Freenet vs. Sunrise – Falsch verbunden

Sunrise Man sei von Anfang an gegen die Übernahme von UPC gewesen, sagt Hauptaktionär Freenet. Der Milliardendeal wackelt.

Es war die Schlagzeile des Jahres in der Schweizer Telekombranche: Sunrise übernimmt UPC. Nach Wochen des Mutmassens gab Sunrise-Chef Olaf Swantee Ende Februar die Milliardenübernahme des Schweiz-Geschäfts der Kabelnetzbetreiberin bekannt. Der Takeover überzeuge strategisch und schaffe nachweislich Wert für die Aktionäre, argumentierte Chef Swantee. Und Präsident Peter Kurer doppelte nach: «Der Verwaltungsrat ist sehr zufrieden mit der heutigen Ankündigung.»

Nachweislicher Wert für Aktionäre

Was die beiden Sunrise-Spitzenkräfte in ihrer Fusionseuphorie geflissentlich aussparten: Der Übernahmeversuch erfolgte ohne das Placet des mit Abstand grössten Sunrise-Aktionärs, der deutschen Freenet. Sie kontrolliert einen Viertel aller Aktien.

«Bereits am 24. Januar habe ich den Sunrise-Verantwortlichen gegenüber klar kommuniziert, dass wir den Deal mitsamt seiner Finanzierungslogik in dieser Form nicht gutheissen können», sagt Freenet-Chef Christoph Vilanek, der seit 2016 im Verwaltungsrat von Sunrise sitzt, zur «Handelszeitung». Obwohl der Hauptaktionär die UPC-Transaktion explizit nicht billigte, schritt der Verwaltungsrat gut einen Monat später zur Tat, zur Abstimmung über den Deal. «Am 27. Februar habe ich als Freenet-Vertreter im Sunrise-Verwaltungsrat gegen die geplante Übernahme gestimmt», sagt Vilanek.

Finanzierungslogik von Sunrise nicht genehm

Dass sich Freenet im Verwaltungsrat gegen das ausgehandelte Binding Agreement gestellt habe, will Sunrise-Sprecherin Therèse Wenger nicht bestätigen. Das Stimmverhalten einzelner Mitglieder im Verwaltungsrat kommentiere man nicht. Vielmehr wurde bis zuletzt sogar kolportiert, Freenet habe dem Deal zunächst zugestimmt, um den deutschen Telekom-Provider als Wendehals abzustempeln. So berichtete die Nachrichtenagentur Reuters im Juni: «Obwohl die Freenet-Vertreter im Sunrise-Verwaltungsrat Insidern zufolge für den Deal gestimmt hatten, übte die Gesellschaft danach öffentlich Kritik.» Vilanek entgegnet: «Es entspricht schlicht nicht den Tatsachen, dass wir unsere Meinung zur geplanten UPC-Übernahme von einem Tag auf den anderen geändert hätten.»

Das Management um Sunrise-Chef Olaf Swantee fährt eine mehr oder weniger offene Kampagne gegen die Interessen des eigenen Hauptaktionärs. Eine externe PR-Agentur will in Hintergrundgesprächen mit Journalisten für «Transparenz» sorgen und preist dabei die Vorzüge des UPC-Deals. Freenet versuche, einen Aufpreis für ihre 25-Prozent-Beteiligung herauszuschlagen. Der Tenor ist eindeutig: der deutsche Telekominvestor, ein eigennütziger Spekulant.

Zweieinhalb Monate Zeit

«Freenet ist ein Finanzinvestor, kein strategischer Aktionär», sagt auch SSprecherin Wenger. «Das hat Freenet mehrfach selber betont.» Die Konsolidierung am Schweizer Markt sei eine der «Investmenthypothesen», von denen Freenet profitieren wolle. Christoph Vilanek kontert: «Wer auch immer uns als nichtindustriellen Finanzinvestor darstellt, liegt falsch. Wir machen seit 25 Jahre Telekom und sind am langfristigen Wohlergehen von Sunrise interessiert.»

Noch lässt sich der Sunrise-Hauptaktionär im Übernahmepoker um UPC alle Optionen offen. Man habe gut zweieinhalb Monate Zeit, um sich eine Meinung zu bilden, sagt der Freenet-Chef. Den Fahrplan gibt die Wettbewerbskommission (Weko) vor, die Anfang Juni angekündigt hat, die Übernahme vertieft zu prüfen. Aufgrund der Fristen hat sie bis Ende September Zeit. Spätestens dann wird klar sein, unter welchen Vorzeichen die Übernahme stattfinden kann. Derzeit gehen Involvierte davon aus, dass die Weko eine Übernahme nicht ablehnen wird – anders als 2010, als sie eine Fusion von Sunrise mit der damaligen Orange untersagte.

Scharf beobachtete Semesterzahlen

Noch vor dem Weko-Entscheid stehen die Halbjahresabschlüsse von Sunrise und UPC an. Freenet-Chef Vilanek macht klar, dass die Zahlen der Kabelnetzbetreiberin für ihn entscheidend sein werden. Sollte UPC schlechter abschneiden als erwartet, dürfte die Opposition gegen die Übernahme weiterwachsen. Denn der Vertrag zwischen Liberty Global, dem Mutterkonzern von UPC, und Sunrise sieht keinen Preisanpassungsmechanismus vor. Vilanek mahnt denn auch: «Grundsätzlich stelle ich fest, dass sich das Umfeld im Schweizer Telekommarkt seit Anfang Jahr verändert hat und dies weiter tun wird bis zur geplanten ausserordentlichen Generalversammlung im Herbst.» Diese dürfte spätestens Ende Oktober stattfinden.

Konventionalstrafe fällig für Sunrise

Die Chancen einer Blockade durch Freenet sind realistisch. Nimmt man eine durchschnittliche Wahlbeteiligung an einer GV, kann Freenet mit knapp 25 Prozent der Aktien eine Stimmkraft von 30 bis 40 Prozent entwickeln. Um die UPC-Übernahme zu bodigen, bräuchte Vilanek also bloss noch den Rückhalt von zwei, drei institutionellen Investoren. Dann gilt: Zieht sich Sunrise vom Deal mit UPC-Besitzerin Liberty Global zurück, wird eine Konventionalstrafe von 50 Millionen Dollar fällig. Liberty droht keine solche Ausstiegsbusse.

Sunrise-Sprecherin Wenger ist zuversichtlich, eine Mehrheit für die Übernahme zu finden. «Investoren, welche die Transaktion nicht mögen, haben bereits verkauft und neue Investoren, welche die Vorzüge und Wertgenerierung sehen, haben gekauft», sagt sie. Nachvollziehen kann man diese «Rotation» als Aussenstehender nicht. Der Börse wurden in letzter Zeit keine Transaktionen gemeldet.

Salz mit Pfeffer

Salt Der französische Besitzer Xavier Niel macht Ernst. Sein Mobilfunkanbieter steigt ins Festnetzinternet ein. Ein Frontalangriff auf Swisscom und UPC.

Die Einwohner in Sargans haben bald einen neuen TV-Anbieter. Er heisst Salt. Dessen französischer Eigner Xavier Niel will in der Schweiz auf die Glasfaser. Die technischen Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, sagt ein Insider. Salt habe sich in die Swisscom-Ortszentrale eingemietet und habe nun Zugriff auf das Sarganser Netz.
Ein Salt-Angebot auf dem Glasfasernetz bedeutet für Konsumenten: Mehr Auswahl an Internet- und Fernsehanbietern. Und Druck auf die Preise, die bisher von den Marktführern UPC und Swisscom gemacht wurden.
Was im Rheintal geschieht, läuft in der ganzen Schweiz ab. Salt, der drittgrösste Mobilfunkanbieter, drängt auf der Glasfaser ins Festnetzgeschäft. Und zwar entgegen den Aussagen von Salt-Chef Andreas Schönenberger, der noch Anfang Jahr in der „Handelszeitung“ beteuerte: „Wir konzentrieren uns auf mobile.“
Doch Recherchen zeigen, dass Salt bereits Glasfaserverträge mit verschiedenen Elektrizitätswerken abgeschlossen hat. Darunter sind Stadtwerke wie jene von Zürich, Luzern, Bern und St. Gallen, wie mehrere Brancheninsider bestätigen. Weiter bemüht sich Salt um Partnerschaften mit Basel, Genf und Lausanne. Damit wären die grössten Ballungszentren abgedeckt. Salt kommentiert den Vorstoss nur indirekt. Man kommuniziere „die neuen Angebote an dem Tag, an welchem sie für Kunden erhältlich sind“, sagt ein Sprecher.
Salt ist als Anbieter bereits auf der Branchenplattform Alex vertreten, welche den Wechsel zwischen Glasfaseranbietern erleichtern soll. Bis Ende Jahr dürfte sie ein Festnetzangebot lancieren, vermutet ein Insider. Offenbar wollte das Salt-Management die Glasfaserprodukte bereits im letzten Weihnachtsgeschäft auf den Markt bringen.
Anders als kleinere Provider mietet Salt nicht einfach Netzkapazität. Niel will mehr: den exklusiven Zugriff auf eines der meist vier im Boden verlegten Glasfaserkabel. Damit mutiert der letzte Mobile-only-Mohikaner zu einem echten Telekom-Vollanbieter mit dem Quadruple Play aus Internet, Fernsehen, Festnetz und Mobilnetz. Ein Frontalangriff auf die Marktführer: Swisscom-CEO Urs Schaeppi und UPC-Chef Eric Tveter.
Niel dürfte in einem ersten Schritt einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren, schätzen Marktbeobachter. Dies, nachdem die frühere Orange bereits 40 Millionen Franken für die Marke Salt ausgeben musste. „Niel zeigt eine Risikobereitschaft, die sich längerfristig auszahlen könnte“, sagt ein ehemaliger Telco-Chef.
Dabei kennt der Salt-Besitzer das Festnetzgeschäft aus dem Effeff. Als Preisbrecher lehrt er in Frankreich mit seiner Freebox die Konkurrenz seit Jahren das Fürchten. Niels Know-how beim Einkauf von Filmrechten dürfte auch das Salt-Angebot befeuern. Darum geht es letztlich: Erst attraktiver Content macht aus dem schnellen Netzwerk auch ein gutes Geschäft.

10 Prozent Marktanteil möglich
Für die Platzhirsche Swisscom und UPC dürfte es mit dem Eintritt von Salt ins Festnetz ungemütlich werden. Das Pariser Beratungshaus Kepler Cheuvreux schreibt in einer Studie, dass Salt bis 2018 einen Anteil am Glasfasermarkt von 10 Prozent erreichen könnte. Auf 70 Millionen Franken schätzen die Analysten die Höhe der Einmalzahlungen an die Stadtwerke, die für die etwa 140 000 Haushalte geleistet werden müssten. Die von Kepler prognostizierte „take rate“ ist relativ hoch angesetzt und wohl Niels notorischer Preisaggressivität geschuldet. So rechnen die Analysten damit, dass Salt für eine schnelle Gigabit-Internetverbindung rund 65 Franken pro Monat verlangen könnte. Wingo – Swisscoms Billigmarke – verrechnet derzeit 75 Franken für die Hälfte der Geschwindigkeit. Dass es Wingo gebe, sei ebenfalls Niel zuzuschreiben, sagt ein Experte. Die Marke sei ein Abwehrdispositiv für Angriffe von Salt.
Für die Elektrizitätswerke ist Niel ein willkommener Akteur. Endlich nimmt jemand Geld in die Hand, um den staatlichen Glasfasern Leben einzuhauchen. Die Gespräche laufen seit Herbst 2015. Damals begann Olivier Rozenfeld, Niels rechte Hand in der Schweiz, den Kontakt mit den Stadtwerken aufzubauen. Kurz zuvor hatte sich Niel vom gesamten früheren Orange-Management um Johan Andsjö getrennt. Dieser hatte bis zuletzt die Mobile-only-Strategie verteidigt.
Am Verhandlungstisch habe Salt den Glasfaserbetreibern stets Kapitaldeals offeriert, sagen mehrere Quellen. „Das ist für den Franzosen steuerlich attraktiv und spült den Stadtwerken rasch Cash in die Kasse“, sagt ein Verhandlungsteilnehmer.
Gegen eine Einmalzahlung soll Salt demnach für 15 bis 20 Jahre das Nutzungsrecht auf eine Glasfaser erhalten. Dieses wird für eine bestimmte Zahl Privatanschlüsse definiert. Je nach Geschäftsgang, Fussabdruck und regulatorischem Umfeld kann die Zahl der Anschlüsse bei Erreichen eines Schwellenwertes erhöht werden. „Aber grundsätzlich trägt Salt das volle unternehmerische Risiko“, sagt ein Verhandlungspartner. Ein Beobachter moniert jedoch, dass Niels einmalige „Upfront“-Zahlung zwar verlockend sei. Auf den einzelnen Anschluss gerechnet, sei die Salt-Offerte aber eher „mager“.

Streit unter den Stadtwerken
Niels Offerten haben bereits zu Knatsch unter den Stadtwerken geführt. Wie Recherchen der „Handelszeitung“ zeigen, hat Genf kürzlich den Kooperations-Stecker gezogen. Die Services Industriels de Genève (SIG) waren einst Gründungs- und Hauptaktionäre beim Gemeinschaftsunternehmen Swiss Fibre Net, dem Städte wie Bern, Luzern oder St. Gallen angehören. Inzwischen haben SIG die Aktien verkauft. In der Rhonestadt verhandelt man mit Salt nun alleine.
Mit dem Gang auf die Glasfasern kehrt Niel zu dem zurück, was die Vorbesitzer vor Jahren bereits einmal geplant hatten. 2007 war die damalige Orange die erste Firma mit einem Pilottest auf dem Zürcher Glasfasernetz – mit Internet und scharfem HD-Fernsehen. „Das hat super funktioniert und wäre auch kommerziell lukrativ gewesen“, erinnert sich ein Manager von damals.
Doch die damalige Eigentümerin France Télécom pfiff das Management unter Andreas Wetter zurück. Sie wollte raus aus der Schweiz und Orange mit Sunrise fusionieren. Ein Festnetzangebot wäre der Hochzeit im Weg gestanden. Diese scheiterte später am Veto der Wettbewerbsbehörden. Mit Niel korrigiert nun ausgerechnet France Télécoms grösster Konkurrent im Heimmarkt den damaligen Entscheid.

Sonne, Salz und Sorgenfalten

Telekom Es ist ein blamables Bild, das die sogenannten Challenger auf dem Schweizer Telekom-Markt dieser Tage abgeben. Da ist die Nummer 3 im Markt, Salt. Seit der französische Milliardär Xavier Niel das Ruder in Renens übernommen hat, herrscht Chaos. Der einst sorgsam gehegte ARPU (Umsatz pro Mobilfunk-Kunde) schmilzt dahin wie Glacé in der Sonne. Das teuere Rebranding von Orange zu Salt erweist sich als Positionierung im Nirgendwo (edelbillig?). Zum operativen Gebastel gesellt sich öffentliches Nachtreten. Das alte Orange-Management, das inzwischen fast in corpore Reissaus genommen hat, wird mehrfach verbal abgekanzelt – zuletzt beim miserablen Jahresresultat. Gleichzeitig lässt man langjährige Partner wie die Werbeagentur Publicis ohne Ansage abtropfen und lagert fleissig nach Frankreich aus. Die neue Nonchalance offenbart, dass Niels gallische Söldner wenig Ahnung vom Schweizer Telco-Markt haben.

Auch beim zweiten Challenger ist nicht alles zum Besten bestellt. Am Börsengang der Sunrise haben höchstens der ehemalige Eigner CVC und das Management Freude. Beide liessen sich beim IPO vergolden, während der Streubesitz mit Aktien lebt, die weit unter Ausgabepreis notieren. Kein Wunder, denn die Versprechungen der Sunrise-Manager vor dem Börsengang erweisen sich als Luftblasen. Schaut man sich die Rentabilität an (Ebitda), tritt die Nummer zwei seit Jahren an Ort. Wie üblich soll nun ein neuer Chef die Wende bringen. Doch dauernde Sesselwechsel machen aus Challengern noch keine ernsthaften Angreifer.

Sunset für Voncina

Bald tritt der Neue an. Am 9. Mai übergibt Libor Voncina die Leitung des Telecom-Unternehmens Sunrise an Nachfolger Olaf Swantee. Voncina führte Sunrise drei Jahre lang. Im vergangenen März kündigte die Firma seinen Rückzug an. Nun zeigen Recherchen: Voncinas Abgang ist nach dem missglückten Börsengang wohl nicht aus freien Stücken erfolgt. Ein Indiz dafür sind jene Boni in Millionenhöhe, die Voncina eigentlich beziehen sollte. Und wollte.

Der Sunrise-Chef besitzt nämlich ein grosses Aktienpaket, das aus einem Beteiligungsprogramm vor dem Börsengang stammt. Das Programm stand der Teppichetage nicht nur offen, die Partizipation daran war sogar Pflicht, wie ein Beteiligter erzählt. Wie viel die Telekom-Oberen damit genau verdient haben, ist unklar. Sunrise legt die Details rückwirkend nicht offen. Klar ist nur, was daraus resultierte: Die im Geschäftsbericht ausgewiesenen Aktien haben heute einen Wert von rund 8 Millionen Franken.

Die Papiere sind an eine Good-Leaver-Bad-Leaver-Bestimmung gekoppelt. Diese bestimmt, dass Ansprüche aus dem Bonusprogramm gekürzt werden können, wenn ein Manager von sich aus kündigt – etwa aufgrund eines Konkurrenzangebots – und damit zum bad leaver wird. Spricht hingegen der Arbeitgeber die Kündigung aus, ist er ein good leaver. Das war bei Voncina offenbar der Fall.

Pressesprecher Roger Schaller sagt zur Handelszeitung, Voncina könne die Ansprüche aus dem alten Beteiligungsprogramm in vollem Umfang beziehen: Er ist ein ‹good leaver›. Auf die Frage, ob das heisse, dass Voncina die Firma unfreiwillig verlassen werde, verstummt der Sprecher. Er verweist lediglich auf das offizielle Statement, wonach Voncina – wie angekündigt – im Mai zurücktreten werde.

3 Millionen investiert

Voncina dürfte vor dem Sunrise-Börsengang im vergangenen Februar kaum damit gerechnet haben, das Unternehmen bald zu verlassen. Dafür spricht ein weiteres Bonusprogramm, das im Geschäftsbericht offengelegt wird. Dieses ermöglicht dem Management, einen Teil seiner Cash-Bezüge in Aktien zu investieren.

Für jede gekaufte Aktie erhalten sie eine Option auf weitere Gratisaktien. Läuft das Geschäft gut, gibt es pro Aktie 1,5 weitere Titel. Läuft es schlecht, schrumpft der Aktienbonus theoretisch bis auf null. Ausgezahlt werden diese Performance Shares erst drei Jahre nach der Investition.

Beim Börsengang hatten die Manager die Möglichkeit, zusätzlich Geld in dieses Programm zu investieren. Und Firmenchef Voncina stieg im grossen Stil ein. Insgesamt beteiligte sich der Slowene für 3 Millionen Franken am Programm. Das hätte er kaum getan, wenn er zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem Abgang gerechnet hätte. Denn interessant ist dieses Bonusvehikel nur aufgrund der Aussicht auf Performance Shares. Das eigentliche Investment geschieht nämlich zu Marktpreisen.

Wie lukrativ das Programm ist, zeigt der Geschäftsbericht. Diesem zufolge kam Voncina dank den Performance Shares 2015 auf eine Vergütung von 4,7 Millionen Franken. Ein stolzes Salär (siehe auch Tabelle) für eine Firma, die im vergangenen Jahr erneut einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe ausweisen musste und die im Herbst mit einem Federstrich 10 Prozent ihrer Belegschaft abbaute.

Doch nun zeigt sich: Der Geschäftsbericht war beim Zeitpunkt seines Drucks bereits veraltet. Wegen des Abgangs verliert Voncina seine Ansprüche aus dem Bonusprogramm, wie Pressesprecher Schaller erklärt. Die ausgewiesenen Lohnzahlungen reduzierten sich von 4,7 auf nunmehr 1,5 Millionen Franken.

Damit wurde das Bonusprogramm für Voncina zum Malusprogramm. Denn ohne die Option auf Gratisaktien wurde der Börsengang für ihn zum Verlustgeschäft. Der Aktienkurs hat seit dem Börsengang nämlich deutlich abgenommen. Nach dem ersten Handelstag waren die Sunrise-Titel noch fast ein Fünftel mehr wert, als sie es mittlerweile sind. Der Börsengang war aus Anlegersicht kein Erfolg.

Voncina hatte zu viel versprochen

Libor Voncinas Leistungsausweis für das vergangene Jahr ist alles andere als rosig. Zweimal musste er nach dem Börsengang die eigenen Versprechen korrigieren. Sunrise hatte den Anlegern zu viel versprochen. Oder wie es Vontobel-Analyst Panagiotis Spiliopoulos formuliert: Sie waren in ihren Forecasts viel zu bullish.

Sunrise hatte nicht mit den Preissenkungsrunden im Mobilfunk gerechnet, wie sie vergangenes Jahr stattfanden – etwa bei den Roaming-Tarifen. Vor allem aber habe Sunrise bei den Annahmen zur Zukunft keinerlei Sicherheitsmargen eingebaut, sagt Spiliopoulos. Erst nach den Korrekturen hätten die Zahlen wieder gestimmt. Doch da hatten viele Anleger ihre Aktien verkauft. Die Leute glaubten zeitweise nicht einmal mehr an das Dividenden-Versprechen, so der Analyst.

Insgesamt verlor das Unternehmen seit dem Börsengang stark an Wert. Nicht nur sank die Börsenbewertung aufgrund des sinkenden Aktienkurses von 3,4 Milliarden Franken nach dem ersten Handelstag auf 2,7 Milliarden per Ende Jahr. Gleichzeitig zahlte das Unternehmen auch die Hälfte der Schulden an seine Fremdkapitalgeber zurück. Vor dem Börsengang argumentierte die Sunrise-Geschäftsleitung, man müsse das damals fast 3 Milliarden umfassende Fremdkapital ebenfalls zur Bewertung des Unternehmens hinzuziehen. Tut man das jedoch, sank der so berechnete Unternehmenswert von Sunrise vom Börsengang bis Ende Jahr von 6, 3 auf 4,3 Milliarden Franken.

Am Ende hat sich Voncina also doppelt verspekuliert. Nicht nur hinsichtlich Bewertung des Unternehmens an der Börse, sondern auch beim Bonus-Poker um die eigene Karriere.