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Und täglich grüsst das Murmeltier

Liechtenstein Die Geschichte wiederholt sich als Farce. Das zeigt sich derzeit im Ländle. Da kramt das Fürstentum doch tatsächlich die Abgeltungssteuer hervor und will sie der Schweiz als Alternative zum automatischen Informationsaustausch (AIA) schmackhaft machen. Just der Schweiz, die für genau dieses Steuermodell vor wenigen Jahren von den meisten Nachbarn eine saftige Klatsche kassierte. Damals wie heute ist das Fiskalmanöver durchsichtig. Liechtenstein sieht in der Abgeltungssteuer eine Möglichkeit, die Anonymität ihrer Schweizer Bankkunden zu retten und so den Abfluss von eidgenössischen Assets zu stoppen. Derzeit hängt nämlich das Damoklesschwert des AIA über dem Schwarzgeld im Ländle.

Wie Anwälte berichten, sind Schweizer Vermögende daran, ihre Steuerflanke in Liechtenstein zu schliessen. Beim Offenlegen fliessen die Vermögen häufig zurück auf Schweizer Banken. Wer braucht schon eine Liechtensteiner Stiftung mit teuren Treuhändern als Stiftungsräten, wenn die Privatsphäre der Steuerkonstrukte in der AIA-Ära so löchrig ist wie ein Emmentalerkäse? Insofern ist die Alternative der Liechtensteiner ein Danaergeschenk für die Schweiz. Die Eidgenossenschaft gewinnt nichts, wenn das Bankgeheimnis für Schweizer Kunden im Ländle bestehen bleibt. Dagegen läuft der Bund bei einer Sonderlösung mit dem Fürstentum Gefahr, international erneut am Steuerpranger zu stehen.