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Super League – Fussball ist eben nicht Soccer

Super League Sie ist die grösste Bank der Vereinigten Staaten, JP Morgan. Und ihr Führungspersonal um die Wall-Street-Legende James «Jamie» Dimon offenbarte unlängst, wie wenig sie Europa verstehen. In einem Anflug von amerikanischem Kulturimperialismus hat der New Yorker Finanzkoloss mit seinen Plänen für eine abgehobene «Super League» den grössten Shitstorm in der jüngeren Geschichte des europäischen Vereinsfussballs entfacht.

Dieser Empörungssturm entlud sich zwar zu Recht an den «Super League»-Clubs selbst, von Manchester City über Juventus Turin bis zum FC Barcelona. Doch für die haarsträubende Idee eines stehenden Elite-Wettbewerbs, jenseits aller Ligastrukturen, sollten die hoch bezahlten Investment-Banker von JP Morgen eigentlich geteert und gefedert werden.

Europas Fussball ist mehr als ein Zeitvertreib für reiche Clubeigner wie die Super League

Denn Europas Fussball ist eben nicht Soccer. Und auch nicht Baseball, American Football oder Basketball. Die FC auf dem alten Kontinent führen gerade keinen Profiliga-Klimbim auf, bei dem die Fans in heruntergekühlten Sponsor-Arenen blosse Claqueure für die Pay-TV-Kundschaft an den Bildschirmen zu Hause sind. Europas Fussball ist auch kein x-beliebiger Entertainment-Zirkus, dessen Spielregeln sich nach den Bedürfnissen der Werbebetreibenden zu verbiegen haben. Und es ist auch kein blosser Zeitvertreib für schwerreiche Clubbesitzer, die mit ihren NBA- oder NFL-Franchisen jonglieren, als seien sie Daytrader an der Börse.

Vereine sind, von ihrer Definition, nichtkommerzielle Organisationen

Das Gegenteil ist der Fall. Europas Fussball hat gewachsene Strukturen, von denen die JP-Morgan-Banker wahrscheinlich noch nie etwas gehört haben. Europas Fussball ist tief verwurzelt in den gemeinnützigen Ballsport-Vereinen, die im ausgehenden 19. Jahrhundert auf dem Kontinent in mannigfaltiger Form entstanden sind. Vereine sind, von ihrer Definition her, nichtkommerzielle Organisationen.

Es sind Zusammenschlüsse Gleichgesinnter, die gemeinschaftlich demselben Zweck frönen. Eingebettet sind sie zumeist in Verbandsligen, die ganz Europa vom Amateur-Gebolze bis zum filigranen Profitum durchdringen. «For the love of the game», wie es so schön heisst. Insofern haben die «football clubs» europäischer Ausprägung eben auch soziale und gesellschaftliche Verpflichtungen wie die Nachwuchsförderung oder die Pflege der Fankultur, jenseits aller monetären Inzentivierung.

Die Super League – ein Kommerzprodukt, für Asiens Fanmassen konfektioniert

Und damit sind sie so ziemlich genau das Gegenteil dessen, was JP Morgan mit ihren «Super League»-Plänen bezweckte. Nämlich einen europäischen Klon einer US-Profiliga zu schaffen. Ein Kommerzprodukt, prima verwertbar für die Massen asiatischer und amerikanischer Soccerfans, welche Ronaldo oder Messi nur von der Mattscheibe her kennen. Ein solches Produkt mag – auf dem Papier – den JP-Morgan-Bankern einen attraktiven Return auf ihrer 4-Milliarden-Euro-Upfront-Zahlung bescheren. Wie der Aufruhr gezeigt hat, hält die Super-League-Idee dem Realitätstest jedoch nicht stand.

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