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Michael Lauber – Mehr als ein Sommermärchen

Michael Lauber Der Fifa-Sommermärchen-Prozess ist verjährt. Ein Debakel für die Schweizer Strafjustiz – und insbesondere für Bundesanwalt Michael Lauber. Dessen Strafermittler, die mit den Fussballfunktionärsmachiavellisten überfordert schienen, stocherten fünf Jahre lang im Nebel, ohne wirklich zu Potte zu kommen. Bis es schliesslich zu spät war.

Überschattet wurde die strafbehördliche «Fishing Expedition» von Laubers klandestinen Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino. Im Stile eines Mafiajägers in einem zweitklassigen Krimi traf sich der Bundesanwalt mit dem Fussballpaten mehrfach heimlich in einem Berner Luxushotel. Ein Treffen resultierte gar in einer Totalamnesie aller Beteiligten.

Karimova-Verfahren von Foltervorwürfen überschattet

Und Lauber tauschte sich, wie der «Tages-Anzeiger» nun herausgefunden hat, mit Infantino eben nicht nur zu strategisch-übergeordneten Verfahrensfragen aus, was der Bundesanwalt stets beteuerte. Vielmehr ging es dem Fifa-Boss in den Gesprächen wohl darum, seine Weste sauber zu wissen.

Doch es gibt mehr als nur ein Sommermärchen: Nicht bloss im Fifa-Fall offenbart sich Laubers hemdsärmeliges Amtsverständnis. Die Aufsicht über die Bundesanwaltschaft täte gut daran, auch andere Verfahrenskomplexe zu durchleuchten.

Ein Beispiel ist das Geldwäschereiverfahren um die Tochter des ehemaligen usbekischen Diktators, Gulnara Karimova. Die Bundesanwaltschaft drängt auf rasche Rückführung der Korruptionsgelder, obwohl das Verfahren in Usbekistan von Foltervorwürfen überschattet wird. Auch im Fall Karimova hatte Bundesanwalt Lauber informelle Kontakte.

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