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Cybera Global – Prominente Cyberfahnder

Cybera Global Das Zürcher Fintech sagt Internet-Kriminellen den Kampf an – mit bekannten Namen.

Cybercrime hat Hochkonjunktur. Mit Lockdown und Homeoffice hat sich das Arbeitsleben ins Digitale verlagert. Internet-Kriminelle wittern ihre Chance, um mit gewieften Betrugsmaschen ahnungslose Privatpersonen und Firmen online zu Vermögenstransfers zu verleiten. Im Zuge der Corona-Krise sind die Fallzahlen stark angestiegen, wie die jüngste Statistik der Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani des Bundes verdeutlicht (siehe Grafik).

Das wachsende Gefährdungspotenzial durch Cybercrime treibt nicht nur die Strafverfolgung um, sondern auch die Banken. Dabei ist der Online-Betrug bloss die Anlasstat. Folgt auf diese eine Überweisung wird sie für involvierte Finanzinstitute und ihre betrogenen Kunden zum Geldwäschereifall.

Hier setzt die jüngst gegründete Zürcher Fintech-Firma Cybera Global an. «Wir wollen zur international führenden Plattform in der Prävention und Bekämpfung von Cybercrime und Online-Betrug werden», sagt Gründer und Geschäftsleiter Nicola Staub. Der 33-jährige Cybera-Global-Chef war bis vor kurzem als Staatsanwalt im Kanton Schwyz im Dienst. In dieser Funktion hat er sich schon vor Jahren auf die Bekämpfung von Cyberkriminalität spezialisiert und sitzt heute in Fachgremien wie ICT Switzerland oder der internationalen Global Cyber Alliance.

«Das Risiko für Cyberkriminelle ist leider viel zu gering, jemals strafrechtlich verfolgt zu werden», sagt Staub. Die Behörden hätten viele Fälle und beschränkte Ressourcen. Erschwerend komme hinzu, dass Cyberkriminalität stets eine internationale Dimension aufweise. Die Hintermänner seien in der Regel im Ausland zu finden. Demgegenüber sei die Strafverfolgung bestenfalls national organisiert. Entsprechend aufwendig gestaltet sich die Verfahrensführung samt Rechtshilfe. In der Konsequenz müssen die hiesigen Strafermittler die Cybercrime-Fälle rigoros priorisieren. Gleichzeitig wächst der Pendenzenberg, weil Online-Betrug mittlerweile ein Massengeschäft mit teilweise hohen Deliktsummen ist.

Blacklist für den Finanzplatz

Staubs Fazit: «Für 95 Prozent der Cybercrime-Fälle braucht es einen neuen Ansatz.» Den will der initiative Jungunternehmer mit dem Fintech Cybera Global liefern, das er zusammen mit seinem Bruder Claudio und Tobias Ellenberger, einem Spezialisten für Cyber Security & Incident Response, gegründet hat. Das wichtigste Mittel im Kampf gegen Internetbetrug sei Geschwindigkeit, so Staub: «Je schneller das Opfer, dessen Bank und die Behörden reagieren, desto grösser die Chancen, dass weitere Geldtransfers verhindert werden können.»

Aus der Praxis weiss Staub, dass Cyberkriminelle häufig ein und dasselbe Finanzkonto für mehrere Betrugstaten missbrauchen. So entstand die Idee einer unabhängigen Plattform, auf der Banken unter Wahrung des Datenschutzes inkriminierte Konten einfach und schnell melden können. Heute wissen die Institute nämlich untereinander häufig nicht, dass ihre Kunden auf dasselbe Missbrauchskonto Geld einzahlen. Mittels Public-Private-Partnership sollen auch die Polizeibehörden eingebunden werden.

Indem Cybera Global eine Blacklist für den Finanzplatz führt, lassen sich rasch weitere Finanztransfers unterbinden. Je effektiver die Plattform, desto weniger Fälle landen hernach bei der Strafjustiz. Derzeit wird die entsprechende IT-Plattform von der Softwarefirma Innofactory entwickelt. Sie steht unter der Trägerschaft der Hypothekarbank Lenzburg und der Berner Kantonalbank. Das Going-live ist im Verlaufe des dritten Quartals geplant.

Rohner als Investor, Brülhart im VR von Cybera Global

Da eine Plattform nur so effektiv ist wie die Anzahl Nutzer und deren Engagement, wollen Staub und sein Team möglichst viele hiesige Banken als Kunden auf Cybera-Global-Lösung bringen. Dabei hilft dem Zürcher Fintech eine illustre Runde an Mitstreitern: «Lead Angel Investor» ist der ehemalige UBS-Chef Marcel Rohner, der heute unter anderem im Verwaltungsrat der Genfer Union Bancaire Privée und der Neuen Helvetischen Bank sitzt. Rohner soll auch den höchsten Betrag investiert haben in einer ersten, mit mehreren hunderttausend Franken dotierten Finanzierungsrunde. Bereits im nächsten Jahr – nach dem «proof of concept» – will Cybera Global weiteres Wagniskapital einsammeln, um die Plattform möglichst global ausrollen zu können.

Auf Anfrage will Marcel Rohner zu seinem Engagement als Fintech-Investor keine Stellung nehmen. Auskunftsfreudiger ist da René Brülhart. Der prominente Geldwäscherei-Bekämpfer und ehemalige Präsident der vatikanischen Finanzaufsicht sitzt zusammen mit Daniel Heller, Partner bei der Public-Relations-Agentur Farner, als externer Vertreter im Cybera-Global-Verwaltungsrat und hat das Jungunternehmen aktiv in der Anfangsphase begleitet: Er sei im letzten Jahr von den Gründern direkt kontaktiert worden, ob er mit an Bord kommen wolle. Brülhart wollte. Denn «der Business-Case wie auch die Fachkompetenz der involvierten Personen» hätten ihn überzeugt.

In erster Linie kümmert sich der bekannte Freiburger Jurist um strategische Belange, dient den Jungunternehmern als «sounding board» und leistet einen «gewissen Know-how-Transfer». Dabei kommt Cybera Global sicher auch Brülharts bestehendes Netzwerk in Sachen Strafjustiz und Geldwäscherei-Bekämpfung zugute. Als ehemaliges Mitglied der Egmont-Gruppe und als Teil der amerikanischen Risk-Intelligence-Firma TD International verfügt er über beste Kontakte zu ausländischen Behörden und Finanzintermediären.

Büro von Cybera Global in New York City

Cybera Global startet zwar von Büros an der Zürcher Bahnhofstrasse aus, verfolgt aber von Beginn an eine internationale Strategie: Parallel zum Schweizer Setup wurde eine Firma in den Vereinigten Staaten gegründet. «Wir wollen bald auch ein Büro in New York City eröffnen», sagt Cybera-Chef Staub. Die Stadt sei doppelt attraktiv: Zum einen sei New York die Bankenkapitale der USA, zum anderen positioniere sich die Millionenmetropole am Hudson River verstärkt als globaler Hub für Cyber-Security-Firmen. Ein Ökosystem, von dem künftig auch Cybera Global profitieren möchte. Frei nach dem Song von Leonard Cohen: «First We Take Manhattan».

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