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FC Basel – Kampf um den Club

FCB Bernhard Burgener will seine Beteiligung am FC Basel reduzieren. Derweil sucht Thomas Borer & Co nach neuen Aktionären.

Es ist ein Zweikampf um die Macht beim FC Basel. Auf der einen Seite steht Medienunternehmer Bernhard Burgener, dem 80 Prozent gehören. Auf der anderen David Degen. Der Ex-Fussballprofi hält 10 Prozent am Club. Inzwischen mischen auch Wirtschaftsgrössen wie Rainer-Marc Frey, Domenico Scala oder Marco Gadola im FCB-Poker mit.

FC Basel ist «Herzensangelegenheit» für David Degen

Doch der Reihe nach. Burgener gewährte Degen ein für dessen Beteiligungsnahme von mutmasslich 2 Millionen Franken weitreichende Rechte. Degens Aktionärsbindungsvertrag sieht sowohl ein Vorkaufs-wie ein Kaufrecht vor. Nur wenn der Ex-Profi Burgeners Anteile nicht erwirbt, darf ein anderer zugreifen. Degens Kaufrecht sieht vor, dass er 35 Prozent der Burgener-Anteile übernehmen kann. Die Rede ist von 16 bis 20 Millionen Franken.

Degens Option hat einen Haken: Sie ist befristet. Sie läuft in etwa zwanzig Tagen ab. Will Degen sie wahrnehmen, muss er den zweistelligen Millionenbetrag in Bälde auf den Tisch legen. Degen bleibt allgemein: «Der FCB ist für mich eine Herzensangelegenheit und ich werde alles tun, dass er auf die Erfolgsspur zurückfindet.» Gemäss gut unterrichteter Quellen soll er bereit sein, weitere 3 bis 4 Millionen Franken in den FCB zu stecken. Das würde nicht reichen.

Rainer-Marc Frey als möglicher Investor

Allerdings erhält der Ex-FCB-Star Unterstützung. Eine Gruppe Unternehmer und Financiers aus der Nordwestschweiz stehen ihm nämlich zur Seite. Die Rede ist vom Ex-Spitzendiplomaten Thomas Borer, vom Multi-VR Marco Gadola und vom ehemaligen Fifa-Mann Domenico Scala. Als potenzieller Geldgeber wird der Baselbieter Hedgefonds-Milliardär Rainer-Marc Frey gehandelt. Er soll bereit sein, mehrere Millionen zu investieren. Ob Degen es schafft, rechtzeitig genügend Geldgeber hinter sich zu scharen, ist offen. Dealbreaker war bislang stets die Machtfrage.

Denn auch mit einer Aufstockung auf 45 Prozent hätte Bernhard Burgener weiterhin das Sagen. Für viele solvente FCB-Supporter ist dies ein rotes Tuch. Dass sich überhaupt Unterstützer finden, ist dem Alternativszenario geschuldet, an dem Burgener derzeit arbeitet: ausländische Kapitalgeber. Burgeners Umfeld sieht den Traditionsverein nämlich bereits an der Seite eines starken, internationalen Investors. Und eingebunden vielleicht sogar in ein internationales Netzwerk aus mehreren Vereinen. Denn: «Kleinere Clubs wie der FC Basel können künftig nur mittels Kooperationen überleben.»

Offenbar schwebt Burgener vor, dass sich die britische Investmentgesellschaft Centricus substanziell beteiligen soll. Drehund Angelpunkt ist die neu gegründete Briefkastenfirma Basel Dream & Vision AG. Als Verwaltungsräte fungieren zwei Treuhänder aus Zug. Doch dahinter verbergen sich Leute aus dem Umfeld von Burgener und Centricus. Gemäss «BZ Basel» soll Dream & Vision eine Offerte für Anteile am Club gemacht haben. Unterschrieben sei die Offerte gewesen von Halil Emecen und Michael Dieckell. Der eine arbeitete bis 2019 bei Centricus, der andere soll seit geraumer Zeit für Burgener tätig sein.

Centricus interessiert sich für Burgeners TEAM

Als Privatmann will Burgener Anteile am Club an Centricus veräussern und gleichzeitig die Kontrolle über den FCB behalten. Das Vehikel dazu wäre die Basel Dream & Vision. Mitte Dezember hat die Gesellschaft eine zweite Aktienkategorie geschaffen: jene der Stimmrechtsaktien, die eine Kontrolle ohne Kapitalmehrheit ermöglichen. Das Engagement der Centricus dürfte jedoch über einen möglichen Einstieg beim FC Basel hinausgehen: Offenbar scheint sich Centricus auch für andere Bereiche des Burgener-Imperiums zu interessieren. Vor allem die Uefa-Vermarkterin Team gilt als Perle im Portfolio.

Die Gruppe um David Degen möchte jedenfalls den Centricus-Einstieg mit allen Mitteln verhindern. Ihr Plan: auf 45 Prozent aufstocken, um ausländische Geldgeber abzuschrecken und schliesslich darauf zu hoffen, dass Burgener irgendwann entnervt von seinem Engagement beim FC Basel absieht. Es drohen damit erbitterte Machtkämpfe, wie sie Burgeners Highlight-Constantin-Gruppe seit Jahren kennt.

Degen im VR der FC Basel Holding «kaltgestellt»

Dass Minderheitsaktionär Degen und Mehrheitseigner Burgener sich gütlich einigen würden, scheint ausgeschlossen. Als im letztes Jahr Indiskretionen an die Presse gelangten, quittierte man diese mit anwaltlichen Abmahnungsschreiben. Inzwischen berichten Nahestehende, dass Degen als Verwaltungsrat der FCB-Holding «kaltgestellt» sei. Eine «strategische Partnerschaft», wie sie einst angekündigt wurde, sieht jedenfalls anders aus. Burgener selbst will sich zu all dem nicht äussern: «Ich bitte um Verständnis, dass ich mich zu Spekulationen und Gerüchten nicht äussere.» Auch der FCB hält sich bedeckt.