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Axpo braucht Flüssiges

Wasserkraft Der Stromkonzern will sechs Kraftwerke abstossen. Nun geht der Verkaufsprozess in die heisse Phase.

Am Axpo-Sitz in Baden herrscht „Land unter“. Nach Milliardenabschreibern und mehreren roten Geschäftsjahren geht der Nordostschweizer Stromkonzern ans Tafelsilber, wie bereits Konkurrentin Alpiq zuvor. So sind seit Frühjahr die Anteile an sechs Wasserkraftwerken (siehe Liste oben) zur Veräusserung vorgesehen, wie aus einem Verkaufsprospekt hervorgeht, welcher der „Handelszeitung“ vorliegt. Es handelt sich um Partnerwerke, zumeist mit Minderheitsanteilen von Axpo. Der Bieterprozess wie die Sorgfaltsprüfung zum Kraftwerkspark sind offenbar abgeschlossen. Nun stehen gemäss einem Insider die konkreten Verhandlungen an. Bis Ende Jahr soll der Hydro-Deal unter Dach und Fach sein.

Abhängigkeit minimieren

Axpo bestätigt zwar, dass ein Verkaufsprozess im Gange sei, ohne allerdings auf Kraftwerke oder Details näher einzugehen. Doch die Ausgangslage ist klar: Mit einem grossen Schweizer Produktionspark und ohne gebundene Kunden im Monopol ist der Badener Stromkonzern den strukturell tiefen Marktpreisen schutzlos ausgeliefert. „Diese Abhängigkeit vom Strompreis müssen wir minimieren“, sagt Axpo-Sprecher Tobias Kistner.

Deshalb lautet die Devise nun, Hydro-Kapazitäten zu reduzieren, um den Stromkonzern flüssig zu halten. Kistner erläutert passend dazu das „oberste strategische Ziel“ des Stromkonzerns: „Die nachhaltige Sicherung der Liquidität und Kapitalmarktfähigkeit sowie die Steigerung der Rentabilität angesichts des anhaltend schwierigen Marktumfelds.“

Stromnetz in der Waagschale

Konkret bedeutet dies, dass man in Baden nicht strategische Assets abstossen möchte. Dazu klopft die Axpo-Spitze um Chef Andrew Walo seit Ende letzten Jahres das gesamte Produktionsportfolio auf Ballast ab. Zum Evaluationsprozess sagt Sprecher Kistner: „Im Rahmen dieser Prüfungen wurde neben einigen Gaskraftwerken und Kernenergie-Langzeitbezugsverträgen auch ein Portfolio von Wasserkraftwerken (beziehungsweise deren Axpo-Anteile) eruiert, die zum Verkauf angeboten werden sollen.“ Ob im jüngst kommunizierten Abschreiber in der Höhe von 1,4 Milliarden Franken auch jene sieben Hydrokraftwerksanteile enthalten waren, lässt der Stromkonzern offen. Man wolle keine einzelnen Beträge nennen. „Dies ist darin begründet, dass wir spezifisches Bewertungswissen nicht für unsere Mitbewerber zugänglich machen wollen“, erklärt der Axpo-Sprecher.

Während man die Transaktionsmasse also öffentlich möglichst opak hält, bewirbt Axpo ihre sieben Kraftwerksanteile gegenüber potenziellen Kaufinteressenten aktiv als Gelegenheit zur „Investition in Schweizer Infrastruktur“. Schliesslich handelt es sich um ein stattliches Portfolio: Kurzfristig können die Axpo-Kraftwerksanteile die Leistung eines halben AKW Mühleberg erzeugen. Jährlich produziert die Park-Partizipation etwa so viel Elektrizität, wie ein grosses Schweizer Stahlwerk verbraucht. Im Fall des Kraftwerks Wägital wirft der Stromkonzern gar noch ihr Mittelspannungsnetz im Schwyzer Bezirk March in die Waagschale. Man sei bereit, dessen Verkauf zu diskutieren, heisst es in der Verkaufs-Doku.

Axpo würde gemäss dem Papier gerne alle sieben Kraftwerke an einen Käufer veräussern, und zwar „noch möglichst in diesem Kalenderjahr“. Insider zweifeln an der Realisierbarkeit dieses Vorhabens. Denn der Kreis potenzieller Interessenten ist klein. Nur schon, weil solche Minderheitsanteile für hohe Abhängigkeiten sorgen und wenig unternehmerische Freiheiten bieten. Eine brancheninterne Lösung scheint wahrscheinlich. Auch die öffentliche Hand kommt als Käufer infrage, weil dadurch mögliche Konzessionierungsrisiken hinfällig werden.

Doch der Heimfall ist nicht die einzige Unwägbarkeit bei der Akquise eines Wasserkraft-Portfolios. Auch der anstehende Investitionsbedarf belastet den Businessplan: So stehen bei einzelnen Kraftwerken grössere Erneuerungsarbeiten an. Und wer heute Hydro kauft, geht sowieso eine Wette auf steigende Strompreise ein. In einem regulatorischen Umfeld, das sich von heute auf morgen ändern kann, ist dies ein Vabanquespiel.

Was alles zum Verkauf steht (Axpo-Anteil)

  • Electra-Massa
  • Lizerne et Morge
  • Argessa
  • AG Kraftwerk Wägital
  • Electricité de la Lienne
  • Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern

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