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Credit Suisse – Urs Rohners Unruhestand

Credit Suisse Die Krise frisst sich die Hierarchieleiter hoch bei der Credit Suisse. Nach dem Milliardenflop um die Lieferketten-Fonds der Greensill rollten bloss subalterne Köpfe im Assetmanagement. Beim jüngsten Debakel um das Hedgefonds-artige Family Office Archegos, das die schlingernde Grossbank weitere Milliarden kosten dürfte, könnte es nun Mitglieder der Konzernleitung wie Risikochefin Lara Warner treffen.

Unverbesserliche Geschäftskultur

Denn in gewissen CS-Sparten scheint die Geschäftskultur unverbesserlich zu sein. Gewinne werden mit viel zu hohen Risiken erkauft. Das Business schlägt alle Warnungen der Stabsfunktionen in den Wind. Interessenkonflikte werden nicht adressiert oder sind gar struktureller Natur. Insofern verwundert es nicht, dass die CS mit grosser Regelmässigkeit für Skandale sorgt.

Ausser fetter Boni nix gewesen

Die Verantwortung liegt auf strategischer Ebene: Dem scheidenden Präsidenten Urs Rohner ist es in zehn Jahren nicht gelungen, die Bank in ruhigere Gewässer zu führen. Die Bilanz des Rechtsanwalts lässt sich auf den unrühmlichen Kurznenner bringen: Ausser fetter Boni nix gewesen. Die Vernichtung von Aktionärswerten dürfte ihn nun allerdings über seine Amtszeit hinaus beschäftigen. CS-Grossaktionäre wie Harris wollen Rohner offenbar die Décharge verweigern, um ihn später allenfalls mit Haftungsklagen eindecken zu können.

Sollte dies der Fall sein, droht Rohner der Unruhestand.