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Credit Suisse – Die Finma mistet die Ära Rohner aus

Credit Suisse Die Finanzmarktaufsicht eröffnet ein Verfahren gegen die CS. Es geht um eine weitere Altlast von Präsident Urs Rohner.

Es sind noch wenige Monate, dann tritt Urs Rohner als Credit-Suisse-Präsident ab. Nach sage und schreibe fast zehn Jahren im Amt. Auf die Generalversammlung im nächsten April werden die Aktionäre der Grossbank einen neuen CS-Oberaufseher wählen. Die Kandidatensuche läuft. Derweil beschäftigt sich die Finanzmarktaufsicht bereits seit geraumer Zeit mit den Altlasten der Langzeit-Ära von Urs Rohner. 

Mangelhafter Geldwäscherei-Kampf der Credit Suisse

Im September 2018 hat die Finma in zwei gesonderten Enforcement-Verfahren festgestellt, dass die Geldwäscherei-Bekämpfung der CS «mangelhaft» sei. Das war eine schallende Ohrfeige für Präsident Rohner, der ab 2004 als General Counsel und später als Operativchef der Bank just diese Money-Laundering-Missstände nicht entschieden bekämpft hatte. Daneben läuft übrigens auch ein gesondertes Strafverfahren gegen die CS in Genf wegen Organisationsmängeln. 

Doch damit nicht genug. Keine zwei Jahre später folgt bereits das nächste Enforcement gegen die Credit Suisse. Dieses Mal geht es um die sogenannte «Beschattungsaffäre». Der damalige Vermögenschef Iqbal Khan wurde im «Garden Leave» vor seinem Wechsel zur UBS von CS-Detektiven ausgespäht, weil die Bank fürchtete, Khan könnte Kunden und Kollegen zur Konkurrentin locken. 

Juristischer Widerstand der Credit Suisse

Im Finma-Fokus steht aber nicht die ruppige Beschattungsaktion gegen Khan am Zürcher Paradeplatz, sondern die Art und Weise, wie die Bank solche Spy-Aktionen dokumentiert und kontrolliert. Oder eben nicht. 

Seit Anfang Jahr leuchtete der von der Finma eingesetzte Prüfbeauftrage, Rechtsanwalt Thomas Werlen, die Beschattungsaktivitäten der CS-Spitze auf solche Governance-Fragen hin aus. Dies trotz massivem rechtlichem Widerstand der Grossbank, deren Hausjuristen versuchten, Werlen beziehungsweise dessen Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan vom Gericht als befangen taxieren zu lassen. Insofern mutet das heutige CS-Communiqué geradezu euphemistisch an: Die Bank, so die Mitteilung, werde gemeinsam mit der Aufsichtsbehörde «aktiv auf eine lückenlose und zügige Aufarbeitung dieser Angelegenheit» hinarbeiten. 

Threema-Kommunikation nicht sauber dokumentiert

Nichtsdestotrotz waren Werlens Erkenntnisse über mögliche Verfehlungen der Bankspitze offenbar so stichhaltig, dass die Aufsicht nun ein eigentliches Enforcement-Verfahren eröffnet. Die Rede ist von verschlüsselter, nicht sauber dokumentierter Kommunikation über sichere Messaging-Apps wie Threema. Eine zweifelhafte Praxis, die offenbar bis in die höchsten Sphären der Bank verbreitet war. 

Entsprechend ist dieses Enforcement eine weitere Schmach für den scheidenden CS-Präsidenten. Umso mehr als sich Rohner im Zuge der Spygate-Affäre zur Aussage verstieg, wonach die Beschattung von Mitarbeitenden nicht zur Kultur der Bank gehöre. Dies löst unter Branchenkennern nur Kopfschütteln aus. Dass Banker bespitzelt werden, wenn sie beispielsweise den Arbeitgeber wechseln, ist gang und gäbe. Dafür ist schlicht zu viel Geld im Spiel.

Auch in seinem zehnten Präsidentenjahr scheint Rechtsanwalt Rohner die gängige Banking-Kultur nicht zu kennen.

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Patrice Lescaudron – Ex- Credit-Suisse-Banker tot

Patrice Lescaudron hat Suizid begangen. Der Private Banker verwaltete die Oligarchen-Milliarden bei der CS, bis seine Betrügereien aufflogen.

Seine Kunden waren Oligarchen aus dem Osten: Leute wie der georgische Ex-Premier Bidsina Iwanischwili oder der frühere russische Senator Witali Malkin. Quereinsteiger Patrice Lescaudron, der zuvor beim Beauty-Konzern Yves Rocher gearbeitet hatte, hielt die Milliardäre bei Laune, generierte Millionen an Gebühren für die Credit Suisse und genoss im Gegenzug praktisch Narrenfreiheit innerhalb Bank. Bis 2015 wegen eines Margin Calls ans Licht kam, dass Lescaudron massive Kursverluste auf dem Kundenbuch mit Betrügereien vertuscht und zugleich mehrere Dutzend Millionen in die eigene Tasche gewirtschaftet hatte.

Verfahren von Patrice Lescaudron ist hängig

Nun ist Patrice Lescaudron tot. Wie die «Handelszeitung» erfahren hat, nahm sich der ehemalige Starbanker Ende Juli das Leben, wenige Tage nach seinem 57. Geburtstag.

Der gebürtige Franzose, der zeitweilig mehr als eineinhalb Milliarden Dollar an Kundenvermögen bei der CS verwaltet hatte, war vor zwei Jahren in Genf erstinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Dies wegen gewerbsmässigem Betrugs, schwerer Untreue, Misswirtschaft und Fälschung von Wertpapieren. Noch im Februar dieses Jahres hat das Bundesgericht in Lausanne eine Beschwerde Lescaudrons teilweise gutgeheissen. Das Genfer Appellationsgericht hätte sich also nochmals mit dem Fall beschäftigt.

Niederlage der Credit Suisse vor Bundesgericht

Mit dem Freitod Lescaudrons, der zwischen 2004 und 2015 für die CS arbeitete, ist der Oligarchen-Fall für die Grossbank keineswegs abgeschlossen. Nebst Zivilverfahren geschädigter Kunden gegen die CS in verschiedenen Jurisdiktionen läuft in Genf weiterhin eine Strafuntersuchung gegen die Bank. Dabei geht es um mögliche Organisationsmängel, insbesondere in der Geldwäscherei-Bekämpfung. In diesem Zusammenhang forderte der verfahrensleitende Genfer Staatsanwaltschaft Yves Bertossa von Finanzmarktaufsicht Finma den Enforcementbericht zur Credit Suisse an. Darin stellte die Aufsicht vor gut zwei Jahren der Bank im Oligarchen-Fall ein denkbar schlechtes Zeugnis aus.

Die Finma konstatierte «Schwachstellen in der Verwaltungsorganisation und im Risikomanagement». So sei die Geschäftsbeziehung zwischen CS-Berater Lescaudron und seinen politisch exponierten Oligarchen von der Bank «zu spät als solche erfasst und entsprechend behandelt» worden: Lescaudron habe über mehrere Jahre hinweg wiederholt und aktenkundig Compliance-Vorschriften der Bank verletzt. Anstatt den Kundenberater wegen der Verstösse jedoch rechtzeitig und angemessen zu disziplinieren, habe die Bank den Kundenberater mit hohen Entschädigungen und positiven Mitarbeiterbeurteilungen honoriert. Der Sonderstatus des Kundenberaters führte dazu, dass dieser ungenügend kontrolliert wurde, kommt die Aufsichtsbehörde zum Schluss.

Suche nach der Wahrheit

Der für die Bank blamable Enforcementbericht der Finma wird nun auch in die Strafuntersuchung Bertossas gegen die Credit Suisse einfliessen, wie Recherchen der «Handelszeitung» zeigen. So hat das Bundesgericht vor wenigen Wochen den Rekurs der Bank gegen die Herausgabe abgewiesen. Das von der CS geltend gemachte Geschäftsgeheimnis habe nicht «Vorrang von der Suche nach der Wahrheit», lautet das Urteil in Lausanne.

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Credit Suisse -Yves Bertossa soll abberufen werden

Credit Suisse Das Verfahren gegen die CS wegen Mängeln im Kampf gegen Geldwäscherei kommt ins Stocken. Es gibt einen prominenten Nebenkläger.

Die laufende Strafuntersuchung gegen die Credit Suisse durch den Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa wegen Organisationsmängeln in der Geldwäscherei-Bekämpfung nimmt eine neuerliche Wendung: Ein privater Nebenkläger, der Milliardär und georgische Ex-Premierminister Bidzina Ivanishvili, fordert in einer Eingabe die Abberufung von Bertossa als verfahrensführendem Staatsanwalt, wie die «Handelszeitung» aus zwei unabhängigen Quellen erfahren hat.

Hintergrund ist offenbar, dass das Strafverfahren gegen die CS ins Stocken geraten ist. Die Genfer Staatsanwaltschaft gibt auf Anfrage zum Sachverhalt keinen Kommentar ab.

Freigabe des Finma-Berichts über Credit Suisse

Staatsanwalt Bertossa hatte im letzten Jahr versucht, an den Finma-Enforcement-Bericht zu den CS-Geldwäscherei-Mängeln zu kommen. Darin wird auch die Bankbeziehung zu Ivanishvili ausführlich gewürdigt. Die Geschäftsbeziehung mit dem politisch exponierten Milliardär sei «zu spät als solche mit erhöhten Risiken erfasst und entsprechend behandelt» worden, schrieb die Finma in einer späteren Medienmitteilung.

Das Genfer Zwangsmassnahmengericht hatte zunächst einer Freigabe des Finma-Berichts für das Genfer Strafverfahren gegen die CS zugestimmt. Dagegen rekurrierte die Credit Suisse. Das Verfahren ist vor dem Bundesgericht anhängig.

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Grossbanken als Corona-Gläubiger

Grossbanken UBS und Credit Suisse haben Kredite von über einer halben Billion gesprochen. Etwa die Hälfte im Ausland. Die Pandemie zwingt zu einer Neubewertung.

Er ist eine Wall-Street-Legende und führt die grösste Bank Amerikas: Jamie Dimon, Chef von JPMorgan Chase. Als Dimon kürzlich den Zahlenkranz zum ersten Quartal präsentierte, war sein Ausblick düster: «Angesichts der Wahrscheinlichkeit einer ziemlich schweren Rezession» habe JPMorgan gegen 7 Milliarden Dollar zusätzlich an Rückstellungen für Ausfälle gebildet. Nun liegen die Rückstellungen bei 25 Milliarden Dollar, zwei Drittel davon für Kreditkartenschulden.

Dimons Vorsichtsmassnahme deckt sich mit Alfred Mettlers Einschätzung. Der Schweizer Finanzprofessor lehrt an der University of Miami: «Wenn der Lockdown nicht rasch endet beziehungsweise eine tiefe und schwere Rezession droht, dann werden auch die Banken leiden.» Denn vor allem private Haushalte sowie kleine und mittlere Unternehmen hätten in den Vereinigten Staaten kaum Reserven. «40 Prozent der Amerikaner haben keine 400 Dollar für eine Notauslage», sagt Mettler. Man lebe von der Hand in den Mund.

UBS hilft USA mit zwei Milliarden Dollar

Dies ist besonders gravierend, weil das Coronavirus die US-Wirtschaft lahmlegt. Mehr als zwanzig Millionen Jobs fielen wegen des Pandemieausbruchs bisher weg. Und ohne wöchentlichen Paycheck sinkt die Zahlungsmoral der US-Haushalte rapide. Der Staat hat deshalb ein «Paycheck Protection Program» lanciert, mit dem KMU ihre laufenden Kosten bis zu zwei Monate decken können. Diese PPP-Darlehen sollen Löhne, Mieten und Hypothekarzinsen sicherstellen und so Insolvenzen abwenden. Auch die UBS hat fürs Paycheck-Programm Anfang April 2 Milliarden Dollar gesprochen.

Es ist dies kein altruistischer Akt. UBS und Credit Suisse haben gemeinsam über eine halbe Billion Franken an Krediten ausstehend. Etwa die Hälfte davon im Ausland. Angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie droht eine Neubewertung der Kreditbücher. Bereits zeichnet sich ab, dass die Bonität der Schuldner schwindet. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat in Nordamerika seit Pandemieausbruch jeden dritten Schuldner entweder heruntergestuft oder auf einen negativen Ausblick gesetzt. In Europa war jeder fünfte davon betroffen. Es waren grossmehrheitlich Schuldner, deren Papiere bereits als spekulativ taxiert wurden. Die Folge: Verschlechtert sich die Bonität der Kreditnehmer, müssen die Banken mehr Eigenmittel unterlegen. Kommt es zu Zahlungsausfällen, dann drohen Abschreiber auf dem Eigenkapital.

Kreditausfälle bei Grossbanken nehmen zu

Die deutsche Berenberg geht davon aus, dass die Kreditausfälle bei europäischen Banken in diesem Jahr um 70 Prozent und im nächsten um 25 Prozent zunehmen werden. Konkret prognostizieren die Analysten für die UBS eine Vervierfachung der Ausfälle von sehr tiefen 78 Millionen Dollar 2019 auf 297 Millionen Dollar in diesem Jahr. UBS-Finanzchef Kirt Gardner stellte Mitte März einen «moderaten Anstieg der Kreditausfälle» in Aussicht. Bei der Credit Suisse dürften gemäss Berenberg-Prognosen die Ausfälle im laufenden Jahr auf über eine halbe Milliarde Franken anwachsen. Eine Studie der britischen Barclays kommt zum Schluss, dass die CS grössere Risiken im Kreditgeschäft fahre und deshalb die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie stärker zu spüren bekomme. Die Bank ist beispielsweise in der Finanzierung von Pipelines für die amerikanische Öl- und Gasindustrie aktiv. Gerade den Energiesektor trifft die Pandemie hart.

Auch gehört die CS bis heute zu den führenden Finanzhäusern beim Strukturieren und Verbriefen von Krediten. Historisch ist dies durch die Übernahme der Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette im Jahre 2000 zu erklären. Nach der Finanzkrise hat das Geschäft mit Junk Bonds und Leveraged Loans ein beispielloses Revival erlebt. Bei Letzteren handelt es sich um Kredite für Unternehmen mit hohem Verschuldungsgrad. Dabei wurden die Gläubigerschutz-Klauseln hierfür immer lascher. Gemäss S&P waren im letzten Jahr mehr als 90 Prozent dieser gehebelten Kredite in Europa sogenannte Covenant-Lite-Darlehen. 2011 lag dieser Wert noch bei null Prozent.

Getrieben wurde die Entwicklung auch von Private-Equity-Firmen, die im Tiefzinsumfeld der letzten Jahre viel Geld eingesammelt hatten und sich in der Folge mit fremdfinanzierten Übernahmedeals regelrecht überboten. Dabei gilt für diese Leveraged Buyouts stets die Formel: je grösser der Verschuldungsgrad, desto höher die Rendite auf dem Eigenkapital. Investmentbanken wie jene der Credit Suisse syndizierten die Kredite, strukturierten sie und platzierten das Fremdkapital hernach unter Institutionellen wie Versicherungen oder Pensionskassen. Entweder als hoch verzinste Unternehmensobligationen oder verbrieft als Collateralized Loan Obligations. Dabei sind CLO sind nichts anderes als nach Risikoklassen tranchierte Kreditbündel.

Grossbanken kriegen Risiko nicht von der Bilanz

Doch die Corona-Pandemie hat den Appetit nach solchen Risikopapieren gründlich verdorben. «Der Markt für CLO, Leveraged Loans und High-Yield-Bonds ist praktisch zum Erliegen gekommen», sagt John Feigl, der ehemalige Leiter Credit Research der Credit Suisse. Das habe Folgen für die Banken: «Sie bringen die zugesicherten Kredite in diesem Umfeld nicht mehr von der eigenen Bilanz.» Was eigentlich als Überbrückungsfinanzierung gedacht war, bis Investoren die Schulden der bonitätsschwachen Unternehmen absorbieren, wird in der gegenwärtigen Krise zur Belastung fürs eigene Buch und Eigenkapital. Dasselbe gilt übrigens für die sogenannten Warehouse Lines, Lagerhallen für nicht platzierte CLO.

Ende März liefen über 13 Milliarden Euro an Überbrückungskrediten auf, welche europäische Banken bei Investoren wegen der Corona-Krise nicht «abladen» konnten, schrieb kürzlich die «Financial Times». Darin nicht eingerechnet ist der grösste europäische Leverage-Buyout-Deal seit Jahren. Es geht um die Übernahme der Thyssenkrupp-Liftsparte für 17 Milliarden Euro. Der Deal ist zu zwei Dritteln fremdfinanziert. Zum Konsortium der Kreditbanken gehören auch UBS und CS. Sie hätten zusammen mit anderen Banken in den nächsten Monaten rund 8 Milliarden Euro an Schuldpapieren bei Investoren platzieren wollen. Doch dann kam das Virus.

Zurück in die USA: Dort stellte JPMorgan-Chef Dimon nicht nur zusätzliche Milliarden für Kreditausfälle zurück. Er schrieb auch 900 Millionen Dollar auf Überbrückungskrediten ab.

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Spygate – Die Credit Suisse verliert gegen die Finma

Spygate Die Grossbank hält in der Beschattungsaffäre den Prüfbeauftragten der Finanzmarktaufsicht für befangen. Und verliert vor Gericht.

Die missglückte Beschattung des heutigen UBS-Spitzenbankers Iqbal Khan durch seine frühere Arbeitgeberin Credit Suisse hielt die Schweiz im 2019 monatelang in Atem.

Im Nachgang zur Spygate-Affäre gab die Finanzmarktaufsicht Finma im Dezember bekannt, dass sie bei der Credit Suisse einen unabhängigen Prüfbeauftragen einsetzen werde.

Die Beschattungsaffäre habe aufsichtsrechtlich relevante Fragen aufgeworfen, schrieb die Finma damals. Der Prüfbeauftragte solle Fragen der Corporate Governance abklären, insbesondere in Zusammenhang mit Beschattungsaktivitäten, mit dem Informationsverhalten in diesem Kontext sowie der Nutzung von elektronischen Kommunikationsmitteln.

CS-Manager löschten heikle Nachrichten

Konkret war bekannt geworden, dass sich Topmanager der Credit Suisse im Rahmen der missglückten Beschattungsaktion über den verschlüsselten Schweizer Messaging-Dienst Threema austauschten und die kompromittierenden Nachrichten später löschten.

Unter den Threema-Usern befand sich der damalige Operativchef Pierre-Olivier Bouée, der später vom Credit-Suisse-Verwaltungsrat entlassen wurde. Auch Mitglieder des CS-VR sollen gemäss einer gut unterrichteten Quelle den Threema-Dienst benutzt haben.

Anschein der Befangenheit

Nach der öffentlichen Ankündigung im Dezember setzte die Finma schliesslich per Ende Januar als Spygate-Prüfbeauftragten Rechtsanwalt Thomas Werlen ein.

Er führt den Schweizer Ableger der us-amerikanischen Grosskanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan. Der Finma-Auftrag sieht einen Stundenlohn von 750 Franken für den ehemaligen Novartis-Chefjuristen vor.

Werlens Ernennung zu Spygate kam schlecht an

Die Wahl Werlens goutierte die Credit Suisse um den Verwaltungsratspräsidenten und Juristen Urs Rohner indes gar nicht. Praktisch gleichentags erhob die Grossbank gegen die Prüfbeauftragten-Verfügung der Finma Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Die Credit Suisse bemängelte in der Beschwerde, dass Werlen nicht unabhängig sei. Vielmehr sei er Teil einer international tätigen Anwaltskanzlei, nämlich Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan, die sich ihrer Tätigkeit gegen die Credit Suisse rühme.

Deren amerikanische Homepage würde eine «feindselige Haltung» zum Ausdruck bringen. Dabei bestehe nicht nur der Anschein der Befangenheit, (…), sondern die Kanzlei sei «aufgrund zahlreicher Verfahren, die sie als Rechtsvertreterin gegen die Credit Suisse geführt habe, auch tatsächlich befangen».

In der Tat ist es so, dass andere Rechtsvertreter von Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan mindestens einen Mandanten haben, der aktuell gegen die Credit Suisse juristisch vorgeht. Dabei wurden Betreibungen gegen die CS eingereicht, und zwar zum Zwecke des Unterbruchs der Verjährung.

Es handelt sich gemäss Recherchen der «Handelszeitung» um eine Gesellschaft des russischen Multimillionärs Vitaly Malkin, der von der Grossbank mehrere hundert Millionen Dollar einfordert. Die Bank soll ihre Sorgfaltspflichten verletzt haben.

Dabei soll ein Genfer CS-Banker Gelder der Gesellschaft in hochspekulative Anlagen investiert haben. Dieser ehemalige Angestellte der Credit Suisse wurde inzwischen rechtskräftig wegen Betrugs und weiteren Delikten verurteilt.

CS-Anwälte präsentieren Youtube-Film wegen Spygate

Obwohl die Beschattungsaffäre Khan in keinerlei Zusammenhang steht zum geschilderten Vermögensverwaltungsfall, fürchtet die CS offenbar nun, dass der von der Finma eingesetzte Prüfbeauftragte Werlen Geschäftsgeheimnisse der Bank in die Grosskanzlei zurückspielen könnte.

«Die Prüfbeauftragte sei wirtschaftlich nicht unabhängig, sondern Teil einer integrierten und global tätigen Anwaltskanzlei», argumentierten die Rechtsvertreter der CS Anfang April vor Bundesverwaltungsgericht.

Als Beweismittel musste unter anderem ein Youtube-Film herhalten, der Mitarbeiter aus diversen Depandancen der amerikanischen Grosskanzlei beim letztjährigen Wanderausflug in Interlaken zeigt.

Trotz dieses Films verfängt das Befangenheitsargument bei den Richtern am Bundesverwaltungsgericht nicht. Sie kommen auch in finanzieller Hinsicht zum Schuss: «Es gibt keinerlei Hinweis dafür, dass der Mandatsleiter – wie von den Beschwerdeführerinnen behauptet – als Partner am Gewinn einer integrierten globalen Gesamtkanzlei beteiligt wäre.»

Thomas Werlen ist für die BVG-Richter also ein unabhängiger Finma-Prüfbeauftrager. Sie haben die Beschwerde der Credit Suisse mit ihrem Urteil vom 6. April abgewiesen. Die Credit Suisse hat nun 30 Tage Zeit, um dagegen Rekurs vor Bundesgericht einzulegen.

Per Briefbote wird kommuniziert

Interessant am Urteil ist auch, dass der ehemalige Fifa-Verteidiger Werlen sich offenbar aktiv bemüht, Interessenskonflikte auszuräumen. So kommuniziert Werlen mit der Credit Suisse ausschliesslich über physische Briefe per Bote.

Dazu schreiben die BVG-Richter: Dies sei darauf zurückzuführen, dass Werlen kein unabhängiges E-Mail System habe und das zentrale E-Mail System von Quinn Emmanuel in den USA gehostet werde.

Werlen und Rohner waren bei der gleichen Kanzlei

Die ablehnende Haltung der Grossbank gegenüber Thomas Werlen könnte auch damit zu tun haben, dass Werlen eine berufliche Vergangenheit hat mit dem heutigen Credit-Suisse-Präsidenten Urs Rohner. Beide arbeiteten in den Neunziger Jahren für die Zürcher Anwaltskanzlei Lenz & Staehlin.

Nun aber droht der Finma-Prüfbeauftragte Werlen dem CS-Präsidenten unangenehm zu werden. Gemäss einer gut unterrichteten Quelle soll Werlen versucht haben, die Mobiltelefone sämtlicher Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte der Grossbank Credit Suisse einzuziehen. Allerdings erfolglos. Affaire à suivre. 

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Corona-Krise: Grossbanken müssen Dividende stunden

Corona-Krise Bald arbeitet Ralph Hamers als UBS-Chef. Bereits im September wechselt er an die Zürcher Bahnhofstrasse. Zwei Monate später übernimmt er das Steuer von Langzeit-Chef Sergio Ermotti. Noch bis im Juni manövriert der Niederländer den Finanzkoloss ING durch den Corona-Sturm. Mit Bedacht: Man sei zwar gut kapitalisiert, schreibt Hamers an die Aktionäre, halte es aber für klug, der Empfehlung der europäischen Zentralbank EZB betreffend Dividendenzahlungen zu folgen. Das heisst: Hamers’ ING wird mindestens bis Anfang Oktober die Dividende stunden, um grösstmögliche finanzielle Flexibilität in der Pandemie-Krise zu haben.

Unbeeindruckt von der Corona-Krise zeigen sich UBS und CS


Der designierte UBS-Chef Hamers ist mit seinem Dividendenaufschub für ING-Eigner in bester Gesellschaft. Mittlerweile haben zahlreiche europäischen Grossbanken, von Unicredit über Santander bis hin zu HBSC und Nordea, ihre Ausschüttungen an Aktionäre fürs Geschäftsjahr 2019 entweder ganz ausgesetzt oder zumindest aufgeschoben.

Unbeeindruckt von den Corona-Risiken zeigen sich dagegen die beiden Schweizer Finanzkolosse: UBS und Credit Suisse. Deren Generalversammlungen finden Ende Monat statt. Die Einladungen sind verschickt. Und sie versprechen attraktive Returns für Bankaktionäre: Die UBS will 2,6 Milliarden Dollar verteilen. Dies entspricht 60 Prozent des Reingewinns. Bei der Credit Suisse sind es 20 Prozent oder 680 Millionen Franken. Zudem hat die ehemalige Kreditanstalt in diesem Jahr bereits eigene Aktien im Wert von 325 Millionen Franken zurückgekauft.

Der sorglose Dividendensegen ist dem Bundesrat, der Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht ein Dorn im Auge. Sie alle hatten im Zuge der Corona-Nothilfen an die Bankspitzen appelliert, ihre Ausschüttung freiwillig zu beschränken oder zu verschieben. Sich seine Kapitalstärke zu erhalten, sei kein Zeichen von Schwäche, mahnte Finma-Chef Mark Branson.

UBS und CS sollten die Mahnung ernst nehmen und ihre Dividenden stunden. Zu unberechenbar ist die Corona-Pandemie. Niemand weiss, wie die Welt in drei oder sechs Monaten aussehen wird. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass Geschäftsbanken ihre finanziellen Polster brauchen werden. Die Aussichten sind nämlich alles andere als rosig. In der Vermögensverwaltung sind Kundenvermögen wegen des Corona-Crashs zusammengeschmolzen, was die Ertragsbasis schmälert. Das Kapitalmarktgeschäft befindet sich in Schockstarre, weshalb das Investment Banking im Moment bloss ein grosser Kostenblock ist. Und auf Unternehmenskredite drohen Ausfälle. In welchem Umfang ist heute noch völlig ungewiss.

Binsenweisheiten sollten auch am Paradeplatz gelten

Sollte sich beispielsweise die Zahlungsmoral der Amerikaner verschlechtern, könnte dies zu substanziellen Verlusten bei UBS und CS führen. Beide zusammen halten gemäss SNB über 60 Milliarden Franken an ungedeckten Krediten in den USA. Darum: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Diese Binsenweisheit sollte auch am Paradeplatz gelten.

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Big Brother in der Bank

Finanzplatz Das Bespitzeln von Schlüsselpersonen ist die Norm in der Bank. Die Grenze zwischen dem Schutz der Firmeninteressen und Rechtsmissbrauch ist fliessend.

Es ist der wichtigste Event für die Grossbank Credit Suisse im Fernen Osten: die alljährliche Asian Investment Conference (AIC) im Luxushotel Conrad in Hongkong. Das Stelldichein der Topreferenten aus Politik und Wirtschaft – von Nicolas Sarkozy bis Janet Yellen – war letzten März Schauplatz eines Thrillers. Die Zielperson: Iqbal Khan, damaliger Leiter der CS-Vermögensverwaltung. Doch die von der Bank angeordnete Beschattung in Central Hong Kong sei fehlgeschlagen, verlautet aus zuverlässigen Quellen. Die lokal angeheuerten Detektive hätten Khan aus den Augen verloren. Übungsabbruch.

Die Episode aus dem «Spygate» um den ehemaligen CS-Banker Khan ist kein Einzelfall. Beschatten, prüfen, kontrollieren: Banking ist ein sensibles Geschäft, die Kundenbeziehung zentral, Vertraulichkeit ein wichtiger Eckpfeiler. Und es gibt eine Finma, die für die Einhaltung der Regeln sorgt. «Die Banken müssen überwachen, weil es ihnen nicht gelingt, loyale Mitarbeitende zu gewinnen», sagt der Arbeitsrechtler Martin Farner. In anderen Branchen gebe es solche Praktiken kaum.

Überwachung in der Bank ist die Norm

Gerade wenn ein Leistungsträger mit dem Gedanken spielt, die Bank bald zu verlassen, fahren die Institute ihre Tentakel aus. Bei monatelanger Freistellung sei eine enge Überwachung die Norm, sagt ein bekannter Bankenjurist. Das Stichwort lautet Garden Leave. Es ist jene Zeit zwischen zwei Anstellungen, wenn der Banker noch von der alten Arbeitgeberin entlöhnt wird, aber nicht mehr ins Büro kommt.

Der Bankenjurist zählt vier Beschattungsmotive auf: «Es geht um Geld, die Abwerbung von Arbeitskollegen oder die Gefahr, dass der Banker Kunden oder Kundendaten zum neuen Arbeitgeber mitnimmt.»

Zum Standardrepertoire der Schnüffler gehört die Spurensuche im Internet: Geprüft wird, welche Daten ein Kundenberater oder ein Investmentbanker kopiert, runtergeladen oder sich zugeschickt hat. Zu reden gab eine Story von einem Banker, der im Garden Leave Daten vom alten Arbeitgeber dem künftigen elektronisch übermittelte. Anschliessend meldete dieser dem alten Arbeitgeber den Posteingang. Es war eine Flucht nach vorn, denn wer Daten, die aus einer anderen Bank stammen, verwertet, läuft Gefahr, ins Visier der Aufsicht zu geraten. Der Stellenwechsel gab zu reden – und kam nicht zustande.

Statt zu beschatten, könnte ein längeres Konkurrenzverbot Abhilfe schaffen. Theoretisch. Denn Arbeitsrechtler Farner winkt ab: Die Gerichte kämen vermehrt zum Schluss, dass Konkurrenzverbote nicht statthaft seien. «Sie gehen zunehmend davon aus, dass der Erfolg eines Beraters auf seinen Fähigkeiten beruht und nicht auf den Einblick in einen Kundenkreis.»

Anspruch auf Salär verloren

Doch auch ohne explizites Konkurrenzverbot: «Banker im Garden Leave befinden sich in einem Zielkonflikt», sagt ein Headhunter für Financial Services: Geschäftsanbahnende Kontakte mit ehemaligen Kunden seien grundsätzlich nicht erlaubt, informelle aber schon. Doch die Grenze ist fliessend und schwierig zu kontrollieren.

Umgekehrt lastet ein wirtschaftlicher Druck auf den Bankern: «Bei einem Wechsel ist für die neue Arbeitgeberin zentral, welches Geschäftsvolumen der Berater bringt», weiss Arbeitsrechtler Farner. Zuweilen übernimmt die neue Arbeitgeberin gar den verfallenden Bonus des Bankers als Antrittsgeld; dieser geht bei Topleuten in die Millionen. Es sind also heikle Gratwanderungen, welche die Involvierten bei einem Stellenwechsel vollführen.

Streit über Verdächtigungen und gestrichene Boni enden nicht selten vor dem Arbeitsgericht. Gerade bei verdeckten Ermittlungen. Was es zu bedenken gibt: «Eine verdeckte Beschattung des Arbeitnehmers ist nicht erlaubt», hält Silvia Böhlen, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutzund Öffentlichkeitsbeauftragte, fest. Denn solche Aktionen wären ein Verstoss gegen Treu und Glauben im Arbeitsverhältnis. In der Rechtspraxis gilt das Verhältnismässigkeitsprinzip. Besteht ein hinreichend schwerwiegender Verdacht, etwa auf Verletzung des Bankgeheimnisses, überwiegt dieses die Persönlichkeitsverletzung des Angestellten. Allerdings ist nicht von vorneherein klar, ob das Beweismaterial aus der Beschattung in einem Rechtsstreit überhaupt verwendet werden darf.

Beschattung ist ein Drahtseilakt

Unter Datenschützern und Juristen gilt ein Bundesgerichtsurteil vom letzten September als Leitentscheid. Darin heben die Bundesrichter in Lausanne die Verurteilung einer Autofahrerin auf. Sie wurde von einem Bezirksgericht wegen Verkehrsdelikten schuldig gesprochen. Als Beweis galt die Aufnahme der Fahrzeugkamera (Dashcam) eines anderen Automobilisten. Das Bundesgericht erachtete das Beweismittel jedoch als rechtswidrig, weil es sich um eine «heimliche Datenverarbeitung» handelte. «Das Dashcam-Urteil verschärft die Hürden für Beweismittel aus Beschattungen erheblich», sagt ein Züricher Strafrechtler.

Für Banken ist die Beschattung in jedem Fall also ein rechtlicher Drahtseilakt. Bisweilen existieren interne Gremien, die darüber befinden müssen. Angeblich soll bei der Credit Suisse früher der Verwaltungsrat zuständig gewesen sein. Unter der Führung von CS-Konzernleiter Tidjane Thiam hat sich Pierre-Olivier Bouée, sein Operativchef, um die Überwachungsaufträge gekümmert. Dieser hat offenbar dem CS-Sicherheitsdienst Kontrollaufträge mit den Zielpersonen Iqbal Khan, Privatbanker, und Peter Goerke, HR-Chef, erteilt. Das Auffliegen jener aggressiven Überwachungspraktiken hat die Bank in eine Führungskrise gestürzt.

Stundenlang zum Sachverhalt in der Bank befragt

Doch allzu neu scheint die Praxis des forschen Vorgehens nicht zu sein. Bereits 2017 hat Colleen Graham, ehemalige CS-Compliance-Chefin der Region Americas, die Bank in den USA verklagt. Ihr Vorwurf: Die Bank habe sie in Manhattan beschatten lassen. Gemäss einem Bloomberg-Bericht soll die Wirtschaftskanzlei Homburger Graham im Auftrag der CS jüngst stundenlang zum Sachverhalt befragt haben.

Laut einer gut unterrichteten Quelle soll auch die ehemalige Topbankerin Pamela Thomas-Graham einst observiert worden sein. Das war noch vor der Zeit des militärisch geschulten Pierre-Olivier Bouée – einem Offizier a. D. der französischen Marine, der es unter Thiam zum zweiten Mann der Credit Suisse brachte.

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Pierre-Olivier Bouée – Comeback eines Phantoms

Pierre-Olivier Bouée Der geschasste Operativchef der Credit Suisse hat wegen der Affäre Khan alles verloren. Nun lanciert er seinen Kampf um Geld und Ehre.

Im holzgetäferten Verwaltungsratssaal der Credit Suisse war die Stimmung gelöst. Die Alumni der Pariser Wirtschaftsuniversität Haute Études Commerciales (HEC) zeigten sich nach dem Rundgang durch den Hauptsitz der Grossbank am Zürcher Paradeplatz tief beeindruckt – hier ein funkelnder Kronleuchter, dort eine vergoldete Wanduhr, dazu Ölgemälde und Marmor. Möglich gemacht hatte den Hausbesuch Pierre-Olivier Bouée, selber Absolvent der französischen Eliteschule HEC. Zum Gruppenfoto drapierten sich die zwei Dutzend Besucher um den runden Holztisch, doch Gastgeber Bouée drängte nicht in die Fotomitte, sondern verzog sich dorthin, wo es ihm am besten behagt – kaum sichtbar in den Hintergrund.

Das Verhalten ist typisch für Pierre-Olivier Bouée. So absolvierte der gebürtige Pariser nicht nur den HEC-Besuch, so agierte er auch in seinen fünf Jahren bei der Credit Suisse: Bouée ist schwer zu fassen, aber zieht aus dem Off geschickt die Fäden. 2015 begann er als Stabs- und Operativchef bei der CS. Im Dezember 2019 trat er ab. Unfreiwillig.

Zunächst einigte sich Bouée mit der Credit Suisse

Die rechte Hand von Konzernchef Tidjane Thiam musste die Credit Suisse verlassen, weil er das Konzernleitungsmitglied Iqbal Khan sechs Tage lang heimlich durch eine Privatdetektei hatte beschatten lassen. Eine Untersuchung durch die Wirtschaftskanzlei Homburger hatte im Nachgang ergeben, dass es Bouée war, der den Auftrag zum Ausspionieren erteilt hatte. Der COO übernahm die Verantwortung für die missglückte Beschattung und trat zurück. Mit der Bank einigte er sich vorerst gütlich über die Austrittsmodalitäten. Die «Spygate»-Affäre schien für ihn ausgestanden.

Doch einige Wochen nach seinem angekündigten Rücktritt im Oktober wurde Bouées zweiter Überwachungsauftrag ruchbar: Im Frühjahr 2019 hatte er auch den damalige HR-Chef, Peter Goerke, beschatten lassen. Diesen Auftrag hatte Bouée bei der Befragung durch die Homburger-Anwälte im Herbst verheimlicht. Mittlerweile ist gar von einem dritten Auftrag in Asien mit der Zielperson Iqbal Khan die Rede, als der noch als oberster CS-Vermögensverwalter arbeitete. Die Beschattung im Frühling soll gescheitert sein.

Wie auch immer. Für CS-Präsident Urs Rohner war kurz vor Weihnachten das Mass voll: Als «inakzeptabel und völlig unangemessen» bezeichnete Jurist Rohner die Beschattungsaktion und entliess Bouée fristlos. Der Thiam-Intimus war damit nicht nur seinen Job per sofort los, sondern auch seine aufgelaufenen Aktienoptionen im Wert von rund 4 Millionen Franken, seine Kündigungsfrist von einem Jahr und eine Bonuszahlung. Die kumulierte Schadenssumme dürfte damit für ihn gut und gerne 6 bis 7 Millionen Franken betragen. Kein Pappenstiel. Zumal er und seine Frau erst vor wenigen Monaten ein Strandhaus an Toplage in der bretonischen Sonnenstube Carnac erworben haben.

Bouée mandatiert nun Anwalt und PR-Mann

Doch nun rappelt sich Bouée auf und will um Geld und Ehre kämpfen. Er hofft insgeheim auf die Finanzmarktaufsicht Finma, die seit Dezember die «Beschattungsaffäre» akribisch aufarbeitet. In einigen Wochen dürfte deren Untersuchungsbericht vorliegen. Unter Juristen ist schon jetzt klar: Findet die Aufsicht keine Beweise, die Bouée entlasten, geht seine Karriere in der Schweizer Finanzwelt abrupt zu Ende. Im schlimmsten Fall droht ihm gar der Gewährsentzug, also ein zeitlich begrenztes Verbot für eine Geschäftstätigkeit im regulierten Finanzbereich. Dann nämlich, wenn sich der Verdacht erhärten sollte, dass Bouée bewusst Beweise für die Beschattungsaktionen hat verschleiern oder gar verschwinden lassen.

Kommt der Prüfbeauftrage der Finma jedoch zum Schluss, Bouée habe verhältnismässig und im Interesse der Bank gehandelt, kann der geschasste Spitzenbanker auf eine Teilrehabilitation hoffen. Seine fristlose Kündigung wäre dann womöglich missbräuchlich gewesen. In diesem Fall dürfte Bouée den Kampf vor Arbeitsgericht gegen die Credit Suisse wagen. Der ehemalige McKinsey-Berater bringt sich schon mal in Stellung: Er hat einen namhaften PR-Berater und einen bekannten Wirtschaftsanwalt engagiert.

Diesen rechtlichen und kommunikativen Support kann Bouée gut gebrauchen. Denn sein beruflicher Absturz sucht seinesgleichen. Galt der 49-jährige Manager doch bis vor kurzem als engster Vertrauter von Konzernchef Tidjane Thiam. Spätestens seit der gemeinsamen Zeit bei McKinsey in Paris zur Jahrtausendwende war Bouées Berufskarriere im Schlepptau des polyglotten Franko-Ivorers erfolgt. Ob bei Aviva, Prudential oder bei der Credit Suisse – auf TT folgte stets POB.

Bouée hat in Frankreichs Marine gedient

Aus dem langjährigen, sehr engen Vertrauensverhältnis resultierte eine entsprechend weitreichende Machtbefugnis des Franzosen. Während Thiam sich vom operativen Geschäft fernhielt und in der Credit Suisse kaum visibel war, fungierte Bouée als dessen stets loyaler Erster Offizier: Er war omnipräsent, gab die Direktiven und überprüfte ihre Durchsetzung konsequent. Geprägt war sein Führungsstil durch seine Jahre in der französischen Marine, wo er es Mitte der neunziger Jahre zum Offizier gebracht hatte. Intern zeigte er gerne Bilder, die ihn in steif gebügelter Uniform auf Kriegsschiffen präsentierten.

Militärisch-hierarchisch war Bouées Umgang auch bankintern. Als er 2015, zusammen mit Konzernchef Thiam, bei der Credit Suisse anfing, schickten ihm Mitarbeitende ein herzliches Willkommens-Mail. Statt darauf zu antworten, verbarrikadierte sich Bouée über Wochen in seinem Büro. Kontakt unerwünscht. Ausser mit Prudential-Weggefährten wie John Murray, der zuvor Kommunikationschef des britischen Versicherers gewesen war und der ebenfalls zur Grossbank gewechselt hatte.

Bouées grösstes Verdienst war, sagen seine Weggefährten, mit welcher Konsequenz er das harte Sparprogramm der letzten drei Jahre durchdrückte. So gelang es der Grossbank, die Kosten um 4 Milliarden Franken zu senken und wieder in die Gewinnzone zu bringen. Er war es, der Thiams Direktive («Never miss a cost target») auf den Boden brachte und damit die Basis für den Turnaround schuf. Doch so erfolgreich Bouée operativ war, so opak waren die Entscheidungswege. Die Rede ist von einer Trutzburg oder einem Machtkartell, das aus Thiam, Bouée und dem ehemaligen CS-Personalchef Peter Goerke bestand. Alle drei kannten sich seit Jahrzehnten. Besonders vertraulich war das Verhältnis zwischen Thiam und Bouée. Doch die verschworene Dreier-Combo bekam Anfang 2019 Risse. Offenbar gerieten sich Goerke und Bouée über Finanzielles in die Haare. Schliesslich eröffnete Konzernchef Thiam Goerke bei einem Mittagessen Mitte Februar, dass er im Zuge einer Reorganisation aus der Geschäftsleitung ausscheiden und mit einem wohlbestallten Rekrutierungsmandat in Asien betraut werde.

Widerspruch ist nicht geduldet

Tage später setzte Operativchef Bouée eine Detektei auch auf den entmachteten Goerke an, wie die NZZ im Dezember enthüllte. Es sollte diese klandestine Überwachungsaktion sein, die den mächtigen Bouée Karriere und Millionen kosten sollte. Goerke flog damals nach Birmingham, wo er in einer Mechanikerwerkstatt die Arbeiten an seinem Oldtimer-Sportwagen überwachen wollte.

Überhaupt war der Führungsstil, der unter Thiam und Bouée in der Grossbank galt, für Schweizer Verhältnisse gewöhnungsbedürftig. Entschieden wurde im engsten Kreis, Kritik war unerwünscht, rasche Umsetzung gefordert. Selbst Geschäftsleitungsmitgliedern blieb nur ein eng begrenzter Spielraum. Eine verschworene Parallelorganisation hatte die Führung der Bank übernommen.

Wer sich wie Iqbal Khan, Chef der internationalen Vermögensverwaltung, Gegenrede oder gar einen kessen Spruch leistete («Man hat mir den Restposten übergeben, aber wir haben was draus gemacht»), galt als illoyal und wurde an die kurze Leine genommen. Bereits nach einem Khan-Portrait in der «Handelszeitung» Anfang 2017 – Titel: «Immer Vollgas» – wurden seine Journalistenkontakte von oben auf ein Minimum beschränkt. Damit bahnte sich das Ende des anfänglich von Respekt geprägten Verhältnisses zwischen den beiden hochambitionierten Alpha-Bankern Thiam und Khan an, das schliesslich in einem wüsten Nachbarstreit inklusive Überwachungsoperation durch Bouée endete.

Zum vertraulichen Gespräche geben sie die Mobiltelefone ab

Überwachen, kontrollieren – das waren Methoden, die dem Marine-Leutnant, der es bis fast an die Spitze eines Global Players der Finanzwelt brachte, keineswegs fremd waren. Bouée war als Chief Operating Officer auch die IT und damit der Mail-Verkehr, die Badges und der Handy-Einsatz aller CS-Mitarbeitenden zugeteilt – ein reizvoller Fundus. So soll im eskalierenden Streit mit Khan auch die elektronische Kommunikation seiner Entourage überwacht worden sein, sagen mehrere Quellen. Selbst im Umfeld von VR-Präsident Rohner versuchten Bouées Leute, ganz im Stil einer Aufklärungstruppe, an Informationen aus dem Banken- Überwachungsorgan zu kommen. Man wähnte sich in CIA-Manier fast wie in Langley, Virginia: Es galt stets höchste Geheimhaltungsstufe. Trafen sich Thiam und Bouvée zum vertraulichen Gespräch, wurden die Mobiltelefone vorsichtshalber draussen im Sekretariat deponiert.

Der smarte Bouée wusste stets, was er wollte, seine Voten in Sitzungen zeugten von Detailwissen aus der Finanzbranche. Seine Worte hatten Gewicht; sein Spruch «Ich möchte nicht kritisieren, sondern nur sagen, wie ich es sehe» war intern legendär. Man hat es so verstanden, wie es zweifellos gemeint war – als Befehl.

Nach zwanzig gemeinsamen Berufsjahren loyal

Gehorsam verlangte Bouée nicht nur von seinen Mitarbeitenden. Gehorsam verhielt er sich auch gegenüber seinem grossen Mentor und Vertrauten Tidjane Thiam. Selbst als dieser Ende Oktober erstmals zu «Spygate» Stellung nahm und sich von seinem Compagnon Bouée öffentlich distanzierte. «Ich bin mir nicht sicher, ob man ihn als Freund bezeichnen kann», liess Thiam die Journalisten wissen.

Immerhin attestierte ihm der CS-Chef, dass seine Nummer zwei ein «guter Berufsmann» sei. Wohl wissend, dass dieser sich nach zwanzig gemeinsamen Berufsjahren loyal verhalten wird. Denn ein Offizier stellt auch im Krisenfall seinen Kapitän niemals infrage. Niemals.

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Finma-Bericht gegen Credit Suisse zugelassen

Strafverfahren Ein Bericht der Finma darf in einer laufenden Untersuchung gegen die Credit Suisse verwendet werden. Dies hat ein Genfer Gericht entschieden.

Der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa hat Ende Jahr einen Etappensieg gegen die Credit Suisse erzielt. Das Zwangsmassnahmengericht in der Calvinstadt entschied nämlich Mitte Dezember, dass ein Bericht der Finanzmarktaufsicht Finma zu Geldwäscherei-Mängeln bei der CS in eine laufende Strafuntersuchung gegen die Bank einfliessen darf. «Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass sie Zugang zu dem von Ihnen genannten Dokument erhalten hat», sagt ein Sprecher. Die Credit Suisse kann gegen den Gerichtsentscheid noch bis Ende Januar vor Bundesgericht rekurrieren: Man prüfe derzeit einen möglichen Weiterzug, so die CS.

Strafurteil gegen Credit Suisse Berater

Beim Finma-Bericht mit dem Codenamen «Dino» handelt es sich um das Enforcementverfahren zur Geschäftsbeziehung der Bank mit dem georgischen Milliardär und Ex-Regierungschef Bidzina Ivanishvili. Dieser war langjähriger Grosskunde der Credit Suisse und sieht sich durch einen ehemaligen CS-Berater im grossen Stil betrogen. Gegen die Bank läuft deshalb eine Strafuntersuchung wegen Organisationsmängeln.

Die Informationen aus dem Finma-Enforcmentbericht sind für die CS nicht nur für dieses laufende Verfahren kritisch. Sie bergen auch Finanz- und Reputationsrisiken für die Bank. Denn die Geschädigten des Ex-CS-Relationship-Managers P. L. machen seit geraumer Zeit öffentlich Druck. Eine Kampagne unter dem Titel «CS Victims» samt Zeitungsinseraten und einer eigenen Website soll die Bank in einen Vergleich zwingen.

Politisch exponierter Milliardär

Im nun entsiegelten Finma-Bericht sind Mängel der Credit Suisse bei der Einhaltung der Sorgfaltspflichten in der Geldwäschereibekämpfung detailliert dokumentiert. Die Geschäftsbeziehung mit dem politisch exponierten Milliardär sei «zu spät als solche mit erhöhten Risiken erfasst und entsprechend behandelt» worden, schrieb die Finma in einer späteren öffentlichen Mitteilung. Die Abklärungen und die Dokumentation seien mangelhaft gewesen. Erhöhte Risiken habe die Bank «bei gewissen Transaktionen» gefahren.Fakten für mögliche Mängel

Bereits im Februar 2018 wurde der ehemalige CS-Kundenberater von Ivanishvili, P. L., vom Genfer Strafgericht zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Der Bankberater habe das Vertrauen der Kunden, darunter Bidzina Ivanishvili und der russische Oligarch Vitaly Malkin, missbraucht und Millionen Franken ergaunert, hiess es in der Urteilseröffnung. L. habe insgesamt einen Schaden von 143 Millionen Franken verursacht und sich dabei selbst um 30 Millionen Franken bereichert.

In Berufung vor Bundesgericht

Der Ex-CS-Banker wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs, ungetreuer Geschäftsbesorgung und Urkundenfälschung erstinstanzlich schuldig gesprochen. Im letzten Sommer bestätigte das Appellationsgericht das Urteil. Mehrere Verfahrensparteien sind daraufhin in Berufung gegangen. Inzwischen liegt der Fall L. dem Bundesgericht zur Beurteilung vor.

Gesondert zum Strafverfahren gegen den mutmasslich fehlbaren CS-Kundenberater L. hat der Genfer Staatsanwalt Yves Bertossa bereits vor zweieinhalb Jahren eine eigene Strafuntersuchung gegen die Bank nach Artikel 102 Strafgesetzbuch eröffnet, also Unternehmenshaftung aufgrund von Organisationsmängeln. Dabei könnte der Bank eine Busse von bis zu maximal 5 Millionen Franken drohen. Die nötigen Fakten für solch möglicherweise strafbaren Organisationsmängel dürfte der Enforcementbericht liefern, den Bertossa im Herbst von der Aufsicht erhielt.

Vertrauliche Informationen über Credit Suisse

Doch seine Freude darüber währte nicht lange: Die CS-Anwälte von der Kanzlei Schellenberg und Wittmer sollen laut Nachrichtenagentur Bloomberg wenige Tage später eine Versiegelung veranlasst haben. Dabei hätten die Anwälte argumentiert, dass der Finma-Bericht vertrauliche Informationen über das Management der Bank enthalte, welche den bankeigenen Interessen im Strafverfahren zuwiderlaufen würden.

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Credit Suisse – Khan-Affäre hinterlässt Spuren

Credit Suisse Es war der erste Zahlenkranz von CS-Chef Tidjane Thiam nach der blamablen Spionageaffäre um seinen ehemaligen Vermögensverwaltungsleiter Iqbal Khan. Und was der ivorische Grossbanker im dritten Quartal an Finanzkennzahlen zu präsentiert hatte, ist durchzogen. So offen bis heute ist, wer in der Khan-Affäre wirklich Täter und wer Opfer war, so uneindeutig fällt auch die Bewertung aus, wie sich das zweitgrösste Schweizer Finanzhaus in den letzten Monaten geschäftlich geschlagen hat.

Missglückte Überwachtung

Thiams Mantra an der Quartalspräsentation jedenfalls, wonach der Spionagekrimi vom Paradeplatz keinen Einfluss hatte, wird bereits durch die bankeigene Powerpoint-Präsentation auf Seite 46 in Zweifel gezogen. Dort ist zu lesen, dass im Schweizer Universalbankengeschäft mit Privatkunden zwischen Juli und September 600 Millionen Franken abflossen. Wohlgemerkt: Die Affäre Khan eskalierte erst am 20. September mit dem Bekanntwerden der missglückten Überwachung. Weitere böse Überraschungen sind also nicht ausgeschlossen.

Die Spionagepanne dürfte der Grund dafür sein, dass Schweiz-Chef Thomas Gottstein kürzlich in der Zürcher «Kronenhalle» die Contenance verlor und Khans Spin-Doctor zusammenstauchte. Auch sonst hat der CS-Schweiz-Banker wenig zu lachen: Das Zinsgeschäft ist unter Druck, die Nettomarge leicht rückläufig – und rechnet man den Einmaleffekt durch den Verkauf der Fondsplattform Investlab raus, dann geht auch der Vorsteuergewinn mit Schweizer Firmenkunden und institutionellen Anlegern etwas zurück.

Erfolgreiche Vermögensverwaltung

Besser als in der Heimat läuft es der Credit Suisse international mit vermögenden Privatkunden. Auch ohne Investlab-Boost stimmen die Zahlen: mehr Neugeld, bessere Nettomargen und steigende Vorsteuergewinne. Die Bank zeigt hier seit mehreren Quartalen einen Aufwärtstrend im Private Banking, das agiler und aggressiver wirkt als jenes der Konkurrentin UBS. Wie «sticky» die Anlagegelder sind, wenn die Börsenparty einmal vorbei ist, wird sich allerdings erst weisen müssen. Dennoch: Es ist das Verdienst von Thiam, Khan und Co., aus der CS in Wachstumsmärkten wie Asien einen respektablen Vermögensverwalter geformt zu haben.

Credit Suisse und die risikoreiche Investment Bank

Die CS ist aber auch die grösste nicht amerikanische Investment Bank. Und nach goldenen Jahren manifestiert sich hier erneut ein Strukturproblem: Das Kapitalmarktgeschäft ist ein volatiles People’s Business. Stockt die Pipeline oder verliert man gewichtige Pitches, dann bleibt die Bank auf einem gigantischen Kostenblock an teuren Investmentbankern sitzen. Die zentrale Frage für die CS-Führung muss deshalb lauten: Ist die Investment-Banking-Wette das Risiko wert?