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Zoff im Ländle

Remo Stoffel Der Immobilieninvestor schuldet seinem Ex-Partner 6,7 Millionen Franken. Das Urteil in Liechtenstein ist rechtskräftig, nun läuft die Vollstreckung.

Anfang Oktober fand im Saal 1 des Fürstlichen Landgerichts in Vaduz eine Versteigerung der besonderen Art statt. Unter den Hammer kamen 98 Prozent der Aktien der Mondial Partners Holding. Eine Gesellschaft, die mehrheitlich im Besitz von Remo Stoffel ist. Der Schätzwert der Aktien betrug 49 000 Franken, wie aus dem öffentlich publizierten „Versteigerungsedikt“ hervorgeht.

Hintergrund der Versteigerung ist ein in Liechtenstein rechtskräftiger Zahlbefehl gegen Remo Stoffel in der Höhe von 6,72 Millionen Franken. Diesen Betrag schuldet der Bündner Immobilieninvestor seinem früheren Geschäftspartner, dem Ex-Metro-Manager Hannjörg Hereth. „Stoffel weigert sich standhaft, die rechtskräftig geschuldete Summe zu bezahlen“, sagt der Liechtensteiner Anwalt Robert Neudorfer, welcher Hannjörg Hereth vertritt. Nun versucht Neudorfer mittels Vollstreckungsverfahren den Millionenbetrag einzutreiben, indem er die Liechtensteiner Assets des Bündner Immobilieninvestors verwerten lässt.

Remo Stoffel verweist in einer schriftlichen Stellungnahme auf ein Urteil eines Schweizer Schiedsgerichts aus dem Jahre 2012: Das Gericht hatte damals die Vorwürfe Hannjörg Hereths abgewiesen. Hereth musste Remo Stoffel mit 1 Million Franken „ausseramtlich“ entschädigen, wie es in der Stellungnahme heisst. „Aufgrund dieser Situation hat Remo Stoffel gar nicht im Sinn, auf die erneut vorgetragenen, alten Vorwürfe Herrn Hereths einzutreten“, sagt Stoffels PR-Berater Peter Hartmeier. Wenn Herr Hereth glaube, Forderungen stellen zu können, solle er dies an Ort und Stelle des Unternehmens in der Schweiz versuchen und nicht im Fürstentum Liechtenstein.

Langjähriger Rechtsstreit

Die nun erfolgte Versteigerung der Mondial Partners Holding markiert die jüngste Episode in einem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit zwischen Remo Stoffel und seinem ehemaligen Geschäftspartner Hereth. Gemeinsam kauften die beiden die Swissair-Immobilien-Tochter Avireal und zerstritten sich ob dem Deal. Nach einem wüsten Rechtsstreit stimmte Hereth schliesslich 2008 einem Entflechtungsvertrag zu, der Stoffel – gemäss Anwalt Neudorfer – zu einer Zahlung in der Höhe von 45,5 Millionen Franken verpflichtete. Im Gegenzug schied der Ex-Metro-Manager Hereth aus der Avireal-Gruppe aus.

Doch Stoffel zahlte einen Teilbetrag der vertraglich geschuldeten Summe erst mit über zweijähriger Verspätung, so der Anwalt. Wodurch Verzugszinsen in der Höhe von rund 6 Millionen Franken aufliefen. Hinzu kämen Verfahrenskosten, die sich mittlerweile auf gegen 800 000 Franken summierten.

Weil Stoffel nicht – wie vereinbart – fristgerecht zahlte, klagte Hereth die aufgelaufenen Verzugszinsen samt Verfahrenskosten im Ländle ein und bekam durch alle dortigen Gerichtsinstanzen Recht: Das Fürstliche Landgericht entschied zugunsten Hereths. Ebenso das Fürstliche Obergericht wie auch der Fürstliche Oberste Gerichtshof.

Schliesslich rief der Bündner Immobilieninvestor vor gut zweieinhalb Jahren den Staatsgerichtshof des Fürstentum Liechtenstein an wegen „Verletzung verfassungsmässig und durch die Europäische Menschenrechtskonvention gewährleisteter Rechte“ durch den Entscheid des Obersten Gerichtshofs. Doch die höchsten Verfassungsrichter im Ländle wiesen Stoffels Individualbeschwerde ab.

Allerdings ist das Exekutionsverfahren für die Vermögenswerte von Remo Stoffel in Liechtenstein ein schwieriges Unterfangen. „Die Mondial Partners Holding ist inzwischen infolge Konkurses gelöscht“, sagt Robert Neudorfer. Was heute gemäss Fürstlichem Landgericht einen Schätzwert von 49 000 Franken hat, soll dereinst 2006 einen Vermögenswert von „mindestens 10 Millionen oder gar 200 Millionen“ – je nach Bilanz – gehabt haben. Dies zumindest behauptet der Rechtsanwalt von Hannjörg Hereth. Seit 2008 galt ein gerichtliches „Sicherungsgebot“, wie der Parteienvertreter betont. Es untersagte den Mondial-Organen, Entscheide zu treffen, welche Hereths Millionenforderung hätte erschweren oder vereiteln können.

Stoffel beziehungsweise sein Sprecher Peter Hartmeier will zu den Vorkommnissen rund um die Mondial Partners Holding keine Stellung nehmen.

Eigentümerschaft unklar

Bei einer zweiten Liechtensteiner Gesellschaft, wo noch etwas zu holen wäre, gestaltet sich die Sachlage noch verzwickter. Hereth beziehungsweise sein Anwalt Neudorfer zählt eine Anstalt namens Herafina zur stoffelschen Verwertungsmasse. Doch nun hat sich eine Stiftung namens Lactina gemeldet, welche geltend macht, die Besitzerin der Herafina zu sein – und nicht der Bündner Unternehmer Remo Stoffel. Die Lactina-Stiftung hat nun gegen Hannjörg Hereth geklagt, er möge Herafina aus der stoffelschen Verwertungsmasse herauslösen. Zur Rolle der Lactina-Stiftung beziehungsweise zur Eigentümerschaft der Herafina-Anstalt nimmt Stoffel-Sprecher Peter Hartmeier keine Stellung.

Rechtsanwalt Neudorfer ist indes überzeugt, dass hinter der Lactina-Stiftung ebenfalls Remo Stoffel beziehungsweise seine Getreuen stecken. Der Vaduzer Anwalt arbeitet derzeit an einer Antwort auf die Klage der Lactina-Stiftung. Der juristische Zermürbungskrieg im Ländle geht in die nächste Runde.

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