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Berner Betriebsamkeit im Fall Bastos

Jean-Claude Bastos Angolas Vorwürfe gegen den Staatsfondsverwalter erweisen sich als haltlos. Doch bis zuletzt leisteten Schweizer Behörden Schützenhilfe.

Das Handy-Foto zeigt Jean-Claude Bastos: abgemagert, aber zufrieden. In der Hand der angolanische und der Schweizer Pass. An der Wand ein Porträt des Präsidenten João Lourenço. Entstanden ist das Handy-Foto am Tag von Bastos Freilassung in Luanda. Nach einem halben Jahr in U-Haft.

Statt der Anklage wegen Verschwörung und Veruntreuung hat Angola verglichen und sämtliche Verwürfe fallengelassen. Mehr noch: Bastos erhielt eine Entschädigung zugesprochen. Im Gegenzug verzichtete der Schweiz-Angolaner auf vertragliche Forderungen. Die Wende in Angola wirft allerdings ein schiefes Licht auf die Schweizer Behörden: Bis zuletzt leistet Bundesbern Schützenhilfe bei Angolas Powerplay gegen Doppelbürger Bastos.

Doch der Reihe nach. Letzten April war das Geschirr zerschlagen. Der Staatsfonds FSDEA teilte öffentlich mit, Angola wolle die «finanzielle Kontrolle» über das Milliardenvehikel, das Jean-Claude Bastos seit 2013 verwaltet hatte. Zuvor hatten der Schweizer Financier und Angolas neuer Präsident João Lourenço erfolglos um die Auflösung der Verträge gerungen.

Jean-Claude Bastos erhält Gebühr in dreistelliger Millionenhöhe

Bastos hatte mit der Verwaltung des 5 Milliarden schweren Staatsfonds über 500 Millionen Dollar an Gebühren und Services verdient. Ein Gutachten, das Angolas neue Regierung bei Berater EY bestellt hatte, bescheinigte «hohe Gebühren angesichts der Portfoliogrösse». Gemeint war der liquide Teil der Staatsfondsgelder. Für jene 1,7 Milliarden Dollar konnte Angola kurzfristig das Mandat mit Bastos Zuger Firma namens Quantum Global aufkündigen. Die übrigen 3 Milliarden Dollar waren für Direktanlagen reserviert: vom Hotelturm in Luanda bis zum Hochseehafen-Projekt in Cabinda, an dem auch SBB-Frau Monika Ribar mitwirkte. Ein Grossteil der Gelder lag auf Konten in London. Nur etwa eine halbe Milliarde Dollar war in sieben sektoriellen Fondsvehikel auf Mauritius investiert.

Doch Bastos und seine Quantum hatten für die Verwaltung dieses Private-Equity-Portfolios gültige Verträge mit langen Laufzeiten. Die Rede ist von bis zu zehn Jahren. Die jährlichen Gebühren summierten sich bis 2018 auf rund 300 Millionen Dollar. Eine Fortführung hätte für Bastos und Co. also goldene Jahre mit Multimillionen-Fees bedeutet.

Bundesanwaltschaft eröffnet Strafverfahren gegen unbekannt

Was ein gewöhnlicher Disput unter Geschäftspartnern ist, nämlich die vorzeitige Vertragsauflösung, eskalierte zwischen Bastos und Angola. Mitte April stieg die neue Staatsfondsführung in den Flieger nach Mauritius. Die Mission: den Schweizer abzusetzen und der Private-Equity-Milliarden habhaft zu werden. Die Gerichte im Inselstaat folgten zunächst den Angolanern. Dutzende Quantum-Konten wurden eingefroren – ohne Bastos die Beweggründe offenzulegen. Mauritius war der Auftakt für eine weltweite Sperre seiner Vermögenswerte. Auch in der Schweiz.

Inzwischen waren nämlich die Behörden in Bern aktiv geworden. Mitte Mai rückte das Fedpol aus und durchsuchte diverse Büros von Bastos Firmen. Bundesanwalt Michael Lauber hatte zuvor ein Strafverfahren gegen unbekannt eröffnet wegen Geldwäschereiverdachts, unter anderem «gegen das Vermögen des angolanischen Staatsfonds». Sein Bruder Emanuel Lauber, der oberste Steuerfahnder des Bundes, nahm praktisch zeitgleich die Ermittlungen gegen Bastos und Co. auf – unter anderem wegen des «Verdachts des Steuerbetrugs und der Hinterziehung».

Laubers Fiskalfahnder gingen forsch vor: Sie liessen mittels Spezialfirma einen Tresor bei Bastos Exfrau im Tessin knacken und verarrestierten Bankkonti aus seinem erweiterten Firmenumfeld. «Die jüngsten Äusserungen in der Presse sind zu berücksichtigen, die weitere Bedenken bei den Behörden erwecken», verteidigten die Bundesvertreter später ihre akribischen Arrestaktionen. Ein Kantonsgericht rügte danach, dass sich «aus den von den Klägern eingereichten Beilagen weder ein Rechtsmissbrauch noch ein Steuervergehen» ableiten lasse. Die Steuerstrafuntersuchung gegen Bastos ist hängig.

Staatssekretärin Pascale Baeriswyl trifft Angolas Justiziar

Während Steuerfahnder Lauber die Offshore-Konstrukte durchleuchtete, lud Bundesanwalt Lauber sein angolanisches Pendant im Juli zum Arbeitstreffen nach Bern. Generalstaatsanwalt Pitta Gróz hoffte danach im «Tages-Anzeiger», schon «in dreissig bis vierzig Tagen» genügend Beweise gesammelt zu haben, um Bastos vor Gericht zu stellen. Doch weder stellte Angola je ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz, noch klagte Pitta Gróz den Ex-Staatsfondsverwalter an. Vielmehr erging Mitte August ein Urteil am britischen High Court, das den Kontensperren die Legitimation weitgehend entzog. Keinen Monat später setzte Angola Jean-Claude Bastos in U-Haft. Dies obwohl man ihm bereits die Pässe abgeknöpft hatte und er sich regelmässig bei den Behörden melden musste. Der Haftantrag basierte auf einem möglichen Interessenkonflikt bei einem 150-Millionen-Dollar Hotelprojekt aus dem Jahre 2015. Ein Projekt, das von Behördenvertretern abgesegnet worden war.

Trotz zweifelhaften Zwangsmassnahmen weibelte Bundesbern weiter. Im November reiste Staatssekretärin Pascale Baeriswyl nach Luanda, um über Justizfragen zu sprechen. Kurz vor Weihnachten traf sie Angolas Generalstaatsanwalt und den Justizminister in Bern. «Ein fruchtbarer Austausch über gegenseitige Rechtshilfe», twittere Baeriswyl nach dem Treffen.

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Müllers Masterplan

Banque CIC Die Schweizer Crédit-Mutuel-Tochter hat sich vom Schwarzgeldinstitut zur Unternehmerbank gemausert. Nun will Chef Thomas Müller durchstarten.

An Basels bester Lage, gleich neben dem roten Rathaus, hat die Banque CIC ihren Sitz. Das Haus am Marktplatz 11 ist voller Geschichte. Es gilt als Geburtshaus des Schweizer Frankens. Einst residierte dort Franken-Erfinder Johann Jakob Speiser. Später beherbergte das Haus die Banque d’Alsace et de Lorraine BAL. Das Elsässer Institut war die Vorgängerin der heutigen CIC und jahrzehntelang ein diskreter Franken-Hort für unversteuerte französische Vermögen.

Bis 2010 der Ex-Migros-Bank-Manager Thomas Müller den Posten als „Président du comité de direction“ übernahm und bei der Crédit-Mutuel-Tochter das Steuer herumriss. Müller machte reinen Fiskal-Tisch, was im ersten Amtsjahr 2010 zu einem Abfluss von rund 2 Milliarden Franken auf gesamthaft 4,8 Milliarden an verwalteten Vermögen führte. Ein harter Bruch mit der Vergangenheit.

Seither gelten bei CIC nicht mehr die Assets under Management als allein seligmachende Kennzahl, sondern die Grösse beziehungsweise das Wachstum der Bilanz. Ein bewusster Entscheid sei das, sagt Müller: „Die verwalteten Vermögen sind für uns keine aussagekräftige Zahl. Ich will meinen Kunden auch Gold oder Immobilien empfehlen können, ohne auf Kennzahlen Rücksicht nehmen zu müssen.“ Derzeit prüft die „Banque“ die Assets vermögender Deutscher, Franzosen und Italiener. Die Kunden stammen von der Credit Suisse und passten dort nicht mehr ins High-Net-Worth-Portfolio der Grossbank. Dennoch ist CIC primär keine reine Vermögensbank mehr, sondern hat unter HSG-Absolvent Müller einen Strategieschwenk hin zu einer „Universalbank für Unternehmer“ vollzogen: „Wir verstehen uns als One-Stop-Shop für komplexe Finanzbedürfnisse von KMU.“

Müllers Ausrichtung auf Unternehmer scheint zu fruchten. So konnte die CIC mit ihren 340 Mitarbeitern den Reingewinn zwischen 2010 und 2015 auf gegen 10 Millionen Franken vervierfachen. Im selben Zeitraum verdoppelte sich die Bilanzsumme von 3,8 auf 6,6 Milliarden Franken. Das Wachstum der Aktivseite stammt zu einem Drittel aus dem Blankokredit-Geschäft und zwei Dritteln aus der Hypothekenvergabe. Mehrheitlich finanziert CIC so Geschäftsliegenschaften, Bürohäuser und Mehrfamilieneinheiten als Renditeobjekte.

Durch die kontinuierliche Bilanzausweitung stieg der Kapitalbedarf der Bank. In Müllers Regentschaft führte CIC zwei Kapitalerhöhungen durch. Gegen 250 Millionen Franken habe die französische Mutter investiert, um das organische Wachstum mit einer soliden Kapitalbasis zu finanzieren, sagt Müller und fügt an: „Crédit Mutuel ist bereit, weitere Investitionen in der Schweiz zu tätigen.“

Weisse Flecken

Bis 2021 soll sich die Bilanzsumme von CIC nochmals verdoppeln auf 14 Milliarden Franken. Dazu will sich die „Banque“ sowohl geografisch wie von ihren Geschäftsfeldern her ausbreiten. „Wir wollen unsere weissen Flecken in der Deutschschweiz tilgen und die Präsenz verdichten“, sagt Müller dezidiert.

So rollt seine Banking-Truppe die Schweiz von Westen her auf, mit einer historisch starken Präsenz in der Romandie. Dazu holte die Bank im Tessin kürzlich eine Mannschaft der schlingernden BSI herein. In der Zentralschweiz sucht das CIC-Management immer noch ein passendes Banking-Team. Und in St. Gallen schliesslich eröffnet die Auslandsbank demnächst ihre neunte Schweizer Filiale.

Die Präsenz in der Ostschweiz kann auch als Kampfansage an die ungleich grössere Raiffeisen-Gruppe gewertet werden. Sie hat ihren Hauptsitz in der Gallusstadt und versucht seit geraumer Zeit KMU-Eigner zu umgarnen. Nicht zuletzt mit ihren spezialisierten Unternehmerzentren RUZ, welche Gewerbler in allen Finanzlagen unterstützen sollen und derzeit schweizweit wie Pilze aus dem Boden schiessen. Derweil sich die Basler WIR Bank mit neuem Markenauftritt der „Stärkung der KMU“ verschrieben hat.

An Konkurrenzinstituten im KMU-Geschäft mangelt es also nicht, sodass CIC ihre Kompetenzen weiter schärft. Die Auslandsbank hat dazu in diesem Jahr ein achtköpfiges Corporate-Finance-Team aufgebaut, das Unternehmern bei komplexen Transaktionen mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. Das Team wird von Maurice Pierazzi geleitet, der langjährige Erfahrung im Beteiligungs- und Finanzierungsgeschäft hat. Pierazzi führte unter anderem das Corporate-Finance-Geschäft der Genfer Kantonalbank und sitzt heute im Verwaltungsrat der Ringier-Tochter Dein-Deal. Neben der Finanzierung von Übernahmen oder Fusionen will CIC für die Gewerbler auch geeignete Investoren oder Chefs an Land ziehen.

Vorstoss in Private Equity

„Ein wichtiger Treiber fürs Geschäft sei die Nachfolgeregelung“, sagt Müller. „Ins eigene Geschäft floss zumeist viel Herzblut. Soll so ein Betrieb verkauft und übergeben werden, braucht es nebst Knowhow auch viel Fingerspitzengefühl.“ Im Corporate-Finance-Bereich greift CIC dabei auch auf die grosse Crédit Mutuel zurück, indem die Genossenschaftsmutter die Risiken der ausländischen Kunden absichert. Zum Beispiel bei der Forderungsfinanzierung, dem sogenannten Factoring, für Unternehmen.

Von der genossenschaftlichen Bankengruppe kann der CIC-Chef auch im Private-Equity-Geschäft profitieren. So hat Crédit Mutuel bereits 2,5 Milliarden Eigenkapital in rund 500 Unternehmungen platziert. Dieses Beteiligungsmodell soll auch hierzulande Schule machen. So ist eine eigene Private-Equity-Gesellschaft namens CMCIC Investissement geplant, in der Bankchef Müller im Verwaltungsrat Einsitz nimmt. „Wir starten mit 100 Millionen Franken, die wir als Eigenkapital schwergewichtig in nicht kotierte Unternehmen investieren wollen.“ Dabei betont der CIC-Chef die „Chinese Wall“ zwischen Private-Equity-Vehikel und Corporate-Finance-Beratung der Bank. Man agiere unabhängig voneinander und berate beziehungsweise finanziere nach jeweils eigenständigen Kriterien und Prozessen, sagt Thomas Müller, der auch noch im Verwaltungsrat der Zuger Asvito Holding sitzt. Zusammen mit Sprüngli-Chef Tomas Prenosil. Die Asvito Holding akquiriert und berät Firmen.