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Im Retailgeschäft mangelt es Banken an Wettbewerb

Retailgeschäft Das Open-Banking-Beispiel ist symptomatisch: Während sich europäische Geschäftsbanken seit Jahren mit offenen Kontodaten beschäftigen und daraus neue Businessmodelle und Ökosysteme entwickeln, tun die meisten Schweizer Banken nur das Nötigste.

Wer in der EU geschäftet, öffnet zwangsweise die Schnittstellen. Die Inlandbanken kaprizieren sich derweil auf den Sonderfall. Schliesslich sind seit Jahrzehnten die Claims abgesteckt und die Pfründen gutschweizerisch verteilt. Selbst die Nadelstiche der Negativzinsen wurden durch höhere Gebühren bestens kuriert.

Gefährliche Entwickung im Retailgeschäft

Harter Wettbewerb? Fehlanzeige. Was sich daran zeigt, dass nirgends in Europa die Margen im Retailgeschäft so hoch sind wie in der Schweiz. In solch einem festgefahrenen Umfeld gilt Innovation als Ultima Ratio. Weshalb sollte sich eine Bank abmühen und am Ende gar kannibalisieren, wenn das Geschäft im Autopiloten läuft. Doch für den Finanzplatz ist dies eine gefährliche Entwicklung.

Denn das Retail Banking gilt gemeinhin als Innovationstreiber, dessen avancierte Anwendungen schliesslich auch in die noblere Vermögensverwaltung diffundieren. Genau dieser Transmissionsriemen fehlt dem Swiss Banking. Die Inlandsinstitute arbeiten in einem abgeschotteten Umfeld. Während es den beiden Grossbanken an einem ausländischen Retailgeschäft mangelt, das als konzerninterner Impulsgeber fungieren könnte.

Ein Strukturproblem, das sich mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung rächen könnte. Die geschützte Werkstatt droht abgehängt zu werden.

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Raus aus dem Reduit

Bankgeheimnis Jahrzehntelang hat der Schweizer Finanzplatz dank dem Bankgeheimnis gut gelebt. Die Prämie für unversteuerte Vermögen im In- und Ausland bedeuteten Sonderertrag ohne Extraeffort. Doch nach dem Dammbruch im Offshore-Geschäft heisst es auch für das Bankgeheimnis im Inland: alles oder nichts.

Die Initiative von SVP-Nationalrat Thomas Matter will das steuerliche Bankgeheimnis in der Verfassung zementieren und damit die Restanzen des alten Geschäftsmodells in der Schweiz retten. Bei einem Nein wird der Ruf nach Steuertransparenz laut, die über kurz oder lang in einem automatischen Informationsaustausch für Inländer münden dürfte. Schliesslich schlummern in den Schubladen der Bundesverwaltung fertige Vorlagen zur Verschärfung des Steuerstrafrechts beziehungsweise zu einer Reform der Verrechnungssteuer, die auch automatische Meldungen an den Fiskus beinhalten könnte.

Während in Bundesbern derzeit über die Gestalt des zukünftigen Schweizer Finanzplatzes hitzig debattiert wird, üben sich Spitzenbanker – allen voran Bankierpräsident Herbert Scheidt – in wohlfeilem Schulterzucken: Die Matter-Initiative sei eine „Angelegenheit der Politik“, so Scheidt.

Doch statt sich ins staatspolitische Rhetorik-Reduit zu flüchten, sollten die Banken dem Volk endlich erklären, weshalb die Branche die Matter-Initiative will oder mehr Steuertransparenz bevorzugt. Die Passivität der Finanzbranche führt direkt ins Verderben. Das unsägliche Rückzugsgefecht um das Ausland-Bankgeheimnis hat dies exemplarisch gezeigt. Wer nicht agiert, wird regiert.

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Verraten und verkauft

Steuersünder Schwarzgeld in der Schweiz zu bunkern, ist kein Kavaliersdelikt mehr. Was früher in Europa Elitezugehörigkeit signalisierte, hat heute deliktischen Charakter. Reihum sehen sich Steuersünder an den Pranger gestellt. Die einst findigen Fiskaloptimierer werden zu schlimmen Nationalschmarotzern umgemünzt, denen die Plebs die volle Staatsgewalt in die Villa wünscht. Nun fällt es wahrlich schwer, für solch solvente Hinterzieher eine Lanze zu brechen. Dennoch sollten sich die Schweiz und mit ihr der Finanzplatz sorgsam überlegen, wie man mit steuersäumigen Kunden aus dem Ausland vernünftig verfährt. Immerhin liegen noch 200 Milliarden Franken an unregularisierten Vermögen in helvetischen Tresoren.

Doch wie die hiesigen Institute mit ihren „unerwünschten Kunden“ umspringen, ist leider der Gipfel an Unverfrorenheit. Verraten und verkauft müssen sich diese Schwarzgeld-Kunden fühlen, nachdem sie treuergeben ihren Bankern über Jahrzehnte überrissene Gebühren und damit fette Boni sicherten. Nun werden die einst umgarnten Premiumkunden in dürren Zeilen mit einsilbigen Ultimaten konfrontiert, offenzulegen oder aber bitte subito zu verschwinden. Beziehungsweise, wie es die weltgrösste Vermögensverwalterin jüngst in einem Kundenbrief formulierte: „Sollten Sie dafür einen Anwalt beziehen wollen, können Sie sich an das Sekretariat des Schweizerischen Anwaltsverbandes wenden.“ Man erteile keine Rechtsauskünfte. Jene herausragende Dienstleistungsqualität, welche die Banken gerne für sich in Anspruch nehmen, sollte auch am Ende einer Geschäftsbeziehung gelten.