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MBaer – Bärische Bank

MBaer Vor gut zwei Jahren gründete Mike Bär das Finanzinstitut. Er versprach eine Bank mit Seele. Inzwischen erhitzt sie die Gemüter.

Es war eine Neugründung, die aufhorchen liess. Während die Finanzbranche seit Jahrzehnten schleichend konsolidiert, ging Michael «Mike» Bär den entgegengesetzten Weg. Julius Bärs Urenkel, der zuletzt einen Zuger Agrarhändler präsidiert hatte, gründete im Herbst 2018 ein Bankhaus und leitet es seither: Die MBaer Merchant Bank. Es soll eine «Bank mit Seele» sein, so der Claim. Ein Kleininstitut für Unternehmer und ihre Familien. Persönlich, individuell, agil und tief verwurzelt im Kredit- und Handelsgeschäft. Sozusagen der massgeschneiderte Gegenentwurf zur skalengetriebenen Standardisierung, die das Swiss Banking spät, aber umfassend industrialisiert.

Seine anachronistische Idee erntete Zuspruch: Als honoriger Vertreter der Familie Bär – geschätztes Vermögen gemäss «Bilanz» zwischen 350 bis 400 Millionen – fand er Mitstreiter und auch zahlreiche Miteigner. Denn obwohl die Merchant Bank seinen Namen im Titel trägt, ist Mike Bär weder Mehrheitseigner noch grösster Aktionär der MBaer. Auch liess er sich im letzten Jahr anteilsmässig weiter verwässern.

Abgänge im Verwaltungsrat der MBaer

Bärs Bankier-Habitus bei nur geringem Kapitaleinsatz sorgt für Unmut unter MBaer-Miteignern. Wie auch die gehäuften Abgänge in der Bankführung: Auf Ende August trat Präsident Søren Mose (unter anderem auch bei Twint, SIX und der AP Bank) an einer ausserordentlichen Generalversammlung zurück. Anfang Dezember gab der Verwaltungsrat und gewichtige Miteigner Rajesh Bothra – während laufender Amtsperiode – seinen Rücktritt bekannt. Praktisch zeitgleich mit seiner Demission startete im Southern District of New York ein «Discovery»-Verfahren, bei dem der Name Bothras und jener seiner IT-Firma Kobian auftauchen. Ob es da einen Zusammenhang gibt, ist nicht bewiesen.

Kürzlich kehrte ein weiteres Gründungsmitglied der Bank den Rücken: Anlagechef Roland Eberhard. Mit ihm ging auch Michael Heil, Head of Investment Advisory. Beide zogen weiter zur Tessiner PKB. Angesprochen auf die Abgänge in Kader und VR, gibt sich Bär «aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes» summarisch: «Die Gründe für diese Abgänge sind ganz unterschiedlich und für einige dieser Personen sehr persönlich.» Die Abgänge stünden «in keinem Zusammenhang mit der Bank», sagt der MBaer-Chef.

Angebliches Mail der MBaer

Zu reden gab eine weitere Personalie: jene der Siri Evjemo-Nysveen. Die norwegische Investmentbankerin ist seit letzten September Vizepräsidentin und spezialisiert auf «regulatorische Rahmenbedingungen, Aufsicht sowie auf Audit, Risikokontrolle und Compliance». Ihr Ehemann ist Alessandro Bazzoni. Der Italiener steht auf der Sanktionsliste der USA, weil er «die zentrale koordinierende Rolle beim Weiterverkauf von Rohöl venezolanischen Ursprungs» innehabe. Die Vereinigten Staaten boykottieren seit Jahren das Maduro-Regime und sanktionieren Geschäfte mit dem staatlichen Ölkonzern PDVSA.

Das venezolanischen Enthüllungsportal «Infodio» behauptet nun, dass Bazzoni nicht nur Gatte der MBaer-Vizepräsidentin sei, sondern auch an der Zürcher Bank beteiligt sein soll. Dabei publizierte «Infodio» eine angebliche E-Mail der Bank zur genehmigten Kapitalrunde vom letzten Herbst, die offenbar auch Bazzoni in der Adresszeile hatte. Auf die Frage, ob der sanktionierte Ölhändler MBaer-Miteigner sei, nimmt Bär keine Stellung und schreibt: Von Gesetzes wegen müssten Aktionäre mit über 5 Prozent im Jahresbericht erwähnt werden. «Die von Ihnen erwähnte Person ist nicht genannt.» Und weiter erklärt Bär: «Die wichtigere Frage aber scheint mir zu sein, ob wir mit sanktionierten Personen Geschäfte tätigen – und da ist die Antwort klar: Nein.»

Offensive Ankündigungen von Mike Bär

Mit anderen Worten: Bazzoni mag kein MBaer-Kunde sein. Ob der PDVSA-nahe Manager allenfalls weniger als 5 Prozent an der Bank hält, bleibt jedoch offen. Es sind solche kommunikativen Spitzfindigkeiten, welche das Misstrauen unter den Aktionären schüren. Gepaart mit Bärs offensiven Ankündigungen: «Wir sind in einer starken Wachstumsphase», sagte der 58-Jährige im November zur «Bilanz». Auch gegenüber der «Handelszeitung» versprüht er Superlative: «Wir sind zurzeit wahrscheinlich die Bank, welche in der Schweiz am schnellsten wächst, Arbeitsplätze schafft und für unsere Aktionäre Wert generiert.» Dabei verweist der MBaer-Chef gerne darauf, dass der «Wert der Bank seit der Gründung um über 50 Prozent» gestiegen sei. Dieser Wert ist dem Ausgabepreis neuer Aktien geschuldet, den der Verwaltungsrat selbst festlegt. Die Nachfrage in der jüngsten Platzierungsrunde – die zweite Tranche aus einer genehmigten Kapitalerhöhung von April 2020 – soll dem Vernehmen nach eher schleppend gewesen sein.

Bärs Optimismus scheint dies nicht zu trüben. «Wir hatten einen Superstart ins 2021», liess er kürzlich «Inside Paradeplatz» wissen. Weniger erbaulich fällt dagegen der Blick aufs vergangene Geschäftsjahr 2020 aus. Erneut resultierte ein Verlust, diesmal von 6,7 Millionen Franken – fast gleich viel wie im Vorjahr. Dabei sollen Ausgaben von 8 Millionen rund 1,5 Millionen an Einnahmen gegenüberstehen. Die Kundengelder dürften sich Ende Jahr auf etwa 375 Millionen Franken belaufen haben, davon etwa 250 Millionen von der Bank verwaltet. Kritische Aktionärsfragen an der Generalversammlung von Ende Monat sind damit gewiss. Inzwischen soll das Gesamtvolumen an Kundengeldern substanziell höher sein. Ob sich damit in diesem Jahr der mehrfach angekündigte Wachstumsschub für die Merchant Bank realisiert, wird sich weisen.