als Hort der Kaltakquise für heisse Vermögen. Die Szene stammt aus dem neuen SRF-Zweiteiler «Private Banking», der am 17. und 18. Dezember ausgestrahlt wird und ursprünglich als Serie geplant war. Im Fokus der beiden Neunzigminüter steht die traditionsreiche Zürcher Privatbank Weyer, die kein Fettnäpfchen in der jüngeren Geschichte des hiesigen Vermögensgeschäfts auslässt: Vom Schwarzgeld-Business über lasche Compliance bis hin zu Geldwäscherei und Offshore-Konstrukten.

Die «Handelszeitung» hat das fiktionale Finanzdrama mit Spitzenbanker Walter Berchtold angeschaut. Berchtold leitete bis vor kurzem die Zürcher Falcon Private Bank und führte früher das Private Banking der Grossbank Credit Suisse.

Grenzwertig überzeichnet

Auf die geschilderte Pissoir-Szene angesprochen, schüttelt der Banker den Kopf: Grenzwertig und völlig überzeichnet sei das. «Die Macher ziehen das alte Private Banking komplett durch den Kakao.» Potenziellen Kunden durch die ganze Stadt nachzusteigen, das sei pure Dramaturgie, meint Berchtold. Viel eher strömten Vermögende direkt zu ihnen in die Bankfiliale, «zum Teil mit Koffern voller Geld». Tempi passati, meint der Finanzmann. Im Zeitalter verschärfter Compliance und Finanzregulierungen seien solche schummrigen Cash-Transfers längst ein No-Go.

Dennoch arbeitet sich der SRFZweiteiler, der in einer nicht näher definierten Jetztzeit spielt, an allen gängigen Klischeefiguren des Vermögensgeschäfts ab: Bonusgeile Schweizer Banker, steuersäumige Europäer und geldwaschende Schwarzafrikaner bilden das illustre Personal des «Private Banking»-Plots.

Im Zentrum steht dabei Caroline Pfister, uneheliche Tochter des Bankdirektors und Finanzpatrons Leopold Weyer, der nach einem Herzinfarkt komatös im Spital liegt. Während Weyers intriganter Sohn die Privatbank sofort an ein Grossinstitut verschachern will, schickt sich Tochter Caroline an, das Familienerbe zu retten. Die Zeit drängt. Die Finanzmarktaufsicht Finma steht mit einem Auditor bereits auf der Matte. Die Regulierungswelle nach dem Ende des Bankgeheimnisses droht das Finanzhaus aus dem Vermögensmarkt zu spülen.

Die Exjunkiefrau und heutige Suchttherapeutin Caroline möchte deshalb den Private-Banking-Pfuhl ausräuchern und dem Geldgeschäft wieder Ethik und Moral einhauchen. Bei diesem «Going Clean» ist die einzige Compliance-Mitarbeiterin der Bank Weyer Carolines einzig loyale Mitstreiterin. Eine blutjunge Juristin namens Stephanie Pfenninger, die sich durch lückenhaft geführte Kundendossiers pflügt und eine Aktenleiche nach der anderen ausgräbt. Zum Entsetzen der Bankdirektorin Caroline, deren Asset-Basis im Zuge ihrer Weissgeldstrategie wegschmilzt wie Schoggi in der Sonne. Soweit die Ausgangslage im Fernsehfilm.

Was als glaubhafte Milieustudie daherkommen soll, hat allerdings handwerkliche Mängel. «Eine Compliance-Juristin für die angeblich 8 Milliarden an verwalteten Vermögen – das ist schlicht ein Witz», sagt der Privatbanker. Berchtold schätzt, dass die Bank Weyer mindestens das Zehnfache an Personal mit Compliance-Bezug bräuchte.

Dass Secondo-Kundenberater Marco Antonelli seinem trunkenen dänischen Schwarzgeldklienten gleich auch noch den steuermilden Wohnsitz in der Türkei baut, gehöre ins «Reich der Mythen», sagt Berchtold: «Solche Steuerstrukturen wurden in der Vergangeheit stets von den Bankern an spezialisierte Kanzleien und Wirtschaftsprüfer outgesourct.» Und auch jene dreissig Mitarbeiter der Privatbank Weyer seien «völlig unrealistisch», findet der Vermögensmanager. Als vollwertige Bank mit Back- und Frontoffice, Buchhaltung, IT, Compliance, Marktanalyse und Execution benötige man mindestens 120 Mitarbeitende.

Headhunter mit Zweitkarriere

Thomas Ritter ist einer der Co-Autoren des SRF-Zweiteilers «Private Banking». Der studierte Drehbuchautor war in seiner ersten Berufskarriere Headhunter für Financial Services und Legal. Ritter verteidigt die Compliance-Figur im Film. Pfenninger repräsentiere das schwierige Thema angemessen: «Compliance-Abteilungen in Banken führten lange Zeit ein Mauerblümchendasein, waren unterdotiert und genossen in der Hierarchie wenig Prestige und Einfluss.»

Überhaupt habe man die Story in engem Austausch mit Branchenleuten entwickelt und stets auf Plausibilität gecheckt, sagt der Co-Autor: «Sparringspartner waren häufig Bankjuristen aus dem eigenen Netzwerk, die in kleinen und grösseren Instituten arbeiteten, im Wealth Management und in der Compliance, als auch Leute an der Front.»

Auch der langjährige Privatbanken-Chef Berchtold hält dem neuen SRF-Film zugute, dass die zentralen Probleme seiner gebeutelten Branche allesamt thematisiert würden: Angefangen beim Transparenzdruck bis hin zur Schwierigkeit, Kunden von nachhaltigen Anlagen zu überzeugen. So vielschichtig die Themen, so holzschnittartig seien die Figuren, findet Berchtold: «Das SRF hat die schwärzesten Schafe von allen aus dem Banken-Stall geholt.» So tue man der seriösen Branche keinen Gefallen.

Angesprochen auf Figuren wie den Berater Antonelli und dessen agressive Akquisemethoden, sagt Ritter: Man habe sich bemüht, die Figuren nicht zu verurteilen. «Antonelli macht zwar krumme Deals, bleibt aber menschlich.» Dessen illegale Kundenanwerbung stelle eine klare Grenzverletzung dar, die entsprechend drastisch dargestellt werde. Anders gesagt: Private Pissoir Banking.