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FC Basel – Weisser Tiger auf rotblauer Jagd

FC Basel Vor zwei Jahren geht eine Millionenofferte von den Cayman Islands für den Club ein. Der Deal kommt nicht zustande.

Die Schlagzeile ist aus heutiger Sicht fast schon prophetisch: «Burgeners FCB droht ein tiefer Fall», titelte im Juni 2019 die «Schweiz am Wochenende», um die Misere des Basler Clubs nachzuzeichnen. Bernhard Burgener kommt dabei nicht gut weg. Dem FCB-Mehrheitseigner sei, sechs Monate zuvor, ein «Rettungsanker» zugeworfen worden. Doch Burgener hatte ihn nicht ergriffen.

Thomas Borer als Vermittler

Als Vermittler diente Thomas Borer. Der Ex-Diplomat, der sich nun erneut für Clubmitbesitzer David Degen um FCB-Investoren bemüht, sagte damals: «Ich kann bestätigen, dass ein Klient von mir Interesse an einem Investment gehabt hat.» Um wen es sich handelte, sagte er allerdings nicht.

Benjamin Leigh Hunt will bei FC Basel einsteigen

Ein der «Handelszeitung» vorliegender Brief liefert einen möglichen Hinweis darauf. Der Brief datiert vom November 2018 und ist an den Ex-Botschafter adressiert. Darin bekundet eine Anlagemanagerfirma von den Cayman Islands namens White Tiger ihr Interesse an der Übernahme des FCB. Den Brief zeichnete deren Direktor Benjamin Leigh Hunt, der in dieser Zeit auch bei den Clubs von Nizza und Nantes Millionen platzieren will.

Freezing Order für White Tiger Asset Management

Inzwischen machen Leigh Hunt und sein «Weisser Tiger» bloss durch Rechtsstreitigkeiten von sich reden. Im Januar 2020 ordnete ein britischer High Court an, dass sämtliche Vermögenswerte von White Tiger, Leigh Hunt und weiteren Gesellschaften eingefroren werden. Im Sommer wurde die «Freezing Order» erneuert. «Im Mittelpunkt dieses Falles steht einer der neuesten Schwindel im Wert von Millionen von Pfund. Je früher dieses Gericht und die Strafverfolger untersuchen, desto weniger Opfer wird der Betrug fordern», erklärte der Anwalt der Zivilkläger, die sich um Millionen geprellt sehen. Der Anwalt wollte zum Fall keine Stellung nehmen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Interessenbekundung für den FC Basel

Zwei Jahre zuvor, im Herbst 2018, kämpfte jener White-Tiger-Direktor Leigh Hunt nicht vor Gericht, sondern um den FC Basel. Im Brief an Thomas Borer bekundete er seine Absicht, Bernhard Burgener beim FC Basel zu beerben: «Ich bestätige, dass es unsere Absicht ist, eine Fazilität in der Höhe von 30 Millionen Euro für die mögliche Akquisition zu nutzen.» Gleichzeitig stellte der britische Anlagemanager zusätzliche Investitionen zugunsten der Mannschaft sowie prominente Sponsoren in Aussicht. Er freue sich darauf, von Thomas Borer zu hören, um gemeinsam das Geschäft zu einem «erfolgreichen Abschluss» zu bringen.

London Football Exchange droht zu scheitern

Borer teilt mit: «Wir hatten nie eine geschäftliche Beziehung mit der von Ihnen genannten Firma und haben auch die von Ihnen genannten Personen nie getroffen oder gesprochen.» Man sei im Oktober 2018 von einem Fussballberater aus London kontaktiert worden. Dieser habe erklärt, eine Investorengruppe an der Hand zu haben. Auf seinen Wunsch hin habe man angeboten, mit Herrn Burgener ein «vorbereitendes Gespräch» zu führen.

Unentgeltliche Hilfe von Thomas Borer

«Wir haben dies unentgeltlich getan, vor allem weil uns der FCB am Herzen liegt», schreibt Borer. Man habe auch eine schriftliche Interessenbekundung dieser Investorengruppe weitergeleitet. «Herr Burgener machte jedoch deutlich, dass er kein Interesse hat, Anteile am FC Basel zu verkaufen. Damit war für uns die Sache erledigt.»

Fussball-Token stürzt ab

Nur wenige Monate vor Leigh Hunts Interessenbekundung beim FCB hatte der Tiger-Direktor einen Kryptowährungs-Börsengang (ITO) namens «London Football Exchange» lanciert. Mittels der LFE-Tokens sollten Investoren an einem Ökosystem aus Fussballclubs beziehungsweise Sport- und Merchandiserechten partizipieren. Mehr als 70 Millionen Dollar sollen Leigh und Co. mit dem ITO eingesammelt haben. Nur ein Jahr später war der Wert der LFE-Token auf einer Tauschplattform um 99,99 Prozent eingebrochen. Inzwischen ist der Handel mit den Token ganz zum Erliegen gekommen, nennenswerte Investments seitens LFE ins versprochene Fussballökosystem sind ausgeblieben.

Dies nährt den Verdacht, dass hinter den FCB-Avancen von den Cayman Islands möglicherweise gar ein Token-Betrug oder eine Layering-Operation zwecks Geldwäscherei steckte.