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Vincenz‘ Vermächtnis

Raiffeisen Alpha-Banker Pierin Vincenz ist der Mann fürs Grobe. In seiner über 15-jährigen Raiffeisen-Regentschaft hat er die verknorzten Landbanken auf Linie gebracht und einen Ostschweizer Finanzriesen geschaffen, den auch der Paradeplatz ernst nehmen muss. Doch so visionär Vincenz war, so wenig hat sich der joviale Bündner ums Kleingedruckte im Masterplan gekümmert. Vielmehr hat Vincenz die Raiffeisen-Baustelle verlassen, bevor das weitläufige Finanzhaus tatsächlich fertig gezimmert ist. Bereits treten grobe Baumängel zutage, zum Beispiel in der Informatik. Für den neuen Raiffeisen-Chef Patrik Gisel – seit Herbst im Amt – wird Vincenz‘ Vermächtnis damit zur Hypothek. Dem passionierten Extremsportler steht ein Dauerlauf als Troubleshooter bevor. Gisels erster Bittgang galt dabei Vontobel, mit dessen Führungsriege sich Vincenz seinerzeit überwarf und die fast 20-jährige Kooperation per 2017 beendete. Zähneknirschend musste Gisel nun seit Sommer verhandeln, um die Zusammenarbeit mit der Zürcher Bank über den Kündigungstermin hinaus zu retten. Der Konkurrentin bleiben so gegen 50 Millionen Franken an Umsatz mit der Genossenschaft-Gruppe erhalten. Es ist das bittere Eingeständnis, dass Raiffeisen die „modernste Retailbanking-Plattform der Schweiz“ noch lange nicht ausrollen kann. Denn eigentlich hätte die Bank zum Kündigungstermin ihre 292 Genossenschaften auf die neue Informatikplattform „Arizon“ hieven und sich so gänzlich von Vontobel abnabeln wollen. Doch Vincenz‘ funkelnde Informatikvision hat sich als teure IT-Schimäre entpuppt.

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