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Der Schöne und das Biest

Falcon Bank Ex-CS-Mann Walter Berchtold heuert bei den Arabern als Bankchef an. Der Job hat es in sich. Denn heisse Deals bilden bei Falcon das Kerngeschäft.

Noch nicht im Amt und schon im Krisenmodus. Walter „Wädi“ Berchtold, der ehemalige CS-Vermögenschef und designierte CEO der Falcon Private Bank, reist dieser Tage nach Singapur. Die Visite im asiatischen Inselstaat ist strategischer Natur. Denn Falcons Singapur-Filiale und damit das zukunftsträchtige Asien-Geschäft stehen auf dem Prüfstand. Den rund 40 Bankern vor Ort sitzt die Finanzaufsicht im Nacken, weil Falcon in den Skandal um das malaysische 1MDB-Vehikel verwickelt ist.

Die Staatsfonds Abu Dhabis geschäfteten als Falcon-Eigentümer intensiv mit den Malaysiern. Millionensummen flossen über Konten bei der Falcon Bank, wie die US-Justiz dokumentiert hat. Nun sollen externe Buchprüfer im Auftrag der Aufsicht in Singapur Klarheit über die Rolle des Swiss Private Banking schaffen. Doch das dauert und lässt den Neugeldzufluss zum Rinnsal verkommen. Weil in Südostasien gleichzeitig die kritische Grösse fehlt, türmen sich die Personalkosten im teuren Stadtstaat. Erst kürzlich hat die Singapur-Filiale ein Berater-Team von der Royal Bank of Canada übernommen.

Für den ehemaligen CS-Spitzenbanker wird das Troubleshooting in Südostasien zum ersten Prüfstein als oberster Falke. Der CEO-Posten markiert Berchtolds Rückkehr ins Schweizer Private Banking. Als vergangene Woche bekannt wurde, dass er ab Oktober bei Falcon vom Verwaltungsrat in die operative Leitung wechselt, sprach sich das am Paradeplatz schnell herum. „Wädi“ kennt jeder. Und jeder hatte sich gefragt, wie lange er es im Vorruhestand wohl aushalten werde.

Beinahe-Chef bei Credit Suisse

Einst war Berchtold auf dem besten Weg, Chef der Credit Suisse zu werden. Zuletzt unter der Führung von Oswald Grübel hatte er bei der Kreditanstalt eine steile Karriere hingelegt. 2006 wurde er Leiter des Private Banking. Doch mit dem neuen Chef Brady Dougan kam der Bruch. Die zwei konnten es nicht miteinander. Berchtold wurde 2011 durch die Beförderung von Hans-Ulrich Meister faktisch entmachtet, ein Jahr später verliess er die Bank. Mit 50 Jahren Privatier, das war eindeutig zu früh. „Ich sagte immer, ich will noch einmal etwas Operatives machen“, begründet Berchtold seinen Schritt zurück an die Front. „Ich hatte in diesen Jahren ein paar Mandate. Aber ich bin nicht gemacht für das Leben als Multi-Verwaltungsrat.“ Berchtold will Unternehmer sein. Er braucht eine Aufgabe.

Bereits 2015 wurde er in den Verwaltungsrat von Falcon gewählt – damals aber noch nicht mit Blick auf die Nachfolge von Chef Eduardo „Edi“ Leemann, wie zahlreiche Quellen aus dem engsten Umfeld berichten. Auf die CEO-Stelle aspirierten andere: Etwa Chief Operating Officer Tobias Unger oder Erich Pfister, Chef Private Banking. Doch sie konnten ihre Chefs nicht vollends überzeugen. Unger ging zum Zulieferer Avaloq, Pfister blieb. Ab Anfang Jahr verhandelte Leemann dann direkt mit Berchtold. Theoretisch übernimmt dieser die Geschäftsleitung im Oktober, faktisch ist er aber schon heute für die Bank unterwegs. Leemann hat sein Büro geräumt, konzentriert sich aufs Mandat als Senior Advisor und lobt Berchtold als „classy banker“.

Falcon wurde beinahe ein Pelikan

Die Handschrift des ehemaligen Goldman-Sachs-Bankers Leemann ist über alle Belange weiterhin prägend. Zuallererst als Namengeber der Bank: So sollte Falcon ursprünglich Pelican heissen, bis Leemann erfuhr, dass der Wasservogel im arabischen Raum als unrein gilt – und zum edlen Raubtier umschwenkte. Und schliesslich ist Leemann auch der Mastermind hinter dem Falcon-Businessmodell, das sich vom klassischen Anlagegeschäft massgeblich unterscheidet.

„Die Bank besteht praktisch nur aus Special Deals“, sagt ein Involvierter. Die Rede ist von Kreditfinanzierungen, Private-Equity-Anlagen und exklusiven Co-Investments mit vermögenden Kunden in nichtkotierte Unternehmen. Beispielsweise bietet Falcon ihren solventen Klienten Zugang zum Afrika-Vehikel Lonrho, nach Russland oder ins Immo-Imperium des schillernden Selfmademan René Benko. Solche Direkt-Deals seien „Fluch und Segen zugleich“, sagt ein Beteiligter. Geben sie der Bank bei der vermögenden Kundschaft doch ein Alleinstellungsmerkmal in einer homogenen Bankbranche.

Umgekehrt bedeuten „special deals“ Anlage- wie Compliance-Risiken und eine Komplexität, die gemeistert sein will. Falcon segle zuweilen „hart am Wind“ mit ihren informellen Strukturen, meint ein Beobachter, und fügt an: Es sei bislang Dealmaker Leemann gewesen, der die dicken Fische in Eigenregie an Land gezogen habe. Dieser One-Man-Show-These entgegnet Leemann: „Ich war vielleicht das Gesicht, aber ohne ein starkes Management-Team ziehen sie keine solchen Deals durch.“ Zugleich betont er, das „dynamische Private Banking“ sei ein „Erfolgsfaktor“.

Falcon hat die „Can-do-Mentalität“

Nachfolger Berchtold dürfte Leemanns Geschäfte ähnlich fortführen, betont er doch gerade den Unternehmergeist, der bei Falcon herrsche. Die Bank habe eine „Can-do-Mentalität“, sagt er. Eine motivierte Belegschaft und Strukturen, die agiles Handeln zuliessen. Anders als die CS, die er rückblickend als „grossen Tanker“ beschreibt.

Wie er die Bank neu aufstellen will, lässt Berchtold offen. Den Rückhalt der Araber hat er bereits ausgehandelt. Und Mittel zugesichert bekommen, für den Fall, dass Investitionen notwendig werden. Der Eigentümer wünsche sich Wachstum, sagt Berchtold. Doch wachsen könne man auf verschiedene Weisen. „Wir wollen nicht einfach Skalenerträge erzielen, sondern in neue Geschäfte vorstossen.“ Langweilig wird die Falcon Bank wohl auch in Zukunft nicht werden.

Für Berchtold wird das Troubleshooting in Singapur zum ersten Prüfstein.

Assets Ende 2015 verwaltete die Falcon Private Bank laut Geschäftsbericht 18,2 Milliarden Franken an Kunden-Assets. Bis 2012 lag dieser Wert noch bei rund 12 Milliarden. Die meisten Vermögen stammen angeblich aus der Schweiz, Osteuropa und den Emiraten.

Geschichte Die Bank wurde 1965 vom Versicherer AIG als Überseebank AG gegründet und 1998 in AIG Privatbank umbenannt. Nach der Finanzkrise wurde die Bank 2009 an den Staatsfonds IPIC aus Abu Dhabi verkauft und in Falcon Private Bank umbenannt.

Gewinn Das volatile Geschäft spiegelt sich im Gewinnverlauf. Dass 2015 mit einem klaren Überschuss abschliesst, hat auch damit zu tun, dass die Mutter 23 Millionen Franken Kapital eingeschossen hat. Das Geschäft im Ausland schreibt laut Jahresbericht rote Zahlen.

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Regulatorische Arbitrage

Negativzins Auf den ersten Blick mag es stossend sein. Banken münzen die Negativzinsen der SNB zu ihren Gunsten um. Sie füllen ihre Freigrenze mit Geld anderer Institute und Institutioneller auf, und zwar bis zum maximal zinsfrei Möglichen. Auf dieser Liquiditätshaltung für Dritte verlangen die Banken schliesslich eine Gebühr, die günstiger ist als jener Strafzins von 0,75 Prozent der Nationalbank. Unterlaufen diverse Staatsbanken damit aus reiner Profitsucht die Geldpolitik der SNB und schaden so der unter dem starken Franken ächzenden Volkswirtschaft? Die Antwort lautet kurz und bündig: Nein.

Die regulatorische Arbitrage der Geschäftsbanken mag wie ein Bubentrickli anmuten, hilft aber – in Tat und Wahrheit – die Kollateralschäden der Negativzinsen zu reduzieren. Im platten Marketingjargon würde man von einer Win-win-Situation sprechen. Denn der seit Ende 2014 geltende Meccano der Negativzinsen führt dazu, dass beispielsweise Privatbanken mit der ziemlich risikofreien Vermögensverwaltung übermässig von Strafzinsen tangiert sind. Ihr Freibetrag fällt vergleichsweise mickrig aus. Die üppigen Puffer der Geschäftsbanken können nun also helfen, diese Ungleichbehandlung etwas abzufedern. Indem die Privatbanker auf ihrer Überschussliquidität nicht den vollen Negativzins an die Währungshüter abliefern müssen. Sondern etwas weniger an ihre Bankkollegen.

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Billige Alternative

Negativzins Banken machen aus der SNB-Politik ein Geschäft. Sie offerieren anderen Anlegern tiefere Strafzinsen als die Nationalbank.

Geschäftsbanken drohen gern damit, die seit Dezember 2014 geltenden Negativzinsen der Nationalbank auf Privatkunden abzuwälzen. Kleinere Institute wie der Börsenbroker Swissquote und die Alternative Bank tun dies bereits. Inzwischen rütteln aber auch gewichtige Finanzplayer am Tabu. Migros-Bank-Chef Harald Nedwed denkt laut über die Weitergabe der Negativzinsen nach. UBS-Chef Sergio Ermotti nimmt seine vermögende Kundschaft ins Visier. Und in Deutschland knöpft eine Raiffeisenbank ihren solventen Sparern bereits Strafzinsen ab.

Im branchenweiten Wehklagen über die schädliche SNB-Politik geht gerne vergessen, dass die Negativzinsen für zahlreiche Schweizer Banken auch ein gutes Geschäft sein können. Denn längst nicht alle Institute stossen mit ihren Geldern an die Freibetragsgrenze. Ab dieser Grenze müssen die Banken der Nationalbank Strafzinsen von 0,75 Prozent bezahlen.

So sagte Roland Ledergerber – Chef der St. Galler Kantonalbank – jüngst öffentlich, man benötige nur rund 2,7 der 3,4 Milliarden Franken Freibetrag selbst. Dieser Spielraum wird im ordentlichen Geschäft benötigt, aber auch gegen Gebühr Dritten zur Verfügung gestellt. Zur Bewirtschaftung der Freigrenze nimmt die SGKB beispielsweise kurzfristige Geldanlagen von ausländischen Investoren entgegen, sagt Sprecher Simon Netzle. Dabei ist auch klar, dass der Zinssatz tiefer sein muss als jene 0,75 Prozent, welche die Nationalbank ihren Girokonto-Inhabern verrechnet. Die aktive Bewirtschaftung der Freigrenze ist profitabel: Anlässlich des Halbjahres-ergebnisses sprach SGKB-Chef Ledergerber von einem Ertrag im tiefen, einstelligen Millionenbereich.

Überschüssiges Geld

Nicht nur die St. Galler betreiben die Negativzins-Arbitrage. Die Regionalbanken-Gruppe Clientis kommt auf eine Freigrenze von 1 Milliarde Franken, die sie im ersten Halbjahr nahezu ausgeschöpft hat. Zur Ausschöpfung der Freigrenze bei der SNB haben andere Finanzdienstleister und institutionelle Anleger überschüssige Gelder bei uns angelegt und dafür einen geringeren Negativzins als bei der SNB bezahlt, sagt Sprecher Stefan Kaspar. Clientis konnte so den Zinserfolg im ersten Halbjahr um 350 000 Franken verbessern.

Auch die Berner Valiant konnte in der gleichen Periode fünf Basispunkte Ertrag aus dem Umfeld der Negativzinsen erwirtschaften, wie die Bank mitteilt. Dies bei einer Freibetragsgrenze von 2,8 Milliarden Franken. Allerdings reiche die aktive Bewirtschaftung bei Valiant nicht aus, um wegfallende Erträge wegen der Negativzinsen zu kompensieren.

Dass zahlreiche Retail- und Staatsbanken überhaupt an den Negativzinsen verdienen können, liegt im Meccano der Freigrenze begründet. Die Freigrenze entspricht nämlich dem 20-Fachen der Mindestreserve, die eine Bank bei der SNB halten muss. Die Mindestreserve bemisst sich prozentual an den kurzfristigen Verbindlichkeiten der Bank gegenüber Sparkunden und anderen Instituten. Kantonal- und Retailbanken haben naturgemäss mit ihrem Zinsdifferenzgeschäft grosse Spareinlagen und müssen eine entsprechend hohe Mindestreserve bei der SNB halten – was wiederum zu einer relativ hohen Freigrenze führt. Ganz im Gegensatz zu Privatbanken, deren Vermögensverwaltungsgeschäft kleine Mindestreserven verlangt. Entsprechend tiefer sind die Freibetragsgrenzen, sodass Vermögensbanken ihre überschüssige Liquidität bei anderen Geschäftsbanken parkieren müssen, wollen sie nicht der SNB direkt die vollen 0,75 Prozent abliefern.

Die Währungshüter bleiben indes gelassen. Schon bei der Einführung der Negativzinsen habe man mit dieser Freibetrags-Praxis gerechnet, heisst es aus SNB-Kreisen. Beunruhigt sei man deswegen nicht, vielmehr sei es eine natürliche Folge davon, dass einige Institute durch die Negativzinsen stärker zur Kasse gebeten würden als andere.

Bereits kurz nach Einführung der Negativzinsen hatte der damalige SNB-Vize Jean-Pierre Danthine der Handelszeitung gesagt: Vermutlich wird man noch eine gewisse Umschichtung der Gelder zwischen den einzelnen Banken beobachten. Diese Umschichtung manifestiert sich jetzt in den Bilanzen (siehe Grafik). Doch darüber sprechen wollen viele Banken lieber nicht.

So schnellte bei der Schwyzer Kantonalbank der Bilanzposten Verpflichtungen gegenüber Banken von Ende 2014 auf 2015 von 50 auf 800 Millionen Franken, was einer Verfünfzehnfachung entspricht. Man betreibe ein aktives Liquiditätsmanagement, heisst es dazu lapidar bei der SZKB. Bei der Zuger KB verzehnfachte sich der Wert, wenngleich auf bescheidenem Niveau, von 2 auf 23 Millionen Franken. Details zum Bilanzmanagement kommuniziere man im Hinblick auf die Wettbewerbssituation im Markt nicht, so die Zuger KB.

Insgesamt stiegen von 2014 auf 2015 bei allen 26 Kantonalbanken die Verpflichtungen gegenüber Banken um 11 Milliarden Franken oder gut 22 Prozent. Ein Indiz, dass andere Institute die Kantonalbanken als preiswerte Negativzins-Alternative zur SNB nutzen.

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Willkommenes Korrektiv

Aktive Aktionäre Manche Begriffe sind in anderen Sprachen einfach anschaulicher. Dies gilt auch für die Aktiengesellschaft. Sie heisst auf Französisch société anonyme, was Fluch und Segen dieser Rechtsform auf den Punkt bringt. Die AG ist eben unpersönlich und kapitalbezogen. Ihre Anteilscheine lassen sich einfach übertragen. Dies begünstigt eine hohe und (rasch) wechselnde Zahl an Gesellschaftern. Diese Anonymität hat jedoch ihren Preis. In börsenkotierten Konzernen mit ihren Hunderttausenden an Aktionären ist die Eigentümerschaft weitgehend atomisiert. Mit fatalen Konsequenzen: Die Kapitalgeber sind längst zu stummem Stimmvieh geworden. Generalversammlungen haben die Vorhersehbarkeit eines nordkoreanischen Parteikonvents. Derweil können sich Verwaltungsräte und Chefs gerieren, als gehörte ihnen die Firma höchstpersönlich.

Dieses strukturelle Problem hat sich in den letzten Jahren noch verschärft, indem der Anteil an indexbasierten Passivanlagen immer grösser wird. Diese Passivität der Firmeneigner kommt jedoch einem Blankoscheck für die Teppichetage gleich. Insofern sind aktivistische Aktionäre, welche das Top-Management aus seiner Komfortzone reissen und unbequeme Vorschläge präsentieren, hoch willkommen. Zwar gibt es in der heterogenen Aktivisten-Zunft auch eventgetriebene Heuschrecken, die mit viel Wind auf kurzfristige Profite aus sind. Aber der Grundsatz bleibt richtig und wichtig: Dass die Eigentümer aus ihrer Anonymität treten und das Kapital seine Verantwortung in Publikumsgesellschaften wieder verstärkt wahrnimmt und ausübt.

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Mit Adlerblick auf Beutezug

Aktivistische Aktionäre Sie sind smart und wissen genau, wo der Schuh bei den Firmen drückt. Mit viel Know-how nehmen die Anleger die Teppichetage in die Pflicht.

Der Showdown findet vor schönster Kulisse statt. An den Gestaden des Vierwaldstättersees lädt der kotierte Kabelkonzern Komax Mitte Mai zur Generalversammlung. Doch im schicken Kultur- und Kongresszentrum Luzern mag keine Wohlfühlatmosphäre aufkommen. Komax hat einen neuen Grossaktionär, und der macht Druck auf Board und Management. So will die Beteiligungsgesellschaft Veraison mit gut 5 Prozent (siehe Interview rechts) ihre Gewährsmänner im Komax-VR platzieren.

Veraison-Mitgründer Gregor Greber agiert dazu an der GV des Luzerner Small Cap mit Zuckerbrot und Peitsche. Man erwarte von der Führung Ziele und einen Fahrplan. Die Aktie sei klar unterbewertet. Im Gegenzug wolle man bereit sein, nicht nur Verantwortung zu verlangen, sondern diese auch mitzutragen. Doch Komax-Präsident Beat Kälin lässt die Zürcher Aktiv-Eigner im Vorfeld kalt abtropfen. Veraisons VR-Kandidaten – gestandene Industrie-Kapitäne – werden nicht einmal zu Vorgesprächen geladen. Kein Bedarf, heisst es aus der Komax-Zentrale in Dierikon. Die Fundamentalopposition scheint zu fruchten. Veraison kann für ihre VR-Pläne nur einen Fünftel der Stimmen gewinnen, darunter jene der Mitaktivisten von Teleios Capital (siehe Box unten). Auch der Angriff auf einen Langzeit-VR von Komax scheitert.

Was wie eine herbe Niederlage scheint, ist in Wahrheit ein Etappensieg für Veraison. So erhöhte die GV die Stimmrechtsbeschränkung von 5 auf 15 Prozent. Veraison kann ihre Komax-Position also bei voller Stimmkraft weiter ausbauen. Grebers Votum – Wir sind überzeugt: Kommt Zeit, kommt Rat – wirkt deshalb wie eine Drohung. Zumal das nächste Schlachtfeld bereits bestellt ist. Diesen Monat präsentiert das Komax-Management seine neue Strategie.

Eine gewisse Amerikanisierung

Die Episode beim Kabelkonzern ist beispielhaft dafür, wie aktivistische Investoren in der Schweiz mit Biss auf Beutezug gehen. Sie treten an, mit wenig Kapital viel verändern zu wollen, und stützen sich meist auf gründliche Analysen ab. Das Management muss seine Komfortzone verlassen und sich diesen aktiven Eignern stellen.

Gerade im mittleren Segment seien aktivistische Investoren hierzulande vermehrt präsent, sagt Martin Blom, Finanzchef des Langenthaler Maschinenbauers Mikron, wo auch Veraison investiert ist. Die Aktivisten würden zum Teil forsch auftreten und wollten ihre Kapitalien vermehrt sehen. Bis zu einem gewissen Masse kann man also von einer Amerikanisierung sprechen, sagt der Mikron-Finanzchef und betont zugleich: Die Kontakte mit Veraison seien bisher von gegenseitigem Respekt geprägt. Bloms qualitativer Befund wird durch Zahlen unterfüttert. Ob RBR bei Gategroup, Teleios bei Vögele oder Cevian bei ABB – die Zahl der Aktivisten-Engagements in kotierten, hiesigen Unternehmen nimmt seit Jahren stetig zu (siehe Zahlenbox). Die Schweiz befindet sich damit in bester Gesellschaft. 2015 war das bislang bedeutendste Jahr für Shareholder Activism in Europa, sagt Josh Black vom britischen Branchendienst Activist Insight.

Dabei sind die öffentlichen Kampagnen aktiver Investoren nur die Spitze des Eisbergs. Die US-Investmentbank J. P. Morgan schätzt, dass die Hälfte aller aktivistischen Interventionen niemals publik wird. Die Zahl deckt sich mit den Aussagen eines Investmentbankers, welcher die Firmenführer berät, die ins Visier von active shareholders geraten. Auf dem alten Kontinent bringt stille Überzeugungsarbeit meist mehr, als das Management medienwirksam an den Pranger zu stellen, sagt der in London ansässige Banker. Gerade angelsächsische Pure blood-Aktivisten wie Elliott oder Laxey, die wenig zimperlich agieren, mussten hierzulande Lehrgeld bezahlen. Sie liefen mit ihren aggressiven, teilweise persönlichen Attacken gegen Actelion- beziehungsweise Implenia-Manager auf. Das Rest-Aktionariat verweigerte den Aktivisten die Gefolgschaft. Schliesslich zogen die Angelsachsen entnervt von dannen. Auch der jüngste Frontalangriff gegen die Gategroup-Führung um Präsident Andreas Schmid durch den hiesigen Hedgefonds RBR hat für viel Unmut gesorgt (siehe Box unten).

RBR-Chef Rudolf Bohli steht nach wie vor zur öffentlichen Kampagne: Ich würde die Gategroup-Führung wieder so scharf kritisieren. Er sei von Absicht und Vorgehensweise überzeugt. Zugleich sieht der Hedgefonds-Manager ein riesiges Potenzial für aktivistische Investoren in der Schweiz. Es gebe viele schlecht geführte Unternehmen. Der Aktionär und seine Interessen sind kaum repräsentiert. Der Verwaltungsrat verfolgt einzig und allein seine ureigenen Absichten. Dabei können Aktivisten für Konzerne durchaus kathartisch wirken: In der Schweiz steigt man nicht gerne ins kalte Wasser. Die Unternehmen sind zwar agil im Kleinen, aber nehmen sich Zeit für die grossen, strategischen Würfe, sagt Martin Blom. Aktivistische Investoren würden dies nutzen und auf Veränderungen pochen.

Kontinentaleuropäische Blaupause

Beispielhaft ist das Engagement von Cevian Capital bei ABB. Die kapitalstarken Aktivisten um die beiden Gründer Lars Förberg und Christer Gardell bewegten mit ihrem fundierten Input das ABB-Management zumindest dazu, die Architektur des weit verzweigten Industriekonglomerats zu überdenken. Das Resultat dieses Portfolio-Reviews steht allerdings noch aus.

Die strukturierte Vorgehensweise der Schweden bildet dennoch die Blaupause für den Aktivismus kontinentaleuropäischer Prägung. Bis Cevian investiert, vergehen Monate, wenn nicht Jahre der Analyse der Zielfirma: Zulieferer, Manager, Kunden – sie alle werden dutzendfach befragt. Keine Finanzkennzahl entgeht den sorgfältigen Schweden. Was am Ende als mehrhundertseitiger Strategiebericht vorliegt, hat eine Faktenschärfe, der sich in der Regel auch die Teppichetage nicht entziehen kann. Vielmehr färbt die Qualität ab. Sitzt Cevian im Board, sind auch die übrigen Verwaltungsräte besser vorbereitet, sagt ein Kenner der Schweden.

Typisch für die Aktivisten aus dem hohen Norden ist neben der Macht des Faktischen auch ihre Bündnispolitik: Cevian steigt niemals ohne Billigung der Gross- beziehungsweise Ankeraktionäre ein. Bei ABB ist dies die Familie Wallenberg, welche die frischen Ideen von Cevian mitträgt oder zumindest duldet. Es ist dieser Sukkurs von (institutionellen) Grossinvestoren und Fondshäusern, den sich kleinere Schweizer Aktivisten zuerst noch erarbeiten müssen, um den entsprechenden Kapital-Hebel zu entfalten. Wir wären grundsätzlich bereit gewesen, unsere Gruppe zu erweitern, aber die Institutionellen wollten sich nicht einbinden lassen, sagt Gategroup-Aktivist Bohli im Rückblick. Gerade im Tiefrendite-Umfeld steigt jedoch der Rechtfertigungsdruck für Fonds- und PK-Manager. Sie müssen Position beziehen, um ihre Verwaltungsgebühren zu rechtfertigen.

Allerdings ist es für Aktivisten in Europa nach wie vor schwer, an Kapital zu kommen. So stammen 75 Prozent der Cevian-Milliarden von US-Pensionskassen. Dort sei der Investmentstil des aktiven Investors eben besser verstanden, sagt Veraison-Mitgründer Valentin Chapero. An diesem Basiswissen hapere es in der Schweiz noch. Gerade Versicherungen und Pensionskassen, aber auch Family Offices, die ja einen langen Anlagehorizont verfolgen, sollten unseren Ansatz eigentlich lieben. Denn Veraisons Wertschöpfungs-Agenda in der Zielfirma ist auf mehrere Jahre ausgelegt. Oder wie Co-Gründer Greber zu sagen pflegt: Kommt Zeit, kommt Rat.

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Welttheater in Basel

Geldpolitik Die wichtigsten Währungshüter treffen sich regelmässig in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Auch nach dem Brexit.

Dunkle Limousinen gleiten scheinbar lautlos in die schützende Tiefgarage des Turms zu Basel. Der abgeschirmte Fahrzeugtross kommt vom Flughafen her. In den abgedunkelten Fonds sitzen die mächtigsten Zentralbanker der Welt: Mario Draghi, Zhou Xiaochuan, Janet Yellen.

Das monetäre Stelldichein hat Tradition. Seit ihrer Gründung in den 1930er-Jahren (siehe Timeline) treffen sich die wichtigsten Notenbanker alle zwei Monate am Sitz der BIZ, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Untergebracht ist sie im markanten, 18-stöckigen Rundturm gleich beim Basler Bahnhof.

Die Stippvisiten der Zentralbanker haben enormes Gewicht. Für ein kurzes Wochenende wird Basel zur Kapitale der Hochfinanz, zum Mekka der Geldpolitik. So auch Ende Juni, am Wochenende nach dem historischen Brexit-Entscheid, als die Finanzmärkte verrücktzuspielen drohten. Nach dem Brexit gab es viele Diskussionen – formelle wie informelle, sagt Peter Dittus, Generalsekretär der BIZ, im Gespräch mit der Handelszeitung. Worüber die Zentralbanker genau gesprochen haben, lässt er freilich offen: Nur so kann die Information frei fliessen.

Eines ist sicher: Am Brexit-Wochenende spielte die BIZ ihre Qualitäten als verschwiegenster Männerclub der Welt (Spiegel) einmal mehr voll aus. Im Turm am Rheinknie stimmten die Währungshüter ihr Vorgehen ab, nachdem die Briten Brüssel die kalte Schulter gezeigt hatten. Die praktisch gleichlautenden Communiqués führender Zentralbanken sind Ausfluss der Debatten im BIZ-Turm.

Ob nun symbolische Statements oder handfeste Marktinterventionen, Basel bildet Klammer wie Blaupause für spätere Beschlüsse der Notenbanker in der Heimat. Die Hauptaufgabe der BIZ ist es, die Leute zusammenzubringen und einen informellen Meinungsaustausch zu fördern, ohne dass dies in einem Communiqué festgehalten werden müsste, sagt Dittus.

Es ist diese ungezwungene Clubatmosphäre fernab politischer Druckversuche und medialer Shitstorms daheim, welche die führenden Zentralbanker an der BIZ so schätzen. Den Spirit of Basel, diese entspannte Kameradschaft, brachte einst Péter kos Bod, Ex-Gouverneur der ungarischen Nationalbank, auf den Punkt: Die hauptsächlichen Gesprächsthemen waren die Weinqualität und die Dummheit der Finanzminister.

Apropos Wein. Das Lager im Keller des Basler Turms gilt als legendär. Doch BIZ-Mann Dittus beschwichtigt: Das klingt immer so toll. Wir bewirtschaften den wahrscheinlich bescheidener als jedes gute Restaurant. Wir haben ein paar gute Weine, die in Kühlschränken gelagert werden. Der Rest werde kurzfristig beschafft.

Allerdings passt das Kredenzen edler Tropfen zum klandestinen Bankers Club. Wenn sich die Herren der Finanzwelt im 18. Stock – hoch über den Dächern von Basel – am obligaten Sonntagabend-Dinner zuprosten, dann trägt dies ebenso zur Mythenbildung bei wie der extraterritoriale Status der Bank. So ist die BIZ – wie die Vereinten Nationen in Genf – durch ein Sitzabkommen geschützt. Bank wie ausländische Angestellte zahlen keine Steuern. Schweizer Polizei wie Justiz haben kein Durchgriffsrecht im Turm.

Unverletzbar ist aber auch der bankeigene Country Club vor den Toren Basels. Ob Tennis, Schwimmen oder Yoga – auf der Sportanlage der BIZ können die Währungshüter ihre geldpolitischen Sorgen ausschwitzen. Der Club werde hauptsächlich von Mitarbeitern, aber auch von Zentralbankern genutzt, sagt Dittus, und fügt an: Allerdings haben die Zentralbanker heute weniger Zeit dafür als früher.

Kein patriarchaler Debattierclub mehr

Die Zeiten betulicher BIZ-Treffen sind nämlich vorbei. Der Sitzungsdruck sei hoch, so der Generalsekretär. Debattiert werde an einem Notenbank-Wochenende von halb acht Uhr morgens bis spät in die Nacht. Technologischer Fortschritt, Deregulierung und Globalisierung haben die Finanzmärkte zu so komplexen wie fluiden Gebilden gemacht. Gleichzeitig hat die Finanzkrise die Rolle der Währungshüter erweitert. Die Krisenbewältigung hat die Inflationswächter zu monetären Heilsbringern von Wachstum und Wohlstand gemacht, die nebenbei noch das Bankensystem zu retten haben. Die Mehraufgaben haben auch die BIZ verändert. Aus dem patriarchalen Debattierclub ist ein akademisches Fachgremium geworden: Ob Finanzstabilität, Bankenaufsicht oder Schwellenländer – die Zahl der Ausschüsse wächst stetig.

Dabei geht gerne vergessen, dass die BIZ auch eine richtige Bank ist. Eine grosse Bank, die jedes Jahr Hunderte Millionen Franken an steuerfreien Gewinnen erwirtschaftet (siehe Grafik). Im Prinzip können Sie sich die BIZ vorstellen wie eine Raiffeisenkasse, sagt Dittus. Die Kunden seien die 60 Zentralbanken als Aktionäre sowie weitere internationale Organisationen. Sie suchen bei der BIZ Sicherheit und legen in erster Linie hochliquide Assets an. Man stehe dabei im vollen Wettbewerb mit Geschäftsbanken und Anlagehäusern. Wenn wir überzogene Preise hätten, würden die Zentralbanken ihr Geld einfach woanders anlegen.

Mit den Gewinnen finanziert die BIZ letztlich auch ihre Forschung, deren Schwerpunkt sich ebenfalls verändert hat. Die Ausrichtung auf Geldpolitik und Wechselkurse musste einer Analyse der Banksysteme Platz machen. Denn die Börsen- und Finanzkrisen der 1990er-Jahre hatten gezeigt, dass die Abhängigkeiten unter den Banken die Märkte instabil machen. Die Notenbanker dürsteten nach Grundlagenwissen. Heute sind Zentralbanker typischerweise Universitätsprofessoren, sagt Dittus. Diese verlangen vor den Sitzungen handfeste Analysen, die über Lageberichte hinausgehen.

Schliesslich wissen die Notenbanker um den Basler Datenschatz. Bereits Ende der 1970er-Jahre begann die BIZ mit der statistischen Erfassung der Bankenwelt. Einiges ist öffentlich zugänglich, vieles nicht. Je detaillierter die Daten auf einzelne Banken eingehen, umso brisanter werden die Statistiken. Und solche Statistiken gibt es im Turm zu Basel viele.

Eine wahre Superdatenbank existiert seit drei Jahren. Im geschlossenen Kreis weniger Länder vermittelt die BIZ Aufsichtsberichte über einzelne Institute. Die sind extrem vertraulich, darauf hat noch nicht einmal die BIZ selber Zugriff, sagt Dittus. Die Daten befänden sich auf eigenen Systemen in separaten Räumen, und sind übers Internet nicht zugänglich. Sie sind gefragt. Denn seit dem Kollaps von Lehman Brothers richtet sich das Augenmerk voll auf die gegenseitige, systemische Abhängigkeit von Grossbanken.

Und damit gerät die BIZ wieder in den Fokus der kritischen Öffentlichkeit. Wusste früher kaum einer, wofür die drei Buchstaben stehen, steht die Bank heute auf den Listen von Systemkritikern. Wir sind interessant als Ziel für Angriffe, sagt Dittus. Im vergangenen Jahr beispielsweise rief das Hacker-Kollektiv Anonymous zur Operation Ikarus mit Angriffen auf wichtige Geschäfts- und Notenbanken auf.

Aufgerüstet wurde auch der Personenschutz. Wie, sagt Dittus nicht. Klar ist aber: Wenn sich prominente Notenbanker wie Mario Draghi oder Janet Yellen treffen, braucht es heute mehr Sicherheit als früher. Nahmen die Notenbanker noch vor wenigen Jahren zu Fuss den Vordereingang, bekommt man heute nicht mehr viel davon mit, wenn die Währungshüter im Turm zu Besuch sind. Das ist die grosse Kunst der BIZ: Sicherheit durch Unscheinbarkeit.

Nicht nur Angriffe von aussen bedrohen die BIZ, auch deren zunehmende Grösse ist ein Problem. Die Bank in den letzten 20 Jahren stark gewachsen, als mehrere Schwellenländer Mitglieder wurden, weil sie auf den Finanzmärkten an Gewicht gewannen. Doch mit der Grösse geht das Familiäre verloren, die Vertrautheit. Die Lust auf mehr Mitglieder hat deshalb merklich abgenommen. Einen Anspruch auf Mitgliedschaft gebe es nicht. Die Bisherigen entscheiden über Neue. Wir sind ein Club, sagt Dittus.

Keinen Anspruch auf Wahrheit

Es ist erstaunlich, wie es einer internationalen Institution bis heute gelingt, so intransparent zu bleiben, sagt Theresia Walser. Sie ist keine Globalisierungsgegnerin, sondern Buchautorin. Im Auftrag des Theaters Basel hat Walser ein Stück über die BIZ geschrieben, das im September Premiere hat.

Walser schrieb eine Groteske. Sie habe keinen dokumentarischen Ansatz und auch keinen Anspruch auf Wahrheit. Was die Autorin interessiert hat, ist die Geheimgesellschaft. Die Welt der verschwiegenen Treffen alter Männer, die über das Finanzsystem spotten, ist ihre Bühne für eine fiktive Geschichte. Dieser Ort ist einzigartig, er weckt Fantasien, sagt sie. Kurz vor dem Dinner der Notenbanker, bei dem zwei gehörlose Saaltöchter Köstlichkeiten und edle Tropfen kredenzen, wird einer der Notenbanker tot aufgefunden. Man beschliesst, das Ereignis zu verheimlichen. Doch einer der Banker bricht das Schweigegebot und bringt das System zum Wanken. Plötzlich steht die Bank im öffentlichen Fokus. Vor dem Haus postieren sich Demonstranten. Das Fernsehen taucht auf und will wissen, was hinter den getönten Fenstern der Bank abläuft.

Walser kennt die Bank nur von aussen, Kontakt mit den realen Bankern hatte sie keinen. Bei der BIZ hat man Kenntnis von ihrem Theaterprojekt. Die Autorin ist interessant, sagt Generalsekretär Dittus. Er gehe sich die Premiere anschauen. Die Geschichte erinnere ihn an Dürrenmatts Der Sturz. Auch dieses handelt von Sitzungen im Verborgenen, von Machtspielen und Intrigen. Bühne ist jedoch keine Bank, sondern das Politbüro der Sowjets.

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Magistrales Schulterzucken

UBS Frankreich Das Elysée lässt die Bluthunde los, während Bundesbern den Kotau macht. So lautet die politische Kurzzusammenfassung des seit Jahren schwelenden Steuerstreits zwischen Frankreich und der UBS. Da wird die grösste Schweizer Bank und weltgrösste Vermögensverwalterin von der Grande Nation aufs Gröbste öffentlich vorgeführt und mit überrissenen Milliardenforderungen eingedeckt, derweil sich die Berner Diplomatie in behördlichem Schulterzucken übt – statt endlich ein zwischenstaatliches Powerplay aufzuziehen, um Bank und Bankenplatz zu schützen.

Nur dass wir uns richtig verstehen: Dass der französische Staat die Steueroasen seiner Bürger ausräuchert, geht in Ordnung. Aber: C’est le ton qui fait la musique. Orchestrierte Indiskretionen und konzertierte Druckversuche in der Pariser Presse lassen an einem unabhängigen Strafverfolgungsund Justizapparat in Frankreich zweifeln. Dass der Steuerprozess gegen die UBS nun ausgerechnet mitten im französischen Präsidentschaftswahlkampf angesetzt wird, nährt ebenfalls den Verdacht der Politjustiz. Die regierenden Sozialisten wollen die UBS zum Sündenbock machen und auf billige Weise die klammen Staatskassen füllen. Es ist deshalb höchste Zeit, dass Finanzminister Ueli Maurer in Paris den Puls fühlt. Wenn Politik und Banken jetzt nicht intervenieren, droht eine Wiederholung des Steuerdebakels à l’américaine.

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Liaisons dangereuses

UBS Die Bank muss in Frankreich Anfang Jahr wegen Steuerdelikten vor Gericht. Der Milliarden-Fall wird mitten im Wahlkampf verhandelt. Es droht ein Justiz-Spektakel.

Die Zeitung Le Monde wusste es zuerst: Der französische Untersuchungsrichter Guillaume Daïeff habe seine Ermittlungen gegen die Grossbank UBS und ihre französische Tochter wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Geldwäscherei von Erträgen aus Steuerbetrug und wegen illegaler Kundenanwerbung abgeschlossen, schrieb das Blatt Anfang Monat.

Dumm nur: Die UBS wusste nichts davon. Die Grossbank erfuhr aus der Zeitung vom Abschluss. Schlimmer noch, mit der Publikation brisanter Details in der Presse führt man in Frankreich das im Gesetz verankerte Untersuchungsgeheimnis ad absurdum.

Mit dem Abschluss der Untersuchung kommt für die UBS das Frankreich-Dossier nun in die heisse Phase. Ein Prozess gegen die weltgrösste Vermögensverwalterin lässt sich kaum abwenden. Denn mit dem sogenannten réquisitoire ist die Option, das Verfahren einzustellen, definitiv vom Tisch.

Bleibt noch die Möglichkeit eines Vergleichs bis zum Erhalt der sogenannten ordonnance de renvoi. Jenes Dokuments mit Anklagepunkten, das Untersuchungsrichter Daïeff ans Gericht weiterleitet. Das französische Recht sieht allerdings – anders als beispielsweise das amerikanische – keinen Vergleich ohne Schuldeingeständnis vor. Würde sich die UBS in Frankreich schuldig bekennen, hätte dies verheerende Konsequenzen für die Grossbank als Ganzes. Als erneut verurteilte kriminelle Organisation würde die UBS nämlich in den USA gewissen regulatorischen Hürden ausgesetzt, die ihr US-Geschäft signifikant beeinträchtigen könnten. Unklar wäre auch, wie sich ein solches Schuldeingeständnis mit dem laufenden Projekt einer zentralen Europabank verträgt.

Als sei die rechtliche Lage für die UBS in Frankreich nicht schon verzwickt genug, betreiben die Medien der Grande Nation ein regelrechtes Kesseltreiben gegen die Schweizer Grossbank.

Indiskretionen am Laufmeter

Vom Beginn der Untersuchungen, der mise en examen, erfuhr die UBS aus den Spalten der Finanz-Zeitung Les Echos. Autorin war Valérie de Senneville, die Ex-Gattin des amtierenden Finanzministers Michel Sapin.

Dazu muss man wissen: Michel Sapin befehligt die Steuerbeamten, die den französischen Steuerhinterziehern in den letzten Jahren die Hölle heissmachten, während sich die Justiz deren angebliche Helfershelferin, die Schweizer UBS, vorknöpfte.

Selten habe der Begriff réquisitoire derart gut gepasst wie zum Schreiben der Parquet National Financier (PNF), der Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte, trommelte Le Monde Anfang Monat. Die Anklage sei von einer extremen Härte.

Für die UBS läuft nun eine 30-tägige Frist, in der die Bank zum réquisitoire Stellung nehmen kann. Die Frist endet am 4. August. Le Monde schreibt von einem 126-seitigen Dokument, in dem das Schema eines gigantischen Steuerbetrugs rekonstruiert worden sei. Die Zeitung zitiert den Parquet National Financier (PNF), wonach die Untersuchung zahlreiche Beweiselemente, namentlich Zeugenaussagen, gesammelt habe. Sie zeigten die sehr häufige Anwesenheit von UBS-Kundenberatern auf französischem Terrain, um dort Kunden zu treffen und Operationen vorzunehmen, die für den Tatbestand der illegalen Kundenanwerbung relevant seien. Die Zeugenaussagen seien konstant und konvergent.

Die der Handelszeitung vorliegenden Informationen ergeben ein deutlich anderes Bild. Das Dokument soll salopp formuliert und fehlerhaft sein. Von einer kohärenten Beweisführung soll man weit entfernt sein.

UBS als Wahlkampfthema

Fragwürdig auch: Das Schuldeingeständnis von Patrick de Fayet, der einstigen Nummer zwei der UBS Frankreich. Das Eingeständnis soll dazu geführt haben, dass Untersuchungsrichter Guillaume Daïeff Ende Juni seine Arbeit abschliessen konnte.

Nur: Der Überläufer hatte stets beteuert, dass es nicht zu kriminellen Machenschaften gekommen war. De Fayet soll dies auch mehrfach gegenüber den Bankjuristen und den Untersuchungsbehörden versichert haben, hat die Handelszeitung erfahren.

Bleibt der Berechnungsschlüssel für die Busse. Jene mindestens 5 Milliarden Euro, die der Parquet National Financier (PNF) über Le Monde in die Welt setzte. Offenbar handelt es sich bei den 5 Milliarden um eine Busse, die sich an den von der UBS damals verwalteten französischen Offshore-Vermögen in der Schweiz bemisst. Und nicht – wie zu erwarten wäre – an der Höhe der tatsächlich hinterzogenen Steuern. Zum Vergleich: Die UBS zahlte 2014 Deutschland 300 Millionen Euro wegen Steuerdelikten. Das deutsche Offshore-Geschäft der Grossbank war dreimal so gross wie jenes mit der Grande Nation. Ein Bussgeld bis 100 Millionen Euro wäre also adäquat.

Die Frankreich-Saga der UBS ist also voller Unstimmigkeiten. Ob sie die Justiz zur Raison bringen wird, ist fraglich. Aussagen des Genfer Anwalts Charles Poncet, welcher 2006 eine Schweizer Bank in Versailles vertrat, lassen das Schlimmste befürchten: Ich hatte das Gefühl, im Jahr 1930 einen Schwarzen in Alabama zu verteidigen, der angeklagt war, eine weisse Frau vergewaltigt zu haben. Die Atmosphäre war unerträglich. Man sei schuldig bis zum Beweis des Gegenteils. Die Frage sei deshalb, ob die französische Justiz überhaupt Beweise gegen die UBS brauche.

Die letzte Hiobsbotschaft aus Frankreich ist, dass der Prozess vorgezogen werden soll. Wieder eine Indiskretion aus dem linksliberalen Eliteblatt Le Monde. Der Prozess soll nun im ersten Quartal des nächsten Jahres stattfinden, mitten im Präsidentschaftswahlkampf. Die Absicht ist klar: Die amtierende sozialistische Regierung will die UBS zum Wahlkampfthema machen.

Schwer vorstellbar, dass es unter diesem Umständen auf einen Freispruch hinauslaufen wird. Unnötig zu sagen: Die UBS-Verantwortlichen erfuhren auch davon aus der Zeitung.

Schwer vorstellbar, dass es unter diesem Umständen auf einen Freispruch hinauslaufen wird. Unnötig zu sagen: Die UBS-Verantwortlichen erfuhren auch davon aus der Zeitung.

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UBS und Co. riskieren ihren Ruf

Staatsfonds Nun hat es auch die UBS erwischt. Die grösste Schweizer Bank soll Milliarden Dollar dubioser 1MDB-Gelder verschoben haben. Es ist die jüngste Hiobsbotschaft im Korruptionssumpf rund um den malaysischen Staatsfond, dessen illustres Personal zahlreiche Schweizer Institute bereitwillig hofierten. Die Komplizenschaft des Swiss Banking im 1MDB-Skandal ist keine Petitesse, die Klientelwirtschaft in Kuala Lumpur kein Einzelfall. Vielmehr bergen die über 30 Staatsfonds, in denen zusammen mehr als 7 Billionen Dollar stecken, für Banken beträchtliche Sorgfaltrisiken.

Seit den Nullerjahren ist die Zahl an Sovereign Wealth Funds (SWF) stark angewachsen. Nährboden für die staatlichen Investment-Kollosse – zumeist in Asien, dem Mittleren Osten und Afrika angesiedelt – waren und sind die Rohstoff-Bonanza beziehungsweise die daraus resultierenden Exportüberschüsse der jeweiligen Volkswirtschaften.

Staatliches Finanzvehikel gegen den Rohstoff-Fluch

Die SWF sollen den Ländern als Puffer dienen, um die einseitig ausgerichteten Volkswirtschaften gegen Rohstoff-Fluch und Schweine-Zyklen auf dem Weltmarkt zu schützen. Nachfolgenden Generationen soll der aus den Überschüssen gespiesene Kapitalstock den Wohlstand sichern. Und mit Direktinvestments, zum Beispiel in die Infrastruktur, hat der SWF in vielen emerging markets eine zentrale Rolle, die eigene Wirtschaftsbasis zu verbreitern und zu diversifizieren.

Was also auf dem Papier durchaus Sinn ergibt, ist im Realitäts-Check notorisch anfällig für Korruption und Zweckentfremdung. Der Staatsfond als Honigtopf ist oft zu verlockend. Schliesslich sind in Kleptokratien die chinesischen Mauern zwischen Regierung und SWF marode. Ob Malaysia, Libyen oder China – in den letzten Jahren gab es zahlreiche Fälle von Vetternwirtschaft und Missmanagement bei SWF. Mittendrin waren stets internationale Banken, welche sich als Asset Manager und Dealmaker andienten. Schliesslich locken grosse Volumina und satte Gebühreneinnahmen. Dieses Milliardengeschäft lassen sich auch Schweizer Institute nicht entgehen: Wer weiss schon, dass die UBS für den Staatsfonds im fernen Aserbaidschan das milliardenschwere Aktienportfolio verwaltet? Oder dass in Zug der verschwiegene Asset Manager des angolanischen Staatsfonds sitzt?

Saubere Transaktionen von illegitimen Geldflüssen unterscheiden

Diese Finanzgeschäfte mit dem SWF mögen durchaus legitim sein, doch die Regimes in vielen Schwellenländern sind es definitiv nicht. Dem Klientelismus kann sich auch das Swiss Banking nicht entziehen, wie der 1MDB-Fall gezeigt hat: Saubere Transaktion von illegitimen Geldflüssen zu unterscheiden, wird zum Vabanque-Spiel.

Es ist deshalb mehr als Warnung denn als Hinweis zu verstehen, wenn Finma-Chef Mark Branson sagt, mit dem stark wachsenden Business in Schwellenländern hätten die Geldwäschereirisiken massiv zugenommen. UBS und Co. riskieren im Geschäft mit SWF ihren Ruf.

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Am Scheideweg

Bankiervereinigung Auf Präsident Herbert Scheidt wartet eine Herkulesaufgabe. Er muss den Bankverband aus der Misere führen.

Die Erlebniswelt am Zürcher Paradeplatz, so der Slogan der Eventhalle Aura, wird für einen Nachmittag lang zum Epizentrum des Swiss Banking. Am 15. September wählt im Aura die Generalversammlung der Schweizerischen Bankiervereinigung SBVg ihren neuen Präsidenten. Dies, nachdem Amtsinhaber Patrick Odier im Frühjahr nach sieben Jahren seinen Rücktritt bekannt gegeben hat.

Die präsidiale Stabsübergabe am Bankiertag wird eine reine Formalie sein. Der Neue, Vontobel-Präsident Herbert Scheidt, ist nämlich bereits diese Woche vom Verwaltungsrat der SBVg als Nachfolger Odiers bestimmt worden. An einer eilends einberufenen Telefonkonferenz hat die dreiköpfige Findungskomission um Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner, ZKB-Chef Martin Scholl und den Genfer Bankier Yves Mirabaud den amtierenden Vontobel-Präsidenten Scheidt als Einervorschlag portiert.

Der Wahl des deutsch-schweizerischen Doppelbürgers ging eine äusserst zähe Kandidatenkür voraus. So verstrich ein erster VR-Termin zur Präsidentenwahl Ende Juni ergebnislos. Spekulationen schossen hernach ins Kraut. Unzählige Kandidaten wurden in der Öffentlichkeit herumgeboten.

Nicht zuletzt, weil das Profil der Anforderung an den neuen Bankierpräsidenten einer Quadratur des Kreises gleich kommt. Zumindest, wenn man mit SBVg-Verwaltungsräten aus den verschiedenen Bankdisziplinen spricht.

Führungsstark müsse der Neue sein, international vernetzt, politisch versiert, in allen Finanzdisziplinen beschlagen, mit diplomatischem Fingerspitzengefühl und erst noch von allen Subbranchen mit ihren jeweiligen Partikulärinteressen akzeptiert. Und als wäre dieses Pflichtenheft nicht schon lang genug, muss sich der SBVg-Präsident gleichsam finanziell frugal wie zeitlich flexibel zeigen.

Präsident der Bankierveinigung zu sein, muss man sich leisten können, sagt ein involvierter Banker. Denn das Präsidium ist ein Pro-Bono-Ehrenamt, und dazu noch ein äusserst zeitintensives. Der bisherige Präsident Odier dürfte bis zu 70 Prozent seiner Zeit für die Vereinigung aufgewendet haben. Das ging nur, weil Odier schwerreich ist und die Bank Lombard Odier im Teilhaber-Modell geführt wird.

Internationales Netzwerk

Finanzielle Sorgen dürften auch den neuen Präsidenten Scheidt keine plagen. Als Spross traditionsreicher Textilfabrikanten ist Scheidt in Essen im deutschen Ruhrpott ein kleiner Immobilienkönig. Seine Familie besitzt grosse ehemalige Betriebsflächen an besten Lagen, die nun renditeträchtig umgenutzt werden.

Zugleich pflegt der begüterte Banker Kontakte zu höchsten bundesdeutschen Kreisen. Scheidt sitzt im Thinktank Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Der ehemalige Uno-Ökonom ist somit stets auf Tuchfühlung mit den Reichen und Mächtigen der Berliner Republik. Kein Wunder, gilt der ehemalige Bundesbank-Präsident und amtierende UBS-Präsident Axel Weber als Fürsprecher Scheidts für das Bankieramt.

Das internationale Netzwerk des vielsprachigen Vontobel-Privatbankers dürfte aber auch hilfreich sein, wenn es um Fragen des grenzüberschreitenden Finanzgeschäfts geht. Schliesslich entzweit das Verhältnis zur EU die Bankiervereinigung. Auf der einen Seite stehen die inländischen Retailer, auf der anderen die exportorientierten Vermögensbanken. Es geht um den europäischen Marktzutritt: Was den Inländern ziemlich egal ist, wird für kleinere Vermögensbanken zusehends zur Überlebensfrage. Äquivalenz beziehungsweise ein angestrebtes Finanzdienstleistungsabkommen polarisiert massiv, sagt ein SBVg-Mitglied.

Es wird nun eine der Aufgaben Scheidts sein, die Wogen zu glätten und die Reihen im SBVg wieder zu schliessen. Auch, um an politischer Schlagkraft zu gewinnen. Wir brauchen einen Brückenbauer nach Bern und Brüssel. Das ist kein Amt für Honoratioren, sondern ein Knochenjob, sagt ein Exponent des Finanzplatzes. Scheidt müsse sich deshalb aktiv in die Debatten einmischen und zugleich das Spiel mit der Öffentlichkeit beherrschen.

Schliesslich ist das Rückzugsgefecht nach der Finanzkrise vorüber, das Timing für einen Neuanfang perfekt. Denn die Schwarzgeld-Sünden sind mehrheitlich abgegolten. Die Post-Bankgeheimnis-Ära ist regulatorisch aufgegleist, das neue Zins- und Währungsumfeld fast verdaut.

Der neue Präsident kann also ohne viele Altlasten den Blick nach vorn richten. Wichtig sei es nun, den regulatorischen Prozess zu antizipieren und zugleich eigene Projekte zu lancieren, sagt ein Politlobbyist: Die Bankiervereinigung muss dazu wieder mit geeinter Stimme auftreten.

Verbindende Klammer fehlt

Allerdings ist es fraglich, ob Scheidt das Rad zurückdrehen kann. Denn das Bankgeheimnis als branchenübergreifende Klammer ist Makulatur. Und im Nachgang zur Finanzkrise haben sich die gemeinsamen Interessen vaporisiert: Jeder kämpft gegen jeden. Gleichsam sinnbildlich hierfür sind die beiden Grossbanken, die UBS und die CS. Die Finanzkonzerne halten sich eigene, millionenschwere Interessenvertreter wie den Brüsseler Lobbyarm Swiss Finance Council. Die SBVg als Branchestimme ist für die Bankkolosse nur noch ein Nebenschauplatz.

Die Bankiervereinigung muss sich deshalb öffnen und eine neue Klientel erschliessen. Doch obScheidt – ein Privatbanker alter Schule – der richtige Präsident ist, um die aufblühende Fintech-Szene zu umgarnen, bleibt offen, zumal das SBVg-Präsidium nur ein Mandat für den gelernten Handelskaufmann von vielen ist. So sitzt Vontobel-Mann Scheidt auch im Verwaltungsrat des Nahrungsmittel-Herstellers Hero, beim Versicherer Helvetia und dem Finanzdienstleister SIX.

Angesichts dieses vollen Pensums wird entscheidend sein, wen Präsident Scheidt zum operativen Chef macht. Der bisherige, der welsche Jurist Claude-Alain Margelisch, ist seit sechs Jahren im Amt und gilt in weiten Kreisen als farb- und profillos.