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Big Brother in der Bank

Finanzplatz Das Bespitzeln von Schlüsselpersonen ist die Norm in der Bank. Die Grenze zwischen dem Schutz der Firmeninteressen und Rechtsmissbrauch ist fliessend.

Es ist der wichtigste Event für die Grossbank Credit Suisse im Fernen Osten: die alljährliche Asian Investment Conference (AIC) im Luxushotel Conrad in Hongkong. Das Stelldichein der Topreferenten aus Politik und Wirtschaft – von Nicolas Sarkozy bis Janet Yellen – war letzten März Schauplatz eines Thrillers. Die Zielperson: Iqbal Khan, damaliger Leiter der CS-Vermögensverwaltung. Doch die von der Bank angeordnete Beschattung in Central Hong Kong sei fehlgeschlagen, verlautet aus zuverlässigen Quellen. Die lokal angeheuerten Detektive hätten Khan aus den Augen verloren. Übungsabbruch.

Die Episode aus dem «Spygate» um den ehemaligen CS-Banker Khan ist kein Einzelfall. Beschatten, prüfen, kontrollieren: Banking ist ein sensibles Geschäft, die Kundenbeziehung zentral, Vertraulichkeit ein wichtiger Eckpfeiler. Und es gibt eine Finma, die für die Einhaltung der Regeln sorgt. «Die Banken müssen überwachen, weil es ihnen nicht gelingt, loyale Mitarbeitende zu gewinnen», sagt der Arbeitsrechtler Martin Farner. In anderen Branchen gebe es solche Praktiken kaum.

Überwachung in der Bank ist die Norm

Gerade wenn ein Leistungsträger mit dem Gedanken spielt, die Bank bald zu verlassen, fahren die Institute ihre Tentakel aus. Bei monatelanger Freistellung sei eine enge Überwachung die Norm, sagt ein bekannter Bankenjurist. Das Stichwort lautet Garden Leave. Es ist jene Zeit zwischen zwei Anstellungen, wenn der Banker noch von der alten Arbeitgeberin entlöhnt wird, aber nicht mehr ins Büro kommt.

Der Bankenjurist zählt vier Beschattungsmotive auf: «Es geht um Geld, die Abwerbung von Arbeitskollegen oder die Gefahr, dass der Banker Kunden oder Kundendaten zum neuen Arbeitgeber mitnimmt.»

Zum Standardrepertoire der Schnüffler gehört die Spurensuche im Internet: Geprüft wird, welche Daten ein Kundenberater oder ein Investmentbanker kopiert, runtergeladen oder sich zugeschickt hat. Zu reden gab eine Story von einem Banker, der im Garden Leave Daten vom alten Arbeitgeber dem künftigen elektronisch übermittelte. Anschliessend meldete dieser dem alten Arbeitgeber den Posteingang. Es war eine Flucht nach vorn, denn wer Daten, die aus einer anderen Bank stammen, verwertet, läuft Gefahr, ins Visier der Aufsicht zu geraten. Der Stellenwechsel gab zu reden – und kam nicht zustande.

Statt zu beschatten, könnte ein längeres Konkurrenzverbot Abhilfe schaffen. Theoretisch. Denn Arbeitsrechtler Farner winkt ab: Die Gerichte kämen vermehrt zum Schluss, dass Konkurrenzverbote nicht statthaft seien. «Sie gehen zunehmend davon aus, dass der Erfolg eines Beraters auf seinen Fähigkeiten beruht und nicht auf den Einblick in einen Kundenkreis.»

Anspruch auf Salär verloren

Doch auch ohne explizites Konkurrenzverbot: «Banker im Garden Leave befinden sich in einem Zielkonflikt», sagt ein Headhunter für Financial Services: Geschäftsanbahnende Kontakte mit ehemaligen Kunden seien grundsätzlich nicht erlaubt, informelle aber schon. Doch die Grenze ist fliessend und schwierig zu kontrollieren.

Umgekehrt lastet ein wirtschaftlicher Druck auf den Bankern: «Bei einem Wechsel ist für die neue Arbeitgeberin zentral, welches Geschäftsvolumen der Berater bringt», weiss Arbeitsrechtler Farner. Zuweilen übernimmt die neue Arbeitgeberin gar den verfallenden Bonus des Bankers als Antrittsgeld; dieser geht bei Topleuten in die Millionen. Es sind also heikle Gratwanderungen, welche die Involvierten bei einem Stellenwechsel vollführen.

Streit über Verdächtigungen und gestrichene Boni enden nicht selten vor dem Arbeitsgericht. Gerade bei verdeckten Ermittlungen. Was es zu bedenken gibt: «Eine verdeckte Beschattung des Arbeitnehmers ist nicht erlaubt», hält Silvia Böhlen, Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutzund Öffentlichkeitsbeauftragte, fest. Denn solche Aktionen wären ein Verstoss gegen Treu und Glauben im Arbeitsverhältnis. In der Rechtspraxis gilt das Verhältnismässigkeitsprinzip. Besteht ein hinreichend schwerwiegender Verdacht, etwa auf Verletzung des Bankgeheimnisses, überwiegt dieses die Persönlichkeitsverletzung des Angestellten. Allerdings ist nicht von vorneherein klar, ob das Beweismaterial aus der Beschattung in einem Rechtsstreit überhaupt verwendet werden darf.

Beschattung ist ein Drahtseilakt

Unter Datenschützern und Juristen gilt ein Bundesgerichtsurteil vom letzten September als Leitentscheid. Darin heben die Bundesrichter in Lausanne die Verurteilung einer Autofahrerin auf. Sie wurde von einem Bezirksgericht wegen Verkehrsdelikten schuldig gesprochen. Als Beweis galt die Aufnahme der Fahrzeugkamera (Dashcam) eines anderen Automobilisten. Das Bundesgericht erachtete das Beweismittel jedoch als rechtswidrig, weil es sich um eine «heimliche Datenverarbeitung» handelte. «Das Dashcam-Urteil verschärft die Hürden für Beweismittel aus Beschattungen erheblich», sagt ein Züricher Strafrechtler.

Für Banken ist die Beschattung in jedem Fall also ein rechtlicher Drahtseilakt. Bisweilen existieren interne Gremien, die darüber befinden müssen. Angeblich soll bei der Credit Suisse früher der Verwaltungsrat zuständig gewesen sein. Unter der Führung von CS-Konzernleiter Tidjane Thiam hat sich Pierre-Olivier Bouée, sein Operativchef, um die Überwachungsaufträge gekümmert. Dieser hat offenbar dem CS-Sicherheitsdienst Kontrollaufträge mit den Zielpersonen Iqbal Khan, Privatbanker, und Peter Goerke, HR-Chef, erteilt. Das Auffliegen jener aggressiven Überwachungspraktiken hat die Bank in eine Führungskrise gestürzt.

Stundenlang zum Sachverhalt in der Bank befragt

Doch allzu neu scheint die Praxis des forschen Vorgehens nicht zu sein. Bereits 2017 hat Colleen Graham, ehemalige CS-Compliance-Chefin der Region Americas, die Bank in den USA verklagt. Ihr Vorwurf: Die Bank habe sie in Manhattan beschatten lassen. Gemäss einem Bloomberg-Bericht soll die Wirtschaftskanzlei Homburger Graham im Auftrag der CS jüngst stundenlang zum Sachverhalt befragt haben.

Laut einer gut unterrichteten Quelle soll auch die ehemalige Topbankerin Pamela Thomas-Graham einst observiert worden sein. Das war noch vor der Zeit des militärisch geschulten Pierre-Olivier Bouée – einem Offizier a. D. der französischen Marine, der es unter Thiam zum zweiten Mann der Credit Suisse brachte.

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Vendetta italiana – wie Italiens Steuerpolizei Schweizer Banken ins Visier nimmt

Finanzplatz Italiens Steuerpolizei will von Dutzenden Schweizer Banken wissen, wie sie ihre Geldgeschäfte im Bel Paese betrieben haben. Es drohen Nachforderungen.

Anfang November führte die italienische Finanzpolizei in Mailand eine Razzia durch. Im Visier: 18 Manager der Tessiner Privatbank PKB. Der Verdacht: Die Banker hätten ihrer italienischen Klientel zur Steuerflucht verholfen. Die Rede ist von 198 Kunden, die über 400 Millionen Euro nach Lugano verschoben haben sollen. Der Mailänder Staatsanwalt Francesco Greco, der zuvor das Verfahren gegen die Credit Suisse Ende 2016 zum Abschluss führte, stützt sich in den Ermittlungen auf Aussagen von Selbstanzeigern. Der italienische Fiskus verfügt nämlich über detaillierte Informationen zu den Steuervermeidungspraktiken seiner Bürger. Alleine bei Offenlegungs-Programmen bis 2016 kamen 130 000 Auslandkonti ans Licht.

Fragebogen aus Mailand

Der Tessiner Rechtsanwalt und Geldwäscherei-Experte Paolo Bernasconi ist überzeugt, dass die Ermittlungen gegen die PKB erst der Auftakt einer «koordinierten Aktion» seien: «Die Mailänder Staatsanwaltschaft wird weitere Schweizer Banken ins Visier nehmen.» Einen Vorgeschmack liefern zwei Fragebogen, welche die italienischen Steuerbehörden beziehungsweise die Finanzpolizei kürzlich nacheinander an Schweizer Banken geschickt haben. Wie viele hiesige Institute diese Schreiben erhalten haben, bleibt unklar. Die «Handelszeitung» hat ein halbes Dutzend Banken angeschrieben: Die meisten winken ab, wollen gar nichts dazu sagen. Andere betonen, «von der Aktion nicht betroffen» zu sein.

Ein hiesiger Bankenvertreter spricht von etwa «zwei Dutzend Empfängern» hierzulande. In Italien ist gar die Rede von bis zu 160 Banken aus der Schweiz, Monaco, Liechtenstein und Grossbritannien, die Post aus Mailand erhalten haben sollen. Beide Fragebogen sind jeweils inhaltlich praktisch identisch und liegen der «Handelszeitung» vor. Jenes Schreiben der Steuerbehörde wurde im Dezember verschickt, jener Brief der Guardia di Finanza (GdF) datiert vom 21. Januar mit einer Antwortfrist von zwanzig Tagen (siehe Faksimile). Darin wollen die Steuerfahnder für die Jahre 2013 bis 2017 im Detail wissen, wie und mit was die Banken am Geschäft mit ihren italienischen Kunden verdient haben.

Treuhänder im Spiel

Beispielsweise, ob die jeweilige Bank ihrer Kundschaft Auslandkredite, insbesondere Hypotheken, gewährt hat. Auch fragt die Finanzpolizei nach den Namen der «in Italien tätigen Kundenberater». Dies lässt beim Schweizerischen Bankpersonalverband SBPV die Alarmglocken schrillen. «Die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeitenden sind zu schützen», mahnt SBPV-Geschäftsführerin Denise Chervet an die Adresse der befragten Banken. Weiter dreht sich der Questionario um die Art und Weise, wie die Vermögenden im Bel Paese beraten wurden. Die GdF will wissen, ob Treuhänder, Tochtergesellschaften oder Beteiligungshäuser bei den Geldgeschäften im Spiel waren.

Für Rechtsexperte Bernasconi ist klar, worauf die Fragen der Fiskalfahnder abzielen: nachzuweisen, dass die Aktivitäten ausländischer Banken in Italien so intensiv waren, dass sie dort de facto Betriebsstätten persönlicher oder gar materieller Art hatten. Mit der Konsequenz, dass die Tätigkeiten von Schweizer Bankern zu Gewinnen geführt haben, aus denen Steuern gegenüber dem italienischen Fiskus geschuldet würden. Insbesondere geht es um Zinserträge auf Hypotheken und Lombardkredite vermögender Italiener. Darauf wäre für die Banken eine Quellensteuer in der Höhe von 12,5 Prozent fällig. In der Summe sind diese möglichen Fiskalausstände für die betroffenen Finanzinstitute wohl eher bescheiden.

Weitere Banken im Fadenkreuz

Allerdings mutmasste die Mailänder Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» jüngst, dass «der Streitfall auch in ein Strafverfahren übergehen könnte». Auch der Tessiner Anwalt Bernasconi vermutet, dass die Fragebögen in erster Linie dazu dienen, jenes Wissen, das der italienische Staat durch die Offenlegungs-Programme erlangt hat, nun mit den Antworten der Banken abzugleichen. Der Mailänder Staatsanwalt Greco hat jedenfalls im Nachgang zur PKB-Razzia bereits durchblicken lassen, dass wohl weitere Banken mit ähnlichen Vergehen ins Fadenkreuz geraten werden.

Ob dies bloss leere Drohungen sind, wird sich weisen. In der Schweiz nehmen Behörden wie Bankenvertreter die Post aus Mailand jedenfalls ernst. So hat die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) unter Einbezug des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen SIF einen Leitfaden für ihre Mitglieder ausgearbeitet. Gestützt auch auf externe Rechtsgutachten.

Bern ist alarmiert

Beim SBVg heisst es, man habe die betroffenen Mitglieder darüber informiert, ob und wie die Fragen der italienischen Steuerbehörden mit dem Schweizer Bankgeheimnis, den geltenden Datenschutzrichtlinien und Artikel 271 StGB («Verbotene Handlungen für einen fremden Staat») in Konflikt geraten. Der Leitfaden sei keine Handlungsanweisung, so ein SBVg-Sprecher: «Letztlich hat jede Bank eine individuelle Ausgangslage und muss für sich entscheiden, ob und wie sie auf den Fragebogen antworten möchte.» Zumindest haben die Finanzplatzvertreter die Möglichkeit, den Zeitdruck aus der heiklen Angelegenheit zu nehmen. Die betroffenen Banken können in Mailand um Fristerstreckung ersuchen.

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Raus aus dem Reduit

Bankgeheimnis Jahrzehntelang hat der Schweizer Finanzplatz dank dem Bankgeheimnis gut gelebt. Die Prämie für unversteuerte Vermögen im In- und Ausland bedeuteten Sonderertrag ohne Extraeffort. Doch nach dem Dammbruch im Offshore-Geschäft heisst es auch für das Bankgeheimnis im Inland: alles oder nichts.

Die Initiative von SVP-Nationalrat Thomas Matter will das steuerliche Bankgeheimnis in der Verfassung zementieren und damit die Restanzen des alten Geschäftsmodells in der Schweiz retten. Bei einem Nein wird der Ruf nach Steuertransparenz laut, die über kurz oder lang in einem automatischen Informationsaustausch für Inländer münden dürfte. Schliesslich schlummern in den Schubladen der Bundesverwaltung fertige Vorlagen zur Verschärfung des Steuerstrafrechts beziehungsweise zu einer Reform der Verrechnungssteuer, die auch automatische Meldungen an den Fiskus beinhalten könnte.

Während in Bundesbern derzeit über die Gestalt des zukünftigen Schweizer Finanzplatzes hitzig debattiert wird, üben sich Spitzenbanker – allen voran Bankierpräsident Herbert Scheidt – in wohlfeilem Schulterzucken: Die Matter-Initiative sei eine „Angelegenheit der Politik“, so Scheidt.

Doch statt sich ins staatspolitische Rhetorik-Reduit zu flüchten, sollten die Banken dem Volk endlich erklären, weshalb die Branche die Matter-Initiative will oder mehr Steuertransparenz bevorzugt. Die Passivität der Finanzbranche führt direkt ins Verderben. Das unsägliche Rückzugsgefecht um das Ausland-Bankgeheimnis hat dies exemplarisch gezeigt. Wer nicht agiert, wird regiert.

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Ein Brief sorgt für Beef

Finanzplatz Es braucht schon den unangefochtenen Status einer Supermacht, um nicht in den Verdacht schierer Verblendung zu geraten. Da treibt die US-Justiz bei den Schweizer Banken praktisch ein Jahrzehnt lang den Schwarzgeld-Beelzebub aus. Kocht die fett und impotent gewordenen Geldhäuser mit Millionenbussen und Strafandrohungen weich. Verhört prominente Finanzmanager am Flughafen oder zieht sie vor Gericht. Und vaporisiert schliesslich das Ausland-Bankgeheimnis durch einen unilateralen wie unidirektionalen Datenstaubsauger namens FATCA, ohne sich im Geringsten um internationale Standards oder die nationalstaatliche Souveränität zu scheren. Und als der amerikanische Tax-Exorzismus beinahe vollzogen scheint und zahlreiche Schweizer Banken amerikanische Kunden meiden wie der Teufel das Weihwasser – da tritt US-Botschafterin Suzan G. LeVine an und beklagt, dass ihre Landsleute in der Schweiz Mühe hätten, Konti zu eröffnen oder eine Bankbeziehung aufrechtzuerhalten.

Mit keiner Zeile erwähnt Diplomatin LeVine in ihrem Schreiben die Steuervergangenheit, mit der sich die Risiko-Aversität der Geldhäuser nachvollziehen lässt. Vielmehr verschickt sie ihr Botschaftsmemo als Massenmailing an den halben Finanzplatz und erntet hierfür Unverständnis aus der Branche. Hätte LeVine die Bankbranche ernsthaft gegoogelt, wüsste sie: Sowohl in der Vermögensverwaltung wie im Zahlungsverkehr gibt es genügend Schweizer Institute, die sauberem „american money“ eine Heimstätte bieten.

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LeVines Leviten

Finanzplatz US-Botschafterin Suzan LeVine beschwert sich, dass Schweizer Banken amerikanische Kunden abservieren. Die Branche zeigt sich irritiert.

Tags zuvor war US-Botschafterin Suzan LeVine noch im lieblichen Mostindien auf Stippvisite unterwegs und liess sich vom versammelten Thurgauer Regierungsrat in Frauenfeld und auf Twitter feiern. Dann, am 28. September, greift die ehemalige Microsoft-Direktorin in die Tasten und nimmt das Swiss Banking in die Pflicht. Der Brief aus der Berner Botschaft ist ein Rundschreiben. Die offiziellen Zeilen gehen an zahlreiche Finanzinstitute, darunter Retailer wie die Migros Bank und mindestens ein Geldhaus, das noch auf einen millionenschweren Bussenentscheid aus Washington im Steuerstreit wartet.

LeVines Leviten haben es in sich: Es sei eine ihrer „vordringlichsten Prioritäten“, auf die Bedenken von in der Schweiz wohnhaften US-Bürgern zu reagieren, schreibt die Botschafterin einleitend und erklärt anschliessend: „Viele US-Bürger haben mir gegenüber ihre Sorgen ausgedrückt, dass ihnen der Zugang zu Bankdienstleistungen in der Schweiz fehle.“

Die Botschafterin führt im Brief, welcher der „Handelszeitung“ vorliegt ( siehe Ausriss), konkrete Beispiele an. So seien Amerikaner, die in der Schweiz lebten und seit Jahrzehnten einer Bank die Treue hielten, einfach vor die Tür gesetzt worden. Auch Schweizer Bürger hätten ihre Konten auflösen müssen, nur wegen ihrer Beziehung zu US-Amerikanern. Die Botschafterin würde deshalb gerne mit den angeschriebenen Banken ins Gespräch kommen, um den Zugang von US-Bürgern zu Schweizer Finanzdienstleistungen zu erleichtern. Der Brief schliesst damit, dass LeVine ein Treffen vorschlägt, um „das Regelwerk und die Prozesse der Bank“ im Umgang mit US-Kunden zu diskutieren.

In der Finanzbranche sorgt der US-Botschaftsbrief aus Bern für Kopfschütteln. Von einem „naiven Statement“ ist die Rede und von „Geschichtsvergessenheit“. „LeVine blendet den langjährigen und weiter andauernden Steuerstreit gänzlich aus“, enerviert sich der Chef einer Privatbank und fügt an, dass die US-Repräsentantin Äpfel mit Birnen vergleiche. Die Situation im Retailgeschäft sei nämlich eine völlig andere als in der Vermögensverwaltung. „Im Wealth Management besteht überhaupt kein Problem“, sagt der Bank-CEO dezidiert. Dort gebe es eine Reihe von Banken wie Pictet und Vontobel, welche durch die amerikanische Börsenaufsicht SEC reguliert seien und die sich deshalb explizit auf das komplexe Geschäft mit US-Bürgern verstünden. „Es gibt eine Auswahl, es gibt ein Angebot. Der Markt spielt“, lautet sein knappes Fazit.

Ab mehreren Milliarden profitabel

Aber auch jene Vermögensbanken, die nicht direkt von der US-Börsenaufsicht reguliert sind, bieten Assets von in der Schweiz domizilierten Amerikanern eine Heimstätte an. Entweder über externe Vermögensverwalter, die SEC-reguliert sind, oder indem sie nur eine kleine Zahl an Kunden mit begrenzter Vermögenssumme betreuen. Ein solches US-Geschäft auf Sparflamme ergibt allerdings in den meisten Fällen ökonomisch wenig Sinn, sodass viele Privatbanken sich über die letzten Jahre von ihren historisch bedingten US-Restanzen verabschiedet haben. Gerade jene Institute, die im Affluent-Bereich bis 1 Million Franken pro Kunde tätig sind, suchen das Weite.

Nicht aus bösem Willen, wie ein Banker betont, sondern weil der „Kosten-Nutzen-Ertrag in keinem Verhältnis“ stehe. Denn Skaleneffekte sind im Wealth Management matchentscheidend. Was in Bezug auf eine SEC-Regulierung bedeutet, dass sie erst ab mehreren Milliarden an US-Vermögen kostendeckend ist. Ansonsten rechnen sich die Investitionen in die länderspezifische Compliance und IT-Massnahmen nicht.

Schlicht zu teuer

Beim Branchenverband, der Schweizerischen Bankierveinigung SBVg, kennt man die Problematik bestens: US-Personen unterlägen einer aufwendigen und komplizierten Gesetzgebung. „Es ist daher für einige Banken schlicht zu risikoreich und zu teuer, US-Kunden zu bedienen“, sagt Sprecherin Sindy Schmiegel. Jede Bank müsse diesen Geschäftsentscheid für sich selbst fällen. „Wir haben in der Schweiz Wirtschaftsfreiheit.“ Gleichzeitig betont Schmiegel aber, dass der Exit aus dem Geschäft mit Amerikanern kein „flächendeckendes Phänomen“ sei: „Auch US-Kunden finden eine Schweizer Bank.“

Dies gilt nicht nur fürs eigene Anlageportfolio, sondern auch für Zahlungs-, Lohn- oder Mietzinsdepot-Konti. Man habe LeVines Brief auch erhalten, heisst es beispielsweise bei der Migros Bank lapidar. Das Retail-Institut betont: „USBürger können bei uns Konten eröffnen.“ Diesbezüglich herrsche also „kein Handlungsbedarf“ seitens der Bank.

Auch bei der Postfinance verursacht der besorgte Aufruf des offiziellen Amerikas nur Schulterzucken: Ihr gesetzlich festgelegter Grundversorgungsauftrag besage, dass alle in der Schweiz wohnhaften Personen unabhängig von ihrer Nationalität bei Postfinance ein Konto eröffnen können – „auch US-Bürger“, sagt Sprecher Johannes Möri.

20 000 US-Bürger in der Schweiz

Auf Anfrage präzisiert die US-Botschafterin Suzi LeVine ihren Brief in einem schriftlichen Statement: Es gebe natürlich Banken wie UBS, Credit Suisse oder Cornèr Bank, die nach einem Unterbruch wieder US-Bürger bedienten, und solche Institute wie Vontobel, die stets Amerikaner unterstützten.

Man habe einfach mal andere Banken anfragen wollen, ob sie bereit wären, ihr Business auszuweiten. Schliesslich lebten in der Schweiz rund 20 000 Amerikaner, die „arbeiten, einkaufen und ihre Steuern zahlen“. Deshalb habe sie einen Brief an viele andere Schweizer Institute geschickt, um die Herausforderungen zu schildern, die Amerikaner hätten, wenn sie in der Schweiz „ein Bankkonto eröffnen oder behalten möchten“. Sie habe den Bankchefs deshalb angeboten, sich mit ihr zu treffen, um Lösungen zu finden. „Viele haben das Angebot angenommen“, sagt LeVine. Sie freue sich nun darauf, die Banker bald zu treffen.

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Nummer 41

Pictet Laurent Ramsey ist der jüngste Partner beim Genfer Geldinsitut. Als oberster Asset Manager lenkt Ramsey die grosse, unbekannte Sparte der Bank.

Schaut Laurent Ramsey aus seinem mit Holz getäferten Büro im vierten Stock, dann sieht er weder imposante Hochhäuser noch ausladende Boulevards. Der Genfer Bankier blickt vielmehr der Vorstadt-Tristesse mitten ins Auge. Der wuchtige Pictet-Hauptsitz nach Minergie-Standard liegt an einer stark befahrenen Ausfallstrasse der Rhonestadt – zwischen Gebrauchtwagenhändlern, Harddiscountern und Ethnoläden.

Dass eine der Top-Adressen im grenzüberschreitenden Vermögensgeschäft in den wenig glamourösen Vorort Carouge disloziert, mag erstaunen, hat praktische Gründe. „Die internationale Kundschaft schätzt es, wenn sie vom Flughafen Cointrin in einer Viertelstunde bei uns ist“, sagt Ramsey, der selber von der Airport-Nähe profitiert. Schliesslich pendelt der Mittvierziger jede Woche zwischen Genf und London, wo er im noblen Stadtteil Kensington wohnt und seine beiden Buben in die Privatschule gehen.

Der Londoner Lebensmittelpunkt des gebürtigen Romands ist Pictets Anlagegeschäft geschuldet. In der britischen Finanzmetropole arbeiten nämlich über 250 Bankangestellte für Pensionskassen, Staatsfonds und andere Profianleger. Sie und 380 weitere Mitarbeitende in Genf gehören zur Asset-Management-Sparte, die Laurent Ramsey leitet. Zunächst als Vizechef – seit Anfang Jahr gehört Ramsey zum erlauchten Kreis der sechs teilhabenden Pictet-Partner. Seine Wahl sei höher zu bewerten „als jeder Sechser im Lotto“, schrieb die NZZ bei Ramseys Ernennung. Schliesslich kommt der passionierte Hobbytaucher nicht aus einer der drei Stammfamilien Pictet, de Saussure und Demole, sondern hat sich vom einfachen Bankangestellten in 23 Berufsjahren zum teilhabenden Bankier hochgearbeitet.

Die Konsequenzen zu tragen

Seine Berufung kommt auch finanziell einer Karrierekrönung gleich, wenn man bedenkt, dass die teilhabergeführte Pictet-Gruppe im letzten Jahr einen Reingewinn von rund 450 Millionen Franken erwirtschaftete. Bei solchen Beträgen muten selbst die üppigen CEO-Saläre börsenkotierter Finanzhäuser geradezu bescheiden an.

Angesichts dieses Millionensegens mag es Neo-Entrepreneur Ramsey auch verschmerzen, dass er sich für den Einkauf in die Partnerschaft verschulden musste. Den Startkredit zahlt er nun über die Zeit aus den Erträgen der Bank ab. „Man kauft sich zu Buchwert ein und steigt zu Buchwert wieder aus“, erklärt Ramsey das altbewährte Partnerprinzip der Edelbank.

Der smarte Selfmademan mit den nach hinten gekämmten Haaren ist erst der 41. Partner seit der Gründung des Genfer Vermögensinstitutes im Jahre 1805. Im Schnitt bleibt ein Teilhaber mehr als 20 Jahre der Bank treu. Kein Wunder betont Ramsey die Kontinuität als Erfolgsprinzip von Pictet. „Wir müssen die Konsequenzen aller Entscheidungen, die wir heute treffen, selber tragen.“

Diese Last jahrzehntelanger Verantwortung lässt die Teilhaber in der Regel mit Bedacht und in Eintracht agieren. Es falle ihm erst jetzt als Insider auf, so Ramsey, wie eng die Bande unter den Partnern seien. „Wir treffen uns jede Woche viermal für zwei Stunden im Salon nebenan.“ Kein Verwaltungsrat einer Bank weist eine solch hohe Sitzungskadenz auf. Sie schafft Nähe und Vertrautheit.

Neben formellen Treffen, die gewöhnlichen Geschäftsleitungsmeetings ähneln, ist viel Raum für Gedanken- und Ideenaustausch. Die ganze Gruppe gelte es dabei als Partner stets im Auge zu haben, betont der neueste Pictet-Eigner, dessen Wahl in den „inner circle“ auch einem Ritterschlag fürs institutionelle Anlagegeschäft innerhalb der Gruppe gleichkommt. Denn Pictet ist von der Historie her eine Privatbank par excellence. Während die Vermögensverwaltung seit über 200 Jahren das Kerngeschäft bildet, betreibt Pictet ihren Asset-Management-Arm erst seit Anfang der 1980er-Jahre. Zunächst integriert in die Privatbank.

Mit 160 Milliarden Franken an Anlagevermögen ist das Geschäft mit institutionellen Investoren und Investmentfonds aber mittlerweile praktisch so gross und profitabel wie das angestammte Private Banking. Die Ernennung von Laurent Ramsey steht deshalb auch für die Emanzipation des Asset Management, dessen Anlagevermögen etwa zur Hälfte von Institutionellen wie Pensionskassen oder Staatsfonds stammt. Der Rest kommt aus dem Fondsvertrieb und von Drittbanken beziehungsweise externen Verwaltern. Wobei für Pictet die Schweiz, Italien und Japan die wichtigsten Märkte sind.

Das Land der aufgehenden Sonne sticht dabei besonders heraus, in dem die Genfer einer der drei grössten Fondsanbieter mit gegen 20 Milliarden Dollar Assets under Management sind. Der Erfolg in Nippon brauchte jedoch einen langen Atem. Seit 1982 ist Pictet im ostasiatischen Land präsent. 2002 schrieb die Bank erstmals schwarze Zahlen. „Als nicht börsenkotiertes Unternehmen leisten wir uns den Luxus des Sich-Zeit-Lassens“, meint Ramsey lapidar. Gerade in Japan lasse sich Vertrauen eben nur langsam aufbauen. „Doch nur Vertrauen führt zu Loyalität.“ Eine Treue, die sich im Inselstaat in einem engmaschigen Vertriebsnetz zu über 100 Wertpapierhäusern, Banken und Online-Plattformen manifestiert.

Als Glückstreffer hat sich dabei in den Nullerjahren der Pictet Global Income Stock Fonds erwiesen, der damals als erstes Finanzprodukt in Japan überhaupt stabile monatliche Ausschüttungen garantierte. „In einem Land mit vielen Pensionierten, die von ihrem Ersparten leben müssen, war Global Income ein Gamechanger“, erinnert sich Ramsey

Tiefgreifender Strukturwandel

Inzwischen hat sich der Wettbewerbsdruck jedoch massiv verschärft. In Japan und anderswo. Seit 2007 flossen weltweit 6 Billionen Dollar in passive Investments, die kostengünstig gängige (Börsen-)Indizes abbilden, statt aktiv den Finanzmarkt schlagen zu wollen. Das spüren aktive Fondsmanager wie Pictet insbesondere beim Umsatzwachstum, während die Profitabilität trotz Strukturwandel seit Jahren bei durchschnittlich 50 Basispunkten liegt.

„Der Boom bei den indexierten Anlagen ist für die Branche heilsam, weil es die Spreu vom Weizen trennt“, meint Ramsey. Es zwinge die Fondsmanager, auch tatsächlich aktiv und mit Überzeugung zu investieren. „Denn für Mittelmass ist der Kunde nicht mehr bereit, einen Aufpreis zu zahlen.“ So hat Pictet vor einigen Jahren ein grossangelegtes „Product-Trimming“ durchexerziert, bei der die Zahl an Investmentstrategien um über 10 Prozent auf gegenwärtig 70 reduziert wurde. Gleichzeitig geht Pictet in Nischen und setzt auf thematische Anlagen wie Wasser, Holz oder Robotics.

Es sind dies Reaktionen auf ein Anlagegeschäft, das sich stark wandelt. Zum einen sind seit der Finanzkrise die regulatorischen Auflagen und Kosten massiv gestiegen. Zum anderen führt das Tiefzinsumfeld zu kostenaffineren Kunden, welche die Verwaltungsgebühren aktiv gemanagter Fonds stärker hinterfragen. Insofern hofft auch Ramsey auf eine Zeitenwende: „Wenn die Zinsen steigen, würde dies der Industrie sicher helfen“, sagt er, der die Kurzfristigkeit des Geschäfts bemängelt. „Aktive Investmentstrategien werden nicht in zwei, drei Jahren zum Erfolg gebracht, sondern über einen ganzen Konjunkturzyklus.“ Der Fokus auf kurzfristige Gewinne zwinge die Fondsmanager aber leider dazu, Verlust früh einzudämmen und sich am Index zu orientieren. „Eine Fehlentwicklung, die wir bekämpfen müssen.“

Doch ist Ramsey zuversichtlich, dass die Marktentwicklung den aktiven Fondsmanagern wieder in die Hände spielen wird. „Ob in Bond- oder Aktienmärkte, in den letzten Jahren war der Trend der beste Freund“, blickt der Bankier zurück und prophezeit, dass diese Phase der „Windfall“-Gewinne auslaufen wird. „Die Renditen sinken, die Volatilität wird zunehmen, das Umfeld wird anspruchsvoller“, so Ramsey. Mit der sich abzeichnenden Normalisierung der Geldpolitik müssen sich die Anleger – wohl oder übel – auf magerere Zeiten einstellen.

 

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Die Spreu trennt sich vom Weizen

Finanzplatz Hans-Rudolf Merz schmetterte einst im Brustton der Empörung ins Plenum: „Am Bankgeheimnis werdet ihr euch noch die Zähne ausbeissen.“ Die Worte im Nationalrat dienten vielmehr der Selbstvergewisserung des Finanzministers, als dass sie als Drohung an ausländische Steuervögte gedacht waren. Schliesslich stand die Schweiz mit dem UBS-Fall längst am internationalen Fiskalpranger. Die Messer waren gewetzt, das goldene Kalb lag bereits auf der Schlachtbank.

Der Wegfall des Bankgeheimnisses bietet genügend Opportunitäten

Diese Episode ist gut sieben Jahre alt. Es fühlt sich an wie eine halbe Ewigkeit. Denn nicht nur Bundesrat Merz, sondern auch das (Ausland-)Bankgeheimnis ist längst Geschichte. Den offiziellen Todesstoss erteilte der Ständerat Anfang des Monats, als die kleine Kammer dem automatischen Informationsaustausch als Zweitrat zustimmte. Was politisch nun in Gesetze und Verordnungen gegossen ist, hat längst eine tiefgreifende Transformation des Bankenplatzes ausgelöst.

Allerdings ist der Strukturbruch, also das Ende des Bankgeheimnisses, in seiner vollen Tragweitewohl erst langsam abschätzbar. Und wie immer, wenn ein komparativer Vorteil – in diesem Fall: Die Beihilfe zur Steuerhinterziehung – wegbricht, bieten sich neue Chancen.

Stichwort Segmentierung: Das Geschäft mit den Superreichen steht geradezu paradigmatisch für eine solche Opportunität. Die Schweiz als „safe haven“ funktioniert nämlich auch in der neuen Weissgeldwelt bestens. Der geballte Wissenscluster aus führenden Vermögensbanken, spezialisierten Anwaltskanzleien und einem verschwiegenen Netz aus Family Offices macht aus den beiden Finanz-Hubs Zürich und Genf bevorzugtes Terrain für (Ul tra) High Net Worth Individuals. Zumal deren Steuerkonformität meist schon aus Reputationsgründen deutlich besser ist als jene halbvermögender Zahnärzte und Unternehmer aus Nordrhein-Westfalen.

Stichwort Digitalisierung: Auch am anderen Ende der Vermögensskala – also im klassischen Retailgeschäft – gibt es in der Post-Bankgeheimnis-Welt vielgestaltige Möglichkeiten zu vermelden. Gerade kleinere Kantonalbanken aus der Peripherie nutzen diese und erweisen sich als erstaunlich forsch und agil am Markt – sei es in der automatisierten Vermögensverwaltung oder im Ausleihegeschäft. Dabei nutzen die Landbänkler geschickt die Segnungen des Internets. Indem das Netz keine Grenzen kennt, lässt sich kostengünstig ausserhalb des angestammten Marktgebiets wildern, wo früher noch Gebietsmonopole galten.

Hinter den Vorhängen herrscht nackte Panik

Wo Licht ist, da gibt es leider auch Schatten. Bei mancher Privatbank herrscht hinter samtenen Vorhängen die nackte Panik. Wer sein Geschäftsmodell einzig auf Schwarzgeld abstützte und in den fetten Jahren zu wenig Speck ansetzte, dem fehlt nun die Finanzkraft zur Transformation. Und selbst wenn genügend Geld im Tresor ist – es mangelt an Alleinstellungsmerkmalen. „Mee too“ war gestern.