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Eine Wette auf die Richter

Insiderhandel Seit bald dreissig Jahren werden Insider-Börsendelikte strafrechtlich geahndet. Doch die ersten 25 Jahre, bis 2013, kann man getrost ad acta legen. Schlappe 16 Strafen wurden in dieser Zeit gegen Schweizer Frontrunner ausgesprochen. Kein Zufall: Das ursprüngliche Insiderhandelsverbot war zahm und zahnlos, sodass sich ruchlose „old boys“ praktisch gefahrlos darüber hinwegsetzen konnten. Mehr noch: Das Ausnutzen vertraulicher Informationen galt als Kavaliersdelikt.

Tempi passati. Inzwischen sind nebst ethischen Bedenken auch die ökonomischen Folgekosten des Marktversagens bewiesen. Parallel dazu hat die Revision von 2013 die Wende gebracht: Täterkreis wie Tathandlungen wurden ausgedehnt. Aber noch wichtiger ist die neue Aufgabenverteilung. Waren zuvor kantonale Staatsanwälte für Insiderfälle zuständig, liegt die Kompetenz nun beim Bund.

Finanzmarktaufsicht wie Bundesanwaltschaft haben mittlerweile Börsenspezialisten an Bord, die jede Zuckung an den Märkten registrieren. Flankiert von cleveren Informatiksystemen. Die Datenspur, um Insider dingfest zu machen, wird immer feiner.
Allerdings bleibt die Beweisführung – vom Trade zur Tat – schwierig. Kausalität und Absicht herzuleiten, bedeutet Knochenarbeit für die Strafermittler.

Im Kampf um einen sauberen Börsenplatz wird es nun an den Richtern liegen, das revidierte Insiderverbot in der Praxis zu etablieren.

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