Kategorien
Handelszeitung Meinung

Corona-Krise: Grossbanken müssen Dividende stunden

Corona-Krise Bald arbeitet Ralph Hamers als UBS-Chef. Bereits im September wechselt er an die Zürcher Bahnhofstrasse. Zwei Monate später übernimmt er das Steuer von Langzeit-Chef Sergio Ermotti. Noch bis im Juni manövriert der Niederländer den Finanzkoloss ING durch den Corona-Sturm. Mit Bedacht: Man sei zwar gut kapitalisiert, schreibt Hamers an die Aktionäre, halte es aber für klug, der Empfehlung der europäischen Zentralbank EZB betreffend Dividendenzahlungen zu folgen. Das heisst: Hamers’ ING wird mindestens bis Anfang Oktober die Dividende stunden, um grösstmögliche finanzielle Flexibilität in der Pandemie-Krise zu haben.

Unbeeindruckt von der Corona-Krise zeigen sich UBS und CS


Der designierte UBS-Chef Hamers ist mit seinem Dividendenaufschub für ING-Eigner in bester Gesellschaft. Mittlerweile haben zahlreiche europäischen Grossbanken, von Unicredit über Santander bis hin zu HBSC und Nordea, ihre Ausschüttungen an Aktionäre fürs Geschäftsjahr 2019 entweder ganz ausgesetzt oder zumindest aufgeschoben.

Unbeeindruckt von den Corona-Risiken zeigen sich dagegen die beiden Schweizer Finanzkolosse: UBS und Credit Suisse. Deren Generalversammlungen finden Ende Monat statt. Die Einladungen sind verschickt. Und sie versprechen attraktive Returns für Bankaktionäre: Die UBS will 2,6 Milliarden Dollar verteilen. Dies entspricht 60 Prozent des Reingewinns. Bei der Credit Suisse sind es 20 Prozent oder 680 Millionen Franken. Zudem hat die ehemalige Kreditanstalt in diesem Jahr bereits eigene Aktien im Wert von 325 Millionen Franken zurückgekauft.

Der sorglose Dividendensegen ist dem Bundesrat, der Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht ein Dorn im Auge. Sie alle hatten im Zuge der Corona-Nothilfen an die Bankspitzen appelliert, ihre Ausschüttung freiwillig zu beschränken oder zu verschieben. Sich seine Kapitalstärke zu erhalten, sei kein Zeichen von Schwäche, mahnte Finma-Chef Mark Branson.

UBS und CS sollten die Mahnung ernst nehmen und ihre Dividenden stunden. Zu unberechenbar ist die Corona-Pandemie. Niemand weiss, wie die Welt in drei oder sechs Monaten aussehen wird. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass Geschäftsbanken ihre finanziellen Polster brauchen werden. Die Aussichten sind nämlich alles andere als rosig. In der Vermögensverwaltung sind Kundenvermögen wegen des Corona-Crashs zusammengeschmolzen, was die Ertragsbasis schmälert. Das Kapitalmarktgeschäft befindet sich in Schockstarre, weshalb das Investment Banking im Moment bloss ein grosser Kostenblock ist. Und auf Unternehmenskredite drohen Ausfälle. In welchem Umfang ist heute noch völlig ungewiss.

Binsenweisheiten sollten auch am Paradeplatz gelten

Sollte sich beispielsweise die Zahlungsmoral der Amerikaner verschlechtern, könnte dies zu substanziellen Verlusten bei UBS und CS führen. Beide zusammen halten gemäss SNB über 60 Milliarden Franken an ungedeckten Krediten in den USA. Darum: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Diese Binsenweisheit sollte auch am Paradeplatz gelten.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Corona-Krisen-Kredite: Der Zweck heiligt die Mittel

Corona-Krise Vor kurzem haben wir an dieser Stelle gefordert, der Bund müsse die Wirtschaft in der Corona-Krise retten. Das hat er inzwischen getan. Er hat einen Rettungsschirm für Pandemie-geplagte Betriebe aufgespannt. Mittels Überbrückungskrediten kommen nun Klein- und Kleinstunternehmer rasch an dringend benötigte Liquidität: Für Darlehen bis zu einer halben Million Franken genügt eine Selbstdeklaration mittels Fragebogen. Damit sind Löhne, Ladenmieten oder Lieferantenrechnungen für die Quarantänemonate abgesichert.

In einer akuten Krise wie Corona funktioniert das «Unternehmen Schweiz»


Dass der Bund zusammen mit den Banken innert weniger Tage ein solches Rettungspaket von bis zu 20 Milliarden Franken zu schnüren vermag, ist bemerkenswert. Allen Unkenrufen zum Trotz: In einer akuten Notlage funktioniert das «Unternehmen Schweiz». Die Kleinheit des Landes ist seine grosse Stärke: Die Gesprächskanäle zwischen Behördenspitzen und Wirtschaftsführern erweisen sich als offen, konstruktiv und effizient. Während im Normalbetrieb das tiefe Misstrauen zwischen Finanzwirtschaft und Politik propagiert wird. Wenn es wirklich brennt, rückt man zusammen. Selbstverständlich gibt es auch bei den jetzigen Notkrediten Stimmen, welche den Geschäftsbanken Eigennutz unterstellen. Natürlich: Die Kredithilfe für KMU ist auch eine Selbsthilfe der Banken. Denn wenn das Rückgrat der Schweizer Wirtschaft bricht, dann fallieren auch die Finanzinstitute – und zwar reihenweise. Spätestens wenn die Corona-Krise den gigantischen Hypothekenmarkt erfassen würde. Doch wer kann das wirklich ernsthaft wollen?

Der geäusserte Verdacht, die Banken würden sich mit staatlich verbürgten Krediten gesundstossen wollen, ist absurd. Mit Zinssätzen zu null oder etwas darüber lassen sich die Administrativkosten decken. Aber Gewinnsprünge sind damit keine möglich. Vor allem wenn man bedenkt, dass Banken vor der Corona-Krise für Blankokredite an KMU 5 und mehr Prozente verlangten. Da generieren die Bundeskredite höchstens Brosamen.

Eine weitere unterstellte Schlaumeierei: Die Banken würden faule Kreditrisiken ins Staatsprogramm abschieben. Auch hier hat der Bund den Riegel geschoben: Die Banken sollen ihre bestehenden Kreditlinien an KMU-Kunden offen lassen und nicht umfinanzieren. Die Staatsdarlehen sind klar als Ergänzung gedacht, nicht als Ersatz.

Kredite haben in Krisen einen Verpflichtungscharakter

Was bereits heute klar ist: Jene Coiffeurläden, Fitnesscenter und Quartierbeizen, die sich wegen Corona zusätzlich verschulden, werden nicht all ihre Bundeskredite zurückzahlen können. Dafür sind vielerorts die Margen zu mager. Es wird Ausfälle geben. Aber im Gegensatz zu A-fonds-perdu-Beträgen haben Kredite einen Verpflichtungscharakter.

Der Zweck heiligt die Mittel: Der Bund schreibt lieber in einigen Jahren ein paar Kredite ab, als in Bälde die Folgen einer schweren Rezession finanzieren zu müssen.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Corona-Krise: Bundesrat muss die Wirtschaft retten

Corona-Krise Eins vorweg: Der Shutdown des öffentlichen Lebens ist für die Schweiz ein beispielloser Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Aber er ist der einzig gangbare Weg, um die Ausbreitung des gefährlichen Coronavirus zu verlangsamen und damit das Gesundheitssystem schadlos zu halten.

Doch die Bevölkerung zahlt für ihren Schutz einen Preis: Mit dem Shutdown hat der Bundesrat für zahlreiche Branchen ein faktisches Arbeitsverbot erlassen. Vorerst bis Ende April befristet, aber wahrscheinlich für länger. Unter den Betroffenen befinden sich viele Kleingewerbe wie Coiffeursalons, Quartierbeizen oder Kosmetikstudios. Sie führt die ausserordentliche Lage geradewegs in die Krise: Ohne Betriebserlaubnis gibt es keine Umsätze, um Ausgaben und Löhne zu decken. Liquiditätsengpässe sind die Folge.

Die Notenbanken sind in der Corona-Krise ausgeschossen

Damit bedroht ein akuter Gesundheitsnotstand das viel beschworene «Rückgrat der Schweizer Wirtschaft», die KMU, in der Existenz. Der toxische Mix aus Nachfragekollaps und Angebotslücke aufgrund von Produktionsstörungen könnte rasch in eine schwere Rezession münden. Dann nämlich, wenn der Staat jene Bedarfslücke, die der Shutdown aufgerissen hat, nicht unbürokratisch und konsequent schliesst. Ansonsten rollt in wenigen Monaten eine Konkurswelle übers Land – mit all den Negativspiralen: steigenden Arbeitslosenzahlen, gedämpfter Konsumlust, faulen Krediten in den Bankbilanzen, Bewertungsverlusten auf Immobilien und so weiter.

Dieses Worst-Case-Szenario gilt es mit allen Mitteln verhindern. Die Notenbanken sind jedoch ausgeschossen. Es schlägt also die Stunde der Fiskalpolitik. Der Bundesrat muss jetzt handeln. Allen voran gefordert sind Finanzminister Ueli Maurer und Wirtschaftsminister Guy Parmelin. Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Das virusgeplagte Ausland hat es vorgemacht: Deutschland stellt bis 500 Milliarden Euro bereit, Frankreich 300 Milliarden. Und die USA schnüren ein Paket von 1 Billion Dollar, um die Pandemiefolgen zu prästieren.

Es geht darum, den Menschen Sicherheit zu geben

Es sind gigantische Summen, die nur ein Ziel verfolgen – der Frau und dem Mann von der Strasse die Gewissheit zu geben: Eure Jobs sind sicher. Eure Löhne garantiert. Eurem Unternehmen wird der Schnauf nicht ausgehen, bis die Pandemie überstanden ist. Dieses Signal, alles zu tun, kann nur dann glaubwürdig sein, wenn die Landesregierung nicht kleckert, sondern klotzt. Fertig mit der Pflästerli-Politik! Löst die Schuldenbremse! Holt die Bazooka!

Unsere Bonität ist musterschülerhaft

Schwarzpulver ist genügend vorhanden. Bund und Kantone erwirtschaften seit Jahren gigantische Haushaltsüberschüsse. Unsere Bonität ist musterschülerhaft. Und im Negativzinsumfeld kann sich die öffentliche Hand sowieso zu null verschulden. Diese perfekte Ausgangslage gilt es nun zu nutzen: Selbst auf die Gefahr hin, mit der Staatshilfe vereinzelt Trittbrettfahrer zu produzieren.

Denn Corona hat uns eins gelehrt: «Too little, too late» gefährdet Menschen. Und bald auch Firmen.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Michael Lauber ist untragbar

Bundesanwalt Die Aufsicht über die Bundesanwaltschaft hat das Disziplinarverfahren gegen den Bundesanwalt abgeschlossen. Die Befunde lassen Lauber keine Wahl.

Ein Gedankenspiel: Die Finanzmarktaufsicht durchleuchtet eine grosse Schweizer Bank. Sie stellt fest, dass der Bankchef in geschäftsrelevanten Dingen gelogen hat und damit zentrale Unternehmensprojekte zum Scheitern brachte, dass er illoyal war und die Treuepflicht verletzt hat, dass er den bankinternen Code of Conduct missachtet und ein falsches Berufsverständnis zeigt. Und dass der Banker am Ende noch die Aufklärungsarbeit der Finma aktiv hintertrieben hat.

Was würde dem fehlbaren Bankchef wohl blühen? Richtig, die Finma würde ihm per sofort das Gewähr entziehen. Und was passiert, wenn sich der oberste Strafverfolger des Landes solches Fehlverhalten leistet? Die Aufsicht AB-BA kürzt Bundesanwalt Michael Lauber für ein Jahr den Lohn um acht Prozent.

Lauber gebärdet sich wie ein Sonnenkönig

Diese homöopathische Strafe ist himmelschreiend. Und sie zeigt einmal mehr, was für ein zahnloser Papiertiger die Aufsicht über die Bundesanwaltschaft ist. So gewollt vom Gesetzgeber, um die Bundesanwaltschaft vor den Zumutung der Politik und der Behörden zu schützen. Nur rechnete niemand damit, dass sich mit Michael Lauber ein Bundesanwalt wie ein Sonnenkönig gebärdet. Mit seiner selbstherrlichen und uneinsichtigen Art hat er nicht nur den Ruf der Bundesanwaltschaft schwer beschädigt hat. Lauber hat mit seinen klandestinen Chef-Treffen auch Leuchtturm-Verfahren wie jenes gegen ehemalige FIFA-Spitzenfunktionäre kompromittiert.

Um weiteren Schaden von der Institution Bundesanwaltschaft abzuwenden, bleibt Michael Lauber deshalb keine Wahl: Er muss umgehend zurücktreten.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Julius Bär – Die grosse Ideenlosigkeit

Julius Bär Seit Herbst ist Philipp Rickenbacher Chef der Zürcher Privatbank Julius Bär. Nun hat der Neo-Chef sein Update zur Strategie vorgelegt, ausgeheckt von McKinsey.

Wer auf einen grossen Wurf gehofft hat, sieht sich getäuscht. Vielmehr gesellt sich Rickenbacher zu jenen Schweizer Bankchefs, die angesichts strukturell sinkender Bruttomargen in der Vermögensverwaltung vorab an der Kostenschraube drehen: Julius Bär baut 300 Jobs ab und will bis in zwei Jahren 200 Millionen sparen.

Bei den Wachstumsplänen zerreisst Julius Bär keine Stricke

Das allein ist noch keine Strategie. Und auch bei den Wachstumsplänen zerreisst die Bank keine Stricke. Mindestens 150 Millionen mehr Umsatz sollen die Bären bis 2022 bolzen. Die Vorgehensweise entspricht dem Schema F aus dem Lehrbuch der Berater: mehr Mandatsgeschäft und mehr Wertschöpfungstiefe bei bestehenden Kunden.

Wie das gehen soll, zeigt die Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr. Auch die Zürcher Privatbank puscht nämlich das Geschäft mit Lombardkrediten, genau wie ihre Konkurrenz am Paradeplatz.

Worthülsen vermögen Ideenlosigkeit nicht zu kaschieren

Diese Plain-Vanilla-Strategie wird garniert mit allerlei Marketing-Klimbim, wonach die Zürcher Bank zum «Most admired global wealth manager» werden sollen. Solcherlei Worthülsen vermögen nicht zu kaschieren, dass die Führung des Vermögensinstituts Ideenlosigkeit versprüht. Aufbruch sieht jedenfalls anders aus.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Finma – Halbbatziges «Name and Shame»

Insiderhandel Vorab: Dass die Finanzmarktaufsicht die Daumenschrauben beim Insiderhandel anzieht, ist konsequent. Und dass die Finma diese Nulltoleranz den Marktteilnehmern vermittelt, ist wichtig. Nur: Entweder betreibt die Aufsicht ein «Name and Shame», bei dem sie die Täter beim Namen nennt und damit volle Präventivwirkung entfaltet. Oder sie lässt die Personen aus dem Spiel und verweist auf anonyme Erfolgszahlen bei Insiderfällen.

Finma nennt den Täternamen nicht

Was nicht geht, ist jene Variante im «schweren Fall von Insiderhandel», den die Finma kürzlich publik machte. Dieses Zwitterding aus «Name and Shame» mit gleichzeitigem Persönlichkeitsschutz heizt nur die Gerüchteküche ein – Fehlverdächtigungen inklusive. Die Finma nennt den Namen des Täters nämlich nicht, engt aber den Personenkreis stark ein, handelt es sich beim Insider doch demnach um den «ehemaligen CEO einer Schweizer Bank», der über «Depots seiner Ehefrau» rund 730 000 Franken an unrechtmässigen Gewinnen erzielt hat. Bei knapp 250 Schweizer Bankchefs und einer durchschnittlichen CEO-Amtsdauer von 6,9 Jahren ist die Zahl infrage kommender Personen beschränkt.

Finma darf Personalien veröffentlichen

Dabei ist es der Behörde durchaus erlaubt, in schweren Fällen «die betroffenen Unternehmen oder Personen unter Angabe des Namens zu veröffentlichen». Ein halbbatziges «Name and Shame» dagegen schadet mehr, als es nützt.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Flugbewegte Klimajugend

Aviatik Wasser predigen und Wein trinken. So lässt sich die neuste Meldung vom Flughafen Zürich deuten. Denn auch 2019 fliegen erneut mehr Passagiere ab Kloten. Im Vergleich zu vor zehn Jahren sind es fast zehn Millionen Passagiere mehr, was einem satten Plus von 43 Prozent entspricht.

Zwei Drittel sind Freizeit-Flüge

Fürs Klima sind dies schlechte News, verursacht doch der Flugverkehr rund einen Fünftel des CO2-Ausstosses in der Schweiz. Dabei wäre eine Reduktion durchaus zumutbar: Fast zwei Drittel der über dreissig Millionen Passagiere nehmen ab Kloten aus «Freizeitgründen» den Flieger. Das Klischee von den meilensammelnden Geschäftsfliegern, derentwegen die Polkappen dahinschmelzen, ist daher zu korrigieren.

Und nicht nur das. Wer die Passagierstatistiken in Kloten von 2008 und 2018 miteinander vergleicht, sieht zwei weitere Trends: Der Anteil weiblicher Passagiere ist deutlich gestiegen (um 29 Prozent), der Anteil jüngerer Fluggäste ebenfalls. So beträgt der Zuwachs in der Sparte der 16- bis 25-jährigen Flugpassagiere immerhin 14 Prozent. Auch die Klimajugend aus der Generation Greta lässt sich also gerne per Flieger ins Freizeitvergnügen bewegen.

Passagiere werden jünger und weiblicher

Womit wir beim Kernproblem wären, weshalb die Klimaziele mit Sicherheit verfehlt werden: Wohlmeinende Proteste sind nicht nachhaltig. Nach dem Friday for Future rasch im Easyjet ins Weekend abzudüsen, ist zwar hochgradig widersprüchlich, aber typisch menschlich. Wer wirklich Verhaltensänderungen durchsetzen möchte, tut dies mit Vorteil über den Preis, abseits aller moralinsauren Appelle ans schlechte Gewissen.

Eine griffige Flugsteuer ist deshalb die einzig logische Konsequenz.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Breitmeier ist ein Bauernopfer

Ruag-Chef Urs Breitmeier Der Abgang von Urs Breitmeier ist angesichts der vielen Fehlleistungen richtig. Doch der Kern von Ruags Problemen bleibt ungelöst.

Knall auf Fall trat diese Woche der langjährige Chef der Ruag, Urs Breitmeier, ab. Seit 2013 leitete Breitmeier die Geschicke des bundeseigenen Rüstungsbetriebs.

Beim Exit des CEO führte die Ruag-Spitze um Präsident Remo Lütolf die Öffentlichkeit einmal mehr an der Nase herum. Breitmeiers Abgang stehe in Zusammenhang mit dem erfolgreichen Abschluss der Ruag-Aufspaltung in einen zivilen, internationalen und einen inländisch, militärischen Teil, gab Lütolf zu Protokoll.

Eine Entflechtung notabene, die seit Jahren im Tun ist und deren Abschluss prima zu antizipieren gewesen wäre. Wenn also der Abgang des Ruag-CEOs wirklich von langer Hand geplant gewesen wäre, weshalb kann der Ruag-Präsident nicht nahtlos Breitmeiers Nachfolge präsentieren und muss sich mit einer Interimslösung behelfen?

Die Gründe sind andere

Die Sache ist vielmehr die: Bis vor kurzem galt Urs Breitmeier unter Branchenkennern als gesetzt für den Posten als Ruag-International-Chef, also den ausländisch-zivilen Teil. Doch der Druck auf den langjährigen Rüstungsmanager stieg in vergangenen Monaten kontinuierlich an.

Zu viele operative Altlasten kamen im Rahmen der Entflechtung und auch auf Druck der Öffentlichkeit ans Licht.

Allen voran der Bericht der Eidgenössischen Finanzkontrolle EFK vom letzten Sommer, der zeigt, dass die Ruag-Führung über Jahre der Armasuisse zu hohe und artfremde Leistungen in Rechnung stellte. Das war zwar stets legal, aber trotzdem höchst stossend für den Bundeseigner und grössten Ruag-Kunden. 

Eine Reihe von Missständen

Diese fragwürdigen Querfinanzierungen sind das jüngste Element in einer ganzen Reihe von Missständen bei der Ruag in der Ära Breitmeier. Angefangen bei eklatanten Compliance-Verfehlungen in einer Munitionsfabrik in Ungarn, welche die EFK vor einigen Jahren aufdeckte.

Gefolgt von den Cybersecurity-Mängeln, welche ein russischer Hackerangriff auf die Ruag-IT schonungslos offenlegte. Bis hin zu zweifelhaften Waffenexport-Geschäften. Insgesamt verfestigte sich so der Eindruck, dass Breitmeier seinen Laden nur bedingt im Griff hatte.

Und schlimmer noch: Dass Breitmeier Fehler, die überall passieren können, wo gearbeitet wird, nur widerwillig und in Salamitaktik einzuräumen bereit war.

Der Rücktritt von Urs Breitmeier tut not

Dass der langjährige Ruag-Chef nun abtritt, ist angesichts der Kumulation von Fehlleistungen nur konsequent. Das Problem dabei: Breitmeier ist bloss ein Bauernopfer.

Denn was der Ruag über all die Jahre fehlte, war eine konsequente Aufsicht und ein starker Eigner. Und da kommt Präsident Lütolf in Spiel: Der heutige Präsident sitzt seit 2014 im Aufsichtsgremium. Lütolf ist massgeblich dafür mitverantwortlich, dass der Rüstungsbetrieb des Bundes nicht aus den Negativschlagzeilen herauskommt. Es ist deshalb zu hoffen, dass auf die neue Struktur auch neue Köpfe folgen werden.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Lex UBS – Ständerat als Wasserträger der Grossbanken

Steuerabzug auf Auslandbussen Geht es nach den Politikern der kleinen Kammer, dem Ständerat, sollen Schweizer Unternehmen im Ausland verhängte Bussen von den Steuern abziehen können. Dies dann, wenn das dortige Verfahren gegen rechtsstaatliche Grundsätze verstösst. Oder dann, wenn die Schweizer Firma alles Zumutbare unternommen hat, um sich rechtskonform zu verhalten.

Die Abzugsfähigkeit dieser Bussen sollen jeweils die hiesigen Steuerbehörden prüfen. Das jedoch führt zu absurden Verhältnissen: Die Schweizer Steuervögte müssten über ausländische Strafurteile richten und ermessen, ob der Konzern im Ausland auch wirklich alles Menschenmögliche unternommen hat, sich gesetzeskonform zu verhalten. Es wäre die pure Rechtsanmassung. Deshalb lehnen Bund und Kantone die Abzugsfähigkeit grundsätzlich ab.

Keine Bananenrepubliken

Hinzu kommt, dass all die Multimillionenbussen der letzten Jahrzehnte für Schweizer Konzerne nicht in Bananenrepubliken anfielen, sondern in demokratischen Rechtsstaaten wie den USA.

Es entsteht deshalb der Eindruck, dass sich die Mehrheit des Ständerats zum Wasserträger der Grossbanken gemacht hat, namentlich der UBS. Die Bank wittert in ihrem Frankreich-Steuerfall Politjustiz und hofft nun wenigstens, die drohende Milliardenbusse von den Steuern absetzen zu können.

Kategorien
Handelszeitung Meinung

Verwaltungsräte – Zwischen Paschas und Patrons

Verwaltungsrat Die Aufgabe von Verwaltungsräten ist klar geregelt. Das Obligationenrecht sagt, VR hätten die «Oberleitung der Gesellschaft» samt Aufsicht über die Geschäftsleitung, und ihr Job sei, mit aller gebotenen Sorgfalt «die Interessen der Gesellschaft in guten Treuen» zu wahren.

Nur: In der praktischen Auslegung des Gesetzestextes liegt der Hund begraben. Was die Interessen der Gesellschaft sind und wie es sie bestmöglich zu wahren gilt, darüber herrscht zwischen Firmeneignern und ihren VR zusehends Dissens.

Massiv anspruchsvolleres Mandat

Zoff gab es allenthalben: Ob bei Comet, Meyer Burger, Panalpina, Sunrise oder Schmolz + Bickenbach – in wechselnden Konstellationen gerieten Aktionäre und Verwaltungsräte über Gesellschaftsinteressen einander in die Haare. Die Beispiele zeigen: Das Mandat ist massiv anspruchsvoller geworden.

Die Zeiten, als der VR ein paschahaftes Abnickergremium für altgediente Manager war, sind definitiv vorbei. Gefragt ist neben komplementären Fachkompetenzen auch viel Fingerspitzengefühl. Doch gerade die VR einiger kotierter Konzerne lassen dieses im Umgang mit streitbaren Aktionären missen.

Verwaltungsrat als Aufseher und Dienstleister

In Schweizer Boards greift ein Patron-Gehabe um sich, das mehr von persönlichem Eigennutz als vom Schutz der Gesellschaftsinteressen getrieben ist. Verwaltungsräte sollten sich daher auf ihre strategische Rolle als Aufseher und Dienstleister zurückbesinnen.

Gefragt sind kenntnisreiche Moderatoren der Aktionärsinteressen und keine selbstherrlichen Egomanen.