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Centricus – Burgeners Masterplan

Fussball Der Anlagefonds Centricus greift nach der Champions League. Mittendrin ist Bernhard Burgener, Uefa-Vermarkter und FC-Basel-Eigner.

Die Meldung hat Sprengkraft. Ein Dutzend europäische Spitzenvereine will eine eigene «Super League» formieren. Die Sezession der Fussballriesen stellt den Fortbestand der milliardenschweren Champions League infrage. Die Uefa hat deshalb reagiert. Der Europaverband will mit dem britischen Anlagefonds Centricus ein 6-Milliarden-Euro-Paket schnüren, um seinen Meistercup aufzupolieren und der drohenden Super League ein Bein zu stellen.

Centricus? Dieser Name bewegt derzeit nicht nur das globale Fussballbusiness. Der 30-Milliarden-Anlagefonds aus London erhitzt seit Monaten auch die Gemüter in der Nordwestschweiz – will Centricus sich doch erklärtermassen am FC Basel beteiligen, wie die «Handelszeitung» im letzten Sommer enthüllte. Nun zeigen Recherchen immer deutlicher: Die beiden Ereignisse, also Centricus’ Griff nach der Champions League (CL) und jener nach dem Basler Traditionsverein, hängen zusammen. Dabei ist Centricus wohl nicht in erster Linie am mässig erfolgreichen FC Basel interessiert, sondern vor allem an Bernhard Burgeners Sportrechtegeschäft.

Akut gefährdet

Zum Reich des Baselbieter Medienunternehmers gehört neben dem FCB auch eine Firma namens Team Marketing. Die Tochterfirma aus Burgeners Highlight-Gruppe (siehe Grafik) vermarktet für die Uefa seit Jahren erfolgreich die CL. Allerdings ist Burgeners lukrativer Deal jeweils nur befristet gültig. Derzeit würden die Verhandlungen für die Periode ab 2024 laufen, wie ein Insider sagt. «Im August müsste der neue Vertrag unter Dach und Fach sein.» Mehr als einmal wurde Bernhard Burgener deswegen zuletzt in Nyon gesichtet, wo die Uefa zu Hause ist. Eine Konkurrenzveranstaltung zur CL, wie es die Super League wäre, kommt da zur Unzeit für Uefa-Auftragnehmer Burgener.

«Die zwölf abtrünnigen Spitzenclubs sind die halbe Miete für die Champions-League-Franchise», sagt ein Marketingmann. Burgeners Erlöse aus dem CL-Marketing im zweistelligen Millionenbereich wären so also akut gefährdet. Angesichts dieser Gemengelage spricht vieles dafür, dass Centricus’ Beteiligungsnahme am FCB eben nur ein Neben-Deal in einem grossen Masterplan zwischen Bernhard Burgener und dem britischen Milliarden-Fonds ist. «Wir wollen in dieser Region weiter investieren», erklärte Centricus-Gründer Dalinc Ariburnu kürzlich vielsagend in der «Schweiz am Wochenende». Dazu könnte auch Burgeners Highlight-Gruppe mit Sitz in Pratteln BL gehören.

Centricus und Burgener – Alte Bekannte

Das ungleiche geschäftliche Tandem – Burgener und Centricus – mag Aussenstehende verblüffen. Angebahnt hat es sich jedoch schon vor Jahren: Spätestens seit 2018 kennt und schätzt man sich. Damals wollte Centricus für den Weltfussballverband Fifa die «Nations League» finanzieren. Eine Art Konkurrenzveranstaltung zur CL, aber auf globaler Ebene. Beim 25-Milliarden-Projekt soll sich gemäss mehrerer Insider Burgeners Firma Team für die Vermarktung der Fussballrechte interessiert haben, was einem Verrat an der Uefa gleichgekommen wäre.

Die Nations-League-Avancen sind nur ein Beispiel dafür, wie Burgener seit längerem mehr aus dem Sportrechtegeschäft zu machen versucht. 2017 scheiterte sein Plan, dem Ringier-Verlag, der auch an der «Handelszeitung» beteiligt ist, den «Blick» abzukaufen. Die Offerte sah eine Sportvermarktungsplattform vor – und das, noch bevor Burgener beim FCB eingestiegen war. Die beteiligten Akteure sind alte Bekannte: Das Organigramm nennt nicht nur Centricus-Vermittler Walter de Gregorio, sondern auch PR-Berater Aloys Hirzel. Beide sind bis heute in Burgeners aktuelle Beteiligungspläne involviert.

Russischer Investor Migushov

Neuer Dreh- und Angelpunkt ist die geheimnisvolle Briefkastenfirma Basel Dream & Vision AG, mit deren Hilfe Centricus beim FC Basel einsteigen soll. Sie wurde nur wenige Tage nach einer Kapitalerhöhung in Burgeners Highlight-Gruppe gegründet. Am 10. Dezember 2020 beschaffte sich die Highlight Event and Entertainment AG über den russischen Investor Igor Migushov frisches Kapital und zahlte damit teilweise Burgener aus. Dieser reduzierte seine Beteiligung und löste damit wohl etwa 3 Millionen Franken. Am 11. Dezember wurde das Kapital der Basler Briefkastenfirma erhöht und die heutige Aktionärsstruktur geschaffen, wobei inzwischen zwei Statthalter von Burgener beziehungsweise von Centricus den Verwaltungsrat stellen.

Das Engagement des britischen Anlagefonds könnte dabei über Burgeners Event- und Sportimperium hinausreichen: Gemäss zweier Quellen soll Centricus demnach auch im Gespräch sein mit James Murdoch, Sohn des australischen Medienmoguls und Ankeraktionär der Basler Messebetreiberin MCH Group. Pikanterweise ist die MCH Group ebenfalls mit wenigen Prozenten an Burgeners FC Basel Holding beteiligt. James Murdoch ist auch der frühere Chef des TV-Senders «Sky», der wiederum Partner von Burgeners Highlight-Gruppe ist. So werden offenbar viele Constantin-Filme über die deutschen Sky-Sender abgesetzt, wie aus den Highlight-Geschäftsberichten hervorgeht. Dass sich MCH zuletzt vom Messegeschäft weg- und zu neuen «Live-Entertainment»-Veranstaltungsformen hinbewegt hat, brachte diese nicht zuletzt näher zu Firmen wie Highlight, die auch hinter Events wie dem «European Song Contest» steht.

Langjähriger Partner mit Centricus

Für Burgener steht viel auf dem Spiel: Der Worst Case wäre wohl das Zustandekommen der neuen Super League. Die Umsätze der CL würden ohne Spitzenvereine einbrechen – und damit auch die Provisionen für Burgeners Team Holding. Dabei dürfte die neue Liga kaum auf den langjährigen Partner der verfeindeten Uefa setzen. Gleichzeitig könnte der Super-League-Angriff aber auch dazu führen, dass sich die Fronten schliessen – und die Chancen fürs milliardenschwere Centricus-Uefa-Projekt mitsamt Burgener steigern. Dass dieser in diesen Zeiten alles tut, um Bewegungen beim FC Basel zu vermeiden und Centricus aus den Schlagzeilen zu halten, ist daher wenig erstaunlich. So reagierte er nur mit «No comments» auf die Fragen der «Handelszeitung».

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Gericht büsst Schweizer Ex-Firma von Alexander Studhalter

Steuerhinterziehung Die Steueraffäre um einen Villenkauf an der Côte d’Azur ist um ein Kapitel reicher: Ein Gericht in Nizza hat die Swiru Holding zu einer Geldbusse von 1,4 Millionen Euro verurteilt. Gleichzeitig hat Swiru Steuern in der Höhe von 10,4 Millionen Euro nachgezahlt. Die Firma besitzt mehrere Villen in Südfrankreich und gehörte bis Ende letzen Jahres dem Luzerner Treuhänders Alexander Studhalter. Inzwischen hat er Swiru verkauft.

Gemäss Communiqué der Staatsanwaltschaft hätten die Ermittlungen gezeigt, dass ein Teil des Verkaufspreises der Villa namens «Hier» in der tatsächlichen Höhe von 127 Millionen Euro unter anderem durch Swiru verschleiert wurde. Staatsanwalt Alexandre Julien eröffnete deshalb im November eine Untersuchung gegen Swiru, die mehrere Villen an der Côte d’Azur besitzt. Die Luzerner Firma wurde 1996 gegründet. Ihr einziger Aktionär war bis Ende 2019 Alexander Studhalter.

Alexander Studhalter – Villendeal im Visier der französischen Strafjustiz

Der Schweizer Treuhänder, der jüngst in den Verwaltungsrat der Highlight Event und Entertainment von FC-Basel-Präsident Bernhard Burgener gewählt wurde, geriet wegen des Villa-Deals bereits einmal ins Visier der französischen Strafjustiz. Der Vorwurf: Studhalter sei bloss der Strohmann für den Luzern-affinen Oligarchen und russischen Abgeordneten Suleiman Kerimov. Studhalter sass deswegen Anfang 2018 sieben Wochen in Nizza in U-Haft. Mitte 2018 entlastete ihn ein Berufungsgericht in Aix-en-Provence von sämtlichen Vorwürfen. Im Frühjahr 2019 eröffnete Staatsanwalt Alexandre Julien erneut ein Verfahren gegen Studhalter, wie die Lokalzeitung «Nice-Matin» damals berichtete. Auch dieses Verfahren wurde inzwischen eingestellt.

Allerdings ist die Villen-Affäre noch nicht für alle Beteiligten ausgestanden. Gemäss Communiqué würden die Ermittlungen fortgesetzt.

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Clash an der Côte d’Azur

Geldwäscherei Bernhard Burgeners Financier sitzt in Frankreich in U-Haft. Sein Anwalt bezeichnet ihn als Justizopfer.

Bloss ein geschmolzener Klumpen Metall. Das blieb vom schwarzen Ferrari Enzo übrig, nachdem der russische Oligarch Suleiman Kerimov die Herrschaft über den Sportwagen verloren hatte und an der Strandpromenade von Nizza in einen Baum gekracht war. Kerimov erlitt schwerste Verbrennungen. Der Multimilliardär aus Dagestan wurde mit der belgischen Luftwaffe in eine dortige Spezialklinik geflogen. Knapp 6000 Euro hat Kerimovs Krankentransport gekostet. Beglichen hat die Rechnung wenige Tage nach dem Unfall eine Luzerner Firma namens Swiru Holding, wie Dokumente zeigen. Das war 2006.

Zwölf Jahre später rückt jene Swiru Holding wieder in den Fokus. Erstens bei der Übernahme von Constantin Medien – einem deutschen Unterhaltungskonzern, um dessen Kontrolle der FC-Basel-Präsident Bernhard Burgener seit Jahren mit Haken und Ösen kämpft. Zweitens bei millionenschweren Villen-Deals an der Côte d’Azur, die ins Visier der französischen Justiz geraten sind wegen des Verdachts auf Steuerbetrug und Geldwäscherei im ganz grossen Stil. Es soll um bis zu 500 Millionen Euro gehen, behaupten die französischen Strafverfolger. Oligarch Kerimov kam deswegen kurzzeitig in Gewahrsam. Sein Luzerner Geschäftspartner, der Unternehmer Alexander Studhalter, sitzt seit Wochen in Südfrankreich in U-Haft.

Darlehen über 117 Millionen Franken

Studhalter ist in der Innerschweiz eine feste Grösse. Seine Familie gehört zu den Hilti-Erben, sein Bruder ist FC-Luzern-Präsident. Er hat die Übernahme von Constantin Medien durch Bernhard Burgener erst möglich gemacht. Die beiden Geschäftsleute kontrollieren seit wenigen Tagen die Mehrheit am Münchner Medienkonzern. Der Kontrollübernahme ist ein öffentliches Angebot vorausgegangen, in der wiederum die Swiru Holding eine Schlüsselrolle spielt.

Die Luzerner Holding hat nämlich zwei Darlehen über 117 Millionen Euro ausstehend. Es sind Darlehen, um sich an Burgeners Highlight-Imperium zu beteiligen beziehungsweise Constantin-Aktien zu erwerben. Praktisch zeitgleich mit Burgener und Studhalters Ankündigung eines Übernahmeangebots für Constantin verhaftet die Polizei Ende November am Flughafen in Nizza Suleiman Kerimov. Ohne Pass und gegen eine 40-Millionen-Euro-Kaution kommt der russische Oligarch und Senator Dagestans zwar wieder auf freien Fuss. Aber Anfang Jahr verhaften die Franzosen seinen Geschäftspartner Alexander Studhalter.

Eigentümer verschleiern

Es müsse garantiert werden, dass sich «Monsieur Studhalter» der französischen Justiz bereithalte, begründet Jean-Michel Prêtre, Staatsanwalt der Republik Nizza, die Zwangsmassnahme, um hernach summarisch auf die Gründe für Studhalters Verhaftung einzugehen. Im Zentrum steht abermals die Swiru Holding. Staatsanwalt Prêtre sagt: «Es gibt zahlreiche und übereinstimmende Fakten verschiedener Art, die beweisen, dass es sich um eine Gesellschaft handelt mit Zweck, den echten Eigentümer zu verschleiern und im Verborgenen zu halten.» Mit anderen Worten: Hinter der Swiru Holding steht gar nicht Studhalter, sondern sein Geschäftspartner Kerimov. Die französische Justiz sieht im Luzerner einen «homme de paille», einen Strohmann des Oligarchen.

Unbestritten ist: Die Swiru Holding besitzt mehrere Luxusvillen an der französischen Riviera. Studhalters Umfeld spricht von einer «Parahotellerie», die Kerimov als Mieter in Anspruch genommen habe. Die Strafverfolger dagegen sind überzeugt, Studhalter habe für Kerimov die Villen erstanden. Beispielsweise die palmengesäumte «Hier» am Cap d’Antibes. Offizieller Kaufpreis der Liegenschaft: 35 Millionen Euro. Doch unter dem Tisch sollen schwarz weitere 92 Millionen Euro geflossen sein, womit «Hier» insgesamt 127 Millionen Euro gekostet haben soll.

Ausgewiesener Verkaufspreis

Auf solche Weise und mit Unterhaltszahlungen für die Villen habe der russische Multimilliardär mehr als 500 Millionen Euro «gewaschen», sagte Staatsanwalt Prêtre kürzlich in der Online-Zeitschrift «Mediapart», gestützt auf «zahlreiche und bedeutsame Dokumente». Allerdings gibt es Zweifel an dieser Version. So gibt es zur Villa «Hier» eine offizielle Schätzung eines Appellationsgerichts in Aix-en-Provence, die den Wert der Liegenschaft kurz vor dem Verkauf an die Luzerner auf 31 Millionen beziffert. Also nahe dem ausgewiesenen Verkaufspreis und weit entfernt von der behaupteten Schwarzgeld-Summe.
Offizielle Steuerbestätigung

Nebst dieser gerichtlich angeordneten Schätzung konnte die «Handelszeitung» ein weiteres Dokumente einsehen, welches die These von Alexander Studhalter als Kerimovs Strohmann zu entkräften hilft. So haben die Steuerbehörden seiner Wohngemeinde Horw LU am 17. März 2017 eine Bestätigung ausgestellt, wonach Alexander Studhalter alleiniger Eigentümer und wirtschaftlich Berechtigter der Swiru Holding ist, und zwar seit deren Gründung 1996.

Kerimovs Cousin sass in SWIRU

Damals hiess die Gesellschaft noch Swiru Trustee. Ein möglicher Hinweis auf eine treuhänderische Funktion von Studhalters Firma, in der ab 2001 für vier Jahre auch der Obwaldner Politiker und Anwalt Hans Hess sass. Wie Recherchen zeigen, führte seinerzeit ein Mann namens Nariman Gadzhiev das Protokoll an den VR-Sitzungen der Swiru. Gadzhiev ist Kerimovs Neffe. Er soll Informationsminister Dagestans und für Kerimovs Nafta-Konzern aktiv gewesen sein. Es handelt sich um jene russische Ölhandelsfirma, die Oligarch Kerimov zur Jahrtausendwende schluckte und die auch in der Swiru Holding ihre Spuren hinterliess. So hiess eine Luxemburger Swiru-Tochter bis 2006 «Nafta Investments» und hielt eine Beteiligung an einem dortigen Nafta-Trader.

Wie auch immer. Studhalters Rechtsanwalt, Stefan Wehrenberg, sieht in seinem Mandanten «ein Opfer der französischen Justiz» und betont: «Der Zahlungsfluss von den Konti von Herrn Studhalter zu den Verkäufern der Villa ‹Hier› lassen sich lückenlos nachverfolgen.» Es habe keine zusätzlichen Zahlungen «unter dem Tisch» gegeben. Diese Tatsachen seien dem Gericht bekannt, sagt er und fügt hinzu, dass Studhalters steuerliche Situation «einwandfrei» sei: «Über zwanzig steuerliche Kontrollen wurden in Frankreich ohne Beanstandungen durchlaufen.» Er kämpft um den Ruf seines Mandanten und habe «rechtliche Mittel gegen die Art der Verfahrensführung beziehungsweise die laufend wiederholten falschen Anschuldigungen des französischen Untersuchungsrichters» ergriffen. Die Rekurse sollten im März behandelt werden.