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Nationalbank – Nachhaltig passiv

Nationalbank Die passive Anlagestrategie der SNB gerät ins Visier der Politik: Gefordert werden Nachhaltigkeitsziele für ihre Milliarden.

Seit 2015 tobt ein Bürgerkrieg im Jemen mit mehr als 10 000 zivilen Opfern. Für Raytheon ist der Konflikt ein Bombengeschäft. Der US-Rüstungskonzern lieferte dank gütiger Mithilfe der Trump-Administration der saudischen Kriegspartei bislang Präzisionsbomben im Wert von über 3 Milliarden Dollar, wie aktuelle Recherchen der «New York Times» zeigen. Die lukrativen Rüstungsdeals auf der Arabischen Halbinsel halfen, die Raytheon-Aktien zu befeuern. Die Papiere haben sich in der Zeitspanne bis zur Corona-Krise im Preis mehr als verdoppelt.

Am Kurserfolg partizipiert hat auch die Schweizerische Nationalbank. Die SNB hält nämlich Raytheon-Aktien zum aktuellen Gegenwert von 130 Millionen Dollar. Insgesamt belaufen sich die «Holdings der Swiss National Bank» an US-Rüstungsfirmen auf gegen 1,5 Milliarden Dollar, wie der jüngste Quartalsbericht der Börsenaufsicht SEC zeigt. Und auch im Big Business mit fossilen Brennstoffen mischt die SNB kräftig mit: Sie hält unter anderem Anteile an den zehn grössten Öl- und Gasgesellschaften der USA im Umfang von über 1,3 Milliarden Dollar.

Nationalbank – Es formiert sich zarte Kritik

Doch nun formiert sich zarte Kritik an der Anlagepolitik der SNB. Der Nationalrat berät in der Sommersession ein Postulat der Wirtschaftskommission mit dem Titel «Nachhaltigkeitsziele für die Schweizerische Nationalbank». Darin fordert eine Kommissionsmehrheit einen Bericht vom Bundesrat, der unter anderem aufzeigen soll, «welche proaktive Rolle die SNB in der Koordination von Klimamassnahmen im Finanzsektor» einnehmen kann. Der Bundesrat unterstützt das Postulat: «Möglichkeiten und Grenzen von Nachhaltigkeitszielen im Rahmen der Anlagepolitik der SNB» seien zu analysieren und zu diskutieren. Nicht zuletzt, weil Klima- und Umweltrisiken im Zusammenhang mit der SNB vermehrt debattiert würden.

Marc Chesney leitet das Institut für Banking und Finance an der Universität Zürich. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt die Umweltökonomie. Für ihn ist klar: «Die Nationalbank sollte nachhaltig anlegen.» Die Schweiz habe sich mit der Ratifikation des Pariser Klimaabkommens schliesslich dazu verpflichtet, die Finanzflüsse entsprechend anzupassen. «Dieser Grundsatz gilt auch fürs Anlageportfolio der Nationalbank, das sich nach den Klimazielen, also einer Erwärmung um maximal 1,5 bis 2 Grad, zu richten hat.» Konkret bedeute dies für Chesney, dass die SNB den Ausstieg aus Anlagen in Öl- und Gaskonzerne planen sollte. «Ohne klimafreundliche Investitionspolitik drohen auf dem gigantischen Fremdwährungs-Portfolio der SNB Transitionsrisiken, beispielsweise massive Bewertungsverluste auf fossilen Anlagen», prophezeit Chesney. Die jüngsten Verwerfungen beim Ölpreis seien nur ein Vorgeschmack auf schlummernde Klimarisiken in der SNB-Bilanz, warnt der Professor.

Nicht öffentliche Schwarze Liste

Die Nationalbank dagegen verteidigt ihre Anlagepolitik: Man orientiere sich mit dem passiven Ansatz für Aktien an der Realität der Finanzmärkte und der Wirtschaftsstruktur. «Die Anlagepolitik der SNB hemmt einen Strukturwandel somit nicht, sondern ein solcher Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft reflektiert sich mit dem gewählten Ansatz automatisch in ihrem Portfolio.» Es sei nicht Teil des Auftrags der SNB, Struktur- oder Sektorenpolitik zu betreiben und damit wirtschaftlichen, politischen oder gesellschaftlichen Wandel zu befördern oder zu behindern. Dies zu tun, liege im Verantwortungsbereich der Politik.

Ganz so strikt handhabt sie die Passivität dann aber doch nicht. Die SNB führt eine Ausschlussliste an Unternehmen, in die sie bewusst nicht investiert. Diese «Blacklist» veröffentlicht sie allerdings nicht. Nur die groben Kriterien sind bekannt: Man erwerbe keine Aktien von Unternehmen, die grundlegende Menschenrechte massiv verletzen, systematisch gravierende Umweltschäden verursachen oder in die Produktion international geächteter Waffen involviert sind. Unter geächteten Waffen verstehen die Nationalbanker um Präsident Thomas Jordan B- und C-Waffen, Streumunition und Personenminen. Zusätzlich erwerbe man auch keine Aktien von Unternehmen, die in die Produktion von Nuklearwaffen für Staaten involviert sind, die nicht zu den legitimen Atommächten gemäss UN zählen.

Die schlimmsten Unternehmen sortiert die SNB also aus. Sabine Döbeli, Chefin von Swiss Sustainable Finance (SSF), würde sich jedoch mehr wünschen: Einzelne Klimasünder wie Ölsand-Förderer oder Kohlestrom-Konzerne aus dem SNB-Anlageuniversum auszuschliessen, mache durchaus Sinn: «Da besteht durchaus noch Nachholbedarf.» Ansonsten rät die ESG-Expertin aber zur Zurückhaltung gegenüber einer klar zielgerichteten Nachhaltigkeitsstrategie: «Die Aufgabe der SNB ist in erster Linie, für Währungs- und Preisstabilität zu sorgen, und nicht, aktive Klimapolitik zu betreiben.» Sie warnt deshalb davor, die Sustainable-Strategien anderer europäischer Zentralbanken mit jener der Nationalbank zu vergleichen: Ein solch grosses Devisenportfolio wie jenes der SNB zu bewirtschaften, verlange eine andere Herangehensweise. Dennoch gebe es durchaus Möglichkeiten, auch im passiven Währungsreserve-Portfolio der SNB gewisse Anlageakzente zu setzen. «Da sollte die SNB ihren Spielraum noch besser ausnutzen.» Die SSF-Chefin nennt passive CO2-reduzierte Anlagen auf Basis von Klimaindizes, die Klimarisiken reduzieren helfen und dabei kaum Nachbildungsfehler gegenüber klassischen Börsenindizes aufweisen. «Passiv und nachhaltig zu investieren, schliesst sich nicht aus», sagt Döbeli.

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Gelbe Sippenhaft

Postfinance Das Staatsinstitut hat Margendruck und braucht Kapital. Doch die Politik schiebt die Aufhebung des Kreditverbots auf die lange Bank.

Die einstige Cashcow im Postkonzern droht zum mageren Rindvieh zu werden. Die Rede ist von der Postfinance, deren Geschäft derzeit einen regelrechten «Margensqueeze» erlebt. Man habe in den letzten fünfzehn Monaten rund 200 Millionen Franken an Zinsmarge verloren, sagt Sprecher Johannes Möri. Die Gesamtzinsmarge reduzierte sich in dieser Zeitspanne um fast 20 Basispunkte auf noch 0,642 Prozent per Ende März. Selbst eine allfällige Zinswende würde Postfinance vorderhand nicht viel helfen, mahnt Möri: «Dieser negative Trend wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen, da immer noch laufend gut verzinste Obligationen verfallen, die wir nur noch zu sehr tiefen Renditen anlegen können.»

Die Ertragsdramatik wird auch von höchster Stelle bestätigt. So weist die Nationalbank in ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht eine Rendite auf Vermögenswerte für die Postfinance im 2017 von 0,11 Prozent aus. Weniger als halb soviel wie im Vorjahr und der tiefste Wert seit 2013. Zum Vergleich: Der Durchschnitt über alle Banken liegt bei 0,42 Prozent – fast viermal so viel.

Reduzierte Effizienz

Die SNB macht denn auch beim gelben Staatsinstitut einen Rückgang der Profitabilität im Zinsgeschäft aus, gepaart mit einer Zunahme an Kreditausfälle, Wertanpassungen und Rückstellungen sowie einer «reduzierten Effizienz». Nicht verwunderlich also, dass Postfinance-Chef Hansruedi Köng nun an der Sparschraube dreht: 500 Vollzeitstellen sollen bis Ende 2020 verschwinden – das ist jeder siebte Arbeitsplatz. Zugleich werden die Gebühren für Millionen Kunden erhöht. Und noch dürfte damit das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein.

Zugleich werden Köngs Appelle an die Politik immer schriller: Nur wenn das Kreditvergabeverbot gelockert werde, könne der Fortbestand des Unternehmens gesichert werden, klagte er kürzlich. Die Postfinance ist nämlich bislang nur eine halbe Bank. Das Postgesetz untersagt ihr, selbständig Hypotheken und Firmenkredite vergeben. Sie wird damit gezwungen, ihre verwalteten Vermögen über 110 Milliarden Franken grösstenteils an den ausländischen Kapitalmärkten in sichere, aber renditearme Staatspapiere anzulegen oder bei der Nationalbank zu parkieren. Was im Negativzinsumfeld dazu führt, dass sich der Sparbatzen gleichsam selbst auflöst.

Ungehörte SOS-Rufe

Die Zeit drängt. Denn selbst wenn das Kreditverbot fallen sollte, geschieht der Aufbau eines eigenen Darlehens- und Hypothekargeschäfts nicht über Nacht. «Umso wichtiger ist es, dass die Politik diesbezüglich nun rasch handelt», sagt der Postfinance-Sprecher.

Doch die SOS-Rufe aus der Zentrale des gelben Riesen verklingen in der Wandelhalle des Bundeshauses ungehört. Sie gehen unter in der Empörungswelle, welche dem gelben Riesen derzeit im Zuge des Postauto-Skandals entgegenschwappt. Der einen Posttochter mehr unternehmerischen Spielraum gewähren, während die Konzernleitung es zuliess, dass bei der anderen Tochter Postauto Gewinne verschleiert und unrechtmässige Subventionen erschlichen wurden? Das geht für manche Politiker gar nicht, auch wenn die Postfinance damit vom Konzern in Sippenhaft genommen wird. «Andere Banken müssen auch restrukturieren», meint CVP-Präsident Martin Candinas. Ein Anlass, etwas zu ändern, bestehe nicht. Noch schreibe die Postfinance ja schwarze Zahlen.

Falscher Zeitpunkt

Der gelbe Riese hat in Bundesbern derzeit eben kaum Goodwill. Exemplarisch dafür steht das Vorgehen von SVP-Nationalrat Thomas Müller. Der Ostschweizer erklärte in der zweiten Juniwoche gegenüber Medien, er werde einen Vorstoss einreichen, der verlange, dass Postfinance mindestens im Hypothekenmarkt tätig werden dürfe. Doch es blieb bei der Ankündigung – und der Vorstoss totes Papier. «Ich habe es mir anders überlegt», erklärt Müller nun zerknirscht. Nach Rücksprache mit anderen Exponenten aus Politik und Verwaltung, sei er zum Schluss gekommen, dass es der falsche Zeitpunkt sei, sich für mehr unternehmerische Freiheit für die Postfinance einzusetzen.

Bereits im März hatte die grünliberale Partei die Postfinance-Problematik aufgegriffen. Sie will es dem Staatsinstitut erlauben, sich der Fesseln im Kreditgeschäft zu entledigen. Dies allerdings zum Preis, dass die Staatsbank privatisiert wird. Parteipräsident Jürg Grossen sagt: «Das heutige Kreditverbot schränkt die Postfinance auf dem Markt unnötig ein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Institut in die roten Zahlen rutscht.» Der Berner Nationalrat sieht deshalb grosse Risiken auf den Bund zukommen: «Solange die Postfinance dem Bund gehört müssen im Insolvenzfall die Steuerzahler geradestehen. Das darf nicht sein.»

Wichtigster Gewinnlieferant

Die Postfinance-Führung könnte mit einer ganzen oder teilweisen Verselbständigung gut leben – Hauptsache, das Kreditverbot fällt. «Wenn eine (Teil-)Privatisierung die Voraussetzung dafür ist, dass das Kreditverbot fällt, dann sollten wir diesen Weg unbedingt gehen», erklärt Postfinance-Sprecher Möri. Doch stehen die Chancen, dass das Parlament die Finanztochter der Post-Tochter in die Freiheit entlässt, derzeit bei nahezu Null. Die Linke sperrt sich dagegen, weil sie die Grundversorgung gefährdet sieht. Und viele bürgerliche Politiker lehnen den Schritt ab, weil das Institut als wichtigster Gewinnlieferant des gelben Riesen Garant war für die jährliche Dividende von 200 Millionen Franken an den Bund.

Nun ruhen die Hoffnungen der Post-Manager auf dem Bundesrat. Er soll dem kriselnden Institut aus der Patsche helfen. Derzeit beschäftigen sich gleich zwei Departemente damit, wie es mit der Finanztochter der Post weiter gehen soll. Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) ist derzeit daran zu definieren, wie der Grundversorgungsauftrag der Staatsbank künftig aussehen soll. Und dabei steht auch die Aufhebung des Kreditvergabeverbots zur Disposition.

Zugleich prüft das Finanzdepartement derzeit verschiedene Varianten zur Aufstockung des Eigenkapitals. Als systemrelevante Bank ist Postfinance gezwungen, bis zu 2 Milliarden Franken zusätzliches Eigenkapital einzuschiessen. Dies schreibt die Eigenmittelverordnung vor, die der Bundesrat unlängst verabschiedet hat. Der beste Weg aus Sicht von Postfinance wäre, dass der Bund als ultimativer Eigner den zusätzlichen Finanzierungsbedarf übernimmt.

Unattraktives Investment

Der Bundesrat könnte die gelbe Bank allerdings auch zwingen, das Eigenkapital aus eigener Kraft zu erwirtschaften beziehungsweise sämtliche Gewinne einzubehalten – was ohne Aufhebung des Kreditverbots ein schwieriges Unterfangen sein dürfte. Schliesslich könnte die gelbe Bank das Kapital auch über eine Teilprivatisierung der Postfinance einsammeln. Solange dem Institut aber der Einstieg ins Kredit- und Hypothekargeschäft verwehrt bleibt, dürfte das Unternehmen für Investoren unattraktiv sein. «Niemand beteiligt sich an einer Bank, die keine Kredite vergeben darf», sagt Postfinance-Sprecher Johannes Möri.

Ringt sich der Bundesrat dazu durch, das Kreditverbot für Postfinance aufzuheben, gehen allerdings jene Banken auf die Barrikaden, welche in den vergangenen Jahren das Hypothekengeschäft forciert haben. «Der Schweizer Kredit- und Hypothekarmarkt funktioniert gut. Die Kunden profitieren dank dem starken Wettbewerb von zahlreichen Anbietern und einem grossen Angebot», sagt Christian Leugger, Sprecher des Verbands der Schweizerischen Kantonalbanken. Da es kein Marktversagen gebe, lehne man eine Aufhebung des Kredit- und Hypothekarverbots von Postfinance ab. Alexandra Perina-Werz, Leiterin Politik von Raiffeisen betont, dass es die geltende Bundesverfassung nicht zulasse, dass die Post eine Bank betreibe. Zu diesem Schluss sei ein Gutachten des Bundesamtes für Justiz bereits im Jahr 2006 gekommen.

Ursprünglich war geplant, dass der Bundesrat bereits im Juni einen Richtungsentscheid über die Zukunft von Postfinance fällt. Doch im aufgeheizten Klima rund um die Post, scheint ihm das schwer zu fallen. Mittlerweile hat der Bundesrat den Beschluss vertagt – er will erst im Spätsommer oder Herbst über die Thematik einen Beschluss fassen. Bis dann sollte sich immerhin der Pulverdampf der Postautoaffäre verzogen haben.

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Regulatorische Arbitrage

Negativzins Auf den ersten Blick mag es stossend sein. Banken münzen die Negativzinsen der SNB zu ihren Gunsten um. Sie füllen ihre Freigrenze mit Geld anderer Institute und Institutioneller auf, und zwar bis zum maximal zinsfrei Möglichen. Auf dieser Liquiditätshaltung für Dritte verlangen die Banken schliesslich eine Gebühr, die günstiger ist als jener Strafzins von 0,75 Prozent der Nationalbank. Unterlaufen diverse Staatsbanken damit aus reiner Profitsucht die Geldpolitik der SNB und schaden so der unter dem starken Franken ächzenden Volkswirtschaft? Die Antwort lautet kurz und bündig: Nein.

Die regulatorische Arbitrage der Geschäftsbanken mag wie ein Bubentrickli anmuten, hilft aber – in Tat und Wahrheit – die Kollateralschäden der Negativzinsen zu reduzieren. Im platten Marketingjargon würde man von einer Win-win-Situation sprechen. Denn der seit Ende 2014 geltende Meccano der Negativzinsen führt dazu, dass beispielsweise Privatbanken mit der ziemlich risikofreien Vermögensverwaltung übermässig von Strafzinsen tangiert sind. Ihr Freibetrag fällt vergleichsweise mickrig aus. Die üppigen Puffer der Geschäftsbanken können nun also helfen, diese Ungleichbehandlung etwas abzufedern. Indem die Privatbanker auf ihrer Überschussliquidität nicht den vollen Negativzins an die Währungshüter abliefern müssen. Sondern etwas weniger an ihre Bankkollegen.

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Billige Alternative

Negativzins Banken machen aus der SNB-Politik ein Geschäft. Sie offerieren anderen Anlegern tiefere Strafzinsen als die Nationalbank.

Geschäftsbanken drohen gern damit, die seit Dezember 2014 geltenden Negativzinsen der Nationalbank auf Privatkunden abzuwälzen. Kleinere Institute wie der Börsenbroker Swissquote und die Alternative Bank tun dies bereits. Inzwischen rütteln aber auch gewichtige Finanzplayer am Tabu. Migros-Bank-Chef Harald Nedwed denkt laut über die Weitergabe der Negativzinsen nach. UBS-Chef Sergio Ermotti nimmt seine vermögende Kundschaft ins Visier. Und in Deutschland knöpft eine Raiffeisenbank ihren solventen Sparern bereits Strafzinsen ab.

Im branchenweiten Wehklagen über die schädliche SNB-Politik geht gerne vergessen, dass die Negativzinsen für zahlreiche Schweizer Banken auch ein gutes Geschäft sein können. Denn längst nicht alle Institute stossen mit ihren Geldern an die Freibetragsgrenze. Ab dieser Grenze müssen die Banken der Nationalbank Strafzinsen von 0,75 Prozent bezahlen.

So sagte Roland Ledergerber – Chef der St. Galler Kantonalbank – jüngst öffentlich, man benötige nur rund 2,7 der 3,4 Milliarden Franken Freibetrag selbst. Dieser Spielraum wird im ordentlichen Geschäft benötigt, aber auch gegen Gebühr Dritten zur Verfügung gestellt. Zur Bewirtschaftung der Freigrenze nimmt die SGKB beispielsweise kurzfristige Geldanlagen von ausländischen Investoren entgegen, sagt Sprecher Simon Netzle. Dabei ist auch klar, dass der Zinssatz tiefer sein muss als jene 0,75 Prozent, welche die Nationalbank ihren Girokonto-Inhabern verrechnet. Die aktive Bewirtschaftung der Freigrenze ist profitabel: Anlässlich des Halbjahres-ergebnisses sprach SGKB-Chef Ledergerber von einem Ertrag im tiefen, einstelligen Millionenbereich.

Überschüssiges Geld

Nicht nur die St. Galler betreiben die Negativzins-Arbitrage. Die Regionalbanken-Gruppe Clientis kommt auf eine Freigrenze von 1 Milliarde Franken, die sie im ersten Halbjahr nahezu ausgeschöpft hat. Zur Ausschöpfung der Freigrenze bei der SNB haben andere Finanzdienstleister und institutionelle Anleger überschüssige Gelder bei uns angelegt und dafür einen geringeren Negativzins als bei der SNB bezahlt, sagt Sprecher Stefan Kaspar. Clientis konnte so den Zinserfolg im ersten Halbjahr um 350 000 Franken verbessern.

Auch die Berner Valiant konnte in der gleichen Periode fünf Basispunkte Ertrag aus dem Umfeld der Negativzinsen erwirtschaften, wie die Bank mitteilt. Dies bei einer Freibetragsgrenze von 2,8 Milliarden Franken. Allerdings reiche die aktive Bewirtschaftung bei Valiant nicht aus, um wegfallende Erträge wegen der Negativzinsen zu kompensieren.

Dass zahlreiche Retail- und Staatsbanken überhaupt an den Negativzinsen verdienen können, liegt im Meccano der Freigrenze begründet. Die Freigrenze entspricht nämlich dem 20-Fachen der Mindestreserve, die eine Bank bei der SNB halten muss. Die Mindestreserve bemisst sich prozentual an den kurzfristigen Verbindlichkeiten der Bank gegenüber Sparkunden und anderen Instituten. Kantonal- und Retailbanken haben naturgemäss mit ihrem Zinsdifferenzgeschäft grosse Spareinlagen und müssen eine entsprechend hohe Mindestreserve bei der SNB halten – was wiederum zu einer relativ hohen Freigrenze führt. Ganz im Gegensatz zu Privatbanken, deren Vermögensverwaltungsgeschäft kleine Mindestreserven verlangt. Entsprechend tiefer sind die Freibetragsgrenzen, sodass Vermögensbanken ihre überschüssige Liquidität bei anderen Geschäftsbanken parkieren müssen, wollen sie nicht der SNB direkt die vollen 0,75 Prozent abliefern.

Die Währungshüter bleiben indes gelassen. Schon bei der Einführung der Negativzinsen habe man mit dieser Freibetrags-Praxis gerechnet, heisst es aus SNB-Kreisen. Beunruhigt sei man deswegen nicht, vielmehr sei es eine natürliche Folge davon, dass einige Institute durch die Negativzinsen stärker zur Kasse gebeten würden als andere.

Bereits kurz nach Einführung der Negativzinsen hatte der damalige SNB-Vize Jean-Pierre Danthine der Handelszeitung gesagt: Vermutlich wird man noch eine gewisse Umschichtung der Gelder zwischen den einzelnen Banken beobachten. Diese Umschichtung manifestiert sich jetzt in den Bilanzen (siehe Grafik). Doch darüber sprechen wollen viele Banken lieber nicht.

So schnellte bei der Schwyzer Kantonalbank der Bilanzposten Verpflichtungen gegenüber Banken von Ende 2014 auf 2015 von 50 auf 800 Millionen Franken, was einer Verfünfzehnfachung entspricht. Man betreibe ein aktives Liquiditätsmanagement, heisst es dazu lapidar bei der SZKB. Bei der Zuger KB verzehnfachte sich der Wert, wenngleich auf bescheidenem Niveau, von 2 auf 23 Millionen Franken. Details zum Bilanzmanagement kommuniziere man im Hinblick auf die Wettbewerbssituation im Markt nicht, so die Zuger KB.

Insgesamt stiegen von 2014 auf 2015 bei allen 26 Kantonalbanken die Verpflichtungen gegenüber Banken um 11 Milliarden Franken oder gut 22 Prozent. Ein Indiz, dass andere Institute die Kantonalbanken als preiswerte Negativzins-Alternative zur SNB nutzen.

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Welttheater in Basel

Geldpolitik Die wichtigsten Währungshüter treffen sich regelmässig in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Auch nach dem Brexit.

Dunkle Limousinen gleiten scheinbar lautlos in die schützende Tiefgarage des Turms zu Basel. Der abgeschirmte Fahrzeugtross kommt vom Flughafen her. In den abgedunkelten Fonds sitzen die mächtigsten Zentralbanker der Welt: Mario Draghi, Zhou Xiaochuan, Janet Yellen.

Das monetäre Stelldichein hat Tradition. Seit ihrer Gründung in den 1930er-Jahren (siehe Timeline) treffen sich die wichtigsten Notenbanker alle zwei Monate am Sitz der BIZ, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Untergebracht ist sie im markanten, 18-stöckigen Rundturm gleich beim Basler Bahnhof.

Die Stippvisiten der Zentralbanker haben enormes Gewicht. Für ein kurzes Wochenende wird Basel zur Kapitale der Hochfinanz, zum Mekka der Geldpolitik. So auch Ende Juni, am Wochenende nach dem historischen Brexit-Entscheid, als die Finanzmärkte verrücktzuspielen drohten. Nach dem Brexit gab es viele Diskussionen – formelle wie informelle, sagt Peter Dittus, Generalsekretär der BIZ, im Gespräch mit der Handelszeitung. Worüber die Zentralbanker genau gesprochen haben, lässt er freilich offen: Nur so kann die Information frei fliessen.

Eines ist sicher: Am Brexit-Wochenende spielte die BIZ ihre Qualitäten als verschwiegenster Männerclub der Welt (Spiegel) einmal mehr voll aus. Im Turm am Rheinknie stimmten die Währungshüter ihr Vorgehen ab, nachdem die Briten Brüssel die kalte Schulter gezeigt hatten. Die praktisch gleichlautenden Communiqués führender Zentralbanken sind Ausfluss der Debatten im BIZ-Turm.

Ob nun symbolische Statements oder handfeste Marktinterventionen, Basel bildet Klammer wie Blaupause für spätere Beschlüsse der Notenbanker in der Heimat. Die Hauptaufgabe der BIZ ist es, die Leute zusammenzubringen und einen informellen Meinungsaustausch zu fördern, ohne dass dies in einem Communiqué festgehalten werden müsste, sagt Dittus.

Es ist diese ungezwungene Clubatmosphäre fernab politischer Druckversuche und medialer Shitstorms daheim, welche die führenden Zentralbanker an der BIZ so schätzen. Den Spirit of Basel, diese entspannte Kameradschaft, brachte einst Péter kos Bod, Ex-Gouverneur der ungarischen Nationalbank, auf den Punkt: Die hauptsächlichen Gesprächsthemen waren die Weinqualität und die Dummheit der Finanzminister.

Apropos Wein. Das Lager im Keller des Basler Turms gilt als legendär. Doch BIZ-Mann Dittus beschwichtigt: Das klingt immer so toll. Wir bewirtschaften den wahrscheinlich bescheidener als jedes gute Restaurant. Wir haben ein paar gute Weine, die in Kühlschränken gelagert werden. Der Rest werde kurzfristig beschafft.

Allerdings passt das Kredenzen edler Tropfen zum klandestinen Bankers Club. Wenn sich die Herren der Finanzwelt im 18. Stock – hoch über den Dächern von Basel – am obligaten Sonntagabend-Dinner zuprosten, dann trägt dies ebenso zur Mythenbildung bei wie der extraterritoriale Status der Bank. So ist die BIZ – wie die Vereinten Nationen in Genf – durch ein Sitzabkommen geschützt. Bank wie ausländische Angestellte zahlen keine Steuern. Schweizer Polizei wie Justiz haben kein Durchgriffsrecht im Turm.

Unverletzbar ist aber auch der bankeigene Country Club vor den Toren Basels. Ob Tennis, Schwimmen oder Yoga – auf der Sportanlage der BIZ können die Währungshüter ihre geldpolitischen Sorgen ausschwitzen. Der Club werde hauptsächlich von Mitarbeitern, aber auch von Zentralbankern genutzt, sagt Dittus, und fügt an: Allerdings haben die Zentralbanker heute weniger Zeit dafür als früher.

Kein patriarchaler Debattierclub mehr

Die Zeiten betulicher BIZ-Treffen sind nämlich vorbei. Der Sitzungsdruck sei hoch, so der Generalsekretär. Debattiert werde an einem Notenbank-Wochenende von halb acht Uhr morgens bis spät in die Nacht. Technologischer Fortschritt, Deregulierung und Globalisierung haben die Finanzmärkte zu so komplexen wie fluiden Gebilden gemacht. Gleichzeitig hat die Finanzkrise die Rolle der Währungshüter erweitert. Die Krisenbewältigung hat die Inflationswächter zu monetären Heilsbringern von Wachstum und Wohlstand gemacht, die nebenbei noch das Bankensystem zu retten haben. Die Mehraufgaben haben auch die BIZ verändert. Aus dem patriarchalen Debattierclub ist ein akademisches Fachgremium geworden: Ob Finanzstabilität, Bankenaufsicht oder Schwellenländer – die Zahl der Ausschüsse wächst stetig.

Dabei geht gerne vergessen, dass die BIZ auch eine richtige Bank ist. Eine grosse Bank, die jedes Jahr Hunderte Millionen Franken an steuerfreien Gewinnen erwirtschaftet (siehe Grafik). Im Prinzip können Sie sich die BIZ vorstellen wie eine Raiffeisenkasse, sagt Dittus. Die Kunden seien die 60 Zentralbanken als Aktionäre sowie weitere internationale Organisationen. Sie suchen bei der BIZ Sicherheit und legen in erster Linie hochliquide Assets an. Man stehe dabei im vollen Wettbewerb mit Geschäftsbanken und Anlagehäusern. Wenn wir überzogene Preise hätten, würden die Zentralbanken ihr Geld einfach woanders anlegen.

Mit den Gewinnen finanziert die BIZ letztlich auch ihre Forschung, deren Schwerpunkt sich ebenfalls verändert hat. Die Ausrichtung auf Geldpolitik und Wechselkurse musste einer Analyse der Banksysteme Platz machen. Denn die Börsen- und Finanzkrisen der 1990er-Jahre hatten gezeigt, dass die Abhängigkeiten unter den Banken die Märkte instabil machen. Die Notenbanker dürsteten nach Grundlagenwissen. Heute sind Zentralbanker typischerweise Universitätsprofessoren, sagt Dittus. Diese verlangen vor den Sitzungen handfeste Analysen, die über Lageberichte hinausgehen.

Schliesslich wissen die Notenbanker um den Basler Datenschatz. Bereits Ende der 1970er-Jahre begann die BIZ mit der statistischen Erfassung der Bankenwelt. Einiges ist öffentlich zugänglich, vieles nicht. Je detaillierter die Daten auf einzelne Banken eingehen, umso brisanter werden die Statistiken. Und solche Statistiken gibt es im Turm zu Basel viele.

Eine wahre Superdatenbank existiert seit drei Jahren. Im geschlossenen Kreis weniger Länder vermittelt die BIZ Aufsichtsberichte über einzelne Institute. Die sind extrem vertraulich, darauf hat noch nicht einmal die BIZ selber Zugriff, sagt Dittus. Die Daten befänden sich auf eigenen Systemen in separaten Räumen, und sind übers Internet nicht zugänglich. Sie sind gefragt. Denn seit dem Kollaps von Lehman Brothers richtet sich das Augenmerk voll auf die gegenseitige, systemische Abhängigkeit von Grossbanken.

Und damit gerät die BIZ wieder in den Fokus der kritischen Öffentlichkeit. Wusste früher kaum einer, wofür die drei Buchstaben stehen, steht die Bank heute auf den Listen von Systemkritikern. Wir sind interessant als Ziel für Angriffe, sagt Dittus. Im vergangenen Jahr beispielsweise rief das Hacker-Kollektiv Anonymous zur Operation Ikarus mit Angriffen auf wichtige Geschäfts- und Notenbanken auf.

Aufgerüstet wurde auch der Personenschutz. Wie, sagt Dittus nicht. Klar ist aber: Wenn sich prominente Notenbanker wie Mario Draghi oder Janet Yellen treffen, braucht es heute mehr Sicherheit als früher. Nahmen die Notenbanker noch vor wenigen Jahren zu Fuss den Vordereingang, bekommt man heute nicht mehr viel davon mit, wenn die Währungshüter im Turm zu Besuch sind. Das ist die grosse Kunst der BIZ: Sicherheit durch Unscheinbarkeit.

Nicht nur Angriffe von aussen bedrohen die BIZ, auch deren zunehmende Grösse ist ein Problem. Die Bank in den letzten 20 Jahren stark gewachsen, als mehrere Schwellenländer Mitglieder wurden, weil sie auf den Finanzmärkten an Gewicht gewannen. Doch mit der Grösse geht das Familiäre verloren, die Vertrautheit. Die Lust auf mehr Mitglieder hat deshalb merklich abgenommen. Einen Anspruch auf Mitgliedschaft gebe es nicht. Die Bisherigen entscheiden über Neue. Wir sind ein Club, sagt Dittus.

Keinen Anspruch auf Wahrheit

Es ist erstaunlich, wie es einer internationalen Institution bis heute gelingt, so intransparent zu bleiben, sagt Theresia Walser. Sie ist keine Globalisierungsgegnerin, sondern Buchautorin. Im Auftrag des Theaters Basel hat Walser ein Stück über die BIZ geschrieben, das im September Premiere hat.

Walser schrieb eine Groteske. Sie habe keinen dokumentarischen Ansatz und auch keinen Anspruch auf Wahrheit. Was die Autorin interessiert hat, ist die Geheimgesellschaft. Die Welt der verschwiegenen Treffen alter Männer, die über das Finanzsystem spotten, ist ihre Bühne für eine fiktive Geschichte. Dieser Ort ist einzigartig, er weckt Fantasien, sagt sie. Kurz vor dem Dinner der Notenbanker, bei dem zwei gehörlose Saaltöchter Köstlichkeiten und edle Tropfen kredenzen, wird einer der Notenbanker tot aufgefunden. Man beschliesst, das Ereignis zu verheimlichen. Doch einer der Banker bricht das Schweigegebot und bringt das System zum Wanken. Plötzlich steht die Bank im öffentlichen Fokus. Vor dem Haus postieren sich Demonstranten. Das Fernsehen taucht auf und will wissen, was hinter den getönten Fenstern der Bank abläuft.

Walser kennt die Bank nur von aussen, Kontakt mit den realen Bankern hatte sie keinen. Bei der BIZ hat man Kenntnis von ihrem Theaterprojekt. Die Autorin ist interessant, sagt Generalsekretär Dittus. Er gehe sich die Premiere anschauen. Die Geschichte erinnere ihn an Dürrenmatts Der Sturz. Auch dieses handelt von Sitzungen im Verborgenen, von Machtspielen und Intrigen. Bühne ist jedoch keine Bank, sondern das Politbüro der Sowjets.

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Jordan muss jetzt Luft ablassen

Immobilienblase Mark Carney gilt als einer der besten Notenbanker der Welt. Er führte Kanada ohne Blessuren durch die Finanzkrise. Nun leitet Carney als Gouverneur die Bank of England – der erste Ausländer in der 322-jährigen Geschichte. Kürzlich nahm sich BoE-Chef Carney die Geschäftsbanken zur Brust. Er forderte in einem Thesenpapier strengere Vergabekriterien für gewisse Kategorien von Hypotheken, um das zunehmende Risiko von exzessiven Kreditverlusten einzudämmen. Der Grund für Carneys regulatorischen Eifer sind die Bankkredite zum buy to let, also die Immobilienfinanzierung zur Vermietung (BTL).

Jeder Zinsschritt droht den gehebelten Landlords die Luft abzuschnüren

In Grossbritannien grassiert BTL. Die Tiefstzinsen befeuern die Kreditvergabe. Die Liegenschaftspreise schiessen in die Höhe. Auf der Suche nach Rendite verschulden sich einfache Bürger für Zweitund Drittwohnungen bis unter die Dachkante und werden so zu hochgehebelten Landlords, denen jede Zinserhöhung die Luft abzuschnüren droht. Mittlerweile haben die BTL-Kredite das Vor-Finanzkrisenvolumen erreicht und wachsen munter weiter.

Wer jetzt meint, der Mahnfinger des Superbankers Carneys müsse die Schweiz nicht kümmern und BTL sei bloss ein britisches Problem, der sieht sich getäuscht. Mit Betongold zu spekulieren ist nämlich auch in der Schweiz zum Volkssport mutiert. Obwohl die meisten Geschäftsbanken keine BTL-Zahlen veröffentlichen, gehen Schätzungen davon aus, dass hierzulande bereits jede fünfte Eigentumswohnung der Kapitalanlage dient. Besondes bedenklich: Gerade ältere Semester sehen in BTL ein probates Mittel, ihre Altersvorsorge abzusichern.

Es ist ein Tanz auf dem Vulkan. Denn entgegen den Beschwichtigungen aus der Bank- und Baubranche ist von einer sanften Landung auf dem Wohnungsmarkt wenig zu spüren. So steigt der Immobilienblasenindex der UBS kontinuierlich weiter und erreicht mittlerweile Werte, die letztmals Ende der 1980er-Jahre gemessen wurden. Auch das Verhältnis von Hypotheken zum Bruttoinlandprodukt entspricht den damaligen Indikatoren. Also kurz vor dem Immo-Crash, der die Schweiz für ein Jahrzehnt in die Wachtumsanämie riss. Es ist deshalb höchste Zeit, dass die SNB um Präsident Thomas Jordan ihr Arsenal an makroprudentiellen Massnahmen aufrüstet – um der Blase die Luft abzulassen.

Gefragt sind Eingriffe, die das Wohnungs-Monopoly einschränken

Jordans bisherige Waffe – der lächerlich tiefe, antizyklische Kapitalpuffer – hat nämlich bloss homöopathische Wirkung entfaltet. Gefragt sind Eingriffe, die dem brandgefährlichen Wohnungs-Monopoly den Riegel schieben. Singapur macht es vor. Dort sinkt die zulässige Belehnungsquote drastisch für Zweit- und Drittwohnungen. Zugleich erhebt der Stadtstaat Steuern auf Immobilien, die innert weniger Jahre wieder veräussert werden. Aber auch die Banken werden ausgebremst, indem ihre Bilanz nur zu 35 Prozent aus Hypo-Krediten bestehen darf. Diese regulatorischen Eingriffe mögen drastisch sein. Aber die Folgen eines Immo-Crashs sind es auch.