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Remo Stoffel – Priora wird globale Investmentfirma

Remo Stoffel Der Bündner Unternehmer Remo Stoffel ist letzten Juli mit Kind und Kegel in den Wüstenstaat Dubai disloziert. Beim blossen Wohnortwechsel ist es nicht geblieben. Unterdessen hat sich Stoffel nämlich aus sämtlichen Organfunktionen seiner Schweizer Gesellschaften zurückgezogen. Zuletzt schied der Turmbauer von Vals auch als Verwaltungsrat der Lenzerheide Bergbahnen aus.

Inzwischen besetzen langjährige Weggefährten wie Ernst Senteler, René Locher oder Hans-Peter Domanig die Schlüsselpositionen in Stoffels Schweizer Firmen. Zu den Beweggründen teilt Stoffel mit: «Ich wohne und arbeite in Dubai und bin deshalb, wie ich bereits vor einem Jahr kommuniziert habe, nicht mehr Mitglied der Verwaltungsräte von Tochtergesellschaften. Zudem kann man ja nicht gleichzeitig auf zwei Kontinenten arbeiten.»

Schweizer PwC-Partner stösst zu Remo Stoffel

An seinem neuen Wohnort ist Stoffel äusserst aktiv. Erst vor wenigen Tagen hat er in Dubai eine bestehende Firma in Priora Holding Limited umfirmieren lassen. Sie hat ihren Sitz im Dubai Financial District – Index Tower. Wobei Stoffel als Chairman fungiert und Farnek-Chef Markus Oberlin die operativen Geschicke leitet. Der Schweizer PwC-Partner Remo Schmid wird ab Sommer als Senior Advisor zur Dubai-Truppe stossen.

Einen weiteren Priora-Ableger gibt es auch in Luxemburg, den der Ex-UBS-Mann Fulvio Micheletti betreut. All die Aktivitäten sind Teil einer Internationalisierung von Priora als Beteiligungsfirma, die Stoffel schon seit längerem vorantreibt. Dabei will der umtriebige Unternehmer Dubai als Geschäftshub für weitere Beteiligungen nutzen. 

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Remo Stoffel – Milliarden angelegt, Milliarden verpfändet

Remo Stoffel ordnet sein Firmenimperium neu. Dies gewährt erstmals Einblick in seine Finanzen und wirft neue Fragen auf.

Mitte Dezember wurde die künftige Struktur von Remo Stoffels Firmenimperium besiegelt. In Chur unterzeichnen er und seine Gefolgsleute, unter ihnen Ex-Implenia-Spitzenmann Hans-Peter Domanig und Fulvio Micheletti, ein ehemaliger UBS-Manager, einen Fusionsvertrag, mit dem der Bündner Unternehmer seine Holding vereinfachen soll. «Es handelt sich um Sanierungsfusionen, um die Insolvenz der überschuldeten Einzelgesellschaften abzuwenden», sagt Marco Passardi, Accounting-­Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ.

Was auch immer die Beweggründe sind: Die Sanierungsfusionen gewähren erstmals einen Einblick in die Finanzen jenes Mannes, dessen unternehmerischer Aufstieg stets von Unkenrufen begleitet war. Der Financier aus Vals polarisiert, seit er 2005 die Immobiliengesellschaft Avireal aus dem Swissair-Nachlass erworben und sich dann mit seinem damaligen Geschäftspartner überworfen hat. Was folgte, war ein erbitterter Rechtsstreit.

Höchstes Gebäude Europa

Auch zehn Jahre später gehen die Wogen hoch, als Stoffel ankündigt, in seinem kleinen Bündner Heimatdorf einen 381 Meter hohen Turm bauen zu wollen. Der Wolkenkratzer namens «Femme de Vals» wäre das höchste Gebäude Europas. Gegner werfen ihm Gigantismus vor: Mit der «Femme» verschandle der Unternehmer die ­alpine Landschaft in der Surselva. Stoffel sagte damals, er wolle insgesamt 300 Millionen Franken in Vals investieren. Bezahlt würden die Investitionen aus eigenen Mitteln: «7132 AG hat das Projekt finanziert, unsere eigene Vermögensverwaltungsgesellschaft VV Value Vals, hat an ihrer letzten Verwaltungsratssitzung der 7132?AG die entsprechende Finanzierungszusage gemacht.»

Seit der spektakulären Ankündigung sind fast vier Jahre verstrichen. Der Turmbau zu Vals lässt weiter auf sich warten. Dafür liegen der «Handelszeitung» erstmals Zahlen zu jener Vermögensverwaltungsgesellschaft vor, welche seinerzeit die Finanzierungszusage gesprochen hatte.

Das Firmenimperium von Remo Stoffel

Am 30. Juni 2018, dem Stichtag der Sanierungsfusion, war die VV Value Vals mit 35,5 Millionen Franken buchmässig überschuldet. Dies bei einer Bilanzsumme von 1,8 Milliarden Franken. Die kurzfristigen Bankschulden der VV Value beliefen sich dabei auf 1,2 Milliarden Franken. Etwa zur Hälfte in Dollar denominiert. Die laufenden Bankschulden haben sich ­dabei zwischen Ende 2017 und Mitte 2018 praktisch verdoppelt.

Stoffels Vermögensverwaltungsfirma zahlte auf den ausstehenden Krediten in den ersten sechs Monaten des Jahres rund 10 Millionen Franken Zinsen. Der durchschnittliche Satz betrug dabei 2,6 Prozent und war auf knapp vier Monate hinaus fixiert. Für den Milliardenkredit musste Stoffels Firma den Banken weitreichende ­Sicherheit gewähren: Per Ende Juni waren die Wertschriftendepots, sämtliche Aktien der VV Value sowie «weitere beim Kreditgeber deponierte ­Vermögensgegenstände» verpfändet.

Nebst diesen kurzfristigen Bankkrediten sind auch langfristige Dar­lehen bei der Konzernmutter XO (siehe Firmenstruktur oben) von 580 Millionen Franken ausstehend. Insgesamt wies die VV damit im Sommer 2018 Verbindlichkeiten in der Höhe von 1,84 Milliarden Franken auf.

Den Bankschulden und Konzerndarlehen steht ein riesiges Wertschriftenportfolio gegenüber, von dem nur wenige Aktien-Investments wie jenes in den texanischen Milchverarbeiter Dean Foods öffentlich bekannt sind.

Momentaufnahme: 400 Millionen Franken Cash

Zur Grössenordnung: Hätte Remo Stoffel Ende Juni auf einen Schlag sämtliche seiner Wertpapiere zum Kurswert verkauft, hätte der Bündner einen Erlös von 2,2 Milliarden Franken realisiert. Abzüglich sämtlicher interner und externer Verpflichtungen wären Stoffel knapp 400 Millionen Franken Cash geblieben. Dies ist jedoch eine Momentaufnahme. Und angesichts der Depotgrösse bestehen gewaltige Schwankungsdifferenzen.

Immerhin spricht Accounting-­Dozent Marco Passardi von einem «konservativen Bewertungsansatz» der VV. In den Büchern der Value Vals findet sich nämlich «bloss» ein Wert von 1,7 Milliarden. Die Wertschriften seien also zum Anschaffungswert und nicht zum Kurswert am Stichtag bilanziert worden, erklärt er. Sowieso greift der alleinige Fokus auf Stoffels VV Value Vals zu kurz, denn Stoffels Einzel- und Holdinggesellschaften sind über gegenseitige Darlehen und als Kreditsicherheiten für Dritte aufs Engste miteinander verzahnt, wie die Fusionsbilanzen zeigen.

«Grundsätzlich lässt sich mittels Einzelabschlüssen nach Obligationenrecht nicht auf die allgemeine wirtschaftliche Verfassung der Gruppe als Ganzes schliessen», betont denn auch Passardi. So erlaubt das Obligationenrecht beispielsweise die Bildung stiller Reserven. Das bedeutet: Der tatsächliche Marktwert ­einer Immobilie kann deutlich höher sein als der Wert der Liegenschaften in den Büchern der Gesellschaft.

Unvollständiges Bild

Insofern geben die Einzelabschlüsse nach OR die wirtschaftliche Realität also nur bedingt wieder. Auch der unabhängige Fusionsprüfer beurteile jeweils nur die Einzelabschlüsse der übertragenden beziehungsweise der übernehmenden Gesellschaft, erklärt Passardi: «Das birgt die Gefahr eines unvollständigen Bildes, weil die Konzernlage im Dunkeln bleibt.»

Fest steht, dass die Fusionen der Einzelgesellschaften in die Priora ­Suisse nur möglich waren, weil Gesellschaftsgläubiger im Umfang der Unterdeckung im Rang hinter andere Gläubiger zurückgetreten sind. Aus Stoffels Umfeld ist zu hören, man sei bloss daran, in der Schweiz «einfache, klare Strukturen» zu schaffen, um hernach international industriell zu wachsen. Remo Stoffel selbst will sich auf Anfrage zu den Finanzen seines Konzerns im Detail nicht äussern: Als privat gehaltene Firma müsse man die süssen Früchte des Unternehmenserfolges nicht mit der Öffentlichkeit teilen: «Entsprechend haben wir keine Veranlassung, uns zu einzelnen Unternehmen der Gruppe zu äussern.» Eine solche Gesellschaft, deren Fusionsbilanz nun vorliegt, ist die Priora Airport Immobilien AG (PAI). Darin enthalten ist das ehemalige Swissair-Verwaltungs­gebäude Balsberg in Kloten. Das siebengeschossige Geschäftsgebäude mit 45?000 Quadratmetern Nutzfläche gilt als eigentliches Flaggschiff der Gruppe und soll bald um drei Etagen erhöht werden.

Die «Anlageliegenschaften» der Priora Airport haben per Ende Juni einen ausgewiesenen Buchwert von 201 Millionen Franken. Daneben verfügt die PAI über Landreserven am Flughafen Kloten, die mit knapp 35 Millionen Franken in den Büchern stehen. Sie bilden als First District die planerische Entwicklungszelle einer möglichen Airport City Zürich.

Ausreichend stille Reserven

Auch diese Priora Airport Immobilien AG weist per Ende Juni 2018 eine auf Buchwerten ermittelte Überschuldung von 47 Millionen Franken aus. Bei einer Bilanzsumme von rund 600 Millionen Franken bestehen kurz- und langfristige Hypothekarkredite in der Höhe von 483 Millionen Franken. «Die PAI hat enorm hohe Bankschulden», sagt Accounting-Fachmann Passardi. Allerdings bleibt offen, wie hoch die stillen Reserven auf den Liegenschaften und unbebauten Flächen am Flughafen sind. Im Einzelabschluss ist nachzulesen, dass die Bilanz zwar eine Überschuldung ausweise, die Gesellschaft jedoch «über ausreichend stille Reserven verfügt, wodurch die Überschuldung nur buchmässig» bestehe.

Um die Hypokredite über 480 Millionen Franken zu decken, gehen die gewährten Sicherheiten allerdings über die Schuldbriefe, Mieterträge und Aktien der PAI ­hinaus. «Die Substanz der Firma reicht den Gläubigern offenbar nicht aus. Sie ­erachten die Ertragskraft offenbar als problematisch und bauen deshalb nicht auf möglicherweise vorhandene stille Reserven», sagt der Buchhaltungsexperte. Konkret ist «teilweise» auch das Wertschriftenportfolio der VV Value Vals verpfändet, die Aktien des Vermögensverwalters sowie «teilweise auch beim Kreditgeber deponierte Vermögensgegenstände» der VV.

Temporäre Mietminderungen

Einen Hinweis auf die Ertragskraft der PAI könnten die «temporären Mietminderungen» liefern, die sich in der Erfolgsrechnung finden: Sie beliefen sich 2017 auf knapp 4 Millionen Franken bei Mieterträgen von rund 46 Millionen Franken. Aus Stoffels Umfeld ist zu hören, dass diese in Zusammenhang mit der Aufstockung von Balsberg stünden und «logistische Ursachen» hätten.

Wie auch immer: Der Abschluss der Priora Airport Immobilien gewährt einen Einblick in eine weitere zentrale Stoffel-Gesellschaft namens 7132 AG. Die 100-Prozent-Tochter hält unter anderem das gleichnamige «Design und Wellness-Hotel» in Vals und gilt als Projektantin für den «Femme de Vals»-Turm. Die 7132 AG hatte Stand Juni 2018 einen Buchwert von 7,5 Millionen und grosse, konzerninterne Verpflichtungen. So schuldete die Valser Hotel-Tochter der Airport-Mutter zwei Darlehen über je rund 62 Millionen Franken. Eines davon mit Rangrücktritt, welches fast vollständig abgeschrieben wurde. «Dies lässt darauf schliessen, dass bei der 7132?AG ein buchmässiger Kapitalverlust oder eine buchmässige Überschuldung vorliegen muss», sagt Passardi. Den Turmbau zu Vals rückt so kurzfristig in ein schiefes Licht, weil sowohl Projektantin 7132 AG wie auch Finanziererin VV Value per Ende Juni buchmässig überschuldet waren.

Kaufmännische Vorsicht

Von den fusionierten Firmen hatte einzig die Priora Immobilien AG am Stichtag ein positives Eigenkapital. Doch auch bei ihr weist Passardi auf eine «sehr hohe Fremdverschuldung» hin, wenn man den Buchwert zum Massstab nimmt. So betrug der Eigenkapitalanteil 6,7 Prozent. «Nach Lehrbuch sollte der bereinigte EK-Anteil mindestens 20 Prozent betragen», erklärt der Accouting-Experte.

Der tiefe Wert könnte allerdings auch kaufmännischer Vorsicht geschuldet sein, wie Stoffels Umfeld betont. Es geht um den in den Vereinigten Arabischen Emiraten domizilierten Facility Manager Farnek Services, an dem Stoffel über Priora 49 Prozent hält. Die Firma beschäftigt 4000 Mitarbeitende in Dubai, Abu Dhabi und Ras Al Khaimah. Gemäss Geschäftsbericht erzielte Farnek 2016 einen Umsatz von 55 Millionen Franken. Erst im Herbst verkündete die Firma neue Aufträge über umgerechnet 30 Millionen Franken.

Der stipulierte Geschäftserfolg kontrastiert jedoch stark mit dem Buchwert von Farnek. Dieser beträgt Mitte 2018 nämlich noch 1?Franken, nachdem die Firma im Jahr ­zuvor um 15 Millionen Franken wertberichtigt wurde. «Ausserordentliche Wertberichtigungen sind nach OR rechtens», sagt Passardi. Von den Steuerämtern würden sie nur dann akzeptiert, wenn ein ­geschäftsmässig begründeter Aufwand geltend gemacht werden könne. Ob Farneks Firmenwert bloss eine Fata Morgana ist, bleibt offen.

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Die Milch machts

Remo Stoffel Der Turmbauer zu Vals investiert über 90 Millionen Dollar in Dean Foods. Er wird damit zum Ankeraktionär beim grössten Milchverarbeiter der USA.

Tu dir etwas Gutes, lautet der Slogan der Milchsorte «Swiss Premium». Eine von über fünfzig Molkereimarken, welche Dean Foods im Portfolio hat. Der börsenkotierte S&P-500-Konzern mit Sitz in Dallas, Texas, stellt vornehmlich Frischmilch her. Daneben Rahm, Glace und Kaltgetränke wie Iced Tea. Dean Foods ist so etwas wie die Emmi der USA und beherrscht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten knapp einen Sechstel des Frischmilch-Marktes. Der mit Abstand grösste Milchverarbeiter der Vereinigten Staaten beschäftigt dazu gegen 16 000 Angestellte in etwa sechzig Fabriken und erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von 7,8 Milliarden Dollar. Dean Foods ist seit 2006 am Aktienindex S&P-500 kotiert.

Nun hat «Swiss Premium»-Herstellerin Dean einen neuen Grossaktionär aus der Schweiz, der mittlerweile 10 Prozent hält. Es ist Remo Stoffel, der Bündner Immo-Unternehmer (Priora Gruppe) und Turmbauer zu Vals («7132 AG»). Er kaufte ab November sukzessive Dean-Aktien zu. Seither schiessen die Gerüchte auf US-Finanzblogs ins Kraut: Stoffel könnte mit relativ geringem Kapitaleinsatz beabsichtigen, eine Kontrollmehrheit beim Milchverarbeiter zu erlangen. Die Schwelle dafür liegt bei tiefen 35 Prozent. Möglicherweise fasse der Priora-Eigner auch ein Going Private ins Auge oder der «Swiss Activist» spekuliere auf eine Vollübernahme durch Dritte.

Mittlerweile ist der Valser Financier nämlich der mit Abstand grösste private Einzelaktionär – gleich hinter Beteiligungsriese Blackrock und vor zahlreichen anderen US-Institutionellen wie Vanguard, Fidelity und Charles Schwab. Stoffel hat in den letzten Monaten 9,1 Millionen Aktien an Dean Foods im Gegenwert von 90,5 Millionen Dollar erworben, und zwar über sein Beteiligungsvehikel VV Value Vals, mit dem der umtriebige Unternehmer auch signifikante Beteiligungen an in der Schweiz kotierten Unternehmen wie Galenica (10 Prozent), Vifor Pharma (12 Prozent) und Myriad Group (5 Prozent) hält. Daneben ist der 41-jährige ehemalige Bankgeselle mit etwas über 3 Prozent in den Darmstädter IT-Konzern «Software AG» investiert.

Ausserhalb der Öffentlichkeit

Sein Einstieg in die amerikanische Milchwirtschaft passt so gar nicht in Stoffels bisheriges Beteiligungs-Beuteschema aus Gesundheitswesen und Informationstechnologie. Wie also kam es zum Dean-Deal in Dallas – und was hat Stoffel in der US-Milchwirtschaft vor? Der Verwaltungsrat und Miteigner von Lenzerheide Bergbahnen gibt sich zugeknöpft: Als Unternehmer verfolge er verschiedene Projekte – «meist ausserhalb der Öffentlichkeit». Er entwickle seine unternehmerischen Aktivitäten mit Bedacht, Schritt um Schritt. Und freue sich an ihnen. «Mehr gibt es zurzeit nicht zu sagen», lässt er schriftlich ausrichten. Auch Dean Foods äussert sich nicht zum neuen Grossaktionär: Man habe nicht mehr zum Geschäftsbericht hinzuzufügen, sagt Dean-Sprecher Jamaison Schuler.

Etwas Einblick in die InvestmentÜberlegungen und Absichten des Remo Stoffel gibt allerdings dessen US-Börsenmeldung zum Einstieg bei Dean Foods. Dort heisst es, die Aktien seien aus Stoffels Sicht unterbewertet, stellten eine «attractive investment opportunity» dar. Und der Käufer beabsichtige das Gespräch mit Management und Verwaltungsrat zu suchen hinsichtlich «business, operations and strategic plans».

Die Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC deckt sich mit jenen Äusserungen aus Stoffels Umfeld, wonach der Valser Financier den Einstieg in die texanische Milchwirtschaft als «strategisches Investment» betrachte, das «Teil eines grossen Ganzen» sei. Offenbar soll da noch mehr kommen. Die Rede ist etwa von «einigen Überraschungen», welche in den nächsten Monaten zu erwarten seien.

Fest steht, dass Stoffel sich mit seiner VV Value in einen texanischen Turnaround-Fall eingekauft hat. Der Aktienkurs von Dean Foods hat sich im letzten Jahr mehr als halbiert. Ein Spiegelbild des schwierigen Geschäfts mit dem natürlichen Muntermacher. Seit Jahren ist der Milchkonsum in den USA rückläufig. Dean-Foods-Chef Ralph Scozzafava sprach kürzlich von einem jährlichen Konsumrückgang zwischen 2 und 2,5 Prozent.

Soja- statt Kuhmilch

Die Amerikaner trinken nämlich vermehrt pflanzliche Alternativen wie Mandel- oder Sojamilch. Die Kuhmilch-Branche kämpft deshalb mit Überkapazitäten sowie sinkenden Margen. Bei Dean kommen steigende Schulden und ein kaum diversifiziertes Portfolio hinzu, das zu über zwei Dritteln auf Frischmilch-Absatz baut. Zwar hat das Management versucht, mittels Akquisitionen in «Ice Cream» und biologische Säfte zu diversifizieren. Aber diese neuen wachsenden Geschäfte sind noch verhältnismässig klein.

Entsprechend versuchen die Texaner nun ein weiteres Mal an der Kostenschraube zu drehen und gleichzeitig über «Private Label»-Milch die Absatzvolumen anzukurbeln. Ein Analyst der Grossbank Credit Suisse hat sich zu diesem Vorgehen kürzlich skeptisch geäussert und das Aktienpreis-Ziel auf 7,50 Dollar gesenkt. Dies liegt deutlich unter jener Preisspanne von 9 bis 11 Dollar, bei der Stoffel bislang zugekauft hat. Das Fazit des CS-Analysten lautet: Die operative Kosteneffizienz werde durch strukturelle Veränderung der Industrie gleich wieder wettgemacht, denn der Verdrängungswettbewerb dürfte sich weiter verschärfen. Nicht zuletzt, weil auch Detailhandels-Gigant Walmart in die Milchverarbeitung drängt.

Angesichts dieser operativen Herausforderungen und des schwächelnden Aktienkurses ist Dean Foods zum Übernahmeziel geworden. Bereits im Herbst 2016 gab es Gerüchte, wonach der chinesische Getränkehersteller Hangzhou Wahaha Group Interesse an einer Akquisition von Dean habe. Offenbar war die Investmentbank Goldman Sachs am Sondieren. Darauf reagierte die Dean-Aktie mit einem kurzzeitigen Kursfeuerwerk. Möglicherweise spekuliert Stoffel erneut auf solche Übernahmefantasien.

Während der Bündner Unternehmer die US-Milchwirtschaft als «Swiss Activist» aufmischt, laufen die Steuerverfahren gegen ihn hierzulande weiter. Im November 2016 hatte das kantonale Steueramt Zürich eine Strafanzeige wegen Steuerbetrugs eingereicht. Diese wurde vom leitenden Staatsanwalt für Wirtschaftsdelikte, Peter Pellegrini, gesichtet und einem Mitarbeiter zugeteilt. Die Ermittlungen laufen. Ein Strafverfahren gegen Stoffel wurde bislang nicht eröffnet.

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Zoff im Ländle

Remo Stoffel Der Immobilieninvestor schuldet seinem Ex-Partner 6,7 Millionen Franken. Das Urteil in Liechtenstein ist rechtskräftig, nun läuft die Vollstreckung.

Anfang Oktober fand im Saal 1 des Fürstlichen Landgerichts in Vaduz eine Versteigerung der besonderen Art statt. Unter den Hammer kamen 98 Prozent der Aktien der Mondial Partners Holding. Eine Gesellschaft, die mehrheitlich im Besitz von Remo Stoffel ist. Der Schätzwert der Aktien betrug 49 000 Franken, wie aus dem öffentlich publizierten „Versteigerungsedikt“ hervorgeht.

Hintergrund der Versteigerung ist ein in Liechtenstein rechtskräftiger Zahlbefehl gegen Remo Stoffel in der Höhe von 6,72 Millionen Franken. Diesen Betrag schuldet der Bündner Immobilieninvestor seinem früheren Geschäftspartner, dem Ex-Metro-Manager Hannjörg Hereth. „Stoffel weigert sich standhaft, die rechtskräftig geschuldete Summe zu bezahlen“, sagt der Liechtensteiner Anwalt Robert Neudorfer, welcher Hannjörg Hereth vertritt. Nun versucht Neudorfer mittels Vollstreckungsverfahren den Millionenbetrag einzutreiben, indem er die Liechtensteiner Assets des Bündner Immobilieninvestors verwerten lässt.

Remo Stoffel verweist in einer schriftlichen Stellungnahme auf ein Urteil eines Schweizer Schiedsgerichts aus dem Jahre 2012: Das Gericht hatte damals die Vorwürfe Hannjörg Hereths abgewiesen. Hereth musste Remo Stoffel mit 1 Million Franken „ausseramtlich“ entschädigen, wie es in der Stellungnahme heisst. „Aufgrund dieser Situation hat Remo Stoffel gar nicht im Sinn, auf die erneut vorgetragenen, alten Vorwürfe Herrn Hereths einzutreten“, sagt Stoffels PR-Berater Peter Hartmeier. Wenn Herr Hereth glaube, Forderungen stellen zu können, solle er dies an Ort und Stelle des Unternehmens in der Schweiz versuchen und nicht im Fürstentum Liechtenstein.

Langjähriger Rechtsstreit

Die nun erfolgte Versteigerung der Mondial Partners Holding markiert die jüngste Episode in einem seit Jahren schwelenden Rechtsstreit zwischen Remo Stoffel und seinem ehemaligen Geschäftspartner Hereth. Gemeinsam kauften die beiden die Swissair-Immobilien-Tochter Avireal und zerstritten sich ob dem Deal. Nach einem wüsten Rechtsstreit stimmte Hereth schliesslich 2008 einem Entflechtungsvertrag zu, der Stoffel – gemäss Anwalt Neudorfer – zu einer Zahlung in der Höhe von 45,5 Millionen Franken verpflichtete. Im Gegenzug schied der Ex-Metro-Manager Hereth aus der Avireal-Gruppe aus.

Doch Stoffel zahlte einen Teilbetrag der vertraglich geschuldeten Summe erst mit über zweijähriger Verspätung, so der Anwalt. Wodurch Verzugszinsen in der Höhe von rund 6 Millionen Franken aufliefen. Hinzu kämen Verfahrenskosten, die sich mittlerweile auf gegen 800 000 Franken summierten.

Weil Stoffel nicht – wie vereinbart – fristgerecht zahlte, klagte Hereth die aufgelaufenen Verzugszinsen samt Verfahrenskosten im Ländle ein und bekam durch alle dortigen Gerichtsinstanzen Recht: Das Fürstliche Landgericht entschied zugunsten Hereths. Ebenso das Fürstliche Obergericht wie auch der Fürstliche Oberste Gerichtshof.

Schliesslich rief der Bündner Immobilieninvestor vor gut zweieinhalb Jahren den Staatsgerichtshof des Fürstentum Liechtenstein an wegen „Verletzung verfassungsmässig und durch die Europäische Menschenrechtskonvention gewährleisteter Rechte“ durch den Entscheid des Obersten Gerichtshofs. Doch die höchsten Verfassungsrichter im Ländle wiesen Stoffels Individualbeschwerde ab.

Allerdings ist das Exekutionsverfahren für die Vermögenswerte von Remo Stoffel in Liechtenstein ein schwieriges Unterfangen. „Die Mondial Partners Holding ist inzwischen infolge Konkurses gelöscht“, sagt Robert Neudorfer. Was heute gemäss Fürstlichem Landgericht einen Schätzwert von 49 000 Franken hat, soll dereinst 2006 einen Vermögenswert von „mindestens 10 Millionen oder gar 200 Millionen“ – je nach Bilanz – gehabt haben. Dies zumindest behauptet der Rechtsanwalt von Hannjörg Hereth. Seit 2008 galt ein gerichtliches „Sicherungsgebot“, wie der Parteienvertreter betont. Es untersagte den Mondial-Organen, Entscheide zu treffen, welche Hereths Millionenforderung hätte erschweren oder vereiteln können.

Stoffel beziehungsweise sein Sprecher Peter Hartmeier will zu den Vorkommnissen rund um die Mondial Partners Holding keine Stellung nehmen.

Eigentümerschaft unklar

Bei einer zweiten Liechtensteiner Gesellschaft, wo noch etwas zu holen wäre, gestaltet sich die Sachlage noch verzwickter. Hereth beziehungsweise sein Anwalt Neudorfer zählt eine Anstalt namens Herafina zur stoffelschen Verwertungsmasse. Doch nun hat sich eine Stiftung namens Lactina gemeldet, welche geltend macht, die Besitzerin der Herafina zu sein – und nicht der Bündner Unternehmer Remo Stoffel. Die Lactina-Stiftung hat nun gegen Hannjörg Hereth geklagt, er möge Herafina aus der stoffelschen Verwertungsmasse herauslösen. Zur Rolle der Lactina-Stiftung beziehungsweise zur Eigentümerschaft der Herafina-Anstalt nimmt Stoffel-Sprecher Peter Hartmeier keine Stellung.

Rechtsanwalt Neudorfer ist indes überzeugt, dass hinter der Lactina-Stiftung ebenfalls Remo Stoffel beziehungsweise seine Getreuen stecken. Der Vaduzer Anwalt arbeitet derzeit an einer Antwort auf die Klage der Lactina-Stiftung. Der juristische Zermürbungskrieg im Ländle geht in die nächste Runde.

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Ungemach im Unterland

Remo Stoffel Der Immobilienunternehmer hat eine Anzeige wegen Steuerbetrugs am Hals. Eingereicht hat sie das Zürcher Steueramt.

Ende Oktober hat das Steueramt des Kantons Zürich eine Strafanzeige wegen Steuerbetrugs gegen den Valser Immobilienunternehmer und Eigner der Priora-Gruppe, Remo Stoffel, eingereicht. „Die Anzeige ist bei der Oberstaatsanwaltschaft eingegangen“, bestätigt Medienbeauftragte Corinne Bouvard die Recherchen der „Handelszeitung“. Das Verfahren wegen Steuerbetrugs werde durch die Staatsanwaltschaft III geführt. Sie gilt als eine der bedeutendsten Untersuchungsbehörden der Schweiz für komplexe Wirtschaftsdelikte und hat grosse Fälle wie das Swissair-Grounding oder die Erb-Pleite bearbeitet.

Die Anzeige durch den kantonalen Fiskus lässt aufhorchen. Der Straftatbestand des Steuerbetrugs setzt nämlich eine Täuschungsabsicht über steuerrelevante Tatsachen voraus, bei der gefälschte, verfälschte oder inhaltlich unwahre Dokumente gegenüber den Behörden eingereicht werden. Steuerbetrug wird mit Bussen, Geldstrafen oder Freiheitsentzug von bis zu drei Jahren geahndet. Zusätzlich zum Strafmass sind bei einer Verurteilung die hinterzogenen Steuern samt aufgelaufenen Verzugszinsen nachzuzahlen.

Der nun erstatteten Anzeige durch das Zürcher Steueramt gingen umfangreiche Strafuntersuchungen der Eidgenössischen Steuerverwaltung ESTV voraus. Gestützt auf 800 Bundesordner mit Ermittlungsakten hat die ESTV einen Untersuchungsbericht verfasst und diesen an die Steuerämter als betroffene Parteien und mutmassliche Gläubiger weitergereicht.

Die ESTV wie auch die kantonale Steuerbehörde Zürich äussern sich zum konkreten Fall nicht und verweisen auf das Steuergeheimnis. Remo Stoffel weilt derzeit in Dubai und lässt über seinen PR-Berater Peter Hartmeier ausrichten: „Wir haben keine Kenntnisse von einer Strafanzeige und können deshalb nicht Stellung nehmen.“ Es gilt die Unschuldsvermutung.

Faustpfand für den Staat

Die jetzt erfolgte Anzeige hat eine komplexe und lange Vorgeschichte. Immobilienunternehmer Stoffel liegt schon seit Jahren im Clinch mit den Steuerbehörden. Auslöser war einst die Übernahme der Swissair-Immobilien-Tochter Avireal – der heutigen Priora – im Jahre 2005. Die umstrittene Transaktion und ihre fiskalischen Folgen sorgen bis in die Gegenwart für juristische Querelen.

Ab etwa Herbst 2009 durchleuchten Fahnder der ESTV den Immobilienunternehmer und sein Firmengeflecht wegen des Verdachts auf schwere Steuerwiderhandlungen. Im Sommer 2010 durchkämmen Spezialisten der Abteilung Strafsachen und Untersuchungen ASU im Rahmen der Ermittlungen unter anderem die Büroräumlichkeiten der Avireal am Balsberg-Hauptsitz in Kloten. Die ASU-Fahnder haben seinerzeit umfangreiches Aktenmaterial beschlagnahmt.

Zeitgleich zu den Hausdurchsuchungen liess die Eidgenössische Steuerverwaltung auch diverse Vermögenswerte beschlagnahmen und Konten des Bündner Unternehmers sperren. Stoffel wehrte sich vor Bundesstrafgericht und schliesslich vor Bundesgericht gegen diesen Einzug seiner Assets. Ende 2011 hob die ESTV die Beschlagnahme auf.

Mutmassliche Steuerforderungen

Gut ein Jahr später, im Frühling 2013, hinterlegte Remo Stoffel die Aktien seiner Churer Muttergesellschaft Stoffelpart Asset, unter der all seine Firmen und Beteiligungen hängen, beim Churer Anwalt und FDP-Ständerat Martin Schmid. Der Aufbewahrer sollte dafür 10 000 Franken pro Jahr an Pauschalentschädigung erhalten. Dies geht aus den Vertragspapieren zwischen Stoffel und seinen mutmasslichen Gläubigern hervor, welche der „Handelszeitung“ vorliegen. Diese „Sicherheitshinterlegung“ von Stoffels Firmenassets diente seinerzeit als Faustpfand „für etwaige Steuerschulden und allfällige Bussen“, wie es in den Dokumenten heisst.

Die Gläubiger sind zum damaligen Vertragszeitpunkt Anfang April 2013 die ESTV, die Steuerämter der Kantone Graubünden und Zürich sowie jene der Stadt Chur. Sie stellen Stoffel „mutmassliche Steuerforderungen“ in der kumulierten Höhe von 173,5 Millionen Franken für die Jahre 2005 bis 2008, wie eine Vertragsbeilage ausweist. In dieser Summe sind Verzugszinsen und zum Teil mögliche Bussen noch nicht miteingerechnet.

Alleine die Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV macht beispiels- weise säumige Verrechnungssteuern von 60 Millionen Franken für die Priora-Tochter Airport Immobilien AG geltend. Das kantonale Steueramt Zürich ihrerseits fordert Gewinnsteuern über kumuliert 6,1 Millionen Franken.

Stoffel-Sprecher Peter Hartmeier macht auf Anfrage keine Angaben zu den Steuerforderungen, dem Hinterlegungsvertrag beziehungsweise dazu, ob dieser Vertrag überhaupt noch Gültigkeit hat.

Keine Steuerschulden

Remo Stoffel, der auch namhafte Beteiligungen an der Pharmaziegruppe Galenica, der IT-Dienstleisterin Myriad Group oder den Bergbahnen Lenzerheide hält, erklärte indes im letzten Jahr gegenüber „Sonntagsblick“, er habe „keine Steuerschulden“. Die ESTV habe ihre Untersuchung Ende 2013 abgeschlossen und seine Priora Holding „aus einer Garantie von 80 Millionen“ entlassen. Zudem habe die „Bündner Steuerverwaltung weder ein Strafnoch ein Nachsteuerverfahren“ eröffnet.

Die Zürcher Amtskollegen ihrerseits allerdings schon. Sie haben Stoffels komplexes Steuerdossier nun zur Anzeige gebracht.