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Berner Betriebsamkeit im Fall Bastos

Jean-Claude Bastos Angolas Vorwürfe gegen den Staatsfondsverwalter erweisen sich als haltlos. Doch bis zuletzt leisteten Schweizer Behörden Schützenhilfe.

Das Handy-Foto zeigt Jean-Claude Bastos: abgemagert, aber zufrieden. In der Hand der angolanische und der Schweizer Pass. An der Wand ein Porträt des Präsidenten João Lourenço. Entstanden ist das Handy-Foto am Tag von Bastos Freilassung in Luanda. Nach einem halben Jahr in U-Haft.

Statt der Anklage wegen Verschwörung und Veruntreuung hat Angola verglichen und sämtliche Verwürfe fallengelassen. Mehr noch: Bastos erhielt eine Entschädigung zugesprochen. Im Gegenzug verzichtete der Schweiz-Angolaner auf vertragliche Forderungen. Die Wende in Angola wirft allerdings ein schiefes Licht auf die Schweizer Behörden: Bis zuletzt leistet Bundesbern Schützenhilfe bei Angolas Powerplay gegen Doppelbürger Bastos.

Doch der Reihe nach. Letzten April war das Geschirr zerschlagen. Der Staatsfonds FSDEA teilte öffentlich mit, Angola wolle die «finanzielle Kontrolle» über das Milliardenvehikel, das Jean-Claude Bastos seit 2013 verwaltet hatte. Zuvor hatten der Schweizer Financier und Angolas neuer Präsident João Lourenço erfolglos um die Auflösung der Verträge gerungen.

Jean-Claude Bastos erhält Gebühr in dreistelliger Millionenhöhe

Bastos hatte mit der Verwaltung des 5 Milliarden schweren Staatsfonds über 500 Millionen Dollar an Gebühren und Services verdient. Ein Gutachten, das Angolas neue Regierung bei Berater EY bestellt hatte, bescheinigte «hohe Gebühren angesichts der Portfoliogrösse». Gemeint war der liquide Teil der Staatsfondsgelder. Für jene 1,7 Milliarden Dollar konnte Angola kurzfristig das Mandat mit Bastos Zuger Firma namens Quantum Global aufkündigen. Die übrigen 3 Milliarden Dollar waren für Direktanlagen reserviert: vom Hotelturm in Luanda bis zum Hochseehafen-Projekt in Cabinda, an dem auch SBB-Frau Monika Ribar mitwirkte. Ein Grossteil der Gelder lag auf Konten in London. Nur etwa eine halbe Milliarde Dollar war in sieben sektoriellen Fondsvehikel auf Mauritius investiert.

Doch Bastos und seine Quantum hatten für die Verwaltung dieses Private-Equity-Portfolios gültige Verträge mit langen Laufzeiten. Die Rede ist von bis zu zehn Jahren. Die jährlichen Gebühren summierten sich bis 2018 auf rund 300 Millionen Dollar. Eine Fortführung hätte für Bastos und Co. also goldene Jahre mit Multimillionen-Fees bedeutet.

Bundesanwaltschaft eröffnet Strafverfahren gegen unbekannt

Was ein gewöhnlicher Disput unter Geschäftspartnern ist, nämlich die vorzeitige Vertragsauflösung, eskalierte zwischen Bastos und Angola. Mitte April stieg die neue Staatsfondsführung in den Flieger nach Mauritius. Die Mission: den Schweizer abzusetzen und der Private-Equity-Milliarden habhaft zu werden. Die Gerichte im Inselstaat folgten zunächst den Angolanern. Dutzende Quantum-Konten wurden eingefroren – ohne Bastos die Beweggründe offenzulegen. Mauritius war der Auftakt für eine weltweite Sperre seiner Vermögenswerte. Auch in der Schweiz.

Inzwischen waren nämlich die Behörden in Bern aktiv geworden. Mitte Mai rückte das Fedpol aus und durchsuchte diverse Büros von Bastos Firmen. Bundesanwalt Michael Lauber hatte zuvor ein Strafverfahren gegen unbekannt eröffnet wegen Geldwäschereiverdachts, unter anderem «gegen das Vermögen des angolanischen Staatsfonds». Sein Bruder Emanuel Lauber, der oberste Steuerfahnder des Bundes, nahm praktisch zeitgleich die Ermittlungen gegen Bastos und Co. auf – unter anderem wegen des «Verdachts des Steuerbetrugs und der Hinterziehung».

Laubers Fiskalfahnder gingen forsch vor: Sie liessen mittels Spezialfirma einen Tresor bei Bastos Exfrau im Tessin knacken und verarrestierten Bankkonti aus seinem erweiterten Firmenumfeld. «Die jüngsten Äusserungen in der Presse sind zu berücksichtigen, die weitere Bedenken bei den Behörden erwecken», verteidigten die Bundesvertreter später ihre akribischen Arrestaktionen. Ein Kantonsgericht rügte danach, dass sich «aus den von den Klägern eingereichten Beilagen weder ein Rechtsmissbrauch noch ein Steuervergehen» ableiten lasse. Die Steuerstrafuntersuchung gegen Bastos ist hängig.

Staatssekretärin Pascale Baeriswyl trifft Angolas Justiziar

Während Steuerfahnder Lauber die Offshore-Konstrukte durchleuchtete, lud Bundesanwalt Lauber sein angolanisches Pendant im Juli zum Arbeitstreffen nach Bern. Generalstaatsanwalt Pitta Gróz hoffte danach im «Tages-Anzeiger», schon «in dreissig bis vierzig Tagen» genügend Beweise gesammelt zu haben, um Bastos vor Gericht zu stellen. Doch weder stellte Angola je ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz, noch klagte Pitta Gróz den Ex-Staatsfondsverwalter an. Vielmehr erging Mitte August ein Urteil am britischen High Court, das den Kontensperren die Legitimation weitgehend entzog. Keinen Monat später setzte Angola Jean-Claude Bastos in U-Haft. Dies obwohl man ihm bereits die Pässe abgeknöpft hatte und er sich regelmässig bei den Behörden melden musste. Der Haftantrag basierte auf einem möglichen Interessenkonflikt bei einem 150-Millionen-Dollar Hotelprojekt aus dem Jahre 2015. Ein Projekt, das von Behördenvertretern abgesegnet worden war.

Trotz zweifelhaften Zwangsmassnahmen weibelte Bundesbern weiter. Im November reiste Staatssekretärin Pascale Baeriswyl nach Luanda, um über Justizfragen zu sprechen. Kurz vor Weihnachten traf sie Angolas Generalstaatsanwalt und den Justizminister in Bern. «Ein fruchtbarer Austausch über gegenseitige Rechtshilfe», twittere Baeriswyl nach dem Treffen.

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Jean-Claude Bastos – Das Ende der U-Haft

Jean-Claude Bastos Seit Ende September sass Jean-Claude Bastos de Morais im Hochsicherheitsgefängnis Viana in der angolanischen Hauptstadt Luanda. Die Anstalt ist für ihre schlechten Haftbedingungen berüchtigt. Das amerikanische Aussenministerium hat wiederholt auf Menschenrechtsverletzungen hingewiesen.

Bastos fürchtete um seine Gesundheit in der U-Haft. Er soll nur Essen konsumiert haben, das ihm Angehörige – darunter seine Lebenspartnerin Manuela Ganga – ins Gefängnis brachten. Ansonsten verweigerte der Schweiz-Angolaner die Nahrungsaufnahme.

Jean-Claude Bastos: Vertraulicher Vergleich

Nun schaffte der ehemalige Verwalter von Angolas 5 Milliarden Dollar schwerem Staatsfonds eine Einigung mit der Generalstaatsanwaltschaft. Wie die Quantum Global Group mitteilte, haben der Fundo Soberano de Angola (FSDEA) und Quantum-Gründer Jean-Claude Bastos einen vertraulichen Vergleich erzielt.
 
Bastos sei frei. Die angolanischen Behörden hätten «keinerlei Anklage wegen eines strafbaren Verhaltens gegen ihn erhoben».
 
Weiter hätten die Behörden von Mauritius die Einfrierung der Bankkonten von Quantum Global und Bastos aufgehoben. Auch setzte die Financial Services Commission die Lizenzen der Gruppe wieder in Kraft.

Verzicht auf Forderungen aller Art

Die Vergleichsvereinbarung sieht vor, dass beide Parteien auf weitere Forderungen gegenüber der jeweils anderen Partei verzichten. Der Vergleich deckt alle durch den FSDEA vor den Gerichten verschiedener Länder wie Angola, Mauritius, der Schweiz und Grossbritannien erhobenen Forderungen ab. Quantum Global und Jean-Claude Bastos verzichten im Gegenzug auf ihre in Grossbritannien gegen den FSDEA erhobenen Schadenersatzforderungen; auch werden sie ihre handelsrechtlichen Klagen gegen den FSDEA in Mauritius einstellen.

Bereits am Mittwoch hatte die «Handelszeitung» über die Einigung berichtet. Die Information basierte auf Aussagen von Tobias Klein, dem Finanzchef der Quantum Group. 

Laut dem portugiesischen Dienst von «Voice of America» hatte Klein im Rahmen eines Aufhebungsverfahrens von Kontensperren auf Mauritius, wo diverse Staatsfonds-Vehikel ihren Sitz haben, eine eidesstattliche Erklärung abgegeben: Darin erklärte der Quantum-CFO, dass die Streitigkeiten zwischen dem Asset Manager und Angola beigelegt worden seien.

Überraschende Wende

Der Deal kommt überraschend. Noch Ende Februar liess der oberste Staatsanwalt Angolas, Helder Fernando Pitta Gros, über die lokale Nachrichtenagentur ANGOP verbreiten, man werde in wenigen Tagen Anklage gegen Jean-Claude Bastos und den Sohn des ehemaligen Staatspräsidenten, José Filomeno dos Santos, erheben. Filomeno präsidierte den Fundo Soberano do Angola (FSDEA) bis Anfang 2018.

Zur Anklage gegen Bastos & Co wird es nun nicht kommen. Vielmehr markiert die Einigung das vorläufige Ende einer Auseinandersetzung zwischen der alten Staatsfonds-Führung und der neuen angolanischen Regierung um Präsident João Lourenço, der im Herbst 2017 ins Amt kam. Der Rechtsstreit, der in Angola, Grossbritannien, der Schweiz und auf Mauritius erbittert ausgefochten wurde, gipfelte gut ein Jahr nach Lourenços Inauguration in der Verhaftung von Jean-Claude Bastos in Luanda.

Am Abend des 24. September 2018 wurde Bastos in Untersuchungshaft gesetzt. Zuvor hatte man ihm bereits den Pass abgenommen, die Ausreise verwehrt, und er musste sich regelmässig bei den Behörden melden. Der Grund für die Zwangsmassnahmen: Ein Strafverfahren gegen den Schweiz-Angolaner mit dem Aktenzeichen Nr. 22/18-DNIAP.

Nicht in Transaktion involviert

Die Staatsanwaltschaft stellte damals in einem offiziellen Communiqué die Verhaftung in den Kontext der Veruntreuung von 500 Millionen Dollar aus den Beständen der angolanischen Nationalbank. Dies, obwohl Bastos und seine Zuger Quantum Gruppe nachweislich nicht in die Transaktion involviert waren. Allerdings stützten die Staatsanwälte den eigentlichen Haftantrag auf einen Immobiliendeal von Bastos für den Staatsfonds FSDEA ab.

Es handelt sich um einen jener Beteiligungsvehikel auf Mauritius, deren Verwaltung mit der Veröffentlichung der «Paradise Papers» im Herbst 2017 in Verruf geraten waren. Dies weil Bastos die Staatsfondsgelder über die Offshore-Vehikel zum Teil in Projekte investierte, an denen er privat beteiligt war, wie etwa ein Hochseehafen-Projekt in der Provinz Cabinda.

Auch erhielt Bastos vom Fundo Soberano fürs Management der Staatsfondsgelder über 500 Millionen Dollar an Abgaben und Verwaltungsgebühren, wie Gerichtsunterlagen zeigen. Zum Teil erhielt Bastos die «Fees» auch für Aufträge zugunsten eigener Firmen in der Schweiz, etwa Djembe, Uniqua oder Stampa.

In ihrem Haftantrag gegen Bastos fokussierten Angolas Ermittler um Generalstaatsanwalt Pitta Gros konkret auf eine Immobilien-Transaktion aus den Jahren 2014 und 2015. Damals kaufte der Staatsfonds eine Firmenhülle namens Kijinga, die im Besitz der Banco Kwanza Investimento war. Hauptaktionär der BKI mit 85 Prozent ist Jean-Claude Bastos. Der von Bastos gemanagte Staatsfonds verpflichtete sich über sein Hotel-Investment-Vehikel auf Mauritius, 100 Millionen Dollar in Kijinga einzuschiessen.

Turmprojekt in Luanda

Davon entfielen etwa 85 Millionen Dollar auf ein Hochhaus-Projekts in Luanda. Die Verträge für den geplanten Immobilienkomplex aus Hotel, Büros und Gewerbeeinheiten bestanden zwischen einer Kijinga-Tochter und einer Firma namens Afrique Imo Corporation. Sie gehört ebenfalls im Mehrheitsbesitz dem damaligen Staatsfonds-Verwalter Jean-Claude Bastos.

Die genauen Besitzverhältnisse brachten die «Paradise Papers» ans Licht. Schliesslich basierten sie auf vertraulichen Unterlagen von Appleby, einer auf Offshore-Vehikel spezialisierten Anwaltskanzlei. Deren Kunde war auch Jean-Claude Bastos.

Der veröffentlichte E-Mail-Verkehr zeigt indes auch, dass Appleby auf die latenten Interessenkonflikte beim Hoteldeal hinwies, wonach Bastos Verkäufer, Fondsmanager und Mehrheitseigner der Zielfirma ist. Allerdings machte der Schweiz-Angolaner den Interessenkonflikt transparent und trat fürs besagte Hotel-Investment in den Ausstand.   

Kontensperren rund um den Globus

Gemäss einer gut informierten Quelle nahmen die angolanischen Strafverfolger im letzten Herbst dennoch vertragliche Querelen um den geplanten «High Tech Tower» in der Hauptstadt Luanda zum Anlass, Jean-Claude Bastos in Untersuchungshaft zu setzen. Der Zwangsmassnahme war ein längerer Disput um die Kontrolle über die Milliarden an Staatsfondsgeldern vorausgegangen – auf der einen Seite stand FSDEA-Manager Bastos, auf der anderen die neue angolanische Führung.

Insbesondere die Managementverträge für das drei Milliarden Dollar schwere Private-Equity-Portfolio mit sehr langen Vertragslaufzeiten sollen dem neuen Präsidenten Lourenço ein Dorn im Auge gewesen sein: Er wollte Bastos und seine Zuger Quantum so rasch als möglich weghaben und ohne Abstriche die finanzielle Kontrolle über das gesamte «Fundo»-Vermögen wiedererlangen.

Nachdem die Verhandlungen im Frühjahr endgültig gescheitert waren, beschritt Angola den Rechtsweg, erwirkte Kontensperren rund um den Globus, darunter auch in der Schweiz, und setzte Bastos schliesslich fest.

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Angola will Bastos absetzen

Jean-Claude Bastos Angolas Staatsfonds plant, der Zuger Quantum das Private-Equity-Mandat über 3 Milliarden Dollar zu entziehen.

Man habe «grosse Bedenken» hinsichtlich der Vorgehensweise von Quantum Global bei der Anlage der Gelder des Staatsfonds. QuantumsVorgehensweise stimme nicht mit den Grundsätzen des Staatsfonds überein, schreibt FSDEA in einem kürzlich veröffentlichten Statement: «Als Konsequenz aus den Untersuchungen durch international führende Consultants unternimmt FSDEA nun Schritte, um Quantum als Vermögensverwalter zu entfernen».

Auf Mauritius verwaltet

Das nun angekündigte Ende der Geschäftsbeziehungen bezieht sich auf jene drei Milliarden Dollar an Private-Equity-Beteiligungsfonds, die Jean-Claude Bastos und seine Quantum Global auf der Insel Mauritius verwaltet haben. Bereits Anfang Monat hat die «Handelszeitung» darüber berichtet, dass der Staatsfonds FSDEA die Vermögensverwaltung mit der Zuger Tochter Quantum Global beendet hatte. Es ging damals um 1,7 Milliarden Dollar an klassische Anlageportfolios.

Rochade an der Spitze des Staatsfonds

Der Kündigung der Milliardenmandate ging ein Führungswechsel beim angolanischen Staatsfonds FSDEA voraus. Anfang Jahr wurde der Sohn des angolanischen Ex-Präsidenten Dos Santos – ein Jugendfreund von Bastos – an der Spitze des mit 5 Milliarden Dollar dotierten Staatsfonds abgelöst. Der Rochade war eine Untersuchung einer internationalen Consultingfirma beim Staatsfonds vorausgegangen. Sie führte unter anderem zu Tage, dass es seinerzeit bei der Vergabe der Verwaltungsmandate an die Quantum Gruppe an Transparenz mangelte. Gleichzeitig fehle es an Risikostreuung, weil Quantum den Grossteil der FSDEA-Mandate auf sich vereinte.

Dutzende Bankkonten des angolanischen Staatsfonds wurden kürzlich in Mauritius wegen des Verdachts der Unterschlagung von Geldern während der Amtszeit seines früheren FSDEA-Präsidenten, Filomeno «Zenu» dos Santos, gesperrt. Konkret hat der maurizische Fondsregulator FSC auch alle von Quantum gemanagten Investmentvehikel des angolanischen Staatsfonds gesperrt. Die sieben Vehikel decken Bereiche wie Gesundheitswesen, Holzwirtschaft, Minen oder Hotellerie ab. In den jeweiligen Verwaltungsräten sass stets der damalige Präsidentensohn Zenu, ein enger Freund Bastos’. Das Nettovermögen der sieben Mauritius-Fonds betrug gemäss Staatsfonds-Bericht per Ende 2015 rund 2,7 Milliarden Dollar.

Bastos hofft auf einvernehmliche Lösung

In einer ersten Stellungnahme hat Quantum Global die «Einschüchterungstaktik» ihres angolanischen Auftraggebers FSDEA verurteilt. Die Gruppe wiederholte gleichzeitig ihre Forderung nach einem fairen Verfahren. Die Absicht des FSDEA, Quantum Global aus dem Management der in Mauritius ansässigen Private-Equity-Fonds zu entfernen, würde «langfristig vertragliche Vereinbarungen» verletzen. Jede übereilte Entscheidung, die FSDEA-Mittel einzufrieren oder abzubauen, würde zu einem erheblichen Wertverlust des bestehenden Portfolios führen, da sich viele dieser Projekte in der frühen Entwicklungsphase befinden. Weiter hofft Quantum Global im Statement darauf, die Sache mit FSDEA auf «einvernehmliche Weise» zu lösen.

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Britisches Gericht friert Gelder ein

Jean-Claude Bastos Auf Antrag Angolas hat der High Court weltweit Vermögen der Zuger Quantum eingefroren.

Der Rechtsstreit zwischen dem Staatsfonds Angolas FSDEA und ihrem Assetmanager, der Zuger Quantum Global um den Unternehmer Jean-Claude Bastos, eskaliert. Der FSDEA hat jüngst vor dem High Court of Justice in London eine weltweite Kontensperre für jene 3 Milliarden Dollar Private-Equity-Vermögen erwirkt, die das Verwaltungsmandat von 2013 mit der Zuger Gesellschaft Quantum Global Investment Management (QGIM) umfassen. Der Gerichtserlass liegt der «Handelszeitung» vor (siehe unten) und kann frühestens Mitte Mai angefochten werden. Im Verwaltungsrat der Zuger Bastos-Firma QGIM sitzen die beiden Wirtschaftsanwälte Thomas Ladner und Martin Neese. Letzterer gehört unter anderem der Kontaktgruppe Geldwäschereibekämpfung des Bundes an.

Tiefseehafen-Projekt

Die Kontensperre umfasst die Private-Equity-Fondsvehikel von Quantum. Sie decken Bereiche wie Gesundheitswesen, Holzwirtschaft, Minen und Hotellerie ab. Unter den aufgeführten Gesellschaften befindet sich die Capoinvest Limited auf den Britischen Jungferninseln. Es handelt sich um jene Offshore-Gesellschaft, für welche SBB-Präsidentin und Sika-Verwaltungsrätin Monika Ribar bis 2016 im Verwaltungsrat sass, wie die «Handelszeitung» im letzten Herbst berichtete. Capoinvest ist indirekt Eignerin eines Tiefseehafen-Projekts namens Caioporto vor der Küste der angolanischen Provinz Cabinda.

Quantum Global hat Kenntnis vom Gerichtserlass, teilte aber vor wenigen Tagen mit, man habe die Dokumente noch nicht erhalten. Jean-Claude Bastos war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Konsequenz aus Untersuchung

Der angolanische Staatsfonds FSDEA hat zudem angekündigt, Quantum das Private-Equity-Mandat über 3 Milliarden Dollar zu entziehen. Man habe «grosse Bedenken» hinsichtlich der Vorgehensweise von Quantum Global bei der Anlage der Gelder des Staatsfonds. Quantums Vorgehensweise stimme nicht mit den Grundsätzen des Staatsfonds überein, schreibt FSDEA in einem jüngst veröffentlichten Statement: «Als Konsequenz aus den Untersuchungen durch international führende Consultants unternimmt FSDEA nun Schritte, um Quantum als Vermögensverwalter zu entfernen.» Quantum selbst spricht von einer «Einschüchterungstaktik» seitens ihres Kunden FSDEA.

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Mehr als ein Quantum Ärger

Jean-Claude Bastos Angola geht gegen seinen Staatsfondsverwalter vor. Bankkonten und Fonds wurden blockiert, Vermögensmandate gekündigt.

Die Luft wird dünner für Jean-Claude Bastos. Es ist jener Schweizer Unternehmer, der bis dato die Milliarden des angolanischen Staatsfonds FSDEA mit seiner Quantum-Gruppe verwalten durfte. Und es ist jener schillernde Afrika-Investor, der bis zu den Enthüllungen der «Handelszeitung» Anfang November 2017 von der Schweizer Wirtschaftsprominenz hofiert wurde.

Ob alt Bundesrätin Ruth Metzler, Monika Ribar, Marcel Rohner oder Ex-Deza-Chef Walter Fust – sie alle und noch viele andere Manager, Consultants und Anwälte hierzulande liessen sich für Bastos’ Zwecke einspannen: Sei es mit einem Offshore-Mandat für einen Tiefsee-Hafen im Norden Angolas (Ribar), sei es als Schweizer «Governance-Verantwortliche» für Quantum (Metzler) oder als Berater von Prime-Immobilien-Deals für Angolas Nationalbank (Rohner).

Nun aber scheint Bastos’ Stern zumindest in Angola im Sinken begriffen. Der neue Präsident des Landes, João Lourenço, geht konsequent gegen Familie und Entourage seines Vorgängers José Eduardo dos Santos vor. So wurde beispielsweise dos Santos’ Sohn Zenu – ein Jugendfreund von Bastos – Anfang Jahr als Präsident des Staatsfonds FSDEA entfernt. Zeitgleich löste der Fundo Soberano mit der Firma Quantum Global Investment in Zug das Verwaltungsmandat für Vermögen in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar auf, wie die «Handelszeitung» erfuhr.

«Veruntreute Gelder aufspüren»

Und nun, keine drei Monate nach der Rochade an der Staatsfonds-Spitze, hat Präsident Lourenço einen Vertreter nach Mauritius entsandt, um die dortigen Ermittlungen im Zuge der «Paradise Papers» zu befördern. Die Untersuchung der «Affaire Bastos» laufe, sagte Sudhir Sesungkur, Mauritius Minister für Finanzdienstleistungen und Good Governance, jüngst in der Lokalpresse: Die Massnahmen stünden in Zusammenhang mit Angolas Absicht, «veruntreute Gelder des Landes aufzuspüren».

Konkret hat der maurizische Fondsregulator FSC alle Investmentvehikel des angolanischen Staatsfonds gesperrt. Die Private Equity Investments wurden auf der Insel durch Bastos’ Quantum-Gruppe verwaltet. Die sieben Vehikel decken Bereiche wie Gesundheitswesen, Holzwirtschaft, Minen oder Hotellerie ab. In den jeweiligen Verwaltungsräten sass stets der damalige Präsidentensohn Zenu, ein enger Freund Bastos’. Das Nettovermögen der sieben Mauritius-Fonds betrug gemäss Staatsfonds-Bericht per Ende 2015 rund 2,7 Milliarden Dollar.

Gegen 300 Millionen Dollar gesperrt

Mit der Sperrung der Finanzvehikel hat das oberste Gericht des Inselstaats auf Antrag der Staatsanwältin (siehe Dokument) und der Finanzaufsicht FIU annähernd sechzig Konten von Bastos und Quantum Global einfrieren lassen. Es handelt sich vorwiegend um Konten bei lokalen Banken, auf denen sich umgerechnet gegen 300 Millionen Dollar befinden sollen.

Quantum betont, man habe alle Kundengelder in Übereinstimmung mit den genehmigten Anlagerichtlinien und den Gesetzen der Länder verwaltet, in denen die Gruppe tätig ist. «Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Investitionstätigkeiten wie geplant durchführen können», erklärt ein Quantum-Sprecher weiter.

Jean-Claude Bastos selbst stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung. Doch bereits letzten Herbst war der Afrika-Investor wenig angetan von seiner Mauritius-Dépendance, die damals nach eigenen Angaben rund 35 Quantum-Mitarbeiter beschäftigte. «Mauritius war keine gute Entscheidung gewesen», sagte er zur «Handelszeitung». Gleichzeitig kündigte er an, die Anzahl Mitarbeiter dort massiv zu reduzieren und Dubai zum neuen Investment-Hub aufbauen zu wollen. Kaum ein Jahr nachdem er mit Quantum «eine entscheidende Rolle beim Aufbau eines Finanzökosystems auf Mauritius» spielen wollte.

Bastos-Anwalt widerspricht

Bereits bei der Gründung der maurizischen Fondsgesellschaften soll es gemäss «Tages-Anzeiger» zu Ungereimtheiten gekommen sein: Bastos habe gegenüber den Behörden auf Mauritius «unvollständige oder gar irreführende Angaben» zu seiner Verurteilung von 2011 gemacht. Er war damals vom Zuger Strafgericht schuldig gesprochen worden wegen «mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung» bei der Liquidation der Firma ProKMU Invest. Das Urteil liegt der «Handelszeitung» vor.

Dem Gesuch für die Mauritius-Firmen lag eine Zusammenfassung des Urteils durch Martin Neese bei. Der Bastos-Rechtsvertreter im Fall ProKMU betont auf Anfrage, dass er korrekt festgehalten habe, «dass und weswegen mein damaliger Mandant zu einer Busse verurteilt wurde». Angesprochen auf die bedingte Geldstrafe von 175 000 Franken, die in Neeses Zusammenfassung fehlt, hält er fest, dass die Strafe mit Ablauf der Probezeit erlischt. «Das ist ja gerade der Sinn des bedingten Strafvollzugs.»

Neese hat Bastos nicht nur im Fall ProKMU vertreten, er amtet seit Jahren als Verwaltungsrat in Schweizer Quantum- und Bastos-Gesellschaften. Gleichzeitig sitzt der Zuger Wirtschaftsanwalt in gewichtigen Bundesgremien wie der Kontaktgruppe Geldwäschereibekämpfung oder dem Internationalen Standardsetting Finanzmarktintegrität (ISFIN). Auch ist er Präsident der Selbstregulierungsorganisation VQF, welche die Quantum Global Investment Management als Finanzintermediär beaufsichtigt. Neese sagt dazu: Die Quantum-Aufsicht würde durch eine unabhängige Kommission wahrgenommen.

Auf den «Asset Freeze» im Inselstaat angesprochen, hält er fest: «Ich war und bin in die Vorgänge auf Mauritius nicht involviert.» Allerdings strahlen die Aktionen von Präsident Lourenço bis in die Schweiz aus. Der Staatsfonds hat auf Anfang Jahr sämtliche Vermögensverwaltungsmandate gekündigt. Auch jene mit der Zuger Quantum Global Investment Management, welche für den FSDEA klassische Anlagen betreute und dafür gemäss Geschäftsbericht 2014 rund 20 Millionen Dollar einstrich. Nun schreibt Angola die Aufträge neu aus. «Ich gehe davon aus, dass wir uns erneut bewerben», sagt Quantum-VR Neese.

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Die Swiss-Angola-Connection

Jean-Claude Bastos Der Schweizer Investor will das westafrikanische Angola entwickeln. Mit eigenen Megaprojekten, Staatsmilliarden und prominentem Netzwerk.

Das Herz Angolas schlägt über einer Migros-Filiale im Zürcher Kreis 1. Im ersten Stock sitzt an einem Holztisch der schweizerisch- angolanische Investor und Unternehmer Jean-Claude Bastos in weissem Hemd und schwarzer Hose. Er mustert sein Gegenüber kurz durch die Hornbrille, schwingt sich lässig in die Stuhllehne und sagt in breitem Freiburger Dialekt: «Natürlich bin ich ein Klumpenrisiko.»

Die Aussage ist eine blanke Untertreibung. Denn «Jay-Cee», wie er sich im Gespräch nennt, ist überall und nirgends. Ein hyperaktiver Netzwerker für die Sache des Schwarzen Kontinents, im Besonderen für Angolas Wirtschaft. 20 Prozent weilt er in der Schweiz, 30 Prozent in Westafrika und 50 Prozent jettet er sonstwo auf der Welt umher. Heute Dubai, morgen Durban, übermorgen Dubrovnik. Und dazwischen wirbelt er aus seinem Zürcher Office über der Migros-Filiale.
Afrikas Bevölkerungsexplosion treibt Bastos um.

Mit Unternehmertum will er Jobchancen für Junge schaffen. Private Equity als Alternative zur westlichen Entwicklungshilfe, die wenig nachhaltig sei. Sein «Africa for Africa»-Credo trägt der schwerreiche Serienunternehmer mit gemeinnützigen Initiativen in die Welt hinaus: Vom African Innovation Fund mit Ex-Deza-Chef Walter Fust als Präsidenten bis zum Londoner Think-Tank Omfif, der über die Zentralbanken-Landschaft sinniert.

Gleichzeitig managt der rastlose Bastos den mit 5 Milliarden Dollar dotierten Staatsfonds Angolas und baut an einem 800 Millionen Dollar teuren Tiefseehafen vor der Küste Cabindas. Sein «Bébé», wie er das logistische Megaprojekt nennt.

Auf seiner Mission hat der Charismatiker mit Heimatort Welschenrohr im Kanton Solothurn auch das Schweizer Wirtschaftsestablishment in seinen Bann gezogen: Ob SBB-Verwaltungsrätin Monika Ribar, alt Bundesrätin Ruth Metzler, Starwerber Frank Bodin oder der ehemalige UBS-Chef Marcel Rohner. Sie alle haben Jean-Claude Bastos in seinen Firmen als Verwaltungsräte oder Beiräte zur Seite gestanden.


Unterstützung von alt Bundesrätin Metzler

Die hiesigen Topmanager wollen das Engagement für den umtriebigen Schweiz-Angolaner allerdings nicht an die grosse Glocke hängen. Keine Zeile findet sich im CV von Ruth Metzler zum langjährigen Beiratsmandat bei Bastos’ Zuger Finanzgruppe Quantum Global. Auf Anfrage erklärt die alt Bundesrätin schriftlich, bei Quantum im Advisory Board für «regulatorische Fragen und Governance-Themen mit Schweiz-Bezug» zuständig zu sein.

Auch SBB-Frau Monika Ribar weist 2015 ihr VR-Mandat für Capoinvest – Bastos’ Hafengesellschaft auf den Britischen Jungferninseln – ohne den Offshore-Firmensitz aus. «Eine bestimmte Absicht war nicht damit verbunden», sagt ein SBB-Sprecher. Klar ist: Die Marke Angola hat in der Welt einen zweifelhaften Ruf. Und persönliche Bande zur Politelite in der westafrikanischen Republik sind sehr eng, wenn man, wie er, die Ölmilliarden des Fundo Soberano zu investieren hat.

Das Staatsfonds-Mandat lässt die Honorare in Multimillionenhöhe sprudeln. Man arbeite zu «Industriekonditionen», sagt Bastos, der mittlerweile über 600 Angestellte beschäftigt. Sein Company-Geflecht reicht um den Globus: Von den Britischen Jungferninseln über Zug und Zypern bis nach Mauritius und den Seychellen (siehe Link). Bastos’ steuermilde Konstruktionen wurden auch von Appleby aufgesetzt. Die auf Offshore-Firmen spezialisierte Anwaltsfirma hatte ein Datenleak, das eine Gruppe internationaler Investigativjournalisten ausgewertet hat. Erwartet wird ein zweites Panama Paper.

Auf sein weit verzweigtes Firmengeflecht angesprochen, antwortet Bastos: «Ich liebe Komplexität» und rattert wie zum Beweis die Kennzahlen einzelner Beteiligungen herunter. Angereichert mit dem Finanzslang eines Investmentbankers: von Built-Operate-Transfer bis Residualwert.

Ähnlich fluid wie sein sich ständig häutendes Finanz- und Firmenkonglomerat ist auch Bastos’ Gesprächsführung. Ein Gedankenblitz jagt den nächsten. In einem Moment erklärt er der Quantentheorie seine grosse Liebe, um hernach über eine animistische Geisterbeschwörung mit viel Whisky an Cabindas Küste zu schwärmen. Der Austausch gleicht einem intellektuellen Parforceritt: anregend, aber anstrengend.

Zumal die Afrika-Philanthropie nur eine Facette ist. «Im Geschäft bin ich tough», sagt der Sohn einer Schweizer Fabrikantentochter und eines angolanischen Freiheitskämpfers trocken. Wer nicht performt im schwierigen afrikanischen Umfeld, hat keinen Platz in seiner Vision für ein neues Angola. Die Personalfluktuation im Firmenimperium ist hoch, die Zahl seiner Gegner stattlich, sowohl in Angola wie in der Schweiz.

Als «Bottleneck», als Flaschenhals, in dem sich alle Entscheide aufstauten, bezeichnen ihn Ex-Mitarbeiter. Die Rede ist von Misstrauen und Intransparenz in der Firma. Man kommentiere «interne Vorgänge» nicht, sagt Quantum Global, aber ja: «Das Umfeld in Afrika ist herausfordernd und kann nicht mit Bedingungen in Europa verglichen werden.»

Bastos macht klar: Statt aus vollklimatisierten Sitzungszimmern auf Dealjagd zu gehen, müssten seine Private-Equity-Experten und Investmentbanker die sündhaft teuren Business-Hotels der Hauptstadt Luanda verlassen und raus in den Subsahara-Busch. Dort, wo es keine Strassen gibt, die Mücken stechen und Treibstoff ein begehrtes Diebesgut ist. Bastos’ Projekte werden sprichwörtlich auf der grünen Wiese geboren.

Zuger Quantum Global und Angolas Staatsfonds

Stets aufs Neue sind die Ventures des Schweiz-Angolaners ein Drahtseilakt. Zumindest, wenn man westliche Massstäbe anlegt. «In Afrika gilt eine andere Realität», sagt der Hobbymusiker, der in seinen wilden Jugendjahren als Bassist zahlreiche Schweizer Open-Air-Bühnen bespielte.

Auf das heikle Umfeld angesprochen, redet sich Bastos ins Feuer und spricht von einer «angolanischen Norm»: Man dürfe sich der Korruption niemals anpassen, aber einer anderen «Marktrealität» sehr wohl. «Die Volatilität dort ist Wahnsinn.» Projekte, die etablierten westlichen Kapitalgebern schlicht zu heikel oder mühselig wären, zieht Bastos mit lokalem Geschäftssinn durch.

Die Spannbreite seines Portfolios ist riesig: Vom Porto de Caio, dem Tiefseehafen-Projekt in seiner Heimatprovinz Cabinda, über Goldminen bis zu Holzplantagen. Von einer E-Payment-Lösung namens B’weza bis hin zur «Seifenfabrik», einem Kleinstunternehmer-Projekt im grössten Slum der Hauptstadt Luanda. Ex-Mitstreiter monieren: Was bei Bastos «Business» und was «benevol» sei, bleibe unscharf. Auch aus welchen Töpfen die Finanzmittel für die zahlreichen Projekte genau stammten.

Sein schärfster Kritiker in Angola ist der oppositionelle Politaktivist und Journalist Rafael Marques, der von internationalen Medien gerne zitiert wird und Bastos mehrfach in seinem Blog MakaAngola als «Schwindler» bezichtigt hat, der mit seinen Projekten und dem Segen des Dos-Santos-Regimes das Land plündere.

Marques betreibe politische Propaganda ohne jegliche Faktenbasis, entgegnet Bastos und betont: «Ich habe bei jedem Projekt meine Investition gegenüber dem angolanischen Staatsfonds wie auch gegenüber allen anderen Stakeholdern immer offengelegt.» Man schliesse alle Vereinbarungen nach dem «arms length»-Prinzip ab.

Fest steht, die Ventures haben stets seinem persönlichen Credo zu folgen: Wo gibt es Momentum? Bereits als sich der studierte Betriebswissenschafter mit Schweizer KMU-Deals die Sporen abverdiente und als Management-Consultant arbeitete, liess er sich davon leiten. Bastos’ Enthusiasmus hat etwas Einnehmendes. Der Fünfzigjährige – Vater von fünf Kindern aus drei Beziehungen – wirkt zehn, vielleicht 15 Jahre jünger.

Bastos’ gefühltes Alter entspricht dem tatsächlichen seines wohl wichtigsten Weggefährten: José Filomeno dos Santos. Man kennt sich seit Jugendjahren. Schliesslich war Bastos’ Onkel angolanischer Botschafter in London. Und «Zénu» der Sohn des angolanischen Präsidenten. Nach drei Dekaden räumte Vater Dos Santos im Sommer seinen präsidialen Posten. Er hinterlässt Angola als marode Staatswirtschaft, fest in der Macht einer kleinen Polit-Clique. So leben trotz enormem Rohstoffreichtum 70 Prozent der Angolaner unter der Armutsgrenze. Die Lebenserwartung beträgt im Schnitt 52 Jahre.

Gemäss Transparency International gehört Angola zu den korruptesten Ländern der Welt. In diesem Umfeld kürte Vater Dos Santos seinen Filius José Filomeno 2012 zum Präsidenten des neu etablierten Staatsfonds FSDEA. Das «Wall Street Journal» sprach damals von einer «family affair». Der Fonds speist sich aus den Öleinnahmen, ist 5 Milliarden Dollar schwer und verfolgt hehre Ziele: Er soll das Volksvermögen langfristig sichern und mit gezielten Investitionen das westafrikanische Land zum Besseren entwickeln. «Ich war es, der den Businessplan für den FSDEA geschrieben hat», sagt Bastos und wischt im gleichen Atemzug die Vorwürfe der Vetternwirtschaft vom Tisch: «Ich arbeite mit José Filomeno zusammen, nicht weil er der Sohn des Präsidenten war, sondern weil er eine gute Person ist.»

Bastos hat nicht nur den Bauplan für den milliardenschweren Fundo verfasst, dessen bevorzugtes Finanzinstitut für die Cash-Haltung die Zürcher Falcon Private Bank ist. Mit seiner in Zug domizilierten Quantum-Global-Gruppe ist er auch der Investment-Manager des Fundo, dessen Private-Equity-Beteiligungsvehikel das Finanzkonglomerat von der Trauminsel Mauritius aus steuert.

Mehr noch: Ein Jahresabschluss des Fundo zeigt, welch dominante Stellung Bastos beim Staatsfonds innehat. So gab der FSDEA im 2014 rund 121 Millionen Dollar für Beratungsmandate aus, wovon 96 Prozent an Firmen aus dem Bastos-Umfeld gingen. Neben der Quantum-Gruppe flossen auch Fees an den Managementberater Stampa, die HR-Firma Uniqua oder seinen Engineering-Planer Tomé International, in dessen Verwaltungsrat Armin Meier sitzt.


Hafen Porto de Caio für 800 Millionen Dollar

Der ehemalige Kuoni-Chef mit Afrika-Affinität sieht keinen Anlass, daran zu zweifeln, dass bei Tomé die Regeln eingehalten werden. Und angesprochen auf die Konzentration an Mandaten beim Fundo verweist Bastos auf das fehlende wirtschaftliche Ökosystem im Land. Nicht vergleichbar mit einem Markt in einer westlichen Industrienation. «Das schafft Zusatzkomplexität. Im Vorfeld eines Projekts müssen wir viel Vor- und Aufbauarbeit leisten.»

Solch eine lange Vorgeschichte hat auch das Herzensprojekt von Jean-Claude Bastos, der 630 Meter lange Tiefseehafen (samt Lagern, Freihandelszone, Kraftwerk und Schiffsreparatur) vor der Küste seiner Heimatprovinz Cabinda. Das Gesamtkunstwerk Porto de Caio soll die Frachtkapazität in der Region massiv erhöhen, bei reduzierten Logistikkosten. Die Güterpreise sollen darob um die Hälfte sinken und so gemäss Caio-Angaben bis zu 30 000 neue Jobs indirekt schaffen.

Finanziert wird der Bau durch einen 600-Millionen-Dollar-Kredit der chinesischen Exim-Bank, den Bastos mit seinem exzellenten Sino-Netzwerk eingefädelt hat. 180 Millionen Dollar steckt der angolanische Staatsfonds ins Projekt über seinen Infrastrukturfonds, den ebenfalls die Zuger Quantum-Global-Gruppe managt.

Und Bastos wird es auch sein, der den Hafen mit seiner BVI-Gesellschaft Capoinvest, in der Monika Ribar bis Mitte 2016 im Verwaltungsrat sass, für die nächsten dreissig Jahre per präsidentiellem Dekret betreibt. Bastos’ Ämterkumulation beim Porto de Caio stiess dem Oppositionsjournalisten Marques sauer auf: Vor den Wahlen im Sommer schrieb er über den Porto de Caio als jüngstes Beispiel für die «präsidentielle Kleptokratie».

Für Bastos dagegen ist die exklusive Hafenkonzession der gerechte Lohn für seine persönlichen und finanziellen Risiken. 73 Millionen Dollar an eigenem Geldern habe er bisher in das Hafenprojekt gesteckt: «Als ich vor zehn Jahren raus nach Cabinda fuhr, gab es an der Stelle nichts als Dschungel.» Bastos trommelte hernach aus aller Herren Ländern die Hafenspezialisten herbei. Darunter auch Ex-Panalpina-Chefin Ribar, welche die Verhältnisse in Angola und speziell im Hafen von Luanda sehr gut kennt. Dieser kann Schiffe mit 2000 Containern löschen. 8000 sind es im neuen Porto.

Womit der Hafenbetreiber in spe nicht gerechnet hatte, war der Widerstand aus Angolas etablierter Offshore-Ölclique: Plötzlich wurden 150 Container samt Schiff auf Meeresgrund vor seinem Hafen versenkt. Und plötzlich lagen zwei Pipelines in zehn Metern Wassertiefe, die in der Ursprungssondierung mit Sonar noch nicht existiert hatten. Die Behörden samt Transportminister waren ahnungslos. Schliesslich regelte man die Angelegenheit «the angolan way»; der Schweizer Investor darf seinen Hafen mit dem präsidentiellen Segen bauen. Einfach offshore, zwei Kilometer vom Festland entfernt. Anfang 2019 soll Bastos’ «Bébé» das Licht der Welt erblicken.


JEAN-CLAUDE BASTOS DE MORAIS

Der Fünfzigjährige wuchs in der Schweiz auf, studierte in Freiburg BWL und stieg später ins Consulting ein. Nach dem Krieg baute er in Angola, der Heimat seines Vaters, die erste Investmentbank des Landes auf, die Banco Kwanza Invest – zusammen mit dem damaligen Präsidentensohn. Es folgten Mandate für Zentralbank und Staatsfonds.

MONIKA RIBAR

Die heutige SBB-Präsidentin sass bis Mitte 2016 als Verwaltungsrätin einer Gesellschaft namens Capoinvest auf den Britischen Jungferninseln. Die Firma gehört Jean-Claude Bastos, entwickelt den Tiefseehafen Porto de Caio und soll ihn dereinst betreiben.


RUTH METZLER

Die Ex-Bundesrätin sitzt seit einigen Jahren im Advisory-Beirat der Zuger Finanzgruppe Quantum Global, die zu 95 Prozent Jean-Claude Bastos gehört. Die übrigen 5 Prozent gehören dem Zürcher Wirtschaftsanwalt Thomas Ladner und einer weiteren Person.

ARMIN MEIER

Der Ex-Kuoni-Chef und heutige Boyden-Headhunter fährt gerne privat mit seinem Landcruiser durch Subsahara-Afrika. Nebenher sitzt er als VR in Bastos Family Office Turtle Management und in seiner Engineering-Gesellschaft namens Tomé International.

ANDRÉ SCHNEIDER

Der Ex-WEF-Geschäftsführer und heutige Chef des Flughafens Genf sitzt im Beirat der Zuger Quantum-Gruppe. Daneben ist der ehemalige Berufsmusiker Präsident der Gesellschaft B’weza International, die eine E-Payment-Plattform in Angola aufbaut.

MARCEL ROHNER

Der Ex-UBS-Chef sass u. a.in einer Firma namens Plaza Global Real Estate Partners auf Jersey, einem Joint Venture von Jones Lang LaSalle und Bastos. Mit Kapital der angolanischen Zentralbank kaufte man Prime-Objekte in New York, Paris, London und München.


BASTOS’ PROJEKTE

Infrastruktur

Tiefseehafen Porto de Caio, Cabinda
Megaprojekt Für 800 Millionen Dollar entsteht vor der Küste Cabindas ein Tiefseehafen. Möglich machen die Bastos-Idee ein Kredit aus China und Kapital aus dem Staatsfonds Angolas.

Immobilien

Savile Row, Mayfair, London
Toplagen Mit dem US-Immoriesen Jones Lang LaSalle hat Quantum Global ein Luxusportfolio in New York, London, Paris und München für 650 Millionen Euro gekauft. Kapitalgeber: Angolas Zentralbank.

Landwirtschaft

Estrela da Floresta
Plantage In der Region Benguela, im Südwesten Angolas, soll auf über 30 000 Hektaren ein Forstwirtschaft-Cluster entstehen. Das dort produzierte Papierholz soll in den Export gehen.


Hotellerie

Mövenpick Ambassador Hotel Accra, Ghana
Investments Angolas Staatsfonds verfügt über ein Hotellerie-Vehikel, das gezielt in diesen Sektor investiert. Nebst dem Mövenpick-Hotel in Accra gehört auch das «Intercontinental» in Lusaka zum Portfolio.

Rohstoffe

Goldmine in Angola
Edelmetall Über die zypriotische Novecia Holding ist Bastos im Goldminenprojekt Mpopo in Angolas Provinz Huíla engagiert – zusammen mit den staatlichen Commodity-Firmen Ferrangol und Somepa.

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UBS und Co. riskieren ihren Ruf

Staatsfonds Nun hat es auch die UBS erwischt. Die grösste Schweizer Bank soll Milliarden Dollar dubioser 1MDB-Gelder verschoben haben. Es ist die jüngste Hiobsbotschaft im Korruptionssumpf rund um den malaysischen Staatsfond, dessen illustres Personal zahlreiche Schweizer Institute bereitwillig hofierten. Die Komplizenschaft des Swiss Banking im 1MDB-Skandal ist keine Petitesse, die Klientelwirtschaft in Kuala Lumpur kein Einzelfall. Vielmehr bergen die über 30 Staatsfonds, in denen zusammen mehr als 7 Billionen Dollar stecken, für Banken beträchtliche Sorgfaltrisiken.

Seit den Nullerjahren ist die Zahl an Sovereign Wealth Funds (SWF) stark angewachsen. Nährboden für die staatlichen Investment-Kollosse – zumeist in Asien, dem Mittleren Osten und Afrika angesiedelt – waren und sind die Rohstoff-Bonanza beziehungsweise die daraus resultierenden Exportüberschüsse der jeweiligen Volkswirtschaften.

Staatliches Finanzvehikel gegen den Rohstoff-Fluch

Die SWF sollen den Ländern als Puffer dienen, um die einseitig ausgerichteten Volkswirtschaften gegen Rohstoff-Fluch und Schweine-Zyklen auf dem Weltmarkt zu schützen. Nachfolgenden Generationen soll der aus den Überschüssen gespiesene Kapitalstock den Wohlstand sichern. Und mit Direktinvestments, zum Beispiel in die Infrastruktur, hat der SWF in vielen emerging markets eine zentrale Rolle, die eigene Wirtschaftsbasis zu verbreitern und zu diversifizieren.

Was also auf dem Papier durchaus Sinn ergibt, ist im Realitäts-Check notorisch anfällig für Korruption und Zweckentfremdung. Der Staatsfond als Honigtopf ist oft zu verlockend. Schliesslich sind in Kleptokratien die chinesischen Mauern zwischen Regierung und SWF marode. Ob Malaysia, Libyen oder China – in den letzten Jahren gab es zahlreiche Fälle von Vetternwirtschaft und Missmanagement bei SWF. Mittendrin waren stets internationale Banken, welche sich als Asset Manager und Dealmaker andienten. Schliesslich locken grosse Volumina und satte Gebühreneinnahmen. Dieses Milliardengeschäft lassen sich auch Schweizer Institute nicht entgehen: Wer weiss schon, dass die UBS für den Staatsfonds im fernen Aserbaidschan das milliardenschwere Aktienportfolio verwaltet? Oder dass in Zug der verschwiegene Asset Manager des angolanischen Staatsfonds sitzt?

Saubere Transaktionen von illegitimen Geldflüssen unterscheiden

Diese Finanzgeschäfte mit dem SWF mögen durchaus legitim sein, doch die Regimes in vielen Schwellenländern sind es definitiv nicht. Dem Klientelismus kann sich auch das Swiss Banking nicht entziehen, wie der 1MDB-Fall gezeigt hat: Saubere Transaktion von illegitimen Geldflüssen zu unterscheiden, wird zum Vabanque-Spiel.

Es ist deshalb mehr als Warnung denn als Hinweis zu verstehen, wenn Finma-Chef Mark Branson sagt, mit dem stark wachsenden Business in Schwellenländern hätten die Geldwäschereirisiken massiv zugenommen. UBS und Co. riskieren im Geschäft mit SWF ihren Ruf.