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Villenbauer Patric Simmen gegen Autohändler

Patric Simmen Er baut für das Who’s who der Schweizer Wirtschaft. Nun droht dem Immobilienprofi Simmen wegen eines Firmenverkaufs Ärger.

«Endlich Urlaub», postet Patric Simmen auf seiner öffentlichen Facebook Page Anfang Oktober 2019. Der Schwyzer Immobilienprofi jettet sodann in der Business Class nach Dubai ins Fünf-Sterne-Luxusresort. Kurz zuvor hat sich Simmen einer seiner Firmen entledigt. Es geht um das Generalund Totalunternehmen Simmen Construct mit Sitz im Kanton Schwyz. In einem knappen Schreiben im September 2019 an Bauherren und Geschäftspartner lässt Simmen diese wissen, er habe die Firma bereits im Januar an einen neuen Aktionär verkauft. Die Firma heisse nun Magnum Services. Sie handelt fortan mit Autoteilen im solothurnischen Grenchen.

Das Schreiben von Patric Simmen

Wenige Monate nach Simmens Schreiben, im Frühjahr 2020, wird gegen Magnum der Konkurs eröffnet. Was bleibt, sind konsternierte Bauherren und offene Forderungen von mehr als einer halben Millionen Franken. «Wir werden gegen die verantwortlichen Organe der AG Strafanzeige erstatten», sagt Christoph Studer vom Konkursamt Solothurn. Da die Firma unmittelbar vor Konkurseröffnung den Sitz in den Kanton Solothurn wechselte, werde man prüfen, ob die Strafanzeige nebst der Solothurner Staatsanwaltschaft auch der Staatsanwaltschaft des Kanton Schwyz zugestellt werde. Für Patric Simmen dürfte der Firmenverkauf damit ein juristisches Nachspiel haben. Simmens Rechtsvertreter, Patrick Sutter, weist jeden Vorwurf unrechtmässigen Handelns von sich. Sein Mandant stehe seit Jahrzehnten jeweils mit eigenen Mitteln ein, wenn eines seiner Unternehmen Mittelbedarf habe. Er verfüge deshalb auch über hohe Guthaben gegenüber seinen Gesellschaften.

Opulente Räume für Kryptobank

Der Immobilienfachmann Patric Simmen machte sich in den letzten zwanzig Jahren einen Namen als Villenbauer der hiesigen Wirtschaftsprominenz. Ob Blackrock-Mann David Blumer, Avaloq-Gründer Francisco Fernandez, CS-Rechtschef Romeo Cerutti oder eine Bank-Vontobel-Erbin: sie alle liessen sich von Patric Simmen ihre Wohnträume erfüllen. Über 300 Projekte soll der gelernte Hochbauzeichner gemäss «Bilanz» realisiert haben. Zuletzt machte Villenbauer Simmen vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Guido Buehler, dem Chef der Zuger Kryptobank Seba, von sich reden. Für Seba gestaltete Simmen die opulenten Innenräume am Sitz in einem denkmalgeschützten Zuger Altstadthaus.

Während Simmen neue Projekte mit Schwung vorantreibt, holt ihn nun ein Firmenverkauf ein. Der Bauunternehmer informierte in seinem Schreiben vom 12. September 2019, welches der «Handelszeitung» vorliegt, er habe die Totalunternehmung Simmen Construct bereits im Januar 2019 an einen neuen Aktionär verkauft. Dennoch soll Simmen, gemäss einem Geschädigtenvertreter, noch bis in den Sommer letzten Jahres hinein verschiedene Bauprojekte betreut haben. Projekte, bei denen zum Teil noch Arbeiten angestanden wären. Doch nach dem Schreiben vom September sei Simmen für Bauherren wie für Geschäftspartner der Simmen Construct nicht mehr erreichbar gewesen, so der Geschädigtenvertreter.

Schon Brandanschläge verübt

Ab dann hiess die Firma auch nicht mehr Simmen Construct, sondern Magnum Services mit Sitz in Grenchen. Der neue Zweck: «Handel mit und Vermietung von Fahrzeugen und Fahrzeugbestandteilen aller Art». Besitzer ist der türkischstämmige Sevket Aras. Der ehemalige Kontaktbarbetreiber, auf den schon Brandanschläge verübt wurden, sagt am Telefon: Er habe eine Firmenhülle für seinen Autozubehörbetrieb gesucht. Ein Buchhalter habe ihm den Unternehmensmantel vermittelt. «Als ich die Firmenhülle der Simmen Construct übernommen habe, war sie praktisch schulden- und betreibungsfrei», so Aras. Zugleich behauptet der Autoteilehändler, er habe die Firma nicht im Januar 2019, wie von Simmen im Schreiben erwähnt, sondern erst im Sommer übernommen.

Gemäss Betreibungsregisterauszügen, welche der «Handelszeitung» vorliegen, hatte die Firmenhülle bei Sitzverlegung Betreibungen von knapp 15 000 Franken ausstehend. Nach der Übernahme seien aber immer mehr Betreibungen aus der früheren Bautätigkeit eingegangen, erklärt Aras. Schliesslich summierten sich die Forderungen bis im Frühjahr auf über eine halbe Millionen Franken. «Alle Betreibungen der Magnum sind nachweislich und dokumentiert zu praktisch 100 Prozent der früheren Simmen Construct zuzuordnen», sagt ein Geschädigtenvertreter.

Patric Simmen hat an neuen Aktionär übergeben

Simmens Rechtsanwalt Sutter betont dagegen, der Unternehmer habe die Simmen Construct nach Abschluss des letzten Projekts mit einem geringen Nettoguthaben an den neuen Aktionär übergeben. «Wie daraus ein Konkurs mit offenen Forderungen von 520 000 Franken entstehen konnte, entzieht sich seiner Kenntnis.» Simmen kenne den neuen Aktionär auch nicht persönlich, sondern dieser sei ihm von seinem damaligen Treuhänder vorgestellt worden. Er sei vom neuen Geschäftsinhaber weder über finanzielle Probleme informiert noch sonst wie kontaktiert worden.

Im Mai dieses Jahres jedenfalls wird der Konkurs über Magnum Services eröffnet. Besitzer und Verwaltungsrat Sevket Aras sieht sich als Opfer: «Ich habe 5000 Franken für die Firmenhülle bezahlt und konnte nichts damit anfangen.» Ende Juli stellt das Konkursamt Solothurn das Verfahren mangels Aktiven vorläufig ein. Mehrere Gläubiger haben nun Vorschuss für ein summarisches Verfahren geleistet. Auf den Konten der ehemaligen Simmen Construct finden sich bloss noch 295.10 Franken an flüssigen Mitteln. Gemäss Konkursamt betrug der Gesamtumsatz auf den diversen Firmenkonti bei der Valiant Bank in den letzten vier Jahren über 23 Millionen Franken.

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Engpass im Engadin

Patric Simmen Der Villenbauer der Promis kämpft mit Schwierigkeiten. Die Bank Julius Bär hat ihm eine Kreditzusage über 38 Millionen Franken gestrichen.

Die Lifestyle-Herberge Misani in Celerina hat schon bessere Zeiten erlebt. Aus dem einstigen Touristenmagnet mit hippen Design-Zimmern ist eine Hotelruine geworden. Und dies an bester Lage im Fremdenverkehrsort nahe St. Moritz. Das «Misani» gehört dem Luxusvillen-Bauer Patric Simmen, der das Traditionshotel zu einem «Boutique Resort» umbauen möchte. Die Eröffnung war eigentlich auf die Wintersaison geplant. Geschehen ist seit Simmens Übernahme im Frühjahr 2017 wenig. Die Gemeinde hat ihn aufgefordert, die Baustelle zu sichern und so weit wiederherzustellen, damit das Ortsbild nicht verschandele. Doch der Hotelinvestor lässt die gesetzte Frist verstreichen. Es fehlt schlicht das Geld, wie Simmen in der Lokalpresse einräumt. «Wir prüfen nun weitere rechtliche Schritte gegen ihn», sagt Gemeindepräsident Christian Brantschen. Gegenüber der «Handelszeitung» betont Simmen, ab Mitte August werde in Celerina weitergebaut.

Essenspäckli von der Heilsarmee

Der Liquiditätsengpass im Oberengadin ist das jüngste Kapitel im bewegten Geschäftsleben des Patric Simmen, der die Wohnträume der hiesigen Wirtschaftselite realisiert. Der 47-jährige Immobilienunternehmer startete einst von ganz unten. Als Kind kann er nur dank Essenspäckli der Heilsarmee Weihnachten feiern. Nach einer Lehre als Hochbauzeichner arbeitet er in der IT-Abteilung der UBS. Dort knüpft er rasch Kontakte zu Bankern und bietet sich an, deren Häuser zu entwerfen. Ende der neunziger Jahre macht sich Simmen selbstständig und erarbeitet sich mit viel Verve und kreativen Ideen einen Ruf als Baumeister der Bosse. Dutzende Villen und Luxusappartments im Speckgürtel um Zürich basieren auf seinen extravaganten Entwürfen. Vor allem in Schwyzer Tiefsteuergemeinden wie Schindellegi oder Wollerau prägt Simmen den Baustil.

Die Liste seiner Kunden liest sich denn auch wie ein Who is who der hiesigen Wirtschaftsprominenz: Blackrock-Manager Dave Blumer, Avaloq-Gründer Francisco Fernandez, CS-Rechtschef Romeo Cerutti und eine Erbin der Bank Vontobel. Sie alle und viele mehr haben sich die eigenen vier Wände vom Arbeitersohn gestalten oder realisieren lassen.

Geschäftliche Höhenflüge

Vor allem im Gespann mit Partners-Group-Milliardär Urs Wietlisbach erlebt Patric Simmen vor einigen Jahren geschäftliche Höhenflüge. Denn Wietlisbach bringt beste Beziehungen, üppige Landreserven und operatives Know-how in die Partnerschaft, während sich Simmen auf die kreative Arbeit konzentrieren kann. Entsprechend hochtrabend sind damals die Pläne: Von einem Börsengang ist die Rede. Der umtriebige Immo-Unternehmer bringt sich in der Wirtschaftssendung «ECO» auch als Innenarchitekt für sieben «Schuhmacher Towers» ins Gespräch. Und für einen russischen Holzmagnaten namens Alexander Lepikhov soll Simmen im fernen Osten Russlands eine Villenstadt aus dem Morast stampfen.

Man ahnt es. Aus all den Vorhaben wird nichts. Vielmehr überwirft sich Simmen mit Co-Eigner Wietlisbach und der Geschäftsleitung. Fortan ist Simmen auf sich allein gestellt und beweist bei der Wahl seiner Mitstreiter nicht immer eine glückliche Hand. Der neu eingestellte CEO erweist sich als Titelschwindler. Und mit manch einem Weggefährten endet die berufliche Beziehung im offenen Streit oder gar vor Arbeitsgericht. In der Folge versucht sich der Hausbauer neu zu erfinden, weil die Nachfrage nach Luxusvillen gesunken sei, wie er letztes Jahr in der «Sonntagszeitung» erklärte: «Heute nur noch auf Luxus zu setzen, wäre am Markt vorbeigeschossen.» Sein Rezept: als Totalunternehmer eigene Projekte realisieren. In diesem Frühjahr verkündet Simmen dann, er plane «250 einfache und lebenswerte Unterkünfte für Bauarbeiter».

Zu diesem Zeitpunkt hat sich Simmens Lage bereits eingetrübt. Sein Finanzchef und ein langjähriger, enger Mitarbeiter werfen nacheinander das Handtuch. Seine Hausbank Julius Bär streicht dem Immo-Unternehmer einen Kredit über 38 Millionen Franken. Warum die Zürcher Privatbank Simmen den Geldhahn zugedreht hat, bleibt unklar. Die Spannbreite der Aussagen reicht von finanziellen Ungereimtheiten bei Simmen bis hin zu Kompetenzüberschreitungen zweier Bär-Kundenberater, die zu deren Entlassung geführt haben sollen. Simmen und die Bank wollen sich zu den Gründen nicht äussern.

Brief an seine Gläubiger

Jedenfalls führt der negative Kreditbescheid Patric Simmen geradewegs in die Liquiditätskrise, wie der Villenbauer in einem Brief an seine Gläubiger Anfang Juni einräumt, in dem Simmen um «Stundung Ihrer Forderungen» bittet: Diese Situation sei ausschliesslich dadurch zu begründen, dass seine Bank eine Hypothekarfinanzierung für seine Projekte zugesichert habe, welche dann nicht eingehalten wurde, schreibt er und weiter: «Gleichzeitig haben wir unsere liquiden Mittel im Vertrauen auf die Hypothekarfinanzierung in weitere Anlagen und Projekte investiert.» Er bittet im Brief deshalb die Gläubiger, die Zahlungsfrist zu erstrecken.

Im Gespräch mit der «Handelszeitung» gibt sich Simmen gelassen: Man habe zwei Notartermine für Liegenschaftsverkäufe, «mit denen wir unsere Kreditoren vollumfänglich bedienen werden». Gemäss der Lokalzeitung «March-Anzeiger» hat alleine seine Tochterfirma Simmen Style Betreibungen in der Höhe von 1,5 Millionen Franken. Simmen bestreitet die Zahl und spricht von laufenden Gegenbetreibungen. Seine Projekte seien solide finanziert. Er zahle sich seit vier Jahren keine Dividende aus. Und übrigens suche man eine neue Hausbank.